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Forecasting low flow conditions for the Elbe and Rhine:

‘Drought stress test’ passed with flying colours!
Low flow at the river Rhine
Low flow at the river Rhine (Photo: Alfred-Wegener-Institut)

Using conventional methods, the water levels in German rivers can be predicted roughly six weeks in advance. That is why the drought in the summer of 2018, characterised by extremely low flow conditions in the Rhine and Elbe, caught not only ships’ crews on the inland waterways by surprise, but also most of those running refineries, steelworks and chemical companies located along the course of the rivers. Many of the companies that rely on water transport soon reported delivery bottlenecks and production downtimes. The economic damages could certainly have been avoided if modern forecasting methods had been used. That is the conclusion researchers at the Alfred Wegener Institute, Helmholtz Centre for Polar and Marine Research (AWI) reached after testing their recently developed model for long-term predictions of flow volumes in rivers using the conditions from the drought summer 2018. The result: using global ocean and climate data, they were able to reliably forecast the low waters in the Elbe and Rhine as much as three months in advance. The AWI experts’ detailed analysis was published today in a freely available article in the Nature online journal Scientific Reports.

AWI-Klimatologin Dr. Monica Ionita schüttelt noch heute ein bisschen ungläubig den Kopf, wenn sie an den Dürresommer 2018 und an die Schlagzeilen im anschließenden Herbst denkt. Zeitungen und Nachrichtensendungen berichteten damals über die unerwartet niedrigen Pegelstände deutscher Flüsse und wie infolgedessen Transport- und Lieferketten durcheinandergerieten. Konzerne wie BASF und ThyssenKrupp mussten ihre Produktion einschränken; Benzin und Diesel wurden aufgrund von Lieferengpässen teurer. „Mich persönlich hat wirklich erstaunt, dass so viele Akteure von den extremen Wasserständen überrascht wurden“, erzählt die AWI-Forscherin. “Ich selbst erstelle für die Hamburger Hafenbehörde seit drei Jahren regelmäßige Vorhersagen zur Wassermenge in der Elbe und konnte unseren Partner bereits Ende Mai 2018 darauf hinweisen, dass die Flusspegel infolge der langen Trockenheit extrem niedrig ausfallen werden – insbesondere im Spätsommer und Herbst des Jahres“, sagt Monica Ionita.

Wasserstände von Flüssen zuverlässig über einen Zeitraum von mehr als sechs Wochen vorherzusagen, war bis vor fünf Jahren unmöglich. 2015 aber gelang es Monica Ionita, ein statistisches Berechnungsmodell zu entwickeln, mit dem sie auf Basis aktueller Meeres- und Klimadaten ziemlich genau abschätzen kann, wieviel Wasser künftig an verschiedenen Stellen eines ausgewählten Flusses fließen wird. Aber würde diese Methode auch in Ausnahmesituationen wie dem Dürresommer 2018 funktionieren? „Für uns war der extreme Sommer ein willkommener Härtetest, mit dem wir unsere Vorhersagemethode noch einmal bis in das letzte Detail überprüfen konnten“, sagt Monica Ionita. 

Die Ergebnisse der neuen Studie überzeugen: Mithilfe ihres statistischen Verfahrens konnten Monica Ionita und ihre AWI-Kollegin Dr. Viorica Nagavciuc die Entwicklung der Wassermengen in Elbe und Rhein über einen Zeitraum von bis zu drei Monaten treffend vorhersagen – auch die extrem niedrigen Pegel im Spätherbst 2018. „In der Praxis sieht es so aus, dass wir bis Ende Mai eines Jahres sagen können, wie sich die Durchflussmengen und damit auch die Wasserstände bis Ende September desselben Jahres in etwa entwickeln werden. Wir können dann abschätzen, ob sie im Vergleich zu Vorjahren niedriger, ähnlich oder höher ausfallen werden. Die zu erwartende Wasserabflussmenge berechnen wir mittlerweile drei Monate im Voraus – das heißt, von diesem Zeitpunkt an nennen wir dann auch konkrete Zahlen“, erklärt die Wissenschaftlerin.

Einflussgrößen weitab von Rhein und Elbe

Die Grundlage der Analyse bilden globale Meeres- und Klimadaten aus fast sieben Jahrzehnten. In diesen Datensätzen suchen die beiden AWI-Wissenschaftlerinnen nach Zusammenhängen zwischen der Wassermenge im ausgewählten Fluss und entscheidenden Wetter-, Meeres- oder Bodenparametern wie der Oberflächentemperatur in bestimmten Meeresregionen und dem dort vorherrschenden Luftdruck. Eine wichtige Rolle spielen außerdem die Temperatur, der Niederschlag und die Bodenfeuchte im Quell- und Einzugsgebiet des jeweiligen Flusses. „Für die Wasserstände in Rhein und Elbe ist die Meeresoberflächentemperatur des Nordatlantiks der alles entscheidende Faktor. Sie beeinflusst das Wetter in Mitteleuropa maßgeblich und entscheidet vereinfacht gesagt, auf welchen Bahnen Sturm- und Regengebiete ziehen werden“, erklärt Monica Ionita. 

Als „verlässlich“ identifizierte Zusammenhänge speisen die Wissenschaftlerinnen als statistische Berechnungsgrundlage in ihr Modell ein – und das nicht für alle Flüsse auf einmal, sondern für jeden Einzelnen ganz individuell. Anschließend passen sie ihr Modell an die entsprechenden Jahreszeiten an. Für ein und denselben Fluss können im Frühjahr nämlich völlig andere Einflussgrößen relevant sein als im Herbst.

Für konkrete Vorhersagen sammeln die AWI-Forscherinnen dann Echtzeitdaten aller relevanten Wetter- und Umweltparameter aus den zurückliegenden Monaten und lassen diese in das statistische Modell einlaufen. Per Computer berechnen sie dann, welche Menge Wasser im anvisierten Zeitraum an einer bestimmten Stelle im Fluss fließen wird. Auf Basis dieser Zahl können die Forscherinnen im Anschluss die künftige Entwicklung der Wasserpegel abschätzen. 

Planungssicherheit für Binnenschifffahrt und Industrie

Zuverlässige Langzeitvorhersagen der Wasserstände sind für die Binnenschifffahrt und alle abhängigen Firmen so wertvoll wie passende Wetterprognosen für die Landwirtschaft. Je eher alle Verantwortlichen Bescheid wissen, desto vorausschauender und kostensparender können sie planen. „Wir hoffen, dass wir mit unserer neuen Studie noch viel mehr Akteure von unserer Arbeit überzeugen können. Überraschungen und Produktionsausfälle wie zum Ende des Dürresommers 2018 muss es künftig nicht mehr geben. Mithilfe unserer Berechnungen wissen wir nämlich jederzeit ziemlich genau, wie sich die Wasserstände in Deutschlands wichtigsten Flüssen entwickeln werden“, sagt Monica Ionita. 

Original publication

The study was published in a freely available article on the Nature online portal Scientific Reports, under the title: 

Monica Ionita & Viorica Nagavciuc: Forecasting low flow conditions months in advance through teleconnection patterns, with a special focus on summer 2018, Scientific Reports, DOI:  10.1038/s41598-020-700600-8

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Low flow at the river Rhine
Low flow at the river Rhine (Photo: Alfred-Wegener-Institut)
.  Location and elevation of the two analyzed basins: Rhine (left) and Elbe (right).
Location and elevation of the two analyzed basins: Rhine (left) and Elbe (right). (Graphic: Alfred-Wegener-Institut)
Background climate conditions for summer 2018
Background climate conditions for summer 2018: left – geopotential height anomalies at 500mb and right - sea surface temperature anomalies (Graphic: Alfred-Wegener-Institut)
The daily hydrograph for 2018 at Neu Darchau (Elbe River)  gauging station.
The daily hydrograph for 2018 at Neu Darchau (Elbe River) gauging station. (Graphic: Alfred-Wegener-Institut)
The monthly/seasonal predictor for the summer streamflow at Kaub (Rhine River).
The monthly/seasonal predictor for the summer streamflow at Kaub (Rhine River). The black boxes indicate the regions used for the summer streamflow at Kaub gauging station. (Graphic: Alfred-Wegener-Institut)
Observed (black) and predicted (red) summer streamflow at Kaub gauging station over the period 1948–2018.
Observed (black) and predicted (red) summer streamflow at Kaub gauging station over the period 1948–2018. The shaded area represents the 95% uncertainty bounds. (Graphic: Alfred-Wegener-Institut)
The monthly/seasonal predictor for the summer streamflow at Neu Darchau (Elbe River).
The monthly/seasonal predictor for the summer streamflow at Neu Darchau (Elbe River). The black boxes indicate the regions used for the summer streamflow at Neu Darchau gauging station. (Graphic: Alfred-Wegener-Institut)
Observed (black) and predicted (red) summer streamflow at Neu Darchau gauging station over the period 1948–2018.
Observed (black) and predicted (red) summer streamflow at Neu Darchau gauging station over the period 1948–2018. The shaded area represents the 95% uncertainty bounds (Graphic: Alfred-Wegener-Institut)