Pressemitteilung

Weltkriegsmunition in der Nordsee

AWI-Forschungsschiff Heincke untersucht auf zweiwöchiger Expedition Kriegswracks und Munitionsverklappungsgebiete
AWI-Forschungsschiff Heincke untersucht Weltkriegsmunition in der Nordsee
AWI-Forschungsschiff Heincke untersucht Weltkriegsmunition in der Nordsee (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Matthias Brenner)

Die deutsche Bundesregierung hat ein Sofortprogramm zur Bergung von Munition in Nord- und Ostsee aufgelegt und dafür Bau und Betrieb einer Plattform beauftragt, mit deren Hilfe die Weltkriegsaltlasten auf See unschädlich gemacht werden sollen. Pilotprojekte dazu laufen in der Ostsee, parallel werden Räumkonzepte für die Nordsee entwickelt. Das Forschungsschiff Heincke des Alfred-Wegener-Instituts fährt aktuell mehrere Verklappungsgebiete in der Deutschen Bucht an, um unter Sand verborgene Munition zu kartieren und so eine Pilotbergung vorzubereiten. Außerdem untersucht das Forschungsteam an Bord, wie sich die gelösten Explosivstoffe aus Munitionsaltlasten auf Meereslebewesen auswirken.

Das Wrack der SMS Mainz sank im August 1914 westlich von Helgoland – und ist bereits seit mehreren Jahren Forschungsobjekt des Teams um Dr. Matthias Brenner vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Der Biologe leitet eine zweiwöchige Ausfahrt vom 17. bis 31. Oktober 2026 mit dem Forschungsschiff Heincke und wird neben der SMS Mainz auch das Wrack des Panzerkreuzers Blücher ansteuern. Für das Projekt REMARCO sind Unterwasserroboter an Bord: Ein kabelgebundenes ROV des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz sowie autonome Unterwasserroboter (AUVs), die die Wracks kartieren und visualisieren, so dass die Forschenden deren Zustand analysieren können. 

Matthias Brenner leitet das REMARCO-Projekt und erläutert: „Nach über 100 Jahren am Meeresgrund steigt die Gefahr, dass die Wracks kollabieren. Daher ist es wichtig, ihren Zustand zu überwachen. Außerdem treten mit zunehmender Korrosion auch giftige und krebserregende Explosivstoffe aus. Diese Schadstoffe bedrohen Meereslebewesen, Lebensmittelsicherheit und menschliche Gesundheit.“

Um die Auswirkungen der austretenden Schadstoffe zu untersuchen, beprobt das Expeditionsteam Wasser und Sediment rund um die Wracks. Zusätzlich wird am Meeresboden gefischt und es werden bodenlebende Organismen gesammelt. Anschließend werden die Proben und die Organismen auf Explosivstoffe getestet. Die Fische werden zusätzlich gesundheitlich untersucht um festzustellen, ob Fische nahe den Wracks mehr Krankheiten und Tumore aufweisen als in unbelasteten Vergleichsgebieten. Zusätzlich untersuchen Forschende von Senckenberg am Meer die Artenzusammensetzung sowie die Anzahlen von Wirbellosen aus dem Sediment, der sogenannten Infauna, in Abhängigkeit von der Schadstoffbelastung. 

Auch die Bundespolizei wird für einen Tag an Bord sein, um ein AUV zu testen. Matthias Brenner sagt: „In unseren Projekten arbeiten wir mit Behörden und der Industrie zusammen, damit wir die Risiken von Unterwassermunition besser überwachen und vermindern können. Auch die Entwicklung automatisierter Lösungen für die Überwachung und Sanierung zu entwickeln ist Ziel des Projekts, so dass diese Kooperation hervorragend zu unserer Mission passt.“ 

Anschließend wird die Heincke im Rahmen eines weiteren Projekts namens CONMAR sieben Verklappungsgebiete in der deutschen Bucht ansteuern, wo nach den Weltkriegen Munition im Meer versenkt wurde. Dort liegt die Munition unter Sand und kann deswegen nur mithilfe von Magnetik kartiert werden. „Wir freuen uns sehr, dass die Firma SeaTerra mit dem sogenannten MagWing dabei ist, um das Verklappungsgebiet zu untersuchen. Das ist bisher so noch nie gemacht worden und auch der Kampfmittelräumdienst weiß aktuell nicht, was dort genau am Meeresboden liegt“, erklärt AWI-Fahrtleiter Matthias Brenner. „Das ist auch eine Vorbereitung auf die Räumphase des Sofortprogramms zur Bergung von Munition in Nord- und Ostsee der Bundesregierung. Kürzlich wurden Bau und Betrieb einer Bergungsplattform beauftragt und jetzt wird es auch um Räumkonzepte für die Nordsee gehen. Dafür sind die Magnetkartierung sehr wichtig, damit man im Rahmen einer Pilotbergung Munition zielsicher freispülen kann.“ 

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Wissenschaft

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AWI-Forschungsschiff Heincke untersucht Weltkriegsmunition in der Nordsee
AWI-Forschungsschiff Heincke untersucht auf zweiwöchiger Expedition Kriegswracks und Munitionsverklappungsgebiete. Mit dem Greifer (links) werden Sedimente und darin lebende Organismen beprobt, die anschließend gespült und gesiebt werden (rechts). (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Matthias Brenner)
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AWI-Forschungsschiff Heincke untersucht auf zweiwöchiger Expedition Kriegswracks und Munitionsverklappungsgebiete. Steuerung eines Unterwasserrobobers. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Ute Marx)
AWI-Forschungsschiff Heincke untersucht Weltkriegsmunition in der Nordsee
AWI-Forschungsschiff Heincke untersucht auf zweiwöchiger Expedition Kriegswracks und Munitionsverklappungsgebiete (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Matthias Brenner)
AWI-Forschungsschiff Heincke untersucht Weltkriegsmunition in der Nordsee
AWI-Forschungsschiff Heincke untersucht auf zweiwöchiger Expedition Kriegswracks und Munitionsverklappungsgebiete (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Matthias Brenner)
AWI-Forschungsschiff Heincke untersucht Weltkriegsmunition in der Nordsee
AWI-Forschungsschiff Heincke untersucht auf zweiwöchiger Expedition Kriegswracks und Munitionsverklappungsgebiete. Aufnahme eines Unterwasserroboters von Trümmerteilen der (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Nikolas Dahn, DFKI)
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AWI-Forschungsschiff Heincke untersucht auf zweiwöchiger Expedition Kriegswracks und Munitionsverklappungsgebiete. Hier: Sonaraufnahme eines Unterwasserroboters zeigen eine Struktur am Mittelschiff. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Nikolas Dahn, DFKI)
AWI-Forschungsschiff Heincke untersucht Weltkriegsmunition in der Nordsee
AWI-Forschungsschiff Heincke untersucht auf zweiwöchiger Expedition Kriegswracks und Munitionsverklappungsgebiete. Die Aufnahme des Unterwasserroboters zeigt Maschinenteile eines Wracks. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Nikolas Dahn, DFKI)