Edelkrebse besetzen - aber Richtig!

Edelkrebse sind in Deutschland vom Aussterben bedroht. Und doch können Angelvereine, Gewässerpächter und Besitzer großer Teiche diesen faszinierenden Tieren leicht helfen. Und das Beste ist, davon profitiert nicht nur der seltene Edelkrebs, sondern mit ihm auch viele andere Tiere im Gewässer. Denn die Krebse fressen Laub und andere abgestorbene Pflanzen, beseitigen Aas und sorgen so für ein gesundes Gewässerökosystem.

Ein erfolgreicher Besatz mit dem Edelkrebs ist recht einfach, es müssen jedoch ein paar Dinge beachtet werden.

  1. Ein Besatz braucht Zeit und kostet Geld! Man sollte ein Jahr im Voraus beginnen das Gewässer zu beobachten, um festzustellen, ob es wirklich für Krebse geeignet ist.
  2. Alle Nutzer und direkte Nachbarn sollten über das Vorhaben informiert werden! Wenn landwirtschaftliche Flächen an das Gewässer oder dessen Zuflüsse angrenzen, sollten auch die Landwirte gebeten werden, darauf zu achten beim Ausbringen von Pestiziden und Gülle oder Dünger einen großen Abstand zum Gewässer einzuhalten.    

 

 

Film über den Edelkrebs

Edelkrebs erkennen

Verhaltensregeln an Gewässern mit einem Edelkrebsbestand

  • Nutzen Sie nur Angelsachen und Equipment (Ruten, Gummistiefel, Schlauchboote, etc.) das mindesten über 3 Tagen gut abgetrocknet ist.
  • Niemals lebende oder tote Krebse (auch nicht gefroren) als Angelköder benutzen
  • Niemals Krebse aus anderen Gewässernoder Aquarien einsetzen

Gewässer Besetzen - Schritt für Schritt

Phase 1: Eigung des Gewässers prüfen (Beginn ein Jahr vor Besatz)

  • Der Grund ist nicht stark verschlammt und riecht auch nicht nach Schwefelwasserstoff (faule Eier)
  • Es sind keine größeren Fischsterben aus den letzten 10 Jahren bekannt. (Besatz erst wenn die Ursache des Fischsterbens behoben werden konnte) 
  • Es gibt keine anderen (amerikanischen) Flusskrebse. Überprüfen kann man dies, indem man den Uferbereich mehrmals im Sommer abends gründlich mit einer Taschenlampe abläuft und an einigen gut einsehbaren Stellen Köder, bspw. tote Fische am Grund auslegt, oder eine Befischung mit Reusen durchführt (mind. 1 Reuse alle 10 Meter Uferlinie). Zusätzlich kann man den Mageninhalt von Raubfischen (Barsche, Aale, Welse, Hechte) auf Krebsüberreste kontrollieren.
  • Es gibt keine oder nur wenig Raubfische. Insbesondere Aale und Welse sind ein Problem für die Krebse.
  • Wasserwerte (pH, Sauerstoff, Stickstoffverbindungen) müssen in jeder Jahreszeit kontrolliert werden, ob sie im für die Krebse geeigneten Bereich liegen. Hier geht es zu den Werten.
  • Mit den anderen Nutzern des Gewässers über das Projekt sprechen! Das ist wichtig, damit nicht jemand anderes plant mit Aalen oder Welsen zu besetzen. Zudem müssen auch einige Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden, um zu verhindern, dass invasive Arten oder die Krebspest eingeschleppt werden.

    Phase 2: Vorbereitung des Gewässers und Besatzes (ein Monat vor Besatz)

    • Ausbringen von Lochgestein, Tonröhren und Wurzelballen in 1 bis 3 Metern Tiefe als zusätzliche Versteckmöglichkeiten. Insbesondere für Jungtiere müssen genügend Verstecke zu Verfügung stehen, am besten mit unterschiedlichen Lochdurchmessern von 1 bis 3 cm. Dies erhöht ihre Überlebenschancen. Nicht notwendig ist diese Maßnahme, wenn das Gewässer schon über viel Struktur und Rückzugsmöglichkeiten verfügt.
    • Wasserwerte weiter regelmäßig kontrollieren.
    • Genaue Planung des Besatzes im Herbst (Zeitpunkt, beteiligte Personen) 
    • Benötigte Menge an Tieren ermitteln: Faustregel: 2 Jungtiere (Sömmerlinge) pro Meter Uferlinien. Das Einsetzen adulter Tiere macht nur Sinn, wenn Raubfische im Gewässer sind. Allerdings kann es passieren das die Tiere wieder abwandern. Faustegel: 2 Tiere pro 5 Meter Uferlinie. Eine Mischung verschiedener Altersklassen ist ebenfalls erfolgversprechend. Bei Gewässern die größer als 500 m2 sind, sollten es jedoch mindestens 50 Tiere sein.
    • Züchter suchen und anfragen ob die gewünschte Anzahl an Tieren geliefert werden kann! Es gibt zahlreiche Anbieter von Edelkrebsen. Jedoch sollte bei der Kaufentscheidung Regional vor Günstig den Ausschlag geben, denn diese Tiere sind meist an ähnliche Wasserbedingungen angepasst. Dies reduziert zusammen mit den kürzeren Transportwegen den Stress für die Krebse erheblich und sorgt für eine höhere Überlebensrate.

    Tipp: Ist ein Besatz mit ausschließlich Sömmrigen geplant, ist es oft sinnvoll mit weniger Tieren, dafür in meheren aufeinander folgenden Jahren zu besetzen.

    Phase 3: Besatz mit Edelkrebsen

    • Überprüfen ob es sich bei den Krebsen wirklich um Edelkrebse handelt! Leider verkaufen immer wieder schwarze Schafe unter den Züchtern Signalkrebse als Edelkrebse. Deshalb besser immer nochmal genau hinschauen!
    • Die Krebse sollten am selben Abend kurz vor Dämmerungsbeginn in kleinen Gruppen von 10 jung (Ein- oder Zweisömmrige) oder 5 adulten Tieren in der Nähe von Versteckmöglichkeiten eingesetzt werden.

    Tipp: Das bestimmen von Jungtieren ist oft sehr schwieig. Kaufen Sie deshalb beim gleichen Züchter auch einige adulte Tiere und machen die Bestimmung mit diesen. Diese können natürlich ebenfalls mit besetzt werden. 

    Phase 4: Bestand kontrollieren und dauerhaft sichern (ab dem Besatz)

    • Es sollten keine oder nur sehr wenig Aale und Welse besetzt werden.
    • Es sollte nur Fische besetzt werden, die aus Zuchten stammen, die keine amerikanischen Krebse in ihrem Zu- und Ablauf haben.
    • Alle Gewässernutzer sollten auf die Verhaltensregeln gegen die Einschleppung der Krebspest hingewiesen werden (eventuell Schilder Aufstellen, falls Menschen von ausserhalb zugang zu dem Gewässer haben).
    • Nach 3 bis 4 Jahren eine Krebsbefischung im Frühjahr (April/Mai) durchführen. Dabei soll besonders auf Jungtiere und noch am Weibchen anhaftende Larven geachtet werden. Wenn sich eine Reproduktion feststellen lässt war der Besatz erfolgreich. Dies kann mit Reusen oder durch das Ausbringen von Ködern an gut einsichtigen Stellen in Ufernähe geschehen. Falls keine Krebse gefunden werden, heißt das nicht das der Besatz gescheitert ist. Deshalb sollte in den Folgejahren erneut Untersucht werden.

    Edelkrebse für den Gartenteich?

    Grundsätzlich spricht nichts dagegen, denn die Krebse räumen den Grund auf, indem Sie abgestorbenes Pflanzenmaterial und tote Tiere fressen und Schneckenplagen in Schach halten. Beim durchwühlen des Grundes nach fressbarem, belüften sie das Sediment. Die Mindestvoraussetzungen sind:

    -  der Teich muss mindesten 3 m2 groß und 1m tief sein (ausreichend für 1 bis 2 adulte Tiere)

    -  der Teich muss genügend Versteckmöglichkeiten bieten (Wurzeln, Röhren, …)

    Allerdings müssen Sie bedenken, das große Krebse durchaus in der Lage sind kranke Fische zu überwältigen und zu töten. Umgekehrt fallen junge Krebse auch mal einem Koi oder großen Goldfisch zum Opfer. Auch können viele Krebse durch Grabtätigkeiten zu einer Trübung des Wassers führen. Und gelegentlich werden abgerissene Pflanzenteile an der Oberfläche treiben.

    Grade wenn die Krebse optimale Bedingungen vorfinden, können sie sich nach einigen Jahren so stark vermehrt haben, dass sie zu einem Problem für andere Teichbewohner wie Amphibien und Insekten werden. Dann müssen Krebse entnommen werden. Diese Tiere dürfen auf keinen Fall in andere Gewässer ausgesetzt werden!!! Denn dadurch kann es zu einer Vermischung mit Wildpopulationen kommen und die genetische Vielfalt unwiederbringlich verloren gehen. Tiere aus einem Gartenteich müssen auch wieder in einen (anderen) Gartenteich gesetzt werden.      

    Hinweis: Erwachsene Edelkrebse neigen dazu aus einem für sie neuen Teichen abzuwandern. Deshalb besser junge Tiere kaufen.

    Mehr Informationen und Hilfe zu Edelkrebsen

    Allgemeine Informationen:
    Anglerverband Niedersachsen
    Forum Flusskrebse
    Flusskrebse RLP
    Für Besatz bei Naturschutzmaßnahmen
    Edelkrebsprojekt NRW
    Institut für nachhaltiges Ressourcenmanagement
    Krebspest
    Universität Koblenz-Landau, Info-Broschüre

    Empfohlene Züchter von Edelkrebsen mit genetisch untersuchten Tieren für Naturschutzprojekte

    Tiere für Niedersachsen und NRW 
    Zucht Harald Groß 
    Zucht Görkemeyer (über den AVN)
    Tiere für Bayern (Donaueinzugsbereich)
    Tiere für Schleswig-Holstein
    Zucht Jeske

    Zuchten mit vermischten Stämmen geeignet für Gartenteiche und Angelseen
    Zucht Frömel

    Projektpartner

    Förderung: Gefördert aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

    Förderer: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Förderkennzeichen 2815BM001.