Auf der Rückreise von einer Forschungsexpedition im antarktischen Bellingshausenmeer brachte AWI-Geowissenschaftler Johann Klages im Februar 2023 für seine Kinder eine Flaschenpost auf den Weg. Jetzt erhielt er eine E-Mail aus Tasmanien: Ein Mitarbeiter des „Central Coast Council“ fand die Flaschenpost während eines Wochenendausflugs an der tasmanischen Westküste bereits im August 2025 – aber der von ihm losgeschickte Brief kam trotz korrekter Adresse zurück an den Absender.
„Ich war wirklich baff und unsere Kinder natürlich auch“, sagt Johann Klages, der von Dezember 2022 bis März 2023 an einer geowissenschaftlichen Expedition des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) mit der Polarstern teilgenommen hat. Auf der Rückreise in den Zielhafen Punta Arenas (Chile) kam ihm die Idee, eine Flaschenpost für seine Kinder auf den Weg zu bringen, die Weihnachten ohne ihn verbringen mussten. So übergab er am 28. Februar 2023 direkt nördlich 60° Süd in der Drake Passage seine Nachricht zwecks Zustellung an Unbekannt an Neptun, den Gott des Meeres. Zweieinhalb Jahre später, im August 2025, entdeckte Toby Ray, ein Mitarbeiter des australischen „Central Coast Council“, die „Sendung“ bei einem Wochenendausflug an der wilden und abgelegenen tasmanischen Westküste völlig unversehrt.
„Was ist die Wahrscheinlichkeit?“, fragt sich Johann Klages. „Erstmal, dass die Flaschenpost die Reise überstanden hat, aber dann auch, dass sie nicht am Strand zerschellt und begraben wurde, dass sie gefunden und auch aufgehoben wurde. Und dass sich der Finder auch noch die Mühe gemacht hat zu antworten.“ Denn Letzteres war alles andere als trivial: Trotz korrekter Postadresse kam der Brief nach drei Monaten als unzustellbar zum Absender zurück. Also folgten eine Online-Recherche und am 9. Dezember 2025 eine Kontaktaufnahme via E-Mail. Dann war es an Johann Klages, den Absender zu überraschen: Dass er Polarforscher am AWI ist, sorgte bei Toby Ray und seiner Familie in Tasmanien ebenso für helle Begeisterung, wie der Startort. Im folgenden E-Mail-Austausch berichtet Toby Ray vom Fund der Flaschenpost: „Ich war überwältigt, dass ich sie überhaupt gefunden habe. Unsere Westküste ist rau und sehr abgelegen, darauf zu stoßen ist wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen! Wir fuhren am Ocean Beach, dem längsten Strand Tasmaniens entlang, als mein Kumpel eine angeschwemmte Boje sah. Er hielt an, um sie aufzusammeln, ich fuhr neben ihm her und sah zufällig die Flasche.“ Jetzt hat er erneut einen Brief in die Post gesteckt, der hoffentlich pünktlich zu Weihnachten bei Familie Klages in Norddeutschland ankommt.
Auch wissenschaftlich ist der Fund spannend: Klar ist, dass sie im Uhrzeigersinn rund um den antarktischen Kontinent gedriftet sein muss, denn das ist die Fließrichtung des sogenannten Antarktischen Zirkumpolarstroms (Antarctic Circumpolar Current – ACC). Für die mindestens 15.000 Kilometer hat die Flaschenpost maximal 900 Tage benötigt, das wäre dann eine Durchschnittsgeschwindigkeit von mindestens 19 Zentimetern pro Sekunde, oder rund 0,7 Stundenkilometern. Vermutlich war der Weg jedoch viel weiter, denn der ACC weist viele Wirbel auf. Wie die Flasche dann aus dieser Meeresströmung heraus an die Küste gelangt ist, will jetzt auch eine tasmanische Ozeanographin modellieren, zu der Johann Klages Kontakt aufgenommen hat. Beide vermuten, dass ein Wirbel die Flasche erfasste und an den Fundort beförderte. Außerdem berichtet Toby Ray: „Es gibt zufällig etwa zehn Kilometer vom Fundort entfernt eine Messboje, die in den Wochen vor dem Fund dort Wellenhöhen von 15 Metern aufgezeichnet hat.“ Johann Klages: „Ich bin schon gespannt auf die wissenschaftliche Modellierung mit den Strömungsdaten während der Drift der Flaschenpost, die jedoch noch Zeit in Anspruch nehmen wird. Ich freue mich jetzt auf Weihnachten 2025 mit der Familie, wo die Geschichte der Flaschenpost von vor drei Jahren bestimmt auch Thema sein wird.“