Paläo-Eisschilddynamik

Das übergreifende Ziel unserer Arbeitsgruppe ist es, die langzeitliche Dynamik der globalen Eisschilde besser zu verstehen. Ihr Einfluss auf das Klimasystem und die direkte Steuerung des globalen Meeresspiegels sind hierbei die zwei wichtigsten Eckpfeiler. Wir betreiben meeresgeologische Forschungen in der Arktis und Antarktis, um

  • die Ausdehnung des nordhemisphärischen Eisschildes während vergangener glazialer Perioden eindeutiger zu definieren,
  • das weiterhin umstrittene Vorhandensein von Inlandeis während des Letzten Glazialen Maximums (LGM; ~20.000 Jahre vor heute) in Ostsibirien/Beringia zu bewerten, und um
  • das unzureichend bekannte Vorstoß- und Rückzugsverhalten des Antarktischen Eisschildes im Wechsel vergangener Warm- und Kaltzeiten präziser zu ergründen. Derzeitig liegt der Fokus auf dem vorrangig unter dem Meeresspiegel aufliegenden und somit instabilen westantarktischen Eisschild, da dieser sich zur Zeit stark zurück zieht und bei anhaltendem verstärkten Rückzug das Potenzial hätte, den globalen Meeresspiegel um mehrere Meter ansteigen zu lassen.

Durch die detaillierte kombinierte Untersuchung von Meeresboden-Sedimentkernen, hochauflösender bathymetrischer Karten und sedimentechographischer Meeresbodenprofile, sind unsere Mitarbeiter in der Lage, ein verlässliches, vierdimensionales Bild der Eisschilddynamik auf lokaler, regionaler und „Eisschild-weiter“ Ebene zu erstellen. Diese paläoglaziologischen Informationen aus unterschiedlichsten Untersuchungsgebieten tragen unmittelbar dazu bei, die Geschichte der globalen Eisschilde besser zu rekonstruieren und ihren Einfluss auf Ozeanzirkulation und Meeresspiegelvariationen zu bewerten. In der Folge sollen dann durch diese Daten Modelle für zukünftiges Eisschildverhalten getestet, validiert und letztendlich verbessert werden.