Blaualgen entsalzen Meerwasser
Trinkwasser ist weltweit knapp. Die wachsende Bevölkerung, die Versalzung von Küstenregionen und neue Aufgaben wie die Wasserstoffproduktion machen es immer schwieriger, den wachsenden Bedarf von Menschen und Tieren, Landwirtschaft und Industrie zu decken. Deshalb entwickeln wir eine neue und umweltfreundliche Form der Meerwasserentsalzung auf der Basis von Blaualgen.
Weltweit arbeiten heute rund 16.000 großtechnische Anlagen daran, Meerwasser in genießbares Trinkwasser zu verwandeln. Die dabei eingesetzten Verfahren verbrauchen allerdings enorm viel Energie und sind entsprechend teuer. Zudem entsteht dabei eine hochkonzentrierte Salzlake, die oft ins Meer geleitet wird und zusammen mit den eingesetzten Chemikalien zu massiven Umweltschäden führt.
Statt solcher technischen Methoden setzen wir auf bestimmte Bakterien als kleine Salzfänger. Die auch als „Blaualgen“ bekannten und mikroskopisch kleinen Cyanobakterien der Gattung Spirulina ziehen wir zunächst in einem sehr salzarmen Medium heran. Wenn wir sie später dem Meerwasser aussetzen, ist das für sie ein Schock. Sie produzieren dann zum Schutz ihrer Zellen eine Art Schleim aus Kohlenhydraten, an den sich das Salz anlagert. So kann es relativ leicht abgefiltert werden.
Im Labor funktioniert das bereits. Salzkonzentrationen von 30 Gramm pro Liter, wie sie für Nordseewasser typisch sind, ließen sich so auf genießbare Mengen von weniger als einem Gramm pro Liter reduzieren – und das bei geringerem Energieverbrauch und ohne problematische Abfälle.
Zusammen mit dem Chemieunternehmen Kronos Titan testen wir das Verfahren inzwischen in größerem Maßstab. Zum Kühlen ihrer Anlagen braucht die Firma riesige Mengen gefiltertes Wasser aus der Weser und ist auf der Suche nach einer nachhaltigeren Alternative. Zudem fallen dort Abwärme und Kohlendioxid an, die wir für die Spirulina-Produktion nutzen können.
Parallel suchen wir nach Verwertungsmöglichkeiten für die Blaualgen. Möglicherweise lassen sie sich in der Lebensmittel-, Pharma- oder Kosmetik-Industrie, als Viehfutter oder zur Ummantelung von Saatgut nutzen. Das würde das Verfahren wirtschaftlich noch interessanter machen.