Pressemitteilung

Neues Beobachtungssystem für den Südlichen Ozean

EU fördert Projekt SYNCHRONY mit 27 internationalen Partnern für koordinierte Beobachtungen, Datenharmonisierung, Verständnis und Vorhersage von Klima- und Ökosystemveränderungen rund um die Antarktis
Polarstern-Winterexperiment
Wellen (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Mario Hoppmann)

Am 1. August 2026 startet das EU-Projekt SYNCHRONY. Es soll dazu beitragen, im Südlichen Ozean und rund um die antarktischen Schelfe die raschen Veränderungen im komplexen System aus Ozean, Eis und Atmosphäre sowie deren Auswirkungen auf das globale Klima und die Biodiversität besser zu verstehen. Unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts werden Forschende aus insgesamt 27 weltweiten Partnerinstitutionen in interdisziplinären Arbeitspaketen das bestehende Beobachtungssytem optimieren und ausbauen, Datenströme vereinheitlichen, und neue Datenprodukte erstellen, die den Zustand des Klimasystems und der Biodiversität dokumentieren. Das Projekt liefert damit auch eine wichtige Grundlage zur internationalen UN-Ozeandekadeninitiative Antarctica InSync und baut auf bestehenden Forschungsverbünden auf. Die EU wird SYNCHRONY in den kommenden vier Jahren mit etwa 8,5 Millionen Euro fördern. 

Der Südliche Ozean und die antarktischen Schelfmeere erfahren seit einigen Jahren massive Veränderungen. Die Meereisbedeckung beispielsweise geht dramatisch zurück, große Teile des westantarktischen Eisschildes gehen verloren und die Tiefenwasserbildung scheint sich zu verringern. „Die vollständigen Auswirkungen dieser abrupten Veränderungen auf das lokale und globale Klima sowie auf die Ökosysteme sind nach wie vor unklar, und wir sind derzeit nicht in der Lage diese Veränderungen vorherzusagen“, erläutert SYNCHRONY-Leiter Prof. Dr. Alexander Haumann, der die AWI-LMU Brückengruppe für Südozean-Klima Interaktionen (SO-KLIM) am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) leitet und eine Professur an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) innehat. Der Ozeanograph ergänzt: „Diese Wissenslücke ist größtenteils auf unzureichende Beobachtungsdaten und eine fehlerhafte oder fehlende Abbildung von Prozessen in Erdsystemmodellen zurückzuführen. Daher sind dringende Maßnahmen und eine verstärkte internationale Zusammenarbeit erforderlich, um die komplexen Veränderungen des gekoppelten Ozean-Eis-Atmosphäre-Biosphäre-Systems besser zu beobachten und zu verstehen, aber auch um Grundlagen für politische Entscheidungen zu liefern, welche diese Region langfristig schützen.“ 

Gemeinsame plattformübergreifende Missionen und zirkumpolare, multidisziplinäre Messnetze sind in dieser riesigen und schwer zugänglichen Region dafür unabdingbar—jedoch nach wie vor nicht in einem ausreichenden Maß vorhanden. Wichtige Bausteine zum Schließen dieser Beobachtungslücke werden in den kommenden Jahren große internationale Initiativen sein: Antarctica InSync (2027 bis 2030), das 5. Internationale Polarjahr 2032/2033 oder die Umsetzung des Europäischen Ozeanpakts. Sie bauen auf den bestehenden Bemühungen von Netzwerken wie SCAR (Scientific Committee on Antarctic Research) und SOOS (Southern Ocean Observing System) auf.

SYNCHRONY wird nun ein weiterer entscheidender Baustein sein. Das Projekt zielt unter anderem darauf ab, ein international koordiniertes und synchronisiertes Beobachtungssystem im Südlichen Ozean und in den Küstenregionen der Antarktis zu etablieren. Es koordiniert disziplinenübergreifend Aktivitäten, die speziell zu Antarctica InSync beitragen. 

Die Initiative Antarctica InSync wurde von mehreren Mitgliedern des Antarktis-Vertragssystems ins Leben gerufen. Sie ist Teil der UN-Ozean-Dekade und unterstützt die UN-Agenda 2030, insbesondere die Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) 13 und 14, die auf Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Folgen sowie die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Ozeane, Meere und Meeresressourcen abzielen. Im Zeitraum von 2027 bis 2029 wird im Rahmen von Antarctica InSync eines der bislang größte Beobachtungsnetzwerk in polaren Umgebungen eingerichtet, um den Zustand dieser sich rasch verändernden Umwelt zu bewerten und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern.

„SYNCHRONY wird das antarktische Beobachtungsnetz ausbauen und verbessern, bestehende Datensätze zusammenführen, neue erheben und diese der internationalen Forschungsgemeinschaft besser zugänglich machen. Es wird ein Meilenstein hin zu einem umfassenden polaren Beobachtungssystem. Das daraus entstehende Wissen wird helfen die rapiden Veränderungen in der Region besser zu verstehen und vorhersagbarer zu machen“, sagt Prof. Dr. Stefanie Arndt, Leiterin der AWI-Universität Hamburg Brückengruppe zur Schneeforschung auf antarktischem Meereis (SNOWflAke) und mitverantwortlich für das Projekt. „Dieses handlungsrelevante Wissen wird auch eine wichtige Basis für politische Entscheidungen zum Schutz von Klima und Biodiversität im Südlichen Ozean und wird internationale Regierungsgremien, den Europäischen Grünen Deal und den Europäischen Ozeanpakt unterstützen.“

Das Alfred-Wegener-Institut (AWI) koordiniert das internationale Forschungsprojekt SYNCHRONY. Mit fünf geplanten Polarstern-Fahrtabschnitten während der Haupt-Beobachtungsperiode von Antarctica InSync (Südsommer 2027/28 bis Südsommer 2028/29), autonome Messinstrumenten und dem multidisziplinären HAFOS-Observatorium im Weddellmeer bringt das AWI zentrale Forschungsinfrastrukturen ein. Darüber hinaus übernimmt es führende Aufgaben beim Aufbau eines entsprechenden Beobachtungsnetzwerkes für Meereis-, Atmosphären-, Ökosystem- und Ozeanforschung, der Harmonisierung polarer Forschungsdaten sowie in der internationalen Koordination und Wissenschaftskommunikation.

 

SYNCHRONY wird von der Europäischen Union unter der Grant Agreement ID 101295248 gefördert. 

Weitere Informationen finden Sie auf der Projekt-Webseite: https://www.synchrony-project.eu/

SYNCHRONY-Konsortium:

  • Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), Leitung, Deutschland
  • United Kingdom Research and Innovation (UKRI-BAS), Vereinigtes Königreich
  • Universite Catholique de Louvain (UCLouvain), Belgien
  • Scientific Committee on Antarctic Research (SCAR), Vereinigtes Königreich
  • Norsk Polarinstitutt (NPI), Norwegen
  • ETT Spa (ETT), Italien
  • Mercator Ocean (MOI), Frankreich
  • Consorzio Nazionale Interuniversitario per le Scienze del Mare Associazione (CONISMA), Italien
  • European Polar Board (EPB), Schweden
  • Institut Royal des Sciences Naturelles de Belgique (RBINS), Belgien
  • Centre National de la Recherche Scientifique CNRS (CNRS), Frankreich
  • National Oceanography Centre (NOC), Vereinigtes Königreich
  • European Science Communication Institute GGMBH (ESCI), Deutschland
  • Goeteborgs Universitet (UGOT), Schweden
  • Ludwig-Maximilians-Universitaet Muenchen (LMU), Deutschland
  • The University of Edinburgh (UEDIN), Vereinigtes Königreich
  • Council for Scientific and Industrial Research (CSIR), Südafrika
  • University of Southampton (UoS), Vereinigtes Königreich
  • Consiglio Nazionale delle Ricerche (CNR), Italien
  • Korea Polar Research Institute (KOPRI), Korea
  • University of Otago (UO), Neuseeland
  • University of Canterbury (UC), Neuseeland
  • Euro-Argo ERIC (EURO-ARGO), Frankreich
  • Institut Francais de Recherche Pour l'Exploitation de la Mer (IFREMER), affiliated Partner, Frankreich
  • Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), affiliated Partner, Deutschland
  • Universite de Brest (UBO), affiliated Partner, Frankreich
  • Universitetet i Tromsø - Norges Arktiske Universitet (UiT-APECS), Norwegen

 

Internationale Kooperationspartner:

  • Southern Ocean Observing System (SOOS)
  • Association of Polar Early Career Scientists (APECS)

Kontakt

Wissenschaft

Alexander Haumann
+49 (0)89 2180-4137

Wissenschaft

Stefanie Arndt
+49(471)4831-2707

Pressestelle

Folke Mehrtens
+49(0)471 4831-2007

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Polarstern-Winterexperiment
Momentaufnahme an Bord Polarstern. Hier Wellen auf dem Südpolarmeer. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Mario Hoppmann)
IceCam-Luftaufnahmen
Das deutsche Forschungsschiff Polarstern im antarktischen Meereis. Diese Aufnahme stammt aus der IceCam des EM-Birds, einem Meereisdickensensor, der unter einem Hubschrauber hängend über das Meereis geflogen wird. Die Kamera ist derart in das Geräte eingebaut, dass s... (Foto: Alfred-Wegener-Institut / IceCam/Stefan Hendricks)
Eisberg am Nordanleger Atkabucht
Anfang März blockiert ein Eisberg den Nordanleger für die Versorgung der Neumayer-Station III in der antarktischen Atkabucht. Ebenso, wie der Wind den Eisberg an die Schelfeiskante transportierte, hat er ihn nach wenigen Tagen wieder wegtreiben lassen. So ist die Anlege... (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Peter Jonczyk)
Kaiserpinguine nahe der Neumayer-Station
Die Kaiserpinguin-Kolonie nahe Neumayer-Station III des Alfred-Wegener-Instituts in der antarktsichen Atkabucht. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Alicia Rohnacher)
Polarstern-Winterexperiment
Die Schwanzflosse eines abtauchenden Bartenwales, vermutlich ein Buckelwal. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Stefan Hendricks)
Polarstern-Winterexperiment
Einsatz einer CTD (eines Rosettenkranzschöpfers) zur Messung von Wasserparametern wie Temperatur und Dichte. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Mario Hoppmann)
Polarstern-Winterexperiment
Arbeiten an einem der Planktonnetze. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Mario Hoppmann)
Polarstern-Winterexperiment
Ein Schlecht-Wetter-Gebiet (Sturm) zieht am Horizont auf. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Mario Hoppmann)
Polarstern-Winterexperiment
Seevögel. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Mario Hoppmann)
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Antarktis: Kaum zu glauben, aber dieses Foto zeigt fünf bis sieben Zentimeter große weiße Eisblumen auf einer hellblau schimmernden Eisscholle. Es wurde aus einer Höhe von etwa 15 Metern aufgenommen. Foto: IceCam/Stefan Hendricks, Alfred-Wegener-Institut Diese Aufnah... (Foto: Alfred-Wegener-Institut / IceCam/Stefan Hendricks)
Polarstern-Winterexperiment
Antarktisches Meereis, Weddellmeer. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Stefan Hendricks)
Polarstern-Winterexperiment
Farben am Horizont, Weddellmeer. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Stefan Hendricks)
Polarstern-Winterexperiment
Auf dem Rückweg: Die Küste Südamerikas ist in Sichtweite. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Mario Hoppmann)
Wolken
Wolken (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Thomas Ronge)
Neumayer Station III
Wissenschaftlerinnen bereiten eine mobile Messtation für magnetische Feldmessungen nahe der Neumayer Station vor. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Esther Horvath)
Zwergwal
Ein Zwergwal beim Luftholen im Weddelmeer. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Tim Kalvelage)