Künftiges Flaggschiff der deutschen Polarforschung: Neue Polarstern

Detlef Wilde, Projektdirektor für den Bau der neuen Polarstern am Alfred-Wegener-Institut.

Forschungsschiff

Eisbrecher

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Neue Polarstern

Seit 40 Jahren fährt das Forschungsschiff Polarstern in die Arktis und Antarktis und gibt Menschen aus aller Welt die Chance, in den extremsten Regionen des Planeten sicher und effektiv zu forschen. Es hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Bundesrepublik Deutschland rasch nach dem Beitritt zum Antarktisvertrag als Konsultativmitglied eine führende Rolle in der Polar- und Meeresforschung erreicht hat. Damit diese auch in Zukunft auf höchstem wissenschaftlichem und technischem Niveau möglich ist, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), in die Lage versetzt, den Bau eines modernen, leistungsfähigen und nachhaltigen Nachfolgeschiffs auszuschreiben und zu koordinieren. Die Bauführung des neuen Forschungs- und Versorgungsschiffes liegt bei einem interdisziplinären AWI-Projektteam unter Leitung des Luft- und Raumfahrtingenieurs Detlef Wilde.

Mit dem Beschluss des Bundeshaushalts durch den Deutschen Bundestag ist am 3. Juni 2022 der Startschuss für den Bau der „neuen Polarstern“ gefallen; kurz darauf, am 8. Juni 2022, eröffnete das AWI das europaweite Vergabeverfahren. Informationen zum Stand des geheimen Vergabeverfahrens sind voraussichtlich 2024 zu erwarten.

Die neue Polarstern wird Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der ganzen Welt die Möglichkeit geben, in den kalten und gemäßigten Regionen der Welt die komplexen Prozesse im System Erde zu entschlüsseln und entscheidende Erkenntnisse zu dem tiefgreifenden Klimawandel zu gewinnen, in dem unser Planet steckt. Ziel ist es, Lösungen zu finden, um das ökologische Gleichgewicht der Polargebiete und Meere für künftige Generationen zu erhalten. In das Anforderungsprofil sind die Erfahrungen aus 40 Jahren Polarstern-Betrieb eingeflossen.

Die neue Polarstern wird unter sich verändernden Eis- und Witterungsbedingungen einsetzbar sein, damit das AWI langfristig seinen Forschungsauftrag erfüllen kann. So wird das Forschungsschiff eine höhere Eisbrechleistung besitzen, damit es auch in die wenigen Gebiete vordringen kann, in denen das Eis für die heutige Polarstern zu dick ist, etwa das südliche Weddellmeer in der Antarktis. Sie muss modernstes Großgerät für tiefe Sedimentbohrungen beherbergen können und wird über einen sogenannten „Moonpool“ verfügen, eine geschützte Rumpföffnung im Schiff, damit komplexe Tauchroboter auch unter dem Eis tauchen können.

Nicht zuletzt soll die Polarstern-Nachfolge für Innovation und Nachhaltigkeit in der Forschung stehen und muss dazu höchste Energieeffizienz- und Umweltstandards erfüllen. Dabei muss gewährleistet sein, dass die neue Polarstern auch in extremen Regionen fernab jeder Versorgung sicher, effizient und verlässlich betrieben werden kann.