Nach einer rund einmonatigen Expedition erreicht eine engagierte internationale Gruppe junger Meereswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler an Bord der Polarstern den Hafen von Walvis Bay in Namibia.
Die Teilnehmenden hatten zuvor an einer spezialisierten Ausbildungsfahrt des Forschungseisbrechers teilgenommen. Das Programm, geleitet von Prof. Karen Wiltshire vom Trinity College Dublin und organisiert vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), vermittelt Nachwuchsforschenden praxisnahe Kenntnisse der modernen Meeresforschung während der Überfahrt von Bremerhaven nach Namibia. Beteiligte Partnerinstitutionen sind unter anderem die University of Galway, Met Éireann, die Shahjalal University of Science and Technology sowie die Universität Bremen. Renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt stellten sich ehrenamtlich zur Verfügung, um diese besondere Lehrmission zu begleiten.
Während der Fahrt erhielten die Stipendiatinnen und Stipendiaten umfassende Einblicke in die ozeanografische Forschung: von CTD- und Kranzwasserschöpfer-Probenahmen über Planktonbestimmung und Wassersäulenprofilierung bis hin zur Echtzeit-Datenerfassung mittels Satellitenbeobachtungen und der automatisierten Bordsysteme. Ergänzend dazu tauschten weitere Teams ihre Expertise zu bathymetrischen und atmosphärischen Messverfahren aus – ein Gewinn für die interdisziplinäre Ausbildung.
Ein Höhepunkt des diesjährigen Programms war die Einführung von „The Dance of the Carbon Cycle“ („Der Tanz des Kohlenstoffkreislaufs“), einer innovativen und spielerischen Lernaktivität, die an Bord eingeübt wurde. Sie veranschaulicht, wie Emissionen fossiler Brennstoffe das natürliche Gleichgewicht des globalen Kohlenstoffkreislaufs stören und den Klimawandel beschleunigen. Durch Bewegung, Storytelling und wissenschaftliche Einbettung erfahren die Teilnehmenden, wie Kohlenstoff im Idealfall zirkuliert – und wie menschliche Einflüsse dieses System aus dem Gleichgewicht bringen. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten werden das Konzept nun mit Kolleginnen und Kollegen in Namibia teilen und planen, es künftig in Schulen und Gemeinden weltweit einzusetzen.
Erstmals wurde in diesem Jahr zudem ein spezieller Ausbildungsstrang für angehende Lehrkräfte eingeführt, der darauf abzielt, ozeanbezogenes Wissen und Klima-Bildung global zu stärken.
Karen Wiltshire unterstreicht die Bedeutung der Mission: „Diese Reise ist ein echtes Geschenk – wir alle sind fachlich und persönlich gewachsen. Die interkulturelle Lernerfahrung, eingebettet in den Alltag an Bord mit einer ausgezeichneten Crew, ist gelebte friedliche Wissenschaft. Die unmittelbare Erfahrung moderner Meeresforschung auf einem Schiff wie der Polarstern wirkt für junge Forschende und zukünftige Pädagoginnen und Pädagogen gleichermaßen transformativ.“