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Anniversary in the far north

20 years of long-term ecological research in the deep Arctic Ocean
Besatzungsmitglieder ziehen ein Multinetz an Bord. Es besteht aus
fünf Netzen, mit denen die Forscher über fünf verschiedene Horizonte der Wassersäule hauptsächlich Zooplankton fangen.

Crew members pull a multi net onboard. It consits of five nets, which are used to catch zooplankton in five different horizons of the water column.

Fotos von der Polarstern-Expedition ARK-XXVII-1 im Sommer 2012 (14. Juni - 15. Juli 2012, Bremerhaven-Longyearbyen); 
Forschungsschwerpunkte: 

Ozeanografie: Projekt ACOBAR - Messung von Salzgehalt, Sauerstoff und Wassertemperatur an 80 Stationen entlang eines Schnittes bei 78°50' N;

Biologie: Netzfänge und Sedimentprobennahme an den Stationen; Amphipoden-Untersuchungen (PECABO); Beobachtungen von Seevögeln und Meeressäugern; 

engl: 

Photo taken by Sebastian Menze during the Polarstern expedition ARK-XXVII-1 in summer 2012 into the Fram Strait, duration: 14th June - 15th July 2012
Multi net deployment (Photo: Alfred-Wegener-Institut)

20 years ago, scientists from the Alfred Wegener Institute, Helmholtz Centre for Polar and Marine Research (AWI) laid the “foundation stone” for a unique long-term observatory in the partly ice-covered Fram Strait between Greenland and Svalbard, which they call their HAUSGARTEN. The deep-sea observatory is the first, and still the only one of its kind for year-round physical, chemical and biological observations in a polar region. Here researchers investigate how a polar marine ecosystem alters in a period of global change. 

Als Folge des Klimawandels verändert sich die Arktis in rasantem Tempo. Beobachtungsprogramme, die Auskunft über Veränderungen im arktischen Meeresökosystem liefern, sind jedoch rar. Denn die Polarregionen sind größtenteils nur mit moderner und teurer Infrastruktur und Instrumentalisierung zugänglich. Die Untersuchungsstationen des HAUSGARTEN erstrecken sich auf etwa 30.000 km2 zwischen 78° und 80° Nord sowie zwischen 6° West und 11° Ost. In diesem Gebiet führen Tiefseeforscher und Ozeanographen in einem Netzwerk von insgesamt 21 Stationen mit Wassertiefen zwischen 250 und 5500 Metern regelmäßig Untersuchungen durch. Dabei erforschen sie alle Bereiche des Meeresökosystems von der Wasseroberfläche bis in die Tiefsee, um die Folgen klimatischer Veränderungen auf die Lebensvielfalt der marinen Arktis in einem multidisziplinären Ansatz zu ermitteln. Alljährlich finden Probennahmen und Messungen in der Wassersäule und am Tiefseeboden während regelmäßiger Expeditionen in den Sommermonaten statt. Ergänzend beproben und messen am Meeresboden verankerte Instrumente dort kontinuierlich; neuerdings sind auch mobile, autonome Geräte ganzjährig im Einsatz.

„Im Sommer 1999 haben wir mit dem französischen Unterwasserroboter Victor 6000 erstmals den Meeresboden im HAUSGARTEN großflächig kartiert“, erinnert sich der Gründer, Dr. Thomas Soltwedel, Biologe am Alfred-Wegener-Institut. „Eigentlich hatten wir damals eine andere übergeordnete Fragestellung: Was bewirkt/ermöglicht die hohe Artenvielfalt in der Tiefsee? Wir haben dann beschlossen unsere Untersuchungen zu dieser Fragestellung immer an der gleichen Position durchzuführen, um über die Zeit eine Vorstellung über natürliche Schwankungen in den Umweltbedingungen im Untersuchungsgebiet zu bekommen - so ist die Zeitserie entstanden“. In Zeiten globaler klimatischer Veränderungen steht mittlerweile die Frage im Fokus, wie sich ein polares, marines Ökosystem durch den globalen Wandel verändert.

In der östlichen Framstraße dient das HAUSGARTEN-Observatorium seit seiner Gründung als Experimentierfeld für einzigartige biologische Langzeitexperimente am Boden der arktischen Tiefsee. So konnte im vergangenen Jahr ein 18-jähriges Besiedlungsexperiment erfolgreich beprobt werden, mit dem gezeigt werden konnte, dass die Erschließung freier Flächen am Tiefseeboden durch festsitzende Organismen wie Schwämme und Seelilien nur extrem langsam erfolgt. Dies verdeutlicht, dass menschliche Eingriffe am Tiefseeboden, z.B. durch den geplanten Abbau von Erzschlämmen und Manganknollen im Tiefseebergbau, zu einer nachhaltigen Schädigung des Tiefseeökosystems führen können. In anderen Langzeitexperimenten werden verschiedene Szenarien sich ändernder Umweltbedingungen simuliert, wie sie durch den aktuellen Wandel zu erwarten sind. Fütterungsexperimente klären, wie die Lebewelt des Meeresbodens auf einen quantitativ und qualitativ veränderten Nahrungseintrag reagiert. Ferner wird im Rahmen des EU-finanzierten Projekts INTAROS (Integrated Arctic Observing System) in einem technisch sehr aufwendigen experimentellen Ansatz erstmals untersucht, wie bodenbewohnende Tiefseeorganismen auf die fortschreitende Versauerung der Ozeane reagieren.

Die kontinuierlichen ökologischen Untersuchungen am HAUSGARTEN ergaben bereits eine Reihe interessanter zeitlicher Trends. Die verbreitete Vorstellung, dass Tiefseeökosysteme auf Umweltveränderungen im Oberflächenwasser, wenn überhaupt, nur sehr träge reagieren musste revidiert werden. Zwischen den Jahren 2005 und 2008 gab es in der Framstraße eine pulsartige, deutliche Erhöhung der Wassertemperaturen um ca. 2 °C. Diese führte zu tiefgreifenden Veränderungen in der Zusammensetzung des pflanzlichen Planktons im lichtdurchfluteten Oberflächenwasser, die dann eine rasche Reaktion speziell der kleineren, auf und im Tiefseeboden lebenden Organismen hervorrief, da diese Organismen ihren Nahrungsbedarf ausschließlich durch abgestorbenes und zum Meeresboden herabgesunkenes Plankton decken. Größere Bodenbewohner reagierten in ihrer Anzahl und Artenzusammensetzung langsamer mit etwa einjähriger Verzögerung.

Die durch den episodischen Warmwassereinstrom Mitte der 2000er Jahre hervorgerufenen Veränderungen im marinen Ökosystem der Framstraße, die u.a. auch zur Einwanderung weiter südlich lebender, sub-polarer und borealer Zooplanktonarten geführt haben, geben einen ersten Ausblick auf die zu erwartenden ökologischen Verhältnisse in einem zukünftigen, wärmeren und zunehmend eisfreien Arktischen Ozean. Tatsächlich waren die Wassertemperaturen in der Framstraße seit 2008 vergleichsweise geringen Schwankungen unterlegen, eine Rückschau auf die Entwicklung in den letzten 20 Jahren bestätigt allerdings den globalen Trend mit kontinuierlich steigenden Temperaturen. Dieser Trend ist in abgeschwächter Form selbst in 2500 m Wassertiefe im HAUSGARTEN-Gebiet nachzuvollziehen.

„Auch nach 20 Jahren intensiver Beobachtungen im Bereich des HAUSGARTEN-Observatoriums können wir heute noch nicht mit vollständiger Sicherheit sagen, ob die festgestellten Veränderungen die natürliche Variabilität eines marinen, polaren Ökosystems widerspiegeln, oder ob die festgestellten Trends durch den anthropogen bedingten Klimawandel verursacht und damit möglicherweise von Dauer sind“, sagt Thomas Soltwedel. Eine aktuelle wissenschaftlich Studie konnte in einem Modellierungsansatz zeigen, dass Zeitserien von etwa 30 Jahren benötigt werden, um Klimawandel-gesteuerte Veränderungen im marinen Ökosystem von natürlicher Variabilität zu unterscheiden und belastbare Vorhersagemodelle zu entwickeln. Etwa zwei Drittel dieser angenommenen Zeitspanne sind mittlerweile am HAUSGARTEN zurückgelegt. Aktuell werden die Langzeituntersuchungen während der laufenden Polarstern-Expedition PS121 weiter vorangetrieben.

Contact

Science

Thomas Soltwedel
+49(471)4831-1775

Press Office

Folke Mehrtens
+49(0)471 4831-2007

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Besatzungsmitglieder ziehen ein Multinetz an Bord. Es besteht aus
fünf Netzen, mit denen die Forscher über fünf verschiedene Horizonte der Wassersäule hauptsächlich Zooplankton fangen.

Crew members pull a multi net onboard. It consits of five nets, which are used to catch zooplankton in five different horizons of the water column.

Fotos von der Polarstern-Expedition ARK-XXVII-1 im Sommer 2012 (14. Juni - 15. Juli 2012, Bremerhaven-Longyearbyen); 
Forschungsschwerpunkte: 

Ozeanografie: Projekt ACOBAR - Messung von Salzgehalt, Sauerstoff und Wassertemperatur an 80 Stationen entlang eines Schnittes bei 78°50' N;

Biologie: Netzfänge und Sedimentprobennahme an den Stationen; Amphipoden-Untersuchungen (PECABO); Beobachtungen von Seevögeln und Meeressäugern; 

engl: 

Photo taken by Sebastian Menze during the Polarstern expedition ARK-XXVII-1 in summer 2012 into the Fram Strait, duration: 14th June - 15th July 2012
Crew members pull a multi net onboard. It consits of five nets, which are used to catch zooplankton in five different horizons of the water column. (Photo: Alfred-Wegener-Institut)
Aufnahme vom ersten Außeneinsatz des AWI-AUV auf einer Polarstern-Expedition im Jahr 2010 in die Framstraße. Foto: Michael Ginzburg, Alfred-Wegener-Institut

Photo of the first on sea deployment of the AUV during a Polarstern expedition in 2010 (Fram Strait). Photo: Michael Ginzburg, Alfred-Wegener-Institut
Photo of the first on sea deployment of the AUV during a Polarstern expedition in 2010 (Fram Strait). (Photo: Alfred Wegener Institute / Michael Ginzburg)
Zwei Teilnehmer der Polarstern-Expedition PS85 (ARK-XXVIII/2) sind mit dem Schlauchboot zu einer Eisscholle gefahren, um auf der Scholle Untersuchungen vorzunehmen.

Two participants of the Polarstern expedition PS85 (ARK-XXVIII/2) are working on an ice float.

HIntergrund zur Expedition:
Der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeiten lag in der Untersuchung von längerfristigen Veränderungen in diesem Meeresgebiet und deren möglichen Zusammenhang mit dem fortschreitenden Klimawandel. Hierzu untersuchten eine ganze Reihe von meereswissenschaftlichen Disziplinen unterschiedliche Prozesse und setzen sie zueinander in Beziehung. Die Untersuchungen reichten von der Atmosphäre, über das Meereis und die Wassersäule, bis zum Meeresboden der Tiefsee. Hierbei bildeten diese Forschungen eine Fortführung von ozeanographischen und biologischen Langzeitstudien, die die Vorgänge in diesem Übergangsgebiet zur zentralen Arktis bereits seit mehr als einer Dekade untersuchen und beobachten. Sie wurden in diesem Jahr erstmals unter dem Mantel des durch die HGF geförderten Infrastrukturprojektes FRAM zusammengefasst.
Ein Fokus der ökologischen Untersuchungen des Meereises lag in den Mechanismen der physiologischen Anpassung von Eisalgen an unterschiedliche Lichtbedingungen im Eis. Dies soll zukünftig eine bessere Abschätzung des Einflusses der Meereisdicke auf die Primärproduktion im Meereis ermöglichen

Background info about the expedition:
The 2014 expedition PS85 (ARK-XXVIII/2) of the research icebreaker Polarstern led into the northern Fram Strait. Our activities concentrated on various areas between Greenland and Svalbard within a corridor at approx. 79° N. The scientific work was focused on investigations of long term change in this oceanic area and its possible interrelation with ongoing Climate Change. To fulfill this task a whole bunch of marine-scientific disciplines cooperated and investigated various processes to relate them to each other. These studies ranged from the atmosphere, over the sea ice and the water column down to the deep sea floor. The investigations were a continuation of oceanographic and biologic long-term studies, which since more than a decade record processes which occur at this gateway to the Arctic. This year they were covered for the first time under the umbrella of the new HGF-financed infrastructure project FRAM.
One focus of ecological sea-ice investigations was be mechanisms of physiologic adaptations of ice-algae to varying light conditions within the ice. This will help to make future assessments on the influence of sea-ice thickness on the primary production in the ice.
Two participants of a Polarstern expedition are working on an ice floe. (Photo: Alfred Wegener Institute / Antje Wildau)
de: Das Tiefseefahrzeug Victor 600 an Bord der Polarstern.  <br />
en: The remote-controlled submersible 'Victor'
The remote-controlled submersible 'Victor6000' (Photo: Alfred Wegener Institute / Michael Klages)
Fotos von der Polarstern-Expedition ARK-XXVII-1 im Sommer 2012 (14. Juni - 15. Juli 2012, Bremerhaven-Longyearbyen); 
Forschungsschwerpunkte: 

Ozeanografie: Projekt ACOBAR - Messung von Salzgehalt, Sauerstoff und Wassertemperatur an 80 Stationen entlang eines Schnittes bei 78°50' N;

Biologie: Netzfänge und Sedimentprobennahme an den Stationen; Amphipoden-Untersuchungen (PECABO); Beobachtungen von Seevögeln und Meeressäugern; 

engl: 

Photo taken by Sebastian Menze during the Polarstern expedition ARK-XXVII-1 in summer 2012 into the Fram Strait, duration: 14th June - 15th July 2012
The multi net on the working deck. It consits of five nets, which are used to catch zooplankton in five different horizons of the water column. (Photo: Alfred Wegener Institute / Sebastian Menze)
This OFOS image, taken on the east greenland shelf shows a eery large rock that is a basis for much unknown species sponge life.

OFOS ist ein geschlepptes Foto-/Videosystem, dass Aufschluss über die großflächige Verteilung größerer Tiere am Boden des HAUSGARTEN-Gebietes gibt. Der Vergleich mit Aufnahmen aus den vergangenen zehn Jahren gibt den Wissenschaftlern Auskunft über zeitliche Veränderungen in der Dichte und Zusammensetzung dieses sogenannten Epibenthos.

engl:

OFOS is towed photo/video system, which is used to assess large-scale distribution patterns of larger organisms (mega-fauna) on the seabed at HAUSGARTEN. The comparison with images retrieved during the preceding years will allow the scientists to evaluate temporal variations in mega-fauna densities and composition.
OFOS (Ocean Floor Observing System) image, taken on the east greenland shelf shows a eery large rock that is a basis for much unknown species sponge life. OFOS is towed photo/video system, which is used to assess large-scale distribution patterns of larger organisms (me... (Photo: Alfred Wegener Institute / OFOS/James Taylor)
This OFOS image, taken in the HAUSGARTEN region, shows an octupus. It is not known, to which species it belongs. 


OFOS ist ein geschlepptes Foto-/Videosystem, dass Aufschluss über die großflächige Verteilung größerer Tiere am Boden des HAUSGARTEN-Gebietes gibt. Der Vergleich mit Aufnahmen aus den vergangenen zehn Jahren gibt den Wissenschaftlern Auskunft über zeitliche Veränderungen in der Dichte und Zusammensetzung dieses sogenannten Epibenthos.

engl:

OFOS is towed photo/video system, which is used to assess large-scale distribution patterns of larger organisms (mega-fauna) on the seabed at HAUSGARTEN. The comparison with images retrieved during the preceding years will allow the scientists to evaluate temporal variations in mega-fauna densities and composition.
This OFOS image, taken in the HAUSGARTEN region, shows an octupus. It is not known, to which species it belongs. OFOS is towed photo/video system, which is used to assess large-scale distribution patterns of larger organisms (mega-fauna) on the seabed at HAUSGARTEN. The... (Photo: Alfred Wegener Institute / OFOS/James Taylor)

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