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Ein Bohrloch in die Vergangenheit - Die Kohnen-Station in der Antarktis

© Alfred Wegener Institut

Dronning Maud Land/Antarctica 
Position: 75°00'S, 00°04'O, 2892 Meter über dem Meer

Im Rahmen des European Project for Ice Coring in Antarctica (EPICA) errichtete das AWI im Jahr 2001 die Kohnen-Station als logistische Basis für Eisbohrungen während des antarktischen Sommers. Für das EPICA-Bohrprojekt in Dronning Maud Land wurde eine Umweltverträglichkeitsstudie durchgeführt. Die Station wurde nach Heinz Kohnen (1938 -1997) benannt, der lange Zeit Leiter der Logistikabteilung des Alfred-Wegener-Instituts war.

Die Station besteht aus 11 Standardcontainern (20 Fuß), die auf einer 32 Meter langen und acht Meter breiten Plattform befestigt sind. Stahlpfeiler, die aufgestockt werden können, sobald die Station im Schnee zu versinken droht, tragen die Plattform.  In den Containern befindet sich eine Funkstation, eine Messe, eine Küche,  sanitäre Einrichtungen, zwei Schlafräume, eine Schneeschmelze zur Wassergewinnung, ein Lagerraum, eine Werkstatt und die Stromversorgung.  Neben der Plattform können Nahrungsmittelcontainer auf Schlitten und zusätzliche Schlafmodule platziert werden. Das Treibstoffdepot besteht aus speziellen Tankcontainern, die ebenfalls auf Schlitten montiert sind.

Die Kohnen-Station kann bis zu 20 Personen beherbergen. Kommunikation ist mittels Inmarsat B (Datenübertragung 64 kbit/s, Telefon und Fax 9 kbit/s), Inmarsat C und M, sowie HF möglich. Die Energieversorgung hat eine Leistung von 100 kW bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 250 Litern Kraftstoff pro Tag.

Die Bohrarbeiten, die in der Saison 2001/2002 begannen, werden in einem 66 Meter langen, 6 Meter tiefen und 4,8 breiten Graben durchgeführt, der eigens dafür aus dem Schnee ausgehoben und mit einem Holzdach versehen wurde.

Die Versorgung der Kohnen-Station erfolgt hauptsächlich auf dem Landweg. Dazu werden Kettenfahrzeuge vom Typ Pistenbully eingesetzt. Jeder Pistenbully kann ein Gewicht von bis zu 20 Tonnen, das auf bis zu drei Schlitten verteilt sein kann, ziehen. Üblicherweise umfaßt der Fuhrpark sechs Kettenfahrzeuge, zwölf Schlitten mit Materialien und Containern, fünf Schlitten mit Tankcontainern und Wohnmodulen. Zwei Traversen mit bis zu sechs Schlittenzügen wurden jede Saison durchgeführt, welche normalerweise von Dezember bis Mitte Februar andauert.

Die Kohnen-Station liegt in Flugreichweite mehrerer dauerhaft besetzter Stationen wie zum Beispiel Halley, Neumayer und SANAE IV. Die Entfernung zwischen der Neumayer-Station und der Kohnen-Sation beträgt 757 km. Abhängig von den Wetterbedingungen dauert eine Überfahrt, bei der mit GPS navigiert wird, 9 bis 14 Tage. Für den Transport von Personen und Eisbohrkernen kann die Kohnen-Station von kleinen, mit Kufen ausgestatteten Flugzeugen, wie zum Beispiel die Dornier 228, die Twin Otter oder die Basler 67 (DC 3) angeflogen werden.

Aktuelle Wetterdaten der automatischen Wetterstation bei Kohnen werden vom Institute for Marine and Atmospheric Research, Utrecht zur Verfügung gestellt.

 


 
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