PROCEED

Wiederansiedlung der Europäischen Auster in der deutschen Nordsee: Aufbau einer nachhaltigen Produktion von Saataustern für ein langfristiges Wiederansiedlungsprogramm

Die Europäische Auster Ostrea edulis, einst eine weit verbreitete Art in der Nordsee, gilt in einigen Regionen aufgrund intensiver Befischung als funktionell ausgestorben. Als ökologische Schlüsselart hatte sie viele positive Effekte auf andere Pflanzen und Tierarten und erbrachte wichtige Ökosystemleistungen für das Ökosystem. Durch ihre Vorliebe auf den Schalen der eigenen Artgenossen zu siedeln, bildet sie nach und nach über Generationen ein biogenes Riff. Diese Riffe bieten einer Vielzahl weiterer Lebewesen Nahrung, Schutz und Lebensraum. Ein intaktes Austernriffe steigert damit unmittelbar die Biodiversität des Ökosystems.

Derzeit wird in unserem laufenden Projekt RESTORE ein Pilotriff der Europäischen Auster als Naturschutzmaßnahme vorbereitet, in diesem Jahr im Naturschutzgebiet Borkum Riffgrund aufgebaut und in den nächsten Jahren biologisch und ökologisch untersucht.

Das Projekt PROCEED wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz, BfN, mit Mitteln des Bundesumweltministeriums, BMU, gefördert und baut auf wichtigen Zwischenergebnissen von RESTORE zur Wiederansiedlung der Europäischen Auster Ostrea edulis in der deutschen Nordsee auf.

Projektlaufzeit 2018-2024

Eine stabile Saatausternproduktion ist obligatorische Grundlage für die erfolgreiche Wiederansiedlung der Europäischen Auster. Bei der Identifikation von Spenderpopulationen und Bezugsquellen für Saataustern für die Wiederansiedlung wurde deutlich, dass innerhalb Europas nur noch wenige Betriebe geeignete Saataustern dieser Art produzieren. Um eine langfristig gesicherte Verfügbarkeit von Jungaustern zu gewährleisten leistet PROCEED den Aufbau einer technologisch innovativen Zuchtanlage am AWI Standort Helgoland, um dort einen gesunden Elterntierbestand und die Produktion geeigneter Saataustern zu etablieren.  Entsprechend werden biologische und technologische Forschungsfragen auf diesem Gebiet bearbeitet und Erkenntnisse daraus unmittelbar umgesetzt. Ziel ist es, durch die ausreichende Versorgung mit Saataustern ein langfristiges Restaurationsprogramm zu unterstützen und so den Erhalt und die Steigerung der biologischen Vielfalt durch den Lebensraum Austernbank zu sichern.

Wissenstransfer in die Gesellschaft

2017 wurde auf Initiative des AWI und des BfN das europäische Netzwerk NORA (Native Oyster Restoration Alliance) gegründet. NORA wird als internationale Plattform die Strategieentwicklung in den Bereichen Monitoring, Biosecurity, Production und Technologietransfer zwischen aktuellen und zukünftigen Restorationsvorhaben erleichtern. Durch diese Zusammenarbeit soll die Bestandsstärkung der heimischen Art im gesamten europäischen Verbreitungsgebiet unterstützt werden.

Die Koordination des Netzwerks erfolgt über das Projekt PROCEED und wird für 2 Jahre durch die Naturschutzorganisation The Nature Conservancy (TNC) bearbeitet. Aktuelle Informationen dazu sind auf der Internetseite https://noraeurope.eu/ zu finden.

Ergänzend zur Forschung erfolgt ein intensiver Wissenstransfer in die Gesellschaft. Die Austernbank soll exemplarisch die besondere und wichtige Rolle von ökologischen Schlüsselarten sowie die Bedeutung von Biodiversität und wertvollen Ökosystemleistungen zeigen und erklären.

Geplant sind eine interaktive Online Wissensplattform, Ausstellungen im Erlebniszentrum Naturgewalten auf Sylt, dem Blue House Aquarium auf Helgoland und dem Zoo am Meer in Bremerhaven sowie speziell entwickelte Unterrichtsmaterialien um ein allgemeines Verständnis für die einst heimische Art und die Notwendigkeit ihrer Wiederansiedlung zu schaffen.

Außerdem dient das Austernriff

  • als Kinderstube und Laichgrund für verschiedene Fischarten wie Plattfische, Grundeln oder Hechtartige.
  • der Verbesserung der Wasserqualität: Die Austern entfernen durch ihrer natürlich hohen Filtrationsleistung von bis zu 240 Litern am Tag kleine Partikel und Schadstoffe aus dem Wasser. Dadurch kommt es zu einer lokalen Abnahme toxischer Algenblüten und verbesserten Wechselwirkungen zwischen den Prozessen des Meeresbodens und der Wassersäule („Zunahme der bentho-pelagischen Kopplung“).
  • der Unterstützung des Küstenschutzes durch die Stabilisierung des Sediments.

Ostrea edulis, als biogener Riffbildner, dient als Art in besonderer Verantwortung. Das biogene Riff ist Siedlungssubstrat für die darauf wachsende Flora und für die mit ihm auf vielfältige Weise verbundene Fauna. Es bildet ein Hotspot der biologischen Vielfalt und sichert wichtige Ökosystemleistungen durch die Bereitstellung von Lebensraum, Nahrung und Schutz für zahlreiche Wirbellose (wie zum Beispiel Seenelken und Krebse) sowie für diverse Fischarten.

Gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt.