Hartmut-Heinrich-Preis

Die unerwartete Entdeckung von Hartmut Heinrich hat einen enormen Einfluss auf die Arbeit unserer Sektion.

Tiefsee-Sedimentkerne aus dem Nordosten des Atlantischen Ozeans wurden untersucht, um den Einfluss der klimatischen Bedingungen auf große Eiskalbungen zu erklären. Die Analyse grobkörnigen Eisberggerölls und planktonischer Foraminiferen zeigte eine starke Reaktion auf das Präzessionssignal in den letzten 130.000 Jahren vor heute. Demnach dokumentiert die marine Aufzeichnung das Eiskalben nicht nur während der Weichsel-Stadien, sondern auch während kalter Ereignisse innerhalb der Zwischenstadien.

Vergleiche: Heinrich, H.: Origin and consequences of cyclic ice rafting in the northeast Atlantic Ocean during the past 130,000 years. Quaternary Research 29, S. 142–152, 1988.

Sedimente im Nordatlantik enthalten eine Reihe von Schichten, die reich an Eisberggeröll und ungewöhnlich arm an Foraminiferen sind.  Es wird der Beweis erbracht, dass die jüngsten sechs dieser „Heinrich-Schichten“, abgelagert zwischen 14.000 und 70.000 Jahren, deutliche Rückgänge der Meeresoberflächentemperatur und des Salzgehaltes, Rückgänge im Zufluss von planktonischen Foraminiferen in die Sedimente sowie kurzlebige, massive Abgänge von Eisbergen im östlichen Kanada protokollieren. Die Route der Eisberge ist klar gekennzeichnet durch die Präsenz von Eisberggeröllkarbonat und kann über mehr als 3.000 km weit verfolgt werden – eine bemerkenswerte Distanz, die auf eine extreme Abkühlung des Oberflächenwassers und eine enorme Menge an Treibeis zurückzuführen ist. Die Ursache dieser Extremereignisse ist rätselhaft. Möglicherweise spiegeln sie wiederholte, schnelle Vorstöße des Lauretinischen Eisschilds wieder, vielleicht zusammenhängend mit sinkenden Lufttemperaturen. Allerdings zeigen Aufzeichnungen aus grönländischen Eiskernen lediglich einen schwachen Zusammenhang. Außerdem widersprechen die 5.000-10.000-Jahr-Intervalle zwischen den Ereignissen den orbitalen Periodizitäten, was die Frage aufwirft, was die postulierte Abkühlung letztlich verursacht hat.

Vergleiche: Bond, G. C., H. Heinrich, W. S. Broecker, L. Labeyrie, J. McManus, J. Andrews, S. Huon, R. Jantschik, S. Clasen, C. Simet, K. Tedesco, M. Klas, G. Bonani und S. Ivy: Evidence for massive discharges of icebergs into the North Atlantic ocean during the last glacial period. Nature, 360, S. 245–249, 1992

Es war ein großes Glück, dass Hartmut Heinrich durch die umnachtete Idee, nuklearen Abfall in die Meere zu entsorgen, auf das Paläoklima in Form von Basaltgestein aufmerksam geworden ist und einfach weiter geforscht hat.

Um seine Intuition zu ehren und die Signifikanz seiner Erkenntnisse für die Arbeit unserer Sektion hervorzuheben, haben wir im Jahr 2018 drei Heinrich-Preise verliehen.

Die Preisträger

Der Heinrich I Award für fundamentale Arbeit wurde an Dr. Xu Zhang verliehen – für seine Forschung über abrupte Klimaveränderungen während des letzten glazial-interglazialen Zyklus’.

Der Heinrich III Award für das Lebenswerk wurde an Dr. Rainer Gersonde verliehen – für seine fundamentale Arbeit über den Südlichen Ozean und die bipolare Maschinerie.

Der Heinrich XI Award für junge Akademiker (Promotion innderhalb der letzten zwei Jahre) ging an Dr. Paul Gierz – für seine fundamentale Arbeit an Heinrich-Ereignissen und ihre Signatur im Nordatlantik.

Lieber Hartmut,

wir haben sehr von Deiner unerwarteten Entdeckung von Eisberggeröll im Nordatlantik profitiert. Sie hat viele Wissenschaftler – auch uns – inspiriert mit Hinblick auf abrupte Klimaveränderungen und Klimadynamik. Der Gewinn an Wissen durch Deine Arbeit hat bewirkt, dass neue und spannende Perspektiven auf dem Gebiet der Klimadynamik und des Klimawandels erkannt und eingenommen wurden.

Vielen Dank, dass Du uns für einen Vortrag besucht hast.

Viele Grüße
Gerrit Lohmann & die Sektion Dynamik des Paläoklimas am AWI