Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und der Zivilgesellschaft – von Umweltorganisationen bis hin zu indigenen Gemeinschaften – kommen vom 19. bis 30. Oktober im armenischen Jerewan zusammen, für die 17. Weltbiodiversitätskonferenz. Das Helmholtz-Institut für Funktionelle Marine Biodiversität an der Universität Oldenburg (HIFMB) wird vor Ort das Projekt BioAgora vorstellen.
In Armenien stehen die Bemühungen der Staaten, die biologische Vielfalt in ihrer ganzen Bandbreite zu schützen, auf dem Prüfstand: 2022 unterzeichnete die Staatengemeinschaft bei der COP15 das sogenannte Kunming-Montreal-Abkommen, mit dem Ziel, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. Maßnahmen, um zerstörte Lebensräume wiederherzustellen, die Verbreitung von invasiven Arten einzudämmen oder Unternehmen zu mehr Transparenz bei Investitionen oder Lieferketten zu verpflichten, sollen sicherstellen, dass durch das Abkommen keine Ebene der Biodiversität übersehen wird. Die COP17 ist nun der erste globale Check-Up, wie effektiv die nationalen Biodiversitätsstrategien der einzelnen Länder sind, um dieses „30x30“-Ziel zu erreichen.
„Die Ziele sind gesetzt – jetzt zählt die Umsetzung. COP 17 muss den Schutz und die Wiederherstellung der marinen Biodiversität vom politischen Anspruch in konkretes, messbares Handeln überführen“, sagt Dr. Ute Jacob, Co-Leitung des Transferbüros für Marinen Biodiversitätswandel am HIFMB. Als Co-Koordinator von BioAgora ist das HIFMB eng mit den Entwicklungen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik verbunden und hat auch beim COP 17 ein Ohr am Puls des Geschehens. Auch wenn Dr. Ute Jacob dieses Jahr ausnahmsweise selbst nicht vor Ort sein kann, wird sie die Diskussionen und Ergebnisse aufmerksam verfolgen, insbesondere mit Blick darauf, wie die globalen Biodiversitätsziele nun in konkrete Maßnahmen und wirksame Umsetzung überführt werden können.
Eine wichtige Rolle dabei spielen indigene Völker, die in vielen Regionen dank ihres Wissens und ihrer Lebensweise wesentlich zum Erhalt von Biodiversität beitragen. Bei der COP17 wird es deshalb auch darum gehen, die Rechte der indigenen Gemeinschaften zu stärken und zu prüfen, wie sie an finanziellen Maßnahmen teilhaben können. Die Frage nach dem Geld, also wer den Schutz der Natur bezahlt, ist ein wichtiger Punkt der Verhandlungen in Armenien. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt in ihrem neusten Bericht, dass weltweit jedes Jahr etwa 78 bis 91 Milliarden US-Dollar in den Schutz der Biodiversität fließen. Für wirklich wirksame Maßnahmen bräuchte es jedoch mehrere hundert Milliarden. Im Kunming-Montreal-Abkommen wird das Finanzierungsziel auf 200 Milliarden US-Dollar bis 2030 festgelegt. Es klafft also eine große Finanzlücke, die es zu schließen gilt. Vor allem, weil ein Großteil der reichsten Artenvielfalt im globalen Süden liegt, in Ländern, denen oft das Geld für den Schutz vor Ort fehlt. Dem gegenüber steht ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt: Milliarden-Subventionen in naturzerstörende Industrien wie die industrielle Landwirtschaft oder fossile Energien.
Welche Erwartungen hat Ute Jacob für die COP17? „Ich wünsche mir, dass die globalen Biodiversitätsziele und das UN-Hochseeschutzabkommen nicht nur ambitionierte Vereinbarungen bleiben, sondern konsequent umgesetzt werden.“