Pressemitteilung

Polarstern zurück an der MOSAiC-Eisscholle

Neues Team setzt Messungen in der Arktis fort
First Team goes down the gangway of Polarstern onto MOSAiC Floe Fortress during MOSAiC Leg 4 to explore the ice conditions of the floe
Erstes Team auf der MOSAiC-Scholle bei Abschnitt 4 (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Lisa Grosfeld)

Nach einem Monat hat die Polarstern am 17. Juni die MOSAiC-Eisscholle bei 82,2 °Nord, 8,4 °Ost wieder erreicht, die das deutsche Forschungsschiff für Crewwechsel und Versorgung vor Spitzbergen am 17. Mai 2020 verlassen hatte. Voller Tatendrang setzt das Forschungsteam des vierten Fahrtabschnitts mit Teilnehmenden aus 19 Ländern damit die einjährige MOSAiC-Expedition mit Untersuchungen von Ozean, Eis und Atmosphäre in der Arktis fort. Bereits Anfang dieser Woche sind ihre Vorgänger der dritten Etappe mit den beiden Forschungsschiffen Sonne und Maria S. Merian in Bremerhaven angekommen.

Die Position der Scholle war stets bekannt, denn autonome Messgeräte senden von dort regelmäßig GPS-Daten. Was für die Wissenschaft jedoch noch bedeutender ist: Sie haben durchgehend viele wichtige Daten gemessen auch während die Polarstern unterwegs war, wie beispielsweise Energiebilanzen, also die Energieflüsse zwischen Atmosphäre, Eis und Ozean und vieles mehr. Somit konnten wertvolle Zeitreihen grundlegender Parameter auch in der Abwesenheit des Wissenschaftsteams fortgesetzt werden. Das kann aber natürlich nicht die Forschung vor Ort ersetzen, so dass das Team des vierten Abschnitts jetzt froh ist, die Arbeit aufnehmen zu können.

Erste Eindrücke von der Scholle bei der Rückkehr: „Der ursprüngliche feste Bereich der Scholle, unsere sogenannte Festung, hat die Verformungen im Frühjahr größtenteils intakt überstanden und ist auch jetzt weiter eine gute Basis für unser Forschungscamp“, berichtet Prof. Markus Rex, Leiter der MOSAiC-Expedition und Atmosphärenphysiker am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) mit Professur an der Universität Potsdam. „Hier werden wir auch in den Sommer hinein arbeiten können. Mit dem jetzt einsetzenden großen sommerlichen Schmelzen werden wir mit unseren Aufbauten aber sehr mobil sein und uns jeweils an die sich entwickelnden Bedingungen anpassen müssen. Eventuell werden wir das Forschungscamp später im Sommer auch nochmal verlegen - das hängt alles von der Entwicklung der Eisbedingungen ab", so Rex, der bereits den ersten Expeditionsabschnitt ab September 2019 geleitet hatte. Von den Erfahrungen bei der damaligen Schollensuche konnte er jetzt profitieren: Die Polarstern legte wie schon im letzten Herbst zunächst etwas abseits des Messgebiets an, um die Scholle mit Teams auf dem Eis genauer zu erkunden. Erst in ein paar Tagen wird das Schiff dann an die endgültige Position manövrieren.

Das Anlegemanöver ist einer der vielen Momente, in denen Erfahrung und Navigationsgeschick des Kapitäns gefragt sind. Thomas Wunderlich hat beim jetzigen Austausch das Kommando von Stefan Schwarze übernommen. Beide hatten sich - anders als die anderen Besatzungsmitglieder - dafür entschieden, sich nur einmal während der gesamten Expedition abzulösen. „Wichtig ist, wie bereits zu Zeiten der alten Entdecker, nicht sinnlos irgendwo reinzufahren, sondern die richtige Eintrittsposition ins Eis zu finden“, berichtet Thomas Wunderlich von der Anfahrt zur Scholle. „Wir konnten die ersten Tage gut und zügig Wegstrecke zurücklegen. Windrichtung und Sicht haben uns dabei unterstützt.“ Ab 82 ° Nord habe sich dann aber die Situation „verspannt": Die Dynamik des Eises erhöhte sich, es wurde mächtiger. „So wurden wir am Wochenende des 13./14. Juni auf Grund von Eispress zum Stillstand gezwungen und mussten die Maschinen abstellen, um wertvolle Ressourcen an Brennstoff zu schonen. So ein Stillstand hat aber auch den Vorteil, dass man sieht: Es ist nichts selbstverständlich und planbar - dass man sich halt den Gegebenheiten unterwerfen muss“, erläutert der Polarstern-Kapitän. Sein größter Wunsch sei es, „dass wir bestmöglich so lange wie möglich an der Scholle bleiben können, und damit die Geburt und deren Lebenszyklus bis zum Ende begleiten können. Auch wenn das für Logistik und Navigation eine enorme Herausforderung sein wird.“

„Wir werden in dem jetzt beginnenden Sommer in nie dagewesener Detailschärfe die Prozesse im arktischen Klima während der Schmelzsaison erforschen können“, betont Markus Rex. Dazu gehören Wirbel im Ozean, die durch Meeresströmungen unter dem Eis entstehen, wie Dicke und Beschaffenheit des Eises die Klimaprozesse beeinflussen, welche Rolle die Schneeauflage auf dem Meereis spielt und wie das Zusammenspiel mit Atmosphäre und Wolken funktioniert. Momentan beginnt die sommerliche Eisschmelze und auf dem Meereis entstehen Tümpel, die die Strahlungsbilanz verändern. Wo das Eis letztlich aufbricht, entweichen über Spalten und Risse Wasserdampf und Aerosole, die in der Atmosphäre dazu führen, dass sich Wolken bilden. Wie diese Wolken beschaffen sind und ob sie die unteren Luftschichten abkühlen oder wärmen, sind weitere der vielen Fragestellungen, denen die Forschungsteams bis zur Rückkehr der Polarstern in ihren Heimathafen Bremerhaven nachgehen werden, wo der Eisbrecher am 12. Oktober erwartet wird.

Bereits am 15. Juni 2020 liefen in Bremerhaven die Forschungsschiffe Maria S. Merian und Sonne mit dem Team des dritten Fahrtabschnitts ein. Sie waren bereits Ende Januar mit dem russischen Eisbrecher Kapitan Dranitsyn im norwegischen Tromsø gestartet und hatten länger als geplant die Forschung am Laufen gehalten. Bei der Rückreise hat sich das Team hoffentlich ebenso wohl gefühlt, wie Thomas Wunderlich und seine Crew, die in der ungewohnten Rolle als „Passagiere“ an Bord anderer Forschungsschiffe waren: „Ich möchte hiermit den Kollegen auf Maria S. Merian und Sonne für ihre Offenheit, Freundlich- und Gastlichkeit danken. Es hat wirklich Spaß gemacht und wir haben etwas mitgenommen. Ich bin mir aber auch sicher, dass es auf Gegenseitigkeit beruht, den Kollegen erging es ähnlich“, berichtet Thomas Wunderlich von der Anfahrt in die Arktis.

 

Hintergrundinformationen zu MOSAiC:

Während der MOSAiC-Expedition erforschen Wissenschaftler aus 20 Nationen die Arktis im Jahresverlauf. Von Herbst 2019 bis Herbst 2020 driftet der deutsche Eisbrecher Polarstern dazu eingefroren im Eis durch das Nordpolarmeer. MOSAiC wird unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) realisiert. Damit dieses einzigartige Projekt gelingt und möglichst wertvolle Daten gewonnen werden, arbeiten über 80 Institute in einem Forschungskonsortium zusammen. Das Budget der Expedition beträgt über 140 Millionen Euro.

Ein ausführliches Interview mit Polarstern-Kapitän Thomas Wunderlich finden Sie hier. 

Mehr Bilder gibt es in der MOSAiC-Mediathek.

Neuigkeiten direkt aus der Arktis gibt es über die MOSAiC-Kanäle auf Twitter (@MOSAiCArctic) und Instagram (@mosaic_expedition) über die Hashtags #MOSAiCexpedition, #Arctic und #icedrift.

Weitere Informationen zur Expedition auf: www.mosaic-expedition.org

In der MOSAiC-Web-App können die Driftroute der Polarstern und die Ereignisse vor Ort zudem live verfolgt werden: follow.mosaic-expedition.org

Kontakt

Pressestelle

Folke Mehrtens
+49(0)471 4831-2007

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First Team goes down the gangway of Polarstern onto MOSAiC Floe Fortress during MOSAiC Leg 4 to explore the ice conditions of the floe
Julia Regnery und Amy Macfarelane gehören zum ersten Team von Abschnitt 4, das das Eis nach der Rückkehr zur Scholle erkundet. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Lisa Grosfeld)
Autonomous Flux Station on broken MOSAiC floe. Photo taken from Helicopter.
Eine der autonomen Messstationen, die während der Abwesenheit der Polarstern auf der MOSAiC-Scholle Daten zu Energieflüssen aufgenommen hat. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Markus Rex)
First Team On MOSAiC Floe during MOSAiC Leg 4. From left to right: LIanna Nixon, Julia Regnery, Amy MacFarelane, Delphin Ruche.
Lianna Nixon, Julia Regnery, Amy MacFarelane und Delphin Ruche (v.l.n.r.) bilden das erste Team von Abschnitt 4, das das Eis nach der Rückkehr zur Scholle erkundet. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Lisa Grosfeld)
Julia Regnery und Amy Macfarelane looking to MOSAiC Floe before they start their exploring tour on the MOSAiC Fortress. This was at the first day during Leg 4 when we reached the floe.
Julia Regnery und Amy Macfarlane schauen sich die MOSAiC-Scholle an, bevor sie zu einer ersten Erkundung auf das Eis gehen. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Lisa Grosfeld)
Markus and Matt see the MOSAiC Fortress floe in the morning.
Markus Rex (MOSAiC Projektleiter) und Matthew Shupe (MOSAiC Co-Leiter) blicken von der Polarstern Brücke auf die Scholle, nachdem das Schiff von Spitzbergen zurückgekehrt ist. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Lisa Grosfeld)
First Team on MOSAiC Floe during Leg 4. Gangway was put down when we arrived at MOSAiC floe (Fortress). Julia Regnery, Lianna Nixon, Delphin Ruche, Amy Macfarelane (from left to right) on the Gangway.
Julia Regnery, Lianna Nixon, Delphin Ruche, Amy Macfarelane (v.l.n.r.) gelangen über die Gangway der Polarstern aufs Eis. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Lisa Grosfeld)
The next MOSAiC milestone is reached. We just finished another 5 exciting days. 5 days which have been used to handover all our knowledge and experiences about our MOSAiC floe of the last couple of months to the team of Leg 4. 5 days that we used to welcome the team of Leg 4 to their new home. Yesterday, the perspective finally changed. Now it was us watching the Leg 4 team from the German research vessels Maria S. Merian and Sonne on Polarstern. After countless goodbyes, some tears and final warm farewell words from captain Wunderlich, the gangway between Polarstern and Maria S. Merian was lifted the last time. While the actual work starts now for the team on Polarstern, we are steaming southwards – and will start to process all our experiences of the last months. But especially, we are looking forward to our foreseen arrival in Bremerhaven.
Nach fünf Tagen Übergabe, Versorgung und Crewwechsel sind die Teilnehmenden von MOSAiC Abschnitt 3 bereit, mit den Forschungsschiffe Maria S. Merian und Sonne zurück nach Deutschland zu fahren. Polarstern-Kapitän Thomas Wunderlich hat das Kommando von Kapitän Stefan Sch... (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Christian R. Rohleder)
Thomas Wolf Wunderlich, captain of Polarstern, with Polarstern n Lloyd Werft dockyard in Bremerhaven.
Polarstern Kapitän Thomas Wunderlich in seinem Büro an Bord während eines Werftaufenthalts in Bremerhaven. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Esther Horvath)
MOSAiC Floe from East Side. Taken from Helicopter during first reconnaissance flight.
MOSAiC-Scholle von Osten. Luftaufnahme aus dem Helikopter beim ersten Erkundungsflug, zwei Tage bevor Polarstern von der Übergabe und Versorgug vor Spitzbergen zurückgekehrt ist. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Markus Rex)
MOSAiC Floe from East Side. Taken from Helicopter during first reconnaissance flight.
MOSAiC-Scholle von Westen. Luftaufnahme aus dem Helikopter beim ersten Erkundungsflug, zwei Tage bevor Polarstern von der Übergabe und Versorgug vor Spitzbergen zurückgekehrt ist. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Markus rex)
Aerial of the MOSAiC ice floe in June, just before Polarstern arrvies back from the supply mission off Svalbard.
Luftaufnahme aus dem Helikopter beim ersten Erkundungsflug, zwei Tage bevor Polarstern von der Übergabe und Versorgug vor Spitzbergen zurückgekehrt ist. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Markus Rex)
Afternoon of Arrival Day at the MOSAiC floe, fortress, during Leg 4
Polarstern ist wieder an der MOSAiC-Scholle und die ersten Teams erkunden die Begebenheiten vor Ort. Blick von der Brücke. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Lisa Grosfeld)
Arrival at MOSAiC Floe, Fortress, during Leg 4 in the morning. We park longside with the Fortress Flow on starboard side.
Polarstern ist wieder an der MOSAiC-Scholle und die ersten Teams erkunden die Begebenheiten vor Ort. Blick von der Brücke. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Lisa Grosfeld)
Check-Out at Polarstern Gangway before going to the MOSAiC Floe Fortress. This was during MOSAiC Leg 4 at the first day at the floe. Julia Regnery und Amy Macfarelane wait to be called on the list.
Check-Out an der Polarstern Gangway bevor es aufs Eis geht. Julia Regnery und Amy Macfarelane gehören zum ersten Team von Abschnitt 4, das das Eis nach der Rückkehr zur Scholle erkundet. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Lisa Grosfeld)
First Team On MOSAiC Floe called Fortress. They explore the flow and measure ice thickness.
Das erste Team von Abschnitt 4 erkundet die Scholle und misst die Eisdicke. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Lisa Grosfeld)
Group leaders and expedition leaders on MOSAiC Floe on exploration tour.
Die Gruppen- und Expeditionsleiter erkunden die MOSAiC-Scholle. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Lisa Grosfeld)
Markus Rex, first steps on the MOSAiC ice floe, October 5, 2019, Sebastian Grote
Markus Rex erkundet die MOSAiC-Scholle beim ersten Fahrtabschnitt am 5. Oktober 2019. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Sebastian Grote)
Markus Rex (r) , Matthew Shupe (l) and Marcel Nikolaus front of Polarstern on the ice floe. October 9, 2019, Esther Horvath
Markus Rex (r) , Matthew Shupe (l) and Marcel Nikolaus vor der Polarstern auf der Eisscholle im Oktober 2019 beim ersten MOSAiC-Fahrtabschnitt. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Esther Horvath)