Die heimische Austernart - Ostrea edulis

Die Europäische Auster gilt in ihrer typischen Artengemeinschaft als Schlüsselart mit besonderer ökologischer Funktion. Aufgrund ihrer globalen und regionalen Bedeutung wurde sie in die OSPAR-Liste stark im Bestand bedrohter und schützenswerter Tierarten aufgenommen. Austernriffe zeichnen sich als Hot Spots der biologischen Vielfalt aus. Sie bieten Nahrung, Schutz, Siedlungssubstrat und fungieren als Kinderstube u.a. für viele Fischarten. Insgesamt leisten Austernbänke wertvolle Ecosystem Services, wie Erhöhung der Biodiversität, Futter und Schutzraum für viele Tierarten, eine Verbesserung der Wasserqualität durch Filtrationsleistung, Verringerung toxischer Algenblüten, Festigung loser Sedimente, Küstenschutz und damit insgesamt eine Wertsteigerung des umliegenden Ökosystems (Ecosystem Value) gehören.

Die Bestände der Europäischen Auster sind in ganz Europa als stark gefährdet eingestuft. Durch einen über Jahrhunderte andauernden, massiven Fischereidruck kam es im Laufe des 20. Jahrhunderts europaweit zu einem Zusammenbruch der Austernpopulationen. Für die deutschen Meeresgebiete ist belegt, dass die ursprünglich großen Austernbestände auch hier durch Überfischung vernichtet wurden. Austernbänke der Europäischen Auster bestehen heute nur noch vereinzelt z.B. in Großbritannien, Irland und Dänemark.

Machbarkeitsstudien und Restaurationsexperimente in Großbritannien haben gezeigt, dass Instandsetzungsmaßnahmen von Austernbänken, die auf Langzeitkonzepten beruhen, Erfolg versprechend sind, und der Wiederaufbau von Austernbänken möglich ist.

Projekt RESTORE

Wiederherstellung der Bestände der Europäischen Auster (Ostrea edulis) in der deutschen Nordsee

Im Rahmen des vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geförderten Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens (E+E-Vorhaben) werden erstmalig Methoden und Verfahren zum nachhaltigen Bestandsaufbau der Europäischen Auster Ostrea edulis in der deutschen Nordsee entwickelt und modellhaft in die Praxis umgesetzt und getestet. Das Projekt RESTORE basiert auf einer 2014 erstellten Machbarkeitsstudie des BfN zur potentiellen Wiederansiedlung der Europäischen Auster. Die Ergebnisse dieser Voruntersuchung sollen dazu dienen ein Restaurationsprogramm zu erstellen, um einen gesunden Bestand der in Europa stark bedrohten Austernart und des Ökosystems Austernbank an ausgewählten Standorten in der deutschen Nordsee zu etablieren.

Projektlaufzeit 2016 – 2019

Die Wiederansiedlung der einst in der deutschen Nordsee heimischen Austernart ist als Meeresnaturschutzmaßnahme anzusehen und wird fachlich durch die Abteilung Meeresnaturschutz des BfN betreut und in Kooperation mit diesem durchgeführt . Um den Bestand der Art nachhaltig wieder aufzubauen müssen zunächst naturschutzrechtliche, technologische wie biologische Fragestellungen bearbeitet werden, um abschließende Empfehlungen für ein langfristiges Restaurationsprogramm zu ermöglichen.

Wissenschaftliche und technische Arbeitsziele

Im Rahmen des vorliegenden E+E-Vorhabens sollen wissenschaftliche und technologische Rahmenbedingungen für eine Wiederherstellung von Europäischen Austernbeständen in der deutschen Nordsee geschaffen werden. Unter Berücksichtigung naturschutzrechtlicher Rahmenbedingungen werden in Feldstudien an möglichen Wiederherstellungsstandorten verschiedene Technologien zur Ansiedlung erprobt und Wachstum und Fitness der Tiere untersucht. 
Insbesondere werden folgende Erkenntnisgewinne erwartet:

•    Aussagen zu Wachstum und Fitness (biologische Eignung)

•    Identifikation von Spenderpopulationen (Saataustern zur Wiederansiedlung)

•    Empfehlung geeigneter Standorte

•    Empfehlung geeigneter Technologien

Wissenswert

Aufgrund ihrer bedeutenden ökologischen Eigenschaften hat Karl Möbius 1877 anhand der Austernbank den Begriff Biozönose eingeführt.

Wissenswertes über die Auster

Wissenschaftlicher Name:  Ostrea edulis
Deutscher Name: Europäische Auster
Größe: 12 bis 20 Zentimeter
Alter bei Geschlechtsreife: 3 bis 4 Jahre
Verbreitungsgebiet: Atlantik von Norwegen bis Portugal und Mittelmeer; in Deutschland und Belgien gilt die Art als ausgestorben
Lebensraum:            Niedrigwasserlinie bis in 40 Meter Tiefe
Biologie: Frei schwimmende Austernlarven siedeln nach einigen Tagen bis wenigen Wochen. Haben sie sich einmal auf geeignetem Hartsubstrat (bevorzugt Austern- und Muschelschalen) niedergelassen, bleiben sie als sessile Organismen dort haften.
Ernährungsweise: filtriert Planktonorganismen aus dem Meerwasser