Potsdam und die Polarforschung
Die Polarforschung in Potsdam hat eine lange Tradition. Sie reicht bis in die Anfänge des Königlich Preußischen Geodätischen Instituts zurück. Damals begann man, die wahre physikalische Gestalt der Erdfigur - das Geoid - zu ermitteln.
Die Wissenschaftler des Meteorologisch-geomagnetischen Observatoriums und des Geodätischen Instituts beeinflussten die deutsche und internationale Polarforschung maßgeblich: Die Leitung der ersten deutschen Südpolarexpedition 1901-03 hatte Erich von Drygalski, ein Helmert-Schüler. Dieser schrieb seine Doktorarbeit über die Deformation des Erdkörpers durch die Eisauflast, bevor er 1881 zu seiner ersten Grönlandexpedition aufbracht. Auf die erste deutsche Südpolarexpedition nahm nahm er eine in Potsdam gebaute Pendelapparatur für Schweremessungen mit. Als Meteorologe und Geomagnetiker nahm Friedrich Bidlingmaier an dieser Expedition teil. Er war seit 1900 in Potsdam beschäftigt und erarbeitete ein einheitliches meteorologisches und erdmagnetisches Beobachtungsprogramm für die gleichzeitig stattfindenden Antarktisexpeditionen Deutschlands, Schottlands, Schwedens, Argentiniens und Britanniens. Mitglieder dieser Expeditionen besuchten das Potsdamer Meteorologische Observatorium, unter anderem auch Ernest Shackleton. An der zweiten Deutschen Südpolarexpedition 1910-11 unter der Leitung Wilhelm Filchners nahm der Mitarbeiter des Geodätischen Instituts Erich Przybyllok als Astronom und Erdmagnetiker teil.
Alfred Wegener in Potsdam
Alfred Wegener suchte wiederholt Kontakt zu den Potsdamer Instituten und bat um gerätetechnische, methodische und personelle Unterstützung. Karl Weiken, Mitarbeiter am Geodätischen Institut, führte auf Wegeners Grönlandexpedition 1930-31 die Schwere-, Orts- und Höhenbestimmung durch. Der Mitarbeiter des Meteorologischen Observatoriums Joachim Scholz arbeitete auf Franz-Joseph-Land als Teilnehmer der von Iwan Papanin geführten sowjetischen Arktisexpedition 1932-33.
Polarforschung in der DDR

Die Tysker-Hütte östlich von Ny-Ålesund. Unterkunft für die Teilnehmer der ostdeutschen Expedition nach Spitzbergen 1964
Nach dem zweiten Weltkrieg ließen die Potsdamer Meteorologen unter Leitung von Günter Skeib (1955-1975 Direktor des Meteorologischen Hauptobservatoriums auf dem Telegrafenberg) die deutsche Antarktisforschung wieder aufleben. 1959 nahmen die ersten ostdeutschen Polarforscher an der 5. Sowjetischen Antarktisexpedition nach Mirny teil. Nachdem ostdeutsche Wissenschaftler dort Erfahrungen bei der Untersuchung der polaren Ionosphäre gesammelt hatten, startete die DDR 1976 ein eigenes komplexes Ionosphärenprogramm: Die Forschungsbasis „Georg Forster“ in der Schirrmacheroase (Königin-Maud-Land) entstand. In den ersten drei Jahren erforschten die Wissenschaftler die Ionosphäre mit Hilfe von Funksignalen. Nach Abschluss des komplexen Programms zogen Isotopenphysiker und –chemiker, Geologen, Geomagnetiker und Bodenkundler in die Unterkünfte ein. Die Station „Georg Forster“ wurde zur Hauptbasis der DDR-Antarktisforschung. Zum Forschungsprogramm der Station gehörten ständige geowissenschaftliche und atmosphärische Messungen.
Die Koordinierung der rund 30 DDR-Beteiligungen an sowjetischen Antarktisexpeditionen erfolgte bis 1990 durch die Akademie der Wissenschaften der DDR mit Sitz auf dem Telegrafenberg. An diese Traditionen anknüpfend gründete 1992 das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung seine Potsdamer Forschungsstelle.
Literatur:
- Fritzsche, D.: Potsdamer Geowissenschaftler und ihr Einfluß auf die deutsche und internationale Polarforschung bis zum 2. Polarjahr 1932/33. In: Polarforschung 61 (2/2), S. 153-162, 1991 (ersch. 1992)
- Fleischmann, K.: Zu den Kältepolen der Erde. 50 Jahre deutsche Polarforschung (S. 82-151), Delius Klasing Verlag 2005



