Online-Meldung

Funktion des Ozeans als Klimaregulator steht unter Druck

Drei Helmholtz-Zentren tragen zu neuem UN-Bericht zur Rolle des Ozeans im Klimasystem bei
Die "Brüllenden Vierziger"
Die "Brüllenden Vierziger" (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Frank Roedel)

Der Ozean nimmt einen gewaltigen Teil des von Menschen emittierten Kohlendioxids (CO2) und der zusätzlichen Wärme auf. Damit puffert er den Klimawandel ab. Doch diese Kapazität ist begrenzt. Der heute veröffentlichte Climate Technology Progress Report des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP Copenhagen Climate Centre) fordert verstärkte Investitionen in „Ocean Carbon Intelligence“, also in Ozeanbeobachtung und Datenanalysen, um die Dynamik des Kohlenstoffkreislaufs im Ozean besser zu verstehen. Der Bericht erscheint im Vorfeld der Weltklimakonferenz COP31 und wird dort im Rahmen einer UNEP-Veranstaltung vorgestellt.

Der Ozean nimmt derzeit rund ein Drittel der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen und etwa 90 Prozent der Wärme auf, die durch den Klimawandel zusätzlich im Erdsystem verbleibt. Die Prozesse, die diese Klimafunktion ermöglichen, werden jedoch durch die Erderwärmung selbst beeinträchtigt. 

Darauf weist der heute veröffentlichte Climate Technology Progress Report 2026 des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP Copenhagen Climate Centre) hin. Der Bericht erscheint traditionell im Vorfeld der Weltklimakonferenz (Conference of the parties, COP31) und setzt jedes Jahr einen anderen Schwerpunkt. In diesem Jahr beleuchtet er die Rolle des Ozeans im Erdklima und die Veränderungen durch den Klimawandel.

„Eine schwächere Kohlenstoffsenke im Ozean führt dazu, dass mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre verbleibt und die Klimaziele schwerer und kostspieliger zu erreichen sind. Der Ozean hat der Menschheit im Kampf gegen den Klimawandel Zeit verschafft. Wir können es uns nicht leisten, diese Rolle als selbstverständlich anzusehen“, sagte Martin Krause, Leiter der Abteilung Klimawandel beim UNEP.

Der Zustand des Ozeans als Kohlenstoffsenke 

Das Kapitel über die Grundlagen der Kohlenstoffaufnahme im Ozean verantworten als Leitautorinnen die beiden GEOMAR-Forscherinnen Dr. Nadine Mengis und Dr. Judith Ziegler. Es trägt den Titel „State of the Ocean Carbon Sink - Trends, Variability, Mechanisms and Future Change“ (Der Zustand des Ozeans als Kohlenstoffsenke – Trends, Schwankungen, Mechanismen und zukünftige Veränderungen) und beschreibt den Ozean als zentralen, aber verletzlichen Regulator des Klimasystems.

„Ohne den Ozean wäre die Erderwärmung heute deutlich weiter fortgeschritten, denn er hat fast 30 Prozent des CO2 aufgenommen, das wir Menschen bisher emittiert haben“, sagt Judith Ziegler. „Doch schon jetzt nimmt der Ozean wegen des Klimawandels rund sechs Prozent weniger Kohlenstoff auf, als er es sonst könnte. Wenn wir diese wichtige Klimaleistung erhalten wollen, ist es entscheidend, die Emissionen schnell und deutlich zu senken.“

Neben den GEOMAR-Forscherinnen war auch Dr. Judith Hauck vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) an dem Kapitel beteiligt. Sie brachte insbesondere ihre Expertise aus dem Global Carbon Budget sowie aus regionalen Kohlenstoffbudgets im Rahmen von RECCAP (Regional Carbon Cycle Assessment and Processes) ein. Für das Globale Kohlenstoffbudget koordiniert sie die jährliche Abschätzung der CO2-Aufnahme des Ozeans. Judith Hauck stellte den Zustand des Ozeans als Kohlenstoffsenke beim heutigen Online-Launch des Berichts vor. 

Klimaschutztechnologien sind kein Ersatz für drastische Emissionsminderungen

Mit Dr. Bryce van Dam vom Hereon war ein weiterer Forscher aus der Helmholtz-Gemeinschaft an dem Bericht beteiligt. Er verantwortete zusammen mit Prof. Dr. Christopher Pearce vom britischen National Oceanography Centre (NOC) das Kapitel zu Technologien zur Überwachung, Management und Stärkung der ozeanischen Kohlenstoffsenke. Das Kapitel verweist darauf, dass das Interesse an ozeanbasierten Klimaschutzansätzen wächst – etwa an der Wiederherstellung von Blue-Carbon-Ökosystemen oder an marinen Ansätzen zur Kohlendioxidentnahme. Gleichzeitig betont der Bericht, dass solche Technologien nur ergänzend wirken können und keinen Ersatz für schnelle und anhaltende Emissionsminderungen darstellen. Voraussetzung seien eine starke wissenschaftliche Grundlage, Transparenz, Umweltstandards und wirksame Governance. 

Ein zentrales Anliegen des Berichts ist deshalb der Ausbau der so genannten Ocean Carbon Intelligence. Gemeint ist das Zusammenspiel von Ozeanbeobachtung, Datenauswertung, und Modellierung sowie einer starken internationalen Zusammenarbeit. Bisher verhinderten erhebliche Lücken bei Messnetzen, Datensystemen und dem wissenschaftlichen Verständnis, dass Regierungen und Investor:innen Klimarisiken realistisch einschätzen und fundierte Entscheidungen treffen können.

Gerechter Zugang zu Geld und Technik

Der Bericht unterstreicht außerdem, dass gerechter Zugang zu Finanzierung, Technologie, Daten und Kapazitätsaufbau – insbesondere für Küstenstaaten und Small Island Developing States – entscheidend ist, damit ozeanbasierte Klimamaßnahmen wirksam und fair umgesetzt werden können.

„Wie viel CO2 der Ozean aufnimmt, hängt von komplexen physikalischen, chemischen und biologischen Prozessen ab – und diese unterscheiden sich stark je nach Region und Zeitpunkt“, sagt Nadine Mengis. „Zusätzliche Beobachtungen entlang des gesamten Kohlenstoffkreislaufs würden helfen, die Kohlenstoffsenke des Ozeans besser zu verstehen und regionale und globale Modelle verbessern. Dafür braucht es langfristige internationale Zusammenarbeit und verlässliche Ressourcen für Beobachtungsnetzwerke im Ozean.“

Hintergrund: Der Climate Technology Progress Report

Der Climate Technology Progress Report (CTPR) erscheint jährlich und wird vor der Weltklimakonferenz COP veröffentlicht. Er wird vom Copenhagen Climate Centre des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP-CCC) in Zusammenarbeit mit dem Climate Technology Centre and Network (CTCN) und dem Technology Executive Committee (TEC) des Klimarahmens der Vereinten Nationen erstellt. Der Bericht richtet sich an nationale Planer:innen und Entscheider:innen sowie Förder- und Entwicklungsorganisationen. Er analysiert, welche Voraussetzungen die Entwicklung und den Transfer von Klimatechnologien voranbringen und wo Lücken bestehen. Die Ausgabe 2026 widmet sich Technologien, die die Aufnahme und langfristige Speicherung von Kohlenstoff im Ozean schützen oder verbessern. Die Erstellung wird vom dänischen Außenministerium unterstützt.

Weitere Informationen

Der Climate Technology Progress Report zum Download https://unepccc.org/publications/climate-technology-progress-report-2026/ 

Diese Meldung erschien zuerst beim GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. 

Kontakt

Wissenschaft

Judith Hauck
+49(471)4831-1383

Pressestelle

Folke Mehrtens
+49(0)471 4831-2007

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(Foto: Alfred-Wegener-Institut / Frank Roedel)