PS111 - Wochenbericht Nr. 3 | 3. - 9. Februar 2018

Verankerungen

[13. Februar 2018] 

Diese Woche befasst sich PS111 im Schwerpunkt mit Verankerungen. Es galt Verankerungen, die vor bis zu 4 Jahren ausgebracht wurden, einzuholen und neue auszulegen.

Eine Verankerung besteht aus einem Bodengewicht (ca. 500 kg) und Auftriebskörpern, die ein Seil dazwischen straff halten. Die Länge des Seils richtet sich nach der Wassertiefe minus einem Sicherheitsabstand von etwa 200m zur Oberfläche, um es von vorbeiziehenden, tiefgehenden Eisbergen frei zu halten. Am Seil sind verschiedene Geräte befestigt: Strömungsmesser, Kommunikationsmodule für Floats (Wochenbericht 1), (autonome CTDs), akustische Aufnahmegeräte und CTDs mit Datenspeicher. Die häufig verwendete Abkürzung CTD steht für Conduktivität (Leitfähigkeit aus der der Salzgehalt berechnet wird), Temperatur und Tiefe (depth). Es wurden vier Verankerungen eingeholt, die in einwandfreiem Zustand an Bord gebracht wurden und deren Datenaufzeichnung einwandfrei funktioniert hat. Zusammen wurden sieben neue Verankerungen, drei aus Norwegen (Uni Bergen) und 4 vom AWI, auf 76° S und am nördlichen Rand des Filchnergrabens ausgebracht, die Zeitreihen über das Verhalten des Filchner-Ausstromwassers mit Temperaturen kleiner -2°C im Zeitraum von 2-3 Jahren aufzeichnen. An gleicher Stelle wird auch das nach Süden setzende relativ warme Wasser mit T < -1.3°C detektiert.  Das Einholen, wie auch das Aussetzen, von Verankerungen ist ein komplexer Vorgang und damit sehr aufwändig und erfordert viele Personen an Deck. Alle Einsätze verliefen äußerst routiniert, zügig und reibungslos und zeigten, dass die Besatzung sehr erfahren ist. Die letzte Verankerung bei einer Wassertiefe von 500 m wurde innerhalb von 14 Minuten ausgelegt.

An jeder Verankerungsposition wurde auch eine CTD eingesetzt. Die Sensoren messen die Parameter wie oben beschrieben, gleichzeitig werden 24 Niskin-Flaschen in unterschiedlichen Tiefen geschlossen, die Wasserproben ermöglichen, die von den verschiedenen Disziplinen für ihre Untersuchungen benötigt werden. Diese sind u.a. Mikrobiologie, Chemie, Geochemie und Spurenstoff-Ozeanographie.

Zur Bestimmung der Fahrtroute und des Forschungsgebietes im Detail werden auch Eiskarten von Satelliten verwendet. Die Verteilung des Meereises und seine Dicke hat maßgeblichen Einfluss auf die Beweglichkeit des Schiffes und den Einsatz von Geräten. Entsprechend der aktuellen Eissituation wurde in dieser Woche entschieden, westlich vom Rieseneisberg A23A (dieser liegt ortsfest seit 1986 an dieser Stelle und hat eine Fläche von 1,7-mal Luxemburg mit einer geschätzten Dicke von 300 bis 350 m), zum Ronne-Schelfeis zu fahren. Die Bilder versprechen eine Fahrtstrecke mit geringerer Meereisbedeckung und eine schmale Küstenpolynya vor dem Ronne-Schelfeis. (Polynya ist der Fachausdruck für eine durch Wind bzw. Strömung erzeugte eisfreie Wasserfläche im Ozean). Die Fahrtstrecke von den Verankerungspositionen zur Schelfeiskante nimmt drei Tage in Anspruch, in denen wir verbliebene Proben verarbeiten, Vorträge halten und, wie immer wenn das Schiff in Fahrt ist, den Meeresboden mit dem Fächersonar und dem Sedimentecholot vermessen.

Am Freitag-Mittag ist Polarstern an der Kante des Ronne-Schelfeises angekommen.

 

Viele gute Wünsche nach Hause von allen Fahrtteilnehmern.

 

Dr. Michael Schröder

Fahrtleiter

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