Alfred Wegener – "Schweigsamer Mann mit liebenswürdigem Lächeln"

Alfred Wegener mit Pfeife (1929)
geboren: 1. November 1880 in Berlin
gestorben: im November 1930 in Grönland
Alfred Wegener ist in die Geschichte als einer der bedeutendsten deutschen Polarforscher und Geowissenschaftler eingegangen. Sein Ruhm gründet vor allem auf der Theorie der Kontinentalverschiebung, die er mitbegründet und bekannt gemacht hat. Als studierter Geophysiker, Meteorologe und Klimatologe hat sich dieser vielseitige Forscher aber auch auf anderen Gebieten einen Namen gemacht: im Bereich der Thermodynamik der Atmosphäre und der Wolkenphysik. Auch verschiedene geophysikalische Instrumente verdanken wir seinem wissenschaftlichen Fleiß.
Die Hauptregion seiner Forschungsaktivitäten war Grönland. Insgesamt viermal ist er ins grönländische Inlandseis aufgebrochen. Neben seinen dort gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind besonders seine anschaulichen Reiseschilderungen berühmt geworden, die auch außerhalb der Fachwelt großes Interesse fanden. Von seiner letzten Expedition 1930 kehrte er nicht zurück.
Mit seiner Hypothese der Kontinentalverschiebung tritt er 1912 erstmals an die Öffentlichkeit. Diese Theorie ist lange umstritten geblieben. Erst nach dem zweiten Weltkrieg setzt sich das erweiterte Modell der Plattentektonik endgültig durch. Seine Hauptschriften neben der "Entstehung der Kontinente und Ozeane", das zu seinen Lebzeiten in vier Auflagen erscheint, sind die "Thermodynamik der Atmosphäre" und "Die Klimate der geologischen Vorzeit", das gemeinsam mit seinem Schwiegervater Wladimir Köppen entstand.
Kaum ein deutscher Geowissenschaftler hat durch einen neuen Gedanken die Forschung auch international so nachhaltig beeinflusst wie Alfred Wegener. Seine wissenschaftliche Laufbahn war nicht übermäßig lang. Und seine letzte Expedition stand unter keinem glücklichen Stern. Dennoch zählt diese mit ihrer nach dem damaligen Stand modernsten technischen Ausrüstung, ihrer peniblen Vorbereitung und den stets im Vordergrund stehenden systematischen wissenschaftlichen Untersuchungen bereits zu den modernen Forschungsexpeditionen.
Diese Tradition und nicht zuletzt Wegeners Vielseitigkeit setzt das 1980 gegründete Alfred-Wegener-Institut für Polarforschung (später Polar- und Meeresforschung) in Bremerhaven fort. Die im gleichen Jahr ins Leben gerufene Alfred-Wegener-Stiftung zur Förderung der Geowissenschaften ist ebenfalls nach ihm benannt.


