Paläoklima

Das „Tor zur Unterwelt“ als Zeitkapsel für Permafrost- und Klimaforscher

[05. August 2020] 

Er ist faszinierend karg und riesengroß. Ein Gebilde aus Schlamm, Sand und Eis. Der Batagay-Krater ist 900 m breit mit bis zu 60 m hohen Steilwänden und ist damit der größte Megaslump der Welt. Als Megaslump bezeichnen Forschende diese Art von kraterähnlichen Formen, die durch das Tauen des Permafrosts und das Abrutschen des getauten Materials entstehen.

Der Batagay-Krater liegt in Ostsibirien nahe der Stadt Batagay und war in den 1960er Jahren nur eine schmale Rinne an einem Hang unterlagert von dauerhaft gefrorenem Boden. Nach der Zerstörung der schützenden Vegetationsdecke durch Holzeinschlag und die Nutzung von Kettenfahrzeugen taute der Permafrost verstärkt. In den folgenden Jahrzehnten hat das Schmelzwasser des tauenden Permafrosts das Sediment ausgeschwemmt und so diesen riesigen Krater entstehen lassen.

Die Menschen in Ostsibirien nennen den Megaslump das „Tor zur Unterwelt“, für Forschende stellt er eine ergiebige Zeitkapsel dar. Denn aus den Analysen der verschiedenen Sedimentschichten des Kraters und des enthaltenen Eises lassen sich Rückschlüsse auf die Klimageschichte ziehen.

Thomas Opel ist Paläoklimatologe am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Potsdam. Zweimal nahm er an gemeinsamen deutsch-russischen Expeditionen nach Batagay teil. "Es ist ein atemberaubender Ort. Es gibt uns einen Einblick in Zeiten, in denen der Permafrost stabil war und in Zeiten, in denen er erodierte", sagt Opel. Die untersten Schichten im Batagay-Krater sind mehr als 600.000 Jahre alt und sind der älteste Permafrost, der jemals in Sibirien datiert wurde. 

Die Untersuchung der Bodenzusammensetzung von Batagay soll unter anderem Aufschluss darüber geben, wie viel Kohlenstoff der Permafrost über die Jahrtausende gebunden hat. Das ist wichtig für die Abschätzung der Menge an Treibhausgasen, die in Zukunft an die Atmosphäre abgegeben werden. Je mehr Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen, desto schneller schreitet die Klimaerwärmung voran.

Das Wissenschaftsmagazin SCIENCE hat dem Batagay-Krater einen Artikel gewidmet.

Die Feldstudien am Batagay-Krater fanden im Rahmen der langjährigen und kontinuierlichen russisch-deutschen Kooperation „Sibirische Permafrost-Ökosysteme im Wandel“ statt. In die Analysen und Geländearbeiten sind viele Mittel aus der Forschergruppe Polare Terrestrische Umweltsysteme des Alfred-Wegener-Instituts geflossen.

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