Arktisches Meereis: Mikrostruktur und geophysikalische Prozesse
Dr. Hajo Eicken, wissenschaftliche Leitung des Alfred-Wegener-Instituts.
Meereis
Schnee
Arktis
Glaziologie
Die Geophysik des Meereises ist ein zentrales Forschungsfeld innerhalb der Polar- und Klimawissenschaften. Meereis bedeckt große Teile der Arktis und Antarktis und spielt eine Schlüsselrolle im Erdsystem, indem es physikalische, ökologische und klimatische Prozesse miteinander verknüpft.
Ein besonderer Forschungsschwerpunkt liegt dabei auf den kleinräumigen physikalischen Eigenschaften und der Mikrostruktur des Meereises. Dazu zählen unter anderem Kristallstruktur, Porenräume und Salzgehalt. Diese Merkmale bestimmen, wie Wärme, Licht und Nährstoffe innerhalb des Eises transportiert werden und wie es auf äußere Einflüsse wie Temperaturänderungen oder Ozeanströmungen reagiert. Obwohl diese Prozesse auf sehr kleinen Skalen ablaufen, beeinflussen sie maßgeblich das Wachstum, die Stabilität und den Zerfall des Meereises und wirken sich damit sowohl auf arktische Ökosysteme als auch auf großskalige Rückkopplungen im Klimasystem aus.
Meereis wird darüber hinaus nicht nur als physikalischer Bestandteil des Klimasystems betrachtet, sondern auch im Hinblick auf seine vielfältigen Funktionen. Es trägt durch die Reflexion von Sonnenstrahlung wesentlich zur Kühlung des Planeten bei und bietet zugleich Lebensraum für Tiere und mikrobielles Leben.
Vor diesem Hintergrund ist die Erforschung geophysikalischer Prozesse im Meereis von zentraler Bedeutung für das Verständnis aktueller Veränderungen in den Polarregionen. Sie liefert wichtige Grundlagen, um die Rolle des Meereises im Klimasystem, seine ökologische Funktion sowie seine zukünftige Bedeutung für menschliche Nutzung fundiert einordnen zu können.