Expeditionsstart

Die Suche nach der Endurance

Expedition will das verlorene Schiff von Sir Ernest Shackleton finden
[10. Februar 2022] 

Am 5. Februar startete die internationale Expedition Endurance22 in die Antarktis, um das 1915 im Weddellmeer gesunkene Schiff von Sir Ernest Shackleton zu finden. Mit an Bord sind auch Forschende des Alfred-Wegener-Instituts, (AWI).

Sir Ernest Shackleton stach ursprünglich 1914 mit der Endurance in See, um als Erster die Antarktis zu durchqueren. Die Route sollte vom Weddellmeer aus über den Südpol bis zum Rossmeer führen, doch das Schiff blieb bereits im dicken Packeis des Weddellmeers stecken. Nach vielen Monaten wurde es schließlich von Eisschollen erdrückt und sank. Shackleton schaffte es mit einer unglaublichen Rettungsmission alle Männer lebend nach Hause zu bringen. Das Schiff gilt allerdings seither als verschollen.

Jetzt hat sich ein Team um Expeditionsleiter John Shears zum Ziel gesetzt, was bisher noch keiner Mannschaft gelungen ist: Die Endurance zu finden, zu filmen und vermessen zu können. An Bord des hochmodern ausgestatteten südafrikanischen Eisbrechers S.A. Agulhas II sind auch Forschende des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI): Stefanie Arndt, Jakob Belter und Christian Katlein sowie AWI-Fotografin Esther Horvath und Lasse Rabenstein, Leiter der AWI-Ausgründung „Drift+Noise“. Das Unternehmen liefert aktuelle Eisinformationen und unterstützt Schiffe bei der Durchfahrt in Polarregionen. AWI-Forscher Helge Goessling und das SIDFEX-Projekt, für das er arbeitet, liefern sehr wertvolle Eisdriftprognosen für die Schollenauswahl. Auch Stefan Hendricks, ebenfalls von der AWI-Meereisphysik, unterstützt die Expedition mit Daten zur Meeereisdicke aus der Cryosat-2-Mission. Außerdem erhält die Expedition täglich hochauflösende Satellitenradarbilder vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Geplant ist, mit der S.A. Agulhas II direkt in die Region zu fahren, in der die Endurance gesunken ist, und dort hybride autonome Unterwasserfahrzeuge einzusetzen, um in 3000 m Tiefe nach dem Wrack zu suchen. Falls das nicht möglich sein sollte, wird es die Aufgabe der AWI-Forschenden sein, ihre Erfahrungen beispielsweise von der MOSAiC-Expedition zu nutzen, um bei der Suche nach einer geeigneten Eisscholle zu helfen. Das Expeditionsteam wird dann auf dieser Scholle sein Lager aufschlagen und sie als Basis für Erkundungstauchgänge nutzen. Die große Herausforderung dabei ist, frühzeitig eine Scholle zu finden, die am Ende auch tatsächlich durch das Suchgebiet driftet. Parallel zu den Tauchversuchen wird das AWI-Team zusätzlich Proben von der Eisscholle selbst nehmen und versuchen Schneebojen auszusenden, die wichtige Daten für weitere Forschungen erheben.

Nur sehr wenige Schiffe haben sich bisher in dieses Gebiet vorgewagt, da es zu großen Teilen von dickem Meereis und massiven, permanenten Schelfeisen bedeckt ist. Vor allem das Packeis im Weddellmeer macht die Stelle schwer zugänglich. Expeditionsleiter John Shears sagt: "Das Team von Endurance22 ist sehr zuversichtlich, dass wir mit Hilfe der Expertise des AWI und von Drift+Noise trotz der extremen Wetter- und Umweltbedingungen die Wrackstelle erreichen werden.“

Zur Website der Expedition Enruance22

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