Press releases

The quest for the oldest ice on Earth

EU funds three-year project to decipher climate history with 2.2 million Euros
Die ersten 100 Meter (Photo: Alfred Wegener Institute / Martin Leonhardt, Alfred-Wegener)

In Antarctica internationally leading ice and climate scientists of 14 institutions from ten European countries are looking for the oldest ice on Earth. Goal is to find the place, where in Antarctica the ice core can be drilled which goes furthest back in Earth’s history. Such a core would allow to deciphering past processes in the climate system to improve prognoses for the future. The European Commission funds the project “Beyond EPICA – Oldest Ice” (BE-OI) with 2.2 million Euros, which is coordinated by the German Alfred Wegener Institute, Helmholtz Centre for Polar and Marine Research (AWI).

Bis zu 1,5 Millionen Jahre altes Eis zu finden, das zukünftig erbohrt werden kann, ist das Ziel von „Beyond EPICA – Oldest Ice“ (BE-OI). Zum Vergleich: Der bisher älteste Eiskern reicht 800.000 Jahre zurück. In solchen Kernen ist die Luft vergangener Zeiten eingeschlossen. Durch deren Analyse lässt sich die Zusammensetzung der Atmosphäre entschlüsseln. „Wir wissen derzeit nicht, was dazu geführt hat, dass es vor 900.000 bis 1.200.000 Jahren einen Wechsel in der Periodizität von Kalt- und Warmzeiten gegeben hat“, erklärt Projektkoordinator Prof. Dr. Olaf Eisen vom Alfred-Wegener-Institut.

Vor diesem sogenannten mittleren Pleistozän-Übergang wechselten sich Warm- und Kaltzeiten etwa alle 40.000 Jahre ab. Seitdem beträgt diese Periode etwa 100.000 Jahre. Dieses Wissen der Forscher stammt beispielsweise aus Sedimentkernen, die jedoch keine Gase beinhalten. „Wir können die Rolle der Treibhausgase bei diesem Übergang bisher nicht gezielt untersuchen, weil uns schlicht die geeigneten Proben für solche Messungen fehlen“, so der AWI-Glaziologe Prof. Dr. Frank Wilhelms, der als Teilprojektleiter mitwirkt.

Das soll BE-OI nun ändern: Das Projekt beinhaltet geophysikalische Messungen, Schnellbohrverfahren und Altersbestimmungen von Eis vor Ort. Außerdem werden notwendige Bohrtechnologien weiterentwickelt und erprobt. Die ersten praktischen Arbeiten dazu starten bereits in Kürze: In der Antarktis werden AWI-Glaziologen gemeinsam mit ihren europäischen Partnern die Dicke des Eispanzers sowie seine physikalischen Eigenschaften und die Topographie des darunterliegenden Bodens an zwei verschiedenen Orten mit dem Flugzeug und vom Boden aus erkunden. Die Eisdicke ist dabei lediglich ein erster Hinweis auf das Alter, denn unterschiedlicher Schneezutrag und das Fließverhalten beeinflussen, wie dick der Eispanzer heutzutage ist.

In einem Bodenprogramm messen Forscher deshalb parallel in einem Feldcamp den Schneezutrag und setzen neue Technologien zum Abteufen von Bohrlöchern ein, um in diesen die Temperatur zu erfassen. „Aus früheren Studien haben wir Gebiete herausgearbeitet, in denen wir das älteste Eis der Erde vermuten“, sagt Olaf Eisen. „Jetzt gilt es, möglichst viel über die Ablagerungsprozesse und die Beschaffenheit des Eises zu lernen“, so der Projektkoordinator weiter.

Neben solchen wissenschaftlichen Fragestellungen hat BE-OI auch die Aufgabe, technische und personelle Kapazitäten für ein Bohrprojekt zusammenzustellen, einen Wissenschafts- und Managementplan dafür aufzustellen sowie Budget und Finanzierung zu etablieren. Um einen möglichst großen wissenschaftlichen Erkenntniszuwachs zu generieren, bindet das Projekt außerdem weitere Paläoklimatologen und Modellierer mit ein.

 

Hintergrund:

Das Beyond EPICA – Oldest Ice (BE-OI)-Konsortium und seine internationalen Partner vereinen eine weltweit einmalige Konzentration von wissenschaftlicher Expertise und Infrastrukturen für Eiskern-Untersuchungen. BE-OI ist eine EU Koordinierungs- und Unterstützungsmaßnahme (Coordination and Support Action - CSA) unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts. Sie liefert die technische, wissenschaftliche und finanzielle Basis für einen kompletten Plan, um in einem zukünftigen Projekt „Beyond EPICA – Drilling Phase“ bis zu 1,5 Millionen Jahre altes Eis zu erbohren. Dies wäre ein wichtiger Beitrag für die zukünftige Erforschung der Antarktis und verspricht einzigartige Erkenntnisse über das Klima und die globalen Kohlenstoffflüsse. Dieses Wissen verbessert mit soliden quantitativen Daten die Vorhersagen für die Klimaentwicklung und erlaubt so gezieltere Strategien, um mit der gesellschaftlichen Herausforderung des globalen Wandels umzugehen.

BE-OI ist der europäische Beitrag für die weltweite Suche nach der geeigneten Stelle für eine Eisbohrung. Das Konsortium übernimmt die Vorstudien für die Standortwahl rund um Dome C und Dome Fuji, beides potentiell geeignete Regionen in der Ostantarktis. Weitere Wissenschafts-Konsortien untersuchen im Rahmen von IPICS (International Partnerships in Ice Core Sciences) andere Lokationen. Dieses Projekt wird gefördert von der Europäischen Union im Horizon 2020 Forschungs- und Innovationsprogramm unter der Förderungsnummer 730258.

 

Mitglieder im BE-OI-Konsortium:

·      Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI, Deutschland), Koordination

·      Institut Polaire Français Paul Émile Victor (IPEV, Frankreich)

·      Agenzia nazionale per le nuove tecnologie, l'energia e lo sviluppo economico sostenibile (ENEA, Italien)

·      Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS, Frankreich)

·      Natural Environment Research Council - British Antarctic Survey (NERC-BAS, Großbritannien)

·      Universiteit Utrecht – Institute for Marine and Atmospheric Research (UU-IMAU, Niederlande)

·      Norwegian Polar Institute (NPI, Norwegen)

·      Stockholms Universitet (SU, Schweden)

·      Universität Bern (UBERN, Schweiz)

·      Università di Bologna (UNIBO, Italien)

·      University of Cambridge (UCAM, Großbritannien)

·      Kobenhavns Universitet (UCPH, Dänemark)

·      Université Libre de Bruxelles (ULB, Belgien)

·      Lunds Universitet (ULUND, Schweden)

 

Weitere Bilder finden Sie in unserer Mediathek: http://bit.ly/2fzVdCR.

Zusätzliche Informationen zum Projekt finden Sie unter: http://www.beyondepica.eu/

Contact

Science

Frank Wilhelms
+49(471)4831-1551

Science

Olaf Eisen
+49(471)4831-1969

Press Office

Folke Mehrtens
+49(0)471 4831-2007

Downloads

Martin, Philipp und Jan vor dem ersten 100 Meter Eiskern. Bohrer im Hintergrund (Photo: Alfred Wegener Institute / Martin Leonhardt, Alfred-Wegener)
Blick aus dem Schneeschacht gegen den Himmel. Stefanie und Martin im Bild (Photo: Alfred Wegener Institute / Martin Leonhardt, Alfred-Wegener)
Overview Antarctic continent and Southern Ocean (Photo: Alfred Wegener Institute / British Antarctic Survey (BAS))
de: Ein Eiskern ist gebohrt und wartet darauf, aus dem Bohrer genommen zu werden. Bohrer mit Bohrmessern (Bohrkrone) und Eiskern <br /> en: An ice core is waiting for take out of the drill. Drill with drill bit and ice core (Photo: Alfred Wegener Institute / © Sepp Kipfstuhl)
Jan und Philipp beim Aufbau eines kleinen Zeltes (Photo: Alfred Wegener Institute / Martin Leonhardt, Alfred-Wegener)
Die Basler trifft aus Novo mit neuen Gästen an der Neumayerstation ein. Die Gäste werden begrüßt und das Flugzeug wird entladen. The Basler arrived with new guests from Novo at Neumayer-Station. The guests are welcomed and the aircraft is unloaded. (Photo: Alfred Wegener Institute / Thomas Steuer)
Drill Setup mit Zelten Philip und Jan im Bild (Photo: Alfred Wegener Institute / Martin Leonhardt, Alfred-Wegener)
Die Geophysiker Daniel Steinhage, Johannes Lohse und Marketa Pokorna bringen die Tiltmeter und GPS auf dem Schelfeis aus. The geophysicsts Daniel Steinhage Johannes Lohse und Marketa Pokorna are bringing out tiltmeter and GPS on the Ice Shelf (Photo: Alfred-Wegener-Institut / Thomas Steuer)
de: Das Eis wird mit zunehmender Bohr-Tiefe immer transparenter. Bis in 1.000 m Tiefe erscheint das Eis als Folge der Luftblasen milchig grau. Unterhalb von 1.200 bis 1.300 m Tiefe ist das Eis transparent wie Plexiglas. (Photo: Alfred Wegener Institute / Sepp Kipfstuhl)
Regions where scientists form the BE-OI consortium search for the oldest ice on Earth: Dome C and Dome F in Antartica (Photo: Alfred Wegener Institute / British Antarctic Survey (BAS))
de: Der Eiskernbohrer wird ins Eis hinab gelassen um Proben zu entnehmen. en: ice-corer (Photo: Alfred Wegener Institute / Sepp Kipfstuhl)
de: Blick in das Labor auf Grönland in dem Eiskerne gewonnen werden. en: Sight into the ice-laboratory in Greenland. (Photo: Alfred Wegener Institute / Sepp Kipfstuhl)
Das Forschungsflugzeug Polar 6 steht vor der Neumayer-Station in der Antarktis und wird für den Flug vorbereitet. The research aircraft Polar 6 is standing in front of the Neumayer-Station and is to be prepared for next flight. (Photo: Alfred Wegener Institute / Thomas Steuer)
Polar 6 mit den Magnetfeldmesssensoren (Photo: Alfred Wegener Institute / Martin Leonhardt, Alfred-Wegener)
Katharina sitzt auf einer Eiskernkiste und blickt gegen die Sonne. Schlitten mit weiteren Kisten daneben (Photo: Alfred Wegener Institute / Martin Leonhardt, Alfred-Wegener)
Andreas, Tobias, Steffi und Co beim beladen der Polar 6 mit Eiskernkisten (Photo: Alfred Wegener Institute / Martin Leonhardt, Alfred-Wegener)
Mark Curran beim Zerschneiden des Eiskerns im AWI-Eislabor. Hintergrund: AWI-Glaziologe Dr. Sepp Kipfstuhl (gelbe Jacke) arbeitet gemeinsam mit Dr. Mark Curran (Australian Antarctic Division) und dem Dänen Marius Simonsen von der Universität Kopenhagen an einem insgesa... (Photo: Alfred Wegener Institute / Jan Vincent Kleine)