Pressemitteilung

Ein Jahr im Eis: Tara Polar Station beginnt Drift durch die zentrale Arktis

Zwölf Menschen an Bord starten einjährige Expedition durchs Nordpolarmeer, um die Veränderungen vor Ort zu beobachten
Tara Polar Station staretet Drift im Nordpolarmeer
Tara Polar Station staretet Drift im Nordpolarmeer (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Julia Regnery)

Die Tara Polar Station – ein eigens für den polaren Einsatz von der französischen Organisation Tara Ocean Foundation gebautes Schiff – lässt sich bewusst im Meereis einschließen, um den Arktischen Ozean zu erforschen. An der Tara Polaris I-Expedition (2026–2027) nehmen auch Forschende des Alfred-Wegener-Instituts teil. Jetzt hat die Tara Polar Station die Eisscholle erreicht, die damit beginnende Drift markiert den Beginn eines internationalen Forschungsprogramms, das für die nächsten zwei Jahrzehnte geplant ist. Ziel ist es, den Zustand des einzigen polaren Ozeans unseres Planeten sowie den Zustand der Erde selbst besser zu verstehen.

Bei 82°24’Nord 155°03’Ost hat die Tara Polar Station um 10:0 Uhr am 9. September 2026 eine große Eisscholle erreicht, die für das kommende Jahr Basis für die umfangreiche Erforschung des Arktischen Ozeans ist. Die Expedition Polaris I setzt damit die wissenschaftlichen Arbeiten fort, die der Schoner Tara vor 20 Jahren sowie das MOSAiC-Projekt unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in den Jahren 2019/20 durchgeführt haben. Ins Eis begleitet wurde die Tara Polar Station von der Xue Long 2, einem Forschungseisbrecher des Chinesischen Polarforschungsinstituts. „Dies ist ein sehr wichtiger Moment für die Tara Ocean Foundation, aber auch für die Polarforschung im Allgemeinen. Vor über zehn Jahren hatten wir erstmals den Gedanken, diese Polarstation zu errichten, die dazu bestimmt ist, die Arktis über alle Jahreszeiten hinweg und langfristig zu erforschen. Ich möchte unseren Teams und unseren Partnern für den Erfolg des Projekts danken“, sagt Romain Troublé, Geschäftsführer der Tara Ocean Foundation.

AWI-Meereisforscher Dr. Marcel Nicolaus, der gemeinsam mit vielen wissenschaftlichen Partnern das Forschungsprogramm mitgestaltet hat, sagt: „Wir freuen uns sehr, dass die Tara Polar Station jetzt mit Polaris I die erste Drift startet. Das besondere an dem Programm ist, dass in den kommenden 20 Jahren insgesamt zehn Expeditionen geplant sind. Das ermöglicht uns, die Veränderungen in der Arktis direkt vor Ort systematisch und langfristig zu beobachten. Dabei werden wir die Prozesse, die dahinter stecken besser verstehen lernen.“

Die Tara Polar Station lief am 19. Juli 2026 von ihrem Heimathafen Lorient aus, erreichte im August Norwegen, wo in Kirkenes die erste Überwinterungscrew an Bord ging, die im kommenden Frühjahr abgelöst werden soll. Das Überwinterungsteam der Tara Polaris I-Expedition wird mehr als acht Monate gemeinsam verbringen und besteht aus vier Seeleuten, einer Ärztin, einem Bordreporter und sechs Wissenschaftler:innen, darunter Atmosphärenforscherin Dr. Julia Regnery vom AWI. Sie berichtet: „Wir sind jetzt seit 22. August auf See, und jeder Tag ist spannend. Zunächst haben wir – ziemlich schaukelnd aber sicher – die Barentssee und die Karasee durchquert. Das Erreichen des ersten Meereises und die Fahrt entlang der Eiskante bis zum Treffpunkt mit der Xue Long 2 nördlich der Neusibirischen Inseln haben uns wunderschöne Momente beschert. Jetzt fiebern wir dem Einfrieren der Station entgegen, damit wir die Messungen starten können. In Atmosphäre, Meereis und Ozean bestimmen wir hunderte Parameter und haben dafür über 220 Messprotokolle. Wir sehen unsere Aufgabe ähnlich wie die von Astronaut:innen: Statt unserer eigenen Forschung nachzugehen, sammeln wir Daten für die 32 beteiligten Partner. Ich verantworte die Atmosphärenmessungen und arbeite viel für das Meereisprogramm an Bord, zum Beispiel koordiniere ich den Einsatz des Unterwasserroboters, den das AWI mit ins Projekt eingebracht hat.“ 

Es ist geplant, dass Marcel Nicolaus diesen Unterwasserroboter (ROV) namens Ann auch von Bremerhaven aus steuern und so das Team vor Ort unterstützen kann. Ann misst die Eigenschaften des Meereises von unten, sie kartiert die Dicke des Meereises, hat mehrere Kameras und Sensoren an Bord und detektiert das Licht, das durch das Eis und die aufliegende Schneedecke das Wasser erreicht. Das ist vor allem im Frühjahr und Herbst besonders spannend, also Jahreszeiten, aus denen bisher kaum Daten vorhanden sind. So lässt sich die Energie bilanzieren, die das Wasser erreicht und den Arktischen Ozean weiter erwärmt. Veränderungen im Ozean, so zum Beispiel die Schichtung verschiedener Wassermassen und der Austausch von Energie und Nährstoffen steht im Fokus der ozeanographischen Arbeiten. An diesem wissenschaftlichen Schwerpunkt hat AWI-Forscher Dr. Benjamin Rabe mitgearbeitet, der ebenso wie Marcel Nicolaus im nächsten Jahr das Überwinterungsteam ablösen soll und dann die Probennahmen für das Tara Polaris I-Projekt weiterführt. 

Weitere Informationen:
Ein Timelapse-Video von der Tara Polar Station und der Xue Long 2 gibt es hier: https://video.panomax.com/cams/12448/videos/timelapse/2026/09/10/12448_2026-09-10_00-00-00_small.mp4
Bei der Tara Polar Foundation finden Sie weitere Informationen und Fotos
Im Meereisportal wird laufend über die Expedition berichtet und auf dem Instagram-Kanal 2imEis gibt es Eindrücke von Julia Regnery und Marcel Nicolaus zu Polaris I.

Hintergrund:

Die wissenschaftliche Zusammenarbeit ist ein Eckpfeiler des Programms „Tara Polaris“ (2026–2046). Das auf Initiative Frankreichs im Rahmen seiner Polarstrategie und mit Unterstützung der Europäischen Union ins Leben gerufene Programm „Tara Polaris“ (2026–2046) wird die dramatischen Veränderungen dokumentieren, die sich im Arktischen Ozean mit Verlust des Meereises und der Ozeanerwärmung vollziehen. Als echter wissenschaftlicher Knotenpunkt wird die Tara-Polarstation im Rahmen ihrer Expeditionen interdisziplinäre Forschende aus aller Welt willkommen heißen, die unter anderem die Bereiche Biologie, Physik, Ökologie, Glaziologie, Atmosphärenforschung, Ozeanographie bearbeiten werden. Die erste Expedition, Tara Polaris I (2026–2027), vereint 32 Partnerlabore und -institutionen aus zwölf Ländern, die sich zu einem Konsortium unter der Leitung von Dr. Marcel Babin zusammengeschlossen haben, einem Meereszoologen des CNRS am Takuvik-Labor (CNRS/Universität Laval/Sorbonne), der als wissenschaftlicher Leiter fungiert.

Beteiligte:

Insgesamt 32 Institutionen und 38 Labore sind an Tara Polaris I (2026–2027) beteiligt. 

French National Centre for Scientific Research (CNRS) mit den folgenden Laboren:
Takuvik, the Laboratory of Oceanography and Climate (LOCEAN), Laboratory of Atmospheres and Space Observations (LATMOS), Institute of Environmental Geosciences (IGE), Villefranche Oceanography Laboratory (LOV), Mediterranean Institute of Oceanography (MIO), Microbial Oceanography Laboratory (LOMIC), Laboratory of Ecogeochemistry of Benthic Environments (LECOB), Toulouse Environmental Geosciences (GET), Institute of Physico-Chemical Biology (IBPC), Genoscope, Laboratory of Cellular and Plant Physiology (LPCV), Institute of Biology at the École normale supérieure (IBENS), Centre for Training and Research on Mediterranean Environments (CEFREM), Roscoff Biological Station (SBR). 

Weltweite Institutionen:
Laval University, University of Maine, Alfred Wegener Institute (AWI), Swiss Polar Institute (SPI), Memorial University of Newfoundland (MUN), the University of Manitoba, the French Atomic Energy and Alternative Energies Commission (CEA), Sorbonne University, the Arctic University of Norway (UiT), the Paul-Émile-Victor French Polar Institute (IPEV), the Institute of Marine Sciences (ICM-CSIC), the Free University of Brussels (ULB), Aarhus University, the Finnish Meteorological Institute (FMI), the European Molecular Biology Laboratory (EMBL), the Weizmann Institute of Science, the University of Victoria (UVic), Friedrich Schiller University Jena (FSU), Ohio State University (OSU), the University of Alaska Fairbanks (UAF), the University of Washington (UW), the Swiss Federal Institute of Technology in Lausanne (EPFL), the Swiss Federal Institute of Technology in Zurich (ETH Zurich), the Swiss Federal Institute of Aquatic Science and Technology (EAWAG), the Swiss Federal Laboratories for Materials Science and Technology (EMPA), the École Normale Supérieure (ENS), Kyoto University, the University of Perpignan Via Domitia (UPVD), the University of Bergen (UiB), Paris-Saclay University and the University of Grenoble Alpes (UGA).

Kontakt

Wissenschaft

Marcel Nicolaus
+49(471)4831-2905

Pressestelle

Folke Mehrtens
+49(0)471 4831-2007

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Tara Polar Station staretet Drift im Nordpolarmeer
Tara Polar Station startet ihre einjährige Drift im Nordpolarmeer. AWI-Forscherin Julia Regnery gehört zum 12-köpfigen Überwinterungsteam, das die ersten acht Monate in der Zentralarktis verbringen wird, bevor im Frühjahr die Ablösung kommt. Tara Polar Station is sett... (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Julia Regnery)
Tara Polar Station
DE: Tara Polar Station, ein autonomes Seefahrzeug der französischen Tara Ocean Foundation. Diese Station ist eine vorrangig fürs Eisdriften designte Plattform, die bis zu 500 Tage in der Arktis unterwegs sein kann. Foto von Eistests im Jahr 2025. (Foto: Alfred-Wegener-Institut)
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Tara Polar Station startet ihre einjährige Drift im Nordpolarmeer. AWI-Forscherin Julia Regnery gehört zum 12-köpfigen Überwinterungsteam, das die ersten acht Monate in der Zentralarktis verbringen wird, bevor im Frühjahr die Ablösung kommt. Das chinesishce Forschungssc... (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Julia Regnery)
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Tara Polar Station startet ihre einjährige Drift im Nordpolarmeer. AWI-Forscherin Julia Regnery gehört zum 12-köpfigen Überwinterungsteam, das die ersten acht Monate in der Zentralarktis verbringen wird, bevor im Frühjahr die Ablösung kommt. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Julia Regnery)
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Tara Polar Station is setting off on its year-long drift in the Arctic Ocean. AWI researcher Julia Regnery is part of the 12-strong overwintering team, which will spend the first eight months in the Central Arctic before being relieved in the spring. The Chinese researc... (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Julia Regnery)
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