Der ISTHMIA-Pavillon in Bremerhavens Goethequartier

Der weiße Pavillon aus Faserverbundmaterial (GFK) wurde 2011 im Rahmen des AWI-Projekts „PlanktonTech" von der Architektin Jule Pohl entworfen und von Fiber-Tech GmbH gebaut wurde. Seine Bauweise orientiert sich an den fraktalen Schalenversteifungen von Kieselalgen. 

Stationen der Geschichte

  • 2011: Erster Einsatz bei einer Frank-Stella-Ausstellung im Straßenbahndepot Jena; im Dezember Transfer ans AWI Bremerhaven, wo er mit Infotafeln zu bionischem Leichtbau ausgestattet wurde.
  • 2012: Auftritt auf der Hannover Messe (Halle 16, fast 100 m² kostenfrei). Der Stand war ein großer Erfolg mit wertvollen Kontakten in Wirtschaft und Politik.
  • Danach: Viele Standortideen (Ponton, Sail City, Klimahaus), die aber zu teuer oder unpassend waren. Erst das BEA-Projekt (2021) brachte eine tragfähige Perspektive: ein Lernort im Goethequartier.
  • Sturmschaden 2021: Nach langer Standzeit am Deich war das Holzfundament morsch. Nach dessen Entfernung verformte sich die Hülle beim Sturmtief „Meike" stark. Die Elemente wirkten dank der verschraubten Bauweise wie Scharniere und blieben unbeschädigt. Die AWI-Werkstatt sicherte die Struktur, stellte die Ursprungsform wieder her und hob die Hülle mit zehn Personen auf ein neues, extrem stabiles GFK-Fundament (2022/23).

Neuer Standort
Im Juni 2023 schlossen AWI und STÄWOG eine Vereinbarung über das Grundstück Uhlandstraße 19 (zunächst bis 2028). In diesem neuen „Bionik-Garten“ werden - in Zusammenarbeit mit der Galerie Goethe45 - Marine Bionik und Architektur vermittelt. 

Sicherheitsproblem und Lösung
Das flache, knapp 9 m² große Dach galt als Kletterrisiko. Verbotsschilder reichten wegen der Verkehrssicherungspflicht nicht aus. Es gab vier Lösungsansätze:

  1. Zerlegen und lagern (verworfen wegen Schadensrisiko und hohem Wiederaufbauaufwand).
  2. Transport der intakten Struktur zu einem Zwischenlager (umgesetzt am Islandkai).
  3. Sicherheitskonzept und mechanische Dachsicherung (Konzept von Gudrun Gehrken, Konstruktion von Marion Krüger, Ausführung durch Tischlerei Reuter). Dach und Boden bilden nun eine Einheit, innen gibt es bis zu 12 Sitzplätze.
  4. Sorgfältig geplanter Transport zum Zielort.

Umzug ins Goethequartier
Wegen enger Straßen, parkender Autos und Bäumen konnte weder ein Tieflader bis zum Ziel fahren noch ein Kran eingesetzt werden. Der überbreite Transport fand in der Nacht zum 11.06.2026 statt: Die Firma Toscani fuhr den Tieflader rückwärts in die Goethestraße, die letzten ca. 200 m wurde der Pavillon mit Hilfe von Anwohnern auf Rädern und mit steuerbarer Deichsel von Hand gezogen. Am 26.06. gab es Empfang und Einweihungsparty.

Inspiration für Synera GmbH
Die Zusammenarbeit mit den Pohl-Architekten brachte das AWI-Leichtbauteam zu Rhino-Grasshopper und Voronoi-Verfahren. Daraus entstand 2018 die Ausgründung ELISE GmbH (seit 2022 Synera GmbH). Synera gilt als weltweit führend in agentischer Produktentwicklung, hat rund 120 Arbeitsplätze geschaffen, eine Niederlassung in Boston und zuletzt 35 Mio. € in Serie B eingesammelt.

Ausblick
Der Pavillon gilt als einzigartiger Beitrag für innovative, gesellschafts- und wirtschaftsrelevante Themen in Bremerhaven und als Symbol für ressourceneffizientes Bauen. Geplant sind weitere Bauwerke, u. a. die „Schattenstruktur" aus nachhaltigen Materialien. 

 

Projektdurchführung:
Dr- Christian Hamm

Kontakt:
+49 471 4831 1832 
E-Mail

Ausführliche Informationen über das NAVICULA-Fenster gibt es hier

Vorbild: Isthmia, eine Kieselalge (Diatomee)
Größe ca. 100 µm x 70 µm  (lichtmikroskopisch vergrößert); Einzellige Mikroalge; Material: Glas

Vorbild: Isthmia nervosa, eine Kieselalge 
Breite ca. 5 x 6 m, 3 m hoch, Bodenplatte 10 m2, Hülle ca. 750 kg schwer
Material: Glasfaserverstärkter Kunststoff