Wochenberichte Polarstern

Die Expedition PS111 Kapstadt - Punta Arenas

Der Fahrtabschnitt PS111 FROST, Filchner Ronne Outflow System Tomorrow, wird am 19. Januar 2018 in Kapstadt (Südafrika) beginnen und am 14. März 2018 in Punta Arenas (Chile) enden. Polarstern wird direkt die eisbedeckte Atka-Bucht anlaufen, um die Neumayer-III-Station zu versorgen. Bedingt durch eine Vielzahl von Feldkampagnen im Hinterland von Neumayer ist das Frachtaufkommen und die Treibstoffmenge maximal, so dass für die Versorgung eine entsprechende Zeit eingerechnet werden muss. An Neumayer gibt es den Austausch einer Person, so dass auch im weiteren Verlauf der Expedition das Schiff voll besetzt ist. Wenn die Eissituation es erlaubt, wird auf dem Weg nach Süden im Bereich des Küstenstroms ein kurzes Messprogramm eingeschoben, was als Teststation für die beteiligten Arbeitsgruppen dienen soll. Danach wird sich Polarstern in das eigentliche Forschungsgebiet, den weiten Schelf vor dem Filchner-Ronne Schelfeis begeben, um die bereits in den Jahren 2013-2014 (FOS, Filchner Outflow System, PS82) und 2015-2015 (FROST, Filchner Outflow System Now, PS96) begonnenen ozeanographischen, biologischen und geologischen Untersuchungen fortzuführen und zu ergänzen.

Dieses Meeresgebiet ist besonders im Nordteil des Filchner Troges geprägt durch die Interaktion von sehr kaltem Eisschelfwasser (ISW, Ice Shelf Water) aus dem Süden mit dem warmen Tiefenwasser (WDW, Warm Deep Water) des Weddellmeeres. Durch diese Vermischung werden sowohl die Tiefen- (WSDW, Weddell Sea Deep Water) als auch Bodenwassertypen (WSBW, Weddell Sea Bottom Water) des Weddellmeeres gebildet, die für die globale Ozeanzirkulation und die Belüftung der tieferen Schichten der Weltmeere von großer Bedeutung sind.

Diese hydrographischen Besonderheiten am Kontinentalabhang des Weddellmeeres sind sehr wahrscheinlich auch die primäre Ursache für die erhöhten biologischen Aktivitäten in diesem Gebiet.

In Ergänzung zu den vorhergehenden Expeditionen soll auch der westliche Schelf bis in den Ronne Trog beprobt werden, um die Bildungsgebiete des hoch salinen Schelfwassers HSSW (High Salinity Shelf Water) genauer zu untersuchen. Diese dichte Wassermasse ist besonders als Antrieb für die Unter-Schelfeiszirkulation des Filchner-Ronne Schelfeises von großer Bedeutung.

Die Bildung von Tiefen- und Bodenwasser (WSDW/WSBW) im südlichen Weddellmeer ist sowohl qualitativ als auch quantitativ stark durch die Produktionsvorgänge von Schelfeis-wasser (ISW) unter dem Filchner-Ronne Schelfeis beeinflusst. Eigene hydrographische Messungen mit Polarstern im Jahr 1995 entlang der Filchner-Schelfeisfront zeigen, dass der Abbruch von drei sehr großen Eisbergen im Jahr 1986 und deren Gründung auf der flachen Berkner Bank, die Zirkulation und die Wassermassenbildung im Filchner-Trog signifikant modifiziert haben. Von diesem großen Abbruch ist immer noch der Eisberg A23A als Rest vorhanden und beeinflusst insbesondere die Meereissituation östlich und südlich seiner Position. Auch die angrenzenden Seegebiete zeigen deutliche Veränderungen in den Wassermassencharakteristika und Strömungsmustern im Vergleich zu Messungen aus den frühen 1980er Jahren. Neuere Messungen aus der Sommersaison 2013-2014 (PS82) und 2015-2016 (PS96) ergeben ein neues Bild, das den Ausstrom von ISW am Osthang des Filchner-Troges zeigt. Modellszenarien mit dem finiten Elemente Modell FESOM ergeben klimabedingte Veränderungen des Küstenstroms, die zu einem erhöhten Zufluss von warmem Wasser (Modified Warm Deep Water - MWDW) ab Mitte des einundzwanzigsten Jahrhunderts in dieses Gebiet führen könnten. Diese Veränderungen betreffen zunächst den Filchner-Trog und beeinflussen dann die Zirkulation unter dem Filchner-Ronne Schelfeis. Sollten sich Veränderungen im HSSW im Bereich des Ronne Troges verglichen mit den letzten Messungen aus den Jahren 1995 und 1998 zeigen, so lassen sich die aus den Modellen errechneten Ergebnisse besser in die Klimavorhersage einordnen und die zukünftig höhere Abschmelzraten des Schelfeises erklären. Eine höhere Schelfeisdynamik mit häufigeren Eisbergstrandungen und eine Erhöhung der Wassertemperatur werden erheblichen Einfluss auf die Artenvielfalt des südlichen Weddellmeeres haben. Deshalb ist die Messung der Ist-Situation in diesem Gebiet so wichtig, auch um eventuell zukünftige Veränderungen der Wassermassen einordnen zu können.

Zusammen mit den Schelfeis Verankerungen, die seit dem Jahr 2015 kontinuierlich an 4 Lokationen Daten aus der Schelfeis Kaverne des Filchner-Eisstroms übermitteln, können die von Polarstern gemessenen Stationen direkt vor der Schelfeiskante wichtige Erkenntnisse über die Physik und Biologie des Gesamtsystems geben.

PS97 Übersicht | 16. Februar - 8. April 2016

Die Expedition PS97 von Punta Arenas nach Punta Arenas

[15. Februar 2016] 

Der Fahrtabschnitt PS97 „Paläoozeangraphie der Drake Passage (PaleoDrake) wird am 16. Februar 2016 in Punta Arenas (Chile) beginnen und am 8. April 2016 wieder in Punta Arenas enden.


PS96 Wochenbericht Nr. 8 | 1. - 7. Februar 2016

Abschied von der Ostantarktis und Querung des Weddellmeeres

[10. Februar 2016] 

Nein - die vier Männer vom Drescher Inlet haben wir nicht überwintern lassen. Sie wurden samt Gerätschaften mit Hilfe der Helis letzte Woche an Bord geholt. Es war faszinierend zu sehen, wie sie mit dem typischen antarktischen Blick in den klaren Augen von ihren Arbeiten berichteten. Die Eindrücke sprudelten hervor wie aus einem aufgetauten Wasserfall.


PS96 Wochenbericht Nr. 7 | 25. - 31. Janauar 2016

Forschungsfinale

[01. Februar 2016] 

Jeder gute Spielfilm, Feuerwerk oder Symphonie enden mit einem Finale. Da zeigt nochmal jeder und alle zusammen, was sie können - so auch hier gegen Ende der Stationsarbeiten. Alle Geräte der Meeresforschung werden zu Wasser gelassen (nacheinander, nicht gleichzeitig!), die Komplexität der Einsätze und Technik und die Vielfalt der Ergebnisse muss man selbst erlebt haben um es nachvollziehen zu können. Nur einen Hauch von Eindruck können die ausgewählten Bilder mit unseren Berichten vermitteln.


PS96 Wochenbericht Nr. 6 | 18. - 24. Janauar 2016

Stationsarbeiten in Vielfalt - Wissenschaft vom Feinsten

[25. Januar 2016] 

An Deck steht seit Tagen eine riesige Holzkiste im Weg. Der entblätterte Inhalt präsentiert sich als Wetterstation, auszubringen auf einer soliden Eisscholle mit Satellitenverbindung in die Heimat. Wie alles, was wir auf Schollen ablegen - ohne Wiederkehr. Aber wie kommt es auf die Scholle?


PS96 Wochenbericht Nr. 5 | 11. - 17. Janauar 2016

Anfahrt durch die A23 Polynya zur Entladung am Ronne Depot

[21. Januar 2016] 

A23A: Das Filchner-Schelfeis hatte mal eine Spitze, die als das „Horn von Druzhnaya“ bezeichnet wurde - nach einer dort angesiedelten russischen Sommerstation. Das Horn brach 1986 in 3 Teile und driftete ab. Die zwei kleinen Eisberge (A22+A24) traten die Reise um die Antarktis an und sind mittlerweile zerbrochen. Der größere A23 strandete auf der Berkner Bank. Da liegt er immer noch, zur Identifikation mit einem Label versehen.


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