Pressemitteilung

Forschungsschiff Polarstern startet Antarktissaison

Wie sieht es unter dem Schelfeis des abgebrochenen Riesen-Eisbergs A68 aus?
Das Forschungsschiff Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts verlässt seinen Heimathafen Bremerhaven.
Luftaufnahme Polarstern in Bremerhaven (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Folke Mehrtens)

Auf Grund einer Verzögerung der Arbeiten an der Polarstern verschiebt sich das Auslaufen - Am Sonntag, den 11. November 2018 verlässt das Forschungsschiff Polarstern seinen Heimathafen Bremerhaven Richtung Kapstadt, Südafrika. Damit beginnt die Antarktissaison, in der ozeanografische Arbeiten im Weddellmeer und die Versorgung der Neumayer-Station III, das Larsen C-Schelfeisgebiet sowie die Südlichen Shetlandinseln auf der Forschungsagenda stehen. Ende Juni 2019 wird das Schiff in Bremerhaven zurückerwartet.

Herzstück der aktuellen Antarktis-Saison wird eine Expedition zum Larsen C Schelfeis an der Antarktischen Halbinsel sein. Die Antarktische Halbinsel ist eine der Regionen dieser Welt, die sich am schnellsten erwärmen. Als mögliche Folge sind in den Jahren 1995 und 2002 erst das Larsen A Schelfeis und später der Larsen B Schelfeis fast vollständig zerfallen. Dadurch verbleibt nur noch das Larsen C Schelfeis als letztes großes Schelfeis im westlichen Weddellmeer. Im Juli 2017 kalbte dort der Eisberg A68 - mit etwa 5.800 Quadratkilometern einer der größten Eisberge, die jemals erfasst worden sind.

Anfang Februar 2019 steuert die Polarstern dieses Gebiet vom chilenischen Punta Arenas aus an. Über 50 Wissenschaftler von 17 Institutionen aus fünf Ländern wollen genau erfassen, welche Meeresboden-Landschaften und Lebewesen sich unter dem abgebrochenen Eis befinden. Geleitet wird die Expedition von Dr. Boris Dorschel, Bathymetriker am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Neben seinen eigenen Arbeiten zur Vermessung des Meeresbodens koordiniert er auch die geowissenschaftlichen und biologischen Gruppen an Bord sowie die Forschung der Meereisphysiker. Besonders gespannt sind die Wissenschaftler, ob die Meereisbedingungen es zulassen, bis zum Larsen C Schelfeis vorzudringen. Im Südsommer (Februar / März) 2018 hatte das britische Forschungsschiff James Clark Ross vergeblich versucht, so weit nach Süden kommen. Biologen, die damals an Bord waren, sind auch dieses Jahr wieder auf der Polarstern mit dabei.

Durch den Abbruch von A68 hat sich die Schelfeiskante landwärts verlagert. Dieser Rückzug der Schelfeiskante hat einen erheblichen Einfluss auf die Umweltfaktoren und Ökosysteme in dem ehemals vom Schelfeis bedeckten Gebiet. Durch das Schelfeis war dieses Gebiet bis zu 120.000 Jahre von der Atmosphäre und dem Einfluss von Sonnenlicht entkoppelt. In Folge der Veränderungen kommt es nun zu Austauschprozessen zwischen Ozean und Atmosphäre und Kleinstalgen können in der oberen Wassersäule wachsen. Diese Veränderungen finden in einem sehr kurzen Zeitraum statt, was die Ökosysteme zwingt, sehr schnell zu reagieren und sich anzupassen. Um die Veränderungen, Anpassungsmechanismen und Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme in Folge derartig abrupter Veränderungen zu verstehen, ist es nun nötig, möglichst schnell den aktuellen Zustand der Umwelt zu erfassen. Auf Grund der Abgeschiedenheit – über 1.500 Kilometer Entfernung zum nächsten Hafen - gibt es derzeit nur begrenzt wissenschaftliche Daten aus dem Gebiet von Larsen A und B. Larsen C ist fast vollständig unerforscht. Die Expedition PS118 mit Polarstern ist daher sehr interdisziplinär angelegt, mit dem Ziel den Zustand und die natürliche Vielfalt dieser weitgehend unbekannten Region zu erfassen.

Bevor es tief in den Süden der Antarktis geht, nehmen Studierende der Polmar Graduiertenschule an der Transitfahrt ab Bremerhaven teil. Sie lernen, wie die Lote und Sonare auf der Polarstern funktionieren. Diese Geräte tasten den Meeresboden ab und sind somit ein wichtiges Instrument auch für viele weitere Disziplinen auf Expeditionen, damit die Wissenschaftler den besten Ort für eine Probennahmen festlegen können. Mitte Dezember wird das Schiff Kapstadt erreichen und mit neuen Expeditionsteilnehmern ozeanographische Langzeituntersuchungen im Weddellmeer durchführen und die Neumayer-Station III mit Forschungsgerät, Treibstoff und Lebensmitteln versorgen. Nach dem antarktischen Herzstück der Expedition zum Larsen C Schelfeis folgt im April/Mai 2019 eine Expedition mit geowissenschaftlichem Schwerpunkt rund um die Südshetlandinseln. Den Rücktransit quer durch den Atlantik nutzen Lehrende, um internationale Studierende der Meeresforschung auszubilden. Das Schiff wird am 29. Juni 2019 in Bremerhaven zurückerwartet.

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Das Forschungsschiff Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts verlässt seinen Heimathafen Bremerhaven.
Das Forschungsschiff Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts verlässt seinen Heimathafen Bremerhaven. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Folke Mehrtens)
Treibender Eisberg, umgeben von Meereis, im Weddellmeer

Polarsternexpedition ANT-XXIX/6; 8. Juni - 12. August 2013; Kapstadt-Punta Arenas
Ziel der Expedition: Ein interdisziplinäres Forschungsprogramm in Atmosphäre, Meereis, Ozean und Ökosystem im antarktischen Winter, um die physikalischen und biogeochemischen Eigenschaften und Prozesse während der Wachstumsphase des Meereises besser zu verstehen. Fahrt war die erste antarktische Winterexpedition seit dem Jahr 2006. (Kurs wie im Winterexperiment 1992) 


English

Drifting iceberg in the Weddell Sea, surrounded by sea ice. 

Polarsternexpedition ANT-XXIX/6; 8. June - 12. August 2013; Cape Town -Punta Arenas (Chile); The aim of the cruise is to carry out an interdisciplinary research programm on atmosphere, sea ice, ocean, and ecosystem during winter to obtain an understanding of physical and biogeochemical properties and processes during the sea ice growth season. It was the first Antarctic winter expedition since the year 2006.
Polarsternexpedition ANT-XXIX/6; 8. Juni - 12. August 2013; Kapstadt-Punta Arenas Ziel der Expedition: Ein interdisziplinäres Forschungsprogramm in Atmosphäre, Meereis, Ozean und Ökosystem im antarktischen Winter, um die physikalischen und biogeochemischen Eigenschafte... (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Mario Hoppmann)
Kühlcontainer werden entladen. Reefer Container are unloaded.
Entladen FS Polarstern zur Versorgung Neumayer Station III (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Thomas Steuer)
Dies ist ein Tiefsee-Seestern, der im ehemals Schelfeis-bedeckten Larsen A/B Gebiet in flachem Wasser lebt. 200m
Tiefsee-Seestern, der in 200 Metern Wassertiefe im ehemals Schelfeis-bedeckten Larsen A/B Gebiet lebt. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / © Julian Gutt)
Antarktisches Meereis, Weddellmeer.


Polarsternexpedition ANT-XXIX/6; 8. Juni - 12. August 2013; Kapstadt-Punta Arenas
Ziel der Expedition: Ein interdisziplinäres Forschungsprogramm in Atmosphäre, Meereis, Ozean und Ökosystem im antarktischen Winter, um die physikalischen und biogeochemischen Eigenschaften und Prozesse während der Wachstumsphase des Meereises besser zu verstehen. Fahrt war die erste antarktische Winterexpedition seit dem Jahr 2006. (Kurs wie im Winterexperiment 1992) 


English

Antarctic sea ice, Weddell Sea.

Polarsternexpedition ANT-XXIX/6; 8. June - 12. August 2013; Cape Town -Punta Arenas (Chile); The aim of the cruise is to carry out an interdisciplinary research programm on atmosphere, sea ice, ocean, and ecosystem during winter to obtain an understanding of physical and biogeochemical properties and processes during the sea ice growth season. It was the first Antarctic winter expedition since the year 2006.
Antarktisches Meereis, Weddellmeer. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Mario Hoppmann)
Scotoplanes globosa, a deep-sea sea cucumber found in shallow waters in the former Larsen B ice-shelf area, taken during the Polarstern cruise ANTXXIII-8.
Scotoplanes globosa, eine Tiefseegurke, die im Gebiet des ehemaligen Larsen B Schelfeises im Flachwasser gefunden wurde. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Pablo J. Lopez)
Diese Tiefseeseegurken sind im Larsen B Gebiet auffallend häufig. Interessanterweise laufen sie allen in dieselbe Richtung. 

These deep-sea sea cucumbers are abundant in the Larsen B area. Interestingly they are all heading in the same direction.
Diese Tiefseeseegurken sind im Larsen B Gebiet auffallend häufig. Interessanterweise laufen sie allen in dieselbe Richtung. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / AWI/MARUM; University of Bremen)
Im Larsen B Gebiet gibt es in ungewöhnlich großer Tiefe von ca. 120m blanken Felsen. Korallen gibt es nicht nur in den Tropen und bei 800m Wassertiefe vor unserer europäischen Küste; sondern auch hier in der Antarktis.

In the Larsen B area at unusual great water depths of approx. 120m pure bed rock exists. Corals are not only existant in warm tropical waters and along the continental slopes of the Atlantic but also at this site in the Antarctic.
Im Larsen B Gebiet gibt es in ungewöhnlich großer Tiefe von ca. 120 m blanken Felsen. Korallen gibt es nicht nur in den Tropen und bei 800 m Wassertiefe vor unserer europäischen Küste; sondern auch hier in der Antarktis. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / AWI/MARUM; University of Bremen)
Containerentladung. container unloading
Entladen FS Polarstern zur Versorgung Neumayer Station III (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Thomas Steuer)
de: Teilausschnitt der Abbruchkante des Larsen-B-Schelfeises an der Antarktischen Halbinsel. Aufgenommen auf der Polarstern-Expedition ANTXXIII/8 im Weddellmeer 2006/07. <br />
en: Part of the broken conection between Larsen-B-Iceshelf and the Antarctic peninsula. The picture was taken during the RV 'Polarstern'-expedition ANTXXIII/8 in the Weddell Sea 2006/07
Teilausschnitt der Abbruchkante des Larsen-B-Schelfeises an der Antarktischen Halbinsel. Aufgenommen auf der Polarstern-Expedition ANTXXIII/8 im Weddellmeer 2006/07. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Gauthier Chapelle)
de: Gletscher bei Larsen A <br />
en: Glacier at Larsen A
Gletscher bei Larsen A im Jahr 2007 (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Gauthier Chapelle)
Antarktische Eislandschaft (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Frank Rödel)
Mit einem Netz wird nach Tieren in der Wassersäule gefischt. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Frank Rödel)
Dieser antarktische Polarfisch (Trematomus sp.) nutzt einen Glasschwamm als Versteck. Foto: Thomas Lundaelv, Alfred-Wegener-Institut


ROV-Aufnahmen von GlasschwŠmmen (Bodenbewohnern) im westlichen Weddellmeer (ehemaliges Larsen-A-Schelfeisgebiet), aufgenommen waehrend der Polarstern-Expedition ANT-XXVII/3; 

Dazugehoerige Veroeffentlichung: Fillinger, L; Janussen, D; LundŠlv, T et al. (2013): Rapid glass sponge expansion after climate-induced Antarctic Ice Shelf Collapse. Current Biology

Over 30 percent of the Antarctic continental shelf is permanently covered by floating ice shelves, providing aphotic conditions for a depauperate fauna sustained by laterally advected food. In much of the remaining Antarctic shallows (<300 m depth), seasonal sea-ice melting allows a patchy primary production supporting rich megabenthic communities dominated by glass sponges (Porifera, Hexactinellida). The catastrophic collapse of ice shelves due to rapid regional warming along the Antarctic Peninsula in recent decades has exposed over 23,000 km**2 of seafloor to local primary production. The response of the benthos to this unprecedented flux of food is, however, still unknown. In 2007, 12 years after disintegration of the Larsen A ice shelf, a first biological survey interpreted the presence of hexactinellids as remnants of a former under-ice fauna with deep-sea characteristics. Four years later, we revisited the original transect, finding 2- and 3-fold increases in glass sponge biomass and abundance, respectively, after only two favorable growth periods. Our findings, along with other long-term studies, suggest that Antarctic hexactinellids, locked in arrested growth for decades, may undergo boom-and-bust cycles, allowing them to quickly colonize new habitats. The cues triggering growth and reproduction in Antarctic glass sponges remain enigmatic.
Dieser antarktische Polarfisch (Trematomus sp.) nutzt einen Glasschwamm als Versteck. Foto: Thomas Lundaelv, Alfred-Wegener-Institut (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Tomas Lundaelv)