Pressemitteilung

Forschungsschiff Polarstern startet Richtung Framstraße

Wissenschaftler erforschen Ozeanographie und Biologie zwischen atlantischem und arktischem Wasser
Eine Verankerung liegt einsatzbereit an Bord des Forschungsschiffes Polarstern. 

A ready-to-go mooring is laying onboard the German reseach vessel Polarstern. 

Fotos von der Polarstern-Expedition ARK-XXVII-1 im Sommer 2012 (14. Juni - 15. Juli 2012, Bremerhaven-Longyearbyen); 
Forschungsschwerpunkte: 

Ozeanografie: Projekt ACOBAR - Messung von Salzgehalt, Sauerstoff und Wassertemperatur an 80 Stationen entlang eines Schnittes bei 78°50' N;

Biologie: Netzfänge und Sedimentprobennahme an den Stationen; Amphipoden-Untersuchungen (PECABO); Beobachtungen von Seevögeln und Meeressäugern; 

engl: 

Photo taken by Sebastian Menze during the Polarstern expedition ARK-XXVII-1 in summer 2012 into the Fram Strait, duration: 14th June - 15th July 2012
Polarstern-Expedition (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Sebastian Menze)

Am Dienstag, den 10. Juli 2018 wird das Forschungsschiff Polarstern seinen Heimathafen Bremerhaven in Richtung Arktis verlassen. Im Mittelpunkt stehen ozeanographische Langzeitmessungen sowie biologische Forschung in der Wassersäule und am Meeresboden in der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen.

Über sechs Millionen Kubikmeter Wasser transportiert der Westspitzbergenstrom durchschnittlich jede Sekunde durch die östliche Framstraße Richtung Norden. In den letzten 30 Jahren ist die Temperatur dieser Wassermassen durchschnittlich ein Grad Celsius wärmer geworden – das atlantische Wasser ist heute mit drei bis sechs Grad Celsius warm für das Übergangsgebiet in den Arktischen Ozean. Nur 200 Kilometer westlich strömt minus 1,8 Grad Celsius kaltes Wasser mit Meereis aus dem Arktischen Ozean Richtung Süden. Prinzipiell sind diese Wassermassen voneinander scharf abgegrenzt. Kleinskalige Wirbel sorgen jedoch dafür, dass sie sich vermischen und dass nur ein Teil des warmen Wassers weiter nach Norden in die hohe Arktis strömt. So kann stattdessen beispielsweise warmes Wasser zu den Gletschern gelangen, die an Grönlands Ostküste ins Meer kalben und sie von unten schmelzen.

Wo und wie genau solche Verwirbelungen auftreten, ist eine der Fragestellungen, denen 48 Wissenschaftler um Fahrtleiter Dr. Wilken-Jon von Appen vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) jetzt in der Framstraße nachgehen. Sie bergen sogenannte Verankerungsketten, die mit Sensoren gespickt sind, die Temperatur, Strömungen und neuerdings noch viele weitere Eigenschaften messen können. Bereits seit dem Jahr 1997 unterhalten AWI-Wissenschaftler gemeinsam mit norwegischen Kollegen eine Reihe von Verankerungen auf etwa 79 Grad nördlicher Breite. Im Rahmen des Helmholtz-Infrastrukturprojektes FRAM haben sie im Jahr 2016 Verankerungen dort ausgebracht, wo sie Abzweigungen warmen Atlantikwassers nach Westen vermuten. „Unsere Ozeanmodelle bilden die Strömungsänderungen gut ab. Jetzt bin ich sehr gespannt, ob wir unsere Sensoren tatsächlich dort platzieren konnten, wo Teile der Süd-Nordströmung des warmen Atlantikwassers nach Westen abzweigen“, sagt Wilken von Appen. „Es wäre ein toller Erfolg, mit Messdaten diese Theorie des Wasseraustauschs verifizieren zu können“, so der AWI-Ozeanograph weiter.

Ebenso neugierig sind sein Team und er auf die Messwerte von biologischen und chemischen Sensoren, die an den Verankerungen hängen. Diese in der Erprobung befindlichen Geräte werden einen ganz neuen Blick darauf ermöglichen, wie das Zusammenspiel der Wassermassen die Produktivität in der Eisrandzone beeinflusst. Insgesamt 20 Verankerungen will das Ozeanographie-Team bergen, um die Daten aus bis zu zwei Jahren auszulesen. Anschließend bringen sie dann mit neuen Sensoren und Batterien bestückte Verankerungen aus, um weitere Langzeitdaten in der Framstraße zu erfassen.

Ebenfalls an Bord sind Biologen, die sich die Lebensvielfalt in der Wassersäule anschauen und am Meeresboden untersuchen. Sie wollen beispielsweise herausfinden, welche Arten von Mikroalgen oder Flohkrebse das wärmer werdende Atlantikwasser in die Arktis transportiert. Deren Verbreitung und Anzahl bestimmt mit, was in die Tiefsee absinkt und dort Bodenlebewesen als Nahrung dienen kann. Neben der Erfassung der Tiere werden auch die Untersuchungen zu Müll in der arktischen Tiefsee fortgesetzt: Ein geschlepptes Kamerasystem fotografiert auf definierten Transekten bereits seit dem Jahr 2002 den Meeresboden. Spätere Auswertungen sollen dann zeigen, ob die Vermüllung der Arktis weiter zunimmt. Auch Chemiker sind an Bord und werden untersuchen welche Spurenstoffe von den Wassermassen bewegt werden.

Nach knapp vier Wochen Expeditionszeit wird die Polarstern im norwegischen Tromsø einlaufen. Im weiteren Verlauf der Arktissaison stehen dann zwei geowissenschaftliche Expeditionen vor Grönland und in der Zentralarktis auf dem Plan.

Kontakt

Wissenschaft

Wilken-Jon von Appen
+49(471)4831-2903

Pressestelle

Folke Mehrtens
+49(0)471 4831-2007

Downloads

Eine Verankerung liegt einsatzbereit an Bord des Forschungsschiffes Polarstern. 

A ready-to-go mooring is laying onboard the German reseach vessel Polarstern. 

Fotos von der Polarstern-Expedition ARK-XXVII-1 im Sommer 2012 (14. Juni - 15. Juli 2012, Bremerhaven-Longyearbyen); 
Forschungsschwerpunkte: 

Ozeanografie: Projekt ACOBAR - Messung von Salzgehalt, Sauerstoff und Wassertemperatur an 80 Stationen entlang eines Schnittes bei 78°50' N;

Biologie: Netzfänge und Sedimentprobennahme an den Stationen; Amphipoden-Untersuchungen (PECABO); Beobachtungen von Seevögeln und Meeressäugern; 

engl: 

Photo taken by Sebastian Menze during the Polarstern expedition ARK-XXVII-1 in summer 2012 into the Fram Strait, duration: 14th June - 15th July 2012
Eine Verankerung liegt einsatzbereit an Bord des Forschungsschiffes Polarstern. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Sebastian Menze)
POLARSTERN hat an einer Eisscholle angelegt.

POLARSTERN is anchored to an ice floe.
Polarstern hat an einer Eisscholle angelegt. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Stefan Hendricks)
Eine ausgelöste Verankerung taucht an der Meeresoberfläche auf. 
A mooring appears at the ocean's surface. 

Foto aufgenommen während der Polarstern-Expedition ARK-XXVII/3 im Sommer 2012 (2. August-7.Oktober 2012, Tromso-Bremerhaven). Fahrtleiter Antje Boetius; Die Expedition IceArc hatte zum Ziel, die Biologie. Physik und Chemie des Meereises zu untersuchen und die Auswirkungen seines Rückganges auf das gesamte Özeansystem bis in die Tiefsee zu erforschen. 

Photo taken during the Polarstern expedition ARK-XXVII/3, called IceArc, in summer 2012 (2nd August - 7th October 2012). During this expeditions scientists investigated the biology, chemistry and physics of sea ice and the impact of sea ice loss on the entire Arctic Ocean system.
Eine ausgelöste Verankerung taucht an der Meeresoberfläche auf. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Martin Schiller)
Deckarbeiten
Die Crew bereitet das Grundgewicht für eine Ozeanographische Verankerung vor. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Frank Rödel)
Crew und Wissenschaftler bergen eine Verankerung.
Crew und Wissenschaftler bergen eine Verankerung. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Frank Rödel)
POLARSTERN auf Eisstation

POLARSTERN on ice station.
Polarstern auf Eisstation (Foto: Stefan Hendricks, Alfred-Wegener-Institut)
Luftbild on POLARSTERN waehrend einer Eisstation mit Arbeiten auf der Eisscholle.

Aerial image of POLARSTERN during an ice station with sea ice work on the floe
Luftbild von Polarstern waehrend einer Eisstation mit Arbeiten auf der Eisscholle. (Foto: Stefan Hendricks, Alfred-Wegener-Institut)
Verankerungsarbeiten mit der Polarstern auf auf dem Greenwich-Meridian.
Verankerungsarbeiten mit der Polarstern. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Folke Mehrtens)
Beispielfunde aus den Probenbehaeltern: Ein Weibchen des atlantischen Flohkrebses Themisto compressa mit prall gefüllter Bruttasche. Foto: Angelina Kraft, Alfred-Wegener-Institut

Dazugehoerige Veroeffentlichung: Angelina Kraft, Eva-Maria Nöthig, Eduard Bauerfeind, David J. Wildish, Gerhard W. Pohle, Ulrich V. Bathmann, Agnieszka Beszczynska-Möller, Michael Klages (2013): First evidence or reproductive success in a southern invader species indicates possible community shifts among Arctic zooplankton, Marine Ecology Progress Series, MEPS 493:291-296 (2013), doi:10.3354/meps10507, Online publication date: November 20, 2013  (Link zum Paper: http://www.int-res.com/abstracts/meps/v493/p291-296/)
Ein Weibchen des atlantischen Flohkrebses Themisto compressa mit prall gefüllter Bruttasche. Im Jahr 2013 konnten AWI-Biologen erstmals nachweisen, dass sich diese atlantische Art auch in der Arktis fortpflanzt. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Angelina Kraft)
Beispielfunde aus den Probenbehaeltern: Drei Entwicklungsstufen der atlantischen Art Themisto compressa - vom Jungtier/Immature (oben) zum geschlechtsreifen Flohkrebs/Adult (unten). Foto: Angelina Kraft, Alfred-Wegener-Institut

Dazugehoerige Veroeffentlichung: Angelina Kraft, Eva-Maria Nöthig, Eduard Bauerfeind, David J. Wildish, Gerhard W. Pohle, Ulrich V. Bathmann, Agnieszka Beszczynska-Möller, Michael Klages (2013): First evidence or reproductive success in a southern invader species indicates possible community shifts among Arctic zooplankton, Marine Ecology Progress Series, MEPS 493:291-296 (2013), doi:10.3354/meps10507, Online publication date: November 20, 2013  (Link zum Paper: http://www.int-res.com/abstracts/meps/v493/p291-296/)
Drei Entwicklungsstufen der atlantischen Art Themisto compressa - vom Jungtier/Immature (oben) zum geschlechtsreifen Flohkrebs/Adult (unten). (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Angelina Kraft)

Links