27. Oktober 2006: Alfred-Wegener-Institut verabschiedet langjährigen Verwaltungsdirektor
Nach insgesamt 23 Dienstjahren verlässt am 31. Oktober 2006 Dr. Rainer Paulenz das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Er war seit 1983 Leiter der Verwaltung und seit 1991 Verwaltungsdirektor des Institutes. Ab November tritt er das Amt des Kulturdezernenten der Stadt Bremerhaven an.

Fast die gesamte Aufbauphase des Alfred-Wegener-Instituts hat Rainer Paulenz begleitet und durch sein Wirken geprägt. Wichtige Meilensteine in seiner Amtszeit sind der Neubau an der Columbusstraße von 1983 bis 1986, die Eingliederung des Instituts für Meeresforschung 1986 und die Anbindung der Biologischen Anstalt Helgoland1998. Weiterhin hat er federführend den Aufbau der Forschungsstationen in der Arktis und Antarktis sowie 1992 die Eingliederung der Forschungsstelle Potsdam in das Alfred-Wegener-Institut geleitet. „Wenn das Alfred-Wegener-Institut jetzt auf 25 Jahre seiner Geschichte zurückblicken kann, so sind das fast 25 Jahre gemeinsam mit Dr. Rainer Paulenz. Er hat Großartiges geleistet und das Institut ist ihm zu großem Dank verpflichtet“, so Prof. Dr. Jörn Thiede, Direktor des Alfred-Wegener-Instituts.
Die Vereinbarung von Familie und Beruf lag Paulenz immer besonders am Herzen. So entstand auf seine Initiative hin im Jahr 2001 eine ganztägige Betreuungseinrichtung für Mitarbeiterkinder bis drei Jahren am Alfred-Wegener-Institut. 2006 wurde das Alfred-Wegener-Institut mit dem Audit Beruf und Familie für seine familienfreundliche Politik ausgezeichnet. Eine weitere Idee von Paulenz war die Entwicklung und Umsetzung eines Konzeptes zur Förderung des naturwissenschaftlichen Unterrichts an Bremerhavener Schulen. Insbesondere das kürzlich mit dem NaT-Working-Preis der Robert Bosch Stiftung ausgezeichnete Schulprojekt HIGHSEA ist seiner Initiative zu verdanken.
Bremerhaven, den 27. Oktober 2006
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18. Oktober 2006: Dem Klimawandel auf der Spur
Lehrer begleiten internationales Polarforschungsprojekt
Polarforschung auf faszinierende und unmittelbare Weise in der Schule miterleben zu können – dies ist das Ziel eines gemeinsamen Projekts des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Den Mittelpunkt des Vorhabens bildet das internationale Antarktis-Bohrprogramm ANDRILL (Antarctic Geologic Drilling, Geologisches Bohren in der Antarktis), das am 23. Oktober beginnt. Über 50 Wissenschaftler und Techniker aus Deutschland, den USA, Neuseeland und Italien werden bis Ende Dezember einen etwa 1200 Meter langen Sedimentkern aus dem Meeresboden unter dem Ross-Schelfeis erbohren.

Ziel des internationalen Forschungsprojektes ANDRILL ist es, das Klima der letzten 50 Millionen Jahre und dabei insbesondere die Ausdehnung des Schelfeises in den jeweiligen Kalt- und Warmzeiten zu rekonstruieren. Es gab in der Vergangenheit Phasen, in denen es auch in der Antarktis weitaus wärmer war als heute. „Nur wenn wir wissen, wie stark das Eis in der Antarktis damals zurückgegangen ist, können wir abschätzen, welche Auswirkungen der Klimawandel auf den Meeresspiegel in Zukunft haben wird“, erklärt Dr. Frank Niessen, Wissenschaftler am Alfred-Wegener-Institut und deutscher Vertreter im ANDRILL-Projektteam. Die aktuelle Polarforschung auch in den Schulunterricht zu integrieren, ist neben der wissenschaftlichen Erkenntnis ein zweites Ziel von ANDRILL.

Meeressedimente als Klimaarchiv
In den Sedimentschichten des Meeresbodens sind zahlreiche Informationen über die Klima- und Umweltbedingungen der letzten Jahrmillionen enthalten. Die Wissenschaftler können mit diesen Proben einen wesentlich größeren Zeitraum der antarktischen Klima- und Eisbedeckungsverhältnisse zurückverfolgen als es mit Eiskernen möglich ist. Wie hat sich das Eisschild der Antarktis gebildet? Wie groß war die maximale Ausdehnung des Eises in der Vergangenheit? Wann und warum war sie wesentlich kleiner als heute? Wenn man Temperatur und Eisbedeckung in einen Zusammenhang bringen kann, wird dies auch eine Vorhersage über das Ausmaß des Eisverlustes und damit des Meeresspiegelanstiegs durch den derzeitigen Klimawandel ermöglichen. Das Alfred-Wegener-Institut ist mit zwei Arbeitsgruppen vor Ort, um die physikalischen und chemischen Eigenschaften der Bohrkerne zu messen. „Besonders interessant wird es, wenn Ablagerungen erbohrt werden, die auf eine erheblich kleinere Ausdehnung des Schelfeises schließen lassen. Das eröffnet Einblicke in Situationen, wie wir sie in Zukunft mit wärmeren Klimabedingungen zu erwarten haben“, sagt Dr. Gerhard Kuhn vom Alfred-Wegener-Institut. Er wird die chemische Zusammensetzung des Sedimentkerns schon in der Antarktis analysieren.
Die Bohrung ist eine große technische Herausforderung. Zum ersten Mal in der Geschichte der Polarforschung wird ein Sedimentkern vom Schelfeis aus erbohrt. Als Schelfeis bezeichnet man das Eis, das zwar mit dem landgebundenen Eis verbunden ist aber auf dem Wasser schwimmt. Es ist an der geplanten Bohrstelle etwa 80 Meter dick. Dieses Eis muss zunächst geschmolzen werden, bevor der Bohrer bis zum etwa 900 Meter tiefen Meeresboden herabgelassen werden kann.
Von deutscher Seite wird das Projekt vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung finanziell unterstützt und koordiniert. Außerdem sind die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover sowie die Universitäten Jena und Göttingen beteiligt. ANDRILL ist eines von über 200 Forschungsprojekten, die im Rahmen des Internationalen Polarjahres 2007/2008 stattfinden. Die Wissenschaftler wollen mit dieser Initiative ihre Kräfte bündeln und in groß angelegten Messkampagnen und Feldarbeiten die klimasensiblen Polargebiete untersuchen. Die breite Öffentlichkeit in diesen Prozess mit einzubeziehen und über die bevorstehenden Veränderungen in unserer Umwelt zu informieren, ist dabei ein wichtiges Anliegen der Wissenschaft.
Forschung live ins Klassenzimmer
Neben dem rein wissenschaftlichen Aspekt verfolgt das Projekt aber auch noch ein weiteres Ziel: Die Bedeutung der Polarregionen im globalen Klimasystem der Öffentlichkeit und Schülern zu vermitteln. Im Rahmen des ARISE-Projekts (ANDRILL Research Immersion for Science Educators; Einbinden von Lehrern in das ANDRILL-Projekt) nehmen sechs Fachdidaktiker verschiedener Nationaliäten an dem Forschungsaufenthalt in der Antarktis teil. Von deutscher Seite ist Prof. Dr. Alexander Siegmund von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg mit dabei. Über eine eigens eingerichtete Homepage (http://www.andrill.org/iceberg) sollen die vielfältigen Aspekte der Polar- und Klimaforschung anschaulich vermittelt und aus der Antarktis aktuell über die Forschungsarbeiten berichtet werden.
In regelmäßigen Internet-Chats mit der Antarktis können sich Schulklassen live mit Alexander Siegmund über die Polarforschung und das Leben als Wissenschaftler an einer Forschungsstation austauschen. „Als Lehrer freue ich mich ganz besonders, meine Schülerinnen und Schüler hautnah an die Forschung heranführen zu können. Ich möchte die jungen Menschen für die Polargebiete begeistern und ihnen auf diese Weise die aktuellen Fragen des Klimawandels nahe bringen“, sagt Eberhard Kern, Geographie-Lehrer am Fürstenberg-Gymnasium in Donaueschingen.
Bremerhaven, den 18. Oktober 2006
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Ihre Ansprechpartner sind Dr. Frank Niessen (Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, E-Mail: fniessen@awi-bremerhaven.de) und Prof. Dr. Alexander Siegmund (Pädagogische Hochschule Heidelberg, E-Mail: polarforschung@ph-heidelberg.de). Ihre Ansprechpartnerin an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ist Alexandra Wolf (Tel: 06221-477-572, E-Mail: wolf@ph-heidelberg.de). Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Susanne Diederich (Tel. 0471-4831-1376; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de). Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter http://www.awi-bremerhaven.de/AWI/Presse/PM/index-d.html.
pdf-Datei mit schematischer Darstellung der Bohrstelle
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4. Oktober 2006: Erwärmung des Nordpolarmeers ungebrochen - Nördlichste Position für das neue Forschungsschiff Maria S. Merian
Nördlichste Position für das neue Forschungsschiff Maria S. Merian

Ende September kehrte „Maria S. Merian“ von ihrer zweiten Arktis-Expedition zurück. Mit im Gepäck sind Daten, die den Trend zur Erwärmung der Arktis weiter bestätigen.
„Das Wasser, das aus der Norwegensee in die Arktis strömt, ist diesen Sommer im Mittel um fast 0,8 Grad Celsius wärmer als im letzten Sommer,“ sagt Dr. Ursula Schauer vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, die Fahrtleiterin der Expedition. „Dabei waren die letzten zwei Jahre bereits wärmer als die 20 Jahre zuvor, in denen regelmäßige Messungen vorliegen. Über dem Yermakplateau, einem untermeerischen Rücken, haben die Ozeanographen gemessen, dass über 4 Grad Celsius warmes Wasser bis 81°20’ Nord vordringt,“ so Schauer. Biologen entdeckten während der Expedition Arten von tierischem Plankton aus der Norwegensee, die mit dem warmen Wasser bis in die nördlichen Breiten vorgedrungen waren, wo sie bislang nicht beobachtet wurden.

Einen Monat waren Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts, der Universität Bremen und des polnischen Instituts für Ozeanographie am Rand des Meereises zwischen Grönland und Spitzbergen dem warmen Wasser auf der Spur. In diesem Jahr war die Meereisgrenze weit im Norden. So erreichte „Maria S. Merian“ bei 81°20’N ihre bislang nördlichste Position.
In der Framstraße haben die Wissenschaftler ozeanographische und biologische Langzeituntersuchungen fortgeführt, die vor zehn Jahren begonnen wurden. Der in den letzten Jahrzehnten beobachtete Klimawandel ist in der Arktis besonders stark ausgeprägt. Die Ozeanographen arbeiten daran, die Rolle der Meere in diesem Prozess besser zu verstehen. Offene Fragen sind, wie viel Wärme durch den nördlichsten Ausläufer des warmen Nordatlantikstromes in die Arktis gepumpt wird und wie stark diese Wärmepumpe variiert. Dazu wird seit 1997 an einem aufwändigen Verankerungssystem in der Meerenge zwischen Grönland und Spitzbergen der Transport warmen, salzreichen Wassers aus dem Atlantik in die Arktis gemessen.
Die bisherigen Messungen haben gezeigt, dass es im vergangenen Jahrzehnt mehrere starke Wärmepulse gab. Aus der Kombination dieser und ähnlicher Daten wurde im Rahmen eines internationalen Programms erstmalig rekonstruiert, wie sich ein Wärmeschub aus dem Atlantik innerhalb von mehreren Jahren über das Europäische Nordmeer bis weit ins Innere der Arktis fortsetzt. Um die Zeitreihe fortzusetzen, haben die Wissenschaftler die in der Framstraße verankerten Geräte aufgenommen und durch neue ersetzt. Die automatisierten Langzeitmessungen werden durch Detailmessungen der momentanen Wassertemperatur überprüft und ergänzt.
DAMOCLES
Die Untersuchungen sind eingebunden in ein europäisches Forschungsprojekt, in dem die Langzeitentwicklung der Arktis durch Modellierung und Beobachtung untersucht wird (DAMOCLES – Developing Arctic Modeling and Observing Capabilities for Long-term Environmental Studies). Dabei steht das Zusammenspiel von Meereis, Atmosphäre und Ozean im Fokus. Ein Ziel des Projektes ist es, die potentiellen Auswirkungen des drastisch reduzierten Meereises auf das Klima und damit auf Umwelt und Mensch, sowohl regional als auch global, zu erforschen. Mehr Informationen zu DAMOCLES finden Sie im Internet:
www.damocles-eu.org
Maria Sybilla Merian
Das Eisrandforschungsschiff „Maria Sybilla Merian“ ist Eigentum des Landes Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch das Institut für Ostseeforschung Warnemünde (http://www.io-warnemuende.de/miscell/merian/). Die Leitstelle des Forschungsschiffs ist am Institut für Meereskunde der Universität Hamburg angesiedelt (http://www.ifm.uni-hamburg.de/).
Bremerhaven, den 4. Oktober 2006
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Hinweise für Redaktionen: Ihre Ansprechpartnerin ist Dr. Ursula Schauer (tel. 0471/4831-1817, E-Mail:uschauer@awi-bremerhaven.de) und in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471/4831-1742, E-Mail: medien@awi.de).
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28. September 2006: HIGHSEA als bestes Netzwerk ausgezeichnet - NaT-Working: Naturwissenschaften und Technik – Schüler, Lehrer und Wissenschaftler vernetzen sich

Der NaT-Working-Preis der Robert Bosch Stiftung wird am 28. September zum fünften Mal in Stuttgart verliehen. HIGHSEA (HIGH school of Science & Education @ the AWI), das Schulprojekt des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung wurde als bestes unter elf nominierten Projekten ausgezeichnet. Der NaT-Working-Preis ist mit insgesamt 90.000 € dotiert und verteilt sich mit 50.000 €, 30.000 € und 10.000 € auf die besten drei Projekte.
Der NaT-Working-Preis zeichnet exzellente Kooperationsprojekte zwischen Forschungseinrichtungen und Schulen aus, die es schaffen, Schüler für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern. Die Vermittlung von wissenschaftlichen Methoden ist dabei im Fokus der Ausschreibung. Neben diesen Kriterien gilt es auch, das langfristige Bestehen und die Finanzierung zu sichern oder gar die Projekte in der jeweiligen Institution organisatorisch zu verankern. Sicherung und Steigerung der Qualität sowie das „Wissen für alle zugänglich machen“ sind weitere Bedingungen, die es bei der Bewerbung für den NaT-Working-Preis zu erfüllen galt.

HIGHSEA wurde heute mit dem Nat-Working-Preis 2006 ausgezeichnet. Die Preissumme beläuft sich auf € 50.000, die ausschließlich dem Projekt und allen an der Initiative beteiligten Personen und Gruppen zugute kommen soll. Dr. Susanne Gatti und Kerstin von Engeln, Leiterinnen des Schulprojektes am Alfred-Wegener-Institut beantworten die Frage, wofür das Geld Verwendung finden wird: „Wir können zum Beispiel die nächste Expedition für die Schüler damit finanzieren. Vielleicht können wir aber auch eine kleine Stiftung gründen, deren Aufgabe in der langfristigen Finanzierung des Projekts liegt. “

HIGHSEA besteht mittlerweile seit fünf Jahren. Bereits zwei Jahrgänge haben erfolgreich ihr Abitur in Zusammenarbeit mit dem Alfred-Wegener-Institut abgeschlossen. Fächer übergreifender Unterricht in enger Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern des Hauses ist eines der Markenzeichen des Projekts: Teamteaching ohne festen Stundenplan und ohne Pausengong. Die erste Evaluierung untermauert die hervorragende Konzeption. Lassen wir die Beteiligten zu Wort kommen:
Der Verwaltungsdirektor des Alfred-Wegener-Instituts, Dr. Rainer Paulenz, der das Schulprojekt angestoßen und gefördert hat kommentiert: „Die Vergabe des NaT-Working-Preises an HIGHSEA bestätigt, dass es hier auf einzigartige Weise gelungen ist, Schule und Wissenschaft miteinander zu verknüpfen. Die bisher erzielten Ergebnisse sind hervorragend und die beteiligten Lehrer, Schüler und Wissenschaftler haben den Preis verdient.“
Peter Weinhold, Mathematiklehrer im Schulprojekt sagt: „Nach mehr als 30 Dienstjahren in der Schule kann ich feststellen, dass das AWI-Projekt HIGHSEA für mich die pädagogische, fachliche und kollegiale Erfüllung ist.“
Dr. Michael Schodlok, Ozeanograph am Alfred-Wegener-Institut stellt fest: „Für alle Beteiligten ist das Schulprojekt eine Win-Win Situation, wie man auf „Neu-Deutsch“ sagt, das heißt alle haben etwas davon. Die Schüler erleben spannenden und ungewöhnlichen Unterricht, der sich deutlich aus dem normalen Schulalltag hervorhebt. Als Wissenschaftler habe ich die Möglichkeit, Schüler für Naturwissenschaften zu begeistern und somit aktiv mit und an dem für uns so wichtigen Nachwuchs zu arbeiten.“
Lennard Türk, Schüler des vierten Jahrgangs bemerkt: „Im HIGHSEA Projekt erlebe ich wissenschaftliches Arbeiten und Teamgeist hautnah – es ist einzigartig, weil das an meiner normalen Schule nicht möglich ist. Alles in allem ist dieses Projekt das Beste, was mir als Schüler passieren konnte.“
Mehr Informationen zum Schulprojekt finden Sie im Internet:http://highsea.awi.de
Bremerhaven, den 28. September 2006
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Hinweis für Redaktionen: Ihre Ansprechpartnerin für das Schulprojekt ist Dr. Susanne Gatti (Tel. 0471/4831-1392, E-Mail: sgatti@awi-bremerhaven.de) und in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471/4831-1742, E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de). Weitere Bilder finden Sie auf unserer Homepage: highsea.awi.de
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Dr Susanne Gatti (links) und Kerstin von Engeln (rechts), die Leiterinnen des Schulprojektes HIGHSEA am Alfred-Wegener-Institut.

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HIGHSEA macht den ersten Platz bei der bundesweiten Verleihung des NaT-Working-Preises der Robert Bosch Stiftung.
21. September 2006: Mehr Platz für die Wissenschaft auf Helgoland
In knapp zwei-jähriger Bauzeit ist die ehemalige Marinekaserne auf dem Oberland von Helgoland zu Gästehäusern der Biologischen Anstalt Helgoland umgebaut worden. Die Gebäude dienen der Unterbringung von Mitarbeitern und Gastforschern und bieten Platz für über 50 Personen. Die neuen Gästehäuser werden am 25. September eingeweiht.

Deutschlands einzige Hochseeinsel Helgoland ist der artenreichste Ort in der südlichen Nordsee und jedes Jahr Anziehungspunkt für zahlreiche Meereswissenschaftler aus dem In- und Ausland. Ein Problem auf der Insel: Selbst für die rund 1600 Einwohner auf dem rund 1,7 Quadratkilometer großen Eiland steht kaum ausreichend Wohnraum zur Verfügung. Dies stellt auch für die zum Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung gehörende Biologische Anstalt Helgoland ein Problem dar. „Mehrere Forschungsprojekte scheiterten nicht zuletzt daran, dass für Wissenschaftler und ihre Familien keine geeigneten Wohnungen gefunden werden konnten“, so Prof. Dr. Karen Wiltshire, Direktorin der Biologischen Anstalt Helgoland. Von den neuen Gästehäusern verspricht sich die Meeresforscherin viel: „ Die Zahl unserer Gastwissenschaftler ist in den letzten Jahren beachtlich angestiegen und vor allem Familien können nun sehr viel schneller und besser untergebracht werden“, freut sich Wiltshire.

Die neuen Gästehäuser auf dem Helgoländer Oberland bieten Platz für über 50 Personen. In insgesamt 13 Wohnungen und 8 Wohngemeinschaften können Mitarbeiter, Gastforscher, Projektmitarbeiter und Nachwuchswisssenschaftler angemessen untergebracht werden. Allen Mitarbeitern und Bewohnern steht in einem der Gebäude ein großer Gemeinschaftsraum zur Verfügung. Durch entsprechende Technik kann dieser auch als Tagungsraum und für öffentliche Veranstaltungen genutzt werden.
Die Biologische Anstalt Helgoland gehört seit 1998 zum Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Schwerpunkt der Forschung auf Helgoland ist die Bedeutung der Artenvielfalt für die Funktion küstennaher Ökosysteme. Als größter Arbeitgeber auf der Insel trägt die Biologische Anstalt Helgoland mit bis zu 2300 Übernachtungen im Jahr wesentlich zur Inselwirtschaft bei.
Die Einweihung der Gästehäuser am Montag, den 25. September, beginnt um 11:30 Uhr in der Gätkestraße auf Helgoland.
Bremerhaven, den 21. September 2006
Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg Hinweise für Redaktionen: Ihre Ansprechpartnerin an der Biologischen Anstalt Helgoland ist Christine Grauel (Tel. 04725/819-232; E-Mail: cgrauel@awi-bremerhaven.de). Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Ude Cieluch (Tel. 0471/4831-2008; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de).
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19. September 2006: Wettlauf gegen das Aussterben
Können sich Meeresbewohner an versauernde Meere anpassen?

Eine stärkere Einbeziehung evolutionärer Anpassungen in Prognosemodelle fordert eine internationale Forschergruppe unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung. Bei schalenbildenden Meeresalgen verglichen sie Laborexperimente mit Fossilfunden. Während die nur wenige tausendstel Millimeter großen Einzeller aus der Gruppe der Coccolithophoriden bei Zucht in unterschiedlich saurem Meerwasser Missbildungen des Kalkskeletts zeigten, wiesen Fossilfunde dieser Arten aus Perioden verschiedener Kohlendioxidkonzentrationen intakte Skelette auf. Die Forscher schließen daraus, dass die Organismen sich stärker an wandelnde Umweltbedingungen anpassen können als in bisherigen Vorhersagen berücksichtigt.

Treibhausgase in den Meeren erschweren Wachstum
Nahezu die Hälfte des durch Verbrennung von fossilen Energieträgern freigesetzten Kohlendioxids wird von den Ozeanen wieder aufgenommen. Dadurch werden die Meere stetig saurer, was wiederum den Organismen den Aufbau ihrer Kalkskelette erschwert. Eine Bedrohung der Überlebensfähigkeit durch Versauerung der Meere wurde in den vergangenen Jahren bereits für Meerestiere wie Korallen oder Schnecken festgestellt. Laboruntersuchungen an den Coccolithophoriden genannten winzigen Meeresalgen zeigten nun ähnliche Ergebnisse. „In Laborversuchen stellten wir fest, dass eine der beiden untersuchten Arten bei verminderten oder erhöhten Kohlendioxid-Konzentrationen im Meerwasser weniger Kalk bilden konnte “, erklärt der Biologe Gerald Langer vom Alfred-Wegener-Institut. "Zusätzlich zur verringerten Kalkbildung treten Missbildungen bei den Kalkskeletten der Coccolithophoriden auf."
Wichtige Winzlinge
Coccolithophoriden zählen aufgrund ihres zahlreichen Auftretens zu den bedeutendsten Primärproduzenten in den Weltmeeren und stehen an der Basis der Nahrungsketten. Durch ihr massenhaftes Auftreten in den Meeren beeinflussen Coccolithophoriden den globalen Kohlenstoffkreislauf und das globale Wetter- und Klimasystem, ein Ausfall dieser Organismen aufgrund Versauerung der Meere hätte tiefgreifende Folgen.

Wettlauf der Evolution
Ein Aussterben ist aber nicht zwangsläufig zu erwarten. Dies schließen die Forscher aus Gesteinsablagerungen, die zu fast hundert Prozent aus Kalkalgen bestehen, zum Beispiel die Kreidefelsen von Rügen. "Die Coccolithophoriden in den Kreidefelsen wurden unter zum Teil deutlich höherem Kohlendioxidgehalt im Meer abgelagert. Baufehler, wie wir sie in unseren Laborversuchen fanden waren bei den fossilen Kalkskeletten nicht festzustellen", erläutert Markus Geisen vom Alfred-Wegener-Institut. "Auch in Sedimentproben der letzten Eiszeit - mit niedrigeren Kohlendioxidwerten als heute – weisen die gleichen Arten wie die von uns im Labor getesteten keine Skelettdeformationen auf."
Der Widerspruch zwischen Laboruntersuchungen und Fossilbefunden erklärt sich aus Sicht der Wissenschaftler durch die evolutionäre Wandlungsfähigkeit der Arten. Umweltbedingungen sind auch ohne menschlichen Einfluss einem steten Wandel unterworfen, an den sich die Organismen anpassen müssen um nicht auszusterben. "In der Vergangenheit konnten sich Coccolithophoriden an veränderte Kohlendioxidkonzentrationen anpassen. Warum sollten sie es nicht auch in Zukunft können? Allerdings brauchen sie dazu etwas Zeit", meint Gerald Langer. Wieviel Zeit zu solchen Anpassungen benötigt wird, wollen die Forscher als nächsten Schritt bei Coccolithophoriden und anderen schalentragenden Meeresbewohnern untersuchen. Einig sind sie sich schon jetzt, dass evolutionäre Anpassungsprozesse bisher nicht ausreichend in den Vorhersagen zu Folgen des Klimawandels berücksichtigt werden.
Die Ergebnisse der Arbeiten, an denen neben dem Alfred-Wegener-Institut auch Wissenschaftler aus dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM Geomar in Kiel und dem Natural History Museum in London beteiligt waren, werden in Kürze im Fachblatt Geochemistry, Geophysics, and Geosystems veröffentlicht.
Bremerhaven, den 19. September 2006
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8. September 2006: Faszination Meeresforschung – ein ökologisches Lesebuch

„Wissenschaft verständlich dargestellt und schön verpackt“ - ist ein Markenzeichen von Stadt der Wissenschaft Bremen/Bremerhaven. Das jetzt im Bremer Hauschildverlag erschienene Buch „Faszination Meeresforschung“ wird am Donnerstag, den 14. September um 13:00 Uhr im Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven dem Fachpublikum vorgestellt. Die Präsentation findet im Beisein von Herausgebern und Autoren im Gebäude an der Columbusstraße statt. Sigrid Schiel, eine der Herausgeberinnen, wird live aus der Antarktis vom Forschungseisbrecher Polarstern zugeschaltet.

Dieses Lesebuch ist kein systematisch aufgebautes Lehrbuch, sondern ein bunter Strauß von gut verständlichen Texten und schönen Illustrationen. Die großen Lebensräume und ihre Bewohner stellen den ersten Hauptteil des Buches. Vom Strand bis in die Tiefsee, von den eisbedeckten Polarmeeren bis in die Tropen wird der Leser mitgenommen. Von Walen, Schildkröten, Krill, Schlangensternen, Kieselalgen und Bakterien ist die Rede. Der zweite Hauptteil steht unter der Überschrift „Meer und Mensch“, der die vielfältigen Eingriffe in die marinen Lebensgemeinschaften behandelt. Das Buch richtet sich an alle, die sich für das Meer und seine Bewohner interessieren, die mehr über die Veränderung der marinen Lebensräume in Zeiten des globalen Klimawandels und über die Arbeit der Meeresforscher erfahren möchten.

Im Vorwort schreibt Prof. Dr. Joachim Treusch, Sprecher der bundesweiten Initiative „Wissenschaft im Dialog“: „Als Laie – und das sind nun einmal auch die meisten Wissenschaftler in den Gebieten, die nicht die ihren sind – bin ich begeistert von der Vielfalt und Breite dessen, was sich hinter dem Titel des Buches verbirgt. Die zum Teil bizarre Schönheit der Lebensformen in den Tiefen und an den Küsten der Ozeane, das fein austarierte Gleichgewicht des marinen Kohlenstoffkreislaufes, das Meer als Nahrungsquelle einer immer noch wachsenden Menschheit, heiße Quellen am Ozeangrund und das „coole Leben“ in der Arktis – kurz ein spannendes Lesebuch, höchst anregend geschrieben und gleichzeitig wissenschaftlich fundiert.“

„Achtzig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden sich schnell bereit, Übersichtsaufsätze und kurze Einzelbeiträge über ihr Forschungsgebiet zu schreiben, und die Zusammenarbeit mit dem Verlag war sehr anregend“, berichtet Prof. Dr. Gotthilf Hempel, einer der Herausgeber und Initiator des Buchprojektes. „Auch technisch ist das Buch made in Bremen“, schreibt Henning Scherf in seinem Grußwort. Der Verlag Hauschild hat den 460 Seiten starken, reich bebilderten Band zu einem Schmuckstück gemacht. Das Alfred-Wegener-Institut hat ein Drittel der Auflage gekauft, um sie im Rahmen seiner Kooperationsprojekte gezielt an Leistungskurse der Oberschulen zu verteilen. Im Rahmen der 124. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) in Bremen haben die Heräus-Stiftung, die Robert-Bosch-Stiftung und die Studienstiftung des Deutschen Volkes 220 Schüler, Lehrer und Doktoranden eingeladen. Diesen Stipendiaten schenken das Alfred-Wegener-Institut und der Verlag gemeinsam je ein Exemplar des Buches als Andenken an ihren Besuch im marinen Wissenschaftsstandort Bremen/Bremerhaven. Die ersten Exemplare werden bei der Buchpräsentation durch Dr. Rainer Paulenz, Verwaltungsdirektor des Alfred-Wegener-Instituts, und Friedrich Steinmeyer vom Hauschild-Verlag in Gegenwart des Generalsekretärs der GDNÄ, Professor Jörg Stetter, an drei Stipendiaten überreicht.
Angaben zum Buch
Gotthilf Hempel, Irmtraut Hempel, Sigrid Schiel (Herausgeber): Faszination Meeresforschung – Ein ökologisches Lesebuch, 2006, 464 Seiten, Format 21 x 24 cm, Hardcover farbig, 383 Abbildungen, davon 332 farbig; Verlag H. M. Hauschild GmbH, Bremen; € 39,50. ISBN 3-89757-310-5.
Bremerhaven, den 8. September 2006
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Titel w
"Faszination Meeresforschung – ein ökologisches Meeresbuch", von Gotthilf Hempel, Irmtraud Hempel, Siegrid Schiel (Herausbegebr), 2006.

Fronti w
Papiernautilus (Argonatuta argo), Mitte: Steck- oder Seidenmuschel (Pinna rudis), unten: Europäische Auster (Ostrea edulis). Aus F.J. Bertuch: Bilderbuch für Kinder, Weimar 1801

S.28 w
Lebenszyklus mit saisonaler, ontogenetischer Vertikalwanderung des antarktischen Copepoden Calanoides acutus. Abb4. S 28 im Buch.
7. September 2006: EISTAGE – Expeditionsmalerei an Bord von Polarstern

Vom 16. September bis 29. Oktober zeigt das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung die Ausstellung EISTAGE im Historischen Museum Bremerhaven. Der Künstler Gerhard Rießbeck begleitete Anfang 2005 eine elfwöchige Expedition in die Antarktis. In seinem improvisierten Atelier an Bord des Eisbrechers „Polarstern“ dokumentierte Rießbeck jeden Tag mit einem Bild. Die 77 kleinformatigen Ölgemälde sind nun zusammen mit einigen größeren Kompositionen, die nach der Rückkehr aus dem Eis entstanden sind, in Bremerhaven zu sehen.

Neben Wissenschaftlern aus aller Welt ermöglicht das Alfred-Wegener-Institut auch hin und wieder Künstlern, an Bord des Forschungseisbrechers „Polarstern“ zu arbeiten. Im Januar 2005 nutzte der Maler Gerhard Rießbeck aus Bad Windesheim bei Nürnberg diese Gelegenheit. Auf einer elfwöchigen Expedition in die Antarktis dokumentierte er jeden Tag der Fahrt mit einem Bild. Dadurch entstand ein visueller Reisebericht, der die Tradition der Expeditionsmalerei mit konzeptueller Malerei heutiger Zeit verbindet. „Künstlerisches Arbeiten an Bord eines Forschungsschiffes ist eine besondere Herausforderung: Sowohl der Blick auf die überwältigende Öde der menschenfeindlichen Natur als auch der Einblick in die aufreibende, akribische Tätigkeit der Forscher an Bord haben mich tief beeindruckt“, so Rießbeck.
Wie der 42-jährige Künstler seine Polarfahrt erlebt hat, ist jetzt in der Ausstellung EISTAGE im Historischen Museum (Morgenstern-Museum) in Bremerhaven zu sehen. Der Künstler zeigt dem Betrachter nicht nur die spektakuläre antarktische Natur, sondern gibt mit seinen „Forscher“-Bildern auch einen Eindruck von der existentiellen Verlassenheit des Menschen angesichts dieser eisigen Umgebung. Dick vermummt in leuchtender Schutzkleidung stehen sie in Schnee und Eis und scheinen sich nicht nur vor der Kälte, sondern auch vor den Blicken des Betrachters zu schützen. „Dieser umfangreiche Bilderzyklus übt auf den Betrachter eine beinahe magische Faszination aus“, so Dr. Alfred Kube, Direktor des Historischen Museums Bremerhaven. „Ich freue mich über die erneute Kooperationsausstellung mit dem Alfred-Wegener-Institut.“

Schon immer haben Künstler Forschungsfahrten und Expeditionen in unbekannte Gebiete begleitet und den Daheimgebliebenen auf ihre Art und Weise - sei es durch Malerei, Bildhauerei, Dichtung oder Prosa - von der Ferne berichtet. Das Alfred-Wegener-Institut greift diese Tradition auf und lässt Künstler aktiv an der Wissenschaft teilnehmen. Der Künstler wird so zum Vermittler zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit.
Bremerhaven, den 07. September 2006
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Der Künstler steht am 15. September um 11 Uhr im Historischen Museum Bremerhaven für Pressegespräche zur Verfügung.
Zur Ausstellungseröffnung am 15. September um 18 Uhr sind Vertreter der Presse im Historischen Museum Bremerhaven willkommen. Der Ozeanograph und Expeditionsleiter Dr. Eberhard Fahrbach sowie der Historiker Dr. Reinhard A. Krause, beide Alfred-Wegener-Institut, werden sich im Ausstellungsgespräch mit dem Künstler über Forschung und Expeditionsmalerei unterhalten.
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Der Maler Gerhard Rießbeck in seinem Atellier an Bord des eisbrechenden Forschungsschiffes Polarstern.

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"Forscher mit Fahne", 2004/2005, Öl auf Leinwand, 200 x 200, von Gerhard Rießbeck
22. August 2006: Tagung der deutschen Algenforscher auf Helgoland

Vom 28. bis 31. August treffen sich 80 Algenforscher zur elften Tagung der Sektion Phykologie (Algenkunde) der Deutschen Botanischen Gesellschaft auf der Hochseeinsel Helgoland. Die Biologische Anstalt Helgoland bietet schon zum zweiten Mal Raum für das alle zwei Jahre stattfindende Treffen. Erstmals wird in diesem Jahr die „Hans-Adolf-von-Stosch-Medaille“ verliehen. Preisträger ist Professor Dr. Ludwig Kies aus Hamburg. Die besten Vortragenden unter den Nachwuchswissenschaftlern werden mit dem „Pringsheim-Preis“ und dem Förderpreis der Sektion gewürdigt.

Algen leben im Süß- und Salzwasser, am Boden und in der Luft. Im Wasser bilden sie als frei schwebende einzellige Organismen das pflanzliche Plankton. Sie bauen aus Nährstoffen Biomasse auf (Primärproduktion) und stehen an erster Stelle der Nahrungskette. Auch die Gewässerböden werden hauptsächlich von Algen besiedelt. Besonders groß sind die Braunalgen, die ausgedehnte Tangwälder in den Küstenbereichen der Meere ausbilden. Als Luftalgen besiedeln sie Waldböden, Baumstämme und sogar Gebäude.
Seit Jahrhunderten werden Algen für die menschliche Ernährung, als Viehfutter sowie als Düngemittel verwendet. Von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind die Baustoffe der Zellwände von Braun- und Rotalgen. Durch ihre Fähigkeit Wasser zu binden finden die so genannten Phykokolloide als Gelier- und Dickungsmittel Anwendung. In Form von Agar, Agarose und Carrageen sind sie in unseren Lebensmitteln und Anti-Falten-Cremes zu finden.

Die Vortragsthemen der diesjährigen Phykologen-Tagung behandeln aktuelle Forschungsergebnisse über die verschiedenen Algengruppen, ihre Fortpflanzung, ihre Inhaltsstoffe, die Reaktionen auf veränderte Umweltbedingungen, ihre genetische Information und ihre Namensgebung.
Die Sektionstagung dient auch als Forum für junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, um ihre Ergebnisse dem interessierten Fachpublikum vorzustellen. Während der diesjährigen Tagung präsentieren 23 Doktorandinnen und Doktoranden, sowie 15 Studierende ihre Arbeiten. Die besten Vorträge hinsichtlich Qualität, Inhalt und Stil werden mit dem „Pringsheim-Preis“ und dem „Förderpreis der Sektion Phykologie“ gewürdigt, die jeweils mit 250 Euro dotiert sind.
Hans-Adolf-von-Stosch-Medaille
Ein besonderes Ereignis auf der diesjährigen Tagung ist die erstmalige Verleihung der „Hans-Adolf-von-Stosch-Medaille“. Der Preisträger, Professor Dr. Ludwig Kies, hat 1982 die Gründung der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Phykologen angeregt und 1984 das erste phykologische Symposium auf einer Botanikertagung organisiert. Daraufhin wurde die Sektion in der Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG, e.V.) etabliert, dessen erster Sprecher Ludwig Kies war. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Professor an der Universität Hamburg untersuchte er die Wechselwirkungen zwischen physikalisch-chemischen und biologischen Prozessen in der Tide-Elbe und ihre Auswirkungen auf die Primärproduktion von Algen. Die Verleihung der „Hans-Adolf-von-Stosch-Medaille“ findet am 29. August 2006 um 20 Uhr in festlichem Rahmen im Gemeindehaus der Sankt Nicolaus-Kirche auf Helgoland statt.
Mehr Informationen zur Sektion Phykologie in der Deutschen Botanischen Gesellschaft, sowie das Tagungsprogramm finden Sie unter: http://www.dbg-phykologie.de/
Bremerhaven, den 21. August 2006
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Hinweise für Redaktionen
Vertreter der Presse sind zu den Vorträgen und der Preisverleihung willkommen. Ihr Ansprechpartner ist Prof. Dr. Christian Wiencke (Tel. 0471 / 4831-1338; E-Mail: cwiencke@awi-bremerhaven.de). Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Susanne Diederich (Tel. 0471 / 4831-1376; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de).
Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.
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Grünalgen auf Schlick
Das rasche Wachstum der Grünalgen auf dem Schlick des Sylter Königshafens wird durch Ermittlung des Bedeckungsgrades quantifiziert.
18. August 2006: Bremerhavener Firmen mit dem Bau der neuen deutschen Antarktisstation beauftragt

Die Bietergemeinschaft der Firmen J. Heinr. Kramer und KAEFER aus Bremerhaven hat den Zuschlag für den Bau der Forschungsstation Neumayer III des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung erhalten. Sie hatte das beste Angebot abgegeben. Die voraussichtlich im antarktischen Sommer 2008/2009 in Betrieb gehende Forschungsbasis ersetzt die bisherige Neumayer-Station. Diese wird dann das Ende ihrer Betriebszeit erreicht haben. Eine innovative, vom Alfred-Wegener-Institut patentierte Bauweise mit hydraulischen Stelzen ermöglicht es, dass die neue Station dauerhaft auf dem Eis stehen kann.

Der Bau einer neuen Antarktisstation wurde notwendig, da die seit 1991 betriebene derzeitige Neumayer-Station durch den ständigen Schneefall immer tiefer im Eis verschwindet und damit das Ende ihrer Haltbarkeit erreicht. Die Station liegt mittlerweile unter einer zwölf Meter dicken Schnee- und Eisschicht und wird durch den Druck deformiert. Das Auftragsvolumen für den Bau der neuen Forschungsstation beträgt rund 21 Millionen Euro. Neumayer III wird in Bremerhaven gebaut und in allen wichtigen Komponenten auf Funktion getestet. In Einzelteile zerlegt wird die Station dann per Frachtschiff in die Antarktis transportiert. Baubeginn in der Antarktis ist für die dortige Sommersaison 2007/08 geplant. In der darauf folgenden Saison 2008/09 soll die Station dann fertig gestellt und in Betrieb genommen werden.
„Das im Wettbewerb abgegebene, überzeugende Angebot der Firmen Kramer und KAEFER ist ein hervorragendes Beispiel für die Leistungsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Bremerhaven“, sagt Rainer Paulenz, Verwaltungsdirektor des Alfred-Wegener-Instituts. „Ganz sicher wird der Bau der neuen deutschen Antarktisstation von der räumlichen Nähe zwischen dem Institut und den Auftragnehmern sowie von der Erfahrung der Firma Kramer aus dem Bau von Neumayer II profitieren.“

Seit 1981 betreibt das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung ganzjährig besetzte Forschungsstationen in der Antarktis. Die in den Observatorien für Geophysik, Meteorologie und Luftchemie gewonnenen Langzeitdaten sind von großer Bedeutung für die globale Umweltforschung und die Klimaforschung. Zudem dient die Station als Basis für Expeditionen auf das Inlandeis. Im antarktischen Sommer sind bis zu sechzig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Nationen und Fachbereichen gleichzeitig an der Station tätig.

Da die Forschungsstation mit Schiffen versorgt wird, befindet sie sich in relativer Nähe zur Eiskante auf dem Schelfeis. Diese Position stellt hohe Anforderungen an die Konstruktion der Gebäude. Zum einen fließt das Schelfeis ähnlich einem Gletscher dem Meer entgegen. Dabei bewegt sich das Eis überall unterschiedlich schnell, so dass Scherkräfte auf das Fundament wirken. Außerdem werden etwa achtzig Zentimeter Schnee pro Jahr neu aufgelagert. Hinzu kommen niedrige Temperaturen von bis zu minus 47 Grad Celsius und starke Winde, die zu Schneeverwehungen führen. Bislang wurden die meisten Forschungsstationen deshalb unter dem Eis angelegt. Bei Neumayer III werden nun erstmalig hydraulisch bewegliche Stelzen verwendet, die das Gebäude tragen. Diese gewährleisten, dass die neue Forschungsstation angehoben werden kann und somit immer den gleichen Abstand zur Eisoberfläche hat. Ingo Kramer, Inhaber der Firma J. Heinr. Kramer, sagt zu den Herausforderungen, die mit dem Bau verbunden sind: „Wir sind stolz darauf, dass wir unsere technische Kompetenz und Erfahrung aus antarktischen Regionen für dieses weltweit einmalige und anspruchsvolle Bauprojekt erneut zur Verfügung stellen können.“ Auch Manfred Borowsky, Leiter des Standorts Bremerhaven der KAEFER Isoliertechnik GmbH & Co. KG, ist sicher, dass die Bietergemeinschaft den Anforderungen gewachsen ist: „Anspruchsvolle Großprojekte wie der Bau von Neumayer III sind bei unseren Experten aus Bau, Schiffbau und Offshore in den richtigen Händen.“
Voraussichtliche technische Daten der Antarktisstation Neumayer III:
Länge: 68 m
Breite: 25 m
Höhe: 28 m
Höhe über dem Schneegrund: 6 m
Eisdicke unter der Station: 240 m
Gesamtgewicht: 2600 t
Nutzfläche Gebäude: 1900 m2
Energieversorgung: Dieselgeneratoren, Windkraftanlage
Betriebsdauer: 25 Jahre
Hinweise für Redaktionen:
Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Susanne Diederich (Tel: 0471 4831-1376, E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de), in der Logistik Dr. Saad El Dine El Naggar (Tel: 0471 4831-1193, E-Mail: selnaggar@awi-bremerhaven.de). Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter
www.awi-bremerhaven.de/AWI/Presse/PM/index-d.html.
Sobald wichtige Komponenten der Neumayer-Station in Bremerhaven getestet werden, wird die Presse Gelegenheit bekommen, sich ausführlich über den Baufortschritt zu informieren. Dies wird voraussichtlich ab Frühjahr 2007 der Fall sein.
Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.
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Handleine hochsetzen
Vor dem Sturm wird eine Handleine zur Schneeschmelze gespannt. Personen: NN, Hans-Peter Hennig, Harald Schartl

Fahrzeughalle auf der Neumayer-Station
de: Aussägen von Schnee im Verbindungsgang zur Fahrzeughalle, die Decke senkt sich langsam unter der Schneelast ab
14. August 2006: Entschlüsselung von Genen für Kälteresistenz

Erstmals wird das Erbgut eines höheren Einzellers aus den Polarregionen entschlüsselt – das der Kieselalge Fragilariopsis cylindrus. Diese Kieselalge kommt sowohl in arktischen als auch in antarktischen Gewässern vor. Das internationale Projekt findet unter der Leitung der University of Washington, Seattle, USA statt. Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung beteiligt sich zusammen mit der Ecole Normale Supérieure in Paris an der Kultivierung der Alge und Auswertung der Daten. Die Forscher versprechen sich von der Sequenzierung, die Gene zu entschlüsseln, die die Eigenschaften zur Anpassung an die extremen Umweltbedingungen in den Polargebieten enthalten.

Kieselalgen oder Diatomeen sind mikroskopisch kleine, einzellige Algen, die in allen Gewässern leben. Sie sind in Süß- und Meerwasser und sogar im Meereis zu finden. Diese winzigen Organismen bauen aus Nährstoffen Biomasse auf, binden dabei Kohlenstoff und setzen Sauerstoff frei. Diesen Prozess versteht man als Primärproduktion. Mit bis zu 20 Prozent trägt die Gruppe der Kieselalgen einen erheblichen Anteil zu globalen Primärproduktion bei, in etwa vergleichbar mit der Menge, die alle Regenwälder zusammen produzieren. Um in den Polargebieten zu existieren, müssen Lebewesen an die dort herrschenden Umweltbedingungen angepasst sein. Das Meereis ist ein Ort mit extremen Bedingungen. Diatomeen besiedeln dort die Kanäle, die beim Gefrieren von Meerwasser entstehen. Hier gibt es Temperaturen bis minus 30 Grad Celsius, Salzgehalte bis zur vierfachen Meerwasserkonzentration und nur sehr wenig Licht. Trotz dieser scheinbar lebensfeindlichen Bedingungen hat sich eine sehr erfolgreiche Eispopulation gebildet, zu der auch die Kieselalgen-Gattung Fragilariopsis gehört. Das Alfred-Wegener-Institut (AWI) untersucht deshalb mehrere Vertreter dieser Gattung.
Kleine Algen mit großer Bedeutung
Fragilariopsis cylindrus kommt sowohl im offenen Wasser als auch im Meereis vor und steht am Anfang der Nahrungskette. Sie ist im Nordpolarmeer und in den Gewässern der Antarktis verbreitet. Im Meereis bilden Diatomeen große Biomassen mit bis zu 1000-fach höherer Chlorophyll-Konzentration als im offenen Wasser. Diese Population speist das gesamte Ökosystem Polarmeer, wenn im Frühjahr die Primärproduktion mit der Rückkehr des Sonnenlichts ansteigt. Wenn sich die Ausdehnung und die Dicke des Meereises durch Klimaveränderungen verringert, kann dies daher weit reichende Folgen für das gesamte Ökosystem haben. Durch die große Bedeutung von F. cylindrus in polaren Ökosystemen entschied das Joint Genome Institut (JGI) des Department of Energy (DOE) in den USA, diese Kieselalge zu sequenzieren. Der Initiator und Koordinator dieses Projektes ist der ehemalige AWI-Mitarbeiter Dr. Thomas Mock (Universitiy of Washington, Seattle, USA).

Gene – Genom – Genomforschung
Gene sind Träger der Erbinformation. Sie sind in Desoxyribonukleinsäuren (DNS) gespeichert, die im Zellkern jedes Organismus existieren. Gene sind Abschnitte der DNS, die für ein bestimmtes Merkmal verantwortlich sind. Einige Anpassungsmechanismen an die Extrembedingungen in den Polargebieten sind bereits erforscht, aber die Gene, die für diese Eigenschaften verantwortlich sind, kennt man noch nicht. Ziel des Projektes ist es, das vollständige Genom der polaren Kieselalge Fragilariopsis cylindrus zu entschlüsseln. Durch den Vergleich mit Genomen von Diatomeen aus den gemäßigten Breiten (Thalassiosira pseudonana, Phaeodactylum tricornutum) hoffen die Wissenschaftler, die Gene zu identifizieren, die für die Anpassung an die Extrembedingungen in Arktis und Antarktis nötig sind. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts sind außerdem an der Sequenzierung eines Eisbakteriums, der ersten Braunalge und der ersten Rotalge beteiligt. Das Genomprojekt mit Fragilariopsis cylindrus ist eingebunden in das Community Sequencing Program (CSP) des JGI. Weitere Projektpartner sind Prof. E. Virginia Armbrust und Dr. Micaela Parker von der University of Washington, sowie Prof. Chris Bowler an der Ecole Normale Supérieure (ENS) in Paris und Dr. Klaus Valentin vom Alfred-Wegener-Institut.
Mehr Informationen zum Genomprojekt Fragilariopsis cylindrus finden Sie unter: http://www.jgi.doe.gov/sequencing/why/CSP2007/fragilariopsis.html
Die Arbeitsgruppe an der University of Washington finden Sie unter:
http://www.ocean.washington.edu/people/faculty/armbrust/armbrust.html
Die Arbeitsgruppe in Paris finden Sie unter:
http://www.biologie.ens.fr/bmd/
Bremerhaven, den 14. August 2006
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Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner ist Dr. Thomas Mock (E-Mail: mockt(at)u.washington.edu, Tel. +1 206 221 7228). Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Jens Kube (Tel. 0471 / 4831-2007; E-Mail: medien(at)awi-bremerhaven.de).
Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.
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Antarktische Kieselalge
Elektronenmikroskopische Aufnahme der Kieselalge Fragilariopsis cyl.
28. Juli 2006: Kosmischer Staub in irdischem Eis

Seit 30.000 Jahren prasseln konstant kosmische Staubpartikel auf die Erde nieder. Zu diesem Ergebnis kommen zwei Wissenschaftler vom Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University in New York (L-DEO) und vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. Dazu untersuchten sie erstmals an einem antarktischen Eiskern den Gehalt des seltenen Helium-Isotops 3He in kosmischem Staub. Sie zeigen, dass dessen 3He-Konzentration um mehr als den Faktor 5000 gegenüber terrestrischem Staub angereichert ist. Messungen des auf der Erde sehr viel häufigeren Helium-Isotops 4He weisen außerdem darauf hin, dass sich die Quellen des terrestrischen Staubs im antarktischen Eis zwischen der letzten Eiszeit und unserer heutigen Warmzeit geändert haben müssen.

Im Wissenschaftsmagazin Science präsentieren die beiden Forscher zum ersten Mal zeitlich hoch aufgelöste Messungen des 3He- und 4He-Flusses von interplanetaren und terrestrischen Staubpartikeln, die im Schnee der Antarktis und daraus entstehenden Schichtungen des antarktischen Eisschildes gespeichert wurden. Heutige Abschätzungen zeigen, dass pro Jahr ca. 40.000 Tonnen extraterrestrischen Materials auf die Erde treffen. „Der kosmische Staub wird auf seinem Weg durch den interplanetaren Raum vom Sonnenwind mit Helium-Atomen aufgeladen. Dabei kommt es zu einer starken Anreicherung des auf der Erde seltenen Isotops 3He“, erläutert Dr. Hubertus Fischer, Leiter des Forschungsprogramms „Neue Schlüssel zu polaren Klimaarchiven“ am Alfred-Wegener-Institut. „Kosmische Staubpartikel mit einer Größe von wenigen Mikrometern überdauern den Eintritt in die Erdatmosphäre und transportieren ihre Heliumfracht unverändert zur Erdoberfläche.“ Mit der hohen zeitlichen Auflösung, wie man sie nur in Eiskernen erreicht, konnten nun erstmals die zeitlichen Variationen des Flusses von Helium zwischen Eis- und Warmzeiten sowie das typische Verhältnis von 3He und 4He dieser exotischen Partikel bestimmt werden. Die Ergebnisse dürften weit reichende Konsequenzen für die Interpretation von hoch aufgelösten Klimaarchiven in Eiskernen, Ozean- und Seesedimenten haben.

Die Heliumisotopen-Methode hat aber noch mehr zu bieten. Das Verhältnis von 4He in terrestrischem Staub zur gesamten Staubkonzentration zeigt große Unterschiede zwischen der letzten Eiszeit und unserer heutigen Warmzeit. „Der terrestrische Staub, der in der Eiszeit in der Antarktis niederging, ist offensichtlich nicht der gleiche wie in der Warmzeit. Entweder ändern sich die Quellgebiete des Mineralstaubs, oder die Verwitterungsprozesse, die für die Staubproduktion verantwortlich sind, variieren mit dem Eiszeitzyklus“, erklärt Dr. Gisela Winckler, Leiterin der Arbeitsgruppe „Isotope Tracers and Constant Flux Proxies“ am L-DEO.
EPICA
Die Daten wurden im Rahmen des European Project for Ice Coring in Antarctica (EPICA) erhoben. Das Alfred-Wegener-Institut ist deutscher Partner des Projektes und trägt die Verantwortung für die Bohrung in Dronning Maud Land. EPICA wird von einem Konsortium aus zehn europäischen Ländern (Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz) durchgeführt und gemeinsam mit der Europäischen Union finanziert.
Der Artikel “30,000 Years of Cosmic Dust in Antarctic Ice” wird am 28. Juli in “Science” veröffentlicht.
Bremerhaven, den 27. Juli 2006
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Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner am Alfred-Wegener-Institut ist Dr. Hubertus Fischer (Tel. 0471 / 4831-1174; E-Mail: hufischer@awi-bremerhaven.de). und in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471 / 4831-1742; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de). Am Lamont-Doherty Earth Observatory sind ihre Ansprechpartner Dr. Gisela Winckler (Tel. 001 / 845 / 365 8756; E-Mail: winckler@ldeo.columbia.edu) und in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Mary Tobin (Tel. 001 / 212 / 854 9485; E-Mail: mtobin@ei.columbia.edu) oder Ken Kostel (Tel. 001 / 212 / 854 9729; E-Mail: kkostel@ei.columbia.edu).
SPERRFRIST ist Donnerstag, den 27. 07. 2006, 20:00 Uhr (MESZ).
Das Lamont-Doherty Earth Observatory (L-DEO), wissenschaftlicher Kern des ‚Earth Institute’ der Columbia University in New York, ist eines der weltweit führenden erd- und klimawissenschaftlichen Forschungszentren und beschäftigt sich mit der Erforschung unseres Planeten vom inneren Erdkern bis zur äußersten Atmosphäre, unter Einbeziehung aller Kontinente und Ozeane.
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Kosmischer Staub
Der Antarktische Eisschild ist ein perfektes Archiv für Niederschlag und Staubpartikel. So findet man auch bei blauem Himmel Niederschlag von Eispartikeln auf der Kohnen Station, die zur Ausbildung eines Halo führen. Neben dem irdischen Mineralstaub wird auch extraterrestrischer Staub deponiert. Das oben links einmontierte extraterrestrische Staubteilchen hat eine Größe von einigen Mikrometern.

Eiskerne
Das European Project of Ice Coring in Antarctica (EPICA) hat zum Ziel Eiskerne im Dronning Maud Land zu bergen.
17. Juli 2006: Freier Zugang zur Plankton-Datenbank

PLANKTON*NET ist eine online-Datenbank, die Plankton-Organismen bildlich und inhaltlich beschreibt. Sie wurde ursprünglich am Alfred-Wegener-Institut etabliert, um eine Informationsquelle für Studenten bereitzustellen, die an Kursen der Biologischen Anstalt Helgoland teilnehmen. Zum Plankton zählen alle frei im Wasser schwebenden Organismen vom Bakterium bis zur Qualle. Das Bildmaterial und die begleitenden Informationen zu planktonischen Organismen, wie beispielsweise taxonomische Beschreibungen, sind hilfreich bei der Artbestimmung. Die Datenbank wurde kürzlich neu installiert. Sie enthält aktuell mehr als 3000 Bilder und über 500 Artbeschreibungen.

Der freie Zugriff auf die Datenbank ermöglicht jedem registrierten Nutzer, eigene Bilder und Daten einzustellen und bereits bestehende Datensätze zu ergänzen. Alle eingegebenen Daten werden überprüft und, wenn nötig, werden Experten-Meinungen dazu eingeholt. Auf diese Weise wächst die Datenbank nicht nur schnell, sondern erhält durch die weltweiten Eintragungen eine hohe Vielfalt unterschiedlicher geografischer Herkunft. Diese geografische Reichweite ist für die Planktonforschung sehr wichtig und wird von keinem anderen Datenbanksystem derzeit geleistet.

Vernetzung
Zurzeit besteht PLANKTON*NET aus zwei separaten Datenbanken, einer am Alfred-Wegener-Institut (PLANKTON*NET@AWI) und einer weiteren an der Station Biologique de Roscoff in Frankreich (PLANKTON*NET@ROSCOFF). Eine dritte Datenbank ist an der Universität Lissabon in Portugal in Planung. Das langfristige Ziel des Projektes ist eine Vernetzung aller Datenbanken und eine Einbindung in das bereits bestehende Weltdatenzentrum für Marine Umweltwissenschaften (WDC-MARE). Dieses Weltdatenzentrum ist ein virtuelles Institut und wird vom Alfred-Wegener-Institut und dem Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM, Uni Bremen) betrieben. Neben WDC-MARE gibt es weltweit über 50 weitere Weltdatenzentren, alle mit dem Ziel der langfristigen Archivierung und Bereitstellung von Informationen für die Wissenschaft.
PLANKTON*NET wird unter anderem von der Europäischen Union finanziert und hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Partner des Projektes sind die Station Biologique de Roscoff und die Universität Caen in Frankreich, die Universität Lissabon und das Instituto de Investigaçao das Pescas e do Mar (IPIMAR) in Portugal, sowie das Natural History Museum in London.

Hintergrund
Die Biodiversitätsforschung ist in den letzten Jahren erheblich intensiviert worden. Grund dafür ist die wachsende Besorgnis über das Aussterben von Arten und die Zerstörung von Lebensräumen, aber auch die Entwicklung von Methoden, die eine detailliertere Erfassung der existierenden Arten erlauben. Vor allem genetische Methoden werden mittlerweile verstärkt zur Artbestimmung eingesetzt. Sie haben in vielen Gebieten gezeigt, dass die Artenvielfalt erheblich höher ist als ursprünglich angenommen. Speziell in marinen Systemen beinhaltet der Begriff „Diversität“ nicht nur die Unterscheidung zwischen biologischen Arten, sondern auch innerhalb etablierter Arten. Das führt zu einer völligen Neubewertung des Artkonzepts. Für die Erfassung und Beschreibung neuer Arten ist ein schneller Zugang zu schon bestehenden Informationen unbedingt erforderlich.
Weitere Informationen finden Sie unter http://www.plankton-net.org
Bremerhaven, den 16. Juli 2006
Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.
Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner ist Prof. Dr. Karen Wiltshire (Tel. 04725 / 819-238; E-Mail: kwiltshire@awi-bremerhaven.de) oder Dr. Alexandra Kraberg (Tel. 04725 / 819-246; E-Mail: akraberg@awi-bremerhaven.de). Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471 / 4831-1742; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de). Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter
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Tomopteris helgolandicus
Tomopteris helgolandicus ist ein schwimmender Borstenwurm, der bei Helgoland vorkommt.

Noctiluca scintillans
Noctiluca scintillans ist verantwortlich für das Meeresleuchten in der Nordsee.

Coscinodiscus wailesii
Coscinodiscus wailesii gehört zu den Kieselalgen. Sie kann in Massen auftreten, dabei bilden sie einen Schleim aus, der Fischernetze verstopfen kann.
9. November 2006: Meeresströmung verknüpft Nord- und Südhemisphäre in der Eiszeit

Obwohl Klimazeitreihen grönländischer und antarktischer Eiskerne sehr unterschiedlich aussehen, sind das Klima der Arktis und Antarktis direkt miteinander verbunden. Die jetzt im Wissenschaftsmagazin nature veröffentlichten Untersuchungen an einem Eiskern aus der Antarktis weisen auf eine prinzipielle Verknüpfung beider Hemisphären durch eine „bipolare Klimaschaukel“ hin. Selbst kürzere und schwächere Temperaturveränderungen im Süden sind durch die Änderungen der Meeresströmungen im Atlantik direkt mit den schnellen Temperatursprüngen im Norden verknüpft. Die Antarktis erwärmte sich in der Zeit von 20.000 bis 55.000 Jahren vor heute immer dann, wenn der Norden kalt und der Export von warmem Wasser aus dem Südozean reduziert war. Umgekehrt begann die Antarktis sich jedes Mal dann abzukühlen, wenn während Wärmeereignissen im Norden vermehrt warmes Wasser in den Nordatlantik strömte. Dieses Ergebnis weist auf eine prinzipielle Verknüpfung beider Hemisphären durch eine „bipolare Klimaschaukel“ hin, sobald sich die Ozeanzirkulation im Atlantik ändert.

Wissenschaftlern des Forschungsprojektes EPICA (European Project for Ice Coring in Antarctica) ist es nun gelungen, Klimazeitreihen von Eiskernen aus der Antarktis und von Grönland präzise zu synchronisieren. Dazu nutzen sie die Information vergangener Methankonzentrationen, die in Luftblasen in den Eiskernen archiviert ist. Die Untersuchungen wurden an dem neuen EPICA Eiskern aus Dronning Maud Land (EDML), im atlantischen Sektor der Antarktis durchgeführt. Aufgrund der relativ hohen Niederschlagsrate an diesem Ort können atmosphärische und klimatische Zeitreihen der letzten Eiszeit in diesem Kern zeitlich besser als in Eiskernen aus der Ostantarktis aufgelöst werden. Diese höhere Auflösung war Voraussetzung für die präzise Synchronisation des EDML-Eiskerns mit seinem grönländischen Gegenstück, dem Eiskern des North GReenland Ice core Project (NGRIP). Basierend auf dieser Synchronisation konnten die Wissenschaftler die Ergebnisse aus Grönland und der Antarktis direkt miteinander vergleichen. Dieser Vergleich zeigt, dass die „bipolare Klimaschaukel“ im Verlauf der gesamten Eiszeit und vermutlich auch darüber hinaus aktiv war. „Es ist wirklich erstaunlich, wie systematisch dieser Prozess auch für kleinere Klimaschwankungen im Südozean wirkte. Unsere Daten zeigen, dass die Stärke der Erwärmung im Süden linear von der Dauer der Kälteperiode im Norden abhängt”, sagt Dr. Hubertus Fischer, Mitautor des Artikels und Paläoklimatologe am Alfred-Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.
Die im Wissenschaftsmagazin nature veröffentlichte Studie fasst die Arbeit der EPICA-Wissenschaftler aus zehn europäischen Ländern zusammen: Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Norwegen, Schweden und Schweiz. „Diese Studie ist ein gutes Beispiel, wie Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen der Eiskernforschung Fächer übergreifend und international zusammenarbeiten. Ozeanmodellierer, Isotopenspezialisten und Glaziologen haben hier ihre Expertise zusammengetragen“, so Prof. Dr. Heinz Miller, Vorsitzender des EPICA-Teams. Als deutscher Partner von EPICA ist das Alfred-Wegener-Institut für die Durchführung der Eiskern-Bohrung in Dronning Maud Land in der Antarktis verantwortlich. Am Institut in Bremerhaven wird eine Vielzahl der Analysen am Dronning Maud Land-Eiskern und die Fließmodellierung des Eises durchgeführt. Koordiniert unter dem Dach der European Science Foundation (ESF) wird EPICA durch Beiträge der beteiligten Länder und der europäischen Union finanziert. EPICA ist eines der zentralen Forschungsprojekte des Alfred-Wegener-Instituts im Forschungsprogramm “Meeres-, Küsten- und Polarsysteme” im Bereich „Erde und Umwelt“ der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.
Die Veröffentlichung “One-to-one coupling of glacial climate variability in Greenland and Antarctica” erscheint am 9. November 2006 im Wissenschaftsmagazin nature.
Bremerhaven, den 6. November 2006
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31. Oktober 2006: Neues Flugzeug für die Polarforschung

Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung erhält ein neues Forschungsflugzeug: „Polar 5“ vom Typ Basler BT-67. „Polar 5“ bietet mit den verbesserten flugtechnischen Parametern und einer auf langfristige Nutzung konzipierten wissenschaftlichen Instrumentierung beste Voraussetzungen, um die Forschungsvorhaben des AWI weiterhin, auch vor dem Hintergrund gestiegener Anforderungen, erfolgreich durchführen zu können. Es löst „Polar 4“ ab, eine Dornier DO 228-101, die seit 1984 im Einsatz ist. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert die Anschaffung des Polarforschungsflugzeugs in Höhe von 8,1 Millionen Euro. „Polar 5“ mit Kennzeichen C-GAWI, soll zum ersten Mal in der Antarktis-Saison 2007/08 eingesetzt werden. Das ist genau 25 Jahre nach Beginn des Polar-Flugbetriebes am Alfred-Wegener-Institut.

Die speziell für die Belange der Polarforschung konzipierte Basler BT-67 (Basler Turbo Conversion LLC) wird als „Polar 5“ in den Flugbetrieb des Alfred-Wegener-Instituts eingegliedert. Das Flugzeug zeichnet sich durch verbesserte Leistungsparameter im Vergleich zur „Polar 4“ aus: Die Reichweite mit wissenschaftlicher Ausrüstung ist mehr als doppelt so groß (circa 2900 km) wie bisher und die geforderte Startfähigkeit auf Skiern in Höhen über 3800 Metern auf dem antarktischen Plateau ist nachgewiesen. Die leistungsfähigen Generatoren ermöglichen die Erweiterung der vorhandenen Messausrüstungen an Bord. Die Nutzlast und das Volumen ist mehr als doppelt so groß wie beim Vorgängermodell und steigert die Transportfähigkeit für logistische Einsätze erheblich. Die neue Maschine ist robuster und dadurch wartungsärmer als die bisherigen Polarflugzeuge. Die Wartung kann am Einsatzort erfolgen. Der Betrieb in den Polarregionen wird bei vergleichbaren Betriebskosten der derzeitigen Polarflugzeuge mit bis zu 800 Flugstunden pro Jahr möglich. Die Basler BT-67 basiert auf einem modifizierten Rumpf der Douglas DC-3, die auch als „Rosinenbomber“ bekannt ist.
Mit der Indienststellung des neuen Flugzeuges im kommenden Jahr wird eine neue Partnerschaft für den Betrieb des Forschungsflugzeuges mit der kanadischen Firma Enterprise Air Inc., Oshawa, eingegangen. Der Standort von „Polar 5“ wird – wie auch schon bei „Polar 2“ und der „Polar 4“ – der Regionalflughafen Bremerhaven sein. Hier wird auch die Wartung von „Polar 5“ zwischen den Messkampagnen erfolgen.
Die Neuanschaffung wurde notwendig, da nach einer harten Landung an der britischen Überwinterungsstation Rothera auf der antarktischen Halbinsel im Januar 2005 das Forschungsflugzeug „Polar 4“ schwer beschädigt wurde. Eine Reparatur war nicht möglich, so dass die Maschine außer Dienst gestellt werden musste. Seitdem konnten die wissenschaftlichen und logistischen Aufgaben im Polarflugbetrieb nur durch „Polar 2“ wahrgenommen werden. Damit das Alfred-Wegener-Institut als deutsches Zentrum für Polar- und Meeresforschung seinen wissenschaftlichen und logistischen Aufgaben in vollem Umfang nachkommen kann, ist ein zweites Polarflugzeug erforderlich.
Bremerhaven, den 31. Oktober 2006
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Hinweise für Redaktionen: Kontaktperson am Alfred-Wegener-Institut ist Dr. Andreas Herber (Tel. 0471/4831-1489; E-Mail: aherber@awi-bremerhaven.de). Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Jens Kube (Tel. 0471/4831-2007; E-Mail: jkube@awi-bremerhaven.de).
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12. Juli 2006: Ferienpass-Aktion am AWI
Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung beteiligt sich wieder am Ferienpass-Programm der Seestadt Bremerhaven mit zwei Aktionen. Beide Veranstaltungen richten sich an Kinder ab 10 Jahren. Am 21. Juli kann man von 10 bis 12 Uhr die Wanderung der Pinguine verfolgen, dazu erstellen die Kinder Landkarten am Computer. Am 25. Juli findet von 10 bis 11:30 Uhr eine Videokonferenz mit der Forschungsbasis auf Spitzbergen statt. Wissbegierige Kinder können dem Stationsleiter Löcher in den Bauch fragen.

Wanderung der Pinguine am Computer miterleben
Wenn ihr euch für Computer interessiert, seid ihr hier genau richtig! Im Jahr der Informatik zeigen wir euch, wie die Forscher am Alfred-Wegener-Institut mit dem Computer arbeiten. Die Profis vom Rechenzentrum werden mit euch zusammen am Computer Landkarten erstellen. Auf Karten der Antarktis könnt ihr dann die Wanderung der Pinguine nachvollziehen. Stellt euch vor, die Pinguine würden nicht in der Antarktis, sondern in Bremerhaven starten. Wie weit würden sie da wohl kommen? Bis Bremen – oder noch weiter? Findet es selbst am Computer heraus!

Videokonferenz zur Polarstation
Video und Unterhaltung über Telefon ist euch allen geläufig. Aber habt ihr schon mal mit jemandem über eine Entfernung von 2800 Kilometern gesprochen und ihn dabei auch gesehen? Wir zeigen euch wie’s geht, und ihr dürft es selbst mit unserer Forschungsstation auf Spitzbergen ausprobieren. Fragt doch mal den Stationsleiter, ob schon ein Eisbär vorbeigekommen ist, wie hoch sein Wetterballon so fliegt oder wie es der Ozonschicht über der Arktis im Moment geht.

Wo? Wie? Wann?
Für beide Aktionen ist eine Voranmeldung in der Tourist-Info (Columbus-Center, Obere Bürger) erforderlich. Bei beiden Veranstaltungen können maximal 20 Kinder mitmachen.
Bremerhaven, den 12. Juli 2006
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Hinweise für Redaktionen: Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Angelika Dummermuth, Tel. 0471 / 4831-1742; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de. Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter www.awi-bremerhaven.de/AWI/Presse/PM/index-d.html.
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Startvorbereitungen für einen Fesselballonaufstieg
de: Joann Smidt (Stationsingenieur 2004/2005) und Diplomandin Anne Theuerkauf bereiten den Start des Fesselballons "Miss Piggy" an der AWIPEV-Forschungsbasis vor. Der Ballon kann bis in 3km Höhe aufsteigen und wieder eingeholt werden.
10. Juli 2006: »Wieso, weshalb, warum? Probier’s mal aus! «
Wissenschaft zum Anfassen, die Schülerlabore des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung beim Wissenschaftssommer und der ESOF2006 in München

„Kann man Wasser stapeln? Und warum ertrinken Fische nicht?“: Das Schülerlabor des Alfred-Wegener-Instituts SEASIDE (Science & Education @ the AWI: SIngle Day Experiments) stillt den Wissensdurst von Schülern. „In spielerischer Herangehensweise unterstützen und ergänzen wir den naturwissenschaftlichen Unterricht der Schulen und begeistern die Jüngsten für die Wissenschaft“, sagt Dr. Susanne Gatti, die Leiterin des Schülerlabors. Durch die Einbeziehung von außerschulischen Lernorten sollen Schüler und Lehrer von den Kompetenzen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler profitieren und eine Vernetzung von wissenschaftlichen Einrichtungen und Schulen ermöglichen.

Die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren fördert aktiv den naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchs: Kleine und große Entdecker haben vom 17. -21. Juli zwischen 10:00 und 19:00 Uhr die Möglichkeit, in den Helmholtz-Schülerlaboren auf dem Marienhof in der Münchener Innenstadt zu experimentieren und hinter die Geheimnisse der Wissenschaft zu kommen. „Für uns beginnt Nachwuchsförderung nicht erst an der Universität“, erläutert der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft Prof. Dr. Jürgen Mlynek. „Wir wollen in unseren Schülerlaboren offen über unsere wissenschaftlichen Arbeiten diskutieren und bei den Jugendlichen die Neugierde auf Forschung wecken“.

Das Angebot des naturwissenschaftlichen Zentrums SEA (Science & Education @ the AWI) in Bremerhaven bietet seit drei Jahren einem breiten Schülerpublikum – von der Grundschule bis zur Oberstufe – die Möglichkeit, Seite an Seite mit Wissenschaftlern zu experimentieren. Neben dem Schülerlabor gibt es das Schulprojekt HIGHSEA (HIGHschool of Science & Education @ the AWI), an dem Schülerinnen und Schüler der Bremerhavener Oberstufenzentren teilnehmen. Sie erhalten an zwei Tagen pro Woche fächerübergreifenden Unterricht in Biologie, Chemie, Mathematik und Englisch im Alfred-Wegener-Institut. Weitere Informationen unter: www.awi.de/ClickLearn/SchoolProject/SEA_index_d.html).
Dr. Susanne Gatti wird am 19. Juli um 12:30 Uhr im Profmobil der Universität Bremen einen Vortrag zum Schulprojekt halten: „HIGHSEA – Lernen auf See“. Die Wissenschafts-Rikscha steht am Mittwoch im Marienhof.

In insgesamt 18 Schülerlaboren an allen Helmholtz-Forschungszentren in ganz Deutschland haben Schüler, Schülerinnen und Lehrkräfte die Möglichkeit, selbst zu experimentieren und den naturwissenschaftlichen Unterricht zu ergänzen. Das findet großen Zuspruch: Im vergangenen Jahr kamen mehr als 40.000 Besucher in die Schülerlabore. Die Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft konzentrieren ihre wissenschaftliche Arbeit in sechs Bereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Diese Forschungsorganisation ist mit 25.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen an 15 Zentren und einem Jahresbudget von rund 2,2 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Das Programm der Schülerlabore beim Wissenschaftssommer 2006 finden Sie unter: www.helmholtz.de/machmit2006 Bremerhaven, den 10. Juli 2006 Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg Hinweis für Redaktionen: Ihre Ansprechpartner bei der Helmholtz-Gemeinschaft sind Thomas Gazlig, Leiter Kommunikation und Medien Tel: 030 / 206329-57, E-Mail: presse@helmholtz.de und Dr. Ellen Peerenboom, Pressereferentin für Veranstaltungen (Tel.: 030 / 206329-56, E-Mail: ellen.peerenboom@helmholtz.de. Ihre Ansprechpartnerinnen im Alfred-Wegener-Institut sind für das Schülerlabor Dr. Susanne Gatti (Tel. 0471 / 4831-1392, E-Mail sgatti@awi-bremerhaven.de) und Margarete Pauls, Pressesprecherin (Tel. 0471 / 4831-1180, E-Mail: mpauls@awi-bremerhaven.de).
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"Kann man Wasser stapeln?" Dieser und anderen Fragen gehen Kinder im Schülerlabor nach.

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Schon die Kleinsten werden spielerisch an wissenschaftliches Arbeiten herangeführt.
29. Juni 2006: Zweiter Jahrgang durchs Abitur navigiert
Der zweite Jahrgang des interdisziplinären Kooperationsprojektes HIGHSEA (HIGHschool of Science & Education @ the AWI) am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung kann sich über seinen erfolgreichen Abitur-Abschluss freuen. Am 3. Juli um 11 Uhr überreicht Bildungssenator Willi Lemke die Teilnahme-Urkunden im Alfred-Wegener-Institut. Prof. Dr. Elke Sumfleth von der Universität Duisberg-Essen, die das Projekt als externe Gutachterin begleitet, berichtet über erste Ergebnisse. An der Abi-Feier nehmen außerdem Oberbürgermeister Jörg Schulz und der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Michael Stark teil.

HIGHSEA
Das seit 2002 in enger Zusammenarbeit zwischen dem Alfred-Wegener-Institut und den Bremerhavener Schulbehörden bestehende Unterrichtsprojekt hat das Ziel, mit veränderten Unterrichtsformen das Interesse an Naturwissenschaften nachhaltig zu fördern. Zwei Tage pro Woche verbringen die Schüler der 11. bis 13. Klasse am Alfred-Wegener-Institut im Fächer übergreifenden Unterricht. Der Projektunterricht koppelt die Fächer Biologie, Chemie, Mathematik, Englisch und Physik. Die Planung und Vorbereitung einer Expedition gehört ebenso dazu wie der Erwerb des naturwissenschaftlichen Hintergrundes. So ließ sich vergangenen Sommer ein Teil des Jahrgangs in der arktischen Barentssee eine kühle Brise um die Nase wehen. Die zweiwöchige Forschungsfahrt auf dem Bildungslogger „Lovis“ ging von Spitzbergen nach Tromsø in Nordnorwegen. Die Expedition hatte die Fragestellung, ob im August 2005 in der Barentssee das für die Meeresströmungen und das momentane Klima notwendige kalte Tiefenwasser gebildet wird. SchülerInnen der gymnasialen Oberstufe mit naturwissenschaftlichem Interesse bietet das Projekt die einmalige Gelegenheit, gleichzeitig interdisziplinär und selbständig an einem gemeinsamen Forschungsgegenstand zu arbeiten. Katharina Fornaçon, eine der Abiturientinnen, erzählt begeistert: „Die Barentssee ist rau, manchmal war uns auch übel, aber die Fahrt ist für mich unvergesslich."

„Teamteaching“
Die Form des Unterrichts bei HIGHSEA ohne festen Stundenplan und ohne Pausengong heißt Teamteaching. Vom Schulamt freigestellte Lehrkräfte gestalten den Unterricht gemeinsam mit wissenschaftlichem Personal des Alfred-Wegener-Instituts. „Neben dem forschend-experimentellem Lernen bietet HIGHSEA aber auch die Möglichkeit, Fähigkeiten der Projektkoordination, der Kooperation, der Kommunikation im Team und vor allem auch der Präsentation zu erwerben“, sagt Projektleiterin Dr. Susanne Gatti. „Damit sind die Schülerinnen und Schüler bestens auf ein späteres, naturwissenschaftliches Studium vorbereitet." Dies erzählen auch die Schüler in den Tagesberichten der Forschungsfahrt unter http://www.awi-bremerhaven.de/ClickLearn/SchoolProject/Lovis_aktuell.html
Weitere Informationen zu HIGHSEA finden Sie unter highsea.awi.de und zu den anderen Schulprojekten des Alfred-Wegener-Instituts unter
http://www.awi-bremerhaven.de/ClickLearn/SchoolProject/SEA_index_d.html
http://www.awi-bremerhaven.de/ClickLearn/SchoolProject/SEA_index_d.html Bremerhaven, den 29. Juni 2006
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Hinweise für Redaktionen: Vertreter der Presse sind herzlich eingeladen. Ihre Ansprechpartnerinnen sind Dr. Susanne Gatti, Tel. 0471/4831-1392; E-Mail: sgatti@awi-bremerhaven.de und in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Dr. Angelika Dummermuth, Tel. 0471/4831-1742; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de. Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter www.awi-bremerhaven.de/AWI/Presse/PM/index-d.html.
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Letztes Segelbergen vor dem Anlaufen von Torsvag - nach mehreren Tagen auf See; Land in Sicht.
27. Juni 2006: Ozontanz – mit allen Sinnen lernen
Tanzprojekt von Claudia Hanfgarn und dem Alfred-Wegener-Institut
Am 29. und 30. Juni und am 1. Juli veranstalten zwei Bremerhavener Schulen gemeinsam mit dem tanzpädagogischen Projekt Schultanz TAPST und dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung den „Ozontanz“. Die Aufführungen beginnen jeweils um 18 Uhr. An verschiedenen Stationen im Gebäude des Alfred-Wegener-Instituts an der Columbusstraße werden einzelne Aspekte des Themas Ozon als Tanz dargestellt. Auf einer zentralen Bühne wird die Thematik in größerem Zusammenhang vorgeführt. Am 4. Juli gastiert der Ozontanz in der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts, Gebäude A45 auf dem Telegrafenberg. Dort findet die Aufführung um 16:30 Uhr statt.

Einer der betreuenden Wissenschaftler, Dr. Gert König-Langlo, beschreibt seine Erwartungen an den Ozontanz so: „Ständig bildet sich Ozon aus Sauerstoff und umgekehrt. Seitdem der Mensch die Atmosphäre verunreinigt, verbleibt am Boden zu viel und in der uns vor Sonnenbränden schützenden Ozonschicht zu wenig Ozon. Über der Antarktis ist die Ozonschicht von September bis November bereits vollständig verschwunden. Stürme umwirbeln dieses antarktische Ozonloch. Wir dürfen gespannt sein, wie diese Prozesse von den Schülerinnen und Schülern tänzerisch umgesetzt werden.“
In jedem Frühjahr gibt es ein Ozonloch über der Antarktis

Seit über zwanzig Jahren ist durch Messungen belegt, dass die Ozonschicht der Erde über den Polen durch menschliche Einflüsse stark angegriffen ist. In jedem Jahr gibt es im Frühjahr ein Ozonloch über der Antarktis. Auch über der Arktis ist starker Ozonabbau zu beobachten. Die Ozonschicht in der Erdatmosphäre ist der natürliche Sonnenschutzschild, der Menschen, Tiere und Pflanzen vor schädlicher Ultraviolett (UV)-Strahlung der Sonne schützt. Das Alfred-Wegener-Institut und das tanzpädagogische Projekt Schultanz TAPST haben im zweiten Schulhalbjahr 2005/06 zwei Klassen der Körnerschule und des Lloyd-Gymnasiums in Bremerhaven eingeladen, sich inhaltlich und tänzerisch mit dem Thema „Ozon“ und der wissenschaftlichen Arbeit des Alfred-Wegener-Instituts auseinander zu setzen. „Das Projekt ist eine interessante Möglichkeit, die Öffentlichkeit auf die immer aktuellen Aspekte der Atmosphärenforschung aufmerksam zu machen“, so Dr. Sigrid Wuttke, UV-Expertin am Alfred-Wegener-Institut.
Kinder kreisen als eiskalter Polarwirbel über die Bühne

Die tänzerische Leitung des Projektes liegt bei der Diplom-Tanzpädagogin Claudia Hanfgarn. Sie ist Preisträgerin des Schulkooperationswettbewerbs „Kinder zum Olymp!“ 2005 der Kulturstiftung der Länder in Zusammenarbeit mit dem Max Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin sowie der Bundeszentrale für politische Bildung. Das Ozontanzprojekt ist eines von drei geförderten Tanzprojekten der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung im Rahmen des Themenateliers kulturelle Bildung. Weitere Informationen zu diesem Themenatelier finden Sie unter www.ganztaegig-lernen.org/www/web331.aspx.
Eintrittskarten für die Veranstaltungen in Bremerhaven sind im Vorverkauf beim Pförtner des Alfred-Wegener-Instituts, Gebäude Columbusstraße erhältlich. In Potsdam gibt es die Karten in der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts auf dem Telegrafenberg bei Frau Gabriela Schlaffer (Gebäude A43) oder telefonisch unter 0331/288-2100. An allen vier Terminen gibt es auch eine Abendkasse.
Hinweis an Redaktionen: Die Generalprobe, zu der Sie herzlich eingeladen sind, findet am Dienstag, 27.6., um 18 Uhr im Alfred-Wegener-Institut, Columbusstraße, statt. Für weitere Informationen steht Ihnen Dr. Jens Kube (Tel. 0471/4831-2007, E-Mail: jkube@awi-bremerhaven.de) zur Verfügung. Für organisatorische Anfragen zur Aufführung in Potsdam am 4. Juli wenden Sie sich bitte an Dr. Susanne Diederich (Tel. 0471/4831-1376 oder ab 3. Juli 0160-90554944).
Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.
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23. Juni 2006: Deutsch-französische Kooperation verlängert
Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und das Institut Français de Recherche pour l’Exploitation de la MER (Ifremer) verlängern am 28. Juni im Beisein des französischen Forschungsministers in Paris ihre vertraglich geregelte Zusammenarbeit um weitere fünf Jahre. Seit annährend einem Jahrzehnt kooperieren die beiden Institute intensiv. Die Zusammenarbeit konzentrierte sich in den letzten Jahren auf die Tiefseeforschung, unbemannte Unterwasserfahrzeuge und Meerestechnik. Ein neues virtuelles Institut soll die Kompetenzen in diesem Bereich stärken und weiter ausbauen.

Deutsch-französische Zusammenarbeit
Die Kooperation zwischen dem Alfred-Wegener-Institut und dem Institut Français de Recherche pour l’Exploitation de la Mer (Ifremer) wurde im Jahre 2001 durch die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding (MoU) besiegelt. In diesem Schriftstück wurden wichtige Schlüsselbereiche der Zusammenarbeit festgelegt und jährliche Treffen auf Leitungsebene vereinbart. Es soll am 28. Juni 2006 im Beisein des französischen Forschungsministers in Paris fortgeschrieben werden. Wichtiger Motor der beiderseitigen Bemühungen war die Überzeugung, dass Großgeräte der marinen Grundlagenforschung gemeinsam effizienter genutzt werden müssen. Der Einsatz des ferngelenkten Unterwasserfahrzeugs „Victor 6000“ des Ifremer auf dem Forschungseisbrecher Polarstern, Flaggschiff des Alfred-Wegener-Instituts, eröffnete auch für Wissenschaftler anderer europäischer Staaten neue Forschungsmöglichkeiten, da AWI und Ifremer ihre Infrastruktur während mehrerer großer Expeditionen in den Dienst europäischer Kooperationen stellten. Mit der vertraglich geregelten finanziellen Beteiligung des Alfred-Wegener-Instituts an der Entwicklung einer neuen Geräte- und Sensorbaugruppe für den „Victor 6000“ wurde die Zusammenarbeit weiter gefestigt. Inzwischen werden die Unterwasserfahrzeuge und -geräte des jeweils anderen Partners auf den eigenen Forschungsschiffen eingesetzt. So kamen im Jahr 2005 beispielsweise ein autonomer Tauchroboter des Ifremer auf FS „Heincke“ zum Einsatz und ein vergleichbares Fahrzeug des Alfred-Wegener-Instituts in der Barentssee auf der französischen “Atalante“.

Länderübergreifendes virtuelles Institut
Die beiden Institute ergänzen sich im Bereich Unterwassertechnologie hervorragend. Die teure Infrastruktur kann durch eine enge Zusammenarbeit und Zusammenführung der zuständigen Abteilungen beider Institute effizienter genutzt und weiterentwickelt werden. So entsteht ein für Europa unvergleichliches Kompetenzspektrum. Die einander ergänzenden inhaltlichen Schwerpunkte der Forschungsprogramme beider Institute, sowie das gemeinsame Auftreten von AWI und Ifremer in europäischen Verbundprojekten sind weitere Motive für die Gründung eines virtuellen Instituts („Virtual Institute of Underwater Systems and Technologies“). Dessen Aufgaben sind vor allem die Optimierung und Entwicklung von Unterwassergeräten, die Ausbildung von Studenten aus ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studiengängen, sowie die Kooperation mit der maritimen Industrie.

Schwestersystem zu „Victor 6000“
Ein nächster Schritt ist der Bau eines Schwestersystems zu „Victor 6000“. Das Gerät wird in Bremerhaven beheimatet sein, im Sinne der Kooperation allerdings auch auf französischen Schiffen für Forschungsvorhaben des Ifremer und anderer französischer Institute zur Verfügung stehen. Das Schwestersystem “Victoria 4000“ soll in wesentlichen Komponenten kompatibel zu „Victor 6000“ sein. Alle bereits existierenden und künftig angedachten Instrumente sollen zwischen beiden Systemen austauschbar sein. Das Gleiche gilt für die bereits entwickelte Software, mit der die enormen Datenmengen, die beim Unterwassereinsatz anfallen, bearbeitet und ausgewertet werden können. Es soll nicht nur das Gesamtgewicht des Systems verringert werden, sondern insbesondere der neueste Stand der Technik in „Victoria 4000“ einfließen, so dass im weltweiten Vergleich ein System der nächsten Generation entsteht. Der Finanzbedarf für die Fertigstellung von „Victoria 4000“ wird mit mindestens fünf Millionen Euro veranschlagt. Bei einer Auslastung von circa acht Monaten pro Jahr auf See - je zur Hälfte von AWI und Ifremer - und einer Betriebsmannschaft in der Größenordnung von sieben Ingenieuren fallen jährliche Personalmittel in Höhe von ca. 300.000 Euro an.
Bremerhaven, den 23. Juni 2006
Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.
Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner ist Dr. Michael Klages (Tel. 0471/4831-1302, E-Mail: mklages@awi-bremerhaven.de). Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471/4831-1742; E-Mail: adummerm@awi-bremerhaven.de). Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter www.awi-bremerhaven.de/AWI/Presse/PM/index-d.html.
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15. Juni 2006: Letzte weiße Flecken auf den Meereskarten
Vertreter aus 17 Nationen nehmen vom 14. bis 23. Juni an der 23. Jahrestagung von GEBCO (GEBCO=General Bathymetric Chart of the Oceans)in Bremerhaven teil. Inhalt dieser Tagung ist eine neue Ausgabe der topographischen Weltkarte des Meeresbodens. Meereskarten sind die Basis für nahezu alle meereswissenschaftlichen Forschungsarbeiten. Aktuelle Anwendung finden diese hochgenauen Karten zum Beispiel in den Frühwarnsystemen für Tsunami-gefährdete Gebiete.
Die Vermessung des Meeresbodens ist essentiell
„Die Rückseite des Mondes ist besser vermessen als der Meeresboden“, sagt Dr. Hans-Werner-Schenke vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung „Karten und digitale Daten der Meeresbodentopographie werden als Basis für nahezu alle meereswissenschaftlichen Forschungsarbeiten benötigt“, so Schenke , der lokaler Organisator der Tagung ist. Die Modellierung und Interpretation physikalischer, chemischer und biologischer Prozesse am Meeresboden wie auch die Herstellung thematischer Karten können nur auf der Basis digitaler Geländemodelle oder ihrer Ableitungen (Karten, 3-dimensionale Ansichten, usw.) sinnvoll durchgeführt werden. Das Forschungsschiff Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts hat in den vergangenen 23 Jahren dafür gesorgt, dass die weißen Flecken auf den GEBCO-Karten nahezu verschwunden sind. Hierzu wurde hauptsächlich das eisverstärkte Fächerecholot ATLAS-Hydrosweep eingesetzt. Die größte bathymetrische Fächersonar-Datenbank der Polargebiete ist am Alfred-Wegener-Institut beheimatet und trägt zur ständigen Erneuerung der GEBCO-Karten bei.
Meereskarten
GEBCO, die General Bathymetric Chart of the Oceans, wurde im Jahre 1903 als erstes globales Kartenwerk der Topographie des Meeresbodens von dem Biologen und Ozeanographen Prinz Albert I von Monaco und anderen namhaften Wissenschaftlern, wie Fritjof Nansen und Otto Krümmel, ins Leben gerufen. Die wissenschaftliche und technische Bearbeitung des Kartenwerkes wird heute von internationalen Spezialisten der Hydrographie, Ozeanographie, Bathymetrie und Nomenklatur fortgeführt. Die Arbeit am Kartenwerk steht unter der Schirmherrschaft der International Hydrographic Organization (IHO) und der International Oceanographic Commission (IOC) der UNESCO. Die Arbeitsgruppen befassen sich mit der Datenerhebung, Modellierung und Herstellung von Meereskarten, sowie mit der Vergabe von Namen und Bezeichnungen untermeerischer Strukturen wie Tiefseegebirge, Tiefseegräben, Vulkane und Täler.
Die Sitzungen finden in den Räumen des Deutschen Schiffahrtsmuseums statt und sind zum größten Teil öffentlich.
Die Tagung wird von zwei themenbezogenen Ausstellungen im Schiffahrtsmuseum begleitet:
1. Das Echolot – Die Tiefe hören (http://www.dsm.de/3pre0614.htm)
2. Otto Krümmel, Pionier der Ozeanographie und sein Beitrag zur GEBCO-Karte
Namensgebung untermeerischer Täler und Vulkane
Vom 21. bis 23. Juni trifft sich unter der Leitung von Dr. Schenke ein zwölfköpfiges Gremium aus Geophysikern, Geographen und Ozeanographen. Dieses Gremium ist für die Namensvergabe unterseeischer Gebiete zuständig. Nach Überprüfung und Diskussion von international eingereichten Namensvorschlägen wird das Gremium eine Entscheidung treffen, ob ein Eintrag des Namens in die globale Datenbank erfolgen soll. Die Sitzung findet starke internationale Beachtung, da die Vergabe von Namen unterseeischer Bodenformen auch in Zusammenhang mit der internationalen Seerechtskonvention gesehen werden kann.
Weitere Informationen zur Tagung, inklusive Programm und Agenda der einzelnen Gruppen finden Sie unter www.gebco.de
Bremerhaven, den 15. Juni 2006
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Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner ist Dr. Hans-Werner Schenke (Tel. 0471/4831-1222, E-Mail: hschenke@awi-bremerhaven.de). Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471/4831-1742; E-Mail: adummerm@awi-bremerhaven.de).
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7. Juni 2006: Frühlingserwachen im Aquarium
Das Seewolfpärchen des Helgoländer Aquariums hat Nachwuchs bekommen! Die vier kleinen Seewölfe werden am 10. Juni beim GEO-Tag der Artenvielfalt erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert. Fortpflanzungserfolge bei diesen mit Furcht erregenden Zähnen ausgestatteten Fischen sind in Gefangenschaft nur selten zu beobachten.
Das Seewolfpärchen, das schon seit vier Jahren im Aquarium der Biologischen Anstalt Helgoland seine Runden dreht, hat erstmals für Nachwuchs gesorgt. Bereits Anfang November 2005 hatte das Weibchen die befruchteten Eier in der gemeinsam bewohnten Höhle abgelegt. Von da an war es von weiteren Mutterpflichten befreit und wurde energisch aus der Wohnhöhle vertrieben. Bei diesen Tieren sind nicht die Weibchen, sondern die Männchen für die Brutpflege zuständig. Es formt aus der Eimasse einen circa handballgroßen Eiballen, den er die folgenden 130 Tage hegt und pflegt. Während der gesamten Brutpflege nimmt das Männchen keine Nahrung auf und ist ständig damit beschäftigt, dem Gelege frisches Wasser zuzufächeln. Diese strenge Diät gewährleistet die uneingeschränkte Aufmerksamkeit für die Brut und stellt zudem sicher, dass der sich räuberisch ernährende Vater nicht auf den „Geschmack“ kommt und den eigenen Nachwuchs auffrisst.
Geburtshilfe durch Beißen
Über 2000 etwa zwei Zentimeter große Fischlarven sind nach rund vier Monaten im März 2006 geschlüpft. „Das Männchen wurde wenige Tage vor dem Schlupf zunehmend ungeduldiger und schien durch leichtes Zubeißen und Bewegen des Eiballens den entscheidenden Schlupfimpuls geben zu wollen“, so Stefan Leusmann, Leiter des Aquariums. Angelockt vom ungewöhnlichen Verhalten des Männchens näherte sich auch das Weibchen immer häufiger und beobachtete neugierig das Treiben im Nest. Da es sich um die erste Seewolfnachzucht im Helgoländer Aquarium handelte, mussten die optimalen Aufzuchtbedingungen erst einmal ermittelt werden. „Eine zu hohe Wassertemperatur führte zu sehr hohen Sterblichkeiten in den ersten drei Wochen“, berichtet der Biologe Leusmann. Inzwischen sind noch vier der vormals rund 2000 kleinen Seewölfe am Leben. Die überlebenden Jungwölfe sind jedoch mittlerweile 5 cm groß und kräftig und werden beim GEO-Tag der Artenvielfalt am 10. Juni zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert! Das Aquarium der Biologischen Anstalt Helgoland, die seit 1998 zum Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung gehört, kann an diesem Tag ab 10 Uhr bei freiem Eintritt besichtigt werden.
Freier Eintritt ins Aquarium am 10. Juni
„Artenvielfalt an Küsten, Ufern und im Wasser“ lautet das Thema des 8. GEO-Tages der Artenvielfalt, der am Samstag, den 10. Juni an der Nordsee stattfindet. Projektpartner der diesjährigen Veranstaltung ist das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. In einer 24-stündigen Bestandsaufnahme werden über 80 Expertinnen und Experten das Helgoländer Felswatt, Wattenmeer- und Küstenbereiche auf Sylt und bei Bremerhaven, sowie die offene Nordsee unter die Lupe nehmen. Die Tier- und Pflanzenarten in diesen einzigartigen Lebensräumen werden zu Fuß wie auch von Bord der Forschungsschiffe des Alfred-Wegener-Instituts erkundet. Mit dem Projekt möchten das Magazin GEO und das Alfred-Wegener-Institut die Bedeutung des Artenschutzes in Küstengebieten hervorheben und Menschen für die Natur vor ihrer Haustür begeistern.
Bremerhaven, den 07. Juni 2006
Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.
Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner ist Stefan Leusmann (Tel. 04725/819 228; E-Mail: sleusmann@awi-bremerhaven.de). Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Susanne Diederich (Tel: 0471/4831 1376; E-Mail: sdiederich@awi-bremerhaven.de).
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Seewolf
Seewolfeltern: Rechts im Bild ist das Männchen zu sehen, das sich um den Eiballen gelegt hat; links im Bild das neugierige Weibchen
1. Juni 2006: Klimapuzzle Arktischer Ozean
Die Klimageschichte der Nordpolarregion konnte erstmals anhand eines arktischen Bohrkerns rekonstruiert werden. Absolut neu und überraschend ist, dass sich die Arktis wesentlich früher abgekühlt hat, als bisher angenommen. In der Bohrung auf dem Lomonosow-Rücken hat man eistransportiertes Material in Ablagerungen gefunden, die 45 Millionen Jahre alt sind. Erste Teile der Antarktis begannen ebenfalls vor rund 43 Millionen Jahren zu vereisen. Die Wissenschaftler leiten daraus ab, dass die Abkühlung der Erde seit etwa 50 Millionen Jahren durch entsprechende Prozesse an beiden Polen gesteuert wurde. Die unter Mitarbeit von Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven gewonnenen Erkenntnisse wurden jetzt im Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlicht.
Die bisherige Rekonstruktion der Langzeit-Klimageschichte der Erde beruht überwiegend auf geologischen Informationen aus nicht-polaren Breiten. Aufgrund der logistischen Herausforderungen waren entsprechende Archive aus den polaren Gebieten nur schwer zu gewinnen. Im Spätsommer 2004 wurden drei Eisbrecher eingesetzt, um einen 400 Meter langen Sedimentkern vom dem in der zentralen Arktis gelegenen Lomonosow-Rücken zu erhalten.
Arktis und Antarktis kühlten gleichzeitig ab
Bereits vor dieser Tiefbohrung war bekannt, dass sich die Erde vor 100 Millionen Jahren abzukühlen begann. Die vorhandenen Klimadaten suggerierten, dass die Abkühlung durch die Vereisung in der Antarktis gesteuert wurde. Die Arktis kühlte nach diesem Modell erst sehr viel später vor rund zehn Millionen Jahren ab. In der Bohrung auf dem Lomonosow-Rücken fand sich eistransportiertes Material in Ablagerungen, die 45 Millionen Jahre alt sind. Dies bedeutet, dass Meereis in der Arktis wesentlich früher aufgetreten ist, als bisher angenommen. Erste Teile der Antarktis begannen ebenfalls vor rund 43 Millionen Jahren zu vereisen. Die Autoren leiten daraus ab, dass die Abkühlung der Erde seit etwa 50 Millionen Jahren durch entsprechende Prozesse an beiden Polen gesteuert wurde.
Dieser generelle Abkühlungstrend führte dann zur ersten massiven Vereisung der Antarktis vor ungefähr 14 Millionen Jahren. Aufgrund der globalen Abkühlung vor 3,2 Millionen Jahren begann dann ebenfalls Grönland zu vereisen. Aus der zeitlichen Synchronität der Ereignisse in der Arktis und Antarktis leiten die Autoren ab, dass für die generelle Abkühlung der Erde überwiegend Treibhausgase wie Methan und Kohlendioxyd verantwortlich waren. Die Öffnung von Meeresstrassen, wie die Drake Passage im Süden und die Framstrasse im Norden, hatten offensichtlich einen geringeren Einfluss auf das Weltklima als bisher gedacht.
Tiefbohrung unter schwierigen Bedingungen
Die erste wissenschaftliche Tiefbohrung im arktischen Ozean fand etwa 225 Kilometer vom Nordpol entfernt statt. Meterdicke Packeisrücken und große Treibeisschollen erschwerten die Arbeiten. Voraussetzung für diese Mission waren seismische Daten, die im Jahr 1991 während einer internationalen Arktisexpedition mit den Eisbrechern Polarstern und Oden entlang des Lomonosow-Rückens erhoben wurden. Bisher standen aus dieser Region nur Kurzkerne von weniger als 15 Metern zur Verfügung. „Die in dem 400 Meter langen Bohrkern enthaltenen Sedimente geben Aufschluss über die Klima- und Umweltgeschichte des Arktischen Beckens während der letzten 55 Millionen Jahre“, sagt Prof. Dr. Rüdiger Stein vom Alfred-Wegener-Institut. „Die Kurzkerne lassen keine direkten Aussagen über die längerfristige Klimageschichte zu. Nur anhand des neuen Sedimentkerns können wir den Übergang von einem frühen (alttertiären) eisfreien zu einem eisbedeckten Arktischen Ozean, wie wir ihn heute kennen, erklären.“ Das Verständnis der Ursachen dieser langfristigen Klimaänderungen ist auch von großer Bedeutung, um die aktuell beobachteten Umweltveränderungen in der Arktis zu verstehen.
Vor 55 Millionen Jahren noch tropische Temperaturen
Bis zur Tiefbohrung in der Arktis war auch unbekannt, ob das Klima in der Nordpolarregion vor etwa 55 Millionen Jahren erheblich wärmer war als heute., wie es Untersuchungen aus nicht-polaren Regionen für das globale Klima zeigten. Aus den arktischen Sedimenten lässt sich ablesen, dass in diesem Zeitraum etwa 50 Prozent des heutigen arktischen Ozeans noch nicht existierte und die Wassertemperaturen bei maximal 24 Grad Celsius lagen. Vor und nach diesem Klimaoptimum lagen die Wassertemperaturen in der Arktis nur bei 18 Grad Celsius.
Integrated Ocean Drilling Programm - IODP
Die Bohrkampagne wurde im Rahmen des internationalen Bohrprogramms „Integrated Ocean Drilling Program - IODP“ durchgeführt. Die wissenschaftliche Leitung dieser Expedition lag bei Prof. Jan Backman von der Universität Stockholm und Prof. Kate Moran von Rhodes Island.
Mehr Informationen zum IODP finden Sie unter www.bgr.de/iodp/home.htm oder auf den internationalen Seiten www.iodp.org/
Referenz: K. Moran et al., The Cenozoic palaeoenvironment of the Arctic Ocean, Nature vom 1.06.2006. Bremerhaven, den 1. Juni 2006
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22. Mai 2006: Grünes Licht für neues Forschungsschiff Aurora Borealis
Der Deutsche Wissenschaftsrat sprach heute die Empfehlung aus, den Bau des neuen Forschungsschiffs Aurora Borealis voranzutreiben. Der als europäisches Gemeinschaftsprojekt geplante Forschungseisbrecher soll neben modernster Ausrüstung auch einen Bohrturm erhalten. Das Schiff ist vor allem für den Einsatz in der Arktis vorgesehen und kann als erstes seiner Art auch im Winter im zentralen Nordpolarmeer arbeiten.

„Aurora Borealis ist für die Forschung wichtig, da sie im Gegensatz zu den bisher verfügbaren Forschungseisbrechern eine neuartige Tiefseebohranlage erhalten wird und in den ungünstigen Jahreszeiten unter extremsten Wetterbedingungen im zentralen Nordpolarmeer arbeiten kann“, erklärt Prof. Jörn Thiede, Direktor des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, der seit Jahren unermüdlich für das Projekt wirbt. „Damit können Sedimente aus bis zu 4000 Metern Tiefe und sogar unter einer geschlossenen Eisdecke gewonnen werden.“ Die bisher unerforschten Sedimentablagerungen tief unter dem Boden des Arktischen Ozeans sind ein Schlüssel zum Verständnis der Klimageschichte der Region und ihrer Auswirkungen auf die globale Umwelt über Millionen von Jahren. In der Arktis ist der globale Klimawandel besonders stark zu spüren. Innerhalb der vergangenen Jahrzehnte hat sich die Jahresdurchschnittstemperatur dort stark erhöht. Gletscher fließen schneller ab als bisher beobachtet und Dauerfrostböden tauen auf. Aurora Borealis soll dazu beitragen, diese Prozesse besser zu verstehen und in einen globalen Zusammenhang einzuordnen.
Grünes Licht für effizientere Forschung
Nachdem der Wissenschaftsrat im Jahr 2002 noch keine Empfehlung geben mochte, gab die zweite Runde nun grünes Licht für das 350 Millionen Euro teure Projekt. Die Wissenschaftler hoffen auf eine baldige Einigung der beteiligten Länder für die Finanzierung und Realisierung des Projektes.

Aurora Borealis wird einen effizienteren Einsatz der deutschen Forschungsflotte in den Polarmeeren ermöglichen. Die erst in diesem Jahr an die Wissenschaft übergebene Eisrandschiff Maria S. Merian wird ebenfalls vorwiegend in der Arktis eingesetzt, verfügt allerdings weder über die spezielle Bohrausrüstung noch die Eisgängigkeit der Aurora Borealis. Der derzeit noch modernste Forschungseisbrecher Polarstern ist wechselweise in Arktis und Antarktis im Einsatz. Er könnte nach Indienststellung von Aurora Borealis schwerpunktmäßig in der Antarktis eingesetzt werden und kosten- und zeitaufwändiges Pendeln vermeiden.
Modernstes und innovativstes Forschungsschiff
Das auffälligste Merkmal von Aurora Borealis ist der Bohrturm. Der Bohrapparat wird dabei mittschiffs durch eine Moonpool genannte Öffnung im Rumpf des Schiffes abgelassen. Ein Hiev-Kompensations-System sorgt für Stabilität während der Bergung der Bohrkerne. Durch „slow-motion ice-breaking“ genanntes seitliches Eisbrechen kann sie in eisbedecktem Wasser präzise ihre Position halten. Während der Fahrt durchbricht Aurora Borealis mit einer Geschwindigkeit von 2 bis 3 Knoten eine geschlossene Meereisdecke von bis zu zweieinhalb Metern Dicke frontal.
Zu den Hauptaufgaben des neuen Schiffes zählen neben der Entnahme von Sedimentkernen auch biologische und ozeanographische Untersuchungen insbesondere auch unter Winterbedingungen. Ein zweiter Moonpool ermöglicht den Einsatz von autonomen und ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugen.
Technische Daten
- Länge zw. den Loten: 178 m
- Breite (Hauptdeck): 40 m
- Tiefgang: 10,2 m
- Seitenhöhe bis Hauptdeck: 20,5 m
- Höchstgeschwindigkeit: 15 kn
- Fahrtgeschwindigkeit: 12 kn
- Max. Expeditionsdauer: 60 Tage
- Personal (Crew/Wissenschaft): 120
- Maschinenleistung: 50 MW
- Ladekapazität: 100 Container
Bremerhaven, den 22. Mai 2006
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16. Mai 2006: Grönländische Sonderbriefmarke Alfred Wegener
Am 22. Mai wird im Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung eine Sonderbriefmarke der Grönländischen Post vorgestellt. Die Sonderbriefmarke mit Motiv Alfred Wegener erinnert an die Grönlandexpeditionen des berühmten deutschen Polarforschers Alfred Wegener.
Die Grönländische Post

Die Postgeschichte Grönlands ist eng mit dem Mutterland Dänemark verbunden. Rund 50 Jahre nach der Besiedlung Grönlands durch Europäer erhielt im Jahre 1774 die staatlich kontrollierte Den Kongelige Grønlanske Handel (KGH) das Monopol für den Postverkehr. Aber erst im Jahre 1905 wurden mit drei verschiedenen Paketportomarken die ersten einheitlich für Grönland geltenden Briefmarken herausgegeben. Die in Dänemark hergestellten Marken zeigen den stehenden Eisbären, das Wappen Grönlands, als zentrales Motiv. 1938 kam es zur Übernahme des gesamten Postverkehrs Grönlands durch die Königliche Dänische Post. Die ersten Marken zeigten den dänischen König Christian X, anstatt der von den Grönländern vorgeschlagenen Motive. Erst 2001 wurden diese Motive - Nordlichter, Seehund und Eisbär - veröffentlicht. Die grönländische Post gibt im Durchschnitt 15 Briefmarken pro Jahr neu heraus. Im Laufe der Jahre entstanden verschiedene Serien zu Blumen, Schmetterlingen, Walen, dem kulturellen Erbe – und zu berühmten Expeditionen.
Deutsche Grönlandexpedition Alfred Wegener 1930

Am 1. April 1930 startete die „Deutsche Grönland-Expedition Alfred Wegener“ mit vierzehn Teilnehmern in Kopenhagen unter Leitung Wegeners. Unter Zeitdruck wurden drei Landstationen entlang des 72sten Breitengrades errichtet, in denen ein Jahr lang geophysikalische und meteorologische Messungen durchgeführt werden sollten. Besonders Aufbau und Versorgung der zentral gelegenen Station „Eismitte“ erwiesen sich als schwierig, da die modernen Propellerschlitten bei den herrschenden Schneebedingungen kaum einsetzbar waren. In einer Rettungsaktion unter Leitung Wegeners wurden Ausrüstung und Material bei tiefem Neuschnee und Temperaturen bis minus 54 Grad Celsius über 400 Kilometer mit Hundeschlitten transportiert. Bei der Rückkehr starben Alfred Wegener und sein grönländischer Begleiter Rasmus Villumsen im Eis. Wegeners Bruder Kurt führte die Expedition zu Ende, die Ermittlung der Dicke des 2700 Meter mächtigen grönländischen Eisschildes war einer der wissenschaftlichen Erfolge. Alfred Wegener ist in die Geschichte als einer der bedeutendsten deutschen Polarforscher und Geowissenschaftler eingegangen. Sein Ruhm gründet vor allem auf der Theorie der Kontinentalverschiebung, die er mitbegründet und bekannt gemacht hat.
Wegeners Erbe

Die wissenschaftlichen Erben Wegeners führen dessen Ideen und Forschungsinteressen am Alfred-Wegener-Institut fort. In den Gewässern um Grönland nimmt der Forschungseisbrecher Polarstern regelmäßig physikalische, chemische, geologische und biologische Messungen vor. Eisbohrungen finden in der Arktis wie auch in der Antarktis statt, die dabei gewonnenen Eiskerne ermöglichen die Rekonstruktion historischer Klimaveränderungen. Auch wenn die Technik seit Alfred Wegeners Expeditionen deutliche Fortschritte gemacht hat, erschweren die extremen Umweltbedingungen auch heute noch die Erforschung der Polargebiete und stellen eine Herausforderung an Menschen und Geräte dar.
Präsentation im Alfred-Wegener-Institut
Am 22. Mai präsentieren Vertreter der grönländischen Post ab 11:30 Uhr im Foyer des Institutsgebäudes am Handelshafen 12 die Sonderbriefmarke Alfred Wegener. Ein Vortrag über den Forscher von Prof. Jörn Thiede, Direktor des Alfred-Wegener-Instituts, sowie Filmausschnitte von der Grönlandexpedition Wegeners von 1930 veranschaulichen die historische Bedeutung. Weitere Highlights der Veranstaltung sind Stempel, Briefumschläge, Blocks und Sondermappen mit Motiven um die Deutsche Grönlandexpedition Alfred Wegener von der Deutschen und Grönländischen Post. Bis 17:00 Uhr ist auch der Erwerb der Sondermarke möglich.
Bremerhaven, den 16. Mai 2006
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Gustav Holm
Entladung der „Gustav Holm“. Der Aufstieg auf das am Rande 1000 Meter hohe Inlandeis erwies sich als schwierig

Propeller Schlitten
Die extra aus Deutschland mitgebrachten Propellerschlitten konnten unter den extremen Witterungsbedingungen die Erwartung nicht erfüllen.

Alfred Wegener
Der Polarforscher, Meteorologe und Begründer der Theorie der Kontinentaldrift ist Namensgeber des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung.
15. Mai 2006: Alfred-Wegener-Institut kooperiert mit Universität in Bergen
Am 15. Mai 2006 haben das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und die Universität in Bergen (Norwegen) eine Kooperationsvereinbarung für künftige Forschungsprojekte in den Polarregionen unterzeichnet.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und Forscher der Bereiche Meeres-, Klima- und Polarforschung an der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bergen werden ihre Zusammenarbeit in Zukunft intensivieren. Dazu sind beide Institutionen heute eine Kooperationsvereinbarung eingegangen.
http://www.awi.de/AWI/Presse/PM/pm06-1.hj/pics/060515AWI-UiB_2-w.jpg

Die Vereinbarung beinhaltet die Einrichtung von gemeinsamen Forschungsprojekten, den Gebrauch wissenschaftlicher Ausrüstung, Austausch von Personal und Daten und strategische Forschungsplanung. Besonders ozeanographische und geophysikalische Fragestellungen werden im Mittelpunkt der künftigen Zusammenarbeit stehen.
"Wir greifen mit der Zusammenarbeit mit Bergen eine lange Tradition auf. Schon die erste deutsche Nordpolarexpedition von 1868 unter Kapitän Koldewey ist von Bergen aus aufgebrochen", so Prof. Dr. Jörn Thiede, Direktor des Alfred-Wegener-Instituts.

Die Vereinbarung wurde vom Direktor des Alfred-Wegener-Instituts und dem Rektor der Universität in Bergen, Prof. Dr. Sigmund Grønmo, gemeinsam mit dem Dekan der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fachbereiche, Hans Petter Sejrup, heute in Bergen unterzeichnet.
Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, der Antarktis und in den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.
Bremerhaven, den 15. Mai 2006 Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts: Dr. Jens Kube, Tel. 0471-4831-2007, E-Mail jkube@awi-bremerhaven.de.
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Direktoren
Der Rektor der Universität in Bergen, Prof. Dr. Sigmund Grønmo, und der Direktor des Alfred-Wegener-Instituts, Prof. Dr. Jörn Thiede, unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung.
11. Mai 2006: Rekordluftverschmutzung über der Arktis
Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung beobachteten in der vergangenen Woche die höchste Luftverschmutzung seit Beginn der Messungen in Ny-Ålesund auf Spitzbergen. Die Messgeräte zeigten eine gegenüber normalen Bedingungen extrem erhöhte Aerosolbelastung. Durch eine besondere Großwetterlage Anfang Mai erreichten große Aerosolmengen aus Osteuropa die Atmosphäre über Spitzbergen.

Hohe Konzentration von Aerosolen und Ozon
Die sonst klare Luft über der deutsch-französischen AWIPEV-Forschungsbasis in Ny-Ålesund auf Spitzbergen war deutlich orange-braun gefärbt. Die Werte der deutschen Gruppe bestätigend maßen schwedische Kollegen aus dem Institut für angewandte Umweltwissenschaften (ITM) in Ny-Ålesund bis zu fünfzig Mikrogramm Aerosol pro Kubikmeter Luft – ein Wert, der sonst an belebten Straßen in Stadtgebieten erreicht wird. Parallel verkündete das Norwegische Institut für Luftforschung (NILU) extrem hohe Konzentrationen von Ozon in Bodennähe. Mit über 160 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter wurde der höchste Wert seit Einrichtung der Station im Jahre 1989 ermittelt.
Orange brauner Dunst in der Arktis
Ursache für den diesjährigen Luftverschmutzungs-Rekord ist eine besondere Wetterlage. Dadurch gelangten große Mengen der verschmutzten Luft aus Osteuropa in die sonst sehr saubere Arktis. Eine erhöhte Aerosolkonzentration wurde auch in den vergangenen Jahren jeweils im Frühjahr über der Arktis registriert. Dieses als „Arctic Haze“ bezeichnete Phänomen war allerdings in diesem Jahr so stark wie noch nie ausgeprägt.
Aerosole sind kleine Partikel in der Atmosphäre. Sie können flüssig oder fest sein und dienen als Kondensationskeime für die Wolkenbildung. Weiterhin können sie das Sonnenlicht streuen oder absorbieren. Diese Eigenschaften machen Sie zu wichtigen Einflussfaktoren für das Klimasystem. „Die aktuelle Luftverschmutzung liegt um das Zweieinhalbfache über den Werten vom Frühjahr 2000. Als Folge erwarten wir eine deutlich höhere Erwärmung“, erläutert Dr. Andreas Herber vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.
Seit 1991 messen Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts regelmäßig die Aerosolmenge in der Atmosphäre über Spitzbergen. In den letzten Jahren durchgeführte Messungen mit den Flugzeugen des Alfred-Wegener-Instituts dienen der weiteren Erforschung der Klimawirkung von Aerosolen. „Ob wir hier den Beginn eines Trends sehen, können wir erst durch die Fortsetzung der begonnenen Messungen erkennen“, meint Andreas Herber. Nun untersuchen die Wissenschaftler genauer den Ursprung und die chemische Zusammensetzung der Aerosole.
Die AWIPEV-Forschungsbasis in Ny-Ålesund wird gemeinsam vom deutschen Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und dem französischen Institut Polaire Paul Emile Victor (IPEV) betrieben. Es besteht aus der deutschen Koldewey- und der französischen Rabot-Forschungsstation.
Bremerhaven, den 11. Mai 2006
Ansprechpartner: Dr. Andreas Herber (E-Mail: aherber@awi-bremerhaven.de)
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Spitzbergen
Dunst über Spitzbergen. Links (2. Mai 2006) ist deutlich die Verfärbung der unteren Atmosphäre zu erkennen. Am 8. Mai (rechts) ist die verschmutzte Luftschicht verschwunden.

Höhenprofil Lichtschwächung
Vorläufiges Höhenprofil der Lichtschwächung (Extinktion) als Folge von Absorption und Streuung durch die Aerosole. Deutlich zu sehen ist die dichte Aerosolwolke, die praktisch in Bodennähe beginnt und bis in 2000 Meter Höhe reicht (rot). Zum Vergleich sind die Höhenschnitte für saubere Luft (blau) und für ein Arctic-Haze-Ereignis im Jahr 2000 eingezeichnet (orange).

Optische Dicke
Vergleich der optischen Dicke der Aerosolschicht, als Maß für die Gesamtbelastung der Atmosphäre mit Aerosolen. Deutlich zu sehen ist die 7 fache erhöhte Aerosolbelastung am 2. Mai 2006 (rot) gegenüber sauberer Luft (blau) sowie für ein Arctic-Haze-Ereignis im Jahr 2000 eingezeichnet (orange), jeweils gemessen bei 535 nm.
19. April 2006: Beschleunigter Rückzug des westantarktischen Eisschildes
Der vierte Fahrtabschnitt der 23. Polarstern-Expedition stand ganz im Zeichen der Erkundung und Vermessung des Kontinentalschelfs der Westantarktis. Insbesondere im Bereich der Pine-Island-Bay sollte geklärt werden, warum Gletscher dort verstärkt abfließen.

Erstmals gelang der Zugang zu Bereichen in dieser Bucht, die bis vor wenigen Jahrzehnten noch von Schelfeis bedeckt waren und auch heute nur schwer zugänglich sind. Vermessungen des Meeresbodens im inneren Schelfbereich zeigen erstaunlicherweise pures Gestein. Die fehlenden Ablagerungen von Sedimenten deuten auf den Abtransport durch eine Meeresströmung hin. Erhöhte Temperaturen und Salzgehalte im Tiefenwasser vor der Bucht, sowie vulkanische Aktivitäten, könnten dazu beitragen, dass die Gletscher schneller abfließen und damit den Rückzug des westantarktischen Eisschildes beschleunigen. Ein komplettes Abschmelzen des westantarktischen Eisschildes würde einen Anstieg des Meeresspiegels um fünf Meter zur Folge haben.
Schnelle Gletscherabflüsse in der Pine-Island-Bay

In das Gebiet der Pine-Island-Bay fließen mehrere Gletscherströme vom westantarktischen Kontinent, von denen der Pine-Island-Gletscher und der Thwaites-Gletscher die größten sind. Satellitenbilder bestätigen, dass diese Gletscher schneller zum Meer hin abfließen und dort schneller kalben als andere antarktische Gletscher. Seismische Untersuchungen zeigen, dass ein großer Abschnitt der Pine-Island-Bay nahezu frei von Sedimenten ist. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass entweder eine starke Meeresströmung in größerer Tiefe die Sedimente abträgt, oder aber diese Region erst seit kurzem frei von Schelfeisen ist, so dass sich kaum Sedimente ablagern konnten. Die Tiefenströmung ist im Zusammenhang mit der Entwicklung des westantarktischen Eisschildes wichtig. Um sie genauer zu beobachten, wurden Messbojen ausgebracht, die über ein Jahr lang kontinuierlich Messgrößen wie Temperatur, Salzgehalt und Strömungsgeschwindigkeit aufzeichnen.
Schmelzen Vulkane die Gletscher?

Ebenso könnten vulkanische Aktivitäten die Temperatur unter dem Eisschild soweit erhöhen, dass die Gletscher schneller abfließen. Um diese Möglichkeit zu prüfen, wurden während der Expedition Vulkankegel auf dem westantarktischen Festland per Helikoptereinsatz erkundet. Die gesammelten Gesteinsproben werden nun in den Laboren analysiert. Sie sollen Antworten auf die Fragen liefern, bis wann diese Vulkane aktiv waren und ob sie zum Abschmelzen des Eises beitrugen.
Gletschertröge, tiefe Rinnen und Fjorde
Seismische Vermessungen der tieferen Gesteinsformationen lassen Rückschlüsse auf den geologischen Unterbau des Kontinentalschelfs zu. Die Art und Weise, wie sich dieser Unterbau im Laufe der Erdgeschichte tektonisch entwickelt hat, trägt dazu bei, wie weit sich das Schelfeis überhaupt ausbreiten konnte und welche Wege es dabei nahm.
Bei der Vermessung des Meeresbodens fanden die Wissenschaftler tiefe Rinnen, so genannte Gletschertröge, die bis zu 1600 Meter unter dem Meeresspiegel liegen. „Das sind die bisher tiefsten glazialen Tröge, die jemals auf dem inneren Kontinentalschelf der Antarktis vermessen wurden“, sagt Dr. Karsten Gohl, Fahrtleiter des vierten Fahrtabschnittes mit Polarstern. „Im Vergleich zur Ostantarktis sind diese Gletschertröge vor den westantarktischen Schelfeisen generell tiefer. Das liegt vermutlich daran, dass die Landoberfläche der Westantarktis unter dem Eisschild wesentlich tiefer liegt, als die der Ostantarktis“, erklärt Karsten Gohl. Während der Eiszeiten lag die Landoberfläche durch die größere Auflast des Eisschildes sogar noch tiefer.
Die mächtigen Gletscher haben diese Tröge so eingefurcht, wie zum Beispiel auch die norwegischen Fjorde entstanden sind. „Die Frage ist allerdings, warum diese Tröge kaum mit Sedimenten oder Gesteinsmaterial aufgefüllt wurden, das von den abfließenden Gletschern transportiert wird. Wir vermuten hier starke Strömungen am Meeresboden“, so Karsten Gohl.
Eine andere Erklärung wäre, dass der Eisschild, der während der letzten Eiszeit bis zum äußeren Kontinentalschelf vorgedrungen ist, das Gebiet der inneren Pine-Island-Bay erst in den letzten wenigen tausenden oder gar hunderten von Jahren freigegeben hat, so dass die Zeit für eine Ablagerung von Sedimenten nicht ausreichte. Ob dieses Szenario stimmt, können die Forscher erst nach genauer Analyse der seismischen Daten und des Probenmaterials der Sedimentkerne aus den Trögen nach Rückkehr an das Alfred-Wegener-Institut nachweisen.
Bremerhaven, den 18. April 2006
Ansprechpartner: Dr. Karsten Gohl (Tel.: 471 4831-1361, E-Mail: kgohl@awi-bremerhaven.de)
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30. März 2006: Internationaler Forschertreff in der Antarktis
Kooperation zwischen Deutschland und Argentinien im Dallmann-Labor in der Antarktis verlängert
Am 5. April 2006 wird auf King George Island in der Antarktis der Folgevertrag über die wissenschaftliche Zusammenarbeit am Dallmann-Labor unterzeichnet. Die Direktoren der beiden Forschungsinstitute, Prof. Dr. Jörn Thiede vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, und Dr. Mariano Memolli von der Direccíon Nacional del Antartico Buenos Aires, verlängern damit die seit zwölf Jahren bestehende Kooperation.
Dallmann-Labor auf King-George-Island

Das im Jahre 1994 gegründete Dallmann-Labor ist die erste Forschungseinrichtung mehrerer Nationen in der Antarktis. Es wurde vertraglich eine Zusammenarbeit von Wissenschaftlern aus Deutschland, Argentinien und den Niederlanden vereinbart. In Kooperation mit der argentinischen Station Jubany und deren logistischer Unterstützung schafft das Labor Arbeitsmöglichkeiten für Biologen und Geowissenschaftler. Von Oktober bis März stehen im Dallmann-Labor vierzehn Wohn- und Arbeitsplätze mit insgesamt sieben Laboratorien, einer Werkstatt und einem Lager zur Verfügung. Internetanbindung und modernste Geräte wie eine Stickstoffverflüssigungsanlage zum schonenden Einfrieren von biologischen Proben gehören zur Ausstattung. Eine weitere Besonderheit der Forschungsstation ist die Dekompressionskammer, die den Einsatz von Forschungstauchern nach den strengen deutschen Sicherheitsbestimmungen ermöglicht. Einige Iglu-Hütten ergänzen die Ausstattung. Die gesamten Abwässer der Station Jubany und des Dallmann-Labors werden durch eine vollbiologische Kläranlage gereinigt.
Die Potter Cove

Kernpunkt der biologischen Untersuchungen ist die Erforschung des Ökosystems Potter Cove, die Meeresbucht, an der die Forschungsbasis liegt. Mit Hilfe von Forschungstauchern werden die Struktur und Dynamik der Großalgen- und Tiergemeinschaften, sowie die Lebensweise und Physiologie von Schlüsselarten untersucht. Die Untersuchung von Stoffflüssen im Nahrungsnetz erlaubt eine weitergehende Analyse von Struktur und Funktionsweise dieses Ökosystems. Zusammen mit den physiologischen Daten ist eine Vorhersage über zukünftige Veränderungen angesichts globaler Umweltveränderungen möglich. An Großalgen wird in diesem Zusammenhang besonders die Wirkung der verminderten Ozonschicht und dem damit verbundenen Anstieg der ultravioletten Strahlung auf die Primärproduktion und die marine Biosphäre untersucht.
Das Internationale Polarjahr

Das Dallmann-Labor wird im Internationalen Polarjahr 2007/08 eine Anlaufstelle für internationale Forschungsprojekte sein. In einem der Projekte sollen die Folgen des globalen Klimawandels untersucht werden. In den letzten 50 Jahren ist die Lufttemperatur im Bereich der Antarktischen Halbinsel stark angestiegen. Ein Schwerpunkt ist dabei der erhöhte Eintrag von Schmelzwasser in marine Küstengemeinschaften der Antarktischen Halbinsel. Die damit verbundene Trübung des Wassers führt zu einer drastischen Verschlechterung der Lichtbedingungen für die Algen. Schlechtere Wachstumsbedingungen für diese Primärproduzenten bedeuten geringere Qualität und Quantität der Nahrung für Zooplankton und bodenlebende Organismen, die wiederum auf das Plankton und dessen Abbauprodukte angewiesen sind. Insgesamt wird mit einer deutlichen Veränderung der Struktur und Funktion des Nahrungsnetzes gerechnet.
Das Dallmann-Labor liegt am nördlichen Ende des untersuchten Profils entlang der Antarktischen Halbinsel. Der hier heute vorliegende Zustand des Ökosystems ist wahrscheinlich exemplarisch, und wird in Zukunft auch in weiter südlich gelegenen Gebieten erwartet werden.
Bremerhaven, den 30. März 2006
Ansprechpartner: Prof. Dr. Christian Wiencke (Tel.: 471 4831-1338, E-Mail: cwiencke@awi-bremerhaven.de)
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Dallmann Labor
Das Dallmann-Labor an der argentinischen Jubany Station liegt an der Potter Cove auf der antarktischen Halbinsel.

Dallmann Labor
Die im Sommer weitgehend eisfreie Bucht bietet ausgezeichnete Gelegenheiten zur Untersuchung des antarktischen Ökosystems.

Dallmann Labor
Der Einsatz von Forschungstauchern in der Antarktis stellt hohe Ansprüche an Mensch und Material.
27. März 2006: Carl Weyprecht (1838-1881) und das Internationale Polarjahr
Die Suche nach der Nordostpassage mündete im Internationalen Polarjahr
Am 29. März jährt sich zum 125. Mal der Todestag Carl Weyprechts. Der Marineoffizier mit wissenschaftlicher Ausbildung leitete im Jahre 1872 die Nordpolexpedition, deren Ziel die Erforschung der Nordostpassage war. Nach dem Verlust seines Schiffes und dem Scheitern der Expedition plädierte er vehement für feste Forschungsstationen in den Polargebieten. „Die arktische Forschung ist für die Kenntnis von den Naturgesetzen von höchster Bedeutung“, schrieb er in seinem Aufsatz zu den „Grundprinzipien der arktischen Forschung“. Seine Thesen führten zur Ausrichtung des ersten Internationalen Polarjahres 1882/1883, dem 1932-1933 und 1957-1958 zwei weitere wissenschaftliche Großveranstaltungen an den Polen folgten. Zur Zeit laufen die Vorbereitungen für das im März 2007 beginnende vierte Internationale Polarjahr.
Ganz aktuell: Eismassenbilanzen

Der am 8. September 1838 in Darmstadt geborene Carl Weyprecht war Marineoffizier, Arktisforscher und Geophysiker in österreichisch-ungarischen Diensten. Vor der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften stellte Weyprecht in Wien im Dezember 1871 eine Bilanzbetrachtung zur Eisbedeckung des arktischen Beckens an. Die Betrachtung der Quellen und Senken als Ursache der saisonalen Schwankungen bilden den eigentlichen Gegenstand seiner Ausführungen. Da er die Eisbildungsrate während der sechs Monate des Sommerhalbjahres als vernachlässigbar annahm, den Abfluss der Eismassen als kontinuierlich voraussetzte, kam er zu der Folgerung, dass im Herbst ein schiffbares zentralarktisches Becken existieren müsste. Aufgrund dieser These forderte Weyprecht Schiffsexpeditionen zur Aufsuchung der Zentralarktis und zur Verfolgung der sibirischen Küste.
Auf Suche nach der Nordostpassage
Im Jahr 1871 erfolgte zusammen mit Julius Payer eine erste Expedition in die Barentssee. Die Österreich-Ungarische Nordpolexpedition zur Erforschung der Nordostpassage startete 1872 in Bremerhaven unter der Leitung von Carl Weyprecht und Julius Payer mit der eisgängigen „Admiral Tegetthoff“. Im Laufe dieser Expedition wurde zwar der Franz-Josef-Inseln entdeckt, aber nicht eines der geographischen Ziele erreicht. Nach zwei Überwinterungen musste das Schiff aufgegeben werden. Über das Eis gelang unter Weyprechts Führung die glückliche Rückkehr mit Schlitten und Booten. Wegen des nach Norden driftenden Treibeises dauerte es 90 Tage bis sie die Eisgrenze erreichten. Von dort an konnten die vier mitgeführten Boote genutzt werden.
Grundprinzipien der arktischen Forschung

Ab 1875 setzt er sich unnachgiebig dafür ein, zirkumpolare Forschungsstationen einzurichten. Diese sollten die klassischen Polarexpeditionen ablösen. In seiner Schrift „Die Grundprinzipien der Arktischen Forschung“ macht er sich stark für ein systematisches Erforschen der Polargebiete in internationaler Zusammenarbeit. In seinen Thesen vertrat er die starke Bedeutung der Polargebiete für die naturwissenschaftliche Forschung und wies auf die Notwendigkeit koordinierter Beobachtungsreihen hin.
Der Weg zum Internationalen Polarjahr

Die Bemühungen Weyprechts fanden erste große Resonanz auf der zweiten internationalen Meteorologen-Konferenz in Rom 1879. Als Folge wurde am 5. Oktober 1879 die Internationale Polarkommission in der Deutschen Seewarte in Hamburg gegründet. Georg von Neumayer, zu der Zeit Direktor der Deutschen Seewarte, wurde Vorsitzender der Kommission. In nur drei Jahren bereitete er den Weg für das erste internationale Polarjahr. Neumayer vertrat erfolgreich die Idee, die Antarktis in das Programm einzubeziehen. Im Jahr nach dem Tod Weyprechts am 29. März 1881 in Michelstadt fand das erste Internationale Polarjahr mit Beteiligung von zwölf Nationen statt. Das bis dahin größte wissenschaftliche Projekt umfasste 15 aufeinander abgestimmte Expeditionen in Arktis und Antarktis.
Im zweiten Polarjahr 50 Jahre später stieg die Anzahl teilnehmender Nationen von 12 auf 67. Im Internationalen Geophysikalischen Jahr 1957 – 1958, der dritten wissenschaftlichen Großveranstaltung in den Polargebieten, waren rund 80.000 Wissenschaftler aus vielen Ländern der Welt vertreten. Ein Resultat war der 1959 abgeschlossene Antarktisvertrag, dem seit 1979 auch die Bundesrepublik Deutschland angehört.
Die deutsche Gesellschaft für Polarforschung verleiht seit 1967 an verdiente Forscher die Carl-Weyprecht-Medaille.
Vom 29. März bis 6. August zeigt das Odenwaldmuseum Michelstadt anlässlich des 125. Todestages von Carl Weyprecht eine von der deutschen Gesellschaft für Polarforschung und der Volkshochschule Odenwald ausgerichtete Sonderausstellung unter dem Motto "Polarforschung gestern - heute - morgen". Am 29. März findet ebenfalls in Michelstadt eine Gedenkveranstaltung mit Vorträgen statt.
Bremerhaven, den 27. März 2006
Ansprechpartner: Dr. Reinhard A. Krause (Tel.: 471 4831-1924, E-Mail: rkrause@awi-bremerhaven.de)
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Carl Weyprecht
Carl Weyprechts Thesen führten zur Ausrichtung des ersten Internationalen Polarjahres 1882/83.

Georg von Neumayer
Georg von Neumayer (1826-1909), Leiter der Deutschen Seewarte in Hamburg und Mitbereiter des Internationalen Polarjahres.
23. März 2006: Sonnenschau in der Arktis
Photometer-Vergleichskampagne auf Spitzbergen
Zwei Wochen lang blicken ab dem 23. März in einer Vergleichsaktion zwölf Sonnenphotometer in den vermeintlich klaren arktischen Himmel. Mit der Mess- und Vergleichskampagne werden die Voraussetzungen geschaffen, um im Internationalen Polarjahr 2007/08 die Luftverschmutzung durch Aerosole in bisher nicht erreichter Genauigkeit an über zwanzig Standorten in den Polarregionen zu bestimmen. An der deutsch-französischen Forschungsbasis auf Spitzbergen treffen sich zwanzig Wissenschaftler aus neun Nationen zum Abgleich ihrer Spektralradiometer. Die Forschungsbasis wird vom Alfred-Wegener-Institut gemeinsam mit dem französischen Polarforschungsinstitut Paul Emile Victor betrieben.

Unter gemeinsamer Federführung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung und des italienischen Instituts für Atmosphärenforschung Bologna treffen sich neun der 19 teilnehmenden Nationen des Polar-AOD-Netzwerkes (Aerosol Optical Depth in Polar Regions) in Ny-Ålesund auf Spitzbergen. Sonnenphotometer sind eine spezielle Variante von Strahlungsmessgeräten, welche die Intensität der Sonne in verschiedenen Farbbereichen messen können. Durch Vergleich der am Boden gemessenen Lichtintensität mit der außerhalb der Atmosphäre kann man ermitteln, wie viel Licht durch Streuung und Absorption in den Luftschichten herausgefiltert wird. Die Intensitätsänderung geht einher mit der Veränderung der Farbe des Sonnenlichtes. Die Farbveränderung erlaubt gleichzeitig Aufschluss über den Charakter feiner Schwebeteilchen, der Aerosole, die in der Atmosphäre für die Lichtabschwächung sorgen.

Seesalz, Sahara-Staub und Abgase
Atmosphärische Aerosole haben erheblichen Einfluss auf den Strahlungshaushalt und damit auf das Klima der Erde. Natürlicherweise auftretende Aerosole sind Schwefelsäuretröpfchen, Seesalz, Sahara-Staub und andere mineralische Komponenten. Aber zunehmend nimmt auch der Mensch Einfluss. "Vom Menschen werden durch Verbrennungsprozesse, Flugverkehr und Industrieabgase heute etwa zwanzig bis dreißig Prozent des atmosphärischen Aerosols erzeugt", so Dr. Andreas Herber vom Alfred-Wegener-Institut, Organisator der Messgerätevergleichs auf Spitzbergen.
Die Polarregionen sind Schlüsselgebiete für das Erdklima. Wichtige Voraussetzungen für präzise Klimavorhersagen sind ein genaues Verständnis und eine lückenlose Beschreibung der Aerosolbelastung. Aufgabe des Polar-AOD-Netzwerkes ist es zu verstehen, auf welchen Wegen das vom Menschen verursachte Aerosol, aber auch das natürliche, in die Polarregionen transportiert wird. Durch die räumliche und zeitliche Abdeckung in den Untersuchungsgebieten wird es erstmals ermöglicht, global und an beiden Polen der Erde die optische Wirkung der Aerosole zu bestimmen.
Weitere Informationen zum Polar-AOD-Projekt finden Sie auf der Webseite
Hier finden Sie Antworten zum Thema von Dr. Andreas Herber als Text und Audiofiles
Bremerhaven, den 23. März 2006
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23. März 2006: Neue Klimadaten aus altem Eis
Kleine Aerosolpartikel in 740.000 Jahre altem Eiskern geben Aufschluss über große Klimaänderungen
In allen Kaltzeiten der letzten 740.000 Jahre war die Meereisbedeckung rund um die Antarktis sehr viel größer als in Warmzeiten. Gleichzeitig war der Süden Südamerikas deutlich trockener und windiger als heute, was zu einem stark erhöhten Staubeintrag in die Antarktis führte. Dies ergibt die diese Woche im Wissenschaftsmagazin „Nature“ veröffentlichte Untersuchung von Aerosolpartikeln in einem drei Kilometer langen Eiskern durch ein europäisches Wissenschaftler-Team unter Beteiligung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung.
Änderung der antarktischen Meereisbedeckung

Der bereits im Dezember 2004 während des EPICA (European Project for Ice Coring in Antarctica) Projektes in der Ostantarktis gewonnene Eiskern von Dome C (75° 06’S, 123° 21’O) überdeckt mehr als acht aufeinander folgende Wechsel von Eis- und Warmzeiten (glaziale Zyklen). Der Kern ist somit das längste kontinuierliche Eiskernarchiv, das jemals gewonnen wurde. Für ihre Studien bestimmten die Wissenschaftler die Konzentrationen kleinster Aerosolpartikel im Eis, die weit entfernt an der Ozeanoberfläche oder auf den Kontinenten produziert und mit dem Wind in die Antarktis transportiert wurden. So weist die Konzentration von Seesalzaerosolen, welche beim Gefrieren von Meerwasser gebildet werden, auf eine großräumige Ausdehnung der Meereisbedeckung rund um die Antarktis in allen Kaltzeiten hin.
Keine Erhöhung der biologischen Aktivität

Erhöhte Konzentrationen kleiner Mineralstaubteilchen in den Kaltzeiten deuten auf ein trockeneres Klima in den angrenzenden Kontinenten, insbesondere Südamerika. Der mit dem Wind in den Südozean transportierte Staub stellt auch vermehrt Nährstoffe für das Plankton im Ozean zur Verfügung. Analysen von Sulfataerosol im Eiskern, das bei Algenblüten produziert wird, weisen allerdings nicht auf eine erhöhte biologische Produktion im Südozean hin. „Unsere Ergebnisse lassen das bisherige Verständnis, wie die Biologie im Südozean auf Klimawechsel reagiert haben könnte, in einem neuen Licht erscheinen. Zumindest für den südlichen Teil des Südozeans müssen wir Vorstellungen über eine Erhöhung der biologischen Produktivität in Eiszeiten neu überdenken“, meint Hubertus Fischer, Leiter der chemischen Untersuchungen am Alfred-Wegener-Institut.
Aus der Vergangenheit auf die Zukunft schließen

Nach der Analyse der Temperaturänderungen im Verlauf der letzten acht Klimazyklen wurde jetzt mit der Untersuchung gelöster chemischer Bestandteile im Eiskern ein weiterer wichtiger Schritt zur Beurteilung der historischen Klimaveränderungen gemacht. Diese Daten sind essentiell für das Verständnis der zukünftigen Klimaentwicklung. „Unsere Forschungsergebnisse zeigen jedes Mal eine ähnliche Abfolge der gleichen Änderungsprozesse, wenn im Verlauf der letzten 740.000 Jahre warme Klimabedingungen mit kalten abwechselten“, erklärt Eric Wolff vom British Antarctic Survey, Erstautor der jetzt veröffentlichten Studie. „Wir schließen daraus, dass die Erde im Verlauf von Klimaänderungen Regeln folgt. Wenn wir diese Regeln verstehen, können wir Klimamodelle und somit auch Prognosen für die Zukunft verbessern.“
EPICA Projekt
Das Projekt EPICA wird von einem Konsortium aus zehn europäischen Ländern (Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz) durchgeführt. EPICA wird von der European Science Foundation (ESF) koordiniert und durch die beteiligten Länder und die Europäische Union finanziert. Ziel von EPICA war es, im Inlandeis der Antarktis zwei Eiskerne zu erbohren, die bis zum Felsuntergrund reichen. Das Team auf Dome C arbeitete bei Temperaturen bis zu minus 40 °C bis die Bohrung im Dezember 2004 abgeschlossen wurde. Von den 3260 Meter Eiskern wurden bisher nur die oberen 3000 Meter analysiert. Die Glaziologen schätzen, dass in dem noch älteren Eis die ungestörte Klimageschichte bis zu einem Alter von ungefähr 900.000 Jahren gespeichert ist.

Neben der Bohrung an Dome C wurde auch an der Kohnen-Station im Dronning Maud Land (75°00'S, 00°04'O) eine EPICA Bohrung niedergebracht, für die das Alfred-Wegener-Institut die Verantwortung trägt. Diese Bohrung wurde in der vergangenen Feldsaison 2005/06 erfolgreich abgeschlossen. Die chemischen und physikalischen Untersuchungen an dem gewonnen Eiskern sind in vollem Gange. EPICA ist eines der Kernprojekte im Rahmen des Forschungskonzeptes „Meeres-, Küsten- und Polarsysteme“ im Forschungsbereich „Erde und Umwelt“ der Helmholtz-Gemeinschaft.
Referenz: E. W. Wolff et al., Southern Ocean sea-ice extent, productivity and iron flux over the past eight glacial cycles, Nature 440, 491 (2006).
Bremerhaven, den 23. März 2006
Ansprechpartner ist Dr. Hubertus Fischer (Tel.: +49 (0)471-4831 1174; E-Mail: hufischer@awi-bremerhaven.de)
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Dome C
An der antarktischen Station Dome C wurde das bisher älteste Eis der Antarktis geborgen.

Eiskerne
Die einzelnen Segmente des Bohrkerns werden gekennzeichnet und bis zur endgültigen Auswertung im Eislabor gelagert.
15. März 2006: Arktiskonferenz in Potsdam
Vom 22. bis 29. März findet die Arctic Science Summit Week (ASSW) in Potsdam statt. Das gemeinsam von internationalen Organisationen und dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung veranstaltete Treffen ist eine der international bedeutendsten interdisziplinären Tagungen zur Arktisforschung. Neben einer Vielzahl wissenschaftlicher Vereinigungen berät sich auch der Arktische Rat in Potsdam. In der Woche werden langfristige Perspektiven der internationalen Arktisforschung definiert und von den Beteiligten koordiniert. Im Vorfeld des Internationalen Polarjahres (IPY) 2007/2008 kommt der diesjährigen Tagung eine besondere Bedeutung zu.
Meetings, Komitees und Foren

Auf einer Reihe von teilweise öffentlichen Foren und Komitees befassen sich „International Arctic Science Committee“ (IASC), „European Polar Board“ (EPB), „Arctic Ocean Science Board“ (AOSB) und „Pacific Arctic Group“ (PAG) mit neuesten Erkenntnissen und Projektplanungen zur Arktisforschung. Weiterhin treffen sich „Forum of Arctic Research Operators“ (FARO), „Ny-Ålesund Science Managers Committee“ (NySMAC), „International Permafrost Association“ (IPA) und der Arktische Rat (Arctic Council). Führende Vertreter des Arktischen Rates diskutieren über notwendige Konsequenzen aus dem vom Rat in Auftrag gegebenen Arctic Climate Impact Assessment Report (ACIA) zur Situation von Umwelt und Mensch in der Arktis. Der Arktische Rat ist ein hochrangig besetztes zwischenstaatliches Gremium aus Vertretern der acht Arktis-Anrainerstaaten und wissenschaftlicher Organisationen.

Zentraler Teil der Veranstaltung sind der Wissenschaftstag am Sonnabend, dem 25. März und ein Projekttag am Sonntag, dem 26. März. Am 25. März werden aktuelle Themen mit dem Schwerpunkt „Auswirkung des Klimawandels auf die Arktis “ präsentiert. „Zurückgehendes Meereis, schmelzende Gletscher und tauender Permafrost, Veränderung der Ökosysteme und akute Gefährdung von Tierarten zählen zu den Themen, die in dem wissenschaftlichen Symposiums vorgestellt und diskutiert werden“, erklärt Prof. Dr. Hans-Wolfgang Hubberten von der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts und Mitglied im nationalen Organisationskomitee.
Am 26. März steht die Planung für das Internationale Polarjahr 2007/2008 im Mittelpunkt. Der aktuelle Forschungsbedarf wird diskutiert und Schiffseinsätze während des Polarjahres werden abgestimmt. Weiterhin stehen die Planung und Einrichtung von Observatorien zur langfristigen Beobachtung klimabedingter Veränderungen in der Arktis auf dem Programm.
IPY

Ein Jahr vor dem Start des vierten Internationalen Polarjahres am 1. März 2007 läuft der Countdown im Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Zehntausende Wissenschaftler aus aller Welt werden in dem Mammutprojekt die Arktis und die Antarktis erforschen. Ein Schwerpunkt sind der Einfluss der Polarregionen auf das weltweite Klima und die Folgen des aktuellen Klimawandels. Dazu erfolgt eine breite räumliche Erfassung des jetzigen Zustands der Umwelt in den Polarregionen. Das Internationale Polarjahr 2007-2008 wird auf Initiative und unter der Schirmherrschaft des International Council for Science (ICSU) und der World Meteorological Organisation (WMO) durchgeführt. Mit Wissenschaftlern aus über 60 Nationen stellt es die bisher größte gemeinsame Wissenschaftsveranstaltung der Geschichte dar. Seit Beginn der Vorbereitungen im Jahr 2003 sind weit über tausend Projektvorschläge bei der internationalen Planungsgruppe eingegangen, von denen zur Zeit knapp über 400 akzeptiert sind. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Alfred-Wegener-Instituts sind - zum Teil federführend - an über 50 dieser internationalen Kooperationen beteiligt. Eine Investition Deutschlands ist die Errichtung der neuen Antarktisstation des Alfred-Wegener-Instituts. Das verbleibende Jahr bis zum offiziellen Beginn wird vor allem der intensiven Vorbereitung und gegenseitigen Abstimmung der wissenschaftlichen Projekte und dem koordinierten Einsatz der logistischen Ressourcen dienen.

ASSW
Die Arctic Science Summit Week findet jährlich statt. Nach der ASSW 2005 in Kunming, China, wird die diesjährige Tagung gemeinsam mit dem Institut Polaire Français Paul Emile Victor aus Frankreich veranstaltet. Die lokale Organisation liegt in den Händen des Alfred-Wegener-Instituts. Mit einer Posterpräsentation werden die wissenschaftlichen Ergebnisse der deutschen Forschergruppen während der ganzen Tagung einem hochkarätigen internationalen Publikum vorgestellt.
Mehr Informationen zur Tagung finden Sie unter:
http://www.assw2006.de/assw2006/contact.html
Informationen zum Science- und Projectday:
http://www.assw2006.de/assw2006/science.html
Bremerhaven, den 15. März 2006
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1. März 2006: Die Arktis beeinflusst das Klima Europas
Verbessertes Klimamodell sagt häufigere kalte Winter voraus
Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes, der GKSS und weiterer Forschungsinstitutionen entwickelten im Rahmen eines EU-Projektes ein Ozean-Atmosphären-Modell, das verbesserte Aussagen zur Klimaentwicklung erlaubt. Dies gelang durch eine genauere Berechnung des Rückstrahlvermögens für Sonnenstrahlung, dem offenbar wichtigsten Faktor für die polare Verstärkung der globalen Erwärmung. Die Simulation zeigt eine deutliche Veränderung des Wettergeschehens im nordatlantischen Raum. Trockene und kalte Winter könnten häufiger auftreten als bisher angenommen.

Sonne, Eis und Schnee
Das globale Klima wird maßgeblich durch die Polarregionen beeinflusst: Eisflächen besitzen ein großes Rückstrahlvermögen für Sonnenstrahlung, die Albedo. Vom Eis bedeckte Bereiche erwärmen sich daher deutlich weniger als unbedeckte Gebiete. Führt globale Erwärmung zu einem Rückgang der Eisbedeckung, sinkt die Albedo und verstärkt damit die Erwärmung weiter. Mögliche Änderungen der Eisdicke, der Eisausdehnung und der beschriebenen Eis- und Schnee-Albedo-Rückkopplung stellen bisher eine der größten Unsicherheiten bei der Vorhersage der zukünftigen Klimaentwicklung dar.
Eine verbesserte Berechnung der Eis- und Schnee-Albedo-Rückkopplung wurde zunächst in einem regionalen Klimamodell der Arktis getestet und dann in einem globalen Klimamodell des gekoppelten Systems Atmosphäre-Ozean-Meereis berücksichtigt. „Ein Modelllauf über 500 Jahre dauert ungefähr zwei Monate“, erklärt Andreas Benkel vom GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht. „In der Regel läuft so eine Simulation in vielen Teilstücken von zehn Jahren, dann wird gespeichert und neu gestartet.“

Globale Auswirkungen arktischer Klimaprozesse
Die Modellierungsergebnisse zeigen eine Umverteilung der Energieflüsse in der Arktis. Dadurch wird die Nordatlantische Oszillation (NAO) beeinflusst. Unter der NAO versteht man die Schwankung des Druckverhältnisses zwischen dem Islandtief im Norden und dem Azorenhoch im Süden des Nordatlantiks. Man unterscheidet eine positive und eine negative Phase. Diese Luftdruckschwankungen gehen in der positiven Phase einher mit einer verstärkten West-Ost-Strömung über dem Nordatlantik. Dadurch gelangt vermehrt warme und feuchte Meeresluft nach Nord- und Mitteleuropa. In der negativen Phase schwächt sich die West-Ost-Strömung ab und es wird verstärkt kalte Polarluft nach Europa transportiert. „Die gegenwärtig beobachtete Erwärmung im Winter steht im Zusammenhang mit den Änderungen der Fernverbindungsmuster der Nordatlantischen Oszillation oder der Arktischen Oszillation“, so Prof. Dr. Klaus Dethloff vom Alfred-Wegener-Institut. „Dieses globale Muster der Luftdruck- und Temperaturverteilung hat sich in den letzten fünf Jahrzehnten deutlich verändert. In den Wintern trat eine deutliche Erwärmung und in den Sommern ein leichte Abkühlung auf.“
Das verbesserte Modell sagt eine Tendenz zur negativen NAO-Phase voraus. „Die verbesserte Parametrisierung des Klimamodells zeigt, dass die globalen Muster der mittleren Troposphäre denen der nordatlantischen und arktischen Oszillation ähneln“, sagt Klaus Dethloff. Diese Schwankungen üben einen starken Einfluss auf das Klima Europas aus. Die Stärke der Westwinde und der Verlauf von Stürmen werden beeinflusst. Kalte und trockene Winter könnten somit häufiger auftreten.
Quelle: Geophysical Research Letters, Februar 2006
Kontakt: Prof. Dr. Klaus Dethloff (Tel. +49 (331) 288-2104; E-Mail: dethloff@awi-potsdam.de))
Bremerhaven, den 1. März 2006
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Wind
Differenzen West-Ost-Komponente des Windes in ca. fünf Kilometern Höhe zwischen alten und neuen Modellrechnungen. In gelb-rot ist die Strömung im neuen Modell westlicher, in grün-blau östlicher als im alten Modell.
1. März 2006: Treibhausgas aus der Tiefsee
Treibhausgas aus der Tiefsee
Methan vom Meeresgrund trägt stärker zur globalen Erwärmung bei als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung nach Untersuchungen an einem Schlammvulkan in der Tiefsee zwischen Norwegen und Spitzbergen.

Methan 20-mal wirkungsvoller als Kohlendioxyd
Ein wichtiger Faktor für den derzeitigen globalen Klimawandel ist der Treibhauseffekt. Verantwortlich dafür sind unter anderem die beiden Gase Kohlendioxyd und Methan. Sie verhindern, dass überschüssige Wärme von der Erde ins Weltall abgestrahlt wird. Ein Methanmolekül ist hierbei über 20-mal wirkungsvoller als Kohlendioxyd und leistet damit einen deutlichen Beitrag zur Erderwärmung.
Während man die meisten Methanquellen an Land kennt, sind ozeanische Methanquellen weit weniger erforscht. Fraglich ist vor allem der Anteil an Methan, der aus dem Ozean in die Atmosphäre gelangt, also klimarelevant ist. Bis vor kurzem wurde angenommen, dass vom Meeresboden freigesetztes Methan sofort von Mikroben zersetzt und unschädlich gemacht wird. Methan aus der Tiefsee hätte damit praktisch keine Auswirkungen auf unser Klima.

Schlammvulkane geben Methan an Atmospäre ab
Forschungen eines deutsch-französisch-russischen Teams unter Leitung des Alfred-Wegener Instituts zeigen jedoch, dass erhebliche Mengen an Methan aus untermeerischen Quellen in die Atmosphäre gelangen. Bei Untersuchungen am aktiven Håkon Mosby Schlammvulkan zwischen Norwegen und Spitzbergen entdeckten die Forscher eine Wolke aus Methanblasen, die sich 800 Meter über dem Tiefseeboden in 1250 Metern Tiefe ausbreitet. Optische und akustische Beobachtungen zeigten, dass das umgebende Wasser vom Auftrieb der Bläschen nach oben gerissen wird und das Methan auch oberhalb der Blasenauflösung weiter zur Meeresoberfläche trägt. Allein im Bereich des Håkon Mosby Schlammvulkans fördern die Bläschen nach Berechnungen der Wissenschaftler einige hundert Tonnen Methan pro Jahr in die obere Wassersäule. „Weltweit wird die Zahl der untermeerischen Schlammvulkane auf mehrere tausend geschätzt“, erklärt Eberhard Sauter, Geochemiker am Alfred-Wegener-Institut. „Ihr Beitrag zum globalen Methanhaushalt kann also durchaus wichtig sein.“
Derzeit wird versucht, eine akustische Methode zur Bestimmung der Methanmenge zu entwickeln. Damit sollen Methanquellen künftig leichter gefunden und charakterisiert werden können. Man erhofft sich so genauere Zahlen zur Unterstützung von Modellrechnungen zur Klimaentwicklung.

Die Ergebnisse wurden in Kooperation des Alfred-Wegener-Instituts mit seinem französischen Partnerinstitut Ifremer unter Beteiligung des Bremer Max-Planck-Insituts für Marine Mikrobiologie und des Institutes für Angewandte Physik der Russischen Akademie der Wissenschaften Nizhny Novgorod erarbeitet.
Der Originalartikel ist in Earth and Planetary Science Letters veröffentlicht.
Kontakt: Dr. Eberhard Sauter (E-Mail: esauter@awi-bremerhaven.de, Tel: +49 (0)471 4831 1517)
Bremerhaven, den 1. März 2006
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Methanblasen
Austritt von Methanblasen am Håkon Mosby Schlammvulkan. Mehrere hundert Tonnen Methan werden hier pro Jahr freigesetzt.
27. Februar 2006: 1981-2006: 25 Jahre Antarktisforschung an der Neumayer-Station
Am 5. Februar 1979 unterzeichnete die Bundesrepublik Deutschland den Antarktisvertrag und erlangte im März 1981 in der Runde der Antarktisvertragsstaaten den Konsultativstatus. Voraussetzung dafür war der Betrieb einer permanent besetzten Antarktisstation: Am 3. März 1981 wurde die Georg-von-Neumayer-Station des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung eingeweiht.

Seit Anbeginn fungierte die Georg-von-Neumayer-Station als wissenschaftliches Observatorium für Geophysik, Meteorologie und Luftchemie sowie als logistische Basis für Sommerexpeditionen. Im März 1992 wurde die heutige Neumayer-Station fertig gestellt. Sie ist - wie die erste - eine Röhrenstation und wird von neun Überwinterern ganzjährig betrieben. Die Besatzung der Station stellt die Qualität der Langzeitmessungen sicher und gewährleistet die Einbindung der wissenschaftlichen Observatorien in ein weltweites Netz von Beobachtungsstationen.
Erdbeben und singende Eisberge
Ein Jahr nach der Eröffnung der Georg-von-Neumayer-Station wurde das geophysikalische Observatorium in Betrieb genommen. Im Laufe der Jahre wurden an der Neumayer-Station viele tausende von Erdbeben registriert, deren Epizentren weltweit verteilt waren. Mit Hilfe des Observatoriums an der Neumayer-Station konnte auch ein anfangs rätselhaftes Phänomen in den Aufzeichnungen geklärt werden. Es wurden, zum Teil über Stunden und Tage andauernde, harmonische Schwingungen registriert, deren vermuteter Entstehungsort auch noch wanderte. Wie sich erst kürzlich herausstellte, entstehen diese Schwingungen durch Wasser, das durch die Spaltensysteme großer Eisberge hindurchströmt – die singenden Eisberge.

In der Saison 2002/2003 wurde in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover die Infraschall-Anlage IS27 errichtet. Diese Anlage aus insgesamt neun Messinstrumenten registriert kleinste Druckschwankungen in der Atmosphäre. Als eine von 60 Stationen weltweit ist IS27 ein Beitrag der Bundesrepublik Deutschland zur Überprüfung der Einhaltung des Kernwaffen-Test-Stopp-Abkommens.
Saubere Luft für klare Daten
Das erste Spurenstoff-Observatorium wurde 1983 auf Initiative des Instituts für Umweltphysik der Universität Heidelberg an der Georg-von-Neumayer-Station in Betrieb genommen. Seitdem werden für die Antarktis einmalige Datenreihen gewonnen. Neben Treibhausgasen wie Wasserdampf, Kohlendioxid, Methan und Lachgas, erfassen die Wissenschaftler Aerosole und bodennahe Ozonkonzentrationen sowie die chemische Zusammensetzung der Aerosole. In der Antarktis gibt es kein anderes Observatorium mit vergleichbar umfassenden Langzeit-Messreihen. Die Luft über der Antarktis ist außerordentlich sauber. Um Messungen durch lokale Verunreinigungen wie Abgase von Generatoren und Fahrzeugen an der Neumayer-Station zu vermeiden, nahm das Alfred-Wegener-Institut in der Saison 1994/95 ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg ein neues Observatorium in Betrieb. Das Spurenstoff-Observatorium befindet sich heute 1,5 Kilometer südlich der jetzigen Neumayer-Station.

Alle drei Stunden Wetterbericht aus dem ewigen Eis
Seit dem 28. Januar 1981 werden an der Neumayer-Station alle drei Stunden Wetterbeobachtungen durchgeführt. Über 70.000 Datensätze sind seitdem unmittelbar in die weltweite Wettervorhersage eingegangen. Die Entdeckung des Ozonloches über der Antarktis führte zu einer intensiven Forschung. Die bereits 1985 begonnenen Untersuchungen an der benachbarten Georg-Forster-Station der DDR wurden nach der Wiedervereinigung an der Neumayer-Station fortgesetzt. Es gibt in der Antarktis keine vergleichbare Beobachtungsreihe, die den Zerfall der Ozonschicht über einen solchen Zeitraum kontinuierlich festgehalten hat. Das meteorologische Observatorium an der Neumayer-Station ist heute ein international anerkannter Knotenpunkt der World Meteorological Organisation WMO und dient seit einigen Jahren als Wettervorhersagezentrum für die gesamte Nordantarktis. Es trägt dazu bei, Veränderungen der Stratosphäre zu erfassen, Daten für die Erforschung der bodennahen Strahlung zu liefern, sowie Änderungen in diversen klimarelevanten Komponenten zu erfassen. "Auch wenn es an vielen Stellen der Erde wärmer geworden ist, für Neumayer trifft dies nicht zu", so Gert König-Langlo, Meteorologe am Alfred-Wegener-Institut. Gleiches gilt für die meisten anderen Antarktisstationen. Nur im Bereich der antarktischen Halbinsel ist eine deutliche Erwärmung zu verzeichnen.
Aktueller Hinweis
Am 3. März 2006 werden Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts im Haus der Wissenschaft in Bremen über Leben und Arbeit aus einem Vierteljahrhundert Antarktisforschung berichten. Das Alfred-Wegener-Institut wirft auch einen Blick in die Zukunft der deutschen Neumayer-Station und lädt die Öffentlichkeit herzlich ein, 25 Jahre Neumayer-Station zu feiern. Der Eintritt ist kostenlos.
Programm
11:00 Uhr Eröffnung durch Dr. Hartwig Gernandt, Alfred-Wegener-Institut
11:10 Uhr Grußworte von Reinhard Junker, Ministerialdirektor am Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
11:15 Uhr Beiträge aus 25 Jahren wissenschaftliche Observatorien
11:45 Uhr Überwinterung in der Antarktis
12:00 Uhr Vorstellung der neuen Antarktisstation Neumayer III.
Bremerhaven, den 27. Februar 2006
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Georg-von-Neumayer-Station
Von 1981 bis 1992 diente die Georg-von-Neumayer-Station als wissenschaftliches Observatorium und Basis für Sommerexpeditionen in der Antarktis.

Neumayer-Station
Anfang der 1990er Jahre wurde die zweite Antarktisstation gebaut. Auch die Neumayer-Station wurde als Röhrenstation für eine ganzjährige Besatzung konzipiert.

Neumayer-Station
Saubere Energie in der Antarktis: Die Windkraftanlage der heutigen Neumayer-Station.

Neumayer-Station
Saubere Energie in der Antarktis: Die Windkraftanlage der heutigen Neumayer-Die Neumayer-Station liegt heute neun Meter unter dem Eis. Nur die Lüftungsschächte lassen noch eine Forschungsstation erkennen

Neumayer III
Die neue Antarktisstation Neumayer III steht auf Stelzen über dem Eis und soll 2008 in Betrieb gehen.
20. Februar 2006: 150 Stunden über dem Eis - Polarflugzeug kehrt aus der Antarktis zurück
Das Forschungsflugzeug Polar 2 des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven kehrt am 20. Februar von der jährlichen Expedition aus der Antarktis nach Deutschland zurück. Schwerpunkte der knapp siebenwöchigen Kampagne waren Messungen von Eisdicken und Bodenstruktur in einem bisher nicht untersuchten Gebiet der Antarktis sowie die Ermittlung der ehemaligen Lage Indiens am antarktischen Kontinent.

Während der Forschungskampagne vom 21. Dezember 2005 bis 6. Februar 2006 absolvierte Polar 2 über 150 Flugstunden. Im Zentrum der Untersuchungen standen zwei deutsch-japanische Gemeinschaftsprojekte. Im Rahmen des ANTSYO Projekts (Antarctic Flight Missions at Syowa Region) wurden 25.000 Profilkilometer im östlichen Dronning Maud Land kartiert. Insgesamt 24 Messflüge wurden im Rahmen des WEGAS Projekts (West East Gondwana Amalgamation and its Separation) durchgeführt. Polar 2 landet am 20. Februar gegen 11 Uhr auf dem Regionalflughafen Luneort in Bremerhaven.
Im ANTSYO Projekt ermittelten die Wissenschaftler mit Hilfe eines Radio-Echo Systems an Bord von Polar 2 erstmalig Eisdicken und Bodenprofile im östlichen Dronning Maud Land. Diese Daten bilden eine wichtige Grundlage für die Bestimmung von Abschmelzungs- oder Zuwachsprozessen des antarktischen Eises als Folge globaler Klimaänderung. Sie dienen weiterhin als Basis für kontinuierliche Eisdickenmessung, die in Zukunft durch Satelliten wie CryoSat durchgeführt wird.

Im WEGAS Projekt erforschte Polar 2 die unter dem Eisschild verborgenen Kontinentalränder Antarktikas. Gesucht wird der Bereich, in dem bis vor rund 130 Millionen Jahren der indische Subkontinent inklusive der heute vor Afrika liegenden Insel Madagaskar mit der Antarktis verbunden war. Die Forscher erwarten von den Ergebnissen ein besseres Verständnis plattentektonischer Verschiebungen in der Vergangenheit und darauf aufbauend Erkenntnisse über die historische vulkanische Aktivität in der Antarktis, die parallel mit dem Aufbruch von Kontinenten auftritt. „Ein massiver Vulkanismus bei der Abtrennung Indiens von der Antarktis könnte einen erheblichen Einfluss auf die Umweltbedingungen in der Kreidezeit gehabt haben“, erklärt Dr. Wilfried Jokat vom Alfred-Wegener-Institut.
Von den erhoben Daten erhoffen sich die Forscher auch die Klärung einer weiteren Frage. Im Bereich der japanischen Syowa Station wurden Gesteinsbrocken gefunden, die nach Ansicht der japanischen Forscher vielleicht marsianischen Ursprungs sind. Aufgrund der Häufung der Funde vermuten die japanischen Kollegen, dass in der Region vor Millionen von Jahren ein größerer Meteorit eingeschlagen sein könnte. Dieser müsste einen entsprechend großen Krater erzeugt haben, der mit den Flugzeugmessungen unter dem Eisschild aufgespürt werden kann. Die detaillierte Auswertung der Messdaten erfolgt nun nach Rückkehr von Polar 2.
Die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bereederte zweimotorige Polar 2 ist eine für den Einsatz in den Polarregionen umgerüstete und mit spezieller Messtechnik der Firma Optimare ausgerüstete Sonderversion des Mehrzweckflugzeuges Dornier 228/101.
Bremerhaven, den 20. Februar 2006
Hinweise und Links: Animation der plattentektonischen Verschiebungen Gondwanas in den letzten 200 Millionen Jahren
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Polar 2
Polar 2 ist eine umgerüstete Dornier 228/101, die mit spezieller Messtechnik ausgestattet ist.
14. Februar 2006: Ein Jahr Nulldiät für Flügelschnecke
Hungerkünstler aus der Arktis
Die im Wasser schwebende Flügelschnecke Clione limacina kann ein Jahr auf Nahrung verzichten. Untersuchungen am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung zeigten, dass eine Kombination aus einem sehr niedrigem Stoffwechsel, dem Abbau von Körperzellen und der Nutzung spezieller Fette das lange Überleben ohne Nahrung ermöglicht. Die ungewöhnlichen Fette sind auch in den äußeren Hautschichten eingelagert, wo sie sehr wahrscheinlich eine antibakterielle Funktion entfalten.

Spezielle Fette zum Überleben
Untersuchungen in den Laboren des Alfred-Wegener-Instituts zeigten, dass Clione limacina größere Mengen seltener Fette, so genannte Etherlipide, herstellt. „Wir konnten nachweisen, dass diese Etherlipide als Langzeitenergiespeicher fungieren. Sie werden während Hungerphasen sehr viel langsamer abgebaut als die häufiger in der Natur vorkommenden Triacylglycerine“, erklärt Dr. Marco Böer. „Hinzu kommt, dass die arktische Flügelschnecke im Vergleich zu allen anderen marinen Wirbellosen den mit Abstand geringsten Stoffwechsel aufweist.“ Während lang anhaltender Hungerphasen werden nicht nur die energiereichen Lipide aufgebraucht, die Schnecke baut auch die eigene Körpersubstanz ab und schrumpft.
Steht die vegetarische Schwester Limacina wieder zur Verfügung, nutzt Clione die angebotene Nahrung und baut ihre Reserven schnell wieder auf. Bis zu 80 Prozent der Nahrung wird umgesetzt. Andere Meerestiere nutzen häufig nur 20 Prozent.

Chemische Abwehr gegen Fraßfeinde
Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Etherlipide als Tröpfchen in der Haut der Tiere eingelagert sind. Dort dienen diese speziellen Fette vermutlich als chemische Abwehr, um sich frei von Parasiten zu halten. Dem Schutz gegen Fressfeinde dienen auch weitere im Tierreich seltene chemische Verbindungen, die von der Schnecke produziert werden. Zu diesen Verbindungen zählt das Pteroenon, welches die Schnecke für Fische und andere Räuber zum unappetitlichen Happen macht.

Das Überleben von Clione limacina ist heute allerdings aus ganz anderen Gründen gefährdet. Durch die global steigenden Kohlendioxidgehalte steigt auch der Säuregehalt der Meere. Schon in naher Zukunft wäre dadurch die Schalenbildung bei Limacina helicina verhindert. Mit dem Verschwinden ihrer einzigen Nahrung verliert auch Clione ihre Existenzgrundlage. Ein Aussterben beider Flügelschneckenarten würde Auswirkungen für das gesamte Nahrungsnetz haben, denn beide Arten sind wichtige Mitglieder der Nahrungskette im Polarmeer.
Bremerhaven, den 14. Februar 2006
Ansprechpartner in der chemischen Ökologie sind: Prof. Gerhard Kattner und Dr. Martin Graeve
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10. Februar 2006: Nach Drake zu Amundsen - Polarstern-Expedition in die Amundsensee
Vom 10. Februar bis 11. April 2006 erkundet der Forschungseisbrecher Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung die südliche Amundsensee in der Antarktis. Die Vereisungsgeschichte der Westantarktis ist ein Schwerpunkt des vierten Fahrtabschnitts der 23. Antarktis-Expedition. Weiterhin stehen biologische Probennahmen und logistische Aufgaben auf dem Programm. Die Polarstern-Expedition in der Drake-Passage zwischen der Antarktischen Halbinsel und Südamerika wurde am 8. Februar erfolgreich abgeschlossen, alle geplanten Messungen konnten ausgeführt und alle Messstationen wie vorgesehen verankert werden.
Analyse von Gletscherbildung und -schmelze

Die Region der Pine Island Bay in der südlichen Amundsensee ist von besonderem Interesse, weil sich dort in den letzten 20-30 Jahren der Abfluss des Pine-Island-Gletschers und des Thwaites-Gletschers, zweier großer Gletschersysteme des Westantarktischen Eisschildes, enorm beschleunigt hat. Auch in der Vergangenheit schwankte das Volumen dieser Gletscher. Die dabei vom Eis transportierten Sedimente hinterließen Spuren in Form von Ablagerungs- und Erosionsmustern auf dem Kontinentalschelf. Vermessungen und Probennahmen dieser Sedimentschichten in der südlichen Amundsensee erlauben eine Rekonstruktion der Eisvorschübe und -rückzüge während der letzten Eiszeiten. Von diesen Daten erhoffen sich die Wissenschaftler ein besseres Verständnis der Reaktionen des Westantarktischen Eisschilds auf Klimaänderungen. „Der gesamte Westantarktische Eisschild besitzt genug Volumen, um im Falle eines vollständigen Abschmelzens den Meeresspiegel global um sechs Meter ansteigen zu lassen“, erklärt Karsten Gohl vom Alfred-Wegener-Institut, wissenschaftlicher Fahrtleiter der Expedition.
Neben diesen Untersuchungen werden ozeanographische Verankerungen im Bereich der Pine Island Bay ein Jahr lang die Bodenströmungsverhältnisse messen. Proben von Krill und Mikroben aus der Wassersäule sollen Aufschluss über die Futterabhängigkeiten und Biodiversität der Mikroben geben. Nach Versorgung des Dallmann-Labors in der Jubany-Station auf King George Island beendet Polarstern am 11. April in Punta Arenas die Expedition.

Deutsch-französische Expedition erfolgreich abgeschlossen
Die gerade abgeschlossene Expedition in der Drake-Passage stand unter einem guten Stern. Genauer gesagt war es eine schmale Hochdruckbrücke, die für ruhige See sorgte und damit die Abarbeitung der einzelnen wissenschaftlichen Stationen in Rekordzeit ermöglichte. Alle Strömungsmessgeräte wurden wie geplant in der Drake-Passage verankert und sollen nach ihrer Bergung in zwei Jahren zusammen mit den Messdaten des Satelliten Jason-1 genaue Daten zur Menge der transportierten Wassermassen im Antarktischen Zirkumpolarstrom liefern. Zur Analyse der Wassermasseneigenschaften wurden alleine in der ersten Expeditionswoche 8000 Liter Seewasser an 36 Stationen aus verschiedenen Wassertiefen entnommen. Dazu mussten die Schöpfgeräte eine Strecke von zusammengerechnet 280 Kilometern zurücklegen. Erste Analysen dieser Proben zeigen, dass im südlichen Bereich der Drake-Passage die Wassermassen stark durchmischt werden.
Die Zusammenarbeit auf der deutsch-französischen Expedition klappte ausgezeichnet. „Wir haben die einzigartige, auf Erfahrung von Alfred-Wegener-Institut und Schiffscrew aufgebaute Organisation sehr genossen, die Expedition war überaus erfolgreich“, resümiert die französische Fahrtleiterin Christine Provost vom Laboratoire d'Océanographie Dynamique et de Climatologie (LODYC) der Université Pierre et Marie Curie in Paris. Sie wünscht sich eine Fortführung und Verstärkung der deutsch-französischen Zusammenarbeit in der Meeresforschung.
Informationen zur aktuellen Expedition von Polarstern gibt es unter
http://www.awi-bremerhaven.de/MET/Polarstern/psobse.html
Bremerhaven, den 10. Februar 2006
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Pine-Island-Gletscher
Pine-Island-Gletscher und Thwaites-Gletscher in der südlichen Amundsen See.

CTD
In der Drake-Passage wurden Temperatur und Salzgehalt in verschiedenen Meerestiefen wurde mit Hilfe einer CTD-Sonde (Conductivity = Leitfähigkeit, Temperature = Temperatur, Depth = Tiefe) gemessen.
20. Januar 2006: Eiskern-Tiefbohrung in der Antarktis erfolgreich beendet
Ein internationales Team von Wissenschaftlern und Technikern hat am 17. Januar 2006 unter Federführung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung die Eiskern-Tiefbohrung an der Kohnen-Station des Alfred-Wegener-Instituts in Dronning Maud Land/Antarktis in einer Tiefe von 2774 Metern erfolgreich abgeschlossen. Erste Untersuchungen des Eiskerns vor Ort lassen vermuten, dass in den untersten 200 Metern sehr altes Eis erbohrt werden konnte.
Klimadaten aus den letzten 900.000 Jahren

Die Arbeiten erfolgten im Rahmen des EPICA–Programms (European Program for Ice Coring in Antarctica) und hatten das Ziel, detaillierte Informationen über das Klima der Vergangenheit zu erhalten. Von den Daten erwarten die Wissenschaftler entscheidende Verbesserungen zum Verständnis des globalen Klimageschehens. Nach der detaillierten Auswertung in den heimischen Laboren werden zeitlich sehr hoch aufgelöste Klimadaten aus den oberen 2400 Metern der Bohrung, die den letzten Eiszeitzyklus umfassen, vorliegen. Die gewonnenen Bohrkerne aus größeren Tiefen sind vermutlich bis zu 900.000 Jahre alt. Diese Einblicke in die ferne Klimageschichte der Antarktis ermöglichen ein tieferes Verständnis der Bedeutung der Polarregionen für das globale Klimageschehen damals und auch heute.

Fünf Jahre Tiefbohrung in der Antarktis
Eiskern-Tiefbohrprojekte sind langfristig angelegte Forschungsprogramme. Die Arbeiten für EPICA im Dronning Maud Land begannen 1996 mit einer Vorerkundungsphase zur Bestimmung eines geeigneten Bohrpunktes. Sie umfassten umfangreiche geophysikalische und eiskundliche Untersuchungen aus der Luft und am Boden in einem bislang unerforschten Gebiet der Antarktis. Nach der Bestimmung des Bohrpunktes wurde 1999 mit dem Bau der Sommerstation Kohnen bei 75°Süd und 0° 4’ Ost in einer Meereshöhe von 2900 Metern begonnen. Bereits bei Fertigstellung der Station 2001 wurde mit der Einrichtung der Bohrstelle begonnen. Nach Beginn der Tiefbohrung 2001/2002 wurde in vier Bohrsaisons die Bohrung abgeteuft. Über die gesamte Tiefe konnten Eiskerne mit hervorragender Qualität gewonnen werden.

Extreme Belastung für Mensch und Gerät
Feldarbeiten in der Antarktis bieten nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht große Herausforderungen. Die Arbeitsbedingungen für die Menschen und das technische Gerät sind extrem: An der Kohnen-Station herrschen während der Sommermonate Dezember und Januar Temperaturen zwischen minus 35°C und minus 20°C vor, zu Beginn der jetzigen Feldsaison im November 2005 wurden Temperaturen unter minus 50° C gemessen.
Internationale Kooperation
Im EPICA-Projekt arbeitet ein Konsortium von Forschergruppen aus zehn europäischen Ländern (Belgien, Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz) zusammen. EPICA wird über die European Science Foundation (ESF) koordiniert und aus nationalen Beiträgen und Fördermitteln der EU finanziert. Gegenwärtig liegt die Federführung bei Professor Heinrich Miller vom Alfred-Wegener-Institut. Bereits im Dezember 2004 wurde die erste Tiefbohrung des Projekts an der Station Dome Concordia auf dem Inlandeisplateau der Ostantarktis fünf Meter oberhalb des Felsuntergrunds in einer Tiefe von 3270 Metern beendet. Somit stehen nach Auswertung der Bohrung an der Kohnen-Station zwei Datensätze zum Vergleich zur Verfügung, was eine deutlich bessere Interpretation der Messwerte ermöglicht.
Bremerhaven, den 20. Januar 2006
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EPICA-Bohrteam-2006
Das 26-köpfige Team aus Technikern und Wissenschaftlern nach Beendigung der Bohrarbeiten. Am Bohrturm in der Mitte des Bildes hängt eine völlig vereiste Bohrlochsonde, mit der u.a. der Temperaturverlauf im Bohrloch vermessen wurde.

"Eisbart"
Nach dem Eintauchen des Bohrers in das Schmelzwasser am Grund des Eisschildes hat sich am Ende ein Bart aus Eis gebildet.

Bohrhalle
Blick in die Halle aus Schnee und Eis in der die Bohrarbeiten ablaufen. Rechts im Vordergrund ist ein Kernrohr zu sehen in dessen Innerem die einzelnen Eiskerne nach oben kommen.
19. Januar 2006: Wärmerekord in der Arktis
Auf Spitzbergen verzeichnen Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung die höchsten Januar-Temperaturen seit Beginn der Messungen vor 15 Jahren. An zehn Tagen wurden die bisherigen Tagesrekorde um bis zu 3 Grad Celsius überschritten. Im Mittel ist der Januar bisher fast 10 Grad wärmer als im Durchschnitt. Gleichzeitig ist nach Messungen des norwegischen Polarinstituts in der ersten Januarhälfte dreimal so viel Niederschlag gefallen wie sonst im gesamten Monat.

Die deutsch-französische AWIPEV-Forschungsbasis mit der vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung betriebenen Koldewey-Station befindet sich an der Westküste Spitzbergens in Ny-Ålesund, der nur 1200 Kilometer vom Nordpol entfernten nördlichsten Siedlung der Welt. Normalerweise sind dort im Januar Temperaturen um minus 12 Grad Celsius die Regel. Seit dem 4. Januar liegen die Temperaturen aber über dem Gefrierpunkt. Der bisher wärmste Tag war der 16. Januar mit einer Höchsttemperatur von plus 6,5 Grad Celsius – zwei Grad mehr als der bisherige Januar-Höchstwert.

Durch die hohen Temperaturen schmelzen große Mengen des im Winter gefallenen Schnees. Zwischen Restschnee und Permafrostboden entstehen nicht sichtbare Schmelzwasserabflüsse, die den Forschern gefährlich werden können. „Wir können den Ort praktisch nicht mehr verlassen, um an unseren Messgeräten außerhalb zu arbeiten“, erklärt Kai Marholdt, Ingenieur an der AWIPEV-Forschungsbasis. „Auch zwischen den Gebäuden sind regelrechte Bäche mit Schmelzwasser entstanden, so etwas habe ich im Januar in diesem Ausmaß noch nicht erlebt“, berichtet Siegrid Debatin. Die Meteorologie-Technikerin an der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts besucht die Koldewey-Station seit über zehn Jahren regelmäßig für Messungen im Winter.
„Schon seit vielen Jahren sagen die Klimamodelle eine Erwärmung besonders in der Arktis voraus. Ein Aufwärtstrend der Temperaturen ist dort tatsächlich seit mehr als zwanzig Jahren zu beobachten. Es wird aber in Zukunft im Rahmen der normalen Wetterschwankungen auch wieder zu kalten Wintern kommen. Bei Warmwetterlagen wie in diesem Januar werden wir allerdings immer wieder mit neuen Höchsttemperaturen rechnen müssen“, erklärt Prof. Peter Lemke vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.
Die AWIPEV-Basis ist die gemeinsame Logistik- und Forschungsplattform des deutschen Alfred-Wegener-Instituts und des französischen Polarforschungsinstituts Paul Emile Victor (IPEV). Seit 1991 werden dort wissenschaftliche Projekte aus den Bereichen Atmosphärenforschung, Meeresbiologie und Glaziologie betrieben.
Bremerhaven, den 19. Januar 2006
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Blaues Haus
Das "blaue Haus" (rechts), Bürogebäude der AWIPEV-Forschungsbasis, gegen Ende der Polarnacht.
19. Januar 2006: Stärkeres Abschmelzen der Hochgebirgsgletscher bis 2100 erwartet
Bis zum Jahr 2100 wird der Anstieg des Meeresspiegels aufgrund abschmelzender Eiskappen nur etwa halb so stark sein wie bisher angenommen. Allerdings schmelzen die Hochgebirgsgletscher deutlich schneller als bisher angenommen. Dies ergibt eine in Zusammenarbeit mit dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven durchgeführte und jetzt im Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlichte Studie auf Grundlage neuer Daten.

Bisher gingen Wissenschaftler von einem Anstieg der Meeresspiegel aufgrund der Klimaerwärmung von rund 40 Zentimeter bis zum Jahr 2100 aus. Schmelzwasser von den Eiskappen der Pole und den Gletschern der Hochgebirge trägt zu rund einem Viertel dazu bei. Der Rest ist auf die Folge erhöhter Wassertemperaturen und der damit verbundenen Ausdehnung der Wassermassen in den Weltmeeren zurückzuführen. Die aktuelle Studie kombiniert Prognosen aus globalen Klimamodellen mit Vorhersagen zur Veränderung der Eismassen. Zum ersten Mal haben die Wissenschaftler dabei die polaren Eisschilde und die Gebirgsgletscher getrennt betrachtet.

„In unserer Veröffentlichung beschreiben wir einen geringeren Anstieg des Meeresspiegels bis 2100 als bisher angenommen, der Beitrag des Schmelzwassers ist nur etwa halb so hoch wie bisher vermutet“, sagt Dr. Sarah Raper vom Alfred-Wegener-Institut. „Das beschleunigte Abschmelzen der Berggletscher ist dagegen ein bedeutend höheres Risiko als bisher angenommen. Schon bald kann das zu katastrophalen Überschwemmungen durch Gletscherseen führen, vor allem in Hochgebirgsregionen wie Nepal.“ Für präzisere Voraussagen werden allerdings mehr Daten von den Gletschern benötigt. „Weder die USA noch Kanada haben komplette Daten über ihre Gletscher“, erklärt Dr. Roger Braithwaite von der Universität in Manchester.
Bremerhaven, den 19. Januar 2006
Quelle: Nature 439/ 7074 (19. Januar 2006)
Kontakt: Dr. Sarah Raper (Tel.: +44 1603 592089; E-Mail: s.raper@uea.ac.uk)
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17. Januar 2006: Das segelnde Klassenzimmer
Vier Wochen lang erforschen 38 Bremerhavener Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe an Bord der Brigg "Roald Amundsen" die Seeberge im Ostatlantik. Die Expedition erfolgt im Rahmen des HIGHSEA-Schulprojektes (HIGHschool of Science & Education @ the AWI). Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung begleiten die Schüler aus zwei Jahrgängen.

Ziel der Expedition vom 16. Januar bis 17. Februar sind die Seeberge “Ampere” und “Seine” nahe dem Madeira Archipel im östlichen Nordatlantik. Auf zwei Fahrtabschnitten wird jeder Seeberg für jeweils zwei Wochen untersucht. Weitgehend selbstständig und eigenverantwortlich messen die Schüler mit einer Sonde den Salzgehalt und die Temperatur in verschiedenen Wassertiefen um die Seeberge. Schon an Bord beginnt die Auswertung der Daten, endgültig wird die Analyse aber erst nach Ende der Fahrt in Bremerhaven abgeschlossen. Die Untersuchungen sind nicht nur integraler Bestandteil des Unterrichts, auch die Wissenschaft interessiert sich für die Daten. „Zurzeit gibt es keine Winterdaten aus diesem Seegebiet, deshalb ist dieses Forschungsziel einzigartig und ambitioniert zugleich”, erklärt Dr. Susanne Gatti, Leiterin des HIGHSEA-Projektes. Projektkoordination und Kommunikation sind wichtige Schwerpunkte der Seereise, die den fächerübergreifenden Unterricht ergänzen. Neben den wissenschaftlichen Aufgaben an Bord der gut 50 Meter langen "Roald Amundsen" müssen die Schüler aber auch beim Segeln mit anpacken.
Unterstützt wird die Fahrt von Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung und der National University of Ireland, Galway. Seeberge sind Erhebungen zumeist vulkanischen Ursprungs, die sich aus der relativ ebenen Fläche der Tiefsee erheben. Dabei ändert sich die Wassertiefe über sehr kurze Distanzen von mehreren Kilometern Wassertiefe auf wenige hundert Meter. Um diese untermeerischen Gipfel bilden sich unter bestimmten Bedingungen Strömungswirbel. Die physikalischen und biologischen Verhältnisse innerhalb dieser auch "Taylor-Kappen" genannten Wirbel unterscheiden sich deutlich von denen außerhalb.
Das vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und den Bremerhavener Schulbehörden gemeinsam entwickelte Schulprojekt HIGHSEA soll das Interesse am naturwissenschaftlichen Unterricht fördern und zum selbstständigen Lernen anregen. Seit seinem Beginn beteiligen sich knapp siebzig Schülerinnen und Schüler an dem innovativen Projekt. Die Forschungsfahrt mit der vom Verein “LebenLernen auf Segelschiffen” aus Eckernförde betriebenen „Roald Amundsen“ wird von den Eltern und dem Alfred-Wegener-Institut finanziell und mit Ausrüstung unterstützt. Durch eine Spende der Ursula Wulfes Stiftung und den vor kurzem für das HIGHSEA-Projekt verliehenen Stifterpreis der Bremerhavener Wirtschaft konnten ein Teil der verbleibenden Kosten abgedeckt werden.
Weitere Informationen zu den Schulprojekten des Alfred-Wegener-Instituts finden sich unter
http://www.awi-bremerhaven.de/ClickLearn/SchoolProject/AWI_SP_index.html
Schiffsbewegungen und tägliche Berichte der Expedition sind zu verfolgen unter
http://www.llas.de/tagesmeldungen.html
Bremerhaven, den 17. Januar 2006
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Brigg Roald Amundsen
Die Brigg Roald Amundsen verfügt über 850 Quadratmeter Segelfläche und wird vor allem für Jugend- und Bildungsreisen eingesetzt.

Lovis trifft Polarstern
Im letzten Jahr führte der Traditionssegler "Lovis" die HIGHSEA Schüler in die arktische Barentssee und zu einem Treffen mit "Polarstern" auf hoher See.
16. Januar 2006: Deutsch-französische Zusammenarbeit im Antarktischen Zirkumpolarstrom
Französische Wissenschaftlerin leitet Polarstern-Expedition
Auf dem dritten Fahrtabschnitt der 23. Antarktisexpedition hat zum ersten Mal eine Französin die wissenschaftliche Leitung an Bord des Forschungseisbrechers Polarstern vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Bis zur Rückkehr in Punta Arenas/Chile am 8. Februar werden in der Drake-Passage zwischen der Antarktis und Südamerika Strömungsmessgeräte ausgebracht, die mehrere Jahre lang Daten zum Zirkumpolarstrom aufnehmen sollen.
Ein Schlüssel zum Klimaverständnis

Der Antarktische Zirkumpolarstrom verbindet die drei Ozeane zu einem globalen System und beeinflusst damit Temperaturen und Niederschlagsmengen auch außerhalb der Polargebiete. Die Menge der transportierten Wassermassen gilt als Schlüsselindex zur Beurteilung der weltweiten Klimaentwicklung. Unter Leitung von Dr. Christine Provost vom Laboratoire d'Océanographie Dynamique et de Climatologie (LODYC) der Université Pierre et Marie Curie in Paris wird Polarstern 33 Strömungsmessgeräte und zwei Bodendruckmessgeräte an zehn Positionen im antarktischen Ozean verankern. Die Geräte liegen entlang der Flugbahn des Satelliten Jason-1, der die Neigung der Meeresoberfläche misst. Zusammen geben diese Daten Aufschluss über den Transport von Wassermassen und Wärme im Antarktischen Zirkumpolarstrom. Klimamodelle müssen diese Transporte realistisch wiedergeben, um belastbare Vorhersagen zu liefern.
Deutsch-französische Kooperation hat Tradition
„Mit Hilfe des Alfred-Wegener-Instituts haben wir die Reise sehr sorgfältig planen und vorbereiten können. Ich bin sehr zuversichtlich und freue mich auf diese Expedition und die zu erwartenden Ergebnisse“, meint Christine Provost. Die Zusammenarbeit des Alfred-Wegener-Instituts mit französischen Partnern, insbesondere mit dem französischen Meeresforschungsinstitut IFREMER und dem französischen Polarforschungsinstitut Paul Emile Victor (IPEV), wird auch in anderen Bereichen wie der Tiefseeforschung oder der gemeinsamen Station auf Spitzbergen erfolgreich betrieben.

Bislang erfolgreiche Expedition
Der gerade abgeschlossene zweite Fahrtabschnitt der diesjährigen Antarktisexpedition in die Lazarew-See verlief zur vollen Zufriedenheit der Forscher. Neben der Versorgung der Neumayer-Station mit unter anderem 30 Containern und 200.000 Litern Treibstoff konnte ein umfangreiches wissenschaftliches Programm absolviert werden. Im Mittelpunkt standen Arbeiten in der Lazarew-See, dem südlich von Afrika gelegenen Teil des antarktischen Ozeans. Die Untersuchungen zum ökologischen System, in dem der garnelenartige Krill eine Schlüsselstellung einnimmt, sollen den Einfluss von Wassermasseneigenschaften, Meereis und biologischer Faktoren auf das Wachstum und die Vermehrung der Tiere erklären. Neben der Ermittlung der Bestandsdichten werden die Tiere in Aquarien gehalten, um deren Entwicklung zu beobachten. Kurz vor Ende der Fahrt gab es beim Krill an Bord sogar den ersten Nachwuchs zu verzeichnen..
Bremerhaven, den 16. Januar 2006
Weitere Informationen zur aktuellen Polarstern-Expedition gibt es unter http://www.awi-bremerhaven.de/MET/Polarstern/psobse.html und unter http://drake-ipy.ipsl.jussieu.fr/.
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Drake
Durch die Drake-Passage zwischen Suedamerika und Antarktis stroemt der Antarktische Zirkumpolarstrom
27. November 2006: Unerhört 65 - Frühling unterm Eis
Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen dem Alfred-Wegener-Institut
und Unerhört im Rahmen "Stadt der Wissenschaft 2005" bietet dieses Folgeprojekt
die Möglichkeit, wissenschaftliche Daten in einen musikalischen Kontext zu übersetzen. Dabei arbeiten Künstler und Wissenschaftler eng zusammen. Zum Auftakt dieser Reihe stellt der Physiker Lars Kindermann vom Alfred-Wegener-Institut Klänge aus der Unterwasserwelt der Antarktis vor.

Nahe der Atka Bucht im Südlichen Ozean liegt PALAOA, eine Messstation der Forschungsgruppe Ozeanische Akustik. Mehrere Unterwassermikrofone, so genannte Hydrophone, zeichnen seit einem Jahr die Klänge der Antarktischen Unterwasserwelt unterhalb des 100 Meter dicken Eisschildes auf. In dieser, von menschlichem Lärm so weit wie nur irgend möglich entfernten Gegend, tauchen wir in eine Klanglandschaft ein, die von Wellen und Wind, Eis und den Lauten der Meeresbewohnern bestimmt ist.
In dem künstlerischen Projekt werden die Bedingungen des Hörens über, beziehungsweise unter Wasser thematisiert. Die von den Meeressäugern ausgesendeten Klänge dienen unter anderem der Orientierung unter Wasser. Das menschliche Ohr könnte unter Wasser diese Klänge wohl hören, sie aber nicht in ihrer Richtung unterscheiden. Die Unterwasserwelt ist für das menschliche Ohr eindimensional. In der Zusammenarbeit zwischen Lars Kindermann und Jens P. Carstensen werden ausgesuchte Klänge aus dem täglichen Datenstrom zwischen der Neumayer Station und dem Alfred-Wegener-Institut mittels eines Mehrkanalsystems in eine Raumklang - Installation im übersetzt.
So klingt es unter dem Eis:
Das klangliche Ergebnis wird als "Unterwasserlounge im Eismeer" am Donnerstag, den 30. November 2006 von 17 – 21 Uhr im Alfred-Wegener-Institut im Gebäude in der Columbusstraße unter warmen und gemütlichen Bedingungen zu erleben sein. Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Jens Kube (Tel: 0471 4831-2007; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de). Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter www.awi-bremerhaven.de/AWI/Presse/PM/index-d.html. Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.
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24. November 2006: Polarstern auf Mission zum Larsen-Schelfeis

Ein weißer Fleck in der antarktischen Biodiversitäts und Ökosystemforschung
Die Antarktische Halbinsel und die Westantarktis zeigen aufgrund lokaler Erwärmung deutliche Veränderungen. Gletscher fließen schneller ab und ganze Schelfeisgebiete wie beispielsweise das Larsen-Schelfeis kollabieren. Eine interessante Konsequenz: Es werden Gebiete für Wissenschaftler zugänglich, die bisher mit mehrere hundert Meter dickem Schelfeis bedeckt waren.

Ein bisher unerforschter Ort
Durch den Abbruch des Larsen-B-Schelfeises entlang der Antarktischen Halbinsel ist eine Fläche von 3250 Quadratkilometern zugänglich geworden. Bisher ist dies ein weißer Fleck auf den Karten der Antarktis. Wissenschaftler werden von Polarstern, dem Flaggschiff des Alfred-Wegener-Instituts, dort die ersten biologischen Untersuchungen vornehmen. Sämtliche Lebensgemeinschaften, von Mikroorganismen bis hin zu Walen, sind im Interesse der Forscher.
Im Vorfeld des Internationalen Polarjahrs
47 Wissenschaftler aus 12 Ländern sind an Bord von Polarstern. Von Ende November 2006 bis Januar 2007 bilden sie ein internationales Team, ihre Forschungsprogramme fügen sich zu einem Puzzle zusammen. Der Fokus des wissenschaftlichen Programms liegt auf den biologischen Besonderheiten dieses unbeschriebenen Gebietes. Zu den wichtigsten Beitragenden zählt Census of Antarctic Marine Life (CAML). Das Projekt hat zum Ziel, sämtliche Lebewesen in der Antarktis zu erfassen.
Kooperation zur Öffentlichkeitsarbeit
Das Alfred-Wegener-Institut kooperiert auf dieser Polarstenexpedition mit verschiedenen Einrichtungen, um die Themen der Polarforschung an die breite Öffentlichkeit zu tragen. Dazu gehören:
Census of Marine Life (CoML)
„Census of Marine Life“ ist ein wachsendes Netzwerk von Wissenschaftlern aus über 70 Nationen. Sie haben sich innerhalb einer zehnjährigen Initiative dazu verpflichtet, Diversität, Verteilung und Vorkommen von Lebewesen in den Weltmeeren zu erfassen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Lebewesen in den verschiedenen Lebensräumen sind dabei von Interesse. www.coml.org
Census of Antarctic marine life (CAML)
„Census of Antarctic Marine Life“ ist Teil des globalen Zensus (CoML). Er untersucht Verteilung und Vorkommen der reichen antarktischen Flora und Fauna. Damit soll ein Richtwert geschaffen werden, der als Referenz für künftige Untersuchungen in Hinblick auf den Klimawandel dienen soll. Als eines der Hauptprojekte des Internationalen Polarjahres, wird „Census of Antarctic Marine Life“ das größte meereswissenschaftliche Programm im Bereich Antarktis sein. Es wird alle Regionen, Biosphären und Habitate umfassen. www.caml.aq
The Cousteau Society (TCS)
Die Cousteau Gesellschaft ist eine internationale Organisation die 1973 von Jacques-Yves Cousteau gegründet wurde. Unter anderem beschäftigt sie sich mit dem Gleichgewicht zwischen Menschheit und Natur innerhalb der Ozeane. Die Gesellschaft hat eine 30-jährige Erfahrung in der Dokumentation und Vermittlung des Wertes natürlicher Rohstoffe, auch in den Polargebieten. Die Gesellschaft hat sich selbst die Aufgabe gesetzt, die Antarktis als natürliches Reservat und als Land von Wissenschaft und Frieden zu bewahren. www.cousteau.org
International Polar Foundation (IPF)
IPF vermittelt die Polarwissenschaften als einen Weg zum Verständnis der Schlüsselmechanismen in Umwelt- und Klimaprozessen. Die Stiftung nutzt das Internationale Polarjahr als ein wirksames Werkzeug zur Vermittlung ihrer Botschaft auf der großen Bühne. Neben der Aufgabe der internationalen Vermarktung des Internationalen Polarjahres, wird ein begleitender Wissenschaftler der Stiftung die Expeditionen nachbearbeiten und insbesondere Jugendlichen zugänglich machen. Dies geschieht auf den Seiten: www.polarfoundation.org und www.educapoles.org.
Polar Embassy
Polar Embassy ist ein offizielles Projekt des Internationalen Polarjahres zur Öffentlichkeitsarbeit, das wissenschaftliches Know-how mit der Öffentlichkeit verbinden soll. Es konzentriert sich dabei auf die Themen: Nachhaltige Entwicklung und Klimawandel, sowie deren Verbindungen „Von Lokal zu Polar.“ Die Polar Embassy hat hierfür Aktionen entwickelt, die es einigen Teilnehmern ermöglichen wird, auf besonderen Expeditionen, zum Beispiel an Bord eines Eisbrechers teilzunehmen. Diese Mitglieder werden daraufhin als „Polarbotschafter“ mit der Aufgabe betreut, die Botschaft des Polarjahres und seine Bedeutung für unseren Planeten zu verbreiten.
Zeitplan
23. November 2006: Abfahrt von Kapstadt, Südafrika in Richtung Weddellmeer (1).
4./5. Dezember 2006: Polarstern versorgt die deutsche Neumayer-Station mit Lebensmitteln und Treibstoff (2).
Ca.14. Dezember 2006: Erreichen des Untersuchungsgebietes an der westlichen Seite der antarktischen Halbinsel, rund um die South Shetland Islands (3).
Bis 26. Januar 2007: Ökologische Arbeiten im ehemaligen Larsen- A/B-Schelfeisgebiet. Sollte das Gebiet wegen der Meereeisbedeckung nicht erreichbar sein, wird ein ähnliches Programm rund um Joinville Island durchgeführt (4).
30. Januar 2007 Ende der Expedition und Ankunft in Punta Arenas, Chile (5).
Wissenschaftliches Programm
25 verschiedene Forschungsprojekte werden von 47 Wissenschaftlern durchgeführt. Sie umfassen die Bereiche Benthlogie, Planktologie, Taxonomie, Physiologie, Biogeochemie, Genetik und Bathymetrie.
Fischereimanagement
Der erste Teil der Expedition widmet sich den Fischbeständen der Antarktis und knüpft an ein Dutzend ähnlicher Begutachtungen seit 1976 an. Das Projekt trägt zur Konvention zum Schutz der lebenden Meeresschätze der Antarktis bei (Convention on the Conservation of Antarctic Marine Living Resources -CCAMLR, www.ccamlr.org). Wissenschaftler kontrollieren kürzlich befischte Gebiete im Bereich der Antarktischen Halbinsel und erfassen den Erholungsstatus der Bestände.
Globale Erwärmung und das Kollabieren von Schelfeis
Wenn antarktische Gletscher die Küste des Kontinents erreichen, schwimmen sie auf und werden zu Schelfeis. Durch Kalben lösen sich große Stücke, die als Eisberge wegtreiben. Seit 1974 hat sich eine Fläche von rund 13.500 Quadratkilometer von den Schelfeisen der Antarktischen Halbinsel abgelöst. Ein Phänomen, das auf eine lokale Erwärmung um zwei Grad Celsius innerhalb der letzten 50 Jahre zurückgeht. Viele Wissenschaftler sind beunruhigt, dass ähnliche Abbrüche auch in anderen Gebieten auftreten könnten, den Eisabfluss beschleunigen und somit den Anstieg des Meeresspiegels weiter vorantreiben könnten. Der Abbruch der Larsen-B-Platform im Februar 2002 ist das letzte und bisher größte dieser Ereignisse. Vermutlich durch Veränderungen in den Meeresströmungen hat die lokale Erwärmung zusätzlich ein 3250 Quadratkilometer Meeresoberfläche von seiner Eisbedeckung befreit, die dort seit mindestens 5000 Jahren vorhanden war.
Evolution der Bodenfauna
Sobald das Eis abgebrochen und abtransportiert ist, wandern pflanzliche und tierische Planktonorganismen in das neue gewonnene Gebiet und gedeihen dort. Wissenschaftlern bietet dies die Möglichkeit, den Prozess der Wiederbesiedlung und die Entwicklung der Lebensgemeinschaften am Meeresboden, die von Plankton abhängen, zu beobachten. Mit verschieden Netzen, Greifern und Fallen werden Proben genommen. Die verschiedenen Techniken sowie ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug mit Videokamera werden die Beschreibung neuer Arten aus dieser unberührten Umwelt ermöglichen. Die wissenschaftlichen Studien befassen sich mit Mikroorganismen, Schwämmen, Krebsen, Tintenfische, Seesternen und Walen. Die Organismen und ihre Lebensräumen von der Schelfeiskante bis ins offene Meer werden ein Maßstab für frühe Besiedlung sein. Diese Untersuchungen können zur Bewertung von Veränderungen der Biodiversität von antarktischen Lebensgemeinschaften dienen. Sie können dann zum Vergleich für andere Gebiete der Antarktis herangezogen werden, wo der Abbruch von Schelfeis bereits erwartet wird.
"Cold seeps"
Die Expedition dient auch dazu, die ersten Untersuchungen an Lebensgemeinschaften an so genannten "cold seeps" durchzuführen. Das sind Stellen am Meeresboden, an denen Methan und andere gelöste Gase austreten. 2005 wurde die erste ihrer Art in der Antarktis von einem amerikanischen Geowissenschaftler-Team entdeckt. In dieser acht Quadratkilometer großen Zone treten gelöste Gase und Schlamm aus, die die Grundlage für Bakteriengemeinschaften bieten. Große Ansammlungen von Muscheln sind dort zu finden. Diese Weichtiere und ihre assoziierte Fauna leben wahrscheinlich von chemischer Energie aus dem Erdinneren im Gegensatz zu Lebewesen die von Photosynthese oder heißen Quellen leben.
Bremerhaven, den 24. November 2006
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Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471/4831-1742; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de).
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7. Juli 2006: Wo Meereswissenschaft zur Kunst wird
Zwischen Kunst und Wissenschaft vermittelt die Foto-Ausstellung ImaGene, die am 21. Juli um 14 Uhr im Helgoländer Aquarium eröffnet wird.
Bunte Korallenriffe, feingliedrige Algen, hauchzarte Einzeller – die faszinierende Vielfalt des Lebens im Meer wird in der ImaGene Ausstellung gezeigt. Mehr als 400 Wissenschaftler aus Europa haben sich an einem Fotowettbewerb zum Thema Leben im Meer beteiligt. Vom 21. Juli bis 31. August sind die prämierten Bilder im Aquarium der Biologischen Anstalt Helgoland des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung zu sehen.

Neue Bilder aus der Unterwasserwelt
Über 400 Nachwuchswissenschaftler aus 16 Ländern haben sich an dem Fotowettbewerb zum Thema Leben im Meer beteiligt. Vom Ökosystem bis zur Zelle birgt das marine Leben aufgrund seiner schwierigen Zugänglichkeit noch immer viele Rätsel. Neue Bilder der Unterwasserwelt aufzuspüren, welche die Schönheit des Meeres und die Schutzwürdigkeit seiner Bewohner illustrieren, war das Ziel dieses Wettbewerbs. Die Ausstellung, die inzwischen als Wanderausstellung in ganz Europa unterwegs ist, zeigt die besten Fotos aus den Kategorien Ökosysteme, Organismen und Zellen. Initiator des Wettbewerbs ist Marine Genomics Europe, ein Netzwerk in dem sich Meeresbiologen aus europäischen Ländern zusammengeschlossen haben. Sie möchten der Öffentlichkeit die faszinierende Ästhetik der Meeresbewohner zeigen um sie für ihre Forschung zu sensibilisieren.

Korallenriffe im Roten Meer
Katrin Bruder, Biologin am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, hat sich an dem Wettbewerb beteiligt. Für ihr Foto von Korallenriffen im Roten Meer erhielt sie in der Kategorie „Ökosysteme“ einen der mit 1000 Euro dotierten, ersten Preise. „In den Korallenriffen mit den vielen verschiedenen Tieren zu tauchen, ist immer ein sehr eindrucksvolles Erlebnis,“ beschreibt die Biologin ihren Einsatz unter Wasser.

Das Helgoländer Aquarium
Das Forschungs-, Lehr- und Schauaquarium der Biologischen Anstalt Helgoland ermöglicht dem Besucher einen Blick in die Unterwasserwelt der Nordsee. Zahlreiche Meerestiere und –pflanzen werden in ihren charakteristischen Lebensräumen gezeigt. Eine besondere Attraktion ist das Arenabecken mit Haien, Plattfischen und einem der letzten noch lebenden Nordsee-Störe. Die Biologische Anstalt Helgoland ist das älteste deutsche Meeresforschungsinstitut und gehört seit 1998 zum Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung.
Das Aquarium ist Montag bis Freitags von 10 – 17 Uhr, samstags und sonntags von 13 – 16 Uhr geöffnet. Bei der Ausstellungseröffnung am 21. Juli ist der Eintritt frei.
Weitere Informationen zum Helgoländer Aquarium unter: www.awi-bremerhaven.de/BAH/aquarium-d.html
Bremerhaven, den 14. Juli 2005
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Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner ist Stefan Leusmann (Tel. 04725 / 819-228; E-Mail: sleusmann@awi-bremerhaven.de). Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Susanne Diederich (Tel: 0471 / 4831-1376; E-Mail: sdiederich@awi-bremerhaven.de). Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter www.awi-bremerhaven.de/AWI/Presse/PM/index-d.html.
Bremerhaven, den 7. Juli 2006
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Korallenriff
Korallenriff im Roten Meer: Auffällig sind die leuchtend rote Koralle und die farbenprächtige Nacktschnecke.
14. Dezember 2005: Sommerforschung in der Antarktis
Pünktlich zu Beginn der kalten Jahreszeit in unseren Breiten beginnt in der Antarktis die 25. Sommerkampagne des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.
In Kooperation mit elf Forschungsinstituten und 14 logistischen Einrichtungen aus neun Ländern führt das Alfred-Wegener-Institut von Oktober 2005 bis Mitte April 2006 Forschungsvorhaben in der Antarktis durch. Zu einer der Hauptaufgaben während der kurzen Sommersaison zählt neben den wissenschaftlichen Untersuchungen die Versorgung der verschiedenen Stationen des Alfred-Wegener-Instituts mit Personal und Material.

Der Transport von mehr als 60 Personen und einem Teil der Fracht erfolgt durch die Flugzeuge von DROMLAN (Dronning Maud Land Air Network). Im Zentrum des von verschiedenen Nationen gemeinsam betriebenen Netzwerks steht die russische Station Novolazarewskaja, die von Kapstadt aus mit einem Transportflugzeug des Typs Iljushin 76 angeflogen wird. Kleinere, speziell für den Einsatz in Polargebieten umgerüstete Flugzeuge transportieren Wissenschaftler und Ausrüstung weiter zu ihren Einsatzorten.
Am Dallmann-Labor (62°14'S, 58°40'W) auf der Antarktischen Halbinsel, das nur im antarktischen Sommer besetzt ist, stehen biologische Forschungen im Vordergrund. Die weitgehend eisfreie Potter Bucht bietet ausgesprochen günstige Bedingungen zur Untersuchung der Wechselbeziehungen zwischen Arten in einem polaren Ökosystem. Neben Freilandaufnahmen können im Dallmann-Labor auch Laborexperimente durchgeführt werden. Nach Abschluss der Innenausrüstung stehen in dieser Saison drei weitere Labor- und ein Lagercontainer zur Verfügung. Neben der Aufnahme des Arteninventars stehen Untersuchungen zur Physiologie und damit zur Anpassungsfähigkeit von Algen an sich wandelnde Klimabedingungen auf dem Programm der Forscher.

An der Kohnen-Station (75°00'S, 00°04'O) im Dronning Maud Land wird im Rahmen des European Project for Ice Coring (EPICA) eine Eiskernbohrung fortgeführt, die mittlerweile eine Tiefe von 2565 Metern erreicht hat. Während der letzten fünf Jahre haben die EPICA-Forscher Eiskerne gewonnen, die einen Einblick in über 900.000 Jahre Klimageschichte unserer Erde ermöglichen. Die Wissenschaftler rechnen damit, im Januar 2006 den antarktischen Felssockel zu erreichen und damit die Bohrarbeiten erfolgreich abzuschließen.
Ende November 2005 ist die neue Überwinterungsgruppe des Alfred-Wegener-Instituts an der Neumayer-Station (70°39'S, 08°15'W) eingetroffen. Die neunköpfige Gruppe, in diesem Jahr sind es fünf Frauen und vier Männer, wird im Januar die jetzigen Überwinterer ablösen und für insgesamt 15 Monate in der Antarktis arbeiten. Neben einem Elektriker, einem Elektroniker, einem Stations-Ingenieur, einer Köchin und einer Ärztin als Stationsleitung werden dann vier Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die meteorologischen-, geophysikalischen- und luftchemischen Langzeitmessungen an der Neumayer-Station fortsetzen.
Bremerhaven, den 14. Dezember 2005
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Schneefräse
Auch die Schneefräse kann nicht verhindern, dass die Neumayer Station jedes Jahr ein wenig tiefer im Schnee liegt. Foto: Alfred-Wegener-Institut

Transportmaschine Iljushin 76
Mit russischen Iljushin 76 Transportmaschinen gelangen Wissenschaftler und Teile der Ausrüstung von Kapstadt nach Nowolazarewskaja in der Antarktis. Foto: Sepp Kipfstuhl
12. Dezember 2005: Datenbank für südamerikanische Fischer
Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts sammeln Informationen über das küstennahe Ökosystem vor Südamerika, um Prognosen über die Verfügbarkeit mariner Ressourcen sicherer zu machen. Daraus entwickeln sie Handlungsvorschläge für Politiker und Fischereigenossenschaften. So sollen die hat meist katastrophalen Auswirkungen des dort periodisch auftretenden El Niño-Phänomens auf Fischerei und Wirtschaft gemildert werden. Dieses vom Alfred-Wegener-Institut koordinierte Projekt CENSOR wird von der Europäischen Union gefördert. Rund ein Jahr nach Beginn umfasst die Datenbank bereits 1000 Datensätze.
CENSOR

CENSOR ist die englische Abkürzung für „Klimavariabilität und El Niño-Oszillation der Südhalbkugel: Auswirkungen auf natürliche Küstenressourcen und Management“. Eines der Hauptziele des Projektes ist die Zugänglichkeit von wissenschaftlichen Daten für Forscher und andere Nutzergruppen zu verbessern. „Die so genannte graue Literatur ist eine der wichtigsten Quellen naturwissenschaftlichen Wissens und eine nicht zu vernachlässigende Grundlage für Management-Strategien in Ländern der dritten Welt“, erklärt Dr. Jürgen Laudien vom Alfred-Wegener-Institut. „Dazu zählen Semester- und Diplomarbeiten, Notizbücher und andere nicht veröffentlichte Texte aus universitärem Umfeld, die oft wichtige Daten beinhalten.“ CENSOR sammelt diese Daten, sichtet sie und bringt sie in ein einheitliches Format. Sie werden dann im Weltdatenzentrum für marine Umweltwissenschaften (WDC-MARE) archiviert und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der älteste Datensatz stammt aus dem Jahr 1953.

Gigantische Datenmengen
Das Weltdatenzentrum für marine Umweltwissenschaften ist ein virtuelles Institut und wird vom Alfred-Wegener-Institut und dem Zentrum für marine Umweltwissenschaften betrieben. Es steht Wissenschaftlern für Datenerfassung, -veröffentlichung und -zugriff zur Verfügung. Technisch werden die Daten im Informationssystem PANGAEA (Publishing Network for Geoscientific & Environmental Data) wie in einer elektronischen Bibliothek gespeichert. Das System kann im Internet eingesehen werden und ist eines der weltweit umfassendsten Archive dieser Art. Mit zurzeit einigen Tausend Zugriffen pro Tag wird es intensiv in der Meeresforschung genutzt und ist eine wichtige Quelle für die Betrachtung und Interpretation von Zusammenhängen. Dies ist für das Verständnis der komplizierten Prozesse, die sich während und nach El Nino abspielen von Bedeutung.
El Niño

Das Projekt soll genutzt werden, um Fischer an der südamerikanischen Pazifikküste frühzeitig vor den negativen Auswirkungen des El Niño zu warnen und positive Effekte besser zu nutzen.
El Niño ist weltweit die stärkste, immer wiederkehrende natürliche Klimaschwankung, die zwischen einer Warmphase und einer Kaltphase wechselt. Die warme Phase (El Niño) tritt über eine Periode von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren auf und beeinflusst die Wettersituation im gesamten Pazifikraum und darüber hinaus. Das Hochdruckgebiet vor der südamerikanischen Küste ändert sich in ein Tief und bringt Regen in die sonst trockenen Wüstengebiete. Die Passatwinde werden schwächer, der im Westpazifik angestaute Wasserberg schwappt zurück, die Strömungssysteme kehren sich um, und warme Wassermassen erreichen die südamerikanische Küste. Das marine Kaltwasser-Ökosystem Humboldtstrom - eines der produktivsten Systeme weltweit - wird durch diese Veränderungen stark getroffen: planktische Algen sterben ab, Fische finden keine Nahrung, die Seevögel und Robben keine Fische mehr. Der Zusammenbruch des Nahrungsnetzes in El Niño-Zeiten führt zu einem deutlichen Rückgang der Nutzfischbestände und schließlich zum Zusammenbruch der Fischerei.
Mehr über das Projekt und die gesammelten Daten finden Sie unter http://www.censor.name, ihr Ansprechpartner ist Dr. Jürgen Laudien.
Bremerhaven, den 12. Dezember 2005
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Garnelen
Garnelen der Art Xiphopenaeus riveti sind die wirtschaftlich wichtigste Gruppe der wirbellosen Einwanderer während El Niño. Foto: Wolf Arntz

Fischerhafen Samanco
Fischerhafen Samanco südlich von Chimbote, Peru. Fischnetze werden für die neue Ressource Garnelen umgebaut. Foto: Wolf Arntz
9. Dezember 2005: AWI-Schülerlabor begrüßt tausendste Schülerin
Am 12. Dezember 2005 begrüßt das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung die tausendste Schülerin im Schülerlabor SEASIDE. Das Projekt richtet sich an alle Altersstufen. Zurzeit wird dieses ein- oder mehrtägige Lernangebot zu polaren und marinen Themen insbesondere von Grundschulen genutzt.

Die tausendste Teilnehmerin heißt Brianna und besucht die vierte Klasse der Goetheschule in Bremerhaven. Bereits zum sechsten Mal ist die Klasse zu Gast im Alfred-Wegener-Institut. Seite an Seite mit Wissenschaftlern des Instituts bearbeiten die Schülerinnen und Schüler Themen wie „Warum schwimmen manche schweren Gegenstände, während andere - sehr leichte Dinge - einfach untergehen“, oder „Lässt sich Wasser stapeln?“. Durch eigene Vermutungen und mit vielen freien Experimenten erforschen die Teilnehmer auch die Ursachen ihrer Beobachtungen. Das seit 2003 angebotene Projekt SEASIDE (Science and Education @ the AWI: Single Day Experiments) soll den normalen Schulunterricht nicht ersetzen, sondern bietet eine Unterstützung und Ergänzung auf hohem Niveau an. Das Altersspektrum der Teilnehmer umfasst Gruppen aus dem Kindergarten ebenso wie zwölfte Klassen aus dem Gymnasium. Den weitaus größten Anteil haben zur Zeit Schüler der dritten und vierten Klasse.

„Wir wollen den Kindern zeigen, dass Lernen sehr viel Spaß machen kann. Die Kinder arbeiten durchweg sehr konzentriert und fleißig an ihren Themen. Fast nebenbei wird dabei das erlernte Wissen nachhaltig verankert“, erklärt Dr. Susanne Gatti, wissenschaftliche Koordinatorin der Schulprojekte am Alfred-Wegener-Institut. „Um das zu erreichen, ist eine intensive Vorbereitung mit den Klassenlehrern unumgänglich.“ Dass das Programm den Kindern Spaß macht und auch bei den Lehrern gut ankommt, zeigt sich daran, dass sich deutlich mehr Klassen anmelden, als aufgenommen werden können.

Die Unterstützung der Bremerhavener Schulen durch das Alfred-Wegener-Institut endet nicht bei den Grundschulen, sondern setzt sich bis zum Abschluss des Abiturs fort. Im Projekt HIGHSEA (High School of Science and Education @ the AWI) verbringen Schüler ab der 11. Klasse drei Jahre lang wöchentlich zwei Tage im Alfred-Wegener-Institut. Neben den naturwissenschaftlichen Fächern lernen sie auch Englisch. Im Sommer 2005 hat die erste Gruppe ihr Abitur mit sehr gutem Erfolg abgeschlossen. Die Unterrichtsgestaltung und Schwerpunktsetzung des fächerübergreifenden Gemeinschaftsprojekts von Bremerhavener Schulamt und Alfred-Wegener-Institut wurde zuletzt im November dieses Jahres von der Industrie- und Handelskammer Bremerhaven mit dem Stiftungspreis der Wirtschaft ausgezeichnet. Am 14. Dezember findet im Alfred-Wegener-Institut eine Informationsveranstaltung für Bewerbungen auf den nächsten, inzwischen fünften, HIGHSEA Jahrgang statt.
Weitere Informationen zu den Schulprojekten des Alfred-Wegener-Instituts finden sich unter http://www.awi-bremerhaven.de/ClickLearn/SchoolProject/SEA_index_d.html, Ansprechpartner ist Dr. Susanne Gatti.
Bremerhaven, den 9. Dezember 2005
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Vorbereitung
Vorbereiten von Wasserlösungen mit verschiedenen Salzgehalten. Foto: Alfred-Wegener-Institut

Wasser stapeln
Gefärbtes Wasser unterschiedlicher Temperaturen und Salzgehalte schichtet sich im Reagenzglas wie die großen Meeresströmungen in den Ozeanen. Foto: Alfred-Wegener-Institut
25. November 2005: Harmonien im Eis
Vibrationen eines Eisbergs registrierten Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung und der Firma Fielax mit Seismographen an der Neumayer Station in der Antarktis. Die aufgezeichneten Schwingungen bilden harmonische Klänge mit bis zu 30 Obertönen, die jedoch aufgrund der Tontiefe für das menschliche Ohr nicht hörbar sind. Die Daten könnten zu einem besseren Verständnis der Vorgänge in Vulkanen verhelfen, da dort ähnliche Schwingungsmuster auftreten.
Ergebnisse könnten auch Vulkanologen helfen

Die Ergebnisse ihrer Messungen analysieren die Forscher jetzt in einer im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichten Studie. Anfänglich wurde vulkanische Aktivität als Ursache der als Tremore bezeichneten niederfrequenten Schwingungen angenommen. Durch den Vergleich von seismischen Peilungen stellte sich allerdings heraus, dass die Quelle der Schwingungen wanderte. Mit Hilfe von Satellitenaufnahmen konnte schließlich ein gigantischer Eisberg mit einer Fläche von 30 mal 50 Kilometern als Ursache identifiziert werden.
Die Forscher vermuten, dass innerhalb der Spalten- und Tunnelsysteme des Eisbergs strömendes Wasser elastische Schwingungen anregt, ähnlich den Schwingungen einer Orgelpfeife. „Das Verständnis dieser, vulkanischen Tremoren sehr ähnlichen Aufzeichnungen könnte umgekehrt auch den Vulkanologen helfen, die Ursachen vulkanischen Tremors besser zu erklären“, vermutet Christian Müller von der Firma Fielax GmbH. „Eisberge besitzen im Gegensatz zu komplexen Vulkansystemen eine einfachere Aufbaustruktur.“

13 Stunden Tremor
Das spektakulärste der insgesamt elf Ereignisse wurde am 22. Juli 2000 aufgezeichnet und hielt 16 Stunden an. Auslöser waren zwei kurzzeitige Erdbeben, die lokalisiert werden konnten und durch die Kollision des Eisbergs mit der Kennung B-09A mit dem Kontinentalhang erzeugt wurden. Anschließend wurden seismische Signale in einer zweistündigen Sequenz mit stark variierenden Frequenzen registriert, die von einer einstündigen seismischen Ruhephase abgelöst wurde. Darauf folgte dann harmonischer Tremor von 13 Stunden Dauer. Die seismischen Geräusche entstanden durch die Fortsetzung der Kollision des Eisbergs, der am Kontinentalhang entlangschrammte oder durch Einbrüche innerhalb des Eisbergs.
Bereits 1987 war der Eisberg vom Ross-Schelfeis losgebrochen und zweimal auf seinem Weg um die Antarktis für mehrere Jahre gestrandet, bis er im Jahr 2000 an der Neumayer-Station des Alfred-Wegener-Instituts in Richtung Westen vorüber trieb. Neben dem harmonischen Charakter war besonders die von B-09A erzeugte Intensität der Tremore auffällig. Sie wurden auf einer Entfernung bis über 800 Kilometern seismisch wahrgenommen und sind in ihrer Stärke mit vulkanischen Tremoren wie vom Mount St. Helens oder den Vulkanen auf Hawaii vergleichbar.
Der Artikel „Singing icebergs“ wird am 25. November in “Science” (Vol. 310, Issue 5752) veröffentlicht.
Ansprechpartner ist Dr. Christian Müller.
Bremerhaven, den 24. November 2005
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Eisberg
Auf der Oberfläche und vor allem an den Rändern des Eisbergs B-09 sind ausgedehnte Spaltensysteme zu erkennen. Diese sind vermutlich die Quellen der Tremore. Foto: RADARSAT-Aufnahme der Canadian Space Agency

Eishöhle
Eisberge weisen im Inneren eine komplexe Struktur aus Spaltensystemen, Tunneln und Brandungshöhlen. Foto: Alfred-Wegener-Institut

Olymp
Die autonome Seismometer-Station VNA3, auch "Olymp" genannt, ist eine der Messstationen des seismologischen Netzwerkes und liegt etwa 100 Kilometer südwestlich der Neumayer Station. Foto: Alfred-Wegener-Institut
25. November 2005: Enge Kopplung zwischen Klima und Treibhausgasen in der Vergangenheit
Noch nie in den letzten 650.000 Jahren waren die Treibhausgas Konzentrationen so hoch wie heute. Die warmen Klimaperioden im Zeitraum vor 650.000-420.000 Jahren wiesen sogar geringere Kohlendioxid und Methan Konzentrationen auf als in den darauf folgenden Warmzeiten. Zu dieser Aussage kommt ein europäisches Forscherteam unter Mitarbeit von Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung nach der Auswertung eines antarktischen Eiskerns. Die Ergebnisse erweitern die bisher bekannten Daten zu den historischen Konzentrationen von Kohlendioxid-, Methan- und Lachgas in der Atmosphäre um 250.000 Jahre.

In zwei Publikationen im Wissenschaftsmagazin Science zeigen Forscher der Universität Bern zusammen mit ihren Kollegen aus Frankreich und Deutschland, dass geringere Treibhausgaskonzentrationen in den letzten 650.000 Jahren auch mit kühleren Bedingungen verknüpft waren. „Die Kopplung zwischen Temperatur und Kohlendioxid beziehungsweise Methan Konzentrationen in der Vergangenheit ist zeitlich erstaunlich konstant. Erst durch den Einfluss des Menschen in den letzten Jahrhunderten wurden atmosphärische Treibhausgase über ihre natürlichen Grenzen hinaus erhöht“, erläutert Dr. Hubertus Fischer vom Alfred-Wegener-Institut. Prof. Dr. Thomas Stocker vom Physikalischen Institut der Universität Bern in der Schweiz fügt hinzu: „Die Analyse streicht die Tatsache heraus, dass die heutige Konzentration von atmosphärischem Kohlendioxid mit 0,38 Volumenpromille bereits 27 Prozent höher liegt als der höchste aufgezeichnete Stand während der letzten 650.000 Jahre.“

Der Eiskern wurde im Rahmen des European Project for Ice Coring in Antarctica (EPICA) auf dem antarktischen Plateau bei der Sommerstation Dome C erbohrt. Eiskerne gehen letztlich auf einzelne Schneefälle zurück, aus denen sich im Laufe der Zeit Gletschereis entwickelte. Ungefähr zehn Prozent des Volumens eines Eiskerns bestehen aus zwischen den Eiskristallen eingeschlossenen Luftblasen. Aus der Analyse der eingeschlossenen Luft sowie der chemischen Zusammensetzung und der physikalischen Eigenschaften des Eises können die Wissenschaftler auf die Zusammenhänge zwischen Prozessen in der Atmosphäre und Klimaänderungen in der Vergangenheit schließen.
Die Bohrung auf Dome C wurde im vergangenen Winter zu Ende geführt. Somit steht für weitere Messungen noch älteres Eis zur Verfügung. Die Glaziologen schätzen, dass in den noch nicht analysierten Eiskernen die ungestörte Klimageschichte bis zu einem Alter von ungefähr 900.000 Jahren gespeichert ist. Das Projekt EPICA wird von einem Konsortium aus zehn europäischen Ländern (Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz) durchgeführt. EPICA wird unter dem Dach der European Science Foundation (ESF) koordiniert und durch die beteiligten Länder und die Europäische Union finanziert. Ziel von EPICA ist es, im Inlandeis der Antarktis zwei Eiskerne zu erbohren, die bis zum Felsuntergrund reichen. Neben der Bohrung an Dome C (75° 06’S, 123° 21’O) wird auch bei der Kohnen-Station im Dronning Maud Land (75°00'S, 00°04'O) eine Bohrung niedergebracht, die mittlerweile eine Tiefe von 2565 Metern erreicht hat.

Das Alfred-Wegener-Institut ist deutscher Partner des Projektes EPICA und trägt die Verantwortung für die Bohrung in Dronning Maud Land. Derzeit befinden sich die europäischen Forscher wieder in der Antarktis, um die Bohrung an dieser Saison zu beenden und den Felsuntergrund zu erreichen. Das Projekt EPICA ist eines der Kernprojekte im Rahmen des Forschungskonzeptes „Meeres-, Küsten- und Polarsysteme“ im Forschungsbereich „Erde und Umwelt“ der Helmholtz-Gemeinschaft. Dr. Hubertus Fischer leitet eine Nachwuchsforschergruppe am Alfred-Wegener-Institut und koordiniert europäische Arbeitsgruppen, die sich mit der Untersuchung der in Eiskernen eingeschlossenen Luft befassen.
Die Artikel “Stable Carbon Cycle-Climate Relationship During the Late Pleistocene” und “Atmospheric Methane and Nitrous Oxide of the Late Pleistocene from Antarctic Ice Cores” werden am 25. November in “Science” (vol. 310, issue 5752) veröffentlicht.
Ansprechpartner ist Dr. Hubertus Fischer (0471-4831 1174).
Bremerhaven, den 24. November 2005
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Luftblasen
Rund zehn Prozent der Eiskerne sind Luftblasen, in denen die Atmosphäre vergangener Zeiten eingeschlossen ist. Foto: Chris Gilbert, British Antarctic Survey

Kohnen Station
Die Kohnen Station des Alfred-Wegener-Instituts ist nur im antarktischen Sommer besetzt. Foto: Alfred-Wegener-Institut
11. November 2005: Neuauflage von Wegeners „Entstehung der Kontinente“
Alfred Wegeners Buch „Die Entstehung der Kontinente und Ozeane“ wurde in der ersten und vierten Ausgabe neu aufgelegt und vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung herausgegeben. Besonderheiten dieser Ausgabe sind, neben einer Einführung des Herausgebers, zwei Register, Abbildungsverzeichnisse und ein modifiziertes Literaturverzeichnis. Die Buchvorstellung findet am 16. November im Überseemuseum Bremen im Rahmen eines Vortrages von Dr. Reinhard A. Krause, Wissenschaftshistoriker am Alfred-Wegener-Institut, um 19:00 Uhr statt.
Späte Anerkennung

„Passt die Ostküste Südamerikas nicht genau zu der Westküste Afrikas, als ob sie einst verbunden waren?“ schrieb Alfred Wegener im Dezember 1910 an seine zukünftige Frau Else Köppen. „Diesen Gedanken muss ich vertiefen.“ Am 6. Januar 1912 stellt er seine Verschiebungstheorie erstmals in einem Vortrag vor der Geologischen Vereinigung im Senckenberg-Museum in Frankfurt am Main vor. 1915 erscheint die erste Auflage von „Die Entstehung der Kontinente und Ozeane“. Die dritte Auflage von 1922 wird in mehrere Sprachen übersetzt und international zur Kenntnis genommen, wenn auch überwiegend mit Ablehnung. Die vierte Auflage erscheint 1929, ein Jahr vor Wegeners Tod im Jahre 1930. Erst 30 Jahre später finden Alfred Wegeners Ideen im erweiterten Modell der Plattentektonik uneingeschränkte Anerkennung in der Wissenschaft.
Ein Buch, das jeder lesen sollte
Anlässlich des 125-jährigen Geburtstages und 75-jährigen Todestages Alfred Wegeners sowie des 25-jährigen Jubiläums des Alfred-Wegener-Instituts wird ein Reprint der ersten und vierten Auflage herausgegeben. Die populärer gehaltene erste Auflage enthält handschriftliche Notizen von Alfred Wegener. Das Werk hat Generationen von Wissenschaftlern beschäftigt und angeregt. „Dies ist ein Buch, das jeder Student der Geowissenschaften gelesen haben sollte!“ empfiehlt Prof. Jörn Thiede, Direktor des Alfred-Wegener-Instituts.
Die Vorstellung der bei Gebrüder Borntraeger Verlagsbuchhandlung erschienenen Neuauflage durch Dr. Reinhard Krause erfolgt im Rahmen eines Vortrags über den großen deutschen Polarforscher mit dem Titel: „Alfred Wegener (1880-1930) – Wissenschaftler und Grönlandforscher aus Leidenschaft“. Der Vortrag ist Auftakt der Vortragsreihe 2005/06 der Geographischen Gesellschaft in Bremen. Im Anschluss an den Vortrag gibt es einen Empfang in der Handelskunde-Abteilung des Museums, bei dem auch der vierte Band der Bremer Geographischen Blätter mit dem Thema „Russland“ vorgestellt wird. Das Buch ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.
Bremerhaven, den 11. November 2005
Ihr Ansprechpartner ist Dr. Reinhard Krause (Tel. 0471/4831-1924; E-Mail: rkrause@awi-bremerhaven.de)
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Entstehung der Kontinente und Ozeane
Die Neuauflage von Alfred Wegeners "Die Entstehung der Kontinente und Ozeane" ist jetzt im Buchhandel zu kaufen. Foto: Alfred-Wegener-Institut
11. November 2005: Studienpreis für Aquakultur in Offshore-Windparks
Am 15. November verleiht der Bremer Förderverein für Mittelstandsforschung einen der vier diesjährigen Studienpreise für herausragende mittelstandsbezogene Forschung an Dr. Bela H. Buck vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Bela H. Buck erhält die mit 1.000 € dotierte Auszeichnung für seine Doktorarbeit über Aquakultur als Sekundärnutzung in Offshore-Windparks.
Zuckertang und Miesmuscheln in der Deutschen Bucht

Untersucht wurde eine Mehrfachnutzung der in der Deutschen Bucht geplanten Windenergieanlagen. Deren Fundamente bieten die Möglichkeit zur Verankerung von Anlagen zur kommerziellen Zucht von Meerestieren; insbesondere von Miesmuscheln und Zuckertang. „Die Algen sind sehr gut mit den Bedingungen zurechtgekommen. Die Besiedlung der Substrate durch Miesmuscheln lag zwar unter den Vergleichswerten in küstennahen Wattenmeerzuchten, allerdings waren die dort vorkommenden Muschelparasiten in unseren Beständen nicht zu finden“, erläutert Buck die Ergebnisse seiner mit dem höchsten Prädikat ‚summa cum laude’ bewerteten Dissertation. „Insgesamt ist für beide Organismen eine Zucht in Windparkanlagen möglich und scheint auch unter kommerziellen Gesichtspunkten chancenreich.“

Wirtschaftlicher Erfolg erwartet
Neben Experimenten zur Besiedlung und zum Wachstum der Meeresfrüchte in unterschiedlichen Hälterungsanlagen befasste sich Buck auch mit den wirtschaftlichen und rechtlichen Aspekten einer multifunktionalen Nutzung der Windkraftanlagen. Ein Schlüsselproblem sieht Buck in der noch lückenhaften und unvollständigen Gesetzeslage für den Bereich der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) in der Deutschen Bucht. Dennoch sieht er optimistisch in die Zukunft: „Mit Beteiligung aller möglichen Nutzer dieser Meeresgebiete sollte im Rahmen eines integrierten Küstenzonenmanagements dieses Defizit bald behoben sein.“ Als ein weiteres Ergebnis seiner Arbeit konnte Buck bereits zwei Patente für die technischen Anlagen anmelden.
Grundlagenforschung und Technologietransfer
Das Alfred-Wegener-Institut verstärkt auch in anderen Bereichen die anwendungsorientierte Nutzung von Ergebnissen der Grundlagenforschung. Der Anfang November gemeinsam mit der Hochschule Bremerhaven durchgeführte Workshop "Von der Idee in die Tat" präsentierte dazu Möglichkeiten der Know-How-Verwertung, Patentierung und Wege zur Existenzgründung. Allein in diesem Jahr hat das Alfred-Wegener-Institut zwölf Schutzrechte für Patente, Marken, Geschmacks- und Gebrauchsmuster angemeldet, sieben weitere wurden erteilt und sechs befinden sich noch in Bearbeitung oder Vorbereitung. Bis zum Jahresende wird sich damit die Gesamtanzahl der erworbenen Schutzrechte auf rund 100 erhöhen. Neben Patentanmeldungen und anderen Schutzrechten fördert das Institut gemischte Netzwerke und Firmenkooperationen sowie die Verbreitung unternehmerischen Denkens bei jungen Akademikern. Damit intensiviert das Alfred-Wegener-Institut gemeinsam mit anderen Einrichtungen die Anstrengungen, zum Strukturwandel in Bremerhaven beizutragen..
Bremerhaven, den 11. November 2005
Ihr Ansprechpartner ist Dr. Bela H. Buck (Tel. 0471 4831-1868; E-Mail: bbuck@awi-bremerhaven.de).
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Zuckertang
Der Zuckertang Laminaria saccharina wird unter anderem in der Naturkosmetik verwendet. Foto: Bela Buck

Miesmuscheln
Kollektoren bieten den jungen Miesmuscheln den festen Untergrund zum Anwachsen. Foto: Bela Buck
21. Oktober 2005: Tod im ewigen Eis
Alfred-Wegener-Institut ehrt seinen Namensgeber
Zum 125. Geburtstag und 75. Todestag erinnert das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung an den deutschen Polarforscher und Geowissenschaftler Alfred Wegener. Anlässlich dieses Jubiläums veranstaltet das Alfred-Wegener-Institut ein wissenschaftliches Symposium vom 30. Oktober bis 2. November. Mit der Filmreihe „Forschung und Abenteuer im Eis - Alfred Wegener im Film“ werden Originalauf-nahmen der Expeditionen von 1929 und 1930 am 30. Oktober im Kino Atlantis in Bremerhaven und am 1. November im Kino 46 in Bremen gezeigt.

Wegeners Werk
Alfred Wegener verfasste rund 70 Schriften zur Astronomie, Meteorologie, Klimatologie und Geologie. Er gilt als Begründer der Theorie der Kontinentalverschiebung und veröffentlichte 1915 die „Die Entstehung der Kontinente und Ozeane“. Erst die in mehreren Sprachen übersetzte 3. Auflage von 1922 wurde international zur Kenntnis genommen, stieß aber überwiegend auf Ablehnung. Mitte der sechziger Jahre, rund 30 Jahre nach Wegeners Tod, fanden seine Ideen im erweiterten Modell der Plattentektonik uneingeschränkte Anerkennung in der Wissenschaft. Die vielseitigen Interessen und der interdisziplinäre Ansatz Wegeners sind bis heute Vorbild in der Wissenschaft. Im Vorwort zur 4. Auflage seiner „Entstehung der Kontinente und Ozeane“ schreibt er: „Nur durch Zusammenfassung aller Geo-Wissenschaften dürfen wir hoffen, die Wahrheit zu ermitteln, d. h. dasjenige Bild zu finden, das die Gesamtheit der bekannten Tatsachen in der besten Ordnung darstellt und deshalb den Anspruch auf größte Wahrscheinlichkeit hat“. Eine vom Alfred-Wegener-Institut initiierte und mit zusätzlichen Registern versehene Neuauflage der ersten und vierten Auflage des Buches „Die Entstehung der Kontinente und Ozeane“ erscheint demnächst im Buchhandel.
Drama im Eis
Wegeners Hauptinteresse galt der Meteorologie. Mittels Drachen- und Ballonaufstiegen leistete er Pionierarbeit auf dem Gebiet der meteorologischen Forschung, insbesondere auf seinen Expeditionen ins grönländische Eis. Unter seiner Leitung sollte 1930 auf der vierten Expedition mit Hilfe von drei Stationen eine ganzjährige Aufzeichnung von Wetter und Eisverhältnissen quer über das grönländische Inlandeis erfolgen. Doch die Expedition stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Zuerst verzögerte Eisgang die Entladung der 98 Tonnen Ausrüstung bis zum 17. Juni 1930. Auch die erstmals eingesetzten Motorpropellerschlitten erfüllten nicht die Erwartungen, die im Inlandeis gelegene Station „Eismitte“ konnte nicht ausreichend versorgt werden.

Am 21. September 1930 führt Alfred Wegener selbst eine Rettungsaktion mit 15 Hundeschlitten an, die aufgrund der schlechten Wetterbedingungen bei Kilometer 151 auf drei Schlitten reduziert wird. Er schreibt in einem Brief, „daß es nun ums Leben geht“ für seine Freunde in „Eismitte“. Mit nur zwei Begleitern setzt er seinen Weg fort und erreicht die Station „Eismitte“ am 30. Oktober 1930. Am 1. November feiert die Gruppe in „Eismitte“ noch den 50. Geburtstag von Alfred Wegener, dann machen sich Wegener und sein Begleiter Rasmus Villumsen auf den Rückweg zur Weststation. Keiner der beiden erreicht lebend das Ziel. „Er war ein Charakter von makelloser Reinheit, schlichter Einfachheit und seltener Bescheidenheit. Dabei war er ein Mann der Tat, der mit eisernem Willen und zäher Energie unter Einsatz seines Lebens in Verfolgung eines idealen Zieles Ungewöhnliches geleistet hat“, schreibt Hans Benndorf in einem Nachruf über Alfred Wegener.

Wegeners Erbe
Nach Alfred Wegener sind die 1980 ins Leben gerufene Alfred-Wegener-Stiftung zur Förderung der Geowissenschaften (heute GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung) sowie das im gleichen Jahr in Bremerhaven gegründete Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Mee-resforschung benannt. Dort erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Polargebiete und die Meere unserer Erde. Dabei sind Wegeners Erkenntnisse und sein interdisziplinäres Denken noch heute wegweisend. Auf den Spuren Wegeners treffen sich vom 30. Oktober bis 2. November 140 Wissenschaftler zum zweiten Internationalen Alfred Wegener Symposium.
Die Bibliothek des Alfred-Wegener-Institutes betreut das „Alfred Wegener Archiv“ der gleichnamigen Stiftung. Es enthält seine Werke und Wegener-Biografien. Die Familie Wegener überließ dem Alfred-Wegener-Institut außerdem Urkunden und Dokumente zur Lebensgeschichte Alfred Wegeners. Den Hauptteil des Archivs machen die Nachlässe zweier Teilnehmer der Grönlandexpedition aus: Johannes Georgi, Leiter der Station „Eismitte“ und Fritz Loewe, der Wegener auf dem Hinweg nach „Eismitte“ begleitete. Das Archiv wird durch Ankäufe und Schenkungen ständig erweitert.

Alfred-Wegener-Filmfestival
In Kooperation mit dem Kommunalen Kino Bremerhaven e.V., Stadtkultur im DLZ Grünhöfe und Kino 46 in Bremen zeigt das Alfred-Wegener-Institut eine Filmreihe mit Produktionen über Alfred Wegener und seine Expeditionen in die bis dahin wenig bekannten Polargebiete. Die Vorstellung findet am 30. Oktober im Kino Atlantis, Hafenstr. 144 in Bremerhaven statt, sowie am 1. November im Kino 46, Waller Heerstr. 46 in Bremen. Das Alfred-Wegener-Filmfestival ist eine Veranstaltung im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums des Alfred-Wegener-Institutes und Stadt der Wissenschaft 2005.
Programm am 30.10. 05 im Kino Atlantis
11:00-12:20 Das große Eis (78 min.)
13:00-13:35 Deutsche Grönlandexpedition Alfred Wegener Teil I-III (35 min. Stummfilm mit Guido Solarek live am Klavier)
14:00-14:25 Die Deutsche Grönlandexpedition Alfred Wegener (22 min. FWU)
15:00-16:30 SOS Eisberg (90 min.)
Programm am 01.11.05 im Kino 46 Bremen:
18:00-18:35 Deutsche Grönlandexpedition Alfred Wegener Teil I-III (35 min. Stummfilm mit Guido Solarek live am Klavier)
19:00-20:20 Das große Eis (78 min.)
20:30-20:50 Die Deutsche Grönlandexpedition Alfred Wegener (22 min. FWU)
21:00-22:30 SOS Eisberg (90 min.)
Bremerhaven, den 21. Oktober 2005
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Alfred Wegener
Wladimir Köppen im Nachruf auf Alfred Wegener 1931: „Seine große Ruhe, opferwillige Hingabe und freundliche Gerechtigkeit machten ihn zum Expeditionsleiter sehr geeignet. Foto: Alfred-Wegener-Institut

Wegeners Grab
Wegeners Bruder Kurt führt die Expedition zu Ende. Im Mai 1931 findet man Wegener und baut ein Mausoleum aus Schnee. Aus Bohrgestänge wird ein Kreuz montiert. Foto: Alfred-Wegener-Institut
21. Oktober 2005: Grönland bald ohne Eis?
Modellrechnungen zeigen die weltweiten Eisvorkommen sensibler für globale Klimaerwärmung als bisher angenommen.
Ein Anstieg des Meeresspiegels ist eine der wichtigsten Konsequenzen aus einer erhöhten Konzentration an Treibhausgasen in unserer Atmosphäre und der daraus resultierenden globalen Klimaerwärmung. Ein völliges Abschmelzen des grönländischen Inlandeises und der Eiskappe der Antarktis würde den Meeresspiegel um etwa 70 Meter ansteigen lassen. Bereits heute ist aufgrund der globalen Erwärmung ein zunehmendes Abschmelzen der Gletscher auf Grönland zu erkennen. Dank eines erhöhten Schneefalls in der Antarktis ist ein bedrohlicher Anstieg des Meeresspiegels bisher ausgeblieben.

In einem jetzt im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichten Beitrag zeigen Wissenschaftler anhand von Modellrechnungen, dass ein theoretischer Anstieg der globalen Temperatur von nur 3 °C ausreichen würde, das Grönlandeis rapide abschmelzen zu lassen. „Bleibt es bei dem derzeitigen Ausstoß von Treibhausgasen in unsere Atmosphäre, könnte bereits im Jahre 2050 dieser Prozess unwiderruflich in Gang gesetzt werden“, so Dr. Philippe Huybrechts, einer der Autoren des Artikels und Glaziologe am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Der Schneefall in der Antarktis würde nach dem 21. Jahrhundert demnach dann nicht mehr ausreichen, den Beitrag Grönlands zum Anstieg des Meeresspiegels zu kompensieren.

Diese theoretische Möglichkeit, wie es in Zukunft um das Klima, die Eisverteilung und die Höhe des Meeresspiegels auf der Erde bestellt ist, macht deutlich, wie wichtig zuverlässige Daten über das gesamte Eisvorkommen auf unserem Planeten sind. Der Anfang Oktober beim Start verloren gegangene Satellit CryoSat sollte der Wissenschaft ebensolche Daten liefern, um genauere Aussagen über die klimatische Zukunft unseres Planeten treffen zu können. Die Prognosen der Glaziologen um Dr. Huybrechts machen eines besonders klar: Ein Neustart von CryoSat ist für alle Menschen wichtiger denn je.
Bremerhaven, den 21. Oktober 2005
Quelle: Science 310, 456-460 (21. Oktober 2005)
Ihr Ansprechpartner ist Dr. Philippe Huybrechts, E-Mail: phuybrechts@awi-bremerhaven.de
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14. Oktober 2005: Wissenschaft auf Wegeners Spuren
Vom 30. Oktober bis 2. November treffen sich Wissenschaftler zum zweiten Internationalen Alfred Wegener Symposium in Bremerhaven. Während der dreitägigen Veranstaltung berichten rund 140 Wissenschaftler aus elf Ländern über aktuelle Themen aus den Forschungsgebieten Plattentektonik, Geowissenschaften, Meteorologie, Paläoklimatologie, Glaziologie, Wissenschaftsgeschichte und über Geothemen der Zukunft.
AWI/Presse/PM/pm05-2.hj/Pics/Symposium-w.jpgDie Tagung aus Anlass des 125sten Geburtstages und 75sten Todestages von Alfred Wegener, dem deutschen Polarforscher und Begründer der Kontinentaldrifttheorie, findet am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und im Deutschen Schiffahrtsmuseum statt. Alfred Lothar Wegener wurde am 01.11.1880 in Berlin geboren. Seine Ideen und Forschungsergebnisse verbesserten unser Wissen zu Wetter- (Meteorologie), Eis- (Glaziologie) und Sternenkunde (Astronomie), ebenso wie zu Geologie und Geophysik. Bis heute gilt er als einer der bedeutendsten deutschen Polarforscher, seine Theorie zur Kontinentalverschiebung war visionär. Wegener starb gerade fünfzigjährig Anfang November 1930 im grönländischen Eis.
Von der Geburt des Mondes bis zu Tsunamis
Den Eröffnungsvortrag des Symposiums hält ein Enkel Alfred Wegeners: Dr. Günther Schönharting referiert über Geschichte und Perspektiven der Forschung zur kontinentalen Drift. Insgesamt bieten rund 50 Vorträge und 70 Poster Anreiz zu Meinungsaustausch und Diskussion. Auf der nach 1980 zweiten Veranstaltung dieser Art sind neben einem historischen Rückblick der heutige Wissensstand und die Zukunftsperspektiven von Wegeners Forschungsgebieten die inhaltlichen Schwerpunkte. Unter anderem wird über Tsunamis, die Karte tektonisch aktiver Erdregionen (World stress map), die Ursachen des Abschmelzens des grönländischen Eisschildes, das Mikroklima von Gletschern und eine neue Theorie zur Entstehung des Mondes berichtet.
Die Erben Wegeners
Die wissenschaftlichen Ansätze Wegeners und vor allem sein interdisziplinäres Denken sind noch heute Weg weisend. Am Alfred-Wegener-Institut werden besonders die Forschungen zur Atmosphärenphysik, Glaziologie und Plattentektonik weiter verfolgt. Neben einem besseren Verständnis der wissenschaftlichen Grundlagen erhoffen sich die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen davon Erkenntnisse und bessere Vorhersagen zu den aktuell stattfindenden globalen Klimaveränderungen.
Begleitend zum Symposium findet am 1. November für Kongressteilnehmer und geladene Gäste im Stadttheater Bremerhaven eine Festveranstaltung zu Ehren des großen Polarforschers mit Musik, Theater und Präsentation historischer Filmaufnahmen statt. Vertreter der Medien können nach Anmeldung an der Tagung und der Festveranstaltung teilnehmen.
Weitere Informationen zum zweiten Internationalen Alfred Wegener Symposium:
http://www.alfred-wegener-symposium.de/
Bremerhaven, den 14. Oktober 2005
Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartnerin ist Dr. Martina Kunz-Pirrung (Tel. 0471 / 4831-1236; E-Mail: mpirrung@awi-bremerhaven.de).
Für Ihre Berichterstattung über die aktuelle Forschung der Erben Wegeners finden Sie unter http://www.awi-bremerhaven.de/AWI/25JahreAWI/index-d.html Themen und Ansprechpartner.
10. Oktober 2005: Polarstern für 19 Monate ins antarktische Eis
Der Forschungseisbrecher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung läuft am 13. Oktober 2005 zu seiner 23. Expedition in die Antarktis aus und wird erst 19 Monate später, im Mai 2007, nach Bremerhaven zurückkehren. Aus diesem Grund wird am 13. Oktober von 10.30 bis 11.00 Uhr eine Verabschiedung an der Nordschleuse in Bremerhaven stattfinden, zu der all diejenigen herzlich eingeladen sind, die Polarstern noch einmal sehen und ihrer Besatzung eine gute Reise wünschen möchten!

Direkt nach Verlassen der Wesermündung beginnen im ersten von zehn Fahrtabschnitten kontinuierliche Messungen zur Chemie der Atmosphäre, zur Spurenstoffverteilung im Oberflächenwasser, sowie zur Leistung von akustischen Messsystemen. Letztere dienen dem Ziel, mögliche negative Folgen von Echoloten auf das Orientierungsverhalten von Walen zu minimieren.
Am 23. Oktober wird Polarstern dann in den Hafen von Vigo, Spanien, einlaufen um ehemalige Crewmitglieder und deren Familien zu begrüßen und die deutsch-spanische Zusammenarbeit in der Polarforschung hervorzuheben.
Ein Jahreszyklus in der Antarktis
Das Besondere an dieser 23. Expedition ist, dass Polarstern für einen kompletten Jahreszyklus in der Antarktis bleiben wird und die Wissenschaftler somit direkte Vergleiche zwischen dem antarktischen Sommer (unserem Winter) und dem antarktischen Winter ziehen können. Damit, so die Hoffnung der Forscher, werden gravierende Datenlücken, die insbesondere hinsichtlich der Winterzeit auf verschiedenen Wissensgebieten bestehen, verringert werden können.

Ein Forschungsschwerpunkt der Meeresbiologen wird die Entwicklung und geographische Verteilung des antarktischen Krills sein. Diese Krebstierart ist nicht nur die wichtigste Nahrungsgrundlage vieler Meeressäuger, sondern ist auch von großem kommerziellen Interesse. Während es im antarktischen Sommer vor allem darum gehen wird, inwieweit Krill den Zirkumpolarstrom um die Antarktis zur räumlichen Verbreitung nutzen kann, werden im antarktischen Winter die Jugendstadien des Krills im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen. Die Jugendzeit ist eine sehr sensible Phase im Lebenszyklus dieser Krebstiere, da die Krill-Larven nahezu ununterbrochen fressen müssen, um nicht zu verhungern. Wie diese Tiere es schaffen im Winter ihren ungeheueren Energiebedarf zu decken, wird eine der vielen offenen Fragen sein, die mittels Netzfängen von Bord des Schiffes, aber auch durch Taucher, die Krill-Larven unter dem Eis abkratzen, beantwortet werden. Um die Biologie des Krills und seine Rolle im Ökosystem zu verstehen, sind jedoch auch Langzeitdaten zu nicht-biologischen Parametern wie Eisdicke, Strömung und Wassertemperatur wichtig, die von fest verankerten Messgeräten aufgenommen werden und die bei dieser Polarstern-Fahrt ausgetauscht werden müssen.
Neben weiteren biologischen Forschungsarbeiten werden meteorologische, ozeanographische, physikalische, chemische und geowissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt werden. Außerdem wird Polarstern die deutsche Antarktis-Überwinterungsstation Neumayer versorgen und dafür die Station zum Anfang und Ende der Reise anlaufen.
Die Verabschiedung
Zum Auslaufen von Polarstern an der Nordschleuse werden Mitarbeiter und Direktorium des Alfred-Wegener-Instituts, interessierte Bürger, und der Shanty Chor Bremerhaven erwartet, um Polarstern und ihrer Besatzung hinterher zu winken – bitte Taschentücher nicht vergessen! Schlepper werden Polarstern dann aus der Schleuse geleiten und mit Wasserfontänen verabschieden.
Bremerhaven, den 10. Oktober 2005
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Krill
Der Antarktische Krill (Euphausia superba) nimmt die zentrale Stelle im Nahrungsnetz der südpolaren Gewässer ein. Foto: Uwe Kils
6. Oktober 2005: Schmilzt das Eis an den Polen der Erde?
Satelliten-Mission soll klären, ob die Eismassen an den Polen zu- oder abnehmen
Am 8. Oktober 2005 startet um 17:02 Uhr eine Rockot Trägerrakete am russischen Raumbahnhof Plesetsk mit dem europäischen CryoSat Satelliten an Bord. Mit Hilfe des Satelliten sollen verlässliche Daten zu Veränderungen der polaren Eismassen als Folge der globalen Klimaveränderungen gewonnen werden. Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven überträgt den Start live im Rahmen einer Informationsveranstaltung.
Erstmalig Eisdickenmessungen mit Radaraltimeter in Arktis und Antarktis

Der von der EADS-Astrium GmbH in Friedrichshafen am Bodensee gebaute Satellit wird nach Erreichen der Umlaufbahn mit der Vermessung von Eisdicken und Eisverteilung in den Polarregionen beginnen. Dies ist die erste Mission im „Earth Opportunity Missions“-Programm der Europäischen Weltraumbehörde (ESA), welches die Lösung wissenschaftlicher Probleme mit Hilfe relativ kleiner und kostengünstiger Satelliten zum Ziel hat. Der Satellit CryoSat verfügt über ein neuartiges Radaraltimeter, das mit sehr hoher räumlicher Auflösung sogar einzelne Eisschollen unterscheiden und deren Dicken messen kann. CryoSat wird der erste Satellit mit diesem Messinstrument sein und wird erstmalig in Breiten bis 88 Grad Nord und Süd vorstoßen. Prof. Heinz Miller, Prof. Peter Lemke und Dr. Christian Haas vom Alfred-Wegener-Institut waren maßgeblich an Planung und Konzeption der Mission beteiligt. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts werden auch wichtige Funktionen bei der Kontrolle und Kalibrierung der CryoSat-Daten übernehmen. Dazu werden regelmäßige Expeditionen in die Polargebiete durchgeführt.

Veränderung der Mächtigkeit der Eispanzer bisher unbekannt
In der Antarktis hat die Meereis-Bedeckung in den letzen dreißig Jahren leicht zugenommen. Über die Dicke und damit das Gesamtvolumen gibt es bis heute keine ausreichenden Informationen. Im Gegensatz zum Meereis besteht das Landeis Grönlands und des antarktischen Kontinents aus Gletschereis, das sich über Jahrtausende aus gefallenem Schnee gebildet hat. Dieses Eis ist bis zu vier Kilometer dick und teilweise mehrere hunderttausend Jahre alt. Während die Fläche dieser Eismassen weitgehend konstant bleibt, sind Veränderungen der Eisdicke auch hier unbekannt. Die Ausdehnung des arktischen Meereises hat dagegen in den letzen dreißig Jahren an den Rändern um etwa neun Prozent abgenommen, wie die Daten von Wettersatelliten zeigen. Beobachtungen der Flächenausdehnung des Meereises ermöglichen noch keine Aussagen über das gesamte Volumen, dazu ist zusätzlich die Bestimmung der Dicke nötig. Die bisher nur sporadisch und räumlich begrenzt durchgeführten Messungen deuten auf eine Abnahme der Eisdicke seit den fünfziger Jahren. Es lassen sich allerdings keine Aussagen über die gesamten Eismassen machen. Zudem ist unklar, ob die Beobachtungen wirklich durch ein Schmelzen oder nur durch eine Umverteilung des dicken Eises in andere Gebiete verursacht wurde.
Live-Übertragung am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven
CryoSat soll diese Wissenslücke schließen. Der fast fünf Meter lange und jeweils zwei Meter hohe wie breite Satellit wird drei bis sechs Jahre lang die Eisdicken an Nord- und Südpol vermessen. Der 690 Kilogramm schwere CryoSat verfügt kaum über bewegliche Teile, die Solarzellen zur Energieerzeugung sind nicht wie sonst üblich auf Sonnensegeln platziert sondern direkt auf dem Rumpf angebracht. Die tägliche Datenmenge von 320 Gigabit wird über X-Band mit 100 Megabit pro Sekunde zur Bodenstation in Kiruna, Schweden, übertragen und steht nach Aufbereitung den wissenschaftlichen Instituten zur Verfügung. Mit CryoSat sind erstmals genauere Abschätzungen über den gesamten Eisvorrat der Erde und dessen Veränderung als Folge globalen Klimawechsels möglich. Der von Eurockot durchgeführte Start wird im Beisein von Wissenschaftlern, Technikern, Politikern und Medienvertretern live am Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut übertragen und gefeiert. Neben der Übertragung geben Vorträge Aufschluss über den Satelliten, seine Technik, seinen Zweck und den aktuellen Stand der Klimaforschung an den Polen.
Weitere Informationen finden sich unter: http://www.awi-bremerhaven.de/CryoSat/
Bremerhaven, den 6. Oktober 2005
Ihr Ansprechpartner ist Dr. Christian Haas (Tel. 0471 4831-1128; E-Mail: chaas@awi-bremerhaven.de).
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CryoSat
Mit einem neu entwickelten Radaraltimeter soll CryoSat Eisdicken in den Polarregionen vermessen. Foto: Astrium (EADS Astrium GmbH)

Heli
Zur Kontrolle werden Eisdicken an bestimmten Punkten mit dem HEM-Bird vom Hubschrauber bestimmt und mit den CryoSat Daten verglichen. Foto: Jan Lieser
12. Januar 2007: Neue Algengruppe entdeckt: Picobiliphyta
Einer internationalen Forschergruppe ist es gelungen, eine bisher unbekannte Gruppe von Algen zu identifizieren. Wie jetzt im Wissenschaftsmagazin Science berichtet, handelt es sich bei den Algen um Vertreter des kleinsten pflanzlichen Planktons, dem Picoplankton („Picobiliphytes: A marine picoplanktonic algal group with unknown affinities to other Eukaroytes” Science, Vol. 316). Aufgrund ihrer Größe von nur wenigen tausendstel Millimetern und dem Vorkommen einer Pigmentgruppe, den so genannten Phycobiliproteinen, gaben die Forscher ihnen den Namen Picobiliphyta.
Die Photosynthese in den Meeren macht etwa 50 Prozent der weltweiten Photosynthese aus. Dominiert wird sie von mikroskopisch kleinen Algen, dem so genannten Phytoplankton. Wissenschaftler gehen davon aus, dass bis zu 90 Prozent der Arten des Phytoplanktons noch unbekannt sind. In der vorliegenden Arbeit untersuchten die Wissenschaftler mit Hilfe molekularer Techniken die kleinsten Mitglieder des Planktons, das Picoplankton. Durch die geringe Größe des Picoplanktons von nur wenigen tausendstel Millimetern lassen sich die Organismen nur schlecht mit einem Mikroskop untersuchen oder identifizieren.

Die Forscher nutzen bei ihrer Arbeit Gensequenzen des in allen Zellen vorkommenden 18S Genes. Durch den Vergleich von unbekannten mit schon bekannten Gensequenzen lässt sich die Identität neuer Organismen ableiten. „Die in den Algen gefundenen Gensequenzen ließen sich keiner der bisher bekannten Organismengruppen zuordnen“, erläutern Dr. Klaus Valentin und Dr. Linda Medlin, Mitautoren der Studie und Molekularbiologen am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Die untersuchten Algen stammen von Planktonproben aus verschiedenen Bereichen des Nordatlantiks sowie aus dem Mittelmeer. Die Wissenschaftler entdeckten eine also völlig neue Organismengruppe, die weit verbreitet ist. „Ein deutlicher Hinweis darauf, dass es in den Meeren noch viel zu entdecken gibt, vor allem mit Hilfe molekularer Methoden“, so Valentin.
Neben den unbekannten Gensequenzen identifizierten die Forscher in den Algen einen gefärbten Plastiden, der so genannte Phycobiliproteine enthält, die zum Beispiel auch in Rotalgen als Photosynthesepigmente vorkommen. Auf Grund dieser Tatsache gehen die Forscher davon aus, daß es sich bei der neuen Organismengruppe tatsächlich um Algen handelt. In Anspielung auf ihre geringe Größe und das Vorhandensein von Phycobiliproteinen gaben die Forscher der Algengruppe den Namen Picobiliphyta.
Die Veröffentlichung “Picobiliphytes: A marine picoplanktonic algal group with unknown affinities to other Eukaroytes” erscheint am
12. Januar 2007 im Wissenschaftsmagazin Science.
Bremerhaven, den 12. Januar 2007
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Hinweise für Redaktionen:
Ihr Ansprechpartner am Alfred-Wegener-Institut ist Dr. Klaus Valentin (Tel. 0471/4831-1452; E-Mail: Klaus-Ulrich.Valentin@awi.de). Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Ude Cieluch (Tel. 0471/4831-2008; E-Mail: medien@awi.de).
Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.
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Picobili Science w
Fluoreszenz-mikroskopische Aufnahme einer Picobiliphyta-Zelle. Der Zellkern wurde blau angefärbt, das Cytoplasma grün. Die Rote Fluoreszenz stammt von einem Plastiden mit Phycobiliproteinen. Die Zelle ist etwa 2x5 µm groß (1 µm = 1/1000 Millimeter). Foto: Fabrice Not/Station Biologique de Roscoff
5. Januar 2007: Weniger Nordseefische durch wärmeres Wasser
Derzeitige Verschiebungen des Weltklimas führen vor allem in den flachen Randmeeren der Ozeane zu einer Veränderung der Artenzusammensetzung. Betroffen sind auch die Fischbestände. Bisherige Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen der globalen Erwärmung und der Abnahme von Fischbeständen zeigen, beruhten jedoch lediglich auf statistischen Daten. Für die Abschätzung zukünftiger Veränderungen ist ein tieferes Verständnis der Bedeutung der Wassertemperatur für die Biologie der betroffenen Organismen von fundamentaler Bedeutung. Eine jetzt im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichte Studie zeigt, dass eine wärmebedingte Sauerstoffunterversorgung bei Fischen der entscheidende Faktor ist, der die Bestandsdichte beeinflusst.

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven untersuchten an der Aalmutter Zoarces viviparus aus der Nordsee die Beziehung zwischen der saisonalen Entwicklung der Wassertemperatur und der Bestandsdichte der Tiere. Ziel war es, die physiologischen Prozesse der Fische zu ermitteln, die als erstes auf Temperaturveränderungen reagieren. Durch den Vergleich der ökologischen Felddaten mit den Untersuchungen im Labor konnten die Autoren des Artikels nun zum ersten Mal nachweisen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der wärmebedingten Sauerstofflimitierung der Aalmutter und den Veränderungen in ihrer Bestandsdichte gibt.

Meerestiere haben sich im Laufe der Evolution auf die Bedingungen in ihrem Lebensraum spezialisiert und tolerieren oft nur sehr bedingt Veränderungen. Dabei zeigen Fische aus der Nordsee, die jahreszeitlich größeren Temperaturschwankungen ausgesetzt sind, eine höhere Wärmetoleranz und breitere Toleranzfenster als beispielsweise Fische aus den Polarregionen, die bei konstant tiefen Temperaturen leben. Nur innerhalb ihres begrenzten Toleranzfensters zeigen die Tiere ein Maximum an Wachstum und Fruchtbarkeit.
Die Untersuchungen am Alfred-Wegener-Institut zeigen, dass die Aufnahme und Verteilung von Sauerstoff über Atmung und Blutkreislauf die Toleranz der Tiere ganz wesentlich bestimmen und nur in einem begrenzten Temperaturfenster optimal funktionieren. Bei steigender Temperatur verschlechtert sich zunächst die Sauerstoffversorgung des Organismus, bevor andere biochemische Stressmechanismen reagieren. Schließlich bricht die Sauerstoffversorgung zusammen, der Organismus ist dann nur noch befristet lebensfähig. Diese Erkenntnisse sind ein wichtiger Schritt in der Erklärung klimatisch bedingter Veränderungen in den Ökosystemen der Meere.
Die Veröffentlichung “Climate change affects marine fishes through the oxygen limitation of thermal tolerance” erscheint am 5. Januar 2007 im Wissenschaftsmagazin Science.
Bremerhaven, den 05. Januar 2007
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Hinweise für Redaktionen:
Ihre Ansprechpartner am Alfred-Wegener-Institut sind Prof. Dr. Hans-Otto Pörtner (Tel. 0471/4831-1307; E-Mail: Hans-Otto.Poertner@awi.de) und Dr. Rainer Knust (Tel.: 0471/4831-1709; E-Mail: Rainer.Knust@awi.de). Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Ude Cieluch (Tel. 0471/4831-2008; E-Mail: medien@awi.de).
Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.
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Das Verbreitungsgebiet der Aalmuuter und weitere Fischarten. Grafik: Pörtner/Schadwinkel
27. Dezember 2006: Polarstern fängt fünf Tonnen Marmorbarsch
Polarstern machte einen der größten Fischfänge in ihrer 24 jährigen Geschichte in antarktischen Gewässern. Hoffnung für kommerzielle Fangflotten? Wohl nicht – ein guter Fang lässt noch lange nicht auf die Gesundung dieses Bestandes schließen, der durch die kommerzielle Fischerei stark dezimiert worden ist.
Fünf Tonnen Marmorbarsch – da staunten Wissenschaft und Crew beim Anblick der vielen silbrig-blauschwarz glänzenden, bis zu 70 cm langen Leiber nicht schlecht. Zuletzt wurde solch ein großer Fang im November 1983 rund um Elefant Island gemacht. Die vorherigen und die nachfolgenden Fänge erbrachten nämlich nur eine viel geringe Ausbeute. In Verbindung mit den Ergebnissen vorangegangener Fischbestandsaufnahmen interpretierten die Fischereibiologen an Bord diese Beobachtung so: Marmorbarsche häufen sich in bestimmten kleinräumigen Gebieten.
Bei der Suche nach Gründen dafür, ist die Wissenschaft bisher auf Vermutungen angewiesen. Krill, die Hauptnahrungsquelle der Marmorbarsche, verdichten sich zu großen Schwärmen in einem engen Band nicht weit von den Arealen, die diese Fische bevorzugen. Ein anderer Grund, warum sich Marmorbarsche in dichten Haufen versammeln, mag im Relief des Meeresbodens, wie z.B. Canyons und Hängen, zu suchen sein. Dieser Hang, sich dort zusammenzurotten, wurde ihnen früher zum Verhängnis. Es war ein Leichtes für die kommerzielle Fischerei, diese dichten Ansammlungen auszufischen. So wurde nach ihrer starken Dezimierung die Befischung dieser Art 1985 vom "Übereinkommen zum Schutz der lebenden Meeresschätze der Antarktis" (CCAMLR) verboten. Wenn sie wieder einsetzen würde, könnten die Bestände erneut sehr leicht überfischt werden. Deutschland, vertreten durch die Bundesforschungsanstalt für Fischerei, speist seine Ergebnisse regelmäßig in die entsprechenden Arbeitsgruppen von CCAMLR ein, um gerade das zu verhindern.
Bremerhaven, 27. Dezember 2006
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Hinweise für Redaktionen: Ihre Ansprechpartnerin am Alfred-Wegener-Institut (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) ist Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471/4831-1376; E-Mail: medien(at)awi-bremerhaven.de).
Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.
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Marmorbarsch (Notothenia rossii) Foto: Gauthier Chapelle (IPF)/Alfred-Wegener-Institut
20. Dezember 2006: Antarktisforschung im Zeichen des Internationalen Polarjahres IPY 2007/2008
Die diesjährige Forschungssaison in der Antarktis beginnt mit der 27. Sommerkampagne des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft in Bremerhaven. Das Institut kooperiert mit 20 Forschungsinstituten und zehn logistischen Einrichtungen aus 14 Ländern. Die Neumayer-Station dient als logistische Basis für umfassende Flugzeugmessungen. Als Teil des globalen „Census of marine life“ ist der Forschungseisbrecher Polarstern an der Antarktischen Halbinsel auf Expedition und am Dallmann-Labor steht der Lebensraum Antarktis im Klimawandel im Mittelpunkt. Der antarktische Sommer dauert von November bis April. Viele Projekte bilden den Auftakt zum Internationalen Polarjahr 2007/2008.
Wissenschaft und Logistik: die Neumayer-Station
Die ganzjährig besetzte Forschungsstation Neumayer (70°39´S, 08°15´W) des Alfred-Wegener-Instituts dient als Zentrum deutscher Antarktisforschung. 42 Wissenschaftler und Techniker werden in dieser Saison an der Station arbeiten. Personal und Fracht werden per Flugzeug transportiert und in einem internationalen Netzwerk von elf Forschungsinstituten (DROMLAN: Dronning Maud Land Air Network) gemeinsam organisiert. Mitte Dezember ist die neue Überwinterungsgruppe des Alfred-Wegener-Instituts an der Neumayer-Station eingetroffen. Die Gruppe besteht diesem Jahr aus vier Frauen und fünf Männern, die für den Stationsbetrieb sowie die für Fortführung der meteorologischen, geophysikalischen und luftchemischen Langzeitmessungen verantwortlich sind.
Census of Antarctic marine life (CAML)

Als Teil des weltweiten Forschungsprojektes „Census of Marine Life“ (CoML) ist der Forschungseisbrecher Polarstern derzeit an der Antarktische Halbinsel auf Expedition. Ein Seegebiet, das erstmals durch das Abbrechen eines großen Teiles des Larsen-B-Schelfeises für die Wissenschaft zugänglich geworden ist. 47 Wissenschaftler aus zwölf Ländern sind bei diesem Projekt der biologischen Vielfalt auf der Spur. Als eines der Hauptprojekte des Internationalen Polarjahres ist „Census of Antarctic Marine Life“ das größte meereswissenschaftliche Programm im Bereich der Antarktis.
Aerosole und Spurengase

Am 15. Dezember ist das Forschungsflugzeug Polar 2 an der Neumayer-Station gelandet. Damit beginnt das deutsch-japanischen Projekt ANTSYO II (Antarctic trace gas and aerosol airborne measurement campaign). Bis Ende Januar 2007 werden Flugzeugmessungen durchgeführt, die zur Bestimmung von feinsten Luftpartikeln, so genannten Aerosolen, und verschiedener Spurengase dienen. Dabei sind die physikalischen, optischen und chemischen Eigenschaften von Aerosolen im antarktischen Sommerhalbjahr im Fokus der Messkampagne. Darüber hinaus sollen die wichtigsten Transportwege der Aerosolteilchen in die Antarktis identifiziert werden
Antarktische Unterwasserklänge
Seit einem Jahr unterhält die Arbeitsgruppe Ozeanische Akustik des Alfred-Wegener-Instituts nahe der Neumayer-Station die Messstation PALAOA (PerenniAL Acoustic Observatory in the Antarctic Ocean). PALAOA (70°31´S, 8°13´W) besteht aus vier Unterwassermikrofonen, sogenannten Hydrophonen, die für 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche die Geräuschkulisse des Antarktischen Ozeans aufzeichnen. Anhand der Daten erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Kommunikation mariner Säugetiere wie Robben und Wale. Auch über den Einfluss vom Menschen erzeugter Geräusche auf das Verhalten der Tiere sollen die Daten Auskunft geben.
Einen Livestream von PALAOA finden Sie im Internet unter: www.awi.de/acoustics
Vielfältiges Leben in der Kälte

Am Dallmann-Labor (62°14´S, 58°40´W), das nur im antarktischen Sommer betriebenen wird, steht biologische Forschung im Vordergrund. Im besonderen Fokus der Forscher: Die Artenvielfalt verschiedener Organismen und deren Anpassung an Klimawandel und extreme Lebensbedingungen. So untersuchen zum Beispiel Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts und des Instituts für Polarökologie in Kiel das Wachstum von Algen in hohen Lichtintensitäten bei gleichzeitig sehr niedrigen Temperaturen. Welchen Einfluss Eisbewegungen auf die Lebensgemeinschaften am Meeresboden haben, ist ein weiterer Schwerpunkt am Dallmann-Labor. Im IPY-Projekt ClicOpen (Impact of CLImate induced glacial melting on marine and terrestric COastal communities on a gradient along the Western Antarctic PENinsula) untersuchen Wissenschaftler den Einfluss von klimatisch bedingtem Gletscherschmelzen auf Küstenlebensgemeinschaften der Westantarktischen Halbinsel.
Detaillierte Informationen zu allen deutschen Forschungsprojekten im Rahmen des Internationalen Polarjahr 2007/2008 finden Sie im Internet unter: www.polarjahr.de
Bremerhaven, den 20. Dezember 2006
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31. Januar 2007: Alfred-Wegener-Institut begrüßt neue Verwaltungsdirektorin
Am 1. Februar wird Dr. Heike Wolke ihre Tätigkeit als Verwaltungsdirektorin des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven aufnehmen. Heike Wolke war zuletzt am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ in Leipzig tätig. Sie tritt damit die Nachfolge von Dr. Rainer Paulenz an, der im Oktober vergangenen Jahres als Kulturdezernent in die Stadtpolitik Bremerhavens gewechselt hat.
Frau Wolke hat Verfahrenstechnik und Betriebswirtschaftslehre studiert und war von 1975 bis 1979 an der Technischen Hochschule in Leipzig als wissenschaftliche Assistentin angestellt. Nach ihrer Promotion 1984 auf dem Gebiet Prozessanalyse wechselte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an das Institut für Biotechnologie in Leipzig in die Abteilung Bioverfahrenstechnik.
Ab 1992 war Frau Wolke in verschiedenen Führungspositionen der Verwaltung am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ tätig, zuerst als Leiterin des Einkaufs, später als Verwaltungsleiterin und ab 2002 als Leiterin der wissenschaftlichen und betrieblichen Infrastruktur.
„Neben den Herausforderungen, die die Tätigkeit der Verwaltungsdirektorin bietet, begeistert mich besonders das Forschungsfeld des Alfred-Wegener-Instituts. Insbesondere die Möglichkeit, mich hier einzubringen, das Forschungsumfeld und die Forschungsbedingungen zu gestalten, sind reizvoll“, sagt Dr. Wolke.
Frau Wolke wurde 1952 in Leipzig geboren, ist verheiratet und hat drei Kinder.
Bremerhaven, den 31. Januar 2007
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29. September 2005: Das Meer wird sauer
Treibhausgase gefährden Ökosysteme in den Ozeanen
Durch Verbrauch fossiler Brennstoffe produziert jede Person auf unserem Planeten täglich im Durchschnitt elf Kilogramm Kohlendioxid, die in die Atmosphäre gelangen. Vier Kilogramm davon werden von den Weltmeeren aufgenommen, was den Treibhauseffekt mildert. Unglücklicherweise reagiert das Kohlendioxid mit dem Meerwasser zu Säure, welche die Kalkschalen vieler Meeresbewohner auflösen kann.

Die jetzt im Wissenschaftsmagazin Nature unter Mitwirkung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung veröffentlichte Studie einer Gruppe von 27 Meeresforschern aus Europa, Japan, Australien und den USA zeigt, dass die Versauerung der Meere in den Polargebieten bereits in fünfzig bis hundert Jahren zu einem Verschwinden wichtiger Meeresorganismen führen könnte, viel früher als bisher angenommen. Bedroht sind vor allem Seegurken, Kaltwasserkorallen und im Wasser schwebende Flügelschnecken. Da diese Tiere eine wichtige Nahrungsquelle für andere Tiere von Krebsen über Lachse bis zu Walen darstellen, sind schwerwiegende Auswirkungen auf das gesamte polare Ökosystem zu befürchten. Ursachen der Versauerung der Meere sind eindeutig menschliche Einflüsse, die Forderung der Forscher ist eine drastische Einschränkung der Treibgasemissionen.
Die Studie beruht auf weltweiten Messungen des Kohlenstoffgehalts der Meere. „Um die Vorhersagen abzusichern, haben wir 13 alternative Berechnungsmodelle mit den Daten gefüttert“, erklärt Reiner Schlitzer vom Alfred-Wegener-Institut. „Beim Vergleich der Ergebnisse gab es kleine Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Modellen, aber die grundsätzliche Aussage war immer die gleiche: Die Meere versauern viel schneller als bisher angenommen.“ Nach Ansicht der Wissenschaftler ist die Vorhersage deutlich sicherer als derzeitige Klimaprognosen, da die Aufnahme von Kohlendioxid durch die Meere einfachen Gesetzmäßigkeiten folgt und vergleichsweise wenig Störfaktoren berücksichtigt werden müssen.

Die Computerberechnungen zeigen, dass bei dem derzeitigen Anstieg der Kohlendioxid - Konzentration in der Atmosphäre bereits in fünfzig Jahren in den Polarmeeren die Schalen der dort massenhaft vorkommenden Flügelschnecken (Pteropoda) einfach aufgelöst werden würden. Die wärmeren Meere folgen mit Zeitverzögerung. Der Leiter der Studie, James Orr vom Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement in Frankreich, meint: „Viele der jetzt lebenden Menschen werden erleben, wie die polaren Meere für einige der heutigen Schlüsselorganismen unbewohnbar werden.“
Die Schale der Flügelschnecken besteht aus Aragonit, einer verbreiteten Form des Kalziumkarbonats. Nur wenn das Meerwasser ausreichend mit Aragonit gesättigt ist, können die Schalen der Flügelschnecken wachsen. In den Berechnungen der Forscher und Forscherinnen werden bereits im 21. Jahrhundert die Aragonit - Konzentrationen in allen Weltmeeren stark absinken. Betroffen sind nicht nur die Flügelschnecken, sondern auch Seegurken und die besonders im Nordatlantik verbreiteten Kaltwasserkorallen. Anders als ihre bekannteren tropischen Verwandten wachsen Kaltwasserkorallen sehr langsam und sind schon heute durch die Bodenschleppnetze der Fischerei stark bedroht. Ein Verschwinden der Korallen würde auch zum Verschwinden der gesamten Riffgemeinschaft aus Tiefseefischen, Aalen, Krabben und anderen Organismen führen. Andere schalentragende Meeresbewohner, wie die ökologisch wichtigen Kalkalgen, die für ihre Schutzgehäuse Kalzit anstatt Aragonit nutzen, wären zu diesem Zeitpunkt nicht betroffen. Sie hätten noch weitere fünfzig bis hundert Jahre Zeit, bis sie bei weiter steigenden Kohlendioxidemissionen das gleiche Schicksal ereilen würde.
Bremerhaven, den 29. September 2005
Quelle: Nature 437 (29.September 2005): 681-686
Ansprechpartner: Prof. Reiner Schlitzer
Tel. 0471/4831-1559
E-Mail: rschlitzer@awi-bremerhaven.de
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Limacina
Das Gehäuse der Flügelschnecke Limacina würde sich bei Versauerung der Meere auflösen. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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In den polaren Meeren wird die durch Kohlendioxid verursachte Versauerung der Meere zuerst Folgen zeigen.
15. September 2005: Polarstern-Expedition dokumentiert Veränderungen in der Arktis
Am 18. September wird der Forschungseisbrecher Polarstern von einer achtwöchigen Arktisexpedition nach Bremerhaven zurückkehren. Insgesamt 78 Teilnehmer aus elf Nationen waren an der vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven koordinierten Expedition beteiligt.

Im Mittelpunkt der einundzwanzigsten Arktisexpedition von Polarstern stand die Fortsetzung mehrerer Langzeitstudien mit fest am Meeresboden installierten Messstationen, so genannten Verankerungen. Bestückt mit verschiedenen Messgeräten für Strömung, Temperatur und Salzgehalt tragen die Daten dieser Verankerungen dazu bei, den Wärme- und Süßwasserhaushalt der Grönlandsee zu bestimmen und seinen Einfluss auf die globalen Meeresströmungen abzuschätzen. Verankerungen spielen somit eine ähnliche Rolle wie die Wetterstationen auf den Kontinenten, mit dem Unterschied, dass die Daten der Verankerungen erst nach einem Jahr bei ihrem Austausch abgelesen werden können.
Auf zwei in Ost/West-Richtung verlaufenden hydrographischen Schnitten zwischen Grönland und der Bäreninsel (75°Nord) und zwischen Grönland und Spitzbergen (79°Nord) machten die Ozeanografen eine interessante Entdeckung: ein vollständiges Fehlen von Wasser, das aus dem Pazifik durch die Beringstraße in die Arktis strömt und in den 90er Jahren im Ostgrönlandstrom zu finden war. Dieser Umstand weist darauf hin, dass sich die Strömungsverhältnisse im Arktischen Ozean geändert haben und dieses Wasser nun durch den Kanadischen Archipel westlich von Grönland in den Nordatlantik fließt.
Im weiteren Verlauf wurden in der Grönlandsee an fünf Stationen autonom arbeiten


























































































































