Komm an Bord!

Wir machen uns auf den Weg in die Antarktis - und IHR seid virtuell mit dabei. In diesem Sinne: Komm(t) an Bord!

Wir sind Sandra und Steffi und werden auf der kommenden Polarstern-Expedition in die Antarktis nicht nur die Kammer (= unser Zimmer an Bord) teilen, sondern auch unsere Erlebnisse und wissenschaftliche Arbeit mit euch.

Da wir aber genauso neugierig sind, was denn wohl eure Fragen an uns sind - spitzt die Bleistifte, haut in die Tasten und teilt eure Fragen hier mit uns.

Und das sind wir

Wo geht's eigentlich hin?

Leinen los: 06. Februar 2026 in Punta Arenas (Chile)

Zurück im Hafen: 09. April 2026 Port Stanley (Falklandinseln)

Name der Expedition: PS153 - Summer Weddell Outflow Study (SWOS) 

Forschungsgebiet: Unser Forschungsgebiet liegt östlich der antarktischen Halbinsel - im nordwestlichen Weddellmeer. Das Gebiet ist in der Regel ganzjährig mit Meereis bedeckt. Es wird also spannend, wie weit uns unser deutscher Forschungseisbrecher RV Polarstern hier wirklich bringen kann.

Aktuelle Eiskarte und Position der Polarstern: Wir erwarten sehr viel und sehr dickes Eis auf unserer Expedition. Unsere tägliche Position, sowie Links zum Wetter und dem Polarstern-Blog von Bord findet ihr hier

Und woran genau werden Sandra und Steffi an Bord so arbeiten?

Blog

02. März 2026. 67°11′S 55°56′ W. Die Wissenschaft des Schneeballs - und des Schneeengels

Auf vielen unserer bisher untersuchten Eisschollen war der Schnee auf den ebenen Flächen ziemlich dünn. Ein Teil ist im Laufe des Sommers weggeschmolzen, ein anderer Teil hat sich durch Umformungsprozesse sogar in Meereis umgewandelt. Das eigentlich strahlend weiße Meereis wirkte deshalb oft eher grau und fleckig.

Doch in den letzten zwei Tagen hat sich das Bild komplett verändert: Ein kräftiger Schwall feuchter Luft wurde in unser Forschungsgebiet im nordwestlichen Weddellmeer transportiert – und mit ihm jede Menge Schnee. Am Ende lagen 15 cm und mehr Neuschnee auf dem Eis. Und das bei vergleichsweise milden Temperaturen! Der Schnee war dadurch richtig schön feucht und „pappig“ – perfekt zum Schneemannbauen. Ihr lacht? Tatsächlich ist das gar nicht so unwissenschaftlich: Die sogenannte “Handprobe” gibt uns einen schnellen Hinweis auf die Schneefeuchte. Lässt sich der Schnee gut zu Schneebällen formen und hält stabil zusammen, liegt die Feuchte typischerweise bei etwa 3 bis 8 Prozent.

Bei der nächsten Schneeballschlacht könnt ihr also mit gutem Gewissen sagen, dass ihr eine kleine Schneefeuchte-Analyse durchführt.

Und noch etwas funktionierte heute hervorragend: ein Schneeengel. Das war allerdings keine Messmethode – sondern Steffis ganz persönliche Art, die Freude nach getaner Arbeit auszudrücken. Erkennt ihr den Engel?

01. März 2026. 66°53′S 55°34′ W. Wasser unter dem Schiff und unter der Scholle.. macht das einen Unterschied?

Während Steffi auf einer Eisstation Schnee und Eis der Schollen unter die Lupe nimmt, zieht es Sandra an einen ganz anderen Ort: unter das Eis. Genauer gesagt interessiert sie sich für das Wasser unter den Schollen. Aber warum eigentlich? Ist das Wasser dort anders als das Wasser unter dem Schiff? Und wenn wir doch auf der Polarstern jede Menge Hightech an Bord haben – warum messen wir nicht einfach bequem vom Schiff aus?

Tatsächlich ist die Polarstern bis oben hin vollgestopft mit Messgeräten. Viele davon liefern uns rund um die Uhr Daten aus dem Ozean. Direkt unter dem Schiff sitzt zum Beispiel ein ADCP. Dieses Gerät misst Strömungen mithilfe von Schallwellen – im Prinzip funktioniert es genauso wie die gelben „Pilze" an unserer großen CTD. Der Vorteil: Das ADCP im Schiff kann Strömungen auch in größerer Entfernung erfassen. Der Haken? Es befindet sich etwa 11 Meter unter der Wasseroberfläche. Und genau deshalb entgeht uns ein besonders spannender Bereich: die Strömung direkt unter dem Eis. Außerdem wird das Wasser in der Nähe vom Schiff auch immer ein bischen umgerührt - denn das Schiff ist ja dort mit seinen großen Schiffsschrauben. 

Also heißt es für uns immer wieder: Raus aufs Eis und Löcher bohren. Durch diese Löcher lassen wir unsere Instrumente – zum Beispiel ADCPs – direkt ins Wasser hinab. So kommen wir ganz nah an den Bereich heran, der uns besonders interessiert und können, ungestört vom Schiff, die Strömung vermessen. Von oben betrachtet sieht das Ganze übrigens eher unspektakulär aus: ein paar Menschen auf einer weißen Fläche mit einigen Löchern im Eis. 

Aber unter der Oberfläche passiert richtig viel. Bei einer der nächsten Stationen möchten wir versuchen, mit einer Unterwasserkamera ein Bild unter dem Eis zu machen. Das wäre natürlich besonders spannend – mal sehen, ob es klappt! Und trotzdem auf dem Eis nur eine kleine harmlose Kiste stand, haben vier neugierige Pinguine uns und unser Tun eine ganze Weile beobachtet. Sie kamen dem Schiff immer näher, als wollten sie genau wissen, was wir da treiben. Wir gucken Zuhause ja schließlich auch mal neugierig zu unseren Nachbarn. Und als wir schließlich weitergefahren sind, sind sie noch ein paar Schritte mitgewatschelt und haben uns hinterhergeschaut.

27. Februar 2026. 66°35′S 55°24′ W. Der Schnee wird wortwörtlich unter die Lupe genommen

Seit knapp drei Wochen arbeiten wir nun schon im Meereis – und haben gestern bereits die 10. Eisstation erfolgreich beendet! Aber was passiert bei so einer Eisstation eigentlich genau – und warum machen wir das?

In den kommenden Blog-Einträgen stellen wir euch nach und nach einzelne Messungen vor. Den Anfang macht Steffis Spezialität: die sogenannten Schneeschächte.

Auf jeder Eisscholle nimmt Steffi den Schnee wortwörtlich ganz genau unter die Lupe. Warum? Weil die Eigenschaften des Schnees viel darüber verraten, was er im vergangenen Jahr erlebt hat. Der Schnee speichert Spuren von Wind, Wärme, Kälte und Sonneneinstrahlung – und hilft uns zu verstehen, was an der wichtigen Grenze zwischen Schnee und Meereis passiert. Dort entscheidet sich zum Beispiel, wie gut das Eis isoliert ist oder wie viel Wärme aus dem Ozean nach oben gelangt.

Für einen Schneeschacht wird zuerst mit der Schaufel ein kleines Loch gegraben. Im Moment ist das schnell erledigt, denn der Schnee ist hier meist sehr dünn – oft nicht dicker als fünf Zentimeter. Dann beginnt die eigentliche Arbeit: Zuerst misst Steffi mit einem Einstech-Thermometer die Temperatur – und zwar Zentimeter für Zentimeter. Danach sticht sie ein genau definiertes Schneevolumen aus und wiegt es. Aus Volumen und Gewicht lässt sich die Dichte berechnen, also wie „kompakt“ der Schnee ist. Und dann kommt der Teil, den Steffi besonders liebt: Mit geschultem Blick erkennt sie unterschiedliche Schneeschichten. Aus jeder Schicht entnimmt sie einzelne Kristalle, legt sie unter die Lupe und beschreibt ihre Form. Sind sie kantig oder rund? Stark miteinander verbunden oder schon zerfallen? All das erzählt eine Geschichte über die Bedingungen, denen der Schnee ausgesetzt war.

Da es auf unseren bisherigen Eisschollen relativ warm war (hier ist aktuell schließlich „Hochsommer“), ließen sich die feinen Kristallstrukturen leider nicht gut fotografieren – sie verändern sich bei Wärme sehr schnell. Aber keine Sorge: Das holen wir bei nächster Gelegenheit nach!

23. Februar 2026. 66°45′S 53°49′ W. Pinguine - zu Fuß, zu Bauch und zu Wasser

Wir hatten richtig viel Arbeit die letzten Tage – viele Eisstationen, ganz viele Proben und Messungen. Daher melden wir uns erst heute wieder. Heute sind nämlich ganz viele Pinguine um uns herum. Sie stehen auf dem Eis, schauen sich um, dann springen sie wieder ins Wasser, schwimmen um die Polarstern herum, tauchen unter uns durch  - und hüpfen schließlich wieder aufs Eis. Es sieht aus als hätten sie richtig Spaß dabei. Wir dachten, das wäre eine gute Gelegenheit die vielen tollen Fragen zu Pinguinen zu beantworten, die ihr uns gestellt habt. Hier kommen unsere tierischen Antworten.

Warum können Pinguine so gut schwimmen? Pinguine können so gut schwimmen, weil ihre Körper sehr glatt und rund sind. So können sie schnell durchs Wasser gleiten. Ihre Flügel sehen aus wie Arme, aber sie sind eigentlich Schwimmflossen. Damit „fliegen“ sie durchs Wasser, so schnell wie ein Fahrrad. Und ihr dichtes, fettiges Gefieder hält sie warm – sogar im eiskalten Meer! Manchmal springen sie sogar auch ein bisschen heraus – schaut doch mal genau auf dem Foto! Pinguine können auch richtig gut tauchen. Der Kaiserpinguin, zum Beispiel, kann über 500 Meter tief tauchen! Das ist tiefer als viele Hochhäuser hoch sind!

Warum können Pinguine so gut auf dem Bauch rutschen? Wenn Pinguine auf dem Eis schnell vorwärtskommen wollen, legen sie sich auf den Bauch und rutschen los. Sie stoßen sich mit den Füßen ab und helfen mit ihren Flügeln mit. Ihr glatter, runder Körper mit dem dichten Gefieder ist auch dafür perfekt geeignet. So sind sie viel schneller als beim Watscheln! Habt ihr auch schon mal versucht euch so fortzubewegen?

Sind Pinguine schlau? Ja, Pinguine sind ziemlich schlau! Sie können, zum Beispiel, immer ihren Partner*in wiedererkennen – auch wenn ganz viele andere Pinguine da sind, sie können ihre Kinder an der Stimme erkennen – oder sehr gut zusammenarbeiten, wenn sie Futter suchen. Sie sind vielleicht keine Mathe-Genies, aber für ihr Leben im Eis sind sie bestens vorbereitet!

Wo machen Pinguine Pipi – auch wenn sie ein Ei auf den Füßen haben? Pinguine machen Pipi und Kacka hinten aus ihrem Körper – so wie andere Vögel auch. Wenn ein Pinguin ein Ei auf den Füßen balanciert (wie zum Beispiel bei den Kaiserpinguinen), dann passt er gut auf. Er hält das Ei warm unter einer Hautfalte am Bauch. Wenn er muss, macht er einfach vorsichtig sein Geschäft, ohne das Ei fallen zu lassen. Pinguine sind darin richtige Profis! Übrigens trägt bei den Kaiserpinguin oft der Papa das Ei auf seinen Füßen und hält es warm, während die Mama Futter holt.

20. Februar 2026. 66°24′S 54°01′ W. Rückkehr: Ein ganz besonderer wissenschaftlicher Moment.

Rückblick. Am 03. Februar 2025 – also vor gut einem Jahr – waren Steffi und Sandra bereits an Bord der Polarstern unterwegs (und haben sich natürlich auch schon die Kammer geteilt!). Damals führte die Expedition in das südöstliche Weddellmeer. Ziel des Meereisteams jener Zeit war es, unter anderem, mehrere umfangreich untersuchte Eisschollen mit autonomen Messsystemen zu besendern. Diese sogenannten Bojen werden auf dem Meereis installiert und messen beispielsweise, wie viel Schnee fällt, wie dick das Eis ist oder wie sich die Temperatur verändert. All diese Messdaten senden sie regelmäßig zusammen ihre Position per Satellit nach Hause. So können wir den Lebensweg einer Eisscholle über Monate hinweg verfolgen – auch wenn kein Forschungsschiff in der Nähe ist.

Die damals besenderten Schollen blieben natürlich nicht einfach liegen. Sie drifteten mit dem sogenannten Weddellwirbel – einer großen, kreisförmigen Meeresströmung im Weddellmeer – einmal quer durch das Becken vom Südosten in Richtung Nordwesten. Und tatsächlich: Eine dieser besenderten Schollen hat die gesamte Drift überstanden. Den genauen Weg könnt ihr auch noch einmal auf dem Meereisportal nachvollziehen. Genau wie wir es uns vor einem Jahr erhofft hatten, erreichte sie nun unser aktuelles Forschungsgebiet im nordwestlichen Weddellmeer. Gestern befand sie sich schließlich in Flugdistanz zur Polarstern. Da die Boje stündlich ihre Position übermittelt, wussten wir ziemlich genau, wohin wir fliegen mussten. Ganz leicht ist die Suche trotzdem nicht – denn am Ende hält man aus der Luft Ausschau nach einer weißen Antenne auf weißem Schnee. Doch schon beim ersten Anflug auf die übermittelte Position entdeckten wir die Boje und konnten sicher landen.

Von der ursprünglich über drei Kilometer großen Scholle war nach einem Jahr Drift allerdings nicht mehr viel übrig. Statt einer riesigen Fläche fanden wir nur noch Fragmente von wenigen hundert Metern Größe vor. Dennoch war das Eis stabil genug für sichere Arbeiten. So konnten wir also einmal mehr die gleichen Messungen und Beprobungen wie im vergangenen Jahr durchführen. Dank der kontinuierlichen Bojendaten wissen wir genau, was dieses Stück Meereis im vergangenen Jahr erlebt hat: Wie sich Schnee angesammelt und wieder verändert hat, wie das Eis gewachsen oder geschmolzen ist – und wie sich die Bedingungen für das Leben im Eis entwickelt haben. Die Daten aus dem vergangenen Jahr, diesem Jahr und die der Boje erlauben uns dabei einmalige Einblicke – denn so einen umfangreichen Datensatz hatten wir noch nie.

Dass die Erleichterung und Freude nach der Rückkehr an Bord riesengroß waren, müssen wir wohl kaum betonen. Manchmal zahlt sich Geduld und professionelles Hand-in-Hand Arbeiten mit der Schiffsbesatzung, dem Helikopter-Team, dem Meteorologen und den beteiligten Forschenden, in der Polarforschung eben ganz besonders aus.

17. Februar 2026. 64°32′S 52°27′ W. Gelbe Pilze am Kontinentalhang, Nachtschichten und kein Flugwetter.

Das Wasser unter uns wird langsam immer tiefer. Von der antarktischen Halbinsel, wo es noch relativ flach ist (unsere bisher flachste Messung lag bei 270 Meter Wassertiefe), arbeiten wir uns Schritt für Schritt Richtung Südosten vor (aktuelle Wassertiefe: 2785 Meter) – und damit auf das über 4.500 Meter tiefe Weddell-Becken zu. Der Übergangsbereich zwischen dem flachen Wasser nahe der Halbinsel und dem tiefen Becken wird Schelf oder Kontinentalabhang genannt. Gerade an diesem Abhang passiert ozeanographisch eine Menge: Unterschiedliche Strömungen treffen aufeinander, Wasserschichten verschieben sich, und die Gezeiten bewegen alles zusätzlich hin und her. Manchmal wird Wasser aus der Tiefe ein Stück nach oben gedrückt, manchmal sinkt Wasser aus flacheren Bereichen weiter ab. Genau diese Prozesse wollen wir besser verstehen.

Wie wir das machen? Ihr ahnt es schon: mit unserer großen CTD. Wir lassen sie bis kurz über den Meeresboden hinab, nehmen Wasserproben, holen sie wieder ein, fahren ein paar Seemeilen weiter – und das Ganze beginnt von vorn. So arbeiten wir uns im Abstand von 5–15 Seemeilen vor, eine CTD nach der anderen, rund um die Uhr. Dafür ist das Team der physikalischen Ozeanographie – ähnlich wie die Schiffscrew – in drei Wachgruppen eingeteilt. Eine Gruppe arbeitet von 0–4 Uhr, die nächste von 4–8 Uhr und die dritte von 8–12 Uhr. Danach beginnt der Zyklus von vorne. So ist der gesamte Tag abgedeckt. Zusätzlich hat jede und jeder von uns weitere Aufgaben. Da passt nicht immer alles perfekt mit den Wachen zusammen – dann wird getauscht.

Und wir sind natürlich nicht die Einzigen, die messen wollen. Viele Teams mit unterschiedlichsten Geräten sind an Bord, und alle brauchen ihre Zeit. Das bedeutet: viel Abstimmung. Und selbst wenn der Plan einmal steht, können Wetter oder Eisbedingungen ihn jederzeit wieder über den Haufen werfen. Fazit ist also auch hier: einen Alltag haben wir wirklich nicht.

Sandra war in den letzten Tagen mit den zahlreichen CTDs gut beschäftigt, und die Kabel vom ADCP (ihr wisst schon … die gelben Pilze) sind immer noch nicht repariert. Steffi dagegen war nun schon zwei Tage nicht auf dem Eis. Was sie in dieser Zeit wohl gemacht hat? Die Antwort gibt es in ein paar Tagen.

15. Februar 2026. 64°07′S 54°8′W. Von Eis- und Alltagen.

Vier Tage sind wir nun schon richtig im Eis – und das Weiß des Meereises hat längst die dominante Farbe des sonst so blauen Ozeans um uns herum abgelöst. Für das Meereis-Team bedeutet das: Wir waren nun jeden Tag draußen auf dem Eis und haben viele, viele Proben mit zurück an Bord gebracht. Aufs Eis kommen wir entweder mit dem Helikopter – oder tatsächlich direkt vom Schiff aus über die sogenannte Gangway, also die Landungsbrücke. Während bei den Helikopterflügen nur eine begrenzte Gruppe von maximal sechs Personen gleichzeitig aufs Eis fliegen kann, ermöglicht der direkte Zugang vom Schiff aus auch weiteren Gruppen, Proben zu nehmen.

Genau das ist gestern passiert: Nachdem Polarstern sicher an der Scholle festgemacht war, schwärmten die Forschenden in kleinen Gruppen in alle Richtungen aus – fast wie ein Ameisenhaufen. Überall wurde gebohrt, gemessen, gesägt und dokumentiert. Nach rund zwölf Stunden waren alle wieder zurück an Bord, und das wissenschaftliche Programm auf dem Schiff ging weiter. Für das Meereis-Team ging es heute direkt wieder in den Helikopter auf die nächste Scholle. Diesmal sogar – in weiter Entfernung unseres Arbeitsbereichs – mit einem einheimischen Mitbewohner auf der Eisscholle: einem Kaiserpinguin!

Eure Frage: Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei euch aus?

Eine gute Frage – die aber eigentlich gar nicht so leicht zu beantworten ist, denn einen wirklichen Alltag gibt es hier nicht. Aufgrund des gesamten wissenschaftlichen Rahmenprogramms einer Expedition gibt es bereits vor Beginn einen groben Plan: welche Koordinaten angefahren werden, welche Geräte wann eingesetzt werden und wie sich die einzelnen Arbeiten verteilen. Dieser Plan ist hier an Bord die Grundlage für die detaillierte Tagesplanung. In der Realität sieht es jedoch oft anders aus: Das Eis kann das Schiff verlangsamen, manche Geräte können nicht ins (gefrorene) Wasser gesetzt werden, und vor allem bei den Helikopterflügen spielt das Wetter eine entscheidende Rolle.

Damit dennoch alle auf dem gleichen Stand sind, gibt es jeden Abend ein Meeting mit allen Fahrtteilnehmenden. Dort wird der vergangene Tag besprochen und der nächste geplant. Während diese Pläne manchmal schon nach weniger als einer halben Stunde wieder angepasst werden müssen, gibt es an Bord aber eine (wichtige!)  Konstante – unabhängig von Eis und Wetter: Von 07:30 bis 08:30 gibt es Frühstück, von 11:30 bis 12:30 Mittagessen, um 15:30 Kuchen und von 17:30 bis 18:30 Abendessen. Ein bisschen Alltag muss schließlich sein – selbst mitten im Eis.

12. Februar 2026. 63° 53‘S 55° 29'W. Eis in allen Sorten - und die erste Eisstation.

Seit zwei Tagen ist der Ozean um uns herum nun nicht mehr nur blau – langsam, aber sicher mischt sich immer mehr Weiß dazu: Ein wunderschönes Panorama aus Eisbergen und Meereis umgibt unser Schiff. Doch was ist eigentlich der Unterschied? Ganz einfach: Eisberge sind riesige Stücke Gletschereis, die von einem Gletscher oder einem Eisschelf abbrechen und dann im Meer treiben. Sie bestehen also aus Schnee, der vor vielen hundert oder sogar tausend Jahren an Land gefallen ist und zu festem Eis geworden ist. Meereis dagegen entsteht direkt aus dem Meerwasser. Wenn es im Winter sehr kalt wird, friert die Oberfläche des Ozeans zu – wie eine riesige, schwimmende Eisdecke.

Steffi interessiert sich besonders für diesen gefrorenen Ozean – also für das Meereis. Deshalb hat es sie heute nicht lange auf dem Schiff gehalten. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen hat sie das sonnige Wetter genutzt, um – das erste Mal auf dieser Expedition – mit dem Helikopter auf eine Eisscholle zu fliegen. Die Scholle war typisch für diese Jahreszeit hier am Rand des nordwestlichen Weddellmeer. Im antarktischen „Hochsommer“ wird viel Eis aus dem Inneren des Randmeeres des Südozeans nach Norden transportiert. Unsere Scholle war etwa einen Kilometer groß und an den flachen Stellen ungefähr 1,5 Meter dick. Ganz glatt war sie aber nicht: Stattdessen war sie von vielen sogenannten Eisrücken durchzogen. Das sind Stellen, an denen Eisschollen zusammengestoßen sind. Dabei wird das Eis zusammengeschoben, aufgetürmt und übereinander gedrückt.

Auf dem Eis hat das Team die Scholle ganz genau unter die Lupe genommen – und das wortwörtlich: Vom Schnee oben auf der Scholle über Bohrkerne aus dem Eis bis hin zum Meerwasser unter dem Eis. Denn all diese Teile gehören zusammen und helfen uns zu verstehen, wie sich das Meereis bildet, verändert und wieder schmilzt. Was wir dabei genau messen – und warum das so wichtig ist – erzählen wir euch in den nächsten Wochen Schritt für Schritt. Bleibt gespannt!

11. Februar 2026. 62° 53‘S 56° 53'W. Elephant Island: Die erste CTD und Verankerung.

Gestern spät abends sind wir bei Elephant Island angekommen – unserer ersten wissenschaftlichen Station. Auf dem Weg dahin, konnten wir dem Sturm gerade so noch davon fahren – und unsere geplanten Arbeiten Vorort durchführen. Dazu gehörte, dass wir einerseits verschiedenen Messgeräte verankert haben (dazu später mehr) und andererseits die erste Messung mit der großen CTD-Rosette durchgeführt haben. Die erste CTD ist immer sehr spannend. Sandra hat zwar alles in Bremerhaven vorher getestet aber ob dann im Wasser wirklich alles funktioniert, das merkt man eben erst wenn es wirklich los geht. Und.. was meint ihr…? Ja, die Geräte haben an sich alle super funktioniert. Ein paar der großen Wasserschöpfer die zur CTD gehören sind nicht ganz dicht. Wenige Tropfen Wasser sind ganz langsam herunter getropft, als die CTD wieder an Deck stand. Heute werden die Flaschen genauer unter die Lupe nehmen und vielleicht ein paar Dichtungen tauschen, damit sie dann bei der nächsten Messung 100% dicht sind. Auch der Strömungsmesser (= der gelbe “Pilz” oben auf dem Foto), der mit der CTD auf Tiefgang gehen durfte, braucht in den nächsten Tagen vielleicht noch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit von Sandra.

Als wir mit den Messungen fertig waren und weitergefahren sind, wurde es dann auch langsam schaukelig, der Sturm hat uns eingeholt. Kaum hatten wir den 60. Breitengrad überschritten und schon geht es los. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 40kn und Sturmböen von 9 Bft (das sind bis zu 88 km/h!), hat der Wind das Südpolarmehr zu 4 Meter hohen Wellen aufgetürmt. Für so ein großes Schiff wie die Polarstern klingt das nach gar nicht so viel. Die Wellen kamen aber direkt von der Seite, daher hat es sich nach mehr angefühlt und manch einer hatte mit Seekrankheit zu kämpfen. Sandra und Steffi glücklicherweise nicht. Nachdem die abendliche Dusche bei Seegang nicht nur uns, sondern auch das gesamte Bad geflutet hat, haben wir uns gemütlich in den Schlaf schaukeln lassen.

10. Februar 2026. 60°S 57° 44'W. Die Magie der 60°S-Linie.

Seit heute Mittag ist es wieder offiziell: Wir sind in antarktischen Gewässern unterwegs. Das wissen wir, weil wir eine ganz besondere, aber unsichtbare Linie überquert haben – die 60° Süd-Linie. Zu sehen war davon allerdings nichts – und das nicht nur wegen des Nebels. Keine Linie im Meer, keine Pinguine mit Willkommens-Plakaten. Nur unsere GPS-Geräte an Bord haben uns gezeigt: Jetzt beginnt die Antarktis.

Aber warum ist diese Linie eigentlich so besonders? Südlich der 60° S beginnt die Antarktis – zumindest auf der Landkarte. Und die Antarktis ist kein Land wie andere. Sie gehört nämlich niemandem allein. Im Jahr 1959 haben Länder aus aller Welt beschlossen, dass dieser eiskalte Kontinent und die Meere drumherum etwas ganz Besonderes bleiben sollen. Das haben sie im sogenannten Antarktisvertrag festgehalten. Darin steht, dass die Antarktis ein Ort des Friedens bleiben soll und dass die Natur dort besonders geschützt wird. Statt Krieg oder Rohstoffabbau geht es hier vor allem um eines: die Forschung.

Damit dieser Schutz auch wirklich eingehalten wird, gelten für Expeditionen in die Antarktis strenge Regeln. Deshalb mussten wir schon lange vor unserer Reise genau erklären, was wir erforschen möchten und wie wir dabei mit der Natur umgehen. Diese Pläne haben wir beim Bundesumweltamt eingereicht und erst nach einer Genehmigung durften wir überhaupt losfahren. Auch die antarktischen Gewässer stehen unter diesem besonderen Schutz. In ihnen leben Wale, Robben, Pinguine und viele andere Meeresbewohner, und gleichzeitig spielen diese kalten Meere eine wichtige Rolle für das Klima der Erde. Auch wenn man die 60° Süd-Linie also nicht sehen kann – sie markiert den Beginn einer ganz besonderen Welt. Und genau dort sind wir jetzt unterwegs.

09. Februar 2026. 54°23′S 63°59′W. Drake Passage.

Seit zwei Tagen heißt es nun wirklich: Hallo von Bord der Polarstern! Endlich. Und das nicht nur, weil nach wochen-, monate- und zum Teil jahrelanger Vorbereitung diese Expedition nun tatsächlich beginnt, sondern auch, weil unsere Anreise nach Punta Arenas in Chile – dem Hafen, in dem Polarstern auf uns gewartet hat – länger gedauert hat als geplant. Wegen Schneefalls am Frankfurter Flughafen wurde unser Flug am Dienstag gestrichen, sodass sich die ohnehin schon lange Reise an die Südspitze Südamerikas um zwei weitere Tage verlängerte.

Nun aber sind alle an Bord, und seit zwei Tagen dürfen wir Polarstern unser Zuhause und unsere Forschungsheimat für die kommenden zwei Monate nennen. Damit sich das auch wirklich so anfühlt, waren die letzten Tage gut gefüllt: Koffer wurden ausgepackt und unsere Kammern eingerichtet. Außerdem hat sich der Kapitän gemeinsam mit seinem nautischen Team vorgestellt, und wir haben bereits eine erste Sicherheitseinweisung erhalten – denn bei aller Vorfreude gilt an Bord vor allem eines: Sicherheit ist wichtig.

Erst danach konnte es dann richtig an die Arbeit gehen. Die wissenschaftliche Ausrüstung, die in mehreren großen Frachtcontainern auf uns gewartet hat, wurde in die Labore an Bord gebracht und für den Einsatz vorbereitet.

Für Sandra bedeutete das vor allem, die CTD-Sonde und die Wasserschöpfer, sowie alle dazugehörigen Geräte aufzubauen, zu testen und die spätere Datenauswertung bereits jetzt vorzubereiten. Denn: die erste echte Messung soll schon in wenigen Tagen stattfinden.  
Steffi wiederum hat zusammen mit ihrem Team ihre gesamte Eisstationsausrüstung gesichtet – von kleinen Schneelupen über Maßbänder und Akkuschrauber bis hin zum eigenen Eislaborcontainer an Bord – und für die erste Eisstation ist fast alles bereits gepackt. Bis der Ozean dann wirklich gefroren ist, wird zwar noch etwas Zeit vergehen, aber eine erste wichtige „Eisstation“ fand gestern dennoch schon statt: Zum Mittagessen gab es Eis zum Nachtisch. Wie jeden Sonntag – und Donnerstag, dem Seemanns-Sonntag an Bord. Wir mögen diese Tage super gern! Was wäre eure Lieblings-Eissorte?

Eure Frage: Warum muss in der Antarktis geforscht werden?

Die Antarktis ist wie ein riesiger Kühlschrank für unsere Erde. Sie hält unseren Planeten kühl und sorgt dafür, dass das Wetter und das Klima im Gleichgewicht bleiben. Aber dieser Kühlschrank verändert sich gerade – und wir müssen verstehen, warum. In der Antarktis gibt es ganz viel Eis, kaltes Meer und starke Winde. Dort entstehen wichtige Strömungen im Ozean, die beeinflussen, wie warm oder kalt es auch bei uns zu Hause ist. Wenn sich dort etwas verändert, merken wir das oft auch an anderen Orten auf der Welt. Kurz gesagt: Wir forschen in der Antarktis, damit wir die Erde besser verstehen – und sie schützen können. Denn obwohl sie so wichtig ist, wissen wir über die Antarktis ganz schön wenig!

01. Februar 2026. Bremerhaven

In zwei Tagen geht es los in Richtung Polarstern – das heißt: langsam wird es ernst mit dem Packen. Wie viele T-Shirts nehme ich für zehn Wochen Expedition mit? Und habe ich eigentlich noch genug Zahnpasta? Mit genau solchen Fragen haben wir uns in den vergangenen Tagen beschäftigt, denn viel Zeit bleibt nicht mehr. 

Da unsere Expedition auf der Polarstern in Punta Arenas (Chile) startet, beginnt unsere Reise dorthin bereits am Dienstag. Unsere wissenschaftliche Ausrüstung hingegen musste schon deutlich früher bereit sein: Bereits im Oktober wurde in unseren Lagerräumen und Werkstätten in Bremerhaven alles sorgfältig vorbereitet, getestet und verpackt. Anschließend wurde das Material in Containern verstaut, an Bord der Polarstern geladen und sicher untergebracht.
Mitte November hat sich die Polarstern auf den Weg nach Süden gemacht und seitdem bereits zwei Expeditionen durchgeführt. Wenn alles nach Plan läuft, werden wir am 6. Februar an Bord gehen und zur nächsten Expedition aufbrechen – diesmal in das nordwestliche Weddellmeer, östlich der Antarktischen Halbinsel (siehe Karte oben). 

Sobald wir an Bord sind, heißt es dann: Alles, was wir in Bremerhaven eingepackt haben – sowohl unsere T-Shirts als auch unsere wissenschaftliche Ausrüstung – wird wieder ausgepackt, aufgebaut und einsatzbereit gemacht. Was genau das bedeutet, erzählen wir euch später.

24. Januar 2026. Rückblick September 2025. Bekleidungslager

Aktuell herrschen auch bei uns in (Nord-)Deutschland schönste winterliche Bedingungen: Kalte, klare Luft und immer wieder fallen Schneeflocken vom Himmel. Da stellt sich schnell die Frage: Wenn es hier schon kalt ist – was ziehen wir dann erst in der Antarktis an? Eine berechtigte Frage, der wir hier auf den Grund gehen wollen. Und tatsächlich ist sie gar nicht so schwer zu beantworten. 

Am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, gibt es ein Bekleidungslager, das uns für unsere Expeditionen von Kopf bis Fuß mit warmer und arbeitstauglicher Kleidung ausstattet. Dort waren wir bereits im September 2025, um sicherzustellen, dass alles passt: von der Polarmütze über den Overall und die dicken Polarfäustlinge bis hin zu wasserfesten Handschuhen und all den Schichten, die man dazwischen braucht. 

Sind alle Teile zusammengestellt, werden sie im sogenannten Polarsack verpackt und an Bord der Polarstern in Bremerhaven verstaut. Von dort ist die „alte Dame“ bereits im November gen Süden aufgebrochen. Aktuell befindet sie sich auf einer Expedition im Südpolarmeer, bei der unter anderem unsere deutsche Überwinterungsstation Neumayer Station III versorgt wurde. Aktuelle Einblicke in diese Reise findet ihr im Polarstern-Blog.

EURE FRAGEN

Wir freuen uns über alle Fragen, die ihr schon immer mal in Bezug auf die Polarforschung und alles, was dazu gehört, stellen wolltet. 

Wir haben vielleicht nicht die Antwort auf jede Frage - aber wir haben ein Schiff voller Expert*innen und werden keine Kosten und Mühen scheuen auch den Kapitän (Wie wird man eigentlich Kapitän?), Schiffsarzt (Was hilft am besten gegen Seekrankheit?) und andere Fachkolleg*innen (Wieso haben Pinguine einen weißen Bauch?) in die Beantwortung eurer Fragen miteinzubeziehen!

Also: Spitzt die Bleistifte und teilt eure Fragen hier mit uns.