Die Veränderungen in der Arktis zu erforschen ist dringend notwendig. Die Polarregionen sind wie eine Klimaanlage für den Planeten. Gletscher und Meereis gehen jedoch schnell zurück. Die internationale Zusammenarbeit ist für die Polarforschung von entscheidender Bedeutung, um die klimatischen Veränderungen und ihren Einfluss auf das Leben in der Arktis zu verstehen. Deshalb fördert die niederländische Organisation für wissenschaftliche Forschung (NWO) sechs Projekte, in denen junge niederländische Forschende gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern am Alfred-Wegener-Institut wichtige Fragen im Zusammenhang mit dem Klimawandel und der Dynamik arktischer Ökosysteme erkunden.
Die geförderten Projekte untersuchen unter anderem das Schmelzen der Gletscher und des Meereises sowie das Auftauen des Permafrostbodens. Die niederländische Organisation für wissenschaftliche Forschung (NWO) stärkt mit ihrer Ausschreibung den wissenschaftlichen Austausch zwischen niederländischen und AWI-Forschenden und fördert junge Talente.
Diese Projekte werden gefördert:
Uncertain Ground - Kann die Ausbreitung der hocharktischen Vegetation dazu beitragen, auftauende Permafrost-Hänge zu stabilisieren?
Permafrost ist eine gefrorene Lebensgrundlage in arktischen Systemen. Sein Auftauen unter extremen Klimabedingungen wirkt sich auf Gemeinden, Infrastruktur und Ökosysteme in der Arktis aus. Das Projekt geht der Frage nach, ob die Pflanzen der Hocharktis und ihre unterirdischen Strukturen dazu beitragen können, Permafrost-Hänge zu stabilisieren.
Dr. Rúna Magnusson (Wageningen Universität), Prof. Julia Boike und Dr. Inge Grünberg (AWI), Dr. Simone Lang (UNIS)
Schwindendes dickstes Meereis der Arktis: Auswirkungen auf Gletscher und steigende Meeresspiegel
Nördlich von Kanada und Grönland befindet sich das älteste und dickste Meereis der Arktis. Einst ein Bollwerk gegen den Klimawandel, ist dieses Eis in den letzten zwei Jahrzehnten zunehmend verschwunden. Das Projekt nutzt Satellitendaten, Beobachtungen aus der Luft und Klimamodelle, um herauszufinden, wie sich dieser Verlust auf den nördlichen grönländischen Eisschild, den Anstieg des Meeresspiegels und das globale Klimasystem auswirkt.
Dr. Lu Zhou (Utrecht Universität), Prof. Christian Haas, Prof. Julienne Stroeve und Dr. Thomas Krumpen (AWI)
Vorhersage der Zukunft des Arktischen Ozeans mit hoher Auflösung
Der Arktische Ozean und das Meereis spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulierung der globalen Ozeanzirkulation, des Wetters auf der nördlichen Hemisphäre und der Verteilung der Sonnenwärme. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Zirkulation des Arktischen Ozeans aufgrund der Auffrischung des Wassers und einer beträchtlichen Verringerung der Meereisausdehnung verändert. Das Projekt nutzt globale hochauflösende Simulationen und In-situ-Beobachtungen, um die Ursachen und Folgen der für die kommenden Jahrzehnte prognostizierten Veränderungen im Arktischen Ozean zu bewerten.
Dr. Mukund Gupta (Technische Universität Delft), Dr. Qiang Wang und Dr. Wilken-Jon von Appen (AWI)
Die schwindenden Schelfeisflächen der grönländischen Gletscher
Die globale Erwärmung trifft die arktische Region hart. Die Gletscher Grönlands ziehen sich rapide zurück und ihre Eiszungen, die auf dem Ozean schwimmen, verschwinden: Es gibt nur noch drei Gletscher mit einer schwimmenden Eiszunge. Bricht ein Teil ab, beschleunigt sich der dahinter liegende Gletscher und bewegt eine große Menge Eis in den Ozean. Das Projekt untersucht die Ursachen dieses Phänomens, um dazu beitragen, Klimaprognosen zu verbessern.
Prof.dr. Renske Gelderloos, (TU Delft), Dr. Claudia Wekerle und Prof. Torsten Kanzow (AWI), Dr. Faezeh Nick (Utrecht Universität), Prof. Julie Pietrzak (TU Delft)
Im Dunkeln: Wie das arktische Phytoplankton den wärmer werdenden polaren Winter überlebt
Phytoplankton benötigt normalerweise Lichtenergie zum Überleben. In der Arktis sind die einzelligen Meeresalgen jedoch mehrere Monate Dunkelheit ausgesetzt. Welche Strategien sie nutzen, um die Polarnacht zu überleben, sind noch nicht vollständig bekannt. Das Projekt wird vorhandene Datensätze mit einer Feldkampagne während des arktischen Winters kombinieren, um zu analysieren, mit welchen Überlebensprozessen Phytoplankton auf die globale Erwärmung reagiert.
Prof. Susanne Wilken (Universität von Amsterdam), Dr. Clara Hoppe (AWI), Prof. Corina Brussaard (NIOZ)
Klempnerarbeiten an der biologischen Pumpe: Welchen Einfluss haben schwimmende Schnecken und Meeresbodenlebewesen auf unser Klima?
Unser Klima wird zu einem großen Teil durch die Speicherung und Wiederverwertung von Kohlenstoff in unseren Ozeanen durch die so genannte „biologische Pumpe“ beeinflusst, insbesondere an den Polen. Schwimmende Schnecken und Tiere, die am Meeresboden leben, beeinflussen die Pumpe, werden aber in den Berechnungen zum Klimawandel noch nicht berücksichtigt. Das Projekt wird deshalb diese fehlenden Komponenten bestimmen, um besser vorhersagen zu können, wie sich unser Klima verändern wird.
Dr.ir. Jasper de Goeij (Universität von Amsterdam), Prof. Morten Iversen, Prof. Claudio Richter, Prof. Judith Hauck, Dr. Katja Metfies, Dr. Autun Purser und Dr Laurent Oziel (AWI), Prof. Katja Peijnenburg (Naturalis), Dr. Furu Mienis (NIOZ), Dr. Cara Nissen (UvA)
Zusammenarbeit AWI-NWO
Entwickelt wurde die Ausschreibung zur Stärkung der Zusammenarbeit in der Polarforschung während des Besuchs von König Willem-Alexander und Königin Máxima am AWI im Jahr 2019. Das niederländische Polarprogramm wird von fünf Ministerien finanziert und von der NWO umgesetzt. ‘Arctic Science in Collaboration with AWI’ baut auf einer langjährigen und erfolgreichen wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der niederländischen Polarforschungsgemeinschaft und dem AWI auf. Das Programm stärkt bestehende Partnerschaften, schafft neue Verbindungen zur Zusammenarbeit und trägt zu einem koordinierten europäischen Ansatz zum Verständnis der schnellen Umweltveränderungen in der Arktis bei.