Pressemitteilung

Massiver Meteoriten-Einschlagskrater entdeckt

Kilometerbreiter Eisenmeteorit unter Grönlands Eis mit Hilfe von AWI-Forschungsflugzeug Polar 6 nachgewiesen
Close-up of the northwestern ice-sheet margin in Inglefield Land. The Hiawatha impact crater was discovered beneath the semi-circular ice margin. The structure is also imprinted on the shape of the ice surface, even though it lies nearly 1000 meters below the ice surface. Hiawatha is named after outlet glacier at the edge of the ice sheet. The name was given by Lauge Koch in 1922 during an expedition around northern Greenland, while thinking of the pre-colonial native American leader and co-founder of the Iroquois Confederacy.
Close-up der nordwestlichen Eiskante Grönlands (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Natural History Museum of Denmark)

Ein internationales Forscherteam hat einen 31 Kilometer breiten Meteoriten-Einschlagkrater entdeckt, der im nördlichen Grönland unter dem Eisschild verborgen ist. Dies ist der erste Fund eines Kraters unter einem der kontinentalen Eisschilde auf der Erde. Die Ergebnisse erscheinen jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Science Advances.

Der Krater hat einen Durchmesser von mehr als 31 Kilometern und entspricht somit einer Fläche größer als Paris. Er zählt damit zu den 25 größten Einschlagskratern der Erde. Er ist entstanden, als ein kilometerbreiter Eisenmeteorit in Nordgrönland einschlug, ist aber derzeit unter einem Kilometer dicken Eispanzer verborgen. Die Vereisung Grönlands begann vor drei Millionen Jahren. „Der Krater ist außergewöhnlich gut erhalten. Das ist überraschend, denn fließendes Gletschereis ist ein unglaublich effizientes Erosionsmittel, das Spuren des Einschlags schnell entfernt hätte. Dies bedeutet, dass der Krater aus geologischer Sicht recht jung sein könnte; es war allerdings bisher nicht möglich, ihn direkt zu datieren. Möglicherweise entstand er sogar erst vor 12.000 Jahren, also gegen Ende der letzten Kaltzeit”, sagt der Leitautor der Studie, Professor Kurt H. Kjær vom Centre for GeoGenetics am Naturkundemuseum von Dänemark.

Riesige kreisförmige Vertiefung

Der Krater wurde erstmals im Juli 2015 entdeckt, als die Forscher eine neue topographische Karte unter dem grönländischen Eisschild untersuchten. Sie bemerkten unter dem Hiawatha-Gletscher am äußersten Rand der Eisdecke in Nordgrönland eine enorme - aber trotzdem bisher unentdeckte - kreisförmige Vertiefung. „Wir wussten sofort, dass dies etwas Besonderes war, aber gleichzeitig war klar, dass es schwierig sein wird, den Ursprung dieser Depression zu bestätigen", sagt Kjær.

Im Innenhof seines Arbeitsplatzes, des Geologischen Museums in Kopenhagen, liegt als Ausstellungsstück ein 20 Tonnen schwerer Eisenmeteorit, der sprichwörtlich Stein des Anstoßes für die Überlegungen der Forscher war, bei der Depression nach Spuren eines Meteoriteneinschlags zu suchen. „Der Rückschluss war naheliegend, dass die Depression ein zuvor nicht beschriebener Meteoritenkrater sein könnte - aber uns fehlten anfangs die Beweise", erinnert sich Professor Nicolaj K. Larsen von der Universität Aarhus und Mitautor der Publikation.

Messungen mit dem Forschungsflugzeug Polar 6 des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) konnten die Vermutungen die Forscher bekräftigen, dass die riesige Depression ein Meteoritenkrater ist. Die Polar 6 flog im Mai 2016 über den Hiawatha-Gletscher, um den Krater und das darüber liegende Eis mit einem neuen leistungsstarken Eisradar zu kartieren. Frühere Radarmessungen des Hiawatha-Gletschers waren Teil eines Langzeitprogramms der NASA, um Änderungen in der Eisbedeckung Grönlands zu kartieren. Um die Hypothese des Meteoriteneinschlags zu testen, benötigten die Wissenschaftler eine gezielte und dichtere Radaruntersuchung. 

„Das neue Radarsystem der AWI-Forschungsflugzeuge war genau die Art von Instrument, die wir für die Messungen brauchten“, sagt Prof. Olaf Eisen, Glaziologe am Alfred-Wegener-Institut, der ebenfalls an der Studie beteiligt ist. „Das an der Universität Kansas für uns maßgeschneiderte Radarsystem der nächsten Generation übertraf alle Erwartungen und bildete die Struktur mit einer beispiellosen Auflösung und Detailschärfe ab: Ein deutlich kreisrunder Rand, eine zentrale Erhebung, darüber sowohl gestörte als auch ungestörte Eisschichten und basale Trümmer. Alles, was einen Meteoriteneinschlag auszeichnet, ist da“, berichtet Olaf Eisen begeistert.

In den Sommern 2016 und 2017 kehrte das Forschungsteam auf den grönländischen Eisschild zurück, um tektonische Strukturen im Gestein am Fuß des Gletschers zu kartieren und Proben von Sedimenten zu sammeln, die durch einen Schmelzwasserkanal aus der Senke herausgespült wurden. „Ein Teil des aus dem Krater gespülten Quarzsandes hatte eben jene Deformationsmerkmale, die auf einen gewaltsamen Aufprall hindeuten. Dies ist ein schlüssiger Beweis dafür, dass die Depression unter dem Hiawatha-Gletscher ein Meteoritenkrater ist", sagt Larsen.

Die Folgen der Auswirkungen auf das Klima und das Leben der Erde

Frühere Studien haben gezeigt, dass große Meteoriteneinschläge das Klima der Erde nachhaltig beeinflussen können - mit gravierenden Folgen für das Leben auf dem Planeten. Daher wollen die Wissenschaftler jetzt weiter untersuchen, wann und wie dieser Meteoriteneinschlag am Hiawatha-Gletscher den Planeten beeinflusst hat. „Der nächste Schritt der Untersuchungen wird darin bestehen, den Einschlag zuverlässig zu datieren. Dies ist eine Herausforderung, da wir wohl versuchen müssen, an Material am Boden der Struktur heranzukommen. Dies ist jedoch entscheidend, wenn wir verstehen wollen, wie sich der Einschlag auf das Leben auf der Erde auswirkte“, schließt Erstautor Kjær.

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Originalpublikation

Kurt H. Kjær, Nicolaj K. Larsen, Tobias Binder, Anders A. Bjørk, Olaf Eisen, Mark A. Fahnestock, Svend Funder, Adam A. Garde, Henning Haack, Veit Helm, Michael Houmark-Nielsen, Kristian K. Kjeldsen, Shfaqat A. Khan, Horst Machguth, Iain McDonald, Mathieu Morlighem, Jérémie Mouginot, John D. Paden, Tod E. Waight, Christian Weikusat, Eske Willerslev, Joseph A. MacGregor: A large impact crater beneath Hiawatha Glacier in northwest Greenland. Science Advances 2018. DOI: 10.1126/sciadv.aar8173

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Close-up of the northwestern ice-sheet margin in Inglefield Land. The Hiawatha impact crater was discovered beneath the semi-circular ice margin. The structure is also imprinted on the shape of the ice surface, even though it lies nearly 1000 meters below the ice surface. Hiawatha is named after outlet glacier at the edge of the ice sheet. The name was given by Lauge Koch in 1922 during an expedition around northern Greenland, while thinking of the pre-colonial native American leader and co-founder of the Iroquois Confederacy.
Close-up des Hiawatha Einschlagkraters, der unter der halbrunden Eiskante gefunden wurde. Die Struktur zeichnet sich auch auf der Eisoberfläche ab, obwohl sie nahezu 1000 Meter darunter liegt. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Natural History Museum of Denmark)
An artist’s depiction of the iron meteorite hurtling through space before impacting in northwest Greenland.
Künstlerische Abbildung des Meteoriten, der durch das All schießt, bevor er in Nordwest-Grönland einschlägt. (Grafik: Alfred-Wegener-Institut / Natural History Museum of Denmark)
Ice radar survey over Hiawatha Glacier by the Alfred Wegener Institute’s Polar 6 research aircraft. The radar data reveal both the topography of the impact crater beneath the ice, as well as the layering of the ice itself. This survey revealed that ice older than the Holocene (the past 11,700 years) is heavily disturbed.
Eisradarmessungen über dem Hiawatha-Gletscher mit der Polar 6 des Alfred-Wegener-Instituts. DieRadardaten beinhalten sowohl die Topograhie des Kraters unter dem Eispanzer, als auch die Struktur des Eises selber. Diese Untersuchung zeigte, dass die Schichtung des Eises ä... (Grafik: Alfred-Wegener-Institut / Natural History Museum of Denmark)
Same as Image_3, now with overlain by the city of Paris for scale. The Hiawatha impact crater easily encircles all of Paris
Karte der Untergrund-Topographie unter dem Eisschild und der eisfreien Umgebung des Hiawatha Einschlagkraters. Hier ist zum Größenvergleich Paris eingezeichnet. Der Krater schließt die Großstadt locker ein. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Natural History Museum of Denmark)
Same as Image_3, but with the view towards the Nares Strait, the narrow sea that links Baffin Bay and the Arctic Ocean.
Wie vorherige Abbildung, aber mit Blickrichtung auf die Nares Strait, wo Baffin Bay und Arktischer Ozean aufeinandertreffen. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Natural History Museum of Denmark)
Close-up of the northwestern ice-sheet margin in Inglefield Land. The Hiawatha impact crater was discovered beneath the semi-circular ice margin. The structure is also imprinted on the shape of the ice surface, even though it lies nearly 1000 meters below the ice surface. Hiawatha is named after outlet glacier at the edge of the ice sheet. The name was given by Lauge Koch in 1922 during an expedition around northern Greenland, while thinking of the pre-colonial native American leader and co-founder of the Iroquois Confederacy.
Close-up des Hiawatha Einschlagkraters, der unter der halbrunden Eiskante gefudnen wurde. Die Struktur zeichnet sich auch auf der Eisoberfläche ab, obwohl sie nahezu 1000 Meter darunter liegt. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Natural History Museum of Denmark)
Map of the bedrock topography beneath the ice sheet and the ice-free land surrounding the Hiawatha impact crater. The structure is 31 km wide, with a prominent rim surrounding the structure. In the central part of the impact structure, an area with elevated terrain is seen, which is typical for larger impact craters. Calculations shows that in order to generate an impact crater of this size, the earth was struck by a meteorite more than 1 km wide.
Karte der Untergrund-Topographie unter dem Eisschild und der eisfreien Umgebung des Hiawatha Einschlagkraters. Die Struktur ist 31 Kilometer im Durchmesser und hat einen ausgeprägten Rand. Im Zentrum ist eine erhöhung zu sehen, die typisch für größere Einschlagkrater is... (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Natural History Museum of Denmark)
Map of Greenland showing the location of the Hiawatha impact crater in Inglefield Land, along the northwest margin of the Greenland Ice sheet
Karte Grönlands mit Ort des Hiawatha Einschlagkraters in Inglefield Land am nordwestlichen Rand des Grönländischen Eisschildes. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Natural History Museum of Denmark)
Map of Greenland showing the location of the Hiawatha impact crater in Inglefield Land, along the northwest margin of the Greenland Ice sheet
Karte Grönlands mit Ort des Hiawatha Einschlagkraters in Inglefield Land am nordwestlichen Rand des Grönländischen Eisschildes. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Natural History Museum of Denmark)
Künstlerische Abbildung des Einschlags (Grafik: Alfred-Wegener-Institut / Carl Toft)
Quartz grains with planar deformation features. These features are diagnostic of the quartz having experienced the shock of a massive impact event.
Quartzkörner mit Merkmalen einer Deformation, die darauf hinweisen, dass das Quartz einem massiven Einschlagereignis asgesetzt war. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Natural History Museum of Denmark)
Kurt Kjær collecting sand samples at the front of Hiawatha Glacier. This sand was transported by the glacier from the bottom of the impact crater to the ice margin, and it has yielded a wealth of information on the impact (photo credit: Svend Funder).
Kurt Kjær nimmt Sandproben and er Front des Hiawatha Gletschers. Der Gletscherfluss transportierte diesen Sand vom Grund des Einschlagkraters zur Eiskante. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Svend Funder)