Klimagipfel in Katowice

AWI Forscher nennen Gründe für entschlossenes Handeln

[29. November 2018] 

Vom 2. bis 14. Dezember 2018 beraten Minister im Rahmen der UN Klimakonferenz im polnischen Katowice über die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. Wichtige Diskussionsbasis ist der im Oktober veröffentlichte IPCC Sonderbericht „1,5 °C globale Erwärmung“, der die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Lebewelt thematisiert. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) arbeiten an vielen Fragen zur Auswirkung des Klimawandels. Hier erläutern wir an drei Beispielen aus unserer Forschung, warum entschiedenes Handeln jetzt wichtig ist.

Die Arktis ist die Region der Erde, die sich am stärksten erwärmt. Mittlerweile wird ein Erwärmungstrend beobachtet, der mehr als dreimal so schnell verläuft wie der globale Mittelwert. Konkret heißt das: Verglichen mit dem langjährigen Mittelwert aus den Jahren 1951 bis 1980 stieg die atmosphärische Temperatur in der Arktis um 3,6 °C, während der globale Mittelwert etwa 1 °C über der Durchschnitttemperatur der Jahre 1951 bis 1980 lag. Damit bedeutet ein globales Klimaziel von 1,5 °C bis 2100 für die Arktis schon eine Erwärmung um 5 °C bis 6 °C und damit eine erhebliche Veränderung.

Dadurch reduziert sich auch der Temperaturunterschied zwischen den Polargebieten und den mittleren Breiten schneller als angenommen. Dies hat langfristig eine Verlangsamung des Jet-Streams (Starkwindbänder in 8-12 Kilometern Höhe) und damit eine Zunahme seines wellenförmigen Charakters zur Folge. Dieses Mäandrieren begünstigt die Verschiebung von atmosphärischen Hoch- und Tiefdrucksystemen. Die Folge können stabile Wettersituationen sein (sogenannte Blocking Muster) mit langanhaltenden Hitze- und Trockenperioden, wie wir sie im Sommer 2018 über Westeuropa erlebt haben, oder auch extreme Kaltlufteinbrüche aus der Arktis wie im Winter 2017/18.

Die zunehmende Erwärmung in der Arktis wirkt sich auch auf das Meereis aus: Die sommerliche Meereisbedeckung nimmt seit 1979 fortschreitend um 13 % pro Dekade ab und auch die Eisdicke wird geringer. Seit dem Jahr 2001 führen AWI-Wissenschaftler regelmäßig mit Schlitten, Helikoptern und Flugzeugen in der südlichen Transpolardrift Eisdickenmessungen durch. Ihre Ergebnisse zeigen eine Abnahme der häufigsten Eisdicke (auch modale Eisdicke genannt) um 25 % von 2 Meter (im Jahr 2001) auf 1,5 Meter (im Jahr 2018) in den letzten 17 Jahren. 2018 war laut Satellitenbeobachtung nach 2012 das Jahr mit der zweitniedrigsten sommerlichen Meereisbedeckung im Monatsmittel überhaupt, nahezu gleichauf mit dem Jahr 2007. Als Folge der geringen Eisbedeckung im letzten Sommer, setzte auch die Neueisbildung im Herbst rund zwei Wochen später ein. Hierdurch blieben große Teile der sibirischen Schelfe bis weit in den Oktober hinein, eisfrei. Unsere Meereismodelle zeigen, dass sich die Eisbedeckung im Sommer weiter stark verringert, wenn die Erwärmung weiter zunimmt - mit ungewissem Ausgang für die besonderen Ökosysteme der Arktis.

So spielt die Meereisbedeckung für die Laichgebiete wirtschaftlich bedeutsamer Fischarten eine Rolle: Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Alfred-Wegener-Instituts führt die Ozeanerwärmung und zunehmende -versauerung als Ursache für eine Verschiebung der Laichgründe von Kabeljau und Polardorsch im Nordatlantik nach Norden an. Das kann massive Folgen für den Fischfang haben und wirkt sich auch negativ aus auf natürlich vorkommende Jäger im Ökosystem wie Robben, Seevögel und Wale, für die der Polardorsch eine essentielle Nahrungsquelle darstellt.

„Nur durch eine entschlossene Umsetzung der Pariser Klimaziele mit ehrgeizigen Anstrengungen in der Reduktion des CO2 Ausstoßes durch Industrie, Landwirtschaft und Haushalte können die schlimmsten Folgen für Mensch und Umwelt noch vermieden werden. Hier ist ein schnelles und konsequentes Handeln auf allen gesellschaftlichen Ebenen unabdingbar. Darin stecken aber auch viele Chancen für unsere Zukunft, das ergeben unsere aktuellen Dialoge mit Wirtschaft und Gesellschaft. Es gilt zudem: Klimaschutz bedeutet auch eine gesündere Umwelt und Naturschutz“, resümiert Prof. Dr. Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts.

 

Weitere Infos:

https://unfccc.int/katowice

https://www.deutsches-klima-konsortium.de/de/briefing-cop24.html

https://www.meereisportal.de/archiv/2018-kurzmeldungen-gesamttexte/meereis-arktis-oktober2018/

https://www.awi.de/ueber-uns/service/presse-detailansicht/presse/weltklimarat-zum-15-grad-ziel.html

https://www.weser-kurier.de/deutschland-welt/deutschland-welt-politik_artikel,-wir-haben-keine-zeit-mehr-zu-verlieren-_arid,1788878.html

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