Virtuelle Entdeckungsreisen

Im Bluehouse entsteht eine Ausstellung zum Erleben und Mitmachen

Das erste wissenschaftliche Schau-Aquarium in Deutschland, ursprünglich 1903 an der Königlichen Biologischen Anstalt Helgoland (BAH) gebaut, wird nun durch das Bluehouse Projekt für jetzige und zukünftige Generationen weitergeführt.

Die Direktorin der BAH Prof. Dr. Karen Wiltshire, das wissenschaftliche Projektteam (siehe Kasten rechts) und der Projektleiter Dr. Matthias Strasser, haben ein einmaliges Konzept zur Verbindung der Meeresforschung mit der Faszination für die Nordsee und die Insel Helgoland erarbeitet. Bildung und Wissenstransfer sind Kern des Bluehouse, deshalb wird das an der BAH angesiedelte Schülerlabor OpenSea seine neue Heimat dort bekommen. Es soll offen und einsehbar sein und die kindliche Neugier in uns wecken.

Nach 10 Jahren Vorarbeit freuen wir uns sehr, dass es nun losgeht mit dem Bau des Bluehouse.

Mit dem Bluehouse auf Helgoland entsteht eine Meeresausstellung zum Erleben und Mitmachen. Ein „Schaufenster der Meeresforschung“ nannte der renommierte Architekt des dritten Helgoländer Aquariums Gustav Hassenpflug die Besucherattraktion, die zwischen 1954 und 1956 erbaut wurde. Solch ein Schaufenster soll das neue Bluehouse ebenfalls sein und einladen, viele Fragen zu stellen.

Durch den Algenwald schwimmen oder einen Tauchroboter selbst steuern: Das neue Bluehouse Helgoland soll eine virtuelle Entdeckungsreise werden.

Der Rundgang wird die Besucher durch vier Themenbereiche führen. Der Einstieg in die Ausstellung startet im Themenbereich „Die Nordsee entsteht“ mit einem Überraschungseffekt: Die Besucher werden in die Zeit vor 8000 Jahren versetzt und befinden sich auf dem Trockenen. Im Bereich «Unter Wasser entdecken» zeigt ein riesiges Aquarium mit rund 80.000 Litern die Unterwasserwelt vor Helgoland.

Eine Etage höher führt die Reise in den Bereich «Forschen im Felswatt». Mittels einer Licht- und Filminszenierung werden hier Ebbe und Flut simuliert und das einzigartige Helgoländer Felswatt erlebbar gemacht. An zahlreichen interaktiven Exponaten können die Besucher zudem selbst experimentieren. Im abschließenden Bereich «Die Zukunft erkennen» wird vorgestellt, wie Forschungseinrichtungen gemeinsam nach Lösungen für die Probleme des Klimawandels suchen.

Die Ausstellungsschwerpunkte hat das Planungsteam des AWI gemeinsam mit Vertretern der Gemeinde Helgoland und der Ausstellungsagentur studio klv entwickelt. Dabei hat das Planungsteam eine Mission: Das Bluehouse Helgoland soll die Besucher an der Küsten- und Meeresforschung teilhaben lassen, sie für die Wissenschaft begeistern und die besondere Rolle Helgolands vermitteln. Zielgruppen sind die Tages- und Langzeitgäste, insbesondere die natur- und kulturaffinen Zielgruppen, naturkundlich und wissenschaftlich interessierte Erwachsene, Neugierige, Bildungstouristen und vor allem Familien sowie die Bewohner der Insel. Verbunden mit dem Betrieb der Ausstellung sind auch die Durchführung naturkundlicher und wissenschaftlicher Führungen, ein Vortragsprogramm und Citizen Science Projekte.

Das Bluehouse Helgoland ersetzt an gleicher Stelle das Aquarium Helgoland, das Ende 2014 wegen baulicher Mängel geschlossen werden musste. Der Abriss ist für das zweite Halbjahr 2021 vorgesehen. Das neue Gebäude wird sich vom alten Aquarium kaum unterschieden, denn es bildet mit dem benachbarten Forschungsgebäude ein architektonisches Gesamtensemble, das unter Denkmalschutz steht. Neu hinzu kommt jedoch ein bläulich schimmernder Glasbau, der die aktuell etwa 20 Meter große Lücke zwischen dem früheren Aquarium und dem Forschungstrakt füllen wird. In diesem neuen Gebäudekomplex wird auch das Schülerlabor OPENSEA eine neue Heimat finden, das sich aktuell noch im Helgoländer Oberland befindet.

Was erforschen die Wissenschaftler_innen auf Helgoland? Welche Tiere und Pflanzen leben hier? Wie hat sich die Nordsee entwickelt und im Laufe der Jahre verändert? Wie wirkt sich der Klimawandel direkt vor unserer Haustür aus? Welche modernen Techniken nutzen die Forscher?...

Antworten auf diese und viele weitere Fragen soll das Bluehouse seinen Besuchern geben. Ein vielfältiges Angebot an Exponaten lädt die Besucher zum Mitmachen, Entdecken und spielerischem Lernen ein. Das Bluehouse wird allen Interessierten einen spannenden Einblick in die Welt der Nordsee und ihrer Erforschung bieten. Das „Bluehouse“ wird zukünftig vom AWI in Kooperation mit der Gemeinde Helgoland auf Deutschlands einziger Hochseeinsel betrieben. Bis es so weit ist, haben alle Beteiligten allerdings noch einiges an Arbeit vor sich.

Das Projektteam Wissenschaft ist eng in die Planung der Ausstellungsinhalte eingebunden: Wissenschaftler_innen stehen in intensivem Austausch mit der Agentur „studio klv“, die das inhaltliche Konzept der Ausstellung entwickelt. Die Wissenschaftler_innen sorgen dafür, dass die Exponate den aktuellen Stand der Forschung abbilden und wissenschaftliche Ergebnisse für die Besucher verständlich dargestellt werden.

Momentan entstehen die Storyboards der einzelnen Exponate. Fotos und Filmsequenzen werden ausgewählt, Texte in verständlicher Sprache abgestimmt. Die Detailplanung der Aquarien hat ebenfalls begonnen. Hierbei bringen vor allem die Techniker_Innen und Taucher_innen ihre Erfahrungen ein.

Besonders wichtig ist es, dass die Leute einen lebendigen Eindruck von der Bedeutung der Meereswissenschaften bekommen. Immerhin hat die Meeres- und Küstenforschung auf Helgoland eine lange Tradition. Schon 1892 wurde dort die „Königlich Preußische Biologische Anstalt auf Helgoland“ gegründet. Zahlreiche wichtige Erkenntnisse über das Plankton, die Fische der Nordsee oder den Vogelzug haben Wissenschaftler_innen dort gewonnen. Auch diese Geschichte will die neue Ausstellung erzählen und den Bogen zur modernen Meeresforschung und ihren Ergebnissen schlagen.

Ziel ist ein für die Bedürfnisse der Insel Helgoland maßgeschneidertes Meereswissenschaftsforum mit bildungspädagogischem Anspruch.

Damit das alles keine reine Theorie bleibt, wird es im Bluehouse auch naturkundliche und wissenschaftliche Führungen, Citizen-Science-Projekte zum Mitmachen und ein Schülerlabor geben.

Dieser erlebnisorientierte Ansatz hat sich schon mit dem „Erlebniszentrum Naturgewalten“ auf Sylt bewährt, das am 21. Februar sein zehnjähriges Bestehen gefeiert hat. Diese multimediale Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt des AWI mit der Gemeinde List, der Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und den Sylter Natur- und Küstenschutzverbänden. Schwerpunkt sind neben der Wetter- und Klimaforschung auch die Tiere und Pflanzen des Nationalparks sowie die Kräfte der Nordsee. Schon etwa eine Million Besucherinnen und Besucher haben seit der Eröffnung eigenhändig Wellen erzeugt und den Meeresspiegel ansteigen lassen, einen Tornado entfesselt und sich im Sturmraum den Wind um die Nase wehen lassen.

Schließlich ist Deutschlands einzige Hochseeinsel eine ganz eigene Welt, deren Charakter und Besonderheiten in der neuen Ausstellung den Schwerpunkt bilden werden.

Interessante Themen gibt es dabei genug. Die Palette reicht vom Felswatt über die Algenwälder bis zu den helgolandtypischen Tieren wie Hummer, Taschenkrebsen und Basstölpel. Und auch das faszinierende Meeresleuchten ist eng mit der Insel verbunden. Immerhin hat der Naturforscher Christian Gottfried Ehrenberg schon 1835 nachgewiesen, dass Geißeltierchen der Art Noctiluca scintillans am Werk sind, wenn das Wasser rings um Helgoland in einem unwirklich blauen Licht schimmert. Vielleicht wird es in der Ausstellung also auch geheimnisvoll leuchten und blitzen, wenn das Bluehouse 2022 eröffnet wird.

Ansprechpartner

Projektleitung:
Dr. Matthias Strasser

Bauleitung:
Marion Krüger

Wissenschaftliche Leitung:
Prof. Dr. Karen Wiltshire

Projektteam Wissenschaft:
Prof. Dr. Maarten Boersma
Dr. Eva-Maria Brodte
Prof. Dr. Philipp Fischer
Dr. Gunnar Gerdts
Prof. em. Dr. Peter Lemke
Dr. Cedric Meunier
Dr. Bernadette Pogoda
Dr. Antje Wichels

Schülerlabor:
Dr. Antje Wichels

Kommunikation & Medien:
Sebastian Grote

Kooperationspartner:
Gemeinde Helgoland
Verein Jordsand
Bluehouse Verein Helgoland

 

Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Architektur:
PASD Architekten

Ausstellungsplanung:
Studio klv

Finanzierung:
BMBF, AWI, Gemeinde Helgoland, Land Schleswig-Holstein