Ist das Wattenmeer eine Quelle für Treibhausgase, und welche Rolle spielen dabei Wattflächen, Sedimente, Grundwasser und Zuflüsse von Land? Diesen Fragen geht ein Verbund aus sechs Forschungseinrichtungen in der Meldorfer Bucht nach. Mit zwei Forschungsschiffen und einem Messponton erfassen die Teams den Austausch von Gasen zwischen Land, Wasser und Atmosphäre. Ein besonderer Fokus liegt auf Methan, da frühere Messungen erhöhte Konzentrationen des Gases im Watt gezeigt haben.
Wer bei Niedrigwasser über das Watt blickt, denkt vermutlich nicht als Erstes an Treibhausgasemissionen. Doch im Sediment und im Wasser laufen ständig Prozesse ab, bei denen Kohlenstoff umgesetzt wird und Treibhausgase entstehen, aufgenommen oder weitertransportiert werden. Wie groß diese Stoffströme sind und welche Quellen dabei ins Gewicht fallen, ist gerade in Küstengebieten noch wenig erforscht. Bei einer gemeinsamen Messkampagne untersuchen Wissenschaftler:innen von sechs deutschen Forschungseinrichtungen nun Treibhausgase in einem rund um die Meldorfer Bucht angelegten Messabschnitt. „Die Küste ist die Nahtstelle zwischen Land und Ozean: Hier werden Kohlenstoffverbindungen in kurzer Zeit umgewandelt, transportiert und mit den Gezeiten wieder freigesetzt“, sagt Dr. Ingeborg Bussmann, Biogeochemikerin am Alfred-Wegener-Institut (AWI) auf Helgoland, die die Kampagne koordiniert. „Uns interessiert insbesondere, wo Methan entsteht und wie viel davon tatsächlich in die Atmosphäre gelangt.“
Frühere Messungen ergaben in der Nähe von Wattgebieten wiederholt erhöhte Konzentrationen von gelöstem Methan. Wo das Gas entsteht, ist bislang jedoch offen. Eine mögliche Quelle liegt im Sediment des Watts. Dort bauen Mikroorganismen organisches Material ab und können dabei Methan bilden. Das Gas könnte aber auch mit Grundwasser aus dem Sediment in die Bucht gelangen. Eine weitere Möglichkeit sind Zuflüsse vom Land, die über Siele in das Küstengewässer gelangen. Die Messungen sollen helfen, diese verschiedenen Wege voneinander zu unterscheiden.
Die Wattenmeer‑Kampagne ist ein Baustein im Projekt ElbeXtreme (einem Verbundprojekt in der Forschungsmission der Deutschen Allianz Meeresforschung), das die Auswirkungen extremer Ereignisse im Elbeästuar und der Deutschen Bucht adressiert. Die Daten aus der Kampagne fließen in die numerische Modellierung und das geplante Informations‑ und Entscheidungshilfesystem von ElbeXtreme ein und unterstützen so das Risikoverständnis und die Resilienzplanung für Küstenökosysteme und Anrainer. „Mit der Wattenmeer‑Kampagne schließen wir eine zentrale Wissenslücke: Wie stark tragen trockenfallende Wattflächen in Extremjahren wie 2026 zu CO2‑, Methan‑ und Lachgasflüssen bei? Indem wir Wasser, Sediment und Atmosphäre gleichzeitig erfassen, schaffen wir die Datengrundlage für realistische Modelle und belastbare Entscheidungen zum Schutz und Management unserer Küstenregionen“, sagt Prof. Dr. Eric Achterberg, Leiter der Arbeitsgruppe Biogeochemie der Wassersäule im Forschungsbereich Marine Biogeochemie am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Leiter von ElbeXtreme.
Weitere Informationen zur Wattenmeer-Kampagne in der Pressemeldung des GEOMAR.