Die Biologische Anstalt Helgoland (BAH)
Forschen auf Deutschlands Hochseeinsel: Die Biologische Anstalt Helgoland (BAH) in der Stiftung Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung untersucht Lebensgemeinschaften in der Nordsee
Für eine Hochseeinsel bietet sie eigentlich nicht genügend Tiefgang. Dennoch gilt Helgoland als Deutschlands einziges Hochseeeiland. Etwa 60 Kilometer vom norddeutschen Festland entfernt erhebt sich ihr beeindruckendes Felsmassiv aus rotem Bundsandstein aus dem Meer: „Die lange Anna“ begrüßt jährlich Touristen in Massen, die sich den Ausflug zu ihr mit einem Hauch von Meer gönnen. Für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bietet die Insel inmitten der Deutschen Bucht jedoch weit mehr: Das Felswatt und die über 35 Quadratkilometer große unterseeische Felslandschaft beherbergen die reichste marine Tier- und Pflanzenwelt der deutschen Küste. Dieser Lebensraum ist in der Nordsee einzigartig und für Biologen ein Bilderbuch an Ozeanforschung: Die meisten Bewohner der felsigen Unterwasserwelt Helgolands können in den angrenzenden Schlick- und Sandböden nicht überleben. Sie existieren deshalb ausschließlich in der „marinen Oase“ um Helgoland. Veränderungen der Artenvielfalt vor Ort sind deshalb besonders auffällig und können als Indikator für natürliche oder vom Menschen verursachte Umweltveränderungen genutzt werden. Wissenschaftliche Plattform für die Erforschung der Helgoländer Unterwasserwelt ist die Biologische Anstalt Helgoland, die bereits 1892 als Königlich Biologische Anstalt gegründet wurde und seit 1998 zur Stiftung Alfred-Wegener-Institut gehört.
- Forschungsstation Helgoland – die Vorteile
- Forschungsziel und –schwerpunkt der BAH
- Dienstleistungen der BAH
- Logistik rund um die BAH
- Wissenschaftliche Angebote der BAH
- Die BAH – ein Rückblick
Forschungsstation Helgoland - die Vorteile
Durch ihre Lage mitten im Meer bietet die BAH ideale Bedingungen für meeresbiologische Forschung: Untersuchungen im Wasser rund um Helgoland können durch Experimente und Zuchtversuche in den Laboren vor Ort optimal ergänzt werden. Die ständig mit frischem Meerwasser versorgten Laboratorien und Meerwasserbecken auf den Freiflächen ermöglichen auch die Haltung und Zucht von empfindlichen Mikroorganismen. Erforscht werden vor allem die Lebenszyklen mariner Organismen: Algen, Krebse, Muscheln und Borstenwürmer der Nordsee stehen im Interesse der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Und auch Organismen aus anderen Flachmeeren werden hier untersucht.
Forschungsziel- und schwerpunkt
Ziel der BAH ist, die ökologischen Wechselbeziehungen zwischen den Arten besser zu verstehen und ein Gesamtbild vom komplexen Ökosystem in Flachmeeren zu gewinnen. Zum Beispiel dokumentieren seit den 60er Jahren ökologische Langzeitstudien den Eintrag von Schad- und Nährstoffen in die Nordsee durch die großen Flussläufe rund um das Flachmeer und über die Atmosphäre. In Verbindung mit einer regelmäßigen Bestandsaufnahme der Arten können die Folgen von Landwirtschaft, Fischerei, Schifffahrt und Klimaveränderung frühzeitig erkannt und mögliche Konsequenzen abgeschätzt werden.
Von den Forschungen der BAH profitiert auch die gewerbliche Fischerrei: Die Laborversuche zur Zucht und Lebensweise des Europäischen Hummers haben unter anderem das Ziel in Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Fischern die Hummerbestände um Helgoland aufzustocken.
Arbeitsschwerpunkt der BAH sind marine Naturstoffe. Ob Sonnenschutzmittel aus Algen, krankheitshemmende Stoffe aus Schwämmen, Pilzen und Bakterien, oder der Delfinhaut nachempfundene Schiffsanstriche: Die Natur liefert zahlreiche Vorlagen für vermarktungsfähige Produkte. In enger Zusammenarbeit mit Industriepartnern werden an der BAH Naturstoffe in Meeresorganismen charakterisiert und auf eine mögliche Nutzung überprüft.
Dienstleistungen der BAH
Neben der Forschung erfüllt die BAH eine Reihe von Dienstleistungen: Die Helgoländer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beraten politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger in aktuellen Fragen der Meeresökologie. Institute und Universitäten auf dem Festland werden von Helgoland aus mit biologischem Material beliefert.
Außerdem präsentiert das Forschungs-, Lehr- und Versuchsaquarium zahlreiche Meerestiere und -pflanzen in ihrer natürlichen Umgebung: Die 20 Seewasserbecken waren schon oft Drehort für Unterrichts- und Fernsehdokumentationen. Seit der Grundrenovierung 1998 sind sie für die Öffentlichkeit zugänglich. Des Weiteren wird in Zusammenarbeit mit dem Springer-Verlag die Herausgabe der traditionsreichen wissenschaftlichen Zeitschrift „Helgoländer Meeresuntersuchungen“ fortgeführt. Darüber hinaus verfügt die BAH über eine umfangreiche Fachbibliothek.
Logistik rund um die BAH
Für Forschung und wissenschaftliche Dienstleistung stehen der BAH verschieden Fahrzeuge zur Verfügung: Die Motorboote „Aade“ und „Diker“ werden vor allem im inselnahen Gewässer eingesetzt. Der Forschungskutter „Uthörn“ führt Mess- und Fangfahrten im weiteren Bereich der Deutschen Bucht durch. Das Flaggschiff der kleinen Forschungsflotte ist die 1990 in Dienst gestellte „Heincke“. Es ist ein modernes Forschungsschiff mit einem Aktionsradius von 7500 Seemeilen und besitzt Laborräume und Unterkünfte für bis zu zwölf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Ihre Einsatzgebiete werden über die Steuergruppe "Mittlere Forschungsschiffe" in Hamburg bestimmt.
Wissenschaftliche Angebote der BAH
Mehr als 100 Gastforscher und 700 Kursteilnehmer nutzen jährlich die Angebote der BAH. Gastforschern aus dem In- und Ausland stehen Arbeitsplätze für eigene Forschungsvorhaben in sechs Laboren zur Verfügung, moderne Einrichtungen für mikrozell- und molekular-biologische Arbeiten inklusive. Ebenso stehen zwei Gästehäuser für Übernachtungen bereit. Für Lehrveranstaltungen bietet die BAH zwei Kursräume mit insgesamt 50 Plätzen sowie organisatorische Betreuung. Besonderes Angebot: Die BAH offeriert regelmäßig eigene meeresbiologische Kurse für Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler sowie für Lehrerinnen und Lehrer an höheren Schulen. Zudem findet einmal jährlich vor Ort ein Ausbildungslehrgang zur Forschungstaucherin/zum Forschungstaucher statt.
Die BAH - ein Rückblick
Die BAH blickt auf eine über 150-jährige Geschichte zurück. 1835 bewies der Naturforscher Christian Gottfried Ehrenberg, dass das Meeresleuchten um Helgoland durch den mikroskopisch kleinen Einzeller „Noctiluca scintillans“ hervorgerufen wird. Auch der Wissenschaftler Johannes Müller erkannte das Potential der Insel: Er begründete 1845 auf ihr die Planktonforschung. Zur „Königlichen Biologischen Anstalt“ wurde Helgoland 1892 durch das preußische Kultusministerium Helgoland ernannt. Sie entwickelte sich in den Folgejahren zu einer international anerkannten Stätte meeresbiologischer Forschung. Im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört, wurde die Biologische Anstalt Helgoland 1959 neu eröffnet. Seit 1998 gehört sie zur Stiftung Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.





