Der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen macht in seiner neuen Lagebeurteilung deutlich, dass Umweltrisiken als Sicherheitsrisiken anerkannt werden müssen, um natürliche Lebensgrundlagen zu erhalten.
Klima- und Umweltschutz sind auch Fragen der nationalen und globalen Sicherheit
Klima- und Umweltpolitik ist Sicherheitspolitik. Das betont der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) in seiner jüngsten Lagebeurteilung. Demnach sollte die Bekämpfung von Umweltrisiken stärker mit nationalen und internationalen Kontexten verzahnt werden. Prof. Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut hat an dem Bericht mitgearbeitet.
Oft würden sicherheitspolitische Debatten nur auf geopolitscher Ebene geführt – auf Kosten der stetig zunehmenden Risiken, die der Klimawandel für unsere Lebensgrundlagen und unserem gesellschaftlichen Zusammenhalt bedeutet. „Eine zukunftsorientierte Sicherheitspolitik sollte die Herausforderungen in allen diesen Handlungsfeldern adressieren und sie in eine multidimensionale Sicherheitsarchitektur einbauen“, sagt Anna-Katharina Hornidge, Direktorin des German Institute of Development and Sustainability und Co-Vorsitzende des WBGU. Der Beirat nennt in seiner aktuellen Lagebeurteilung fünf Handlungsfelder, welche die Bundesregierung stärker in ihre politische Strategie einbeziehen sollte, für eine integrierte Sicherheitsstruktur:
- Schutz vor Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Verschmutzung, um die Lebensfähigkeit der Menschheit zu bewahren;
- Sozialer Zusammenhalt, um resiliente Gesellschaften zu fördern;
- Informationsintegrität, um die Demokratie wehrhaft zu machen;
- Abgewogene Nutzung von Technologien und Rohstoffen, um Abhängigkeiten zu reduzieren;
- Strategische, regelbasierte und faire Kooperation, um die internationale Zusammenarbeit zu stützen.
Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut hat an dem Bericht mitgearbeitet: "Wir verstehen heute, wie Atmosphäre, Land, Ozean und Biosphäre das Klima regulieren und das Leben auf der Erde prägen. Gleichzeitig stört der Mensch dieses Gleichgewicht und zwar so, dass es auf ihn zurückschlägt. Wir haben es in der Hand, diese Fehlentwicklung zu korrigieren, aber dafür steht nur noch ein begrenztes Zeitfenster zur Verfügung."
Der WBGU hat in seinem Bericht auch konkrete Handlungsempfehlungen formuliert, die er durch Teilguthaben ergänzen möchte. So sollten beispielsweise der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen konsequent in nationalen und internationalen Sicherheitsstrategien verankert werden, gleichgewichtet mit innerer, äußerer, digitaler und wirtschaftlicher Sicherheit. Treibhausgasneutralität sollte mit Nachdruck verfolgt werden und verlässlich auf Netto-Null bis 2045 (Deutschland) beziehungsweise 2050 (EU) ausgerichtet bleiben. Hierfür sind eine schnelle Abkehr von fossilen Energieträgern, der Abbau klimaschädlicher Subventionen und die Erhebung wirksamer CO2-Preise wirksame Maßnahmen. Darüber hinaus sollte in eine klimaresiliente Infrastruktur investiert, erneuerbare Energien und Speicher beschleunigt ausgebaut und naturbasierte Lösungen wie die Wiedervernässung von Mooren forciert werden.
Gemeinsame Projekte zum Schutz und zur Wiederherstellung der Natur unter Leitung lokaler Akteure können zur Stabilisierung und Friedensförderung über Ländergrenzen hinweg beitragen. Sie sollten verstärkt als Mittel der Außen- und Sicherheitspolitik genutzt werden (Environmental Peacebuilding). Der Bericht legt nahe, dass auf EU-Ebene, die Staaten auf ihre Kooperationen neu überdenken müssten, das habe die Weltklimakonferenz COP 2025 in Brasilien gezeigt. Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen brauchen beim Übergang zu erneuerbaren Energien Unterstützung, um gemeinsam den Schutz von Klima und Biodiversität als Beitrag zu geopolitischer Stabilität voranzutreiben. Der WBGU-Bericht betont, dass sich wirtschaftliche, finanzpolitische, klima- und sicherheitspolitische Herausforderungen zunehmend zuspitzen und die internationale Zusammenarbeit ausgebaut, weiterentwickelt und gestärkt werden muss – mit Blick auf sozio-ökologische Ziele.
Weitere Informationen
Hier geht es zur vollständigen Lagebeurteilung des WBGU