29. März 2026. 63° 27'S, 52° 16' W. Ganz viel Wasser
Wir sind nach wie vor im offenen Wasser unterwegs. Nachdem es Anfange der Woche etwas windiger war, mit bis zu 4 Meter hohen Wellen, hat sich der Ozean inzwischen wieder beruhigt. Eisberge kreuzen unseren Weg, ein paar Wale schauen ab und zu vorbei und die Seevögel sind unsere Reisegefährten. Auf dem Meereis können wir so natürlich nicht arbeiten und daher heißt es - Geräteeinsatz vom Schiff aus. Für Sandra bedeutet das in erster Linie, viele Messungen mit der CTD. Aber auch zwei Verankerungen haben wir die letzten Tage geborgen und mit frischen Geräten wieder ausgebracht. Für die nächsten Tage steht nochmal ein intensives Programm im Arbeitsplan. Wir werden in relativ kurzen Abständen (ca. 10 Seemeilen) viele CTDs fahren um die Eigenschaften des Wassers am Kontinentalabhang genau zu untersuchen. Das wollen wir zum Anlass nehmen eure Fragen zur CTD zu beantworten:
Ihr habt gefragt: woher wisst ihr in welcher Tiefe die CTD ist? Da sowohl die Temperatur als auch der Salzgehalt die Dichte des Wassers, und damit auch den Wasserdruck beeinflussen, ist diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten. Wir haben dazu mehrere Methoden. Zu allererst wissen wir wieviel Draht von der Winde herunter gespult wurde. Die CTD hängt allerdings nicht senkrecht unter dem Schiff, sondern kann mit der Strömung schon manchmal etwas vom Schiff weggetragen werden. Die Seillänge, so steht es auf der Anzeige, ist daher nicht besonders zuverlässig. Während wir die CTD herunterlassen, messen wir den Druck und gleichzeitig ja auch die Temperatur und den Salzgehalt. Damit können wir dann direkt die Tiefe berechnen. Dazu, und zu ähnlichen Berechnungen, gibt es eine ganze Menge Formeln. Wenn euch das genauer interessiert, schaut doch mal hier rein. Die Literatur ist allerdings schon ziemlich anspruchsvoll und auf Englisch, also eher was für große Kinder oder das Studium.
Außerdem habt ihr gefragt: wie entscheidet ihr wo ihr Wasserproben nehmet oder passiert das automatisch? Es gibt die Möglichkeit vor einer Messung einzustellen wo die Wasserproben genommen werden. Für bestimmte Anwendungen wird das auch gemacht. Wir wollen allerdings sehen wo wir die Proben nehmen. Manche Proben wollen wir in der Tiefe nehmen, in der wir das wärmste Wasser finden, oder das kälteste, oder dort wo wir am meisten Chlorophyll im Wasser finden. Daher entscheiden wir während einer Messung wo genau wir eine Flasche schließen wollen. Wir sehen die Daten live auf dem Rechner und, da wir die CTD ja einmal bis 10m über dem Ozeanboden herunterfahren und dann wieder hochziehen, können wir auf dem Weg runter entscheiden wo wir dann auf dem Weg nach oben eine Flasche zu machen. Das geht dann ganz einfach per Knopfdruck. Das Signal wird durch den Draht zur CTD gesendet und schwubs, schnappt eine Flasche zu. In den Flaschen sind nämlich Federn, die die beiden Deckel zusammenziehen sobald der Haken ausgelöst wurde. Wenn die CTD wieder an Deck ist wird das viele Wasser gezapft.
Auch dazu habt ihr gefragt: Was macht ihr mit dem vielen Wasser? Die verschiedenen Teams kommen mit vielen großen und kleinen Behältern und füllen sich ihr bestelltes Wasser ab. Dann verschwinden Sie in ihren Laboren und beginnen mit der weiteren Bearbeitung. Hier wird gefiltert, dort wird pipettiert, geschüttelt und gerührt und auf verschiedene Weisen haltbar gemacht. Die Filter werden meist eingefroren und in Laboren später an Land weiterbearbeitet. Das Gefilterte Wasser wird ebenso für weitere Analysen genutzt. Auf dieser Reise untersuchen die verschiedenen Teams z.b. gelösten und festen Kohlenstoff, Chlorophyll, Nährstoffe, CFCs, sie machen Experimente um die biologische Aktivität zu bestimmen, untersuchen die Herkunft und das Alter des Wassers und schauen welche kleinen Organismen im Wasser leben.
Wir aus der physikalischen Ozeanographie nehmen auch Wasserproben und messen deren Salzgehalt mit unserem sehr genauen Salinometer. Mit diesen Messungen können wir später die Messungen der Sensoren an der CTD vergleichen und korrigieren, falls nötig.