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Wattenmeerstation Sylt

Forschungsstation in der Stiftung Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

New Station Sylt

 

Aus der Luft betrachtet sieht sie beinahe aus wie eine Ballerina, die auf der Zehenspitze stehend in der Nordsee tanzt. Doch ihre äußere Form hat sich im Laufe der Zeit ständig verändert: An der Insel Sylt nagt unaufhörlich das Meer. Noch ist sie Deutschlands größtes Nordseeeiland. Doch wie lange noch? Nachdem Holz, Metall- und Stahlbetonbuhnen keinen wirklichen Erfolg zum Schutz der Inselküste erzielten, werden seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts jährlich immense Sandmengen vor die Sylter Küsten gespült. Zurzeit ist es die einzig wirksame Waffe gegen das Abtragen der Insel durch das Nordseewasser. Doch es bleibt ein Kampf gegen Windmühlen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erkennen in dem unaufhaltsamen Naturschauspiel eine enorme Chance: An der Wattenmeerstation Sylt untersuchen sie die ökologischen Prozesse der Insel, erforschen langfristig die damit einhergehenden Veränderungen im Ökosystem Küste und vergleichen ihre Erkenntnisse global mit anderen Küsten.

  • Wattenmeerstation Sylt - die Ziele
  • Die Insel Sylt – gut platziert
  • Sylter Forschungsinhalte
  • Logistik rund um die Wattenmeerstation
  • Wattenmeerstation Sylt – ein Rückblick
  • Erlebniszentrum Naturgewalten

 

Wattenmeerstation Sylt - die Ziele

New Building at Wattenmeerstation Sylt

Ziel der wissenschaftlichen Arbeit auf Sylt ist, die ökologischen Zusammenhänge im Küstenbereich, die Wechselwirkung zwischen Land und Meer und der Artenvielfalt und Dynamik der Lebensgemeinschaften und deren Austausch mit der Umgebung besser zu verstehen. An der Wattenmeerstation Sylt untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Anpassungs- und Steuerungsprozesse an Pflanzen- und Tieren im Flachmeer rund um die Insel. Auch erproben sie die experimentelle Kultivierung von Meeresalgen. Der Sinn: Die Erforschung langfristiger Entwicklung in der Ökologie von Wattenmeer und Nordsee sowie weltweite Vergleiche helfen, die natürlichen Veränderungen von den Folgen menschlicher Eingriffe zu unterscheiden und diese zu bewerten.


 

Die Insel Sylt - gut platziert

Ihre Lage ist ideal: Die Wattenmeerstation Sylt befindet sich an der Schnittstelle zwischen Nordsee und Wattenmeer. Hier kann der Stoffaustausch und die Wanderung von Organismen zwischen Land, Watt und Meer optimal gemessen werden: Aus deren Bilanz können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf  Veränderungen im Ökosystem schließen.


 

Sylter Forschungsinhalte

Durch die hohe Dynamik des Nordseewassers und die geringe Meerestiefe steht das pflanzliche Plankton (Algen) als Nahrung auch für Organismen am Boden zur Verfügung. Sie entfalten sich besonders reich im Wattenmeer und bilden eine vielseitige Lebensgemeinschaft. Um die Quellen- und Senkungsfunktion im Austauschgeschehen des Wattenmeeres zu klären, wird der Stoffaustausch der verschiedenen Bodenlebensgemeinschaften untersucht.

Seegraswiesen und Muschelbänke dämpfen die bodennahe Wasserdynamik, fangen Partikel ein und stabilisieren die Ablagerungen am Meeresboden, die so genannten Sedimente. Geprüft werden die Folgen der Muschelfischerei. Bei den Seegraswiesen wird nach den Ursachen der aktuellen Bestandsrückgänge gesucht.

Die Arten im Wattenmeer sind durch eine Vielzahl von Interaktionen untereinander verbunden. Daher werden Nahrungsbeziehungen, Räuber- Beute-Beziehungen, Lebensgemeinschaften und Parasitismus in der Tier- und Pflanzenwelt von Watt und Küste analysiert. Bei der zunehmenden Zahl aus Übersee eingeschleppter Küstenorganismen stellt sich die Frage nach der Einnischung in das vorhandene Beziehungsgeflecht.

Wissenschaftlich belegt ist inzwischen, dass die Landnutzung in Küstennähe, Fischereiaktivität sowie Nähr- und Schadstofflasten im Wattenmeer zu gravierenden Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt geführt haben. Solche Änderungen wird es auch zukünftig geben, unter anderem durch Meeresspiegelanstieg und Klimawandel. In der Wattenmeerstation Sylt werden dazu Prognosen erarbeitet.

In Labor- und Feldexperimenten an Großalgen wird die Steuerung der Wachstumsrhythmik und ihre Synchronisierung durch Zeitgeber aus der Umwelt analysiert: Algen können darüber zu permanentem Wachstum angeregt und damit der Ertrag an Alginaten, Agar und proteinhaltiger Algensubstanz verbessert werden. Im Freigelände der Wattenmeerstation Sylt sind dazu große Hälterungs- und Zuchtbecken mit regulierbarer Temperatur und kontrolliertem Lichteinfall installiert.


 

Logistik rund um die Wattenmeerstation

Im Hauptgebäude der Wattenmeerstation Sylt sind die Arbeitsgruppen der Benthosökologie, der Wasseranalytik und Marinen Planktologie untergebracht. In den Labors sind Messungen für die meereskundlichen Grundparameter, chemische Analysen und Elementaranalysen sowie für die quantitative Bearbeitung von Proben mit moderner optischer Ausrüstung möglich. In Temperaturkonstanzräumen und einem Aquariumraum ist die Hälterung und Kultivierung von Meeresorganismen durchführbar. Zwei Kreisläufe sorgen für fließendes Seewasser. Außerdem sind eine Werkstatt, eine Bibliothek und ein Seminarraum für Vortragsreihen, Seminare und Workshops vorhanden.

Für Kursfahrten ins Wattenmeer und für wissenschaftliche Schiffseinsätze der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird der Forschungskatamaran „Mya“ genutzt. Gastforscherinnen und –forscher, Studentengruppen, Workshop- und Kursteilnehmer sowie länger bleibende Studenten, Doktoranden und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können im Gästehaus übernachten.


 

Wattenmeerstation Sylt – ein Rückblick

Die ökologische Erforschung im Sylter Wattenmeer begann bereits Mitte des 19. Jahrhunderts: Der Naturwissenschaftler und Philosoph Karl August Möbius untersuchte die Austernbänke vor Sylt und entwickelte an ihrem Beispiel das noch heute gültige Konzept der marinen Lebensgemeinschaft, die so genannte Biozenöse. Diese und die nachfolgenden Untersuchungen seit Gründung der Wattenmeerstation Sylt sind die Vergleichsbasis für aktuelle Bestandsaufnahmen. Die Forschungsaktivitäten konzentrieren sich auf das Ökosystem Wattenmeer und den angrenzenden Flachwasserbereich der Nordsee.

Die Wattenmeerstation in List auf Sylt wurde 1924 als Austernlabor gegründet. 1937 entstand daraus die Wattenmeerstation als Außenstelle der Biologischen Anstalt Helgoland an der Nordspitze Sylts. 1949 wurde sie an den Lister Hafen verlegt. Heute steht in dessen Nähe ein moderner Laborkomplex mit Forschungsmöglichkeiten für 30 wissenschaftliche und technische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Hinzu kommen Räume für Studentenkurse und Seminare. Seit 1998 ist die Wattenmeerstation Sylt eine Forschungsstelle der Stiftung Alfred-Wegener-Institut mit Hauptsitz in Bremerhaven.

Seit 1957 werden an der Sylter Wattenmeerstation kontinuierliche Messungen von physikalischen, chemischen und biologischen Parametern im Nordseewasser vorgenommen. Dadurch können Trendanalysen und Vergleiche mit anderen Küstenregionen durchgeführt werden. Zu den Ursachen des langfristigen Trends im Artenspektrum und Auftreten von Planktonblüten erfolgen detaillierte Untersuchungen und Experimente.


 

Erlebniszentrum Naturgewalten

In unmittelbarer Nähe zur Wattenmeerstation steht in List auf Sylt das Erlebniszentrum Naturgewalten. Auf 1.500 m² Ausstellungsfläche werden hier seit Februar 2009 drei große Themenbereiche „Kräfte der Nordsee“, „Leben mit Naturgewalten“ und „Klima, Wetter, Klimaforschung“ der Öffentlichkeit präsentiert. Aktuelle Ergebnisse der Meeres- und Klimaforschung fließen regelmäßig in die Ausstellung mit ein. Ab April 2010 wird die Ausstellung noch um das interaktive Kinder- und Jugendprogramm ergänzt.

Das Erlebniszentrum Naturgewalten Sylt ist ein einzigartiges Kooperationsprojekt der Gemeinde List mit dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI), der Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und allen auf Sylt tätigen Natur- und Küstenschutzverbänden.

Infos unter: www.naturgewalten-sylt.de, Info-Tel. 04651 836190, Hafenstraße 37, List



 
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