Arctic Pulse 2027

Eine internationale Forschungskampagne in der Region der Beaufortsee

Arctic Pulse 2027 ist ein großes internationales Forschungsprojekt in der kanadischen Region der Beaufortsee, bei dem ein interdisziplinäres, internationales Team von Wissenschaftler:innen untersucht, wie der rasche Umweltwandel im Mackenzie-Beaufort-System die Wechselwirkungen zwischen Land und Meer, die terrestrischen Landschaften und die marinen Ökosysteme der Arktis verändert.

Im Rahmen der Kampagne werden schiffsgestützte Beobachtungen des deutschen Forschungseisbrechers RV Polarstern (Expedition BeauPAIR) und des kanadischen Eisbrechers CCGS Amundsen durchgeführt. Ergänzt werden diese durch Luftvermessungen mit den AWI-Flugzeugen Polar 5 und Polar 6, mit denen die Meereisbedingungen und Permafroststörungen beobachtet werden. Diese Maßnahmen werden mit koordinierten terrestrischen und küstennahen Aktivitäten innerhalb eines eng abgestimmten Beobachtungsrahmens kombiniert. Arctic Pulse 2027 stellt eine Schlüsselphase der intensivierten kanadisch-deutschen Zusammenarbeit dar und schafft Impulse für eine nachhaltige, langfristige Kooperation sowie für das Internationale Polarjahr 2032/33.

Die Region der Beaufortsee und das angrenzende arktische Festland gehören zu den Gebieten weltweit, die die schnellsten klimabedingten Veränderungen erleben. Auftauender Permafrost, zunehmende Küstenerosion, schwindende Gletscher und steigende Wasserabflüsse aus dem Mackenzie River beeinflussen den Transport von Süßwasser, Sedimenten, Kohlenstoff, Nährstoffen und Schadstoffen vom Land ins Meer erheblich. Diese Entwicklungen wirken sich unmittelbar auf den Süßwasserhaushalt und die Zirkulation des Arktischen Ozeans, die marinen Nahrungsnetze, den Austausch von Treibhausgasen sowie die Prozesse am Meeresboden aus. Dies hat Auswirkungen auf Ökosysteme, globale Klimarückkopplungen sowie die Lebensgrundlagen und die Ernährungssicherheit der Inuvialuit-Gemeinschaften.

Arctic Pulse 2027 verfolgt den Weg von Wasser, Kohlenstoff und Sedimenten durch das gesamte Land-Ozean-System. Während Teams an Bord der Polarstern die Struktur des Ozeans und die Dynamik des Ökosystems vom Kontinentalschelf bis in die tiefe Arktis verfolgen, geben Untersuchungen des Meeresbodens und Sedimentbohrungen Aufschluss darüber, wie Kohlenstoff und Treibhausgase unter dem Ozean verarbeitet werden.

An der Küste werden Forschungsteams untersuchen, wie sich die Landschaften durch das wärmer werdende Klima verändern, da sich durch den sich wandelnden Abfluss der Flüsse und das Auftauen des Permafrosts der Transport von Süßwasser, Nährstoffen, organischem Material, Sedimenten und Schadstoffen durch das Delta und die Küstenzone verändert. Diese Prozesse verändern nicht nur die arktischen Ökosysteme, sondern haben auch direkte Auswirkungen auf die Küstenstabilität, die Ernährungssicherheit und die Umweltrisiken, denen die Inuvialuit-Gemeinden ausgesetzt sind, und verbinden so marine Prozesse mit den sich rasch wandelnden arktischen Landschaften.

Luftgestützte Beobachtungen verknüpfen diese Perspektiven miteinander, liefern einen regionalen Überblick über die Meereisbedingungen und den Rückgang des Permafrosts und verbinden Prozesse an der Schnittstelle zwischen Land und Meer.

Arctic Pulse 2027 ist in ein breites, internationales Forschungsumfeld eingegliedert. Die Kampagne wird eng mit US-Initiativen wie NASA FORTE und Arctic PISCES koordiniert, die ergänzenden Ziele verfolgen. Durch gemeinsame Beobachtungen, aufeinander abgestimmte Methoden und eine gemeinsame Datensynthese soll die wissenschaftliche Wirkung maximiert werden.

Die Zusammenarbeit mit Organisationen der Inuvialuit ist ein zentraler Bestandteil der Kampagne. Die Forschungsschwerpunkte und die Logistik wurden von Anfang an in enger Zusammenarbeit mit der Inuvialuit Regional Corporation, dem Fisheries Joint Management Committee und den lokalen Hunters and Trappers Committees entwickelt. Die Inuvialuit-Partner werden aktiv an der Forschung teilnehmen. Sie erhalten Plätze an Bord der Schiffe, nehmen an praktischen Schulungen teil und beteiligen sich an der gemeinsamen Wissensproduktion. Dies wird durch Aktivitäten in Küstennähe, den Einsatz von Hubschraubern sowie einem communityorientierten Austausch der Ergebnisse unterstützt.