03. Februar 2026
Online-Meldung

Verhandlungen zum globalen Plastikabkommen: Erfolg ist noch möglich

Öffentliche Aktionen wie diese machen in Genf auf die Verhandlungen aufmerksam. (Foto: Annika Jahnke / UFZ)

Plastikmüll verursacht weltweit große Probleme. Die Verhandlungen bei den Vereinten Nationen in Genf im August 2025 führten jedoch nicht zu dem erwarteten globalen Plastikabkommen. Am 7. Februar 2026 wird das zwischenstaatliche Verhandlungskomitee (INC) wieder in Genf zusammentreten und einen neuen Vorsitz wählen. Dieser muss den INC-Prozess dringend reformieren, damit endlich ein Abkommen erzielt werden kann. So argumentieren Melanie Bergmann (Alfred-Wegener-Institut), Paul Einhäupl, Linda Del Savio (Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit), und Annika Jahnke (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung) in einem gerade erschienenen Kommentar in Nature.

Ihre Analyse weist auf erhebliche Prozessschwächen hin, die Uneinigkeiten eher verstärken und dadurch den Fortschritt bei den Verhandlungen über ein rechtsverbindliches globales Abkommen zur Beendigung der Plastikverschmutzung behindern. Das Team sieht den Verhandlungsprozess zur Bewältigung der eskalierenden Plastikkrise gefährdet. Grund dafür ist, dass thematischen Priorisierungen, zeitlich gestaffelte Debatten und Entscheidungsfindungsprozesse sowie klare Verfahrensregeln fehlen.

Der Kommentar zeigt auf, dass das umfassende Mandat des INC – die Berücksichtigung des gesamten Lebenszyklus von Plastik – zu fragmentierten und verzögerten Debatten geführt hat. Schlüsselfragen werden unterschiedlich interpretiert, was zu wiederkehrenden, ungelösten Diskussionen führt. Ein Beispiel hierfür ist die Frage, ob das künftige Abkommen die Bereiche Plastikproduktion, bedenkliche Chemikalien und Produkte sowie Gesundheitsaspekte abdeckt.

Der Hauptautor Paul Einhäupl (Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit, RIFS) sagt: „Die Berücksichtigung des gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen macht die Verhandlungen über ein globales Kunststoffabkommen besonders schwierig und verdeutlicht, wie stark aktuelle Umweltprobleme mit gesellschaftlichen Fragen verflochten sind. Die Verhandlungen bieten jedoch auch eine seltene Gelegenheit, diese verknüpften Fragen auf multilateraler Ebene kohärenter und wirksamer zu lösen.“ 

Linda Del Savio (RIFS) fügt hinzu: „Um dem Problem der Plastikverschmutzung der Meere mit einem global wirksamen Ansatz entgegenzutreten, muss der gesamte Lebenszyklus von Kunststoffen berücksichtigt werden. Dazu gehören die Produktion, der Transport und die Verwendung von Kunststoffen, ebenso wie eine funktionierende Abfallwirtschaft und das Recycling.“ 

Melanie Bergmann (Alfred-Wegener-Institut, AWI): „Die Trennung der Verhandlungen über zentrale Themen wie die Begrenzung der Kunststoffproduktion und die Finanzierung der Abfallwirtschaft macht es leicht, traditionelle Geber- und Empfängerländer gegeneinander auszuspielen. Dabei sind diese beiden Themen eng miteinander verknüpft: Je mehr Kunststoffe produziert werden, desto mehr Infrastruktur wird benötigt. Dies wurde genutzt, um die Gegensätze zu verstärken, statt die Positionen der Parteien auf eine Einigung hin anzunähern.“

Annika Jahnke (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, UFZ): „Kunststoffe reichern sich weltweit auf kaum reversible Weise an und setzen im Laufe der Zeit Mikroplastik und Chemikalien frei. Die meisten davon bleiben viele Jahre lang bestehen und tragen zu den drei planetare Krisen– Klimawandel, Verlust der biologischen Vielfalt und Umweltverschmutzung – bei. Im Einklang mit dem Vorsorgeprinzip ist es von entscheidender Bedeutung, Kunststoffe ganzheitlich zu regulieren und die Exposition des Menschen während der Verwendung sowie die Emissionen in die Umwelt weitgehend zu reduzieren.“

Die Autor*innen schlagen drei wesentliche Änderungen vor, um die Verhandlungen wiederzubeleben:

  • Priorisierung und Reihenfolge: Entscheidung über die wichtigsten Themen und deren Prioritäten auf Ebene der Delegationsleitenden, um den Entscheidungsprozess entlang von Zielen und Meilensteinen auszurichten anstatt eines festen Zeitplans.
  • Klarheit der Verfahren: Einführung klarer Verfahrensregeln, um Verzögerungen durch Ablenkungsdebatten zu vermeiden, einschließlich Leitlinien für die Ausarbeitung und Dokumentation von Vereinbarungen aus informellen Sitzungen und die Beilegung von Uneinigkeiten.
  • Mehrheitsbeschluss: Stärkung der Möglichkeiten zur Erzielung eines Konsenses durch Einführung eines Mechanismus für Mehrheitsbeschlüsse unter konkreten Voraussetzungen und Regeln, beispielsweise wenn eine breite Unterstützung für eine Maßnahme besteht, aber eine Minderheit den Fortschritt blockiert.

Die Autor*innen warnen davor, die Verfahrensschwächen der derzeitigen Verhandlungen nicht zu beheben. Dies könnte die internationale Zusammenarbeit im Bereich der Plastikverschmutzung untergraben und den Multilateralismus als Ganzes schwächen. Dadurch würden auch die Bemühungen zur Bewältigung globaler, vernetzter Krisen, wie dem Klimawandel und dem Verlust der biologischen Vielfalt geschwächt. 

Weitere Informationen
Pressemeldung des RIFS

Originalpublikation
Einhäupl, Paul; Del Savio, Linda; Bergmann, Melanie; Jahnke, Annika (2026); The global plastics treaty can be saved — here’s how to break the deadlock; Nature, Vol 650, doi: 10.1038/d41586-026-00314-4, https://www.nature.com/articles/d41586-026-00314-4

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