Virtuelle Entdeckungsreisen

Im Bluehouse entsteht eine Ausstellung zum Erleben und Mitmachen

Es soll eine Art Schaufenster zum Meer werden. Das „Bluehouse“, das zukünftig  vom AWI in Kooperation mit der Gemeinde Helgoland  auf Deutschlands einziger Hochseeinsel betrieben wird , soll allen Interessierten einen spannenden Einblick in die Welt der Nordsee und ihrer Erforschung bieten. Bis es so weit ist, haben alle Beteiligten allerdings noch einiges an Arbeit vor sich.

Entstehen wird die neue Ausstellung am Nordosthafen von Helgoland. Ursprünglich hatte dort das ebenfalls vom AWI betriebene Aquarium die Tier- und Pflanzenwelt der Nordsee präsentiert – bis das baufällig gewordene Gebäude Ende 2014 geschlossen werden musste. Inzwischen wurde es komplett entkernt. „Dabei hat sich allerdings herausgestellt, dass es noch maroder ist als ursprünglich gedacht“, sagt die Leiterin der AWI-Bauabteilung Marion Krüger. „Es ist daher notwendig, das Gebäude abzureißen und neu zu bauen.“

Was anschließend darin zu sehen sein wird, zeichnet sich derweil aber schon ab. Die Agentur „studio klv“ aus Berlin ist dabei, zusammen mit dem AWI und der Gemeinde das inhaltliche Konzept für das Bluehouse zu entwickeln. Von vornherein stand dabei fest, dass es nicht wieder ein klassisches Aquarium werden sollte. Zwar wird es auch künftig ein großes 100.000-Liter-Becken mit Meeresbewohnern geben, zusätzlich vielleicht auch noch ein paar kleinere. Ansonsten aber soll der Schwerpunkt auf virtuellen und interaktiven Exponaten liegen. Filme, Animationen und Stationen zum Mitmachen werden die Besucher einladen, das Meer und seine Bewohner zu entdecken. Auch die Frage, welche Zukunft der Nordsee in Zeiten des Klimawandels bevorsteht, wird eine große Rolle spielen.

„Besonders wichtig ist es uns, dass die Leute einen lebendigen Eindruck von der Bedeutung der Meereswissenschaften bekommen“, sagt Projektkoordinator Matthias Strasser. Immerhin hat die Meeres- und Küstenforschung auf Helgoland eine lange Tradition. Schon 1892 wurde dort die „Königlich Preußische Biologische Anstalt auf Helgoland“ gegründet, zahlreiche wichtige Erkenntnisse über das Plankton, die Fische der Nordsee oder den Vogelzug haben Wissenschaftler dort gewonnen. Auch diese Geschichte will die neue Ausstellung erzählen ­ und den Bogen zur modernen Meeresforschung und ihren Ergebnissen schlagen. Damit das alles keine reine Theorie bleibt, wird es im Bluehouse auch naturkundliche und wissenschaftliche Führungen, Citizen-Science-Projekte zum Mitmachen und ein Schülerlabor geben.

Dieser erlebnisorientierte Ansatz hat sich schon bewährt. So leitet Matthias Strasser das „Erlebniszentrum Naturgewalten“ auf Sylt, das am 21. Februar sein zehnjähriges Bestehen gefeiert hat. Diese multimediale Ausstellung mit eigens dafür gedrehten Filmen, einem Außenbecken mit Seetieren und vielen Experimenten ist ein Kooperationsprojekt des AWI mit der Gemeinde List, der Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und den Sylter Natur- und Küstenschutzverbänden. Schwerpunkt sind neben der Wetter- und Klimaforschung auch die Tiere und Pflanzen des Nationalparks sowie die Kräfte der Nordsee. Schon etwa eine Million Besucherinnen und Besucher haben seit der Eröffnung eigenhändig Wellen erzeugt und den Meeresspiegel ansteigen lassen, einen Tornado entfesselt und sich im Sturmraum den Wind um die Nase wehen lassen. „Dieses Angebot kommt sehr gut an“, freut sich Matthias Strasser. „Trotzdem wollen wir das Konzept natürlich nicht eins zu eins von Sylt nach Helgoland übertragen.“

Schließlich ist Deutschlands einzige Hochseeinsel eine ganz eigene Welt, deren Charakter und Besonderheiten in der neuen Ausstellung den Schwerpunkt bilden werden.  Interessante Themen gibt es dabei genug. Die Palette reicht vom Felswatt über die Kelpwälder bis zu den helgolandtypischen Tieren wie Hummer, Taschenkrebsen und Basstölpel. Und auch das faszinierende Meeresleuchten ist eng mit der Insel verbunden. Immerhin hat der Naturforscher Christian Gottfried Ehrenberg schon 1835 nachgewiesen, dass Geißeltierchen der Art Noctiluca scintillans am Werk sind, wenn das Wasser rings um Helgoland in einem unwirklich blauen Licht schimmert. Vielleicht wird es in der Ausstellung also auch geheimnisvoll leuchten und blitzen, wenn das Bluehouse 2022 eröffnet wird.