Pressemitteilung

Jährliches Meereisminimum in der Arktis

Negativtrend hält an – Vergleichsweise moderates Schrumpfen der Eisausdehnung im Jahr 2021
Blick auf schneebedecktes arktisches Meereis mit Schmelzwassertümpeln,im Spätsommer.

View on arctic sea ice covered by meltwater ponds in late summer
Schmelzwassertümpel (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Stefan Hendricks)

Die Meereisausdehnung im Nordpolarmeer hat am 12. September 2021 mit 4,81 Millionen Quadratkilometern ihr jährliches Minimum erreicht. Damit reiht sich das Jahr auf Platz zwölf der Negativliste der absoluten Werte ein. Die Meereisausdehnung im September ist eines der stärksten Anzeichen für den Klimawandel, verdeutlichten Fachleute im kürzlich veröffentlichten Sachstandsbericht der Arbeitsgruppe I des Weltklimarats. Sie ist in den letzten vier Jahrzehnten um etwa 40 Prozent zurückgegangen.

Das arktische Meereisminimum im Jahr 2021 lag mit 4,81 Millionen Quadratkilometern gut 1,5 Millionen Quadratkilometer über dem des bisherigen Negativrekords im Jahr 2012. Damals erfassten Forschungssatelliten eine Restfläche von 3,27 Millionen Quadratkilometern. „Von einer Erholung des arktischen Meereises kann trotz dieses vergleichsweise moderaten Eisrückgangs keine Rede sein“, sagt Prof. Dr. Christian Haas, Leiter der Sektion Meereisphysik am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI).

„Zum einen liegt auch das aktuelle Meereisminimum weit unter den Werten, wie wir sie noch aus den 1990er und 2000er Jahren kennen. Das heißt, es bestätigt den starken Abnahmetrend der Eisausdehnung von gut zehn Prozent pro Dekade.“ Zum anderen belegten sowohl Satellitenmessungen als auch Vor-Ort-Beobachtungen (etwa aus der Wandelsee im Nordosten Grönlands und aus der Beaufortsee), dass die Eisdicke abnimmt und die Meereiskonzentration in beiden Regionen außerordentlich gering ist. Die aktuelle Eisverteilung zeige abermals, wie variabel die Meereis-Entwicklung ist und welche regionalen Unterschiede von Jahr zu Jahr auftreten können. So wies das Jahr 2020 die zweitgeringste jemals beobachtete Meereisausdehnung auf, jedoch bedeutet der diesjährige Wert für die Fachleute keine Entwarnung: Ähnliche Sprünge in der verbleibenden Gesamteisfläche hat es beispielsweise vom Jahr 2012 (Negativrekord) auf 2013 gegeben sowie von 1995 (damaliges Rekordminimum) auf 1996.

Ausschlaggebend für die relativ langsame Eisschmelze in diesem Sommer war langanhaltender niedriger Luftdruck in der zentralen Arktis. „Seine Existenz hat vor allem im Juni und Juli den Einstrom warmer Luftmassen in die zentrale Arktis verhindert und die Meereissituation stabilisiert. Im August hat sich dann über dem europäischen Teil der Arktis ein Hochdrucksystem etabliert, das Tiefdrucksystem verlagerte sich hingegen in die Beaufortsee, was dort das Eis auseinander schob und Temperaturen von 2 bis 3 Grad Celsius unterhalb des langjährigen Mittels zur Folge hatte. Diese vergleichsweise kalte Luft verhinderte das Schmelzen des Eises, obwohl die Eiskonzentration in dieser Region teilweise sehr niedrig war”, sagt AWI-Klimatologin Dr. Monica Ionita.

Fachleute vom AWI und der Universität Bremen haben die regionalen Veränderungen sowie die klimatischen Bedingungen im Meereisportal umfassend analysiert: https://www.meereisportal.de/archiv/2021-kurzmeldungen-gesamttexte/meereis-minimum-anhaltend-niedriger-luftdruck-bremst-den-eisrueckgang-in-der-arktis/

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Blick auf schneebedecktes arktisches Meereis mit Schmelzwassertümpeln,im Spätsommer.

View on arctic sea ice covered by meltwater ponds in late summer
Blick auf schneebedecktes arktisches Meereis mit Schmelzwassertümpeln im Spätsommer 2015. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Stefan Hendricks)
Monatsmittelwerte der Meereisausdehnung im September in der Arktis seit 1979. In Rot der voraussichtliche Wert für September 2021 +/- zweifache Standardabweichung basierend auf dem Mittelwert der Eisausdehnungen bis zum 14.9.2021
Monatsmittelwerte der Meereisausdehnung im September in der Arktis seit 1979. In Rot der voraussichtliche Wert für September 2021 +/- zweifache Standardabweichung basierend auf dem Mittelwert der Eisausdehnungen bis zum 14.9.2021 (Grafik: Alfred-Wegener-Institut / Meereisportal)
In den zurückliegenden 21 Jahren schwankte die Fläche des September-Meereisminimums in der Arktis zwischen 3,27 Millionen (bisheriger Negativrekord aus dem Jahr 2012) und 5,81 Millionen Quadratkilometern (2006). Das aktuelle Minimum von 4,81 Millionen Quadratkilometern ist in Rot dargestellt und liegt deutlich über den extremen September-Minimumwerten der Jahre 2012 und 2020.
In den zurückliegenden 21 Jahren schwankte die Fläche des September-Meereisminimums in der Arktis zwischen 3,27 Millionen (bisheriger Negativrekord aus dem Jahr 2012) und 5,81 Millionen Quadratkilometern (2006). Das aktuelle Minimum von 4,81 Millionen Quadratkilometern ... (Grafik: Alfred-Wegener-Institut / Meereisportal)
Diese Luftdruck-Anomaliekarten für die Monate Juni (links) und Juli 2021 (Mitte) zeigen das Tiefdrucksystem und die dazugehörigen Winde, welche das Wettergeschehen über der zentralen Arktis wochenlang bestimmten und den Einstrom von Wärme verhinderten. Im August (rechts) änderte sich das Bild: Während über dem östlichen Teil des Arktischen Ozeans ein Hochdruckgebiet dominierte, lag über der Beaufortsee ein Tiefdruckgebiet und verhinderte dort eine größere Eisschmelze.
Diese Luftdruck-Anomaliekarten für die Monate Juni (links) und Juli 2021 (Mitte) zeigen das Tiefdrucksystem und die dazugehörigen Winde, welche das Wettergeschehen über der zentralen Arktis wochenlang bestimmten und den Einstrom von Wärme verhinderten. Im August (rechts... (Grafik: Alfred-Wegener-Institut / Meereisportal)
Diese Luftdruck-Anomaliekarte für Juni 2021 zeigt das Tiefdrucksystem und die dazugehörigen Winde, welche das Wettergeschehen über der zentralen Arktis wochenlang bestimmten und den Einstrom von Wärme verhinderten.
Diese Luftdruck-Anomaliekarte für Juni 2021 zeigt das Tiefdrucksystem und die dazugehörigen Winde, welche das Wettergeschehen über der zentralen Arktis wochenlang bestimmten und den Einstrom von Wärme verhinderten. (Grafik: Alfred-Wegener-Institut / Meereisportal)
Diese Luftdruck-Anomaliekarte für Juli 2021 zeigt das Tiefdrucksystem und die dazugehörigen Winde, welche das Wettergeschehen über der zentralen Arktis wochenlang bestimmten und den Einstrom von Wärme verhinderten.
Diese Luftdruck-Anomaliekarte für Juli 2021 zeigt das Tiefdrucksystem und die dazugehörigen Winde, welche das Wettergeschehen über der zentralen Arktis wochenlang bestimmten und den Einstrom von Wärme verhinderten. (Grafik: Alfred-Wegener-Institut / Meereisportal)
Die Luftdruck-Anomaliekarte für den August 2021: Während über dem östlichen Teil des Arktischen Ozeans ein Hochdruckgebiet dominierte, lag über der Beaufortsee ein Tiefdruckgebiet und verhinderte dort eine größere Eisschmelze.
Die Luftdruck-Anomaliekarte für den August 2021: Während über dem östlichen Teil des Arktischen Ozeans ein Hochdruckgebiet dominierte, lag über der Beaufortsee ein Tiefdruckgebiet und verhinderte dort eine größere Eisschmelze. (Grafik: Alfred-Wegener-Institut / Meereisportal)
Beim Überflug über die Wandelsee dokumentierte AWI-Meereisforscher Dr. Jakob Belter in der zweiten Augusthälfte von Schmelztümpeln durchlöcherte Eisschollen und große Flächen offenen Wassers.

While flying over the Wandel Sea in the second half of August, AWI sea-ice researcher Dr Jakob Belter recorded ice floes riddled with meltwater ponds and large expanses of open water.
Beim Überflug über die Wandelsee dokumentierte AWI-Meereisforscher Dr. Jakob Belter in der zweiten Augusthälfte 2021 von Schmelztümpeln durchlöcherte Eisschollen und große Flächen offenen Wassers. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Jakob Belter)
Arktisches Meereis. 

Arctic sea ice.
Arktisches Meereis (September 2015). (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Mario Hoppmann)
Animation der gemessenen Meereiskonzentration über den Zeitraum 1. August bis 14. September 2021.
Animation der gemessenen Meereiskonzentration über den Zeitraum 1. August bis 14. September 2021. Sie zeigt den allgemeinen Rückzug des Eises und seine Bewegung getrieben durch den Wind und die Ozeanströmungen. Gut zu erkennen ist in der zweiten Augusthälfte die Entsteh... (Grafik: Alfred-Wegener-Institut / Lars Kaleschke)