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18. Oktober 2006: Dem Klimawandel auf der Spur

Lehrer begleiten internationales Polarforschungsprojekt

Polarforschung auf faszinierende und unmittelbare Weise in der Schule miterleben zu können – dies ist das Ziel eines gemeinsamen Projekts des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Den Mittelpunkt des Vorhabens bildet das internationale Antarktis-Bohrprogramm ANDRILL (Antarctic Geologic Drilling, Geologisches Bohren in der Antarktis), das am 23. Oktober beginnt. Über 50 Wissenschaftler und Techniker aus Deutschland, den USA, Neuseeland und Italien werden bis Ende Dezember einen etwa 1200 Meter langen Sedimentkern aus dem Meeresboden unter dem Ross-Schelfeis erbohren.


 

Ziel des internationalen Forschungsprojektes ANDRILL ist es, das Klima der letzten 50 Millionen Jahre und dabei insbesondere die Ausdehnung des Schelfeises in den jeweiligen Kalt- und Warmzeiten zu rekonstruieren. Es gab in der Vergangenheit Phasen, in denen es auch in der Antarktis weitaus wärmer war als heute. „Nur wenn wir wissen, wie stark das Eis in der Antarktis damals zurückgegangen ist, können wir abschätzen, welche Auswirkungen der Klimawandel auf den Meeresspiegel in Zukunft haben wird“, erklärt Dr. Frank Niessen, Wissenschaftler am Alfred-Wegener-Institut und deutscher Vertreter im ANDRILL-Projektteam. Die aktuelle Polarforschung auch in den Schulunterricht zu integrieren, ist neben der wissenschaftlichen Erkenntnis ein zweites Ziel von ANDRILL.

 

Meeressedimente als Klimaarchiv
In den Sedimentschichten des Meeresbodens sind zahlreiche Informationen über die Klima- und Umweltbedingungen der letzten Jahrmillionen enthalten. Die Wissenschaftler können mit diesen Proben einen wesentlich größeren Zeitraum der antarktischen Klima- und Eisbedeckungsverhältnisse zurückverfolgen als es mit Eiskernen möglich ist. Wie hat sich das Eisschild der Antarktis gebildet? Wie groß war die maximale Ausdehnung des Eises in der Vergangenheit? Wann und warum war sie wesentlich kleiner als heute? Wenn man Temperatur und Eisbedeckung in einen Zusammenhang bringen kann, wird dies auch eine Vorhersage über das Ausmaß des Eisverlustes und damit des Meeresspiegelanstiegs durch den derzeitigen Klimawandel ermöglichen. Das Alfred-Wegener-Institut ist mit zwei Arbeitsgruppen vor Ort, um die physikalischen und chemischen Eigenschaften der Bohrkerne zu messen. „Besonders interessant wird es, wenn Ablagerungen erbohrt werden, die auf eine erheblich kleinere Ausdehnung des Schelfeises schließen lassen. Das eröffnet Einblicke in Situationen, wie wir sie in Zukunft mit wärmeren Klimabedingungen zu erwarten haben“, sagt Dr. Gerhard Kuhn vom Alfred-Wegener-Institut. Er wird die chemische Zusammensetzung des Sedimentkerns schon in der Antarktis analysieren.

Die Bohrung ist eine große technische Herausforderung. Zum ersten Mal in der Geschichte der Polarforschung wird ein Sedimentkern vom Schelfeis aus erbohrt. Als Schelfeis bezeichnet man das Eis, das zwar mit dem landgebundenen Eis verbunden ist aber auf dem Wasser schwimmt. Es ist an der geplanten Bohrstelle etwa 80 Meter dick. Dieses Eis muss zunächst geschmolzen werden, bevor der Bohrer bis zum etwa 900 Meter tiefen Meeresboden herabgelassen werden kann.

Von deutscher Seite wird das Projekt vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung finanziell unterstützt und koordiniert. Außerdem sind die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover sowie die Universitäten Jena und Göttingen beteiligt. ANDRILL ist eines von über 200 Forschungsprojekten, die im Rahmen des Internationalen Polarjahres 2007/2008 stattfinden. Die Wissenschaftler wollen mit dieser Initiative ihre Kräfte bündeln und in groß angelegten Messkampagnen und Feldarbeiten die klimasensiblen Polargebiete untersuchen. Die breite Öffentlichkeit in diesen Prozess mit einzubeziehen und über die bevorstehenden Veränderungen in unserer Umwelt zu informieren, ist dabei ein wichtiges Anliegen der Wissenschaft.

Forschung live ins Klassenzimmer
Neben dem rein wissenschaftlichen Aspekt verfolgt das Projekt aber auch noch ein weiteres Ziel: Die Bedeutung der Polarregionen im globalen Klimasystem der Öffentlichkeit und Schülern zu vermitteln. Im Rahmen des ARISE-Projekts (ANDRILL Research Immersion for Science Educators; Einbinden von Lehrern in das ANDRILL-Projekt) nehmen sechs Fachdidaktiker verschiedener Nationaliäten an dem Forschungsaufenthalt in der Antarktis teil. Von deutscher Seite ist Prof. Dr. Alexander Siegmund von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg mit dabei. Über eine eigens eingerichtete Homepage (http://www.andrill.org/iceberg) sollen die vielfältigen Aspekte der Polar- und Klimaforschung anschaulich vermittelt und aus der Antarktis aktuell über die Forschungsarbeiten berichtet werden.
In regelmäßigen Internet-Chats mit der Antarktis können sich Schulklassen live mit Alexander Siegmund über die Polarforschung und das Leben als Wissenschaftler an einer Forschungsstation austauschen. „Als Lehrer freue ich mich ganz besonders, meine Schülerinnen und Schüler hautnah an die Forschung heranführen zu können. Ich möchte die jungen Menschen für die Polargebiete begeistern und ihnen auf diese Weise die aktuellen Fragen des Klimawandels nahe bringen“, sagt Eberhard Kern, Geographie-Lehrer am Fürstenberg-Gymnasium in Donaueschingen.

Bremerhaven, den 18. Oktober 2006
Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Hinweise für Redaktionen:
Ihre Ansprechpartner sind Dr. Frank Niessen (Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, E-Mail: fniessen@awi-bremerhaven.de) und Prof. Dr. Alexander Siegmund (Pädagogische Hochschule Heidelberg, E-Mail: polarforschung@ph-heidelberg.de). Ihre Ansprechpartnerin an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ist Alexandra Wolf (Tel: 06221-477-572, E-Mail: wolf@ph-heidelberg.de). Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Susanne Diederich (Tel. 0471-4831-1376; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de). Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter http://www.awi-bremerhaven.de/AWI/Presse/PM/index-d.html.

 


pdf-Datei mit schematischer Darstellung der Bohrstelle

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ANDRILL1 w

Bohrturm auf dem Ross-Schelfeis in der Antarktis.

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Schematische Darstellung der Bohrstelle. Abbildung: Jens Kube, Alfred-Wegener-Institut

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4. Oktober 2006: Erwärmung des Nordpolarmeers ungebrochen - Nördlichste Position für das neue Forschungsschiff Maria S. Merian

Nördlichste Position für das neue Forschungsschiff Maria S. Merian

 

Ende September kehrte „Maria S. Merian“ von ihrer zweiten Arktis-Expedition zurück. Mit im Gepäck sind Daten, die den Trend zur Erwärmung der Arktis weiter bestätigen.

„Das Wasser, das aus der Norwegensee in die Arktis strömt, ist diesen Sommer im Mittel um fast 0,8 Grad Celsius wärmer als im letzten Sommer,“ sagt Dr. Ursula Schauer vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, die Fahrtleiterin der Expedition. „Dabei waren die letzten zwei Jahre bereits wärmer als die 20 Jahre zuvor, in denen regelmäßige Messungen vorliegen. Über dem Yermakplateau, einem untermeerischen Rücken, haben die Ozeanographen gemessen, dass über 4 Grad Celsius warmes Wasser bis 81°20’ Nord vordringt,“ so Schauer. Biologen entdeckten während der Expedition Arten von tierischem Plankton aus der Norwegensee, die mit dem warmen Wasser bis in die nördlichen Breiten vorgedrungen waren, wo sie bislang nicht beobachtet wurden.

 

Einen Monat waren Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts, der Universität Bremen und des polnischen Instituts für Ozeanographie am Rand des Meereises zwischen Grönland und Spitzbergen dem warmen Wasser auf der Spur. In diesem Jahr war die Meereisgrenze weit im Norden. So erreichte „Maria S. Merian“ bei 81°20’N ihre bislang nördlichste Position.
In der Framstraße haben die Wissenschaftler ozeanographische und biologische Langzeituntersuchungen fortgeführt, die vor zehn Jahren begonnen wurden. Der in den letzten Jahrzehnten beobachtete Klimawandel ist in der Arktis besonders stark ausgeprägt. Die Ozeanographen arbeiten daran, die Rolle der Meere in diesem Prozess besser zu verstehen. Offene Fragen sind, wie viel Wärme durch den nördlichsten Ausläufer des warmen Nordatlantikstromes in die Arktis gepumpt wird und wie stark diese Wärmepumpe variiert. Dazu wird seit 1997 an einem aufwändigen Verankerungssystem in der Meerenge zwischen Grönland und Spitzbergen der Transport warmen, salzreichen Wassers aus dem Atlantik in die Arktis gemessen.

Die bisherigen Messungen haben gezeigt, dass es im vergangenen Jahrzehnt mehrere starke Wärmepulse gab. Aus der Kombination dieser und ähnlicher Daten wurde im Rahmen eines internationalen Programms erstmalig rekonstruiert, wie sich ein Wärmeschub aus dem Atlantik innerhalb von mehreren Jahren über das Europäische Nordmeer bis weit ins Innere der Arktis fortsetzt. Um die Zeitreihe fortzusetzen, haben die Wissenschaftler die in der Framstraße verankerten Geräte aufgenommen und durch neue ersetzt. Die automatisierten Langzeitmessungen werden durch Detailmessungen der momentanen Wassertemperatur überprüft und ergänzt.

DAMOCLES
Die Untersuchungen sind eingebunden in ein europäisches Forschungsprojekt, in dem die Langzeitentwicklung der Arktis durch Modellierung und Beobachtung untersucht wird (DAMOCLES – Developing Arctic Modeling and Observing Capabilities for Long-term Environmental Studies). Dabei steht das Zusammenspiel von Meereis, Atmosphäre und Ozean im Fokus. Ein Ziel des Projektes ist es, die potentiellen Auswirkungen des drastisch reduzierten Meereises auf das Klima und damit auf Umwelt und Mensch, sowohl regional als auch global, zu erforschen. Mehr Informationen zu DAMOCLES finden Sie im Internet:
www.damocles-eu.org

Maria Sybilla Merian
Das Eisrandforschungsschiff „Maria Sybilla Merian“ ist Eigentum des Landes Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch das Institut für Ostseeforschung Warnemünde (http://www.io-warnemuende.de/miscell/merian/). Die Leitstelle des Forschungsschiffs ist am Institut für Meereskunde der Universität Hamburg angesiedelt (http://www.ifm.uni-hamburg.de/).

Bremerhaven, den 4. Oktober 2006

Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg

Hinweise für Redaktionen: Ihre Ansprechpartnerin ist Dr. Ursula Schauer (tel. 0471/4831-1817, E-Mail:uschauer@awi-bremerhaven.de) und in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471/4831-1742, E-Mail: medien@awi.de).

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Maria S. Merian

Das Eisrandschiff Maria S. Merian erreichte seine noerdlichste Position.

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Maria S. Merian

Wissenschaftliche Ausrüstung wie Verankerungen, Lander und Meßgeräte an Bord von Maria Sybilla Merian.

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28. September 2006: HIGHSEA als bestes Netzwerk ausgezeichnet - NaT-Working: Naturwissenschaften und Technik – Schüler, Lehrer und Wissenschaftler vernetzen sich

 

Der NaT-Working-Preis der Robert Bosch Stiftung wird am 28. September zum fünften Mal in Stuttgart verliehen. HIGHSEA (HIGH school of Science & Education @ the AWI), das Schulprojekt des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung wurde als bestes unter elf nominierten Projekten ausgezeichnet. Der NaT-Working-Preis ist mit insgesamt 90.000 € dotiert und verteilt sich mit 50.000 €, 30.000 € und 10.000 € auf die besten drei Projekte.

Der NaT-Working-Preis zeichnet exzellente Kooperationsprojekte zwischen Forschungseinrichtungen und Schulen aus, die es schaffen, Schüler für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern. Die Vermittlung von wissenschaftlichen Methoden ist dabei im Fokus der Ausschreibung. Neben diesen Kriterien gilt es auch, das langfristige Bestehen und die Finanzierung zu sichern oder gar die Projekte in der jeweiligen Institution organisatorisch zu verankern. Sicherung und Steigerung der Qualität sowie das „Wissen für alle zugänglich machen“ sind weitere Bedingungen, die es bei der Bewerbung für den NaT-Working-Preis zu erfüllen galt.

 

HIGHSEA wurde heute mit dem Nat-Working-Preis 2006 ausgezeichnet. Die Preissumme beläuft sich auf € 50.000, die ausschließlich dem Projekt und allen an der Initiative beteiligten Personen und Gruppen zugute kommen soll. Dr. Susanne Gatti und Kerstin von Engeln, Leiterinnen des Schulprojektes am Alfred-Wegener-Institut beantworten die Frage, wofür das Geld Verwendung finden wird: „Wir können zum Beispiel die nächste Expedition für die Schüler damit finanzieren. Vielleicht können wir aber auch eine kleine Stiftung gründen, deren Aufgabe in der langfristigen Finanzierung des Projekts liegt. “

 

HIGHSEA besteht mittlerweile seit fünf Jahren. Bereits zwei Jahrgänge haben erfolgreich ihr Abitur in Zusammenarbeit mit dem Alfred-Wegener-Institut abgeschlossen. Fächer übergreifender Unterricht in enger Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern des Hauses ist eines der Markenzeichen des Projekts: Teamteaching ohne festen Stundenplan und ohne Pausengong. Die erste Evaluierung untermauert die hervorragende Konzeption. Lassen wir die Beteiligten zu Wort kommen:
Der Verwaltungsdirektor des Alfred-Wegener-Instituts, Dr. Rainer Paulenz, der das Schulprojekt angestoßen und gefördert hat kommentiert: „Die Vergabe des NaT-Working-Preises an HIGHSEA bestätigt, dass es hier auf einzigartige Weise gelungen ist, Schule und Wissenschaft miteinander zu verknüpfen. Die bisher erzielten Ergebnisse sind hervorragend und die beteiligten Lehrer, Schüler und Wissenschaftler haben den Preis verdient.“

Peter Weinhold, Mathematiklehrer im Schulprojekt sagt: „Nach mehr als 30 Dienstjahren in der Schule kann ich feststellen, dass das AWI-Projekt HIGHSEA für mich die pädagogische, fachliche und kollegiale Erfüllung ist.“

Dr. Michael Schodlok, Ozeanograph am Alfred-Wegener-Institut stellt fest: „Für alle Beteiligten ist das Schulprojekt eine Win-Win Situation, wie man auf „Neu-Deutsch“ sagt, das heißt alle haben etwas davon. Die Schüler erleben spannenden und ungewöhnlichen Unterricht, der sich deutlich aus dem normalen Schulalltag hervorhebt. Als Wissenschaftler habe ich die Möglichkeit, Schüler für Naturwissenschaften zu begeistern und somit aktiv mit und an dem für uns so wichtigen Nachwuchs zu arbeiten.“

Lennard Türk, Schüler des vierten Jahrgangs bemerkt: „Im HIGHSEA Projekt erlebe ich wissenschaftliches Arbeiten und Teamgeist hautnah – es ist einzigartig, weil das an meiner normalen Schule nicht möglich ist. Alles in allem ist dieses Projekt das Beste, was mir als Schüler passieren konnte.“

Mehr Informationen zum Schulprojekt finden Sie im Internet:http://highsea.awi.de

Bremerhaven, den 28. September 2006
Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Hinweis für Redaktionen: Ihre Ansprechpartnerin für das Schulprojekt ist Dr. Susanne Gatti (Tel. 0471/4831-1392, E-Mail: sgatti@awi-bremerhaven.de) und in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471/4831-1742, E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de). Weitere Bilder finden Sie auf unserer Homepage: highsea.awi.de

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Wiss Somm4 w

Der zweite Jahrgang des Schulprojekts HIGHSEA auf Expedition in der Arktis.

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Nat-Working4 w

Dr Susanne Gatti (links) und Kerstin von Engeln (rechts), die Leiterinnen des Schulprojektes HIGHSEA am Alfred-Wegener-Institut.

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HIGHSEA macht den ersten Platz bei der bundesweiten Verleihung des NaT-Working-Preises der Robert Bosch Stiftung.

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Verleihung NaT-Working-Preises der Robert Bosch Stiftung.

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21. September 2006: Mehr Platz für die Wissenschaft auf Helgoland

In knapp zwei-jähriger Bauzeit ist die ehemalige Marinekaserne auf dem Oberland von Helgoland zu Gästehäusern der Biologischen Anstalt Helgoland umgebaut worden. Die Gebäude dienen der Unterbringung von Mitarbeitern und Gastforschern und bieten Platz für über 50 Personen. Die neuen Gästehäuser werden am 25. September eingeweiht.

 

Deutschlands einzige Hochseeinsel Helgoland ist der artenreichste Ort in der südlichen Nordsee und jedes Jahr Anziehungspunkt für zahlreiche Meereswissenschaftler aus dem In- und Ausland. Ein Problem auf der Insel: Selbst für die rund 1600 Einwohner auf dem rund 1,7 Quadratkilometer großen Eiland steht kaum ausreichend Wohnraum zur Verfügung. Dies stellt auch für die zum Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung gehörende Biologische Anstalt Helgoland ein Problem dar. „Mehrere Forschungsprojekte scheiterten nicht zuletzt daran, dass für Wissenschaftler und ihre Familien keine geeigneten Wohnungen gefunden werden konnten“, so Prof. Dr. Karen Wiltshire, Direktorin der Biologischen Anstalt Helgoland. Von den neuen Gästehäusern verspricht sich die Meeresforscherin viel: „ Die Zahl unserer Gastwissenschaftler ist in den letzten Jahren beachtlich angestiegen und vor allem Familien können nun sehr viel schneller und besser untergebracht werden“, freut sich Wiltshire.

 

Die neuen Gästehäuser auf dem Helgoländer Oberland bieten Platz für über 50 Personen. In insgesamt 13 Wohnungen und 8 Wohngemeinschaften können Mitarbeiter, Gastforscher, Projektmitarbeiter und Nachwuchswisssenschaftler angemessen untergebracht werden. Allen Mitarbeitern und Bewohnern steht in einem der Gebäude ein großer Gemeinschaftsraum zur Verfügung. Durch entsprechende Technik kann dieser auch als Tagungsraum und für öffentliche Veranstaltungen genutzt werden.

Die Biologische Anstalt Helgoland gehört seit 1998 zum Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Schwerpunkt der Forschung auf Helgoland ist die Bedeutung der Artenvielfalt für die Funktion küstennaher Ökosysteme. Als größter Arbeitgeber auf der Insel trägt die Biologische Anstalt Helgoland mit bis zu 2300 Übernachtungen im Jahr wesentlich zur Inselwirtschaft bei.

Die Einweihung der Gästehäuser am Montag, den 25. September, beginnt um 11:30 Uhr in der Gätkestraße auf Helgoland.

Bremerhaven, den 21. September 2006

Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg Hinweise für Redaktionen: Ihre Ansprechpartnerin an der Biologischen Anstalt Helgoland ist Christine Grauel (Tel. 04725/819-232; E-Mail: cgrauel@awi-bremerhaven.de). Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Ude Cieluch (Tel. 0471/4831-2008; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de).

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Aade vor Haus C auf Helgoland

de: Haus C der Helgoländer Meeresstation mit der "Aade"

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Gebäude AB auf Helgoland

de: Die Gebäude A und B der BAH Helgoland

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19. September 2006: Wettlauf gegen das Aussterben

Können sich Meeresbewohner an versauernde Meere anpassen?

 

Eine stärkere Einbeziehung evolutionärer Anpassungen in Prognosemodelle fordert eine internationale Forschergruppe unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung. Bei schalenbildenden Meeresalgen verglichen sie Laborexperimente mit Fossilfunden. Während die nur wenige tausendstel Millimeter großen Einzeller aus der Gruppe der Coccolithophoriden bei Zucht in unterschiedlich saurem Meerwasser Missbildungen des Kalkskeletts zeigten, wiesen Fossilfunde dieser Arten aus Perioden verschiedener Kohlendioxidkonzentrationen intakte Skelette auf. Die Forscher schließen daraus, dass die Organismen sich stärker an wandelnde Umweltbedingungen anpassen können als in bisherigen Vorhersagen berücksichtigt.

 

Treibhausgase in den Meeren erschweren Wachstum
Nahezu die Hälfte des durch Verbrennung von fossilen Energieträgern freigesetzten Kohlendioxids wird von den Ozeanen wieder aufgenommen. Dadurch werden die Meere stetig saurer, was wiederum den Organismen den Aufbau ihrer Kalkskelette erschwert. Eine Bedrohung der Überlebensfähigkeit durch Versauerung der Meere wurde in den vergangenen Jahren bereits für Meerestiere wie Korallen oder Schnecken festgestellt. Laboruntersuchungen an den Coccolithophoriden genannten winzigen Meeresalgen zeigten nun ähnliche Ergebnisse. „In Laborversuchen stellten wir fest, dass eine der beiden untersuchten Arten bei verminderten oder erhöhten Kohlendioxid-Konzentrationen im Meerwasser weniger Kalk bilden konnte “, erklärt der Biologe Gerald Langer vom Alfred-Wegener-Institut. "Zusätzlich zur verringerten Kalkbildung treten Missbildungen bei den Kalkskeletten der Coccolithophoriden auf."

Wichtige Winzlinge
Coccolithophoriden zählen aufgrund ihres zahlreichen Auftretens zu den bedeutendsten Primärproduzenten in den Weltmeeren und stehen an der Basis der Nahrungsketten. Durch ihr massenhaftes Auftreten in den Meeren beeinflussen Coccolithophoriden den globalen Kohlenstoffkreislauf und das globale Wetter- und Klimasystem, ein Ausfall dieser Organismen aufgrund Versauerung der Meere hätte tiefgreifende Folgen.

 

Wettlauf der Evolution
Ein Aussterben ist aber nicht zwangsläufig zu erwarten. Dies schließen die Forscher aus Gesteinsablagerungen, die zu fast hundert Prozent aus Kalkalgen bestehen, zum Beispiel die Kreidefelsen von Rügen. "Die Coccolithophoriden in den Kreidefelsen wurden unter zum Teil deutlich höherem Kohlendioxidgehalt im Meer abgelagert. Baufehler, wie wir sie in unseren Laborversuchen fanden waren bei den fossilen Kalkskeletten nicht festzustellen", erläutert Markus Geisen vom Alfred-Wegener-Institut. "Auch in Sedimentproben der letzten Eiszeit - mit niedrigeren Kohlendioxidwerten als heute – weisen die gleichen Arten wie die von uns im Labor getesteten keine Skelettdeformationen auf."
Der Widerspruch zwischen Laboruntersuchungen und Fossilbefunden erklärt sich aus Sicht der Wissenschaftler durch die evolutionäre Wandlungsfähigkeit der Arten. Umweltbedingungen sind auch ohne menschlichen Einfluss einem steten Wandel unterworfen, an den sich die Organismen anpassen müssen um nicht auszusterben. "In der Vergangenheit konnten sich Coccolithophoriden an veränderte Kohlendioxidkonzentrationen anpassen. Warum sollten sie es nicht auch in Zukunft können? Allerdings brauchen sie dazu etwas Zeit", meint Gerald Langer. Wieviel Zeit zu solchen Anpassungen benötigt wird, wollen die Forscher als nächsten Schritt bei Coccolithophoriden und anderen schalentragenden Meeresbewohnern untersuchen. Einig sind sie sich schon jetzt, dass evolutionäre Anpassungsprozesse bisher nicht ausreichend in den Vorhersagen zu Folgen des Klimawandels berücksichtigt werden.
Die Ergebnisse der Arbeiten, an denen neben dem Alfred-Wegener-Institut auch Wissenschaftler aus dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM Geomar in Kiel und dem Natural History Museum in London beteiligt waren, werden in Kürze im Fachblatt Geochemistry, Geophysics, and Geosystems veröffentlicht.

Bremerhaven, den 19. September 2006

Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner ist Dr. Markus Geisen (Tel. 0471 / 4831-1889; E-Mail: mgeisen@awi-bremerhaven.de). Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471 / 4831-1742; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de).

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Calcidiscus

Calcidiscus leptoporus

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Calcidiscus

Calcidiscus leptoporus

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Coccolithus

Coccolithus pelagicus

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8. September 2006: Faszination Meeresforschung – ein ökologisches Lesebuch

 

„Wissenschaft verständlich dargestellt und schön verpackt“ - ist ein Markenzeichen von Stadt der Wissenschaft Bremen/Bremerhaven. Das jetzt im Bremer Hauschildverlag erschienene Buch „Faszination Meeresforschung“ wird am Donnerstag, den 14. September um 13:00 Uhr im Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven dem Fachpublikum vorgestellt. Die Präsentation findet im Beisein von Herausgebern und Autoren im Gebäude an der Columbusstraße statt. Sigrid Schiel, eine der Herausgeberinnen, wird live aus der Antarktis vom Forschungseisbrecher Polarstern zugeschaltet.

 

Dieses Lesebuch ist kein systematisch aufgebautes Lehrbuch, sondern ein bunter Strauß von gut verständlichen Texten und schönen Illustrationen. Die großen Lebensräume und ihre Bewohner stellen den ersten Hauptteil des Buches. Vom Strand bis in die Tiefsee, von den eisbedeckten Polarmeeren bis in die Tropen wird der Leser mitgenommen. Von Walen, Schildkröten, Krill, Schlangensternen, Kieselalgen und Bakterien ist die Rede. Der zweite Hauptteil steht unter der Überschrift „Meer und Mensch“, der die vielfältigen Eingriffe in die marinen Lebensgemeinschaften behandelt. Das Buch richtet sich an alle, die sich für das Meer und seine Bewohner interessieren, die mehr über die Veränderung der marinen Lebensräume in Zeiten des globalen Klimawandels und über die Arbeit der Meeresforscher erfahren möchten.

 

Im Vorwort schreibt Prof. Dr. Joachim Treusch, Sprecher der bundesweiten Initiative „Wissenschaft im Dialog“: „Als Laie – und das sind nun einmal auch die meisten Wissenschaftler in den Gebieten, die nicht die ihren sind – bin ich begeistert von der Vielfalt und Breite dessen, was sich hinter dem Titel des Buches verbirgt. Die zum Teil bizarre Schönheit der Lebensformen in den Tiefen und an den Küsten der Ozeane, das fein austarierte Gleichgewicht des marinen Kohlenstoffkreislaufes, das Meer als Nahrungsquelle einer immer noch wachsenden Menschheit, heiße Quellen am Ozeangrund und das „coole Leben“ in der Arktis – kurz ein spannendes Lesebuch, höchst anregend geschrieben und gleichzeitig wissenschaftlich fundiert.“

 

„Achtzig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden sich schnell bereit, Übersichtsaufsätze und kurze Einzelbeiträge über ihr Forschungsgebiet zu schreiben, und die Zusammenarbeit mit dem Verlag war sehr anregend“, berichtet Prof. Dr. Gotthilf Hempel, einer der Herausgeber und Initiator des Buchprojektes. „Auch technisch ist das Buch made in Bremen“, schreibt Henning Scherf in seinem Grußwort. Der Verlag Hauschild hat den 460 Seiten starken, reich bebilderten Band zu einem Schmuckstück gemacht. Das Alfred-Wegener-Institut hat ein Drittel der Auflage gekauft, um sie im Rahmen seiner Kooperationsprojekte gezielt an Leistungskurse der Oberschulen zu verteilen. Im Rahmen der 124. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) in Bremen haben die Heräus-Stiftung, die Robert-Bosch-Stiftung und die Studienstiftung des Deutschen Volkes 220 Schüler, Lehrer und Doktoranden eingeladen. Diesen Stipendiaten schenken das Alfred-Wegener-Institut und der Verlag gemeinsam je ein Exemplar des Buches als Andenken an ihren Besuch im marinen Wissenschaftsstandort Bremen/Bremerhaven. Die ersten Exemplare werden bei der Buchpräsentation durch Dr. Rainer Paulenz, Verwaltungsdirektor des Alfred-Wegener-Instituts, und Friedrich Steinmeyer vom Hauschild-Verlag in Gegenwart des Generalsekretärs der GDNÄ, Professor Jörg Stetter, an drei Stipendiaten überreicht.

Angaben zum Buch
Gotthilf Hempel, Irmtraut Hempel, Sigrid Schiel (Herausgeber): Faszination Meeresforschung – Ein ökologisches Lesebuch, 2006, 464 Seiten, Format 21 x 24 cm, Hardcover farbig, 383 Abbildungen, davon 332 farbig; Verlag H. M. Hauschild GmbH, Bremen; € 39,50. ISBN 3-89757-310-5.

Bremerhaven, den 8. September 2006

Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Ude Cieluch (Tel. 0471 / 4831-2008; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de). Rezensionsexemplare erhalten Sie beim Verlag Hauschild (Tel. 0421/1785-0; E-Mail: info@hauschild-werbedruck.de).

Druckbare Bilder

Titel w

"Faszination Meeresforschung – ein ökologisches Meeresbuch", von Gotthilf Hempel, Irmtraud Hempel, Siegrid Schiel (Herausbegebr), 2006.

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Fronti w

Papiernautilus (Argonatuta argo), Mitte: Steck- oder Seidenmuschel (Pinna rudis), unten: Europäische Auster (Ostrea edulis). Aus F.J. Bertuch: Bilderbuch für Kinder, Weimar 1801

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S.28 w

Lebenszyklus mit saisonaler, ontogenetischer Vertikalwanderung des antarktischen Copepoden Calanoides acutus. Abb4. S 28 im Buch.

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S.305 w

Rotfeuerfisch (Pterois mombasae).

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7. September 2006: EISTAGE – Expeditionsmalerei an Bord von Polarstern

 

Vom 16. September bis 29. Oktober zeigt das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung die Ausstellung EISTAGE im Historischen Museum Bremerhaven. Der Künstler Gerhard Rießbeck begleitete Anfang 2005 eine elfwöchige Expedition in die Antarktis. In seinem improvisierten Atelier an Bord des Eisbrechers „Polarstern“ dokumentierte Rießbeck jeden Tag mit einem Bild. Die 77 kleinformatigen Ölgemälde sind nun zusammen mit einigen größeren Kompositionen, die nach der Rückkehr aus dem Eis entstanden sind, in Bremerhaven zu sehen.

 

Neben Wissenschaftlern aus aller Welt ermöglicht das Alfred-Wegener-Institut auch hin und wieder Künstlern, an Bord des Forschungseisbrechers „Polarstern“ zu arbeiten. Im Januar 2005 nutzte der Maler Gerhard Rießbeck aus Bad Windesheim bei Nürnberg diese Gelegenheit. Auf einer elfwöchigen Expedition in die Antarktis dokumentierte er jeden Tag der Fahrt mit einem Bild. Dadurch entstand ein visueller Reisebericht, der die Tradition der Expeditionsmalerei mit konzeptueller Malerei heutiger Zeit verbindet. „Künstlerisches Arbeiten an Bord eines Forschungsschiffes ist eine besondere Herausforderung: Sowohl der Blick auf die überwältigende Öde der menschenfeindlichen Natur als auch der Einblick in die aufreibende, akribische Tätigkeit der Forscher an Bord haben mich tief beeindruckt“, so Rießbeck.

Wie der 42-jährige Künstler seine Polarfahrt erlebt hat, ist jetzt in der Ausstellung EISTAGE im Historischen Museum (Morgenstern-Museum) in Bremerhaven zu sehen. Der Künstler zeigt dem Betrachter nicht nur die spektakuläre antarktische Natur, sondern gibt mit seinen „Forscher“-Bildern auch einen Eindruck von der existentiellen Verlassenheit des Menschen angesichts dieser eisigen Umgebung. Dick vermummt in leuchtender Schutzkleidung stehen sie in Schnee und Eis und scheinen sich nicht nur vor der Kälte, sondern auch vor den Blicken des Betrachters zu schützen. „Dieser umfangreiche Bilderzyklus übt auf den Betrachter eine beinahe magische Faszination aus“, so Dr. Alfred Kube, Direktor des Historischen Museums Bremerhaven. „Ich freue mich über die erneute Kooperationsausstellung mit dem Alfred-Wegener-Institut.“

 

Schon immer haben Künstler Forschungsfahrten und Expeditionen in unbekannte Gebiete begleitet und den Daheimgebliebenen auf ihre Art und Weise - sei es durch Malerei, Bildhauerei, Dichtung oder Prosa - von der Ferne berichtet. Das Alfred-Wegener-Institut greift diese Tradition auf und lässt Künstler aktiv an der Wissenschaft teilnehmen. Der Künstler wird so zum Vermittler zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit.

Bremerhaven, den 07. September 2006

Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Hinweise für Redaktionen:
Der Künstler steht am 15. September um 11 Uhr im Historischen Museum Bremerhaven für Pressegespräche zur Verfügung.
Zur Ausstellungseröffnung am 15. September um 18 Uhr sind Vertreter der Presse im Historischen Museum Bremerhaven willkommen. Der Ozeanograph und Expeditionsleiter Dr. Eberhard Fahrbach sowie der Historiker Dr. Reinhard A. Krause, beide Alfred-Wegener-Institut, werden sich im Ausstellungsgespräch mit dem Künstler über Forschung und Expeditionsmalerei unterhalten.
Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Susanne Diederich (Tel. 0471-4831-1376; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de).

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Riessbeck w

Der Maler Gerhard Rießbeck in seinem Atellier an Bord des eisbrechenden Forschungsschiffes Polarstern.

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Riessbeck1 w

"Forscher mit Fahne", 2004/2005, Öl auf Leinwand, 200 x 200, von Gerhard Rießbeck

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Riessbeck2 w

"Eis bei Nacht", 2006, Öl auf Leinwand, 90 x 250 cm, von Gerhard Rießbeck

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22. August 2006: Tagung der deutschen Algenforscher auf Helgoland

 

Vom 28. bis 31. August treffen sich 80 Algenforscher zur elften Tagung der Sektion Phykologie (Algenkunde) der Deutschen Botanischen Gesellschaft auf der Hochseeinsel Helgoland. Die Biologische Anstalt Helgoland bietet schon zum zweiten Mal Raum für das alle zwei Jahre stattfindende Treffen. Erstmals wird in diesem Jahr die „Hans-Adolf-von-Stosch-Medaille“ verliehen. Preisträger ist Professor Dr. Ludwig Kies aus Hamburg. Die besten Vortragenden unter den Nachwuchswissenschaftlern werden mit dem „Pringsheim-Preis“ und dem Förderpreis der Sektion gewürdigt.

 

Algen leben im Süß- und Salzwasser, am Boden und in der Luft. Im Wasser bilden sie als frei schwebende einzellige Organismen das pflanzliche Plankton. Sie bauen aus Nährstoffen Biomasse auf (Primärproduktion) und stehen an erster Stelle der Nahrungskette. Auch die Gewässerböden werden hauptsächlich von Algen besiedelt. Besonders groß sind die Braunalgen, die ausgedehnte Tangwälder in den Küstenbereichen der Meere ausbilden. Als Luftalgen besiedeln sie Waldböden, Baumstämme und sogar Gebäude.

Seit Jahrhunderten werden Algen für die menschliche Ernährung, als Viehfutter sowie als Düngemittel verwendet. Von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind die Baustoffe der Zellwände von Braun- und Rotalgen. Durch ihre Fähigkeit Wasser zu binden finden die so genannten Phykokolloide als Gelier- und Dickungsmittel Anwendung. In Form von Agar, Agarose und Carrageen sind sie in unseren Lebensmitteln und Anti-Falten-Cremes zu finden.

 

Die Vortragsthemen der diesjährigen Phykologen-Tagung behandeln aktuelle Forschungsergebnisse über die verschiedenen Algengruppen, ihre Fortpflanzung, ihre Inhaltsstoffe, die Reaktionen auf veränderte Umweltbedingungen, ihre genetische Information und ihre Namensgebung.
Die Sektionstagung dient auch als Forum für junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, um ihre Ergebnisse dem interessierten Fachpublikum vorzustellen. Während der diesjährigen Tagung präsentieren 23 Doktorandinnen und Doktoranden, sowie 15 Studierende ihre Arbeiten. Die besten Vorträge hinsichtlich Qualität, Inhalt und Stil werden mit dem „Pringsheim-Preis“ und dem „Förderpreis der Sektion Phykologie“ gewürdigt, die jeweils mit 250 Euro dotiert sind.

Hans-Adolf-von-Stosch-Medaille

Ein besonderes Ereignis auf der diesjährigen Tagung ist die erstmalige Verleihung der „Hans-Adolf-von-Stosch-Medaille“. Der Preisträger, Professor Dr. Ludwig Kies, hat 1982 die Gründung der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Phykologen angeregt und 1984 das erste phykologische Symposium auf einer Botanikertagung organisiert. Daraufhin wurde die Sektion in der Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG, e.V.) etabliert, dessen erster Sprecher Ludwig Kies war. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Professor an der Universität Hamburg untersuchte er die Wechselwirkungen zwischen physikalisch-chemischen und biologischen Prozessen in der Tide-Elbe und ihre Auswirkungen auf die Primärproduktion von Algen. Die Verleihung der „Hans-Adolf-von-Stosch-Medaille“ findet am 29. August 2006 um 20 Uhr in festlichem Rahmen im Gemeindehaus der Sankt Nicolaus-Kirche auf Helgoland statt.

Mehr Informationen zur Sektion Phykologie in der Deutschen Botanischen Gesellschaft, sowie das Tagungsprogramm finden Sie unter: http://www.dbg-phykologie.de/

Bremerhaven, den 21. August 2006

Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Hinweise für Redaktionen

Vertreter der Presse sind zu den Vorträgen und der Preisverleihung willkommen. Ihr Ansprechpartner ist Prof. Dr. Christian Wiencke (Tel. 0471 / 4831-1338; E-Mail: cwiencke@awi-bremerhaven.de). Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Susanne Diederich (Tel. 0471 / 4831-1376; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de).

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

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Grünalgen auf Schlick

Das rasche Wachstum der Grünalgen auf dem Schlick des Sylter Königshafens wird durch Ermittlung des Bedeckungsgrades quantifiziert.

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Algen

Algen bei Helgoland

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Laminarien

Algen im Felswatt vor Helgoland.

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18. August 2006: Bremerhavener Firmen mit dem Bau der neuen deutschen Antarktisstation beauftragt

 

Die Bietergemeinschaft der Firmen J. Heinr. Kramer und KAEFER aus Bremerhaven hat den Zuschlag für den Bau der Forschungsstation Neumayer III des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung erhalten. Sie hatte das beste Angebot abgegeben. Die voraussichtlich im antarktischen Sommer 2008/2009 in Betrieb gehende Forschungsbasis ersetzt die bisherige Neumayer-Station. Diese wird dann das Ende ihrer Betriebszeit erreicht haben. Eine innovative, vom Alfred-Wegener-Institut patentierte Bauweise mit hydraulischen Stelzen ermöglicht es, dass die neue Station dauerhaft auf dem Eis stehen kann.

 

Der Bau einer neuen Antarktisstation wurde notwendig, da die seit 1991 betriebene derzeitige Neumayer-Station durch den ständigen Schneefall immer tiefer im Eis verschwindet und damit das Ende ihrer Haltbarkeit erreicht. Die Station liegt mittlerweile unter einer zwölf Meter dicken Schnee- und Eisschicht und wird durch den Druck deformiert. Das Auftragsvolumen für den Bau der neuen Forschungsstation beträgt rund 21 Millionen Euro. Neumayer III wird in Bremerhaven gebaut und in allen wichtigen Komponenten auf Funktion getestet. In Einzelteile zerlegt wird die Station dann per Frachtschiff in die Antarktis transportiert. Baubeginn in der Antarktis ist für die dortige Sommersaison 2007/08 geplant. In der darauf folgenden Saison 2008/09 soll die Station dann fertig gestellt und in Betrieb genommen werden.

„Das im Wettbewerb abgegebene, überzeugende Angebot der Firmen Kramer und KAEFER ist ein hervorragendes Beispiel für die Leistungsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Bremerhaven“, sagt Rainer Paulenz, Verwaltungsdirektor des Alfred-Wegener-Instituts. „Ganz sicher wird der Bau der neuen deutschen Antarktisstation von der räumlichen Nähe zwischen dem Institut und den Auftragnehmern sowie von der Erfahrung der Firma Kramer aus dem Bau von Neumayer II profitieren.“

 

Seit 1981 betreibt das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung ganzjährig besetzte Forschungsstationen in der Antarktis. Die in den Observatorien für Geophysik, Meteorologie und Luftchemie gewonnenen Langzeitdaten sind von großer Bedeutung für die globale Umweltforschung und die Klimaforschung. Zudem dient die Station als Basis für Expeditionen auf das Inlandeis. Im antarktischen Sommer sind bis zu sechzig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Nationen und Fachbereichen gleichzeitig an der Station tätig.

 

Da die Forschungsstation mit Schiffen versorgt wird, befindet sie sich in relativer Nähe zur Eiskante auf dem Schelfeis. Diese Position stellt hohe Anforderungen an die Konstruktion der Gebäude. Zum einen fließt das Schelfeis ähnlich einem Gletscher dem Meer entgegen. Dabei bewegt sich das Eis überall unterschiedlich schnell, so dass Scherkräfte auf das Fundament wirken. Außerdem werden etwa achtzig Zentimeter Schnee pro Jahr neu aufgelagert. Hinzu kommen niedrige Temperaturen von bis zu minus 47 Grad Celsius und starke Winde, die zu Schneeverwehungen führen. Bislang wurden die meisten Forschungsstationen deshalb unter dem Eis angelegt. Bei Neumayer III werden nun erstmalig hydraulisch bewegliche Stelzen verwendet, die das Gebäude tragen. Diese gewährleisten, dass die neue Forschungsstation angehoben werden kann und somit immer den gleichen Abstand zur Eisoberfläche hat. Ingo Kramer, Inhaber der Firma J. Heinr. Kramer, sagt zu den Herausforderungen, die mit dem Bau verbunden sind: „Wir sind stolz darauf, dass wir unsere technische Kompetenz und Erfahrung aus antarktischen Regionen für dieses weltweit einmalige und anspruchsvolle Bauprojekt erneut zur Verfügung stellen können.“ Auch Manfred Borowsky, Leiter des Standorts Bremerhaven der KAEFER Isoliertechnik GmbH & Co. KG, ist sicher, dass die Bietergemeinschaft den Anforderungen gewachsen ist: „Anspruchsvolle Großprojekte wie der Bau von Neumayer III sind bei unseren Experten aus Bau, Schiffbau und Offshore in den richtigen Händen.“

Voraussichtliche technische Daten der Antarktisstation Neumayer III:

Länge: 68 m

Breite: 25 m

Höhe: 28 m

Höhe über dem Schneegrund: 6 m

Eisdicke unter der Station: 240 m

Gesamtgewicht: 2600 t

Nutzfläche Gebäude: 1900 m2

Energieversorgung: Dieselgeneratoren, Windkraftanlage

Betriebsdauer: 25 Jahre

 

Hinweise für Redaktionen:

Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Susanne Diederich (Tel: 0471 4831-1376, E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de), in der Logistik Dr. Saad El Dine El Naggar (Tel: 0471 4831-1193, E-Mail: selnaggar@awi-bremerhaven.de). Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter
www.awi-bremerhaven.de/AWI/Presse/PM/index-d.html.

Sobald wichtige Komponenten der Neumayer-Station in Bremerhaven getestet werden, wird die Presse Gelegenheit bekommen, sich ausführlich über den Baufortschritt zu informieren. Dies wird voraussichtlich ab Frühjahr 2007 der Fall sein.

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

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Neumayer III

Visualisierung der geplanten deutschen Antarktis-Station Neumayer III.

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Handleine hochsetzen

Vor dem Sturm wird eine Handleine zur Schneeschmelze gespannt. Personen: NN, Hans-Peter Hennig, Harald Schartl

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Fahrzeughalle auf der Neumayer-Station

de: Aussägen von Schnee im Verbindungsgang zur Fahrzeughalle, die Decke senkt sich langsam unter der Schneelast ab

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Neumayer-Station

Von der jetzigen Neumayer-Station sind nur die Treppentürme und einige Installationen zu sehen – die Station selbst befindet sich unter dem Eis.

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14. August 2006: Entschlüsselung von Genen für Kälteresistenz

 

Erstmals wird das Erbgut eines höheren Einzellers aus den Polarregionen entschlüsselt – das der Kieselalge Fragilariopsis cylindrus. Diese Kieselalge kommt sowohl in arktischen als auch in antarktischen Gewässern vor. Das internationale Projekt findet unter der Leitung der University of Washington, Seattle, USA statt. Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung beteiligt sich zusammen mit der Ecole Normale Supérieure in Paris an der Kultivierung der Alge und Auswertung der Daten. Die Forscher versprechen sich von der Sequenzierung, die Gene zu entschlüsseln, die die Eigenschaften zur Anpassung an die extremen Umweltbedingungen in den Polargebieten enthalten.

 

Kieselalgen oder Diatomeen sind mikroskopisch kleine, einzellige Algen, die in allen Gewässern leben. Sie sind in Süß- und Meerwasser und sogar im Meereis zu finden. Diese winzigen Organismen bauen aus Nährstoffen Biomasse auf, binden dabei Kohlenstoff und setzen Sauerstoff frei. Diesen Prozess versteht man als Primärproduktion. Mit bis zu 20 Prozent trägt die Gruppe der Kieselalgen einen erheblichen Anteil zu globalen Primärproduktion bei, in etwa vergleichbar mit der Menge, die alle Regenwälder zusammen produzieren. Um in den Polargebieten zu existieren, müssen Lebewesen an die dort herrschenden Umweltbedingungen angepasst sein. Das Meereis ist ein Ort mit extremen Bedingungen. Diatomeen besiedeln dort die Kanäle, die beim Gefrieren von Meerwasser entstehen. Hier gibt es Temperaturen bis minus 30 Grad Celsius, Salzgehalte bis zur vierfachen Meerwasserkonzentration und nur sehr wenig Licht. Trotz dieser scheinbar lebensfeindlichen Bedingungen hat sich eine sehr erfolgreiche Eispopulation gebildet, zu der auch die Kieselalgen-Gattung Fragilariopsis gehört. Das Alfred-Wegener-Institut (AWI) untersucht deshalb mehrere Vertreter dieser Gattung.

Kleine Algen mit großer Bedeutung

Fragilariopsis cylindrus kommt sowohl im offenen Wasser als auch im Meereis vor und steht am Anfang der Nahrungskette. Sie ist im Nordpolarmeer und in den Gewässern der Antarktis verbreitet. Im Meereis bilden Diatomeen große Biomassen mit bis zu 1000-fach höherer Chlorophyll-Konzentration als im offenen Wasser. Diese Population speist das gesamte Ökosystem Polarmeer, wenn im Frühjahr die Primärproduktion mit der Rückkehr des Sonnenlichts ansteigt. Wenn sich die Ausdehnung und die Dicke des Meereises durch Klimaveränderungen verringert, kann dies daher weit reichende Folgen für das gesamte Ökosystem haben. Durch die große Bedeutung von F. cylindrus in polaren Ökosystemen entschied das Joint Genome Institut (JGI) des Department of Energy (DOE) in den USA, diese Kieselalge zu sequenzieren. Der Initiator und Koordinator dieses Projektes ist der ehemalige AWI-Mitarbeiter Dr. Thomas Mock (Universitiy of Washington, Seattle, USA).

 

Gene – Genom – Genomforschung

Gene sind Träger der Erbinformation. Sie sind in Desoxyribonukleinsäuren (DNS) gespeichert, die im Zellkern jedes Organismus existieren. Gene sind Abschnitte der DNS, die für ein bestimmtes Merkmal verantwortlich sind. Einige Anpassungsmechanismen an die Extrembedingungen in den Polargebieten sind bereits erforscht, aber die Gene, die für diese Eigenschaften verantwortlich sind, kennt man noch nicht. Ziel des Projektes ist es, das vollständige Genom der polaren Kieselalge Fragilariopsis cylindrus zu entschlüsseln. Durch den Vergleich mit Genomen von Diatomeen aus den gemäßigten Breiten (Thalassiosira pseudonana, Phaeodactylum tricornutum) hoffen die Wissenschaftler, die Gene zu identifizieren, die für die Anpassung an die Extrembedingungen in Arktis und Antarktis nötig sind. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts sind außerdem an der Sequenzierung eines Eisbakteriums, der ersten Braunalge und der ersten Rotalge beteiligt. Das Genomprojekt mit Fragilariopsis cylindrus ist eingebunden in das Community Sequencing Program (CSP) des JGI. Weitere Projektpartner sind Prof. E. Virginia Armbrust und Dr. Micaela Parker von der University of Washington, sowie Prof. Chris Bowler an der Ecole Normale Supérieure (ENS) in Paris und Dr. Klaus Valentin vom Alfred-Wegener-Institut.

Mehr Informationen zum Genomprojekt Fragilariopsis cylindrus finden Sie unter: http://www.jgi.doe.gov/sequencing/why/CSP2007/fragilariopsis.html
Die Arbeitsgruppe an der University of Washington finden Sie unter:
http://www.ocean.washington.edu/people/faculty/armbrust/armbrust.html
Die Arbeitsgruppe in Paris finden Sie unter:
http://www.biologie.ens.fr/bmd/

Bremerhaven, den 14. August 2006
Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner ist Dr. Thomas Mock (E-Mail: mockt(at)u.washington.edu, Tel. +1 206 221 7228). Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Jens Kube (Tel. 0471 / 4831-2007; E-Mail: medien(at)awi-bremerhaven.de).

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

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Antarktische Kieselalge

Lichtmikroskopische Aufnahme der Kieselalge Fragilariopsis sp.

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Antarktische Kieselalge

Elektronenmikroskopische Aufnahme der Kieselalge Fragilariopsis cyl.

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Pfannkucheneis

Pfannkucheneis mit Eisalgen

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28. Juli 2006: Kosmischer Staub in irdischem Eis

 

Seit 30.000 Jahren prasseln konstant kosmische Staubpartikel auf die Erde nieder. Zu diesem Ergebnis kommen zwei Wissenschaftler vom Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University in New York (L-DEO) und vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. Dazu untersuchten sie erstmals an einem antarktischen Eiskern den Gehalt des seltenen Helium-Isotops 3He in kosmischem Staub. Sie zeigen, dass dessen 3He-Konzentration um mehr als den Faktor 5000 gegenüber terrestrischem Staub angereichert ist. Messungen des auf der Erde sehr viel häufigeren Helium-Isotops 4He weisen außerdem darauf hin, dass sich die Quellen des terrestrischen Staubs im antarktischen Eis zwischen der letzten Eiszeit und unserer heutigen Warmzeit geändert haben müssen.

 

Im Wissenschaftsmagazin Science präsentieren die beiden Forscher zum ersten Mal zeitlich hoch aufgelöste Messungen des 3He- und 4He-Flusses von interplanetaren und terrestrischen Staubpartikeln, die im Schnee der Antarktis und daraus entstehenden Schichtungen des antarktischen Eisschildes gespeichert wurden. Heutige Abschätzungen zeigen, dass pro Jahr ca. 40.000 Tonnen extraterrestrischen Materials auf die Erde treffen. „Der kosmische Staub wird auf seinem Weg durch den interplanetaren Raum vom Sonnenwind mit Helium-Atomen aufgeladen. Dabei kommt es zu einer starken Anreicherung des auf der Erde seltenen Isotops 3He“, erläutert Dr. Hubertus Fischer, Leiter des Forschungsprogramms „Neue Schlüssel zu polaren Klimaarchiven“ am Alfred-Wegener-Institut. „Kosmische Staubpartikel mit einer Größe von wenigen Mikrometern überdauern den Eintritt in die Erdatmosphäre und transportieren ihre Heliumfracht unverändert zur Erdoberfläche.“ Mit der hohen zeitlichen Auflösung, wie man sie nur in Eiskernen erreicht, konnten nun erstmals die zeitlichen Variationen des Flusses von Helium zwischen Eis- und Warmzeiten sowie das typische Verhältnis von 3He und 4He dieser exotischen Partikel bestimmt werden. Die Ergebnisse dürften weit reichende Konsequenzen für die Interpretation von hoch aufgelösten Klimaarchiven in Eiskernen, Ozean- und Seesedimenten haben.

 

Die Heliumisotopen-Methode hat aber noch mehr zu bieten. Das Verhältnis von 4He in terrestrischem Staub zur gesamten Staubkonzentration zeigt große Unterschiede zwischen der letzten Eiszeit und unserer heutigen Warmzeit. „Der terrestrische Staub, der in der Eiszeit in der Antarktis niederging, ist offensichtlich nicht der gleiche wie in der Warmzeit. Entweder ändern sich die Quellgebiete des Mineralstaubs, oder die Verwitterungsprozesse, die für die Staubproduktion verantwortlich sind, variieren mit dem Eiszeitzyklus“, erklärt Dr. Gisela Winckler, Leiterin der Arbeitsgruppe „Isotope Tracers and Constant Flux Proxies“ am L-DEO.

EPICA
Die Daten wurden im Rahmen des European Project for Ice Coring in Antarctica (EPICA) erhoben. Das Alfred-Wegener-Institut ist deutscher Partner des Projektes und trägt die Verantwortung für die Bohrung in Dronning Maud Land. EPICA wird von einem Konsortium aus zehn europäischen Ländern (Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz) durchgeführt und gemeinsam mit der Europäischen Union finanziert.

Der Artikel “30,000 Years of Cosmic Dust in Antarctic Ice” wird am 28. Juli in “Science” veröffentlicht.

Bremerhaven, den 27. Juli 2006

Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner am Alfred-Wegener-Institut ist Dr. Hubertus Fischer (Tel. 0471 / 4831-1174; E-Mail: hufischer@awi-bremerhaven.de). und in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471 / 4831-1742; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de). Am Lamont-Doherty Earth Observatory sind ihre Ansprechpartner Dr. Gisela Winckler (Tel. 001 / 845 / 365 8756; E-Mail: winckler@ldeo.columbia.edu) und in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Mary Tobin (Tel. 001 / 212 / 854 9485; E-Mail: mtobin@ei.columbia.edu) oder Ken Kostel (Tel. 001 / 212 / 854 9729; E-Mail: kkostel@ei.columbia.edu).
SPERRFRIST ist Donnerstag, den 27. 07. 2006, 20:00 Uhr (MESZ).


Das Lamont-Doherty Earth Observatory (L-DEO), wissenschaftlicher Kern des ‚Earth Institute’ der Columbia University in New York, ist eines der weltweit führenden erd- und klimawissenschaftlichen Forschungszentren und beschäftigt sich mit der Erforschung unseres Planeten vom inneren Erdkern bis zur äußersten Atmosphäre, unter Einbeziehung aller Kontinente und Ozeane.

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Kosmischer Staub

Der Antarktische Eisschild ist ein perfektes Archiv für Niederschlag und Staubpartikel. So findet man auch bei blauem Himmel Niederschlag von Eispartikeln auf der Kohnen Station, die zur Ausbildung eines Halo führen. Neben dem irdischen Mineralstaub wird auch extraterrestrischer Staub deponiert. Das oben links einmontierte extraterrestrische Staubteilchen hat eine Größe von einigen Mikrometern.

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Eiskerne

Das European Project of Ice Coring in Antarctica (EPICA) hat zum Ziel Eiskerne im Dronning Maud Land zu bergen.

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Eiskern

Detail eines Eisbohrkerns aus 2668 Metern Tiefe. Foto: Sepp Kipfstuhl

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17. Juli 2006: Freier Zugang zur Plankton-Datenbank

 

PLANKTON*NET ist eine online-Datenbank, die Plankton-Organismen bildlich und inhaltlich beschreibt. Sie wurde ursprünglich am Alfred-Wegener-Institut etabliert, um eine Informationsquelle für Studenten bereitzustellen, die an Kursen der Biologischen Anstalt Helgoland teilnehmen. Zum Plankton zählen alle frei im Wasser schwebenden Organismen vom Bakterium bis zur Qualle. Das Bildmaterial und die begleitenden Informationen zu planktonischen Organismen, wie beispielsweise taxonomische Beschreibungen, sind hilfreich bei der Artbestimmung. Die Datenbank wurde kürzlich neu installiert. Sie enthält aktuell mehr als 3000 Bilder und über 500 Artbeschreibungen.

 

Der freie Zugriff auf die Datenbank ermöglicht jedem registrierten Nutzer, eigene Bilder und Daten einzustellen und bereits bestehende Datensätze zu ergänzen. Alle eingegebenen Daten werden überprüft und, wenn nötig, werden Experten-Meinungen dazu eingeholt. Auf diese Weise wächst die Datenbank nicht nur schnell, sondern erhält durch die weltweiten Eintragungen eine hohe Vielfalt unterschiedlicher geografischer Herkunft. Diese geografische Reichweite ist für die Planktonforschung sehr wichtig und wird von keinem anderen Datenbanksystem derzeit geleistet.

 

Vernetzung
Zurzeit besteht PLANKTON*NET aus zwei separaten Datenbanken, einer am Alfred-Wegener-Institut (PLANKTON*NET@AWI) und einer weiteren an der Station Biologique de Roscoff in Frankreich (PLANKTON*NET@ROSCOFF). Eine dritte Datenbank ist an der Universität Lissabon in Portugal in Planung. Das langfristige Ziel des Projektes ist eine Vernetzung aller Datenbanken und eine Einbindung in das bereits bestehende Weltdatenzentrum für Marine Umweltwissenschaften (WDC-MARE). Dieses Weltdatenzentrum ist ein virtuelles Institut und wird vom Alfred-Wegener-Institut und dem Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM, Uni Bremen) betrieben. Neben WDC-MARE gibt es weltweit über 50 weitere Weltdatenzentren, alle mit dem Ziel der langfristigen Archivierung und Bereitstellung von Informationen für die Wissenschaft.
PLANKTON*NET wird unter anderem von der Europäischen Union finanziert und hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Partner des Projektes sind die Station Biologique de Roscoff und die Universität Caen in Frankreich, die Universität Lissabon und das Instituto de Investigaçao das Pescas e do Mar (IPIMAR) in Portugal, sowie das Natural History Museum in London.

 

Hintergrund
Die Biodiversitätsforschung ist in den letzten Jahren erheblich intensiviert worden. Grund dafür ist die wachsende Besorgnis über das Aussterben von Arten und die Zerstörung von Lebensräumen, aber auch die Entwicklung von Methoden, die eine detailliertere Erfassung der existierenden Arten erlauben. Vor allem genetische Methoden werden mittlerweile verstärkt zur Artbestimmung eingesetzt. Sie haben in vielen Gebieten gezeigt, dass die Artenvielfalt erheblich höher ist als ursprünglich angenommen. Speziell in marinen Systemen beinhaltet der Begriff „Diversität“ nicht nur die Unterscheidung zwischen biologischen Arten, sondern auch innerhalb etablierter Arten. Das führt zu einer völligen Neubewertung des Artkonzepts. Für die Erfassung und Beschreibung neuer Arten ist ein schneller Zugang zu schon bestehenden Informationen unbedingt erforderlich.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.plankton-net.org

Bremerhaven, den 16. Juli 2006

Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner ist Prof. Dr. Karen Wiltshire (Tel. 04725 / 819-238; E-Mail: kwiltshire@awi-bremerhaven.de) oder Dr. Alexandra Kraberg (Tel. 04725 / 819-246; E-Mail: akraberg@awi-bremerhaven.de). Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471 / 4831-1742; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de). Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter
www.awi-bremerhaven.de/AWI/Presse/PM/index-d.html

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Tomopteris helgolandicus

Tomopteris helgolandicus ist ein schwimmender Borstenwurm, der bei Helgoland vorkommt.

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Noctiluca scintillans

Noctiluca scintillans ist verantwortlich für das Meeresleuchten in der Nordsee.

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Coscinodiscus wailesii

Coscinodiscus wailesii gehört zu den Kieselalgen. Sie kann in Massen auftreten, dabei bilden sie einen Schleim aus, der Fischernetze verstopfen kann.

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Acatia clausii

Acatia clausii ist ein Ruderfusskrebs und ist ein typischer Vertreter des Nordsee-Zooplanktons

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9. November 2006: Meeresströmung verknüpft Nord- und Südhemisphäre in der Eiszeit

 

Obwohl Klimazeitreihen grönländischer und antarktischer Eiskerne sehr unterschiedlich aussehen, sind das Klima der Arktis und Antarktis direkt miteinander verbunden. Die jetzt im Wissenschaftsmagazin nature veröffentlichten Untersuchungen an einem Eiskern aus der Antarktis weisen auf eine prinzipielle Verknüpfung beider Hemisphären durch eine „bipolare Klimaschaukel“ hin. Selbst kürzere und schwächere Temperaturveränderungen im Süden sind durch die Änderungen der Meeresströmungen im Atlantik direkt mit den schnellen Temperatursprüngen im Norden verknüpft. Die Antarktis erwärmte sich in der Zeit von 20.000 bis 55.000 Jahren vor heute immer dann, wenn der Norden kalt und der Export von warmem Wasser aus dem Südozean reduziert war. Umgekehrt begann die Antarktis sich jedes Mal dann abzukühlen, wenn während Wärmeereignissen im Norden vermehrt warmes Wasser in den Nordatlantik strömte. Dieses Ergebnis weist auf eine prinzipielle Verknüpfung beider Hemisphären durch eine „bipolare Klimaschaukel“ hin, sobald sich die Ozeanzirkulation im Atlantik ändert.

 

Wissenschaftlern des Forschungsprojektes EPICA (European Project for Ice Coring in Antarctica) ist es nun gelungen, Klimazeitreihen von Eiskernen aus der Antarktis und von Grönland präzise zu synchronisieren. Dazu nutzen sie die Information vergangener Methankonzentrationen, die in Luftblasen in den Eiskernen archiviert ist. Die Untersuchungen wurden an dem neuen EPICA Eiskern aus Dronning Maud Land (EDML), im atlantischen Sektor der Antarktis durchgeführt. Aufgrund der relativ hohen Niederschlagsrate an diesem Ort können atmosphärische und klimatische Zeitreihen der letzten Eiszeit in diesem Kern zeitlich besser als in Eiskernen aus der Ostantarktis aufgelöst werden. Diese höhere Auflösung war Voraussetzung für die präzise Synchronisation des EDML-Eiskerns mit seinem grönländischen Gegenstück, dem Eiskern des North GReenland Ice core Project (NGRIP). Basierend auf dieser Synchronisation konnten die Wissenschaftler die Ergebnisse aus Grönland und der Antarktis direkt miteinander vergleichen. Dieser Vergleich zeigt, dass die „bipolare Klimaschaukel“ im Verlauf der gesamten Eiszeit und vermutlich auch darüber hinaus aktiv war. „Es ist wirklich erstaunlich, wie systematisch dieser Prozess auch für kleinere Klimaschwankungen im Südozean wirkte. Unsere Daten zeigen, dass die Stärke der Erwärmung im Süden linear von der Dauer der Kälteperiode im Norden abhängt”, sagt Dr. Hubertus Fischer, Mitautor des Artikels und Paläoklimatologe am Alfred-Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.

Die im Wissenschaftsmagazin nature veröffentlichte Studie fasst die Arbeit der EPICA-Wissenschaftler aus zehn europäischen Ländern zusammen: Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Norwegen, Schweden und Schweiz. „Diese Studie ist ein gutes Beispiel, wie Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen der Eiskernforschung Fächer übergreifend und international zusammenarbeiten. Ozeanmodellierer, Isotopenspezialisten und Glaziologen haben hier ihre Expertise zusammengetragen“, so Prof. Dr. Heinz Miller, Vorsitzender des EPICA-Teams. Als deutscher Partner von EPICA ist das Alfred-Wegener-Institut für die Durchführung der Eiskern-Bohrung in Dronning Maud Land in der Antarktis verantwortlich. Am Institut in Bremerhaven wird eine Vielzahl der Analysen am Dronning Maud Land-Eiskern und die Fließmodellierung des Eises durchgeführt. Koordiniert unter dem Dach der European Science Foundation (ESF) wird EPICA durch Beiträge der beteiligten Länder und der europäischen Union finanziert. EPICA ist eines der zentralen Forschungsprojekte des Alfred-Wegener-Instituts im Forschungsprogramm “Meeres-, Küsten- und Polarsysteme” im Bereich „Erde und Umwelt“ der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

Die Veröffentlichung “One-to-one coupling of glacial climate variability in Greenland and Antarctica” erscheint am 9. November 2006 im Wissenschaftsmagazin nature.

Bremerhaven, den 6. November 2006

Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Hinweise für Redaktionen: Ihre Ansprechpartner am Alfred-Wegener-Institut sind Dr. Hubertus Fischer (Tel. 0471/4831-1174; Mobil: 0175/8930172; E-Mail: hufischer@awi-bremerhaven.de) und Prof. Dr. Heinz Miller (Tel. 0471/4831-1210; E-Mail: hmiller@awi-bremerhaven.de). Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Ude Cieluch (Tel. 0471/4831-2008; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de).

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Eiskerne

Eiskerne speichern das Klima der Vergangenheit. Foto: Hubertus Fischer

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Kohnen Station

Die Kohnen Station liegt bei 75°00’ S und 00°04’ O ist eine Sommerstation im Dronning Maud Land in der Antarktis.

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31. Oktober 2006: Neues Flugzeug für die Polarforschung

 

Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung erhält ein neues Forschungsflugzeug: „Polar 5“ vom Typ Basler BT-67. „Polar 5“ bietet mit den verbesserten flugtechnischen Parametern und einer auf langfristige Nutzung konzipierten wissenschaftlichen Instrumentierung beste Voraussetzungen, um die Forschungsvorhaben des AWI weiterhin, auch vor dem Hintergrund gestiegener Anforderungen, erfolgreich durchführen zu können. Es löst „Polar 4“ ab, eine Dornier DO 228-101, die seit 1984 im Einsatz ist. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert die Anschaffung des Polarforschungsflugzeugs in Höhe von 8,1 Millionen Euro. „Polar 5“ mit Kennzeichen C-GAWI, soll zum ersten Mal in der Antarktis-Saison 2007/08 eingesetzt werden. Das ist genau 25 Jahre nach Beginn des Polar-Flugbetriebes am Alfred-Wegener-Institut.

 

Die speziell für die Belange der Polarforschung konzipierte Basler BT-67 (Basler Turbo Conversion LLC) wird als „Polar 5“ in den Flugbetrieb des Alfred-Wegener-Instituts eingegliedert. Das Flugzeug zeichnet sich durch verbesserte Leistungsparameter im Vergleich zur „Polar 4“ aus: Die Reichweite mit wissenschaftlicher Ausrüstung ist mehr als doppelt so groß (circa 2900 km) wie bisher und die geforderte Startfähigkeit auf Skiern in Höhen über 3800 Metern auf dem antarktischen Plateau ist nachgewiesen. Die leistungsfähigen Generatoren ermöglichen die Erweiterung der vorhandenen Messausrüstungen an Bord. Die Nutzlast und das Volumen ist mehr als doppelt so groß wie beim Vorgängermodell und steigert die Transportfähigkeit für logistische Einsätze erheblich. Die neue Maschine ist robuster und dadurch wartungsärmer als die bisherigen Polarflugzeuge. Die Wartung kann am Einsatzort erfolgen. Der Betrieb in den Polarregionen wird bei vergleichbaren Betriebskosten der derzeitigen Polarflugzeuge mit bis zu 800 Flugstunden pro Jahr möglich. Die Basler BT-67 basiert auf einem modifizierten Rumpf der Douglas DC-3, die auch als „Rosinenbomber“ bekannt ist.

Mit der Indienststellung des neuen Flugzeuges im kommenden Jahr wird eine neue Partnerschaft für den Betrieb des Forschungsflugzeuges mit der kanadischen Firma Enterprise Air Inc., Oshawa, eingegangen. Der Standort von „Polar 5“ wird – wie auch schon bei „Polar 2“ und der „Polar 4“ – der Regionalflughafen Bremerhaven sein. Hier wird auch die Wartung von „Polar 5“ zwischen den Messkampagnen erfolgen.

Die Neuanschaffung wurde notwendig, da nach einer harten Landung an der britischen Überwinterungsstation Rothera auf der antarktischen Halbinsel im Januar 2005 das Forschungsflugzeug „Polar 4“ schwer beschädigt wurde. Eine Reparatur war nicht möglich, so dass die Maschine außer Dienst gestellt werden musste. Seitdem konnten die wissenschaftlichen und logistischen Aufgaben im Polarflugbetrieb nur durch „Polar 2“ wahrgenommen werden. Damit das Alfred-Wegener-Institut als deutsches Zentrum für Polar- und Meeresforschung seinen wissenschaftlichen und logistischen Aufgaben in vollem Umfang nachkommen kann, ist ein zweites Polarflugzeug erforderlich.

Bremerhaven, den 31. Oktober 2006

Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Hinweise für Redaktionen: Kontaktperson am Alfred-Wegener-Institut ist Dr. Andreas Herber (Tel. 0471/4831-1489; E-Mail: aherber@awi-bremerhaven.de). Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Jens Kube (Tel. 0471/4831-2007; E-Mail: jkube@awi-bremerhaven.de).

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The new aircraft Polar 5.
Skizze der Seitenansicht der künftigen Polar 5.

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Polar 2

Auch in Zukunft noch im Einsatz für das AWI: Polar 2, eine Dornier DO-228.

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12. Juli 2006: Ferienpass-Aktion am AWI

Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung beteiligt sich wieder am Ferienpass-Programm der Seestadt Bremerhaven mit zwei Aktionen. Beide Veranstaltungen richten sich an Kinder ab 10 Jahren. Am 21. Juli kann man von 10 bis 12 Uhr die Wanderung der Pinguine verfolgen, dazu erstellen die Kinder Landkarten am Computer. Am 25. Juli findet von 10 bis 11:30 Uhr eine Videokonferenz mit der Forschungsbasis auf Spitzbergen statt. Wissbegierige Kinder können dem Stationsleiter Löcher in den Bauch fragen.

 

Wanderung der Pinguine am Computer miterleben
Wenn ihr euch für Computer interessiert, seid ihr hier genau richtig! Im Jahr der Informatik zeigen wir euch, wie die Forscher am Alfred-Wegener-Institut mit dem Computer arbeiten. Die Profis vom Rechenzentrum werden mit euch zusammen am Computer Landkarten erstellen. Auf Karten der Antarktis könnt ihr dann die Wanderung der Pinguine nachvollziehen. Stellt euch vor, die Pinguine würden nicht in der Antarktis, sondern in Bremerhaven starten. Wie weit würden sie da wohl kommen? Bis Bremen – oder noch weiter? Findet es selbst am Computer heraus!

 

Videokonferenz zur Polarstation
Video und Unterhaltung über Telefon ist euch allen geläufig. Aber habt ihr schon mal mit jemandem über eine Entfernung von 2800 Kilometern gesprochen und ihn dabei auch gesehen? Wir zeigen euch wie’s geht, und ihr dürft es selbst mit unserer Forschungsstation auf Spitzbergen ausprobieren. Fragt doch mal den Stationsleiter, ob schon ein Eisbär vorbeigekommen ist, wie hoch sein Wetterballon so fliegt oder wie es der Ozonschicht über der Arktis im Moment geht.

 

Wo? Wie? Wann?
Für beide Aktionen ist eine Voranmeldung in der Tourist-Info (Columbus-Center, Obere Bürger) erforderlich. Bei beiden Veranstaltungen können maximal 20 Kinder mitmachen.

Bremerhaven, den 12. Juli 2006

Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Hinweise für Redaktionen: Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Angelika Dummermuth, Tel. 0471 / 4831-1742; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de. Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter www.awi-bremerhaven.de/AWI/Presse/PM/index-d.html.

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Schüler im Rechenzentrum des Alfred-Wegener-Instituts

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Startvorbereitungen für einen Fesselballonaufstieg

de: Joann Smidt (Stationsingenieur 2004/2005) und Diplomandin Anne Theuerkauf bereiten den Start des Fesselballons "Miss Piggy" an der AWIPEV-Forschungsbasis vor. Der Ballon kann bis in 3km Höhe aufsteigen und wieder eingeholt werden.

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10. Juli 2006: »Wieso, weshalb, warum? Probier’s mal aus! «

Wissenschaft zum Anfassen, die Schülerlabore des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung beim Wissenschaftssommer und der ESOF2006 in München

 

„Kann man Wasser stapeln? Und warum ertrinken Fische nicht?“: Das Schülerlabor des Alfred-Wegener-Instituts SEASIDE (Science & Education @ the AWI: SIngle Day Experiments) stillt den Wissensdurst von Schülern. „In spielerischer Herangehensweise unterstützen und ergänzen wir den naturwissenschaftlichen Unterricht der Schulen und begeistern die Jüngsten für die Wissenschaft“, sagt Dr. Susanne Gatti, die Leiterin des Schülerlabors. Durch die Einbeziehung von außerschulischen Lernorten sollen Schüler und Lehrer von den Kompetenzen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler profitieren und eine Vernetzung von wissenschaftlichen Einrichtungen und Schulen ermöglichen.

 

Die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren fördert aktiv den naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchs: Kleine und große Entdecker haben vom 17. -21. Juli zwischen 10:00 und 19:00 Uhr die Möglichkeit, in den Helmholtz-Schülerlaboren auf dem Marienhof in der Münchener Innenstadt zu experimentieren und hinter die Geheimnisse der Wissenschaft zu kommen. „Für uns beginnt Nachwuchsförderung nicht erst an der Universität“, erläutert der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft Prof. Dr. Jürgen Mlynek. „Wir wollen in unseren Schülerlaboren offen über unsere wissenschaftlichen Arbeiten diskutieren und bei den Jugendlichen die Neugierde auf Forschung wecken“.

 

Das Angebot des naturwissenschaftlichen Zentrums SEA (Science & Education @ the AWI) in Bremerhaven bietet seit drei Jahren einem breiten Schülerpublikum – von der Grundschule bis zur Oberstufe – die Möglichkeit, Seite an Seite mit Wissenschaftlern zu experimentieren. Neben dem Schülerlabor gibt es das Schulprojekt HIGHSEA (HIGHschool of Science & Education @ the AWI), an dem Schülerinnen und Schüler der Bremerhavener Oberstufenzentren teilnehmen. Sie erhalten an zwei Tagen pro Woche fächerübergreifenden Unterricht in Biologie, Chemie, Mathematik und Englisch im Alfred-Wegener-Institut. Weitere Informationen unter: www.awi.de/ClickLearn/SchoolProject/SEA_index_d.html).

Dr. Susanne Gatti wird am 19. Juli um 12:30 Uhr im Profmobil der Universität Bremen einen Vortrag zum Schulprojekt halten: „HIGHSEA – Lernen auf See“. Die Wissenschafts-Rikscha steht am Mittwoch im Marienhof.

 

In insgesamt 18 Schülerlaboren an allen Helmholtz-Forschungszentren in ganz Deutschland haben Schüler, Schülerinnen und Lehrkräfte die Möglichkeit, selbst zu experimentieren und den naturwissenschaftlichen Unterricht zu ergänzen. Das findet großen Zuspruch: Im vergangenen Jahr kamen mehr als 40.000 Besucher in die Schülerlabore. Die Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft konzentrieren ihre wissenschaftliche Arbeit in sechs Bereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Diese Forschungsorganisation ist mit 25.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen an 15 Zentren und einem Jahresbudget von rund 2,2 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Das Programm der Schülerlabore beim Wissenschaftssommer 2006 finden Sie unter: www.helmholtz.de/machmit2006 Bremerhaven, den 10. Juli 2006 Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg Hinweis für Redaktionen: Ihre Ansprechpartner bei der Helmholtz-Gemeinschaft sind Thomas Gazlig, Leiter Kommunikation und Medien Tel: 030 / 206329-57, E-Mail: presse@helmholtz.de und Dr. Ellen Peerenboom, Pressereferentin für Veranstaltungen (Tel.: 030 / 206329-56, E-Mail: ellen.peerenboom@helmholtz.de. Ihre Ansprechpartnerinnen im Alfred-Wegener-Institut sind für das Schülerlabor Dr. Susanne Gatti (Tel. 0471 / 4831-1392, E-Mail sgatti@awi-bremerhaven.de) und Margarete Pauls, Pressesprecherin (Tel. 0471 / 4831-1180, E-Mail: mpauls@awi-bremerhaven.de).

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"Kann man Wasser stapeln?" Dieser und anderen Fragen gehen Kinder im Schülerlabor nach.

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Schon die Kleinsten werden spielerisch an wissenschaftliches Arbeiten herangeführt.

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Mit Begeisterung lernen schon Grundschüler etwas über die Physik des Wassers.

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Der zweite Jahrgang des Schulprojekts HIGHSEA auf Expedition in der Arktis.

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29. Juni 2006: Zweiter Jahrgang durchs Abitur navigiert

Der zweite Jahrgang des interdisziplinären Kooperationsprojektes HIGHSEA (HIGHschool of Science & Education @ the AWI) am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung kann sich über seinen erfolgreichen Abitur-Abschluss freuen. Am 3. Juli um 11 Uhr überreicht Bildungssenator Willi Lemke die Teilnahme-Urkunden im Alfred-Wegener-Institut. Prof. Dr. Elke Sumfleth von der Universität Duisberg-Essen, die das Projekt als externe Gutachterin begleitet, berichtet über erste Ergebnisse. An der Abi-Feier nehmen außerdem Oberbürgermeister Jörg Schulz und der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Michael Stark teil.

 

HIGHSEA
Das seit 2002 in enger Zusammenarbeit zwischen dem Alfred-Wegener-Institut und den Bremerhavener Schulbehörden bestehende Unterrichtsprojekt hat das Ziel, mit veränderten Unterrichtsformen das Interesse an Naturwissenschaften nachhaltig zu fördern. Zwei Tage pro Woche verbringen die Schüler der 11. bis 13. Klasse am Alfred-Wegener-Institut im Fächer übergreifenden Unterricht. Der Projektunterricht koppelt die Fächer Biologie, Chemie, Mathematik, Englisch und Physik. Die Planung und Vorbereitung einer Expedition gehört ebenso dazu wie der Erwerb des naturwissenschaftlichen Hintergrundes. So ließ sich vergangenen Sommer ein Teil des Jahrgangs in der arktischen Barentssee eine kühle Brise um die Nase wehen. Die zweiwöchige Forschungsfahrt auf dem Bildungslogger „Lovis“ ging von Spitzbergen nach Tromsø in Nordnorwegen. Die Expedition hatte die Fragestellung, ob im August 2005 in der Barentssee das für die Meeresströmungen und das momentane Klima notwendige kalte Tiefenwasser gebildet wird. SchülerInnen der gymnasialen Oberstufe mit naturwissenschaftlichem Interesse bietet das Projekt die einmalige Gelegenheit, gleichzeitig interdisziplinär und selbständig an einem gemeinsamen Forschungsgegenstand zu arbeiten. Katharina Fornaçon, eine der Abiturientinnen, erzählt begeistert: „Die Barentssee ist rau, manchmal war uns auch übel, aber die Fahrt ist für mich unvergesslich."

 

„Teamteaching“
Die Form des Unterrichts bei HIGHSEA ohne festen Stundenplan und ohne Pausengong heißt Teamteaching. Vom Schulamt freigestellte Lehrkräfte gestalten den Unterricht gemeinsam mit wissenschaftlichem Personal des Alfred-Wegener-Instituts. „Neben dem forschend-experimentellem Lernen bietet HIGHSEA aber auch die Möglichkeit, Fähigkeiten der Projektkoordination, der Kooperation, der Kommunikation im Team und vor allem auch der Präsentation zu erwerben“, sagt Projektleiterin Dr. Susanne Gatti. „Damit sind die Schülerinnen und Schüler bestens auf ein späteres, naturwissenschaftliches Studium vorbereitet." Dies erzählen auch die Schüler in den Tagesberichten der Forschungsfahrt unter http://www.awi-bremerhaven.de/ClickLearn/SchoolProject/Lovis_aktuell.html
Weitere Informationen zu HIGHSEA finden Sie unter highsea.awi.de und zu den anderen Schulprojekten des Alfred-Wegener-Instituts unter
http://www.awi-bremerhaven.de/ClickLearn/SchoolProject/SEA_index_d.html

http://www.awi-bremerhaven.de/ClickLearn/SchoolProject/SEA_index_d.html Bremerhaven, den 29. Juni 2006

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Hinweise für Redaktionen: Vertreter der Presse sind herzlich eingeladen. Ihre Ansprechpartnerinnen sind Dr. Susanne Gatti, Tel. 0471/4831-1392; E-Mail: sgatti@awi-bremerhaven.de und in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Dr. Angelika Dummermuth, Tel. 0471/4831-1742; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de. Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter www.awi-bremerhaven.de/AWI/Presse/PM/index-d.html.

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Tunheim (Bären-Insel) auf halber Strecke zwischen Spitzbergen und Tromsö.

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Gruppenfoto vor dem Gletscher im Hornsund.

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Letztes Segelbergen vor dem Anlaufen von Torsvag - nach mehreren Tagen auf See; Land in Sicht.

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Die erste gemeinsame Mahlzeit "an Land" in Torsvag - Nordspitze Nordnorwegens.

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27. Juni 2006: Ozontanz – mit allen Sinnen lernen

Tanzprojekt von Claudia Hanfgarn und dem Alfred-Wegener-Institut

Am 29. und 30. Juni und am 1. Juli veranstalten zwei Bremerhavener Schulen gemeinsam mit dem tanzpädagogischen Projekt Schultanz TAPST und dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung den „Ozontanz“. Die Aufführungen beginnen jeweils um 18 Uhr. An verschiedenen Stationen im Gebäude des Alfred-Wegener-Instituts an der Columbusstraße werden einzelne Aspekte des Themas Ozon als Tanz dargestellt. Auf einer zentralen Bühne wird die Thematik in größerem Zusammenhang vorgeführt. Am 4. Juli gastiert der Ozontanz in der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts, Gebäude A45 auf dem Telegrafenberg. Dort findet die Aufführung um 16:30 Uhr statt.

 

Einer der betreuenden Wissenschaftler, Dr. Gert König-Langlo, beschreibt seine Erwartungen an den Ozontanz so: „Ständig bildet sich Ozon aus Sauerstoff und umgekehrt. Seitdem der Mensch die Atmosphäre verunreinigt, verbleibt am Boden zu viel und in der uns vor Sonnenbränden schützenden Ozonschicht zu wenig Ozon. Über der Antarktis ist die Ozonschicht von September bis November bereits vollständig verschwunden. Stürme umwirbeln dieses antarktische Ozonloch. Wir dürfen gespannt sein, wie diese Prozesse von den Schülerinnen und Schülern tänzerisch umgesetzt werden.“

In jedem Frühjahr gibt es ein Ozonloch über der Antarktis

 

Seit über zwanzig Jahren ist durch Messungen belegt, dass die Ozonschicht der Erde über den Polen durch menschliche Einflüsse stark angegriffen ist. In jedem Jahr gibt es im Frühjahr ein Ozonloch über der Antarktis. Auch über der Arktis ist starker Ozonabbau zu beobachten. Die Ozonschicht in der Erdatmosphäre ist der natürliche Sonnenschutzschild, der Menschen, Tiere und Pflanzen vor schädlicher Ultraviolett (UV)-Strahlung der Sonne schützt. Das Alfred-Wegener-Institut und das tanzpädagogische Projekt Schultanz TAPST haben im zweiten Schulhalbjahr 2005/06 zwei Klassen der Körnerschule und des Lloyd-Gymnasiums in Bremerhaven eingeladen, sich inhaltlich und tänzerisch mit dem Thema „Ozon“ und der wissenschaftlichen Arbeit des Alfred-Wegener-Instituts auseinander zu setzen. „Das Projekt ist eine interessante Möglichkeit, die Öffentlichkeit auf die immer aktuellen Aspekte der Atmosphärenforschung aufmerksam zu machen“, so Dr. Sigrid Wuttke, UV-Expertin am Alfred-Wegener-Institut.

Kinder kreisen als eiskalter Polarwirbel über die Bühne

 

Die tänzerische Leitung des Projektes liegt bei der Diplom-Tanzpädagogin Claudia Hanfgarn. Sie ist Preisträgerin des Schulkooperationswettbewerbs „Kinder zum Olymp!“ 2005 der Kulturstiftung der Länder in Zusammenarbeit mit dem Max Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin sowie der Bundeszentrale für politische Bildung. Das Ozontanzprojekt ist eines von drei geförderten Tanzprojekten der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung im Rahmen des Themenateliers kulturelle Bildung. Weitere Informationen zu diesem Themenatelier finden Sie unter www.ganztaegig-lernen.org/www/web331.aspx.
Eintrittskarten für die Veranstaltungen in Bremerhaven sind im Vorverkauf beim Pförtner des Alfred-Wegener-Instituts, Gebäude Columbusstraße erhältlich. In Potsdam gibt es die Karten in der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts auf dem Telegrafenberg bei Frau Gabriela Schlaffer (Gebäude A43) oder telefonisch unter 0331/288-2100. An allen vier Terminen gibt es auch eine Abendkasse.

Hinweis an Redaktionen: Die Generalprobe, zu der Sie herzlich eingeladen sind, findet am Dienstag, 27.6., um 18 Uhr im Alfred-Wegener-Institut, Columbusstraße, statt. Für weitere Informationen steht Ihnen Dr. Jens Kube (Tel. 0471/4831-2007, E-Mail: jkube@awi-bremerhaven.de) zur Verfügung. Für organisatorische Anfragen zur Aufführung in Potsdam am 4. Juli wenden Sie sich bitte an Dr. Susanne Diederich (Tel. 0471/4831-1376 oder ab 3. Juli 0160-90554944).

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

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Ozontanz

Menschen werden durch das Ozonloch krank. Die Einstiegsszene des Ozonanz.

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Ozontanz

Der atmosphärische Polarwirbel bildet sich.

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Ozontanz

Tanzpädagogin Claudia Hanfgarn inmitten der Schülerinnen, die sich gleich in ein Ozonloch verwandeln.

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23. Juni 2006: Deutsch-französische Kooperation verlängert

Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und das Institut Français de Recherche pour l’Exploitation de la MER (Ifremer) verlängern am 28. Juni im Beisein des französischen Forschungsministers in Paris ihre vertraglich geregelte Zusammenarbeit um weitere fünf Jahre. Seit annährend einem Jahrzehnt kooperieren die beiden Institute intensiv. Die Zusammenarbeit konzentrierte sich in den letzten Jahren auf die Tiefseeforschung, unbemannte Unterwasserfahrzeuge und Meerestechnik. Ein neues virtuelles Institut soll die Kompetenzen in diesem Bereich stärken und weiter ausbauen.

 

Deutsch-französische Zusammenarbeit
Die Kooperation zwischen dem Alfred-Wegener-Institut und dem Institut Français de Recherche pour l’Exploitation de la Mer (Ifremer) wurde im Jahre 2001 durch die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding (MoU) besiegelt. In diesem Schriftstück wurden wichtige Schlüsselbereiche der Zusammenarbeit festgelegt und jährliche Treffen auf Leitungsebene vereinbart. Es soll am 28. Juni 2006 im Beisein des französischen Forschungsministers in Paris fortgeschrieben werden. Wichtiger Motor der beiderseitigen Bemühungen war die Überzeugung, dass Großgeräte der marinen Grundlagenforschung gemeinsam effizienter genutzt werden müssen. Der Einsatz des ferngelenkten Unterwasserfahrzeugs „Victor 6000“ des Ifremer auf dem Forschungseisbrecher Polarstern, Flaggschiff des Alfred-Wegener-Instituts, eröffnete auch für Wissenschaftler anderer europäischer Staaten neue Forschungsmöglichkeiten, da AWI und Ifremer ihre Infrastruktur während mehrerer großer Expeditionen in den Dienst europäischer Kooperationen stellten. Mit der vertraglich geregelten finanziellen Beteiligung des Alfred-Wegener-Instituts an der Entwicklung einer neuen Geräte- und Sensorbaugruppe für den „Victor 6000“ wurde die Zusammenarbeit weiter gefestigt. Inzwischen werden die Unterwasserfahrzeuge und -geräte des jeweils anderen Partners auf den eigenen Forschungsschiffen eingesetzt. So kamen im Jahr 2005 beispielsweise ein autonomer Tauchroboter des Ifremer auf FS „Heincke“ zum Einsatz und ein vergleichbares Fahrzeug des Alfred-Wegener-Instituts in der Barentssee auf der französischen “Atalante“.

 

Länderübergreifendes virtuelles Institut
Die beiden Institute ergänzen sich im Bereich Unterwassertechnologie hervorragend. Die teure Infrastruktur kann durch eine enge Zusammenarbeit und Zusammenführung der zuständigen Abteilungen beider Institute effizienter genutzt und weiterentwickelt werden. So entsteht ein für Europa unvergleichliches Kompetenzspektrum. Die einander ergänzenden inhaltlichen Schwerpunkte der Forschungsprogramme beider Institute, sowie das gemeinsame Auftreten von AWI und Ifremer in europäischen Verbundprojekten sind weitere Motive für die Gründung eines virtuellen Instituts („Virtual Institute of Underwater Systems and Technologies“). Dessen Aufgaben sind vor allem die Optimierung und Entwicklung von Unterwassergeräten, die Ausbildung von Studenten aus ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studiengängen, sowie die Kooperation mit der maritimen Industrie.

 

Schwestersystem zu „Victor 6000“
Ein nächster Schritt ist der Bau eines Schwestersystems zu „Victor 6000“. Das Gerät wird in Bremerhaven beheimatet sein, im Sinne der Kooperation allerdings auch auf französischen Schiffen für Forschungsvorhaben des Ifremer und anderer französischer Institute zur Verfügung stehen. Das Schwestersystem “Victoria 4000“ soll in wesentlichen Komponenten kompatibel zu „Victor 6000“ sein. Alle bereits existierenden und künftig angedachten Instrumente sollen zwischen beiden Systemen austauschbar sein. Das Gleiche gilt für die bereits entwickelte Software, mit der die enormen Datenmengen, die beim Unterwassereinsatz anfallen, bearbeitet und ausgewertet werden können. Es soll nicht nur das Gesamtgewicht des Systems verringert werden, sondern insbesondere der neueste Stand der Technik in „Victoria 4000“ einfließen, so dass im weltweiten Vergleich ein System der nächsten Generation entsteht. Der Finanzbedarf für die Fertigstellung von „Victoria 4000“ wird mit mindestens fünf Millionen Euro veranschlagt. Bei einer Auslastung von circa acht Monaten pro Jahr auf See - je zur Hälfte von AWI und Ifremer - und einer Betriebsmannschaft in der Größenordnung von sieben Ingenieuren fallen jährliche Personalmittel in Höhe von ca. 300.000 Euro an.

Bremerhaven, den 23. Juni 2006

Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner ist Dr. Michael Klages (Tel. 0471/4831-1302, E-Mail: mklages@awi-bremerhaven.de). Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471/4831-1742; E-Mail: adummerm@awi-bremerhaven.de). Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter www.awi-bremerhaven.de/AWI/Presse/PM/index-d.html.

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Victor 6000

Victor6000, ein unbemanntes Unterwasserfahrzeug, beim Einsatz.

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Polarstern

Polarstern, das Flaggschiff des Alfred-Wegener-Instituts auf Forschungsreise.

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Unterwasserfahrzeug Victor 6000

Victor6000 wird für den Einsatz auf Polarstern vorbereitet.

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15. Juni 2006: Letzte weiße Flecken auf den Meereskarten

Vertreter aus 17 Nationen nehmen vom 14. bis 23. Juni an der 23. Jahrestagung von GEBCO (GEBCO=General Bathymetric Chart of the Oceans)in Bremerhaven teil. Inhalt dieser Tagung ist eine neue Ausgabe der topographischen Weltkarte des Meeresbodens. Meereskarten sind die Basis für nahezu alle meereswissenschaftlichen Forschungsarbeiten. Aktuelle Anwendung finden diese hochgenauen Karten zum Beispiel in den Frühwarnsystemen für Tsunami-gefährdete Gebiete.

Die Vermessung des Meeresbodens ist essentiell
„Die Rückseite des Mondes ist besser vermessen als der Meeresboden“, sagt Dr. Hans-Werner-Schenke vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung „Karten und digitale Daten der Meeresbodentopographie werden als Basis für nahezu alle meereswissenschaftlichen Forschungsarbeiten benötigt“, so Schenke , der lokaler Organisator der Tagung ist. Die Modellierung und Interpretation physikalischer, chemischer und biologischer Prozesse am Meeresboden wie auch die Herstellung thematischer Karten können nur auf der Basis digitaler Geländemodelle oder ihrer Ableitungen (Karten, 3-dimensionale Ansichten, usw.) sinnvoll durchgeführt werden. Das Forschungsschiff Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts hat in den vergangenen 23 Jahren dafür gesorgt, dass die weißen Flecken auf den GEBCO-Karten nahezu verschwunden sind. Hierzu wurde hauptsächlich das eisverstärkte Fächerecholot ATLAS-Hydrosweep eingesetzt. Die größte bathymetrische Fächersonar-Datenbank der Polargebiete ist am Alfred-Wegener-Institut beheimatet und trägt zur ständigen Erneuerung der GEBCO-Karten bei.

Meereskarten
GEBCO, die General Bathymetric Chart of the Oceans, wurde im Jahre 1903 als erstes globales Kartenwerk der Topographie des Meeresbodens von dem Biologen und Ozeanographen Prinz Albert I von Monaco und anderen namhaften Wissenschaftlern, wie Fritjof Nansen und Otto Krümmel, ins Leben gerufen. Die wissenschaftliche und technische Bearbeitung des Kartenwerkes wird heute von internationalen Spezialisten der Hydrographie, Ozeanographie, Bathymetrie und Nomenklatur fortgeführt. Die Arbeit am Kartenwerk steht unter der Schirmherrschaft der International Hydrographic Organization (IHO) und der International Oceanographic Commission (IOC) der UNESCO. Die Arbeitsgruppen befassen sich mit der Datenerhebung, Modellierung und Herstellung von Meereskarten, sowie mit der Vergabe von Namen und Bezeichnungen untermeerischer Strukturen wie Tiefseegebirge, Tiefseegräben, Vulkane und Täler.

Die Sitzungen finden in den Räumen des Deutschen Schiffahrtsmuseums statt und sind zum größten Teil öffentlich.
Die Tagung wird von zwei themenbezogenen Ausstellungen im Schiffahrtsmuseum begleitet:
1. Das Echolot – Die Tiefe hören (http://www.dsm.de/3pre0614.htm)
2. Otto Krümmel, Pionier der Ozeanographie und sein Beitrag zur GEBCO-Karte

Namensgebung untermeerischer Täler und Vulkane
Vom 21. bis 23. Juni trifft sich unter der Leitung von Dr. Schenke ein zwölfköpfiges Gremium aus Geophysikern, Geographen und Ozeanographen. Dieses Gremium ist für die Namensvergabe unterseeischer Gebiete zuständig. Nach Überprüfung und Diskussion von international eingereichten Namensvorschlägen wird das Gremium eine Entscheidung treffen, ob ein Eintrag des Namens in die globale Datenbank erfolgen soll. Die Sitzung findet starke internationale Beachtung, da die Vergabe von Namen unterseeischer Bodenformen auch in Zusammenhang mit der internationalen Seerechtskonvention gesehen werden kann.

Weitere Informationen zur Tagung, inklusive Programm und Agenda der einzelnen Gruppen finden Sie unter www.gebco.de

Bremerhaven, den 15. Juni 2006

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Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner ist Dr. Hans-Werner Schenke (Tel. 0471/4831-1222, E-Mail: hschenke@awi-bremerhaven.de). Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471/4831-1742; E-Mail: adummerm@awi-bremerhaven.de).

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3-dimensionales Bild der Framstraße zwischen Spitzbergen und Grönland.

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GEBCO2 w

Die neuste Weltkarte der Land- und Ozeantopographie.

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7. Juni 2006: Frühlingserwachen im Aquarium

Das Seewolfpärchen des Helgoländer Aquariums hat Nachwuchs bekommen! Die vier kleinen Seewölfe werden am 10. Juni beim GEO-Tag der Artenvielfalt erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert. Fortpflanzungserfolge bei diesen mit Furcht erregenden Zähnen ausgestatteten Fischen sind in Gefangenschaft nur selten zu beobachten.

Das Seewolfpärchen, das schon seit vier Jahren im Aquarium der Biologischen Anstalt Helgoland seine Runden dreht, hat erstmals für Nachwuchs gesorgt. Bereits Anfang November 2005 hatte das Weibchen die befruchteten Eier in der gemeinsam bewohnten Höhle abgelegt. Von da an war es von weiteren Mutterpflichten befreit und wurde energisch aus der Wohnhöhle vertrieben. Bei diesen Tieren sind nicht die Weibchen, sondern die Männchen für die Brutpflege zuständig. Es formt aus der Eimasse einen circa handballgroßen Eiballen, den er die folgenden 130 Tage hegt und pflegt. Während der gesamten Brutpflege nimmt das Männchen keine Nahrung auf und ist ständig damit beschäftigt, dem Gelege frisches Wasser zuzufächeln. Diese strenge Diät gewährleistet die uneingeschränkte Aufmerksamkeit für die Brut und stellt zudem sicher, dass der sich räuberisch ernährende Vater nicht auf den „Geschmack“ kommt und den eigenen Nachwuchs auffrisst.

Geburtshilfe durch Beißen
Über 2000 etwa zwei Zentimeter große Fischlarven sind nach rund vier Monaten im März 2006 geschlüpft. „Das Männchen wurde wenige Tage vor dem Schlupf zunehmend ungeduldiger und schien durch leichtes Zubeißen und Bewegen des Eiballens den entscheidenden Schlupfimpuls geben zu wollen“, so Stefan Leusmann, Leiter des Aquariums. Angelockt vom ungewöhnlichen Verhalten des Männchens näherte sich auch das Weibchen immer häufiger und beobachtete neugierig das Treiben im Nest. Da es sich um die erste Seewolfnachzucht im Helgoländer Aquarium handelte, mussten die optimalen Aufzuchtbedingungen erst einmal ermittelt werden. „Eine zu hohe Wassertemperatur führte zu sehr hohen Sterblichkeiten in den ersten drei Wochen“, berichtet der Biologe Leusmann. Inzwischen sind noch vier der vormals rund 2000 kleinen Seewölfe am Leben. Die überlebenden Jungwölfe sind jedoch mittlerweile 5 cm groß und kräftig und werden beim GEO-Tag der Artenvielfalt am 10. Juni zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert! Das Aquarium der Biologischen Anstalt Helgoland, die seit 1998 zum Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung gehört, kann an diesem Tag ab 10 Uhr bei freiem Eintritt besichtigt werden.

Freier Eintritt ins Aquarium am 10. Juni
„Artenvielfalt an Küsten, Ufern und im Wasser“ lautet das Thema des 8. GEO-Tages der Artenvielfalt, der am Samstag, den 10. Juni an der Nordsee stattfindet. Projektpartner der diesjährigen Veranstaltung ist das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. In einer 24-stündigen Bestandsaufnahme werden über 80 Expertinnen und Experten das Helgoländer Felswatt, Wattenmeer- und Küstenbereiche auf Sylt und bei Bremerhaven, sowie die offene Nordsee unter die Lupe nehmen. Die Tier- und Pflanzenarten in diesen einzigartigen Lebensräumen werden zu Fuß wie auch von Bord der Forschungsschiffe des Alfred-Wegener-Instituts erkundet. Mit dem Projekt möchten das Magazin GEO und das Alfred-Wegener-Institut die Bedeutung des Artenschutzes in Küstengebieten hervorheben und Menschen für die Natur vor ihrer Haustür begeistern.

Bremerhaven, den 07. Juni 2006

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Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner ist Stefan Leusmann (Tel. 04725/819 228; E-Mail: sleusmann@awi-bremerhaven.de). Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Susanne Diederich (Tel: 0471/4831 1376; E-Mail: sdiederich@awi-bremerhaven.de).

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Seewolf

Seewolfeltern: Rechts im Bild ist das Männchen zu sehen, das sich um den Eiballen gelegt hat; links im Bild das neugierige Weibchen

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Seewolf

Frisch geschlüpfte Seewolflarven

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Seewolf

2 Monate alter Seewolf; Länge circa 5 Zentimeter

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1. Juni 2006: Klimapuzzle Arktischer Ozean

Die Klimageschichte der Nordpolarregion konnte erstmals anhand eines arktischen Bohrkerns rekonstruiert werden. Absolut neu und überraschend ist, dass sich die Arktis wesentlich früher abgekühlt hat, als bisher angenommen. In der Bohrung auf dem Lomonosow-Rücken hat man eistransportiertes Material in Ablagerungen gefunden, die 45 Millionen Jahre alt sind. Erste Teile der Antarktis begannen ebenfalls vor rund 43 Millionen Jahren zu vereisen. Die Wissenschaftler leiten daraus ab, dass die Abkühlung der Erde seit etwa 50 Millionen Jahren durch entsprechende Prozesse an beiden Polen gesteuert wurde. Die unter Mitarbeit von Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven gewonnenen Erkenntnisse wurden jetzt im Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlicht.

Die bisherige Rekonstruktion der Langzeit-Klimageschichte der Erde beruht überwiegend auf geologischen Informationen aus nicht-polaren Breiten. Aufgrund der logistischen Herausforderungen waren entsprechende Archive aus den polaren Gebieten nur schwer zu gewinnen. Im Spätsommer 2004 wurden drei Eisbrecher eingesetzt, um einen 400 Meter langen Sedimentkern vom dem in der zentralen Arktis gelegenen Lomonosow-Rücken zu erhalten.

Arktis und Antarktis kühlten gleichzeitig ab
Bereits vor dieser Tiefbohrung war bekannt, dass sich die Erde vor 100 Millionen Jahren abzukühlen begann. Die vorhandenen Klimadaten suggerierten, dass die Abkühlung durch die Vereisung in der Antarktis gesteuert wurde. Die Arktis kühlte nach diesem Modell erst sehr viel später vor rund zehn Millionen Jahren ab. In der Bohrung auf dem Lomonosow-Rücken fand sich eistransportiertes Material in Ablagerungen, die 45 Millionen Jahre alt sind. Dies bedeutet, dass Meereis in der Arktis wesentlich früher aufgetreten ist, als bisher angenommen. Erste Teile der Antarktis begannen ebenfalls vor rund 43 Millionen Jahren zu vereisen. Die Autoren leiten daraus ab, dass die Abkühlung der Erde seit etwa 50 Millionen Jahren durch entsprechende Prozesse an beiden Polen gesteuert wurde.

Dieser generelle Abkühlungstrend führte dann zur ersten massiven Vereisung der Antarktis vor ungefähr 14 Millionen Jahren. Aufgrund der globalen Abkühlung vor 3,2 Millionen Jahren begann dann ebenfalls Grönland zu vereisen. Aus der zeitlichen Synchronität der Ereignisse in der Arktis und Antarktis leiten die Autoren ab, dass für die generelle Abkühlung der Erde überwiegend Treibhausgase wie Methan und Kohlendioxyd verantwortlich waren. Die Öffnung von Meeresstrassen, wie die Drake Passage im Süden und die Framstrasse im Norden, hatten offensichtlich einen geringeren Einfluss auf das Weltklima als bisher gedacht.

Tiefbohrung unter schwierigen Bedingungen
Die erste wissenschaftliche Tiefbohrung im arktischen Ozean fand etwa 225 Kilometer vom Nordpol entfernt statt. Meterdicke Packeisrücken und große Treibeisschollen erschwerten die Arbeiten. Voraussetzung für diese Mission waren seismische Daten, die im Jahr 1991 während einer internationalen Arktisexpedition mit den Eisbrechern Polarstern und Oden entlang des Lomonosow-Rückens erhoben wurden. Bisher standen aus dieser Region nur Kurzkerne von weniger als 15 Metern zur Verfügung. „Die in dem 400 Meter langen Bohrkern enthaltenen Sedimente geben Aufschluss über die Klima- und Umweltgeschichte des Arktischen Beckens während der letzten 55 Millionen Jahre“, sagt Prof. Dr. Rüdiger Stein vom Alfred-Wegener-Institut. „Die Kurzkerne lassen keine direkten Aussagen über die längerfristige Klimageschichte zu. Nur anhand des neuen Sedimentkerns können wir den Übergang von einem frühen (alttertiären) eisfreien zu einem eisbedeckten Arktischen Ozean, wie wir ihn heute kennen, erklären.“ Das Verständnis der Ursachen dieser langfristigen Klimaänderungen ist auch von großer Bedeutung, um die aktuell beobachteten Umweltveränderungen in der Arktis zu verstehen.

Vor 55 Millionen Jahren noch tropische Temperaturen
Bis zur Tiefbohrung in der Arktis war auch unbekannt, ob das Klima in der Nordpolarregion vor etwa 55 Millionen Jahren erheblich wärmer war als heute., wie es Untersuchungen aus nicht-polaren Regionen für das globale Klima zeigten. Aus den arktischen Sedimenten lässt sich ablesen, dass in diesem Zeitraum etwa 50 Prozent des heutigen arktischen Ozeans noch nicht existierte und die Wassertemperaturen bei maximal 24 Grad Celsius lagen. Vor und nach diesem Klimaoptimum lagen die Wassertemperaturen in der Arktis nur bei 18 Grad Celsius.

Integrated Ocean Drilling Programm - IODP
Die Bohrkampagne wurde im Rahmen des internationalen Bohrprogramms „Integrated Ocean Drilling Program - IODP“ durchgeführt. Die wissenschaftliche Leitung dieser Expedition lag bei Prof. Jan Backman von der Universität Stockholm und Prof. Kate Moran von Rhodes Island.

Mehr Informationen zum IODP finden Sie unter www.bgr.de/iodp/home.htm oder auf den internationalen Seiten www.iodp.org/

Referenz: K. Moran et al., The Cenozoic palaeoenvironment of the Arctic Ocean, Nature vom 1.06.2006. Bremerhaven, den 1. Juni 2006

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Meereis

Meereis im arktischen Ozean

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Polarstern

Von Polarstern ermittelte seismische Daten halfen bei der Vorbereitung der Tiefbohrung.

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22. Mai 2006: Grünes Licht für neues Forschungsschiff Aurora Borealis

Der Deutsche Wissenschaftsrat sprach heute die Empfehlung aus, den Bau des neuen Forschungsschiffs Aurora Borealis voranzutreiben. Der als europäisches Gemeinschaftsprojekt geplante Forschungseisbrecher soll neben modernster Ausrüstung auch einen Bohrturm erhalten. Das Schiff ist vor allem für den Einsatz in der Arktis vorgesehen und kann als erstes seiner Art auch im Winter im zentralen Nordpolarmeer arbeiten.

 

„Aurora Borealis ist für die Forschung wichtig, da sie im Gegensatz zu den bisher verfügbaren Forschungseisbrechern eine neuartige Tiefseebohranlage erhalten wird und in den ungünstigen Jahreszeiten unter extremsten Wetterbedingungen im zentralen Nordpolarmeer arbeiten kann“, erklärt Prof. Jörn Thiede, Direktor des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, der seit Jahren unermüdlich für das Projekt wirbt. „Damit können Sedimente aus bis zu 4000 Metern Tiefe und sogar unter einer geschlossenen Eisdecke gewonnen werden.“ Die bisher unerforschten Sedimentablagerungen tief unter dem Boden des Arktischen Ozeans sind ein Schlüssel zum Verständnis der Klimageschichte der Region und ihrer Auswirkungen auf die globale Umwelt über Millionen von Jahren. In der Arktis ist der globale Klimawandel besonders stark zu spüren. Innerhalb der vergangenen Jahrzehnte hat sich die Jahresdurchschnittstemperatur dort stark erhöht. Gletscher fließen schneller ab als bisher beobachtet und Dauerfrostböden tauen auf. Aurora Borealis soll dazu beitragen, diese Prozesse besser zu verstehen und in einen globalen Zusammenhang einzuordnen.

Grünes Licht für effizientere Forschung
Nachdem der Wissenschaftsrat im Jahr 2002 noch keine Empfehlung geben mochte, gab die zweite Runde nun grünes Licht für das 350 Millionen Euro teure Projekt. Die Wissenschaftler hoffen auf eine baldige Einigung der beteiligten Länder für die Finanzierung und Realisierung des Projektes.

 

Aurora Borealis wird einen effizienteren Einsatz der deutschen Forschungsflotte in den Polarmeeren ermöglichen. Die erst in diesem Jahr an die Wissenschaft übergebene Eisrandschiff Maria S. Merian wird ebenfalls vorwiegend in der Arktis eingesetzt, verfügt allerdings weder über die spezielle Bohrausrüstung noch die Eisgängigkeit der Aurora Borealis. Der derzeit noch modernste Forschungseisbrecher Polarstern ist wechselweise in Arktis und Antarktis im Einsatz. Er könnte nach Indienststellung von Aurora Borealis schwerpunktmäßig in der Antarktis eingesetzt werden und kosten- und zeitaufwändiges Pendeln vermeiden.

Modernstes und innovativstes Forschungsschiff
Das auffälligste Merkmal von Aurora Borealis ist der Bohrturm. Der Bohrapparat wird dabei mittschiffs durch eine Moonpool genannte Öffnung im Rumpf des Schiffes abgelassen. Ein Hiev-Kompensations-System sorgt für Stabilität während der Bergung der Bohrkerne. Durch „slow-motion ice-breaking“ genanntes seitliches Eisbrechen kann sie in eisbedecktem Wasser präzise ihre Position halten. Während der Fahrt durchbricht Aurora Borealis mit einer Geschwindigkeit von 2 bis 3 Knoten eine geschlossene Meereisdecke von bis zu zweieinhalb Metern Dicke frontal.
Zu den Hauptaufgaben des neuen Schiffes zählen neben der Entnahme von Sedimentkernen auch biologische und ozeanographische Untersuchungen insbesondere auch unter Winterbedingungen. Ein zweiter Moonpool ermöglicht den Einsatz von autonomen und ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugen.

Technische Daten
- Länge zw. den Loten: 178 m
- Breite (Hauptdeck): 40 m
- Tiefgang: 10,2 m
- Seitenhöhe bis Hauptdeck: 20,5 m
- Höchstgeschwindigkeit: 15 kn
- Fahrtgeschwindigkeit: 12 kn
- Max. Expeditionsdauer: 60 Tage
- Personal (Crew/Wissenschaft): 120
- Maschinenleistung: 50 MW
- Ladekapazität: 100 Container

Bremerhaven, den 22. Mai 2006

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Aurora Borealis

Seitenansicht von Aurora Borealis.

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Aurora Borealis

Übersicht über Bau und Einsatzplanungen nach bewilligter Finanzierung.

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Aurora Borealis

Querschnitt durch Aurora Borealis in Höhe des Bohrturms.

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Aurora Borealis

Aufsicht auf das Maschinendeck von Aurora Borealis.

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16. Mai 2006: Grönländische Sonderbriefmarke Alfred Wegener

Am 22. Mai wird im Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung eine Sonderbriefmarke der Grönländischen Post vorgestellt. Die Sonderbriefmarke mit Motiv Alfred Wegener erinnert an die Grönlandexpeditionen des berühmten deutschen Polarforschers Alfred Wegener.

Die Grönländische Post

 

Die Postgeschichte Grönlands ist eng mit dem Mutterland Dänemark verbunden. Rund 50 Jahre nach der Besiedlung Grönlands durch Europäer erhielt im Jahre 1774 die staatlich kontrollierte Den Kongelige Grønlanske Handel (KGH) das Monopol für den Postverkehr. Aber erst im Jahre 1905 wurden mit drei verschiedenen Paketportomarken die ersten einheitlich für Grönland geltenden Briefmarken herausgegeben. Die in Dänemark hergestellten Marken zeigen den stehenden Eisbären, das Wappen Grönlands, als zentrales Motiv. 1938 kam es zur Übernahme des gesamten Postverkehrs Grönlands durch die Königliche Dänische Post. Die ersten Marken zeigten den dänischen König Christian X, anstatt der von den Grönländern vorgeschlagenen Motive. Erst 2001 wurden diese Motive - Nordlichter, Seehund und Eisbär - veröffentlicht. Die grönländische Post gibt im Durchschnitt 15 Briefmarken pro Jahr neu heraus. Im Laufe der Jahre entstanden verschiedene Serien zu Blumen, Schmetterlingen, Walen, dem kulturellen Erbe – und zu berühmten Expeditionen.

Deutsche Grönlandexpedition Alfred Wegener 1930

 

Am 1. April 1930 startete die „Deutsche Grönland-Expedition Alfred Wegener“ mit vierzehn Teilnehmern in Kopenhagen unter Leitung Wegeners. Unter Zeitdruck wurden drei Landstationen entlang des 72sten Breitengrades errichtet, in denen ein Jahr lang geophysikalische und meteorologische Messungen durchgeführt werden sollten. Besonders Aufbau und Versorgung der zentral gelegenen Station „Eismitte“ erwiesen sich als schwierig, da die modernen Propellerschlitten bei den herrschenden Schneebedingungen kaum einsetzbar waren. In einer Rettungsaktion unter Leitung Wegeners wurden Ausrüstung und Material bei tiefem Neuschnee und Temperaturen bis minus 54 Grad Celsius über 400 Kilometer mit Hundeschlitten transportiert. Bei der Rückkehr starben Alfred Wegener und sein grönländischer Begleiter Rasmus Villumsen im Eis. Wegeners Bruder Kurt führte die Expedition zu Ende, die Ermittlung der Dicke des 2700 Meter mächtigen grönländischen Eisschildes war einer der wissenschaftlichen Erfolge. Alfred Wegener ist in die Geschichte als einer der bedeutendsten deutschen Polarforscher und Geowissenschaftler eingegangen. Sein Ruhm gründet vor allem auf der Theorie der Kontinentalverschiebung, die er mitbegründet und bekannt gemacht hat.

Wegeners Erbe

 

Die wissenschaftlichen Erben Wegeners führen dessen Ideen und Forschungsinteressen am Alfred-Wegener-Institut fort. In den Gewässern um Grönland nimmt der Forschungseisbrecher Polarstern regelmäßig physikalische, chemische, geologische und biologische Messungen vor. Eisbohrungen finden in der Arktis wie auch in der Antarktis statt, die dabei gewonnenen Eiskerne ermöglichen die Rekonstruktion historischer Klimaveränderungen. Auch wenn die Technik seit Alfred Wegeners Expeditionen deutliche Fortschritte gemacht hat, erschweren die extremen Umweltbedingungen auch heute noch die Erforschung der Polargebiete und stellen eine Herausforderung an Menschen und Geräte dar.

Präsentation im Alfred-Wegener-Institut
Am 22. Mai präsentieren Vertreter der grönländischen Post ab 11:30 Uhr im Foyer des Institutsgebäudes am Handelshafen 12 die Sonderbriefmarke Alfred Wegener. Ein Vortrag über den Forscher von Prof. Jörn Thiede, Direktor des Alfred-Wegener-Instituts, sowie Filmausschnitte von der Grönlandexpedition Wegeners von 1930 veranschaulichen die historische Bedeutung. Weitere Highlights der Veranstaltung sind Stempel, Briefumschläge, Blocks und Sondermappen mit Motiven um die Deutsche Grönlandexpedition Alfred Wegener von der Deutschen und Grönländischen Post. Bis 17:00 Uhr ist auch der Erwerb der Sondermarke möglich.

Bremerhaven, den 16. Mai 2006

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Briefmarke

Grönländische Sonderbriefmarke zu Ehren Alfred Wegeners

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Gustav Holm

Entladung der „Gustav Holm“. Der Aufstieg auf das am Rande 1000 Meter hohe Inlandeis erwies sich als schwierig

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Propeller Schlitten

Die extra aus Deutschland mitgebrachten Propellerschlitten konnten unter den extremen Witterungsbedingungen die Erwartung nicht erfüllen.

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Alfred Wegener

Der Polarforscher, Meteorologe und Begründer der Theorie der Kontinentaldrift ist Namensgeber des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung.

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Sonderstempel

Sonderstempel zur Herausgabe der Sonderbriefmarke.

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15. Mai 2006: Alfred-Wegener-Institut kooperiert mit Universität in Bergen

Am 15. Mai 2006 haben das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und die Universität in Bergen (Norwegen) eine Kooperationsvereinbarung für künftige Forschungsprojekte in den Polarregionen unterzeichnet.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und Forscher der Bereiche Meeres-, Klima- und Polarforschung an der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bergen werden ihre Zusammenarbeit in Zukunft intensivieren. Dazu sind beide Institutionen heute eine Kooperationsvereinbarung eingegangen.

http://www.awi.de/AWI/Presse/PM/pm06-1.hj/pics/060515AWI-UiB_2-w.jpg

 

Die Vereinbarung beinhaltet die Einrichtung von gemeinsamen Forschungsprojekten, den Gebrauch wissenschaftlicher Ausrüstung, Austausch von Personal und Daten und strategische Forschungsplanung. Besonders ozeanographische und geophysikalische Fragestellungen werden im Mittelpunkt der künftigen Zusammenarbeit stehen.

"Wir greifen mit der Zusammenarbeit mit Bergen eine lange Tradition auf. Schon die erste deutsche Nordpolarexpedition von 1868 unter Kapitän Koldewey ist von Bergen aus aufgebrochen", so Prof. Dr. Jörn Thiede, Direktor des Alfred-Wegener-Instituts.

 

Die Vereinbarung wurde vom Direktor des Alfred-Wegener-Instituts und dem Rektor der Universität in Bergen, Prof. Dr. Sigmund Grønmo, gemeinsam mit dem Dekan der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fachbereiche, Hans Petter Sejrup, heute in Bergen unterzeichnet.


Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, der Antarktis und in den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Bremerhaven, den 15. Mai 2006 Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Alfred-Wegener-Instituts: Dr. Jens Kube, Tel. 0471-4831-2007, E-Mail jkube@awi-bremerhaven.de.

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Direktoren

Der Rektor der Universität in Bergen, Prof. Dr. Sigmund Grønmo, und der Direktor des Alfred-Wegener-Instituts, Prof. Dr. Jörn Thiede, unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung.

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Bergen

Die Universitätsstadt Bergen: Durch eine Kooperationsvereinbarung mit dem Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven eng verbunden.

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11. Mai 2006: Rekordluftverschmutzung über der Arktis

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung beobachteten in der vergangenen Woche die höchste Luftverschmutzung seit Beginn der Messungen in Ny-Ålesund auf Spitzbergen. Die Messgeräte zeigten eine gegenüber normalen Bedingungen extrem erhöhte Aerosolbelastung. Durch eine besondere Großwetterlage Anfang Mai erreichten große Aerosolmengen aus Osteuropa die Atmosphäre über Spitzbergen.

 



Hohe Konzentration von Aerosolen und Ozon
Die sonst klare Luft über der deutsch-französischen AWIPEV-Forschungsbasis in Ny-Ålesund auf Spitzbergen war deutlich orange-braun gefärbt. Die Werte der deutschen Gruppe bestätigend maßen schwedische Kollegen aus dem Institut für angewandte Umweltwissenschaften (ITM) in Ny-Ålesund bis zu fünfzig Mikrogramm Aerosol pro Kubikmeter Luft – ein Wert, der sonst an belebten Straßen in Stadtgebieten erreicht wird. Parallel verkündete das Norwegische Institut für Luftforschung (NILU) extrem hohe Konzentrationen von Ozon in Bodennähe. Mit über 160 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter wurde der höchste Wert seit Einrichtung der Station im Jahre 1989 ermittelt.

Orange brauner Dunst in der Arktis
Ursache für den diesjährigen Luftverschmutzungs-Rekord ist eine besondere Wetterlage. Dadurch gelangten große Mengen der verschmutzten Luft aus Osteuropa in die sonst sehr saubere Arktis. Eine erhöhte Aerosolkonzentration wurde auch in den vergangenen Jahren jeweils im Frühjahr über der Arktis registriert. Dieses als „Arctic Haze“ bezeichnete Phänomen war allerdings in diesem Jahr so stark wie noch nie ausgeprägt.
Aerosole sind kleine Partikel in der Atmosphäre. Sie können flüssig oder fest sein und dienen als Kondensationskeime für die Wolkenbildung. Weiterhin können sie das Sonnenlicht streuen oder absorbieren. Diese Eigenschaften machen Sie zu wichtigen Einflussfaktoren für das Klimasystem. „Die aktuelle Luftverschmutzung liegt um das Zweieinhalbfache über den Werten vom Frühjahr 2000. Als Folge erwarten wir eine deutlich höhere Erwärmung“, erläutert Dr. Andreas Herber vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.

Seit 1991 messen Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts regelmäßig die Aerosolmenge in der Atmosphäre über Spitzbergen. In den letzten Jahren durchgeführte Messungen mit den Flugzeugen des Alfred-Wegener-Instituts dienen der weiteren Erforschung der Klimawirkung von Aerosolen. „Ob wir hier den Beginn eines Trends sehen, können wir erst durch die Fortsetzung der begonnenen Messungen erkennen“, meint Andreas Herber. Nun untersuchen die Wissenschaftler genauer den Ursprung und die chemische Zusammensetzung der Aerosole.

Die AWIPEV-Forschungsbasis in Ny-Ålesund wird gemeinsam vom deutschen Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und dem französischen Institut Polaire Paul Emile Victor (IPEV) betrieben. Es besteht aus der deutschen Koldewey- und der französischen Rabot-Forschungsstation.

Bremerhaven, den 11. Mai 2006


Ansprechpartner: Dr. Andreas Herber (E-Mail: aherber@awi-bremerhaven.de)

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Spitzbergen

Dunst über Spitzbergen. Links (2. Mai 2006) ist deutlich die Verfärbung der unteren Atmosphäre zu erkennen. Am 8. Mai (rechts) ist die verschmutzte Luftschicht verschwunden.

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Höhenprofil Lichtschwächung

Vorläufiges Höhenprofil der Lichtschwächung (Extinktion) als Folge von Absorption und Streuung durch die Aerosole. Deutlich zu sehen ist die dichte Aerosolwolke, die praktisch in Bodennähe beginnt und bis in 2000 Meter Höhe reicht (rot). Zum Vergleich sind die Höhenschnitte für saubere Luft (blau) und für ein Arctic-Haze-Ereignis im Jahr 2000 eingezeichnet (orange).

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Optische Dicke

Vergleich der optischen Dicke der Aerosolschicht, als Maß für die Gesamtbelastung der Atmosphäre mit Aerosolen. Deutlich zu sehen ist die 7 fache erhöhte Aerosolbelastung am 2. Mai 2006 (rot) gegenüber sauberer Luft (blau) sowie für ein Arctic-Haze-Ereignis im Jahr 2000 eingezeichnet (orange), jeweils gemessen bei 535 nm.

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19. April 2006: Beschleunigter Rückzug des westantarktischen Eisschildes

Der vierte Fahrtabschnitt der 23. Polarstern-Expedition stand ganz im Zeichen der Erkundung und Vermessung des Kontinentalschelfs der Westantarktis. Insbesondere im Bereich der Pine-Island-Bay sollte geklärt werden, warum Gletscher dort verstärkt abfließen.

 

Erstmals gelang der Zugang zu Bereichen in dieser Bucht, die bis vor wenigen Jahrzehnten noch von Schelfeis bedeckt waren und auch heute nur schwer zugänglich sind. Vermessungen des Meeresbodens im inneren Schelfbereich zeigen erstaunlicherweise pures Gestein. Die fehlenden Ablagerungen von Sedimenten deuten auf den Abtransport durch eine Meeresströmung hin. Erhöhte Temperaturen und Salzgehalte im Tiefenwasser vor der Bucht, sowie vulkanische Aktivitäten, könnten dazu beitragen, dass die Gletscher schneller abfließen und damit den Rückzug des westantarktischen Eisschildes beschleunigen. Ein komplettes Abschmelzen des westantarktischen Eisschildes würde einen Anstieg des Meeresspiegels um fünf Meter zur Folge haben.

Schnelle Gletscherabflüsse in der Pine-Island-Bay

 

In das Gebiet der Pine-Island-Bay fließen mehrere Gletscherströme vom westantarktischen Kontinent, von denen der Pine-Island-Gletscher und der Thwaites-Gletscher die größten sind. Satellitenbilder bestätigen, dass diese Gletscher schneller zum Meer hin abfließen und dort schneller kalben als andere antarktische Gletscher. Seismische Untersuchungen zeigen, dass ein großer Abschnitt der Pine-Island-Bay nahezu frei von Sedimenten ist. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass entweder eine starke Meeresströmung in größerer Tiefe die Sedimente abträgt, oder aber diese Region erst seit kurzem frei von Schelfeisen ist, so dass sich kaum Sedimente ablagern konnten. Die Tiefenströmung ist im Zusammenhang mit der Entwicklung des westantarktischen Eisschildes wichtig. Um sie genauer zu beobachten, wurden Messbojen ausgebracht, die über ein Jahr lang kontinuierlich Messgrößen wie Temperatur, Salzgehalt und Strömungsgeschwindigkeit aufzeichnen.

Schmelzen Vulkane die Gletscher?

 

Ebenso könnten vulkanische Aktivitäten die Temperatur unter dem Eisschild soweit erhöhen, dass die Gletscher schneller abfließen. Um diese Möglichkeit zu prüfen, wurden während der Expedition Vulkankegel auf dem westantarktischen Festland per Helikoptereinsatz erkundet. Die gesammelten Gesteinsproben werden nun in den Laboren analysiert. Sie sollen Antworten auf die Fragen liefern, bis wann diese Vulkane aktiv waren und ob sie zum Abschmelzen des Eises beitrugen.

Gletschertröge, tiefe Rinnen und Fjorde
Seismische Vermessungen der tieferen Gesteinsformationen lassen Rückschlüsse auf den geologischen Unterbau des Kontinentalschelfs zu. Die Art und Weise, wie sich dieser Unterbau im Laufe der Erdgeschichte tektonisch entwickelt hat, trägt dazu bei, wie weit sich das Schelfeis überhaupt ausbreiten konnte und welche Wege es dabei nahm.

Bei der Vermessung des Meeresbodens fanden die Wissenschaftler tiefe Rinnen, so genannte Gletschertröge, die bis zu 1600 Meter unter dem Meeresspiegel liegen. „Das sind die bisher tiefsten glazialen Tröge, die jemals auf dem inneren Kontinentalschelf der Antarktis vermessen wurden“, sagt Dr. Karsten Gohl, Fahrtleiter des vierten Fahrtabschnittes mit Polarstern. „Im Vergleich zur Ostantarktis sind diese Gletschertröge vor den westantarktischen Schelfeisen generell tiefer. Das liegt vermutlich daran, dass die Landoberfläche der Westantarktis unter dem Eisschild wesentlich tiefer liegt, als die der Ostantarktis“, erklärt Karsten Gohl. Während der Eiszeiten lag die Landoberfläche durch die größere Auflast des Eisschildes sogar noch tiefer.
Die mächtigen Gletscher haben diese Tröge so eingefurcht, wie zum Beispiel auch die norwegischen Fjorde entstanden sind. „Die Frage ist allerdings, warum diese Tröge kaum mit Sedimenten oder Gesteinsmaterial aufgefüllt wurden, das von den abfließenden Gletschern transportiert wird. Wir vermuten hier starke Strömungen am Meeresboden“, so Karsten Gohl.
Eine andere Erklärung wäre, dass der Eisschild, der während der letzten Eiszeit bis zum äußeren Kontinentalschelf vorgedrungen ist, das Gebiet der inneren Pine-Island-Bay erst in den letzten wenigen tausenden oder gar hunderten von Jahren freigegeben hat, so dass die Zeit für eine Ablagerung von Sedimenten nicht ausreichte. Ob dieses Szenario stimmt, können die Forscher erst nach genauer Analyse der seismischen Daten und des Probenmaterials der Sedimentkerne aus den Trögen nach Rückkehr an das Alfred-Wegener-Institut nachweisen.

Bremerhaven, den 18. April 2006

Ansprechpartner: Dr. Karsten Gohl (Tel.: 471 4831-1361, E-Mail: kgohl@awi-bremerhaven.de)

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Vulkane

Mündungsgebiet des Pine-Island-Gletschers

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Vulkane

Mount Manthe. Diese aus dem Eis ragenden Bergspitzen heißen Nunataks

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Vulkane

Mount Manthe gehört zu den Hudson Mountains in der Westantarktis.

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Vulkane

Mount Murphy ist ein erloschener Vulkan im Marie-Byrd-Land der Westantarktis.

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Vulkane

Geräteaufbau für GPS-Messungen am Mount Murphy.

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30. März 2006: Internationaler Forschertreff in der Antarktis

Kooperation zwischen Deutschland und Argentinien im Dallmann-Labor in der Antarktis verlängert
Am 5. April 2006 wird auf King George Island in der Antarktis der Folgevertrag über die wissenschaftliche Zusammenarbeit am Dallmann-Labor unterzeichnet. Die Direktoren der beiden Forschungsinstitute, Prof. Dr. Jörn Thiede vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, und Dr. Mariano Memolli von der Direccíon Nacional del Antartico Buenos Aires, verlängern damit die seit zwölf Jahren bestehende Kooperation.

Dallmann-Labor auf King-George-Island

 

Das im Jahre 1994 gegründete Dallmann-Labor ist die erste Forschungseinrichtung mehrerer Nationen in der Antarktis. Es wurde vertraglich eine Zusammenarbeit von Wissenschaftlern aus Deutschland, Argentinien und den Niederlanden vereinbart. In Kooperation mit der argentinischen Station Jubany und deren logistischer Unterstützung schafft das Labor Arbeitsmöglichkeiten für Biologen und Geowissenschaftler. Von Oktober bis März stehen im Dallmann-Labor vierzehn Wohn- und Arbeitsplätze mit insgesamt sieben Laboratorien, einer Werkstatt und einem Lager zur Verfügung. Internetanbindung und modernste Geräte wie eine Stickstoffverflüssigungsanlage zum schonenden Einfrieren von biologischen Proben gehören zur Ausstattung. Eine weitere Besonderheit der Forschungsstation ist die Dekompressionskammer, die den Einsatz von Forschungstauchern nach den strengen deutschen Sicherheitsbestimmungen ermöglicht. Einige Iglu-Hütten ergänzen die Ausstattung. Die gesamten Abwässer der Station Jubany und des Dallmann-Labors werden durch eine vollbiologische Kläranlage gereinigt.

Die Potter Cove

 

Kernpunkt der biologischen Untersuchungen ist die Erforschung des Ökosystems Potter Cove, die Meeresbucht, an der die Forschungsbasis liegt. Mit Hilfe von Forschungstauchern werden die Struktur und Dynamik der Großalgen- und Tiergemeinschaften, sowie die Lebensweise und Physiologie von Schlüsselarten untersucht. Die Untersuchung von Stoffflüssen im Nahrungsnetz erlaubt eine weitergehende Analyse von Struktur und Funktionsweise dieses Ökosystems. Zusammen mit den physiologischen Daten ist eine Vorhersage über zukünftige Veränderungen angesichts globaler Umweltveränderungen möglich. An Großalgen wird in diesem Zusammenhang besonders die Wirkung der verminderten Ozonschicht und dem damit verbundenen Anstieg der ultravioletten Strahlung auf die Primärproduktion und die marine Biosphäre untersucht.

Das Internationale Polarjahr

 

Das Dallmann-Labor wird im Internationalen Polarjahr 2007/08 eine Anlaufstelle für internationale Forschungsprojekte sein. In einem der Projekte sollen die Folgen des globalen Klimawandels untersucht werden. In den letzten 50 Jahren ist die Lufttemperatur im Bereich der Antarktischen Halbinsel stark angestiegen. Ein Schwerpunkt ist dabei der erhöhte Eintrag von Schmelzwasser in marine Küstengemeinschaften der Antarktischen Halbinsel. Die damit verbundene Trübung des Wassers führt zu einer drastischen Verschlechterung der Lichtbedingungen für die Algen. Schlechtere Wachstumsbedingungen für diese Primärproduzenten bedeuten geringere Qualität und Quantität der Nahrung für Zooplankton und bodenlebende Organismen, die wiederum auf das Plankton und dessen Abbauprodukte angewiesen sind. Insgesamt wird mit einer deutlichen Veränderung der Struktur und Funktion des Nahrungsnetzes gerechnet.

Das Dallmann-Labor liegt am nördlichen Ende des untersuchten Profils entlang der Antarktischen Halbinsel. Der hier heute vorliegende Zustand des Ökosystems ist wahrscheinlich exemplarisch, und wird in Zukunft auch in weiter südlich gelegenen Gebieten erwartet werden.

Bremerhaven, den 30. März 2006


Ansprechpartner: Prof. Dr. Christian Wiencke (Tel.: 471 4831-1338, E-Mail: cwiencke@awi-bremerhaven.de)

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Dallmann Labor

Das Dallmann-Labor an der argentinischen Jubany Station liegt an der Potter Cove auf der antarktischen Halbinsel.

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Dallmann Labor

Die im Sommer weitgehend eisfreie Bucht bietet ausgezeichnete Gelegenheiten zur Untersuchung des antarktischen Ökosystems.

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Dallmann Labor

Forschungstaucher auf dem Weg ins Untersuchungsgebiet.

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Dallmann Labor

Der Einsatz von Forschungstauchern in der Antarktis stellt hohe Ansprüche an Mensch und Material.

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Dallmann Labor

Die “Tomate“ genannte Unterkunft schützt Wissenschaftler und ihre Messgeräte vor den harten Wetterbedingungen.

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27. März 2006: Carl Weyprecht (1838-1881) und das Internationale Polarjahr

Die Suche nach der Nordostpassage mündete im Internationalen Polarjahr
Am 29. März jährt sich zum 125. Mal der Todestag Carl Weyprechts. Der Marineoffizier mit wissenschaftlicher Ausbildung leitete im Jahre 1872 die Nordpolexpedition, deren Ziel die Erforschung der Nordostpassage war. Nach dem Verlust seines Schiffes und dem Scheitern der Expedition plädierte er vehement für feste Forschungsstationen in den Polargebieten. „Die arktische Forschung ist für die Kenntnis von den Naturgesetzen von höchster Bedeutung“, schrieb er in seinem Aufsatz zu den „Grundprinzipien der arktischen Forschung“. Seine Thesen führten zur Ausrichtung des ersten Internationalen Polarjahres 1882/1883, dem 1932-1933 und 1957-1958 zwei weitere wissenschaftliche Großveranstaltungen an den Polen folgten. Zur Zeit laufen die Vorbereitungen für das im März 2007 beginnende vierte Internationale Polarjahr.

Ganz aktuell: Eismassenbilanzen

 

Der am 8. September 1838 in Darmstadt geborene Carl Weyprecht war Marineoffizier, Arktisforscher und Geophysiker in österreichisch-ungarischen Diensten. Vor der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften stellte Weyprecht in Wien im Dezember 1871 eine Bilanzbetrachtung zur Eisbedeckung des arktischen Beckens an. Die Betrachtung der Quellen und Senken als Ursache der saisonalen Schwankungen bilden den eigentlichen Gegenstand seiner Ausführungen. Da er die Eisbildungsrate während der sechs Monate des Sommerhalbjahres als vernachlässigbar annahm, den Abfluss der Eismassen als kontinuierlich voraussetzte, kam er zu der Folgerung, dass im Herbst ein schiffbares zentralarktisches Becken existieren müsste. Aufgrund dieser These forderte Weyprecht Schiffsexpeditionen zur Aufsuchung der Zentralarktis und zur Verfolgung der sibirischen Küste.

Auf Suche nach der Nordostpassage
Im Jahr 1871 erfolgte zusammen mit Julius Payer eine erste Expedition in die Barentssee. Die Österreich-Ungarische Nordpolexpedition zur Erforschung der Nordostpassage startete 1872 in Bremerhaven unter der Leitung von Carl Weyprecht und Julius Payer mit der eisgängigen „Admiral Tegetthoff“. Im Laufe dieser Expedition wurde zwar der Franz-Josef-Inseln entdeckt, aber nicht eines der geographischen Ziele erreicht. Nach zwei Überwinterungen musste das Schiff aufgegeben werden. Über das Eis gelang unter Weyprechts Führung die glückliche Rückkehr mit Schlitten und Booten. Wegen des nach Norden driftenden Treibeises dauerte es 90 Tage bis sie die Eisgrenze erreichten. Von dort an konnten die vier mitgeführten Boote genutzt werden.

Grundprinzipien der arktischen Forschung

 

Ab 1875 setzt er sich unnachgiebig dafür ein, zirkumpolare Forschungsstationen einzurichten. Diese sollten die klassischen Polarexpeditionen ablösen. In seiner Schrift „Die Grundprinzipien der Arktischen Forschung“ macht er sich stark für ein systematisches Erforschen der Polargebiete in internationaler Zusammenarbeit. In seinen Thesen vertrat er die starke Bedeutung der Polargebiete für die naturwissenschaftliche Forschung und wies auf die Notwendigkeit koordinierter Beobachtungsreihen hin.

Der Weg zum Internationalen Polarjahr

 

Die Bemühungen Weyprechts fanden erste große Resonanz auf der zweiten internationalen Meteorologen-Konferenz in Rom 1879. Als Folge wurde am 5. Oktober 1879 die Internationale Polarkommission in der Deutschen Seewarte in Hamburg gegründet. Georg von Neumayer, zu der Zeit Direktor der Deutschen Seewarte, wurde Vorsitzender der Kommission. In nur drei Jahren bereitete er den Weg für das erste internationale Polarjahr. Neumayer vertrat erfolgreich die Idee, die Antarktis in das Programm einzubeziehen. Im Jahr nach dem Tod Weyprechts am 29. März 1881 in Michelstadt fand das erste Internationale Polarjahr mit Beteiligung von zwölf Nationen statt. Das bis dahin größte wissenschaftliche Projekt umfasste 15 aufeinander abgestimmte Expeditionen in Arktis und Antarktis.

Im zweiten Polarjahr 50 Jahre später stieg die Anzahl teilnehmender Nationen von 12 auf 67. Im Internationalen Geophysikalischen Jahr 1957 – 1958, der dritten wissenschaftlichen Großveranstaltung in den Polargebieten, waren rund 80.000 Wissenschaftler aus vielen Ländern der Welt vertreten. Ein Resultat war der 1959 abgeschlossene Antarktisvertrag, dem seit 1979 auch die Bundesrepublik Deutschland angehört.

Die deutsche Gesellschaft für Polarforschung verleiht seit 1967 an verdiente Forscher die Carl-Weyprecht-Medaille.

Vom 29. März bis 6. August zeigt das Odenwaldmuseum Michelstadt anlässlich des 125. Todestages von Carl Weyprecht eine von der deutschen Gesellschaft für Polarforschung und der Volkshochschule Odenwald ausgerichtete Sonderausstellung unter dem Motto "Polarforschung gestern - heute - morgen". Am 29. März findet ebenfalls in Michelstadt eine Gedenkveranstaltung mit Vorträgen statt.

Bremerhaven, den 27. März 2006


Ansprechpartner: Dr. Reinhard A. Krause (Tel.: 471 4831-1924, E-Mail: rkrause@awi-bremerhaven.de)

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Carl Weyprecht

Carl Weyprechts Thesen führten zur Ausrichtung des ersten Internationalen Polarjahres 1882/83.

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Meereis

Meereis und Schollen im arktischen Ozean.

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Georg von Neumayer

Georg von Neumayer (1826-1909), Leiter der Deutschen Seewarte in Hamburg und Mitbereiter des Internationalen Polarjahres.

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Carl Weyprecht

Carl Weyprecht (1838-1881)

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23. März 2006: Sonnenschau in der Arktis

Photometer-Vergleichskampagne auf Spitzbergen
Zwei Wochen lang blicken ab dem 23. März in einer Vergleichsaktion zwölf Sonnenphotometer in den vermeintlich klaren arktischen Himmel. Mit der Mess- und Vergleichskampagne werden die Voraussetzungen geschaffen, um im Internationalen Polarjahr 2007/08 die Luftverschmutzung durch Aerosole in bisher nicht erreichter Genauigkeit an über zwanzig Standorten in den Polarregionen zu bestimmen. An der deutsch-französischen Forschungsbasis auf Spitzbergen treffen sich zwanzig Wissenschaftler aus neun Nationen zum Abgleich ihrer Spektralradiometer. Die Forschungsbasis wird vom Alfred-Wegener-Institut gemeinsam mit dem französischen Polarforschungsinstitut Paul Emile Victor betrieben.

 

Unter gemeinsamer Federführung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung und des italienischen Instituts für Atmosphärenforschung Bologna treffen sich neun der 19 teilnehmenden Nationen des Polar-AOD-Netzwerkes (Aerosol Optical Depth in Polar Regions) in Ny-Ålesund auf Spitzbergen. Sonnenphotometer sind eine spezielle Variante von Strahlungsmessgeräten, welche die Intensität der Sonne in verschiedenen Farbbereichen messen können. Durch Vergleich der am Boden gemessenen Lichtintensität mit der außerhalb der Atmosphäre kann man ermitteln, wie viel Licht durch Streuung und Absorption in den Luftschichten herausgefiltert wird. Die Intensitätsänderung geht einher mit der Veränderung der Farbe des Sonnenlichtes. Die Farbveränderung erlaubt gleichzeitig Aufschluss über den Charakter feiner Schwebeteilchen, der Aerosole, die in der Atmosphäre für die Lichtabschwächung sorgen.

 

Seesalz, Sahara-Staub und Abgase
Atmosphärische Aerosole haben erheblichen Einfluss auf den Strahlungshaushalt und damit auf das Klima der Erde. Natürlicherweise auftretende Aerosole sind Schwefelsäuretröpfchen, Seesalz, Sahara-Staub und andere mineralische Komponenten. Aber zunehmend nimmt auch der Mensch Einfluss. "Vom Menschen werden durch Verbrennungsprozesse, Flugverkehr und Industrieabgase heute etwa zwanzig bis dreißig Prozent des atmosphärischen Aerosols erzeugt", so Dr. Andreas Herber vom Alfred-Wegener-Institut, Organisator der Messgerätevergleichs auf Spitzbergen.

Die Polarregionen sind Schlüsselgebiete für das Erdklima. Wichtige Voraussetzungen für präzise Klimavorhersagen sind ein genaues Verständnis und eine lückenlose Beschreibung der Aerosolbelastung. Aufgabe des Polar-AOD-Netzwerkes ist es zu verstehen, auf welchen Wegen das vom Menschen verursachte Aerosol, aber auch das natürliche, in die Polarregionen transportiert wird. Durch die räumliche und zeitliche Abdeckung in den Untersuchungsgebieten wird es erstmals ermöglicht, global und an beiden Polen der Erde die optische Wirkung der Aerosole zu bestimmen.

Weitere Informationen zum Polar-AOD-Projekt finden Sie auf der Webseite

Hier finden Sie Antworten zum Thema von Dr. Andreas Herber als Text und Audiofiles

Bremerhaven, den 23. März 2006

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Aufbau Photometer

Aufbau der Sonnenphotometer für die Messkampagne.

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Ny Ålesund

Forscherdorf Ny Ålesund auf Spitzbergen.

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Blaues Haus

Das blaue Haus beherbergt die deutsch-französiche Forschungsbasis in Ny Ålesund.

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23. März 2006: Neue Klimadaten aus altem Eis

Kleine Aerosolpartikel in 740.000 Jahre altem Eiskern geben Aufschluss über große Klimaänderungen
In allen Kaltzeiten der letzten 740.000 Jahre war die Meereisbedeckung rund um die Antarktis sehr viel größer als in Warmzeiten. Gleichzeitig war der Süden Südamerikas deutlich trockener und windiger als heute, was zu einem stark erhöhten Staubeintrag in die Antarktis führte. Dies ergibt die diese Woche im Wissenschaftsmagazin „Nature“ veröffentlichte Untersuchung von Aerosolpartikeln in einem drei Kilometer langen Eiskern durch ein europäisches Wissenschaftler-Team unter Beteiligung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung.

Änderung der antarktischen Meereisbedeckung

 

Der bereits im Dezember 2004 während des EPICA (European Project for Ice Coring in Antarctica) Projektes in der Ostantarktis gewonnene Eiskern von Dome C (75° 06’S, 123° 21’O) überdeckt mehr als acht aufeinander folgende Wechsel von Eis- und Warmzeiten (glaziale Zyklen). Der Kern ist somit das längste kontinuierliche Eiskernarchiv, das jemals gewonnen wurde. Für ihre Studien bestimmten die Wissenschaftler die Konzentrationen kleinster Aerosolpartikel im Eis, die weit entfernt an der Ozeanoberfläche oder auf den Kontinenten produziert und mit dem Wind in die Antarktis transportiert wurden. So weist die Konzentration von Seesalzaerosolen, welche beim Gefrieren von Meerwasser gebildet werden, auf eine großräumige Ausdehnung der Meereisbedeckung rund um die Antarktis in allen Kaltzeiten hin.

Keine Erhöhung der biologischen Aktivität

 

Erhöhte Konzentrationen kleiner Mineralstaubteilchen in den Kaltzeiten deuten auf ein trockeneres Klima in den angrenzenden Kontinenten, insbesondere Südamerika. Der mit dem Wind in den Südozean transportierte Staub stellt auch vermehrt Nährstoffe für das Plankton im Ozean zur Verfügung. Analysen von Sulfataerosol im Eiskern, das bei Algenblüten produziert wird, weisen allerdings nicht auf eine erhöhte biologische Produktion im Südozean hin. „Unsere Ergebnisse lassen das bisherige Verständnis, wie die Biologie im Südozean auf Klimawechsel reagiert haben könnte, in einem neuen Licht erscheinen. Zumindest für den südlichen Teil des Südozeans müssen wir Vorstellungen über eine Erhöhung der biologischen Produktivität in Eiszeiten neu überdenken“, meint Hubertus Fischer, Leiter der chemischen Untersuchungen am Alfred-Wegener-Institut.

Aus der Vergangenheit auf die Zukunft schließen

 

Nach der Analyse der Temperaturänderungen im Verlauf der letzten acht Klimazyklen wurde jetzt mit der Untersuchung gelöster chemischer Bestandteile im Eiskern ein weiterer wichtiger Schritt zur Beurteilung der historischen Klimaveränderungen gemacht. Diese Daten sind essentiell für das Verständnis der zukünftigen Klimaentwicklung. „Unsere Forschungsergebnisse zeigen jedes Mal eine ähnliche Abfolge der gleichen Änderungsprozesse, wenn im Verlauf der letzten 740.000 Jahre warme Klimabedingungen mit kalten abwechselten“, erklärt Eric Wolff vom British Antarctic Survey, Erstautor der jetzt veröffentlichten Studie. „Wir schließen daraus, dass die Erde im Verlauf von Klimaänderungen Regeln folgt. Wenn wir diese Regeln verstehen, können wir Klimamodelle und somit auch Prognosen für die Zukunft verbessern.“

EPICA Projekt
Das Projekt EPICA wird von einem Konsortium aus zehn europäischen Ländern (Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz) durchgeführt. EPICA wird von der European Science Foundation (ESF) koordiniert und durch die beteiligten Länder und die Europäische Union finanziert. Ziel von EPICA war es, im Inlandeis der Antarktis zwei Eiskerne zu erbohren, die bis zum Felsuntergrund reichen. Das Team auf Dome C arbeitete bei Temperaturen bis zu minus 40 °C bis die Bohrung im Dezember 2004 abgeschlossen wurde. Von den 3260 Meter Eiskern wurden bisher nur die oberen 3000 Meter analysiert. Die Glaziologen schätzen, dass in dem noch älteren Eis die ungestörte Klimageschichte bis zu einem Alter von ungefähr 900.000 Jahren gespeichert ist.

 

Neben der Bohrung an Dome C wurde auch an der Kohnen-Station im Dronning Maud Land (75°00'S, 00°04'O) eine EPICA Bohrung niedergebracht, für die das Alfred-Wegener-Institut die Verantwortung trägt. Diese Bohrung wurde in der vergangenen Feldsaison 2005/06 erfolgreich abgeschlossen. Die chemischen und physikalischen Untersuchungen an dem gewonnen Eiskern sind in vollem Gange. EPICA ist eines der Kernprojekte im Rahmen des Forschungskonzeptes „Meeres-, Küsten- und Polarsysteme“ im Forschungsbereich „Erde und Umwelt“ der Helmholtz-Gemeinschaft.

Referenz: E. W. Wolff et al., Southern Ocean sea-ice extent, productivity and iron flux over the past eight glacial cycles, Nature 440, 491 (2006).

Bremerhaven, den 23. März 2006

Ansprechpartner ist Dr. Hubertus Fischer (Tel.: +49 (0)471-4831 1174; E-Mail: hufischer@awi-bremerhaven.de)

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Dome C

An der antarktischen Station Dome C wurde das bisher älteste Eis der Antarktis geborgen.

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Bohrzelt

Blick in das Bohrzelt. Auch bei tiefen Minustemperaturen wurde gebohrt.

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Eiskerne

Die einzelnen Segmente des Bohrkerns werden gekennzeichnet und bis zur endgültigen Auswertung im Eislabor gelagert.

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Karte

Die Karte zeigt den Standort der EPICA - Bohrungen an Dome C in der Antarktis.

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Eiskern Musterung

Die vertikale Musterung der Eiskerne zeigt schon bei äußerlicher Inspektion die zeitliche Veränderung klimatischer Faktoren.

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15. März 2006: Arktiskonferenz in Potsdam

Vom 22. bis 29. März findet die Arctic Science Summit Week (ASSW) in Potsdam statt. Das gemeinsam von internationalen Organisationen und dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung veranstaltete Treffen ist eine der international bedeutendsten interdisziplinären Tagungen zur Arktisforschung. Neben einer Vielzahl wissenschaftlicher Vereinigungen berät sich auch der Arktische Rat in Potsdam. In der Woche werden langfristige Perspektiven der internationalen Arktisforschung definiert und von den Beteiligten koordiniert. Im Vorfeld des Internationalen Polarjahres (IPY) 2007/2008 kommt der diesjährigen Tagung eine besondere Bedeutung zu.

Meetings, Komitees und Foren

 

Auf einer Reihe von teilweise öffentlichen Foren und Komitees befassen sich „International Arctic Science Committee“ (IASC), „European Polar Board“ (EPB), „Arctic Ocean Science Board“ (AOSB) und „Pacific Arctic Group“ (PAG) mit neuesten Erkenntnissen und Projektplanungen zur Arktisforschung. Weiterhin treffen sich „Forum of Arctic Research Operators“ (FARO), „Ny-Ålesund Science Managers Committee“ (NySMAC), „International Permafrost Association“ (IPA) und der Arktische Rat (Arctic Council). Führende Vertreter des Arktischen Rates diskutieren über notwendige Konsequenzen aus dem vom Rat in Auftrag gegebenen Arctic Climate Impact Assessment Report (ACIA) zur Situation von Umwelt und Mensch in der Arktis. Der Arktische Rat ist ein hochrangig besetztes zwischenstaatliches Gremium aus Vertretern der acht Arktis-Anrainerstaaten und wissenschaftlicher Organisationen.

 

Zentraler Teil der Veranstaltung sind der Wissenschaftstag am Sonnabend, dem 25. März und ein Projekttag am Sonntag, dem 26. März. Am 25. März werden aktuelle Themen mit dem Schwerpunkt „Auswirkung des Klimawandels auf die Arktis “ präsentiert. „Zurückgehendes Meereis, schmelzende Gletscher und tauender Permafrost, Veränderung der Ökosysteme und akute Gefährdung von Tierarten zählen zu den Themen, die in dem wissenschaftlichen Symposiums vorgestellt und diskutiert werden“, erklärt Prof. Dr. Hans-Wolfgang Hubberten von der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts und Mitglied im nationalen Organisationskomitee.

Am 26. März steht die Planung für das Internationale Polarjahr 2007/2008 im Mittelpunkt. Der aktuelle Forschungsbedarf wird diskutiert und Schiffseinsätze während des Polarjahres werden abgestimmt. Weiterhin stehen die Planung und Einrichtung von Observatorien zur langfristigen Beobachtung klimabedingter Veränderungen in der Arktis auf dem Programm.

IPY

 

Ein Jahr vor dem Start des vierten Internationalen Polarjahres am 1. März 2007 läuft der Countdown im Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Zehntausende Wissenschaftler aus aller Welt werden in dem Mammutprojekt die Arktis und die Antarktis erforschen. Ein Schwerpunkt sind der Einfluss der Polarregionen auf das weltweite Klima und die Folgen des aktuellen Klimawandels. Dazu erfolgt eine breite räumliche Erfassung des jetzigen Zustands der Umwelt in den Polarregionen. Das Internationale Polarjahr 2007-2008 wird auf Initiative und unter der Schirmherrschaft des International Council for Science (ICSU) und der World Meteorological Organisation (WMO) durchgeführt. Mit Wissenschaftlern aus über 60 Nationen stellt es die bisher größte gemeinsame Wissenschaftsveranstaltung der Geschichte dar. Seit Beginn der Vorbereitungen im Jahr 2003 sind weit über tausend Projektvorschläge bei der internationalen Planungsgruppe eingegangen, von denen zur Zeit knapp über 400 akzeptiert sind. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Alfred-Wegener-Instituts sind - zum Teil federführend - an über 50 dieser internationalen Kooperationen beteiligt. Eine Investition Deutschlands ist die Errichtung der neuen Antarktisstation des Alfred-Wegener-Instituts. Das verbleibende Jahr bis zum offiziellen Beginn wird vor allem der intensiven Vorbereitung und gegenseitigen Abstimmung der wissenschaftlichen Projekte und dem koordinierten Einsatz der logistischen Ressourcen dienen.

 

ASSW
Die Arctic Science Summit Week findet jährlich statt. Nach der ASSW 2005 in Kunming, China, wird die diesjährige Tagung gemeinsam mit dem Institut Polaire Français Paul Emile Victor aus Frankreich veranstaltet. Die lokale Organisation liegt in den Händen des Alfred-Wegener-Instituts. Mit einer Posterpräsentation werden die wissenschaftlichen Ergebnisse der deutschen Forschergruppen während der ganzen Tagung einem hochkarätigen internationalen Publikum vorgestellt.

Mehr Informationen zur Tagung finden Sie unter:
http://www.assw2006.de/assw2006/contact.html
Informationen zum Science- und Projectday:
http://www.assw2006.de/assw2006/science.html


Bremerhaven, den 15. März 2006

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Meereis

Meereis im arktischen Ozean

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Lena-Delta

Lena-Delta Polygonstruktur.

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Eiskeil

Eiskeilabbruchkante am Rande der Laptew-See.

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Forschung

Forschung im arktischen Meereis.

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Eisberg

Eisberg in der Arktis

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Polarstern

Der Forschungseisbrecher Polarstern in der Arktis.

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1. März 2006: Die Arktis beeinflusst das Klima Europas

Verbessertes Klimamodell sagt häufigere kalte Winter voraus
Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes, der GKSS und weiterer Forschungsinstitutionen entwickelten im Rahmen eines EU-Projektes ein Ozean-Atmosphären-Modell, das verbesserte Aussagen zur Klimaentwicklung erlaubt. Dies gelang durch eine genauere Berechnung des Rückstrahlvermögens für Sonnenstrahlung, dem offenbar wichtigsten Faktor für die polare Verstärkung der globalen Erwärmung. Die Simulation zeigt eine deutliche Veränderung des Wettergeschehens im nordatlantischen Raum. Trockene und kalte Winter könnten häufiger auftreten als bisher angenommen.

 

Sonne, Eis und Schnee
Das globale Klima wird maßgeblich durch die Polarregionen beeinflusst: Eisflächen besitzen ein großes Rückstrahlvermögen für Sonnenstrahlung, die Albedo. Vom Eis bedeckte Bereiche erwärmen sich daher deutlich weniger als unbedeckte Gebiete. Führt globale Erwärmung zu einem Rückgang der Eisbedeckung, sinkt die Albedo und verstärkt damit die Erwärmung weiter. Mögliche Änderungen der Eisdicke, der Eisausdehnung und der beschriebenen Eis- und Schnee-Albedo-Rückkopplung stellen bisher eine der größten Unsicherheiten bei der Vorhersage der zukünftigen Klimaentwicklung dar.

Eine verbesserte Berechnung der Eis- und Schnee-Albedo-Rückkopplung wurde zunächst in einem regionalen Klimamodell der Arktis getestet und dann in einem globalen Klimamodell des gekoppelten Systems Atmosphäre-Ozean-Meereis berücksichtigt. „Ein Modelllauf über 500 Jahre dauert ungefähr zwei Monate“, erklärt Andreas Benkel vom GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht. „In der Regel läuft so eine Simulation in vielen Teilstücken von zehn Jahren, dann wird gespeichert und neu gestartet.“

 

Globale Auswirkungen arktischer Klimaprozesse
Die Modellierungsergebnisse zeigen eine Umverteilung der Energieflüsse in der Arktis. Dadurch wird die Nordatlantische Oszillation (NAO) beeinflusst. Unter der NAO versteht man die Schwankung des Druckverhältnisses zwischen dem Islandtief im Norden und dem Azorenhoch im Süden des Nordatlantiks. Man unterscheidet eine positive und eine negative Phase. Diese Luftdruckschwankungen gehen in der positiven Phase einher mit einer verstärkten West-Ost-Strömung über dem Nordatlantik. Dadurch gelangt vermehrt warme und feuchte Meeresluft nach Nord- und Mitteleuropa. In der negativen Phase schwächt sich die West-Ost-Strömung ab und es wird verstärkt kalte Polarluft nach Europa transportiert. „Die gegenwärtig beobachtete Erwärmung im Winter steht im Zusammenhang mit den Änderungen der Fernverbindungsmuster der Nordatlantischen Oszillation oder der Arktischen Oszillation“, so Prof. Dr. Klaus Dethloff vom Alfred-Wegener-Institut. „Dieses globale Muster der Luftdruck- und Temperaturverteilung hat sich in den letzten fünf Jahrzehnten deutlich verändert. In den Wintern trat eine deutliche Erwärmung und in den Sommern ein leichte Abkühlung auf.“

Das verbesserte Modell sagt eine Tendenz zur negativen NAO-Phase voraus. „Die verbesserte Parametrisierung des Klimamodells zeigt, dass die globalen Muster der mittleren Troposphäre denen der nordatlantischen und arktischen Oszillation ähneln“, sagt Klaus Dethloff. Diese Schwankungen üben einen starken Einfluss auf das Klima Europas aus. Die Stärke der Westwinde und der Verlauf von Stürmen werden beeinflusst. Kalte und trockene Winter könnten somit häufiger auftreten.

Quelle: Geophysical Research Letters, Februar 2006

Kontakt: Prof. Dr. Klaus Dethloff (Tel. +49 (331) 288-2104; E-Mail: dethloff@awi-potsdam.de))

Bremerhaven, den 1. März 2006

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Wind

Differenzen West-Ost-Komponente des Windes in ca. fünf Kilometern Höhe zwischen alten und neuen Modellrechnungen. In gelb-rot ist die Strömung im neuen Modell westlicher, in grün-blau östlicher als im alten Modell.

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Luftdruck

Vergleich des Luftdrucks zwischen alten und neuen Modellrechnungen. Rot: höherer durchschnittlicher Luftdruck, blau: niedriger. Links: Mittelwert über die ersten 250 Winter des 500-jährigen Modellaufs, rechts: Mittelwert über die zweiten 250 Winter.

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1. März 2006: Treibhausgas aus der Tiefsee

Treibhausgas aus der Tiefsee

Methan vom Meeresgrund trägt stärker zur globalen Erwärmung bei als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung nach Untersuchungen an einem Schlammvulkan in der Tiefsee zwischen Norwegen und Spitzbergen.

 

Methan 20-mal wirkungsvoller als Kohlendioxyd
Ein wichtiger Faktor für den derzeitigen globalen Klimawandel ist der Treibhauseffekt. Verantwortlich dafür sind unter anderem die beiden Gase Kohlendioxyd und Methan. Sie verhindern, dass überschüssige Wärme von der Erde ins Weltall abgestrahlt wird. Ein Methanmolekül ist hierbei über 20-mal wirkungsvoller als Kohlendioxyd und leistet damit einen deutlichen Beitrag zur Erderwärmung.

Während man die meisten Methanquellen an Land kennt, sind ozeanische Methanquellen weit weniger erforscht. Fraglich ist vor allem der Anteil an Methan, der aus dem Ozean in die Atmosphäre gelangt, also klimarelevant ist. Bis vor kurzem wurde angenommen, dass vom Meeresboden freigesetztes Methan sofort von Mikroben zersetzt und unschädlich gemacht wird. Methan aus der Tiefsee hätte damit praktisch keine Auswirkungen auf unser Klima.

 

Schlammvulkane geben Methan an Atmospäre ab
Forschungen eines deutsch-französisch-russischen Teams unter Leitung des Alfred-Wegener Instituts zeigen jedoch, dass erhebliche Mengen an Methan aus untermeerischen Quellen in die Atmosphäre gelangen. Bei Untersuchungen am aktiven Håkon Mosby Schlammvulkan zwischen Norwegen und Spitzbergen entdeckten die Forscher eine Wolke aus Methanblasen, die sich 800 Meter über dem Tiefseeboden in 1250 Metern Tiefe ausbreitet. Optische und akustische Beobachtungen zeigten, dass das umgebende Wasser vom Auftrieb der Bläschen nach oben gerissen wird und das Methan auch oberhalb der Blasenauflösung weiter zur Meeresoberfläche trägt. Allein im Bereich des Håkon Mosby Schlammvulkans fördern die Bläschen nach Berechnungen der Wissenschaftler einige hundert Tonnen Methan pro Jahr in die obere Wassersäule. „Weltweit wird die Zahl der untermeerischen Schlammvulkane auf mehrere tausend geschätzt“, erklärt Eberhard Sauter, Geochemiker am Alfred-Wegener-Institut. „Ihr Beitrag zum globalen Methanhaushalt kann also durchaus wichtig sein.“

Derzeit wird versucht, eine akustische Methode zur Bestimmung der Methanmenge zu entwickeln. Damit sollen Methanquellen künftig leichter gefunden und charakterisiert werden können. Man erhofft sich so genauere Zahlen zur Unterstützung von Modellrechnungen zur Klimaentwicklung.

 

Die Ergebnisse wurden in Kooperation des Alfred-Wegener-Instituts mit seinem französischen Partnerinstitut Ifremer unter Beteiligung des Bremer Max-Planck-Insituts für Marine Mikrobiologie und des Institutes für Angewandte Physik der Russischen Akademie der Wissenschaften Nizhny Novgorod erarbeitet.

Der Originalartikel ist in Earth and Planetary Science Letters veröffentlicht.

Kontakt: Dr. Eberhard Sauter (E-Mail: esauter@awi-bremerhaven.de, Tel: +49 (0)471 4831 1517)

Bremerhaven, den 1. März 2006

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Graphik

Akustisches „Bild“ einer ca. 800 Meter hohen Methanwolke über Håkon Mosby.

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Methanblasen

Austritt von Methanblasen am Håkon Mosby Schlammvulkan. Mehrere hundert Tonnen Methan werden hier pro Jahr freigesetzt.

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Victor 6000

Erst der Tauchroboter „Victor 6000“ des französischen Partnerinstitutes Ifremer ermöglichte es, die Blasenaustritte direkt zu beobachten

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27. Februar 2006: 1981-2006: 25 Jahre Antarktisforschung an der Neumayer-Station

Am 5. Februar 1979 unterzeichnete die Bundesrepublik Deutschland den Antarktisvertrag und erlangte im März 1981 in der Runde der Antarktisvertragsstaaten den Konsultativstatus. Voraussetzung dafür war der Betrieb einer permanent besetzten Antarktisstation: Am 3. März 1981 wurde die Georg-von-Neumayer-Station des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung eingeweiht.

 

Seit Anbeginn fungierte die Georg-von-Neumayer-Station als wissenschaftliches Observatorium für Geophysik, Meteorologie und Luftchemie sowie als logistische Basis für Sommerexpeditionen. Im März 1992 wurde die heutige Neumayer-Station fertig gestellt. Sie ist - wie die erste - eine Röhrenstation und wird von neun Überwinterern ganzjährig betrieben. Die Besatzung der Station stellt die Qualität der Langzeitmessungen sicher und gewährleistet die Einbindung der wissenschaftlichen Observatorien in ein weltweites Netz von Beobachtungsstationen.

Erdbeben und singende Eisberge
Ein Jahr nach der Eröffnung der Georg-von-Neumayer-Station wurde das geophysikalische Observatorium in Betrieb genommen. Im Laufe der Jahre wurden an der Neumayer-Station viele tausende von Erdbeben registriert, deren Epizentren weltweit verteilt waren. Mit Hilfe des Observatoriums an der Neumayer-Station konnte auch ein anfangs rätselhaftes Phänomen in den Aufzeichnungen geklärt werden. Es wurden, zum Teil über Stunden und Tage andauernde, harmonische Schwingungen registriert, deren vermuteter Entstehungsort auch noch wanderte. Wie sich erst kürzlich herausstellte, entstehen diese Schwingungen durch Wasser, das durch die Spaltensysteme großer Eisberge hindurchströmt – die singenden Eisberge.

 

In der Saison 2002/2003 wurde in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover die Infraschall-Anlage IS27 errichtet. Diese Anlage aus insgesamt neun Messinstrumenten registriert kleinste Druckschwankungen in der Atmosphäre. Als eine von 60 Stationen weltweit ist IS27 ein Beitrag der Bundesrepublik Deutschland zur Überprüfung der Einhaltung des Kernwaffen-Test-Stopp-Abkommens.

Saubere Luft für klare Daten
Das erste Spurenstoff-Observatorium wurde 1983 auf Initiative des Instituts für Umweltphysik der Universität Heidelberg an der Georg-von-Neumayer-Station in Betrieb genommen. Seitdem werden für die Antarktis einmalige Datenreihen gewonnen. Neben Treibhausgasen wie Wasserdampf, Kohlendioxid, Methan und Lachgas, erfassen die Wissenschaftler Aerosole und bodennahe Ozonkonzentrationen sowie die chemische Zusammensetzung der Aerosole. In der Antarktis gibt es kein anderes Observatorium mit vergleichbar umfassenden Langzeit-Messreihen. Die Luft über der Antarktis ist außerordentlich sauber. Um Messungen durch lokale Verunreinigungen wie Abgase von Generatoren und Fahrzeugen an der Neumayer-Station zu vermeiden, nahm das Alfred-Wegener-Institut in der Saison 1994/95 ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg ein neues Observatorium in Betrieb. Das Spurenstoff-Observatorium befindet sich heute 1,5 Kilometer südlich der jetzigen Neumayer-Station.

 

Alle drei Stunden Wetterbericht aus dem ewigen Eis
Seit dem 28. Januar 1981 werden an der Neumayer-Station alle drei Stunden Wetterbeobachtungen durchgeführt. Über 70.000 Datensätze sind seitdem unmittelbar in die weltweite Wettervorhersage eingegangen. Die Entdeckung des Ozonloches über der Antarktis führte zu einer intensiven Forschung. Die bereits 1985 begonnenen Untersuchungen an der benachbarten Georg-Forster-Station der DDR wurden nach der Wiedervereinigung an der Neumayer-Station fortgesetzt. Es gibt in der Antarktis keine vergleichbare Beobachtungsreihe, die den Zerfall der Ozonschicht über einen solchen Zeitraum kontinuierlich festgehalten hat. Das meteorologische Observatorium an der Neumayer-Station ist heute ein international anerkannter Knotenpunkt der World Meteorological Organisation WMO und dient seit einigen Jahren als Wettervorhersagezentrum für die gesamte Nordantarktis. Es trägt dazu bei, Veränderungen der Stratosphäre zu erfassen, Daten für die Erforschung der bodennahen Strahlung zu liefern, sowie Änderungen in diversen klimarelevanten Komponenten zu erfassen. "Auch wenn es an vielen Stellen der Erde wärmer geworden ist, für Neumayer trifft dies nicht zu", so Gert König-Langlo, Meteorologe am Alfred-Wegener-Institut. Gleiches gilt für die meisten anderen Antarktisstationen. Nur im Bereich der antarktischen Halbinsel ist eine deutliche Erwärmung zu verzeichnen.

Aktueller Hinweis
Am 3. März 2006 werden Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts im Haus der Wissenschaft in Bremen über Leben und Arbeit aus einem Vierteljahrhundert Antarktisforschung berichten. Das Alfred-Wegener-Institut wirft auch einen Blick in die Zukunft der deutschen Neumayer-Station und lädt die Öffentlichkeit herzlich ein, 25 Jahre Neumayer-Station zu feiern. Der Eintritt ist kostenlos.

Programm
11:00 Uhr Eröffnung durch Dr. Hartwig Gernandt, Alfred-Wegener-Institut
11:10 Uhr Grußworte von Reinhard Junker, Ministerialdirektor am Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
11:15 Uhr Beiträge aus 25 Jahren wissenschaftliche Observatorien
11:45 Uhr Überwinterung in der Antarktis
12:00 Uhr Vorstellung der neuen Antarktisstation Neumayer III.

Bremerhaven, den 27. Februar 2006

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Georg-von-Neumayer-Station

1980 begann der Bau der Georg-von-Neumayer-Station

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Georg-von-Neumayer-Station

Von 1981 bis 1992 diente die Georg-von-Neumayer-Station als wissenschaftliches Observatorium und Basis für Sommerexpeditionen in der Antarktis.

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Neumayer-Station

Anfang der 1990er Jahre wurde die zweite Antarktisstation gebaut. Auch die Neumayer-Station wurde als Röhrenstation für eine ganzjährige Besatzung konzipiert.

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Neumayer-Station

Saubere Energie in der Antarktis: Die Windkraftanlage der heutigen Neumayer-Station.

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Neumayer-Station

Saubere Energie in der Antarktis: Die Windkraftanlage der heutigen Neumayer-Die Neumayer-Station liegt heute neun Meter unter dem Eis. Nur die Lüftungsschächte lassen noch eine Forschungsstation erkennen

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Neumayer III

Die neue Antarktisstation Neumayer III steht auf Stelzen über dem Eis und soll 2008 in Betrieb gehen.

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Messungen

Highlights aus 25 Jahren Messroutine

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Jahresmitteltemperatur

Die Jahresmitteltemperatur an der Neumayer-Station (1982-2005).

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20. Februar 2006: 150 Stunden über dem Eis - Polarflugzeug kehrt aus der Antarktis zurück

Das Forschungsflugzeug Polar 2 des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven kehrt am 20. Februar von der jährlichen Expedition aus der Antarktis nach Deutschland zurück. Schwerpunkte der knapp siebenwöchigen Kampagne waren Messungen von Eisdicken und Bodenstruktur in einem bisher nicht untersuchten Gebiet der Antarktis sowie die Ermittlung der ehemaligen Lage Indiens am antarktischen Kontinent.

 

Während der Forschungskampagne vom 21. Dezember 2005 bis 6. Februar 2006 absolvierte Polar 2 über 150 Flugstunden. Im Zentrum der Untersuchungen standen zwei deutsch-japanische Gemeinschaftsprojekte. Im Rahmen des ANTSYO Projekts (Antarctic Flight Missions at Syowa Region) wurden 25.000 Profilkilometer im östlichen Dronning Maud Land kartiert. Insgesamt 24 Messflüge wurden im Rahmen des WEGAS Projekts (West East Gondwana Amalgamation and its Separation) durchgeführt. Polar 2 landet am 20. Februar gegen 11 Uhr auf dem Regionalflughafen Luneort in Bremerhaven.

Im ANTSYO Projekt ermittelten die Wissenschaftler mit Hilfe eines Radio-Echo Systems an Bord von Polar 2 erstmalig Eisdicken und Bodenprofile im östlichen Dronning Maud Land. Diese Daten bilden eine wichtige Grundlage für die Bestimmung von Abschmelzungs- oder Zuwachsprozessen des antarktischen Eises als Folge globaler Klimaänderung. Sie dienen weiterhin als Basis für kontinuierliche Eisdickenmessung, die in Zukunft durch Satelliten wie CryoSat durchgeführt wird.

 

Im WEGAS Projekt erforschte Polar 2 die unter dem Eisschild verborgenen Kontinentalränder Antarktikas. Gesucht wird der Bereich, in dem bis vor rund 130 Millionen Jahren der indische Subkontinent inklusive der heute vor Afrika liegenden Insel Madagaskar mit der Antarktis verbunden war. Die Forscher erwarten von den Ergebnissen ein besseres Verständnis plattentektonischer Verschiebungen in der Vergangenheit und darauf aufbauend Erkenntnisse über die historische vulkanische Aktivität in der Antarktis, die parallel mit dem Aufbruch von Kontinenten auftritt. „Ein massiver Vulkanismus bei der Abtrennung Indiens von der Antarktis könnte einen erheblichen Einfluss auf die Umweltbedingungen in der Kreidezeit gehabt haben“, erklärt Dr. Wilfried Jokat vom Alfred-Wegener-Institut.

Von den erhoben Daten erhoffen sich die Forscher auch die Klärung einer weiteren Frage. Im Bereich der japanischen Syowa Station wurden Gesteinsbrocken gefunden, die nach Ansicht der japanischen Forscher vielleicht marsianischen Ursprungs sind. Aufgrund der Häufung der Funde vermuten die japanischen Kollegen, dass in der Region vor Millionen von Jahren ein größerer Meteorit eingeschlagen sein könnte. Dieser müsste einen entsprechend großen Krater erzeugt haben, der mit den Flugzeugmessungen unter dem Eisschild aufgespürt werden kann. Die detaillierte Auswertung der Messdaten erfolgt nun nach Rückkehr von Polar 2.

Die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bereederte zweimotorige Polar 2 ist eine für den Einsatz in den Polarregionen umgerüstete und mit spezieller Messtechnik der Firma Optimare ausgerüstete Sonderversion des Mehrzweckflugzeuges Dornier 228/101.

Bremerhaven, den 20. Februar 2006

Hinweise und Links: Animation der plattentektonischen Verschiebungen Gondwanas in den letzten 200 Millionen Jahren

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Polar 2

Polar 2 ist eine umgerüstete Dornier 228/101, die mit spezieller Messtechnik ausgestattet ist.

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Polar 2

Nur aus der Luft sind Eisdickenmessungen in den unwirtlichen Gebieten der Antarktis machbar.

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14. Februar 2006: Ein Jahr Nulldiät für Flügelschnecke

Hungerkünstler aus der Arktis

Die im Wasser schwebende Flügelschnecke Clione limacina kann ein Jahr auf Nahrung verzichten. Untersuchungen am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung zeigten, dass eine Kombination aus einem sehr niedrigem Stoffwechsel, dem Abbau von Körperzellen und der Nutzung spezieller Fette das lange Überleben ohne Nahrung ermöglicht. Die ungewöhnlichen Fette sind auch in den äußeren Hautschichten eingelagert, wo sie sehr wahrscheinlich eine antibakterielle Funktion entfalten.

 

Spezielle Fette zum Überleben
Untersuchungen in den Laboren des Alfred-Wegener-Instituts zeigten, dass Clione limacina größere Mengen seltener Fette, so genannte Etherlipide, herstellt. „Wir konnten nachweisen, dass diese Etherlipide als Langzeitenergiespeicher fungieren. Sie werden während Hungerphasen sehr viel langsamer abgebaut als die häufiger in der Natur vorkommenden Triacylglycerine“, erklärt Dr. Marco Böer. „Hinzu kommt, dass die arktische Flügelschnecke im Vergleich zu allen anderen marinen Wirbellosen den mit Abstand geringsten Stoffwechsel aufweist.“ Während lang anhaltender Hungerphasen werden nicht nur die energiereichen Lipide aufgebraucht, die Schnecke baut auch die eigene Körpersubstanz ab und schrumpft.
Steht die vegetarische Schwester Limacina wieder zur Verfügung, nutzt Clione die angebotene Nahrung und baut ihre Reserven schnell wieder auf. Bis zu 80 Prozent der Nahrung wird umgesetzt. Andere Meerestiere nutzen häufig nur 20 Prozent.

 

Chemische Abwehr gegen Fraßfeinde
Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Etherlipide als Tröpfchen in der Haut der Tiere eingelagert sind. Dort dienen diese speziellen Fette vermutlich als chemische Abwehr, um sich frei von Parasiten zu halten. Dem Schutz gegen Fressfeinde dienen auch weitere im Tierreich seltene chemische Verbindungen, die von der Schnecke produziert werden. Zu diesen Verbindungen zählt das Pteroenon, welches die Schnecke für Fische und andere Räuber zum unappetitlichen Happen macht.

 

Das Überleben von Clione limacina ist heute allerdings aus ganz anderen Gründen gefährdet. Durch die global steigenden Kohlendioxidgehalte steigt auch der Säuregehalt der Meere. Schon in naher Zukunft wäre dadurch die Schalenbildung bei Limacina helicina verhindert. Mit dem Verschwinden ihrer einzigen Nahrung verliert auch Clione ihre Existenzgrundlage. Ein Aussterben beider Flügelschneckenarten würde Auswirkungen für das gesamte Nahrungsnetz haben, denn beide Arten sind wichtige Mitglieder der Nahrungskette im Polarmeer.


Bremerhaven, den 14. Februar 2006

Ansprechpartner in der chemischen Ökologie sind: Prof. Gerhard Kattner und Dr. Martin Graeve

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Clione

Lipidtröpfchen in der Haut von Clione dienen auch dem Fraßschutz.

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Clione

Wenn Clione ihre Beute ergriffen hat, gibt es kein Entkommen mehr.

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Clione

Wenn Beute gemacht werden soll, fährt Clione ihre Fangtentakel aus

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Clione limacina

Clione limacina mit Eiballen

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Limacina helicina

Limacina helicina besitzt das für Schnecken typische Gehäuse.

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10. Februar 2006: Nach Drake zu Amundsen - Polarstern-Expedition in die Amundsensee

Vom 10. Februar bis 11. April 2006 erkundet der Forschungseisbrecher Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung die südliche Amundsensee in der Antarktis. Die Vereisungsgeschichte der Westantarktis ist ein Schwerpunkt des vierten Fahrtabschnitts der 23. Antarktis-Expedition. Weiterhin stehen biologische Probennahmen und logistische Aufgaben auf dem Programm. Die Polarstern-Expedition in der Drake-Passage zwischen der Antarktischen Halbinsel und Südamerika wurde am 8. Februar erfolgreich abgeschlossen, alle geplanten Messungen konnten ausgeführt und alle Messstationen wie vorgesehen verankert werden.

Analyse von Gletscherbildung und -schmelze

 

Die Region der Pine Island Bay in der südlichen Amundsensee ist von besonderem Interesse, weil sich dort in den letzten 20-30 Jahren der Abfluss des Pine-Island-Gletschers und des Thwaites-Gletschers, zweier großer Gletschersysteme des Westantarktischen Eisschildes, enorm beschleunigt hat. Auch in der Vergangenheit schwankte das Volumen dieser Gletscher. Die dabei vom Eis transportierten Sedimente hinterließen Spuren in Form von Ablagerungs- und Erosionsmustern auf dem Kontinentalschelf. Vermessungen und Probennahmen dieser Sedimentschichten in der südlichen Amundsensee erlauben eine Rekonstruktion der Eisvorschübe und -rückzüge während der letzten Eiszeiten. Von diesen Daten erhoffen sich die Wissenschaftler ein besseres Verständnis der Reaktionen des Westantarktischen Eisschilds auf Klimaänderungen. „Der gesamte Westantarktische Eisschild besitzt genug Volumen, um im Falle eines vollständigen Abschmelzens den Meeresspiegel global um sechs Meter ansteigen zu lassen“, erklärt Karsten Gohl vom Alfred-Wegener-Institut, wissenschaftlicher Fahrtleiter der Expedition.

Neben diesen Untersuchungen werden ozeanographische Verankerungen im Bereich der Pine Island Bay ein Jahr lang die Bodenströmungsverhältnisse messen. Proben von Krill und Mikroben aus der Wassersäule sollen Aufschluss über die Futterabhängigkeiten und Biodiversität der Mikroben geben. Nach Versorgung des Dallmann-Labors in der Jubany-Station auf King George Island beendet Polarstern am 11. April in Punta Arenas die Expedition.

 

Deutsch-französische Expedition erfolgreich abgeschlossen
Die gerade abgeschlossene Expedition in der Drake-Passage stand unter einem guten Stern. Genauer gesagt war es eine schmale Hochdruckbrücke, die für ruhige See sorgte und damit die Abarbeitung der einzelnen wissenschaftlichen Stationen in Rekordzeit ermöglichte. Alle Strömungsmessgeräte wurden wie geplant in der Drake-Passage verankert und sollen nach ihrer Bergung in zwei Jahren zusammen mit den Messdaten des Satelliten Jason-1 genaue Daten zur Menge der transportierten Wassermassen im Antarktischen Zirkumpolarstrom liefern. Zur Analyse der Wassermasseneigenschaften wurden alleine in der ersten Expeditionswoche 8000 Liter Seewasser an 36 Stationen aus verschiedenen Wassertiefen entnommen. Dazu mussten die Schöpfgeräte eine Strecke von zusammengerechnet 280 Kilometern zurücklegen. Erste Analysen dieser Proben zeigen, dass im südlichen Bereich der Drake-Passage die Wassermassen stark durchmischt werden.

Die Zusammenarbeit auf der deutsch-französischen Expedition klappte ausgezeichnet. „Wir haben die einzigartige, auf Erfahrung von Alfred-Wegener-Institut und Schiffscrew aufgebaute Organisation sehr genossen, die Expedition war überaus erfolgreich“, resümiert die französische Fahrtleiterin Christine Provost vom Laboratoire d'Océanographie Dynamique et de Climatologie (LODYC) der Université Pierre et Marie Curie in Paris. Sie wünscht sich eine Fortführung und Verstärkung der deutsch-französischen Zusammenarbeit in der Meeresforschung.

Informationen zur aktuellen Expedition von Polarstern gibt es unter
http://www.awi-bremerhaven.de/MET/Polarstern/psobse.html

Bremerhaven, den 10. Februar 2006

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Pine-Island-Gletscher

Pine-Island-Gletscher und Thwaites-Gletscher in der südlichen Amundsen See.

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CTD

In der Drake-Passage wurden Temperatur und Salzgehalt in verschiedenen Meerestiefen wurde mit Hilfe einer CTD-Sonde (Conductivity = Leitfähigkeit, Temperature = Temperatur, Depth = Tiefe) gemessen.

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Polarstern

Der Forschungseisbrecher Polarstern.

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20. Januar 2006: Eiskern-Tiefbohrung in der Antarktis erfolgreich beendet

Ein internationales Team von Wissenschaftlern und Technikern hat am 17. Januar 2006 unter Federführung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung die Eiskern-Tiefbohrung an der Kohnen-Station des Alfred-Wegener-Instituts in Dronning Maud Land/Antarktis in einer Tiefe von 2774 Metern erfolgreich abgeschlossen. Erste Untersuchungen des Eiskerns vor Ort lassen vermuten, dass in den untersten 200 Metern sehr altes Eis erbohrt werden konnte.

Klimadaten aus den letzten 900.000 Jahren

 

Die Arbeiten erfolgten im Rahmen des EPICA–Programms (European Program for Ice Coring in Antarctica) und hatten das Ziel, detaillierte Informationen über das Klima der Vergangenheit zu erhalten. Von den Daten erwarten die Wissenschaftler entscheidende Verbesserungen zum Verständnis des globalen Klimageschehens. Nach der detaillierten Auswertung in den heimischen Laboren werden zeitlich sehr hoch aufgelöste Klimadaten aus den oberen 2400 Metern der Bohrung, die den letzten Eiszeitzyklus umfassen, vorliegen. Die gewonnenen Bohrkerne aus größeren Tiefen sind vermutlich bis zu 900.000 Jahre alt. Diese Einblicke in die ferne Klimageschichte der Antarktis ermöglichen ein tieferes Verständnis der Bedeutung der Polarregionen für das globale Klimageschehen damals und auch heute.

 

Fünf Jahre Tiefbohrung in der Antarktis
Eiskern-Tiefbohrprojekte sind langfristig angelegte Forschungsprogramme. Die Arbeiten für EPICA im Dronning Maud Land begannen 1996 mit einer Vorerkundungsphase zur Bestimmung eines geeigneten Bohrpunktes. Sie umfassten umfangreiche geophysikalische und eiskundliche Untersuchungen aus der Luft und am Boden in einem bislang unerforschten Gebiet der Antarktis. Nach der Bestimmung des Bohrpunktes wurde 1999 mit dem Bau der Sommerstation Kohnen bei 75°Süd und 0° 4’ Ost in einer Meereshöhe von 2900 Metern begonnen. Bereits bei Fertigstellung der Station 2001 wurde mit der Einrichtung der Bohrstelle begonnen. Nach Beginn der Tiefbohrung 2001/2002 wurde in vier Bohrsaisons die Bohrung abgeteuft. Über die gesamte Tiefe konnten Eiskerne mit hervorragender Qualität gewonnen werden.

 

Extreme Belastung für Mensch und Gerät
Feldarbeiten in der Antarktis bieten nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht große Herausforderungen. Die Arbeitsbedingungen für die Menschen und das technische Gerät sind extrem: An der Kohnen-Station herrschen während der Sommermonate Dezember und Januar Temperaturen zwischen minus 35°C und minus 20°C vor, zu Beginn der jetzigen Feldsaison im November 2005 wurden Temperaturen unter minus 50° C gemessen.

Internationale Kooperation
Im EPICA-Projekt arbeitet ein Konsortium von Forschergruppen aus zehn europäischen Ländern (Belgien, Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz) zusammen. EPICA wird über die European Science Foundation (ESF) koordiniert und aus nationalen Beiträgen und Fördermitteln der EU finanziert. Gegenwärtig liegt die Federführung bei Professor Heinrich Miller vom Alfred-Wegener-Institut. Bereits im Dezember 2004 wurde die erste Tiefbohrung des Projekts an der Station Dome Concordia auf dem Inlandeisplateau der Ostantarktis fünf Meter oberhalb des Felsuntergrunds in einer Tiefe von 3270 Metern beendet. Somit stehen nach Auswertung der Bohrung an der Kohnen-Station zwei Datensätze zum Vergleich zur Verfügung, was eine deutlich bessere Interpretation der Messwerte ermöglicht.

Bremerhaven, den 20. Januar 2006

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EPICA-Bohrteam-2006

Das 26-köpfige Team aus Technikern und Wissenschaftlern nach Beendigung der Bohrarbeiten. Am Bohrturm in der Mitte des Bildes hängt eine völlig vereiste Bohrlochsonde, mit der u.a. der Temperaturverlauf im Bohrloch vermessen wurde.

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Kohnen Station

Arbeit an der Kohnen-Station in der Antarktis.

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Eisbart Detail

Detailaufnahme des "Eisbartes"

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"Eisbart"

Nach dem Eintauchen des Bohrers in das Schmelzwasser am Grund des Eisschildes hat sich am Ende ein Bart aus Eis gebildet.

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Bohrhalle

Blick in die Halle aus Schnee und Eis in der die Bohrarbeiten ablaufen. Rechts im Vordergrund ist ein Kernrohr zu sehen in dessen Innerem die einzelnen Eiskerne nach oben kommen.

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Eiskern Säuberung

Ein frisch gewonnener Eiskern wird gesäubert, bevor er der weiteren Verarbeitung zugeführt wird.

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19. Januar 2006: Wärmerekord in der Arktis

Auf Spitzbergen verzeichnen Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung die höchsten Januar-Temperaturen seit Beginn der Messungen vor 15 Jahren. An zehn Tagen wurden die bisherigen Tagesrekorde um bis zu 3 Grad Celsius überschritten. Im Mittel ist der Januar bisher fast 10 Grad wärmer als im Durchschnitt. Gleichzeitig ist nach Messungen des norwegischen Polarinstituts in der ersten Januarhälfte dreimal so viel Niederschlag gefallen wie sonst im gesamten Monat.

 

Die deutsch-französische AWIPEV-Forschungsbasis mit der vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung betriebenen Koldewey-Station befindet sich an der Westküste Spitzbergens in Ny-Ålesund, der nur 1200 Kilometer vom Nordpol entfernten nördlichsten Siedlung der Welt. Normalerweise sind dort im Januar Temperaturen um minus 12 Grad Celsius die Regel. Seit dem 4. Januar liegen die Temperaturen aber über dem Gefrierpunkt. Der bisher wärmste Tag war der 16. Januar mit einer Höchsttemperatur von plus 6,5 Grad Celsius – zwei Grad mehr als der bisherige Januar-Höchstwert.

 

Durch die hohen Temperaturen schmelzen große Mengen des im Winter gefallenen Schnees. Zwischen Restschnee und Permafrostboden entstehen nicht sichtbare Schmelzwasserabflüsse, die den Forschern gefährlich werden können. „Wir können den Ort praktisch nicht mehr verlassen, um an unseren Messgeräten außerhalb zu arbeiten“, erklärt Kai Marholdt, Ingenieur an der AWIPEV-Forschungsbasis. „Auch zwischen den Gebäuden sind regelrechte Bäche mit Schmelzwasser entstanden, so etwas habe ich im Januar in diesem Ausmaß noch nicht erlebt“, berichtet Siegrid Debatin. Die Meteorologie-Technikerin an der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts besucht die Koldewey-Station seit über zehn Jahren regelmäßig für Messungen im Winter.

„Schon seit vielen Jahren sagen die Klimamodelle eine Erwärmung besonders in der Arktis voraus. Ein Aufwärtstrend der Temperaturen ist dort tatsächlich seit mehr als zwanzig Jahren zu beobachten. Es wird aber in Zukunft im Rahmen der normalen Wetterschwankungen auch wieder zu kalten Wintern kommen. Bei Warmwetterlagen wie in diesem Januar werden wir allerdings immer wieder mit neuen Höchsttemperaturen rechnen müssen“, erklärt Prof. Peter Lemke vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.

Die AWIPEV-Basis ist die gemeinsame Logistik- und Forschungsplattform des deutschen Alfred-Wegener-Instituts und des französischen Polarforschungsinstituts Paul Emile Victor (IPEV). Seit 1991 werden dort wissenschaftliche Projekte aus den Bereichen Atmosphärenforschung, Meeresbiologie und Glaziologie betrieben.

Bremerhaven, den 19. Januar 2006

 

Temperaturvergleich

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Blaues Haus

Das "blaue Haus" (rechts), Bürogebäude der AWIPEV-Forschungsbasis, gegen Ende der Polarnacht.

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Spitzbergen

Tiefhängende Wolken vor kantigen Bergen, die typische Landschaft von Spitzbergen

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19. Januar 2006: Stärkeres Abschmelzen der Hochgebirgsgletscher bis 2100 erwartet

Bis zum Jahr 2100 wird der Anstieg des Meeresspiegels aufgrund abschmelzender Eiskappen nur etwa halb so stark sein wie bisher angenommen. Allerdings schmelzen die Hochgebirgsgletscher deutlich schneller als bisher angenommen. Dies ergibt eine in Zusammenarbeit mit dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven durchgeführte und jetzt im Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlichte Studie auf Grundlage neuer Daten.

 

Bisher gingen Wissenschaftler von einem Anstieg der Meeresspiegel aufgrund der Klimaerwärmung von rund 40 Zentimeter bis zum Jahr 2100 aus. Schmelzwasser von den Eiskappen der Pole und den Gletschern der Hochgebirge trägt zu rund einem Viertel dazu bei. Der Rest ist auf die Folge erhöhter Wassertemperaturen und der damit verbundenen Ausdehnung der Wassermassen in den Weltmeeren zurückzuführen. Die aktuelle Studie kombiniert Prognosen aus globalen Klimamodellen mit Vorhersagen zur Veränderung der Eismassen. Zum ersten Mal haben die Wissenschaftler dabei die polaren Eisschilde und die Gebirgsgletscher getrennt betrachtet.

 

„In unserer Veröffentlichung beschreiben wir einen geringeren Anstieg des Meeresspiegels bis 2100 als bisher angenommen, der Beitrag des Schmelzwassers ist nur etwa halb so hoch wie bisher vermutet“, sagt Dr. Sarah Raper vom Alfred-Wegener-Institut. „Das beschleunigte Abschmelzen der Berggletscher ist dagegen ein bedeutend höheres Risiko als bisher angenommen. Schon bald kann das zu katastrophalen Überschwemmungen durch Gletscherseen führen, vor allem in Hochgebirgsregionen wie Nepal.“ Für präzisere Voraussagen werden allerdings mehr Daten von den Gletschern benötigt. „Weder die USA noch Kanada haben komplette Daten über ihre Gletscher“, erklärt Dr. Roger Braithwaite von der Universität in Manchester.


Bremerhaven, den 19. Januar 2006

Quelle: Nature 439/ 7074 (19. Januar 2006)

Kontakt: Dr. Sarah Raper (Tel.: +44 1603 592089; E-Mail: s.raper@uea.ac.uk)

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Eisformation

Antarktische Eisformation bei McMurdo

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Gletscher

Ein stärkeres Abschmelzen wird bei den Hochgebirgsgletschern erwartet.

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Elefantenfussgletscher

Der Elefantenfussgletscher in der Arktis.

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17. Januar 2006: Das segelnde Klassenzimmer

Vier Wochen lang erforschen 38 Bremerhavener Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe an Bord der Brigg "Roald Amundsen" die Seeberge im Ostatlantik. Die Expedition erfolgt im Rahmen des HIGHSEA-Schulprojektes (HIGHschool of Science & Education @ the AWI). Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung begleiten die Schüler aus zwei Jahrgängen.

 

Ziel der Expedition vom 16. Januar bis 17. Februar sind die Seeberge “Ampere” und “Seine” nahe dem Madeira Archipel im östlichen Nordatlantik. Auf zwei Fahrtabschnitten wird jeder Seeberg für jeweils zwei Wochen untersucht. Weitgehend selbstständig und eigenverantwortlich messen die Schüler mit einer Sonde den Salzgehalt und die Temperatur in verschiedenen Wassertiefen um die Seeberge. Schon an Bord beginnt die Auswertung der Daten, endgültig wird die Analyse aber erst nach Ende der Fahrt in Bremerhaven abgeschlossen. Die Untersuchungen sind nicht nur integraler Bestandteil des Unterrichts, auch die Wissenschaft interessiert sich für die Daten. „Zurzeit gibt es keine Winterdaten aus diesem Seegebiet, deshalb ist dieses Forschungsziel einzigartig und ambitioniert zugleich”, erklärt Dr. Susanne Gatti, Leiterin des HIGHSEA-Projektes. Projektkoordination und Kommunikation sind wichtige Schwerpunkte der Seereise, die den fächerübergreifenden Unterricht ergänzen. Neben den wissenschaftlichen Aufgaben an Bord der gut 50 Meter langen "Roald Amundsen" müssen die Schüler aber auch beim Segeln mit anpacken.

Unterstützt wird die Fahrt von Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung und der National University of Ireland, Galway. Seeberge sind Erhebungen zumeist vulkanischen Ursprungs, die sich aus der relativ ebenen Fläche der Tiefsee erheben. Dabei ändert sich die Wassertiefe über sehr kurze Distanzen von mehreren Kilometern Wassertiefe auf wenige hundert Meter. Um diese untermeerischen Gipfel bilden sich unter bestimmten Bedingungen Strömungswirbel. Die physikalischen und biologischen Verhältnisse innerhalb dieser auch "Taylor-Kappen" genannten Wirbel unterscheiden sich deutlich von denen außerhalb.

Das vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und den Bremerhavener Schulbehörden gemeinsam entwickelte Schulprojekt HIGHSEA soll das Interesse am naturwissenschaftlichen Unterricht fördern und zum selbstständigen Lernen anregen. Seit seinem Beginn beteiligen sich knapp siebzig Schülerinnen und Schüler an dem innovativen Projekt. Die Forschungsfahrt mit der vom Verein “LebenLernen auf Segelschiffen” aus Eckernförde betriebenen „Roald Amundsen“ wird von den Eltern und dem Alfred-Wegener-Institut finanziell und mit Ausrüstung unterstützt. Durch eine Spende der Ursula Wulfes Stiftung und den vor kurzem für das HIGHSEA-Projekt verliehenen Stifterpreis der Bremerhavener Wirtschaft konnten ein Teil der verbleibenden Kosten abgedeckt werden.

Weitere Informationen zu den Schulprojekten des Alfred-Wegener-Instituts finden sich unter
http://www.awi-bremerhaven.de/ClickLearn/SchoolProject/AWI_SP_index.html

Schiffsbewegungen und tägliche Berichte der Expedition sind zu verfolgen unter
http://www.llas.de/tagesmeldungen.html

Bremerhaven, den 17. Januar 2006

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Brigg Roald Amundsen

Die Brigg Roald Amundsen verfügt über 850 Quadratmeter Segelfläche und wird vor allem für Jugend- und Bildungsreisen eingesetzt.

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Lovis trifft Polarstern

Im letzten Jahr führte der Traditionssegler "Lovis" die HIGHSEA Schüler in die arktische Barentssee und zu einem Treffen mit "Polarstern" auf hoher See.

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Schule Experimente

Auch in Bremerhaven gilt: Wissenschaftliche Experimente machen Schule spannend.

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16. Januar 2006: Deutsch-französische Zusammenarbeit im Antarktischen Zirkumpolarstrom

Französische Wissenschaftlerin leitet Polarstern-Expedition

Auf dem dritten Fahrtabschnitt der 23. Antarktisexpedition hat zum ersten Mal eine Französin die wissenschaftliche Leitung an Bord des Forschungseisbrechers Polarstern vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Bis zur Rückkehr in Punta Arenas/Chile am 8. Februar werden in der Drake-Passage zwischen der Antarktis und Südamerika Strömungsmessgeräte ausgebracht, die mehrere Jahre lang Daten zum Zirkumpolarstrom aufnehmen sollen.

Ein Schlüssel zum Klimaverständnis

 

Der Antarktische Zirkumpolarstrom verbindet die drei Ozeane zu einem globalen System und beeinflusst damit Temperaturen und Niederschlagsmengen auch außerhalb der Polargebiete. Die Menge der transportierten Wassermassen gilt als Schlüsselindex zur Beurteilung der weltweiten Klimaentwicklung. Unter Leitung von Dr. Christine Provost vom Laboratoire d'Océanographie Dynamique et de Climatologie (LODYC) der Université Pierre et Marie Curie in Paris wird Polarstern 33 Strömungsmessgeräte und zwei Bodendruckmessgeräte an zehn Positionen im antarktischen Ozean verankern. Die Geräte liegen entlang der Flugbahn des Satelliten Jason-1, der die Neigung der Meeresoberfläche misst. Zusammen geben diese Daten Aufschluss über den Transport von Wassermassen und Wärme im Antarktischen Zirkumpolarstrom. Klimamodelle müssen diese Transporte realistisch wiedergeben, um belastbare Vorhersagen zu liefern.

Deutsch-französische Kooperation hat Tradition
„Mit Hilfe des Alfred-Wegener-Instituts haben wir die Reise sehr sorgfältig planen und vorbereiten können. Ich bin sehr zuversichtlich und freue mich auf diese Expedition und die zu erwartenden Ergebnisse“, meint Christine Provost. Die Zusammenarbeit des Alfred-Wegener-Instituts mit französischen Partnern, insbesondere mit dem französischen Meeresforschungsinstitut IFREMER und dem französischen Polarforschungsinstitut Paul Emile Victor (IPEV), wird auch in anderen Bereichen wie der Tiefseeforschung oder der gemeinsamen Station auf Spitzbergen erfolgreich betrieben.

 

Bislang erfolgreiche Expedition
Der gerade abgeschlossene zweite Fahrtabschnitt der diesjährigen Antarktisexpedition in die Lazarew-See verlief zur vollen Zufriedenheit der Forscher. Neben der Versorgung der Neumayer-Station mit unter anderem 30 Containern und 200.000 Litern Treibstoff konnte ein umfangreiches wissenschaftliches Programm absolviert werden. Im Mittelpunkt standen Arbeiten in der Lazarew-See, dem südlich von Afrika gelegenen Teil des antarktischen Ozeans. Die Untersuchungen zum ökologischen System, in dem der garnelenartige Krill eine Schlüsselstellung einnimmt, sollen den Einfluss von Wassermasseneigenschaften, Meereis und biologischer Faktoren auf das Wachstum und die Vermehrung der Tiere erklären. Neben der Ermittlung der Bestandsdichten werden die Tiere in Aquarien gehalten, um deren Entwicklung zu beobachten. Kurz vor Ende der Fahrt gab es beim Krill an Bord sogar den ersten Nachwuchs zu verzeichnen..

Bremerhaven, den 16. Januar 2006

Weitere Informationen zur aktuellen Polarstern-Expedition gibt es unter http://www.awi-bremerhaven.de/MET/Polarstern/psobse.html und unter http://drake-ipy.ipsl.jussieu.fr/.

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Drake

Durch die Drake-Passage zwischen Suedamerika und Antarktis stroemt der Antarktische Zirkumpolarstrom

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Polarstern

Polarstern bei der Versorgung der Neumayer-Station.

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Krill

Krill hat eine Schluesselrolle im antarktischen Nahrungsnetz.

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27. November 2006: Unerhört 65 - Frühling unterm Eis

Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen dem Alfred-Wegener-Institut
und Unerhört im Rahmen "Stadt der Wissenschaft 2005" bietet dieses Folgeprojekt
die Möglichkeit, wissenschaftliche Daten in einen musikalischen Kontext zu übersetzen. Dabei arbeiten Künstler und Wissenschaftler eng zusammen. Zum Auftakt dieser Reihe stellt der Physiker Lars Kindermann vom Alfred-Wegener-Institut Klänge aus der Unterwasserwelt der Antarktis vor.

 

Nahe der Atka Bucht im Südlichen Ozean liegt PALAOA, eine Messstation der Forschungsgruppe Ozeanische Akustik. Mehrere Unterwassermikrofone, so genannte Hydrophone, zeichnen seit einem Jahr die Klänge der Antarktischen Unterwasserwelt unterhalb des 100 Meter dicken Eisschildes auf. In dieser, von menschlichem Lärm so weit wie nur irgend möglich entfernten Gegend, tauchen wir in eine Klanglandschaft ein, die von Wellen und Wind, Eis und den Lauten der Meeresbewohnern bestimmt ist.

In dem künstlerischen Projekt werden die Bedingungen des Hörens über, beziehungsweise unter Wasser thematisiert. Die von den Meeressäugern ausgesendeten Klänge dienen unter anderem der Orientierung unter Wasser. Das menschliche Ohr könnte unter Wasser diese Klänge wohl hören, sie aber nicht in ihrer Richtung unterscheiden. Die Unterwasserwelt ist für das menschliche Ohr eindimensional. In der Zusammenarbeit zwischen Lars Kindermann und Jens P. Carstensen werden ausgesuchte Klänge aus dem täglichen Datenstrom zwischen der Neumayer Station und dem Alfred-Wegener-Institut mittels eines Mehrkanalsystems in eine Raumklang - Installation im übersetzt.

So klingt es unter dem Eis:

Das klangliche Ergebnis wird als "Unterwasserlounge im Eismeer" am Donnerstag, den 30. November 2006 von 17 – 21 Uhr im Alfred-Wegener-Institut im Gebäude in der Columbusstraße unter warmen und gemütlichen Bedingungen zu erleben sein. Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Jens Kube (Tel: 0471 4831-2007; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de). Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter www.awi-bremerhaven.de/AWI/Presse/PM/index-d.html. Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

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PALAOA w

Die Messstation PALAOA in der Antarktis. Foto: Lars Kindermann, Alfred-Wegener-Institut

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24. November 2006: Polarstern auf Mission zum Larsen-Schelfeis

 

Ein weißer Fleck in der antarktischen Biodiversitäts und Ökosystemforschung


Die Antarktische Halbinsel und die Westantarktis zeigen aufgrund lokaler Erwärmung deutliche Veränderungen. Gletscher fließen schneller ab und ganze Schelfeisgebiete wie beispielsweise das Larsen-Schelfeis kollabieren. Eine interessante Konsequenz: Es werden Gebiete für Wissenschaftler zugänglich, die bisher mit mehrere hundert Meter dickem Schelfeis bedeckt waren.


 
Collapse of the Larsen Ice-shelf.

Ein bisher unerforschter Ort
Durch den Abbruch des Larsen-B-Schelfeises entlang der Antarktischen Halbinsel ist eine Fläche von 3250 Quadratkilometern zugänglich geworden. Bisher ist dies ein weißer Fleck auf den Karten der Antarktis. Wissenschaftler werden von Polarstern, dem Flaggschiff des Alfred-Wegener-Instituts, dort die ersten biologischen Untersuchungen vornehmen. Sämtliche Lebensgemeinschaften, von Mikroorganismen bis hin zu Walen, sind im Interesse der Forscher.

Im Vorfeld des Internationalen Polarjahrs
47 Wissenschaftler aus 12 Ländern sind an Bord von Polarstern. Von Ende November 2006 bis Januar 2007 bilden sie ein internationales Team, ihre Forschungsprogramme fügen sich zu einem Puzzle zusammen. Der Fokus des wissenschaftlichen Programms liegt auf den biologischen Besonderheiten dieses unbeschriebenen Gebietes. Zu den wichtigsten Beitragenden zählt Census of Antarctic Marine Life (CAML). Das Projekt hat zum Ziel, sämtliche Lebewesen in der Antarktis zu erfassen.

Kooperation zur Öffentlichkeitsarbeit

Das Alfred-Wegener-Institut kooperiert auf dieser Polarstenexpedition mit verschiedenen Einrichtungen, um die Themen der Polarforschung an die breite Öffentlichkeit zu tragen. Dazu gehören:

Census of Marine Life (CoML)
„Census of Marine Life“ ist ein wachsendes Netzwerk von Wissenschaftlern aus über 70 Nationen. Sie haben sich innerhalb einer zehnjährigen Initiative dazu verpflichtet, Diversität, Verteilung und Vorkommen von Lebewesen in den Weltmeeren zu erfassen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Lebewesen in den verschiedenen Lebensräumen sind dabei von Interesse. www.coml.org

Census of Antarctic marine life (CAML)

„Census of Antarctic Marine Life“ ist Teil des globalen Zensus (CoML). Er untersucht Verteilung und Vorkommen der reichen antarktischen Flora und Fauna. Damit soll ein Richtwert geschaffen werden, der als Referenz für künftige Untersuchungen in Hinblick auf den Klimawandel dienen soll. Als eines der Hauptprojekte des Internationalen Polarjahres, wird „Census of Antarctic Marine Life“ das größte meereswissenschaftliche Programm im Bereich Antarktis sein. Es wird alle Regionen, Biosphären und Habitate umfassen. www.caml.aq

The Cousteau Society (TCS)
Die Cousteau Gesellschaft ist eine internationale Organisation die 1973 von Jacques-Yves Cousteau gegründet wurde. Unter anderem beschäftigt sie sich mit dem Gleichgewicht zwischen Menschheit und Natur innerhalb der Ozeane. Die Gesellschaft hat eine 30-jährige Erfahrung in der Dokumentation und Vermittlung des Wertes natürlicher Rohstoffe, auch in den Polargebieten. Die Gesellschaft hat sich selbst die Aufgabe gesetzt, die Antarktis als natürliches Reservat und als Land von Wissenschaft und Frieden zu bewahren. www.cousteau.org

International Polar Foundation (IPF)
IPF vermittelt die Polarwissenschaften als einen Weg zum Verständnis der Schlüsselmechanismen in Umwelt- und Klimaprozessen. Die Stiftung nutzt das Internationale Polarjahr als ein wirksames Werkzeug zur Vermittlung ihrer Botschaft auf der großen Bühne. Neben der Aufgabe der internationalen Vermarktung des Internationalen Polarjahres, wird ein begleitender Wissenschaftler der Stiftung die Expeditionen nachbearbeiten und insbesondere Jugendlichen zugänglich machen. Dies geschieht auf den Seiten: www.polarfoundation.org und www.educapoles.org.

Polar Embassy
Polar Embassy ist ein offizielles Projekt des Internationalen Polarjahres zur Öffentlichkeitsarbeit, das wissenschaftliches Know-how mit der Öffentlichkeit verbinden soll. Es konzentriert sich dabei auf die Themen: Nachhaltige Entwicklung und Klimawandel, sowie deren Verbindungen „Von Lokal zu Polar.“ Die Polar Embassy hat hierfür Aktionen entwickelt, die es einigen Teilnehmern ermöglichen wird, auf besonderen Expeditionen, zum Beispiel an Bord eines Eisbrechers teilzunehmen. Diese Mitglieder werden daraufhin als „Polarbotschafter“ mit der Aufgabe betreut, die Botschaft des Polarjahres und seine Bedeutung für unseren Planeten zu verbreiten.

Zeitplan
23. November 2006: Abfahrt von Kapstadt, Südafrika in Richtung Weddellmeer (1).

4./5. Dezember 2006: Polarstern versorgt die deutsche Neumayer-Station mit Lebensmitteln und Treibstoff (2).

Ca.14. Dezember 2006: Erreichen des Untersuchungsgebietes an der westlichen Seite der antarktischen Halbinsel, rund um die South Shetland Islands (3).

Bis 26. Januar 2007: Ökologische Arbeiten im ehemaligen Larsen- A/B-Schelfeisgebiet. Sollte das Gebiet wegen der Meereeisbedeckung nicht erreichbar sein, wird ein ähnliches Programm rund um Joinville Island durchgeführt (4).

30. Januar 2007 Ende der Expedition und Ankunft in Punta Arenas, Chile (5).

Wissenschaftliches Programm

25 verschiedene Forschungsprojekte werden von 47 Wissenschaftlern durchgeführt. Sie umfassen die Bereiche Benthlogie, Planktologie, Taxonomie, Physiologie, Biogeochemie, Genetik und Bathymetrie.

Fischereimanagement
Der erste Teil der Expedition widmet sich den Fischbeständen der Antarktis und knüpft an ein Dutzend ähnlicher Begutachtungen seit 1976 an. Das Projekt trägt zur Konvention zum Schutz der lebenden Meeresschätze der Antarktis bei (Convention on the Conservation of Antarctic Marine Living Resources -CCAMLR, www.ccamlr.org). Wissenschaftler kontrollieren kürzlich befischte Gebiete im Bereich der Antarktischen Halbinsel und erfassen den Erholungsstatus der Bestände.

Globale Erwärmung und das Kollabieren von Schelfeis

Wenn antarktische Gletscher die Küste des Kontinents erreichen, schwimmen sie auf und werden zu Schelfeis. Durch Kalben lösen sich große Stücke, die als Eisberge wegtreiben. Seit 1974 hat sich eine Fläche von rund 13.500 Quadratkilometer von den Schelfeisen der Antarktischen Halbinsel abgelöst. Ein Phänomen, das auf eine lokale Erwärmung um zwei Grad Celsius innerhalb der letzten 50 Jahre zurückgeht. Viele Wissenschaftler sind beunruhigt, dass ähnliche Abbrüche auch in anderen Gebieten auftreten könnten, den Eisabfluss beschleunigen und somit den Anstieg des Meeresspiegels weiter vorantreiben könnten. Der Abbruch der Larsen-B-Platform im Februar 2002 ist das letzte und bisher größte dieser Ereignisse. Vermutlich durch Veränderungen in den Meeresströmungen hat die lokale Erwärmung zusätzlich ein 3250 Quadratkilometer Meeresoberfläche von seiner Eisbedeckung befreit, die dort seit mindestens 5000 Jahren vorhanden war.

Evolution der Bodenfauna
Sobald das Eis abgebrochen und abtransportiert ist, wandern pflanzliche und tierische Planktonorganismen in das neue gewonnene Gebiet und gedeihen dort. Wissenschaftlern bietet dies die Möglichkeit, den Prozess der Wiederbesiedlung und die Entwicklung der Lebensgemeinschaften am Meeresboden, die von Plankton abhängen, zu beobachten. Mit verschieden Netzen, Greifern und Fallen werden Proben genommen. Die verschiedenen Techniken sowie ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug mit Videokamera werden die Beschreibung neuer Arten aus dieser unberührten Umwelt ermöglichen. Die wissenschaftlichen Studien befassen sich mit Mikroorganismen, Schwämmen, Krebsen, Tintenfische, Seesternen und Walen. Die Organismen und ihre Lebensräumen von der Schelfeiskante bis ins offene Meer werden ein Maßstab für frühe Besiedlung sein. Diese Untersuchungen können zur Bewertung von Veränderungen der Biodiversität von antarktischen Lebensgemeinschaften dienen. Sie können dann zum Vergleich für andere Gebiete der Antarktis herangezogen werden, wo der Abbruch von Schelfeis bereits erwartet wird.

"Cold seeps"
Die Expedition dient auch dazu, die ersten Untersuchungen an Lebensgemeinschaften an so genannten "cold seeps" durchzuführen. Das sind Stellen am Meeresboden, an denen Methan und andere gelöste Gase austreten. 2005 wurde die erste ihrer Art in der Antarktis von einem amerikanischen Geowissenschaftler-Team entdeckt. In dieser acht Quadratkilometer großen Zone treten gelöste Gase und Schlamm aus, die die Grundlage für Bakteriengemeinschaften bieten. Große Ansammlungen von Muscheln sind dort zu finden. Diese Weichtiere und ihre assoziierte Fauna leben wahrscheinlich von chemischer Energie aus dem Erdinneren im Gegensatz zu Lebewesen die von Photosynthese oder heißen Quellen leben.

Bremerhaven, den 24. November 2006

Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471/4831-1742; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de).

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Polarstern in der Antarktis

Polarstern in der Antarktis

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Ablösen des Larsen-Eisschelfs.

Ablösen des Larsen-Eisschelfs

Ablösen des Larsen-Eisschelfs.
Collapse of the Larsen Ice-shelf.

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7. Juli 2006: Wo Meereswissenschaft zur Kunst wird

Zwischen Kunst und Wissenschaft vermittelt die Foto-Ausstellung ImaGene, die am 21. Juli um 14 Uhr im Helgoländer Aquarium eröffnet wird.

Bunte Korallenriffe, feingliedrige Algen, hauchzarte Einzeller – die faszinierende Vielfalt des Lebens im Meer wird in der ImaGene Ausstellung gezeigt. Mehr als 400 Wissenschaftler aus Europa haben sich an einem Fotowettbewerb zum Thema Leben im Meer beteiligt. Vom 21. Juli bis 31. August sind die prämierten Bilder im Aquarium der Biologischen Anstalt Helgoland des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung zu sehen.

 

Neue Bilder aus der Unterwasserwelt
Über 400 Nachwuchswissenschaftler aus 16 Ländern haben sich an dem Fotowettbewerb zum Thema Leben im Meer beteiligt. Vom Ökosystem bis zur Zelle birgt das marine Leben aufgrund seiner schwierigen Zugänglichkeit noch immer viele Rätsel. Neue Bilder der Unterwasserwelt aufzuspüren, welche die Schönheit des Meeres und die Schutzwürdigkeit seiner Bewohner illustrieren, war das Ziel dieses Wettbewerbs. Die Ausstellung, die inzwischen als Wanderausstellung in ganz Europa unterwegs ist, zeigt die besten Fotos aus den Kategorien Ökosysteme, Organismen und Zellen. Initiator des Wettbewerbs ist Marine Genomics Europe, ein Netzwerk in dem sich Meeresbiologen aus europäischen Ländern zusammengeschlossen haben. Sie möchten der Öffentlichkeit die faszinierende Ästhetik der Meeresbewohner zeigen um sie für ihre Forschung zu sensibilisieren.

 

Korallenriffe im Roten Meer
Katrin Bruder, Biologin am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, hat sich an dem Wettbewerb beteiligt. Für ihr Foto von Korallenriffen im Roten Meer erhielt sie in der Kategorie „Ökosysteme“ einen der mit 1000 Euro dotierten, ersten Preise. „In den Korallenriffen mit den vielen verschiedenen Tieren zu tauchen, ist immer ein sehr eindrucksvolles Erlebnis,“ beschreibt die Biologin ihren Einsatz unter Wasser.

 

Das Helgoländer Aquarium
Das Forschungs-, Lehr- und Schauaquarium der Biologischen Anstalt Helgoland ermöglicht dem Besucher einen Blick in die Unterwasserwelt der Nordsee. Zahlreiche Meerestiere und –pflanzen werden in ihren charakteristischen Lebensräumen gezeigt. Eine besondere Attraktion ist das Arenabecken mit Haien, Plattfischen und einem der letzten noch lebenden Nordsee-Störe. Die Biologische Anstalt Helgoland ist das älteste deutsche Meeresforschungsinstitut und gehört seit 1998 zum Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung.
Das Aquarium ist Montag bis Freitags von 10 – 17 Uhr, samstags und sonntags von 13 – 16 Uhr geöffnet. Bei der Ausstellungseröffnung am 21. Juli ist der Eintritt frei.
Weitere Informationen zum Helgoländer Aquarium unter: www.awi-bremerhaven.de/BAH/aquarium-d.html

Bremerhaven, den 14. Juli 2005

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Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner ist Stefan Leusmann (Tel. 04725 / 819-228; E-Mail: sleusmann@awi-bremerhaven.de). Ihre Ansprechpartnerin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Susanne Diederich (Tel: 0471 / 4831-1376; E-Mail: sdiederich@awi-bremerhaven.de). Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Webseite unter www.awi-bremerhaven.de/AWI/Presse/PM/index-d.html.

Bremerhaven, den 7. Juli 2006

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Korallenriff

Korallenriff im Roten Meer: Auffällig sind die leuchtend rote Koralle und die farbenprächtige Nacktschnecke.

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Leopardenhai

Leopardenhai und Schiffshalter leben in trauter Harmonie zusammen.

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Pfauenaugenbutt

Ein perfekt an seine Umgebung angepasster Pfauenaugenbutt.

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14. Dezember 2005: Sommerforschung in der Antarktis

Pünktlich zu Beginn der kalten Jahreszeit in unseren Breiten beginnt in der Antarktis die 25. Sommerkampagne des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.

In Kooperation mit elf Forschungsinstituten und 14 logistischen Einrichtungen aus neun Ländern führt das Alfred-Wegener-Institut von Oktober 2005 bis Mitte April 2006 Forschungsvorhaben in der Antarktis durch. Zu einer der Hauptaufgaben während der kurzen Sommersaison zählt neben den wissenschaftlichen Untersuchungen die Versorgung der verschiedenen Stationen des Alfred-Wegener-Instituts mit Personal und Material.

 

Der Transport von mehr als 60 Personen und einem Teil der Fracht erfolgt durch die Flugzeuge von DROMLAN (Dronning Maud Land Air Network). Im Zentrum des von verschiedenen Nationen gemeinsam betriebenen Netzwerks steht die russische Station Novolazarewskaja, die von Kapstadt aus mit einem Transportflugzeug des Typs Iljushin 76 angeflogen wird. Kleinere, speziell für den Einsatz in Polargebieten umgerüstete Flugzeuge transportieren Wissenschaftler und Ausrüstung weiter zu ihren Einsatzorten.

Am Dallmann-Labor (62°14'S, 58°40'W) auf der Antarktischen Halbinsel, das nur im antarktischen Sommer besetzt ist, stehen biologische Forschungen im Vordergrund. Die weitgehend eisfreie Potter Bucht bietet ausgesprochen günstige Bedingungen zur Untersuchung der Wechselbeziehungen zwischen Arten in einem polaren Ökosystem. Neben Freilandaufnahmen können im Dallmann-Labor auch Laborexperimente durchgeführt werden. Nach Abschluss der Innenausrüstung stehen in dieser Saison drei weitere Labor- und ein Lagercontainer zur Verfügung. Neben der Aufnahme des Arteninventars stehen Untersuchungen zur Physiologie und damit zur Anpassungsfähigkeit von Algen an sich wandelnde Klimabedingungen auf dem Programm der Forscher.

 

An der Kohnen-Station (75°00'S, 00°04'O) im Dronning Maud Land wird im Rahmen des European Project for Ice Coring (EPICA) eine Eiskernbohrung fortgeführt, die mittlerweile eine Tiefe von 2565 Metern erreicht hat. Während der letzten fünf Jahre haben die EPICA-Forscher Eiskerne gewonnen, die einen Einblick in über 900.000 Jahre Klimageschichte unserer Erde ermöglichen. Die Wissenschaftler rechnen damit, im Januar 2006 den antarktischen Felssockel zu erreichen und damit die Bohrarbeiten erfolgreich abzuschließen.

Ende November 2005 ist die neue Überwinterungsgruppe des Alfred-Wegener-Instituts an der Neumayer-Station (70°39'S, 08°15'W) eingetroffen. Die neunköpfige Gruppe, in diesem Jahr sind es fünf Frauen und vier Männer, wird im Januar die jetzigen Überwinterer ablösen und für insgesamt 15 Monate in der Antarktis arbeiten. Neben einem Elektriker, einem Elektroniker, einem Stations-Ingenieur, einer Köchin und einer Ärztin als Stationsleitung werden dann vier Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die meteorologischen-, geophysikalischen- und luftchemischen Langzeitmessungen an der Neumayer-Station fortsetzen.

Bremerhaven, den 14. Dezember 2005

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Kohnen Station

Arbeit an der Kohnen-Station in der Antarktis.

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Schneefräse

Auch die Schneefräse kann nicht verhindern, dass die Neumayer Station jedes Jahr ein wenig tiefer im Schnee liegt. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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Transportmaschine Iljushin 76

Mit russischen Iljushin 76 Transportmaschinen gelangen Wissenschaftler und Teile der Ausrüstung von Kapstadt nach Nowolazarewskaja in der Antarktis. Foto: Sepp Kipfstuhl

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Dallmann-Labor

Das Dallmann Labor in der argentinischen Jubany Station auf der antarktischen Halbinsel wird vor allem von Biologen genutzt. Foto: Christian Wiencke

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12. Dezember 2005: Datenbank für südamerikanische Fischer

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts sammeln Informationen über das küstennahe Ökosystem vor Südamerika, um Prognosen über die Verfügbarkeit mariner Ressourcen sicherer zu machen. Daraus entwickeln sie Handlungsvorschläge für Politiker und Fischereigenossenschaften. So sollen die hat meist katastrophalen Auswirkungen des dort periodisch auftretenden El Niño-Phänomens auf Fischerei und Wirtschaft gemildert werden. Dieses vom Alfred-Wegener-Institut koordinierte Projekt CENSOR wird von der Europäischen Union gefördert. Rund ein Jahr nach Beginn umfasst die Datenbank bereits 1000 Datensätze.

CENSOR

 

CENSOR ist die englische Abkürzung für „Klimavariabilität und El Niño-Oszillation der Südhalbkugel: Auswirkungen auf natürliche Küstenressourcen und Management“. Eines der Hauptziele des Projektes ist die Zugänglichkeit von wissenschaftlichen Daten für Forscher und andere Nutzergruppen zu verbessern. „Die so genannte graue Literatur ist eine der wichtigsten Quellen naturwissenschaftlichen Wissens und eine nicht zu vernachlässigende Grundlage für Management-Strategien in Ländern der dritten Welt“, erklärt Dr. Jürgen Laudien vom Alfred-Wegener-Institut. „Dazu zählen Semester- und Diplomarbeiten, Notizbücher und andere nicht veröffentlichte Texte aus universitärem Umfeld, die oft wichtige Daten beinhalten.“ CENSOR sammelt diese Daten, sichtet sie und bringt sie in ein einheitliches Format. Sie werden dann im Weltdatenzentrum für marine Umweltwissenschaften (WDC-MARE) archiviert und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der älteste Datensatz stammt aus dem Jahr 1953.

 

Gigantische Datenmengen
Das Weltdatenzentrum für marine Umweltwissenschaften ist ein virtuelles Institut und wird vom Alfred-Wegener-Institut und dem Zentrum für marine Umweltwissenschaften betrieben. Es steht Wissenschaftlern für Datenerfassung, -veröffentlichung und -zugriff zur Verfügung. Technisch werden die Daten im Informationssystem PANGAEA (Publishing Network for Geoscientific & Environmental Data) wie in einer elektronischen Bibliothek gespeichert. Das System kann im Internet eingesehen werden und ist eines der weltweit umfassendsten Archive dieser Art. Mit zurzeit einigen Tausend Zugriffen pro Tag wird es intensiv in der Meeresforschung genutzt und ist eine wichtige Quelle für die Betrachtung und Interpretation von Zusammenhängen. Dies ist für das Verständnis der komplizierten Prozesse, die sich während und nach El Nino abspielen von Bedeutung.

El Niño

 

Das Projekt soll genutzt werden, um Fischer an der südamerikanischen Pazifikküste frühzeitig vor den negativen Auswirkungen des El Niño zu warnen und positive Effekte besser zu nutzen.
El Niño ist weltweit die stärkste, immer wiederkehrende natürliche Klimaschwankung, die zwischen einer Warmphase und einer Kaltphase wechselt. Die warme Phase (El Niño) tritt über eine Periode von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren auf und beeinflusst die Wettersituation im gesamten Pazifikraum und darüber hinaus. Das Hochdruckgebiet vor der südamerikanischen Küste ändert sich in ein Tief und bringt Regen in die sonst trockenen Wüstengebiete. Die Passatwinde werden schwächer, der im Westpazifik angestaute Wasserberg schwappt zurück, die Strömungssysteme kehren sich um, und warme Wassermassen erreichen die südamerikanische Küste. Das marine Kaltwasser-Ökosystem Humboldtstrom - eines der produktivsten Systeme weltweit - wird durch diese Veränderungen stark getroffen: planktische Algen sterben ab, Fische finden keine Nahrung, die Seevögel und Robben keine Fische mehr. Der Zusammenbruch des Nahrungsnetzes in El Niño-Zeiten führt zu einem deutlichen Rückgang der Nutzfischbestände und schließlich zum Zusammenbruch der Fischerei.

Mehr über das Projekt und die gesammelten Daten finden Sie unter http://www.censor.name, ihr Ansprechpartner ist Dr. Jürgen Laudien.

Bremerhaven, den 12. Dezember 2005

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Garnelen

Garnelen der Art Xiphopenaeus riveti sind die wirtschaftlich wichtigste Gruppe der wirbellosen Einwanderer während El Niño. Foto: Wolf Arntz

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Laguna Grande

Laguna Grande, Pisco Bucht, Peru. Foto: Wolf Arntz

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Fischerhafen Samanco

Fischerhafen Samanco südlich von Chimbote, Peru. Fischnetze werden für die neue Ressource Garnelen umgebaut. Foto: Wolf Arntz

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Probenanalyse

Probenanalyse und Artbestimmung im Labor. Foto: Jose Velez

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9. Dezember 2005: AWI-Schülerlabor begrüßt tausendste Schülerin

Am 12. Dezember 2005 begrüßt das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung die tausendste Schülerin im Schülerlabor SEASIDE. Das Projekt richtet sich an alle Altersstufen. Zurzeit wird dieses ein- oder mehrtägige Lernangebot zu polaren und marinen Themen insbesondere von Grundschulen genutzt.

 

Die tausendste Teilnehmerin heißt Brianna und besucht die vierte Klasse der Goetheschule in Bremerhaven. Bereits zum sechsten Mal ist die Klasse zu Gast im Alfred-Wegener-Institut. Seite an Seite mit Wissenschaftlern des Instituts bearbeiten die Schülerinnen und Schüler Themen wie „Warum schwimmen manche schweren Gegenstände, während andere - sehr leichte Dinge - einfach untergehen“, oder „Lässt sich Wasser stapeln?“. Durch eigene Vermutungen und mit vielen freien Experimenten erforschen die Teilnehmer auch die Ursachen ihrer Beobachtungen. Das seit 2003 angebotene Projekt SEASIDE (Science and Education @ the AWI: Single Day Experiments) soll den normalen Schulunterricht nicht ersetzen, sondern bietet eine Unterstützung und Ergänzung auf hohem Niveau an. Das Altersspektrum der Teilnehmer umfasst Gruppen aus dem Kindergarten ebenso wie zwölfte Klassen aus dem Gymnasium. Den weitaus größten Anteil haben zur Zeit Schüler der dritten und vierten Klasse.

 

„Wir wollen den Kindern zeigen, dass Lernen sehr viel Spaß machen kann. Die Kinder arbeiten durchweg sehr konzentriert und fleißig an ihren Themen. Fast nebenbei wird dabei das erlernte Wissen nachhaltig verankert“, erklärt Dr. Susanne Gatti, wissenschaftliche Koordinatorin der Schulprojekte am Alfred-Wegener-Institut. „Um das zu erreichen, ist eine intensive Vorbereitung mit den Klassenlehrern unumgänglich.“ Dass das Programm den Kindern Spaß macht und auch bei den Lehrern gut ankommt, zeigt sich daran, dass sich deutlich mehr Klassen anmelden, als aufgenommen werden können.

 

Die Unterstützung der Bremerhavener Schulen durch das Alfred-Wegener-Institut endet nicht bei den Grundschulen, sondern setzt sich bis zum Abschluss des Abiturs fort. Im Projekt HIGHSEA (High School of Science and Education @ the AWI) verbringen Schüler ab der 11. Klasse drei Jahre lang wöchentlich zwei Tage im Alfred-Wegener-Institut. Neben den naturwissenschaftlichen Fächern lernen sie auch Englisch. Im Sommer 2005 hat die erste Gruppe ihr Abitur mit sehr gutem Erfolg abgeschlossen. Die Unterrichtsgestaltung und Schwerpunktsetzung des fächerübergreifenden Gemeinschaftsprojekts von Bremerhavener Schulamt und Alfred-Wegener-Institut wurde zuletzt im November dieses Jahres von der Industrie- und Handelskammer Bremerhaven mit dem Stiftungspreis der Wirtschaft ausgezeichnet. Am 14. Dezember findet im Alfred-Wegener-Institut eine Informationsveranstaltung für Bewerbungen auf den nächsten, inzwischen fünften, HIGHSEA Jahrgang statt.

Weitere Informationen zu den Schulprojekten des Alfred-Wegener-Instituts finden sich unter http://www.awi-bremerhaven.de/ClickLearn/SchoolProject/SEA_index_d.html, Ansprechpartner ist Dr. Susanne Gatti.

Bremerhaven, den 9. Dezember 2005

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Vorbereitung

Vorbereiten von Wasserlösungen mit verschiedenen Salzgehalten. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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Wasser stapeln

Gefärbtes Wasser unterschiedlicher Temperaturen und Salzgehalte schichtet sich im Reagenzglas wie die großen Meeresströmungen in den Ozeanen. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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Auftrieb

Manche der Gegenstände schwimmen, kommen aber nicht wieder an die Oberfläche zurück wenn sie einmal untergetaucht sind. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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25. November 2005: Harmonien im Eis

Vibrationen eines Eisbergs registrierten Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung und der Firma Fielax mit Seismographen an der Neumayer Station in der Antarktis. Die aufgezeichneten Schwingungen bilden harmonische Klänge mit bis zu 30 Obertönen, die jedoch aufgrund der Tontiefe für das menschliche Ohr nicht hörbar sind. Die Daten könnten zu einem besseren Verständnis der Vorgänge in Vulkanen verhelfen, da dort ähnliche Schwingungsmuster auftreten.

Ergebnisse könnten auch Vulkanologen helfen

 

Die Ergebnisse ihrer Messungen analysieren die Forscher jetzt in einer im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichten Studie. Anfänglich wurde vulkanische Aktivität als Ursache der als Tremore bezeichneten niederfrequenten Schwingungen angenommen. Durch den Vergleich von seismischen Peilungen stellte sich allerdings heraus, dass die Quelle der Schwingungen wanderte. Mit Hilfe von Satellitenaufnahmen konnte schließlich ein gigantischer Eisberg mit einer Fläche von 30 mal 50 Kilometern als Ursache identifiziert werden.

Die Forscher vermuten, dass innerhalb der Spalten- und Tunnelsysteme des Eisbergs strömendes Wasser elastische Schwingungen anregt, ähnlich den Schwingungen einer Orgelpfeife. „Das Verständnis dieser, vulkanischen Tremoren sehr ähnlichen Aufzeichnungen könnte umgekehrt auch den Vulkanologen helfen, die Ursachen vulkanischen Tremors besser zu erklären“, vermutet Christian Müller von der Firma Fielax GmbH. „Eisberge besitzen im Gegensatz zu komplexen Vulkansystemen eine einfachere Aufbaustruktur.“

 

13 Stunden Tremor
Das spektakulärste der insgesamt elf Ereignisse wurde am 22. Juli 2000 aufgezeichnet und hielt 16 Stunden an. Auslöser waren zwei kurzzeitige Erdbeben, die lokalisiert werden konnten und durch die Kollision des Eisbergs mit der Kennung B-09A mit dem Kontinentalhang erzeugt wurden. Anschließend wurden seismische Signale in einer zweistündigen Sequenz mit stark variierenden Frequenzen registriert, die von einer einstündigen seismischen Ruhephase abgelöst wurde. Darauf folgte dann harmonischer Tremor von 13 Stunden Dauer. Die seismischen Geräusche entstanden durch die Fortsetzung der Kollision des Eisbergs, der am Kontinentalhang entlangschrammte oder durch Einbrüche innerhalb des Eisbergs.

Bereits 1987 war der Eisberg vom Ross-Schelfeis losgebrochen und zweimal auf seinem Weg um die Antarktis für mehrere Jahre gestrandet, bis er im Jahr 2000 an der Neumayer-Station des Alfred-Wegener-Instituts in Richtung Westen vorüber trieb. Neben dem harmonischen Charakter war besonders die von B-09A erzeugte Intensität der Tremore auffällig. Sie wurden auf einer Entfernung bis über 800 Kilometern seismisch wahrgenommen und sind in ihrer Stärke mit vulkanischen Tremoren wie vom Mount St. Helens oder den Vulkanen auf Hawaii vergleichbar.

Der Artikel „Singing icebergs“ wird am 25. November in “Science” (Vol. 310, Issue 5752) veröffentlicht.

Ansprechpartner ist Dr. Christian Müller.

Bremerhaven, den 24. November 2005

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Eisberg

Auf der Oberfläche und vor allem an den Rändern des Eisbergs B-09 sind ausgedehnte Spaltensysteme zu erkennen. Diese sind vermutlich die Quellen der Tremore. Foto: RADARSAT-Aufnahme der Canadian Space Agency

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Eishöhle

Eisberge weisen im Inneren eine komplexe Struktur aus Spaltensystemen, Tunneln und Brandungshöhlen. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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Olymp

Die autonome Seismometer-Station VNA3, auch "Olymp" genannt, ist eine der Messstationen des seismologischen Netzwerkes und liegt etwa 100 Kilometer südwestlich der Neumayer Station. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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"Watzmann"

Die 16 in bestimmter Geometrie angeordneten Seismometer der autonomen Mess-Station VNA2 "Watzmann" dienen wie eine Antenne als Empfangsanlagen für seismische Wellen. Hiermit konnten die Schwingungen erfasst und lokalisiert werden. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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25. November 2005: Enge Kopplung zwischen Klima und Treibhausgasen in der Vergangenheit

Noch nie in den letzten 650.000 Jahren waren die Treibhausgas Konzentrationen so hoch wie heute. Die warmen Klimaperioden im Zeitraum vor 650.000-420.000 Jahren wiesen sogar geringere Kohlendioxid und Methan Konzentrationen auf als in den darauf folgenden Warmzeiten. Zu dieser Aussage kommt ein europäisches Forscherteam unter Mitarbeit von Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung nach der Auswertung eines antarktischen Eiskerns. Die Ergebnisse erweitern die bisher bekannten Daten zu den historischen Konzentrationen von Kohlendioxid-, Methan- und Lachgas in der Atmosphäre um 250.000 Jahre.

 

In zwei Publikationen im Wissenschaftsmagazin Science zeigen Forscher der Universität Bern zusammen mit ihren Kollegen aus Frankreich und Deutschland, dass geringere Treibhausgaskonzentrationen in den letzten 650.000 Jahren auch mit kühleren Bedingungen verknüpft waren. „Die Kopplung zwischen Temperatur und Kohlendioxid beziehungsweise Methan Konzentrationen in der Vergangenheit ist zeitlich erstaunlich konstant. Erst durch den Einfluss des Menschen in den letzten Jahrhunderten wurden atmosphärische Treibhausgase über ihre natürlichen Grenzen hinaus erhöht“, erläutert Dr. Hubertus Fischer vom Alfred-Wegener-Institut. Prof. Dr. Thomas Stocker vom Physikalischen Institut der Universität Bern in der Schweiz fügt hinzu: „Die Analyse streicht die Tatsache heraus, dass die heutige Konzentration von atmosphärischem Kohlendioxid mit 0,38 Volumenpromille bereits 27 Prozent höher liegt als der höchste aufgezeichnete Stand während der letzten 650.000 Jahre.“

 

Der Eiskern wurde im Rahmen des European Project for Ice Coring in Antarctica (EPICA) auf dem antarktischen Plateau bei der Sommerstation Dome C erbohrt. Eiskerne gehen letztlich auf einzelne Schneefälle zurück, aus denen sich im Laufe der Zeit Gletschereis entwickelte. Ungefähr zehn Prozent des Volumens eines Eiskerns bestehen aus zwischen den Eiskristallen eingeschlossenen Luftblasen. Aus der Analyse der eingeschlossenen Luft sowie der chemischen Zusammensetzung und der physikalischen Eigenschaften des Eises können die Wissenschaftler auf die Zusammenhänge zwischen Prozessen in der Atmosphäre und Klimaänderungen in der Vergangenheit schließen.

Die Bohrung auf Dome C wurde im vergangenen Winter zu Ende geführt. Somit steht für weitere Messungen noch älteres Eis zur Verfügung. Die Glaziologen schätzen, dass in den noch nicht analysierten Eiskernen die ungestörte Klimageschichte bis zu einem Alter von ungefähr 900.000 Jahren gespeichert ist. Das Projekt EPICA wird von einem Konsortium aus zehn europäischen Ländern (Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz) durchgeführt. EPICA wird unter dem Dach der European Science Foundation (ESF) koordiniert und durch die beteiligten Länder und die Europäische Union finanziert. Ziel von EPICA ist es, im Inlandeis der Antarktis zwei Eiskerne zu erbohren, die bis zum Felsuntergrund reichen. Neben der Bohrung an Dome C (75° 06’S, 123° 21’O) wird auch bei der Kohnen-Station im Dronning Maud Land (75°00'S, 00°04'O) eine Bohrung niedergebracht, die mittlerweile eine Tiefe von 2565 Metern erreicht hat.

 

Das Alfred-Wegener-Institut ist deutscher Partner des Projektes EPICA und trägt die Verantwortung für die Bohrung in Dronning Maud Land. Derzeit befinden sich die europäischen Forscher wieder in der Antarktis, um die Bohrung an dieser Saison zu beenden und den Felsuntergrund zu erreichen. Das Projekt EPICA ist eines der Kernprojekte im Rahmen des Forschungskonzeptes „Meeres-, Küsten- und Polarsysteme“ im Forschungsbereich „Erde und Umwelt“ der Helmholtz-Gemeinschaft. Dr. Hubertus Fischer leitet eine Nachwuchsforschergruppe am Alfred-Wegener-Institut und koordiniert europäische Arbeitsgruppen, die sich mit der Untersuchung der in Eiskernen eingeschlossenen Luft befassen.

Die Artikel “Stable Carbon Cycle-Climate Relationship During the Late Pleistocene” und “Atmospheric Methane and Nitrous Oxide of the Late Pleistocene from Antarctic Ice Cores” werden am 25. November in “Science” (vol. 310, issue 5752) veröffentlicht.

Ansprechpartner ist Dr. Hubertus Fischer (0471-4831 1174).

Bremerhaven, den 24. November 2005

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Luftblasen

Rund zehn Prozent der Eiskerne sind Luftblasen, in denen die Atmosphäre vergangener Zeiten eingeschlossen ist. Foto: Chris Gilbert, British Antarctic Survey

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Kohnen Station

Die Kohnen Station des Alfred-Wegener-Instituts ist nur im antarktischen Sommer besetzt. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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Karte

Die Karte zeigt die Standorte der EPICA - Bohrungen an Dome C und der Kohnen Station in der Antarktis. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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11. November 2005: Neuauflage von Wegeners „Entstehung der Kontinente“

Alfred Wegeners Buch „Die Entstehung der Kontinente und Ozeane“ wurde in der ersten und vierten Ausgabe neu aufgelegt und vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung herausgegeben. Besonderheiten dieser Ausgabe sind, neben einer Einführung des Herausgebers, zwei Register, Abbildungsverzeichnisse und ein modifiziertes Literaturverzeichnis. Die Buchvorstellung findet am 16. November im Überseemuseum Bremen im Rahmen eines Vortrages von Dr. Reinhard A. Krause, Wissenschaftshistoriker am Alfred-Wegener-Institut, um 19:00 Uhr statt.

Späte Anerkennung

 

„Passt die Ostküste Südamerikas nicht genau zu der Westküste Afrikas, als ob sie einst verbunden waren?“ schrieb Alfred Wegener im Dezember 1910 an seine zukünftige Frau Else Köppen. „Diesen Gedanken muss ich vertiefen.“ Am 6. Januar 1912 stellt er seine Verschiebungstheorie erstmals in einem Vortrag vor der Geologischen Vereinigung im Senckenberg-Museum in Frankfurt am Main vor. 1915 erscheint die erste Auflage von „Die Entstehung der Kontinente und Ozeane“. Die dritte Auflage von 1922 wird in mehrere Sprachen übersetzt und international zur Kenntnis genommen, wenn auch überwiegend mit Ablehnung. Die vierte Auflage erscheint 1929, ein Jahr vor Wegeners Tod im Jahre 1930. Erst 30 Jahre später finden Alfred Wegeners Ideen im erweiterten Modell der Plattentektonik uneingeschränkte Anerkennung in der Wissenschaft.

Ein Buch, das jeder lesen sollte
Anlässlich des 125-jährigen Geburtstages und 75-jährigen Todestages Alfred Wegeners sowie des 25-jährigen Jubiläums des Alfred-Wegener-Instituts wird ein Reprint der ersten und vierten Auflage herausgegeben. Die populärer gehaltene erste Auflage enthält handschriftliche Notizen von Alfred Wegener. Das Werk hat Generationen von Wissenschaftlern beschäftigt und angeregt. „Dies ist ein Buch, das jeder Student der Geowissenschaften gelesen haben sollte!“ empfiehlt Prof. Jörn Thiede, Direktor des Alfred-Wegener-Instituts.

Die Vorstellung der bei Gebrüder Borntraeger Verlagsbuchhandlung erschienenen Neuauflage durch Dr. Reinhard Krause erfolgt im Rahmen eines Vortrags über den großen deutschen Polarforscher mit dem Titel: „Alfred Wegener (1880-1930) – Wissenschaftler und Grönlandforscher aus Leidenschaft“. Der Vortrag ist Auftakt der Vortragsreihe 2005/06 der Geographischen Gesellschaft in Bremen. Im Anschluss an den Vortrag gibt es einen Empfang in der Handelskunde-Abteilung des Museums, bei dem auch der vierte Band der Bremer Geographischen Blätter mit dem Thema „Russland“ vorgestellt wird. Das Buch ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.

Bremerhaven, den 11. November 2005

Ihr Ansprechpartner ist Dr. Reinhard Krause (Tel. 0471/4831-1924; E-Mail: rkrause@awi-bremerhaven.de)

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Entstehung der Kontinente und Ozeane

Die Neuauflage von Alfred Wegeners "Die Entstehung der Kontinente und Ozeane" ist jetzt im Buchhandel zu kaufen. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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Dr. Reinhard Krause

Dr. Reinhard Krause bei einem Besuch in Uumanaq auf Grönland. Eine Gedenktafel erinnert an den Aufbruch der Deutschen Grönlandexpedition Alfred Wegeners im Jahre 1930. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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11. November 2005: Studienpreis für Aquakultur in Offshore-Windparks

Am 15. November verleiht der Bremer Förderverein für Mittelstandsforschung einen der vier diesjährigen Studienpreise für herausragende mittelstandsbezogene Forschung an Dr. Bela H. Buck vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Bela H. Buck erhält die mit 1.000 € dotierte Auszeichnung für seine Doktorarbeit über Aquakultur als Sekundärnutzung in Offshore-Windparks.

Zuckertang und Miesmuscheln in der Deutschen Bucht

 

Untersucht wurde eine Mehrfachnutzung der in der Deutschen Bucht geplanten Windenergieanlagen. Deren Fundamente bieten die Möglichkeit zur Verankerung von Anlagen zur kommerziellen Zucht von Meerestieren; insbesondere von Miesmuscheln und Zuckertang. „Die Algen sind sehr gut mit den Bedingungen zurechtgekommen. Die Besiedlung der Substrate durch Miesmuscheln lag zwar unter den Vergleichswerten in küstennahen Wattenmeerzuchten, allerdings waren die dort vorkommenden Muschelparasiten in unseren Beständen nicht zu finden“, erläutert Buck die Ergebnisse seiner mit dem höchsten Prädikat ‚summa cum laude’ bewerteten Dissertation. „Insgesamt ist für beide Organismen eine Zucht in Windparkanlagen möglich und scheint auch unter kommerziellen Gesichtspunkten chancenreich.“

 

Wirtschaftlicher Erfolg erwartet
Neben Experimenten zur Besiedlung und zum Wachstum der Meeresfrüchte in unterschiedlichen Hälterungsanlagen befasste sich Buck auch mit den wirtschaftlichen und rechtlichen Aspekten einer multifunktionalen Nutzung der Windkraftanlagen. Ein Schlüsselproblem sieht Buck in der noch lückenhaften und unvollständigen Gesetzeslage für den Bereich der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) in der Deutschen Bucht. Dennoch sieht er optimistisch in die Zukunft: „Mit Beteiligung aller möglichen Nutzer dieser Meeresgebiete sollte im Rahmen eines integrierten Küstenzonenmanagements dieses Defizit bald behoben sein.“ Als ein weiteres Ergebnis seiner Arbeit konnte Buck bereits zwei Patente für die technischen Anlagen anmelden.

Grundlagenforschung und Technologietransfer
Das Alfred-Wegener-Institut verstärkt auch in anderen Bereichen die anwendungsorientierte Nutzung von Ergebnissen der Grundlagenforschung. Der Anfang November gemeinsam mit der Hochschule Bremerhaven durchgeführte Workshop "Von der Idee in die Tat" präsentierte dazu Möglichkeiten der Know-How-Verwertung, Patentierung und Wege zur Existenzgründung. Allein in diesem Jahr hat das Alfred-Wegener-Institut zwölf Schutzrechte für Patente, Marken, Geschmacks- und Gebrauchsmuster angemeldet, sieben weitere wurden erteilt und sechs befinden sich noch in Bearbeitung oder Vorbereitung. Bis zum Jahresende wird sich damit die Gesamtanzahl der erworbenen Schutzrechte auf rund 100 erhöhen. Neben Patentanmeldungen und anderen Schutzrechten fördert das Institut gemischte Netzwerke und Firmenkooperationen sowie die Verbreitung unternehmerischen Denkens bei jungen Akademikern. Damit intensiviert das Alfred-Wegener-Institut gemeinsam mit anderen Einrichtungen die Anstrengungen, zum Strukturwandel in Bremerhaven beizutragen..

Bremerhaven, den 11. November 2005

Ihr Ansprechpartner ist Dr. Bela H. Buck (Tel. 0471 4831-1868; E-Mail: bbuck@awi-bremerhaven.de).

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Zuckertang

Der Zuckertang Laminaria saccharina wird unter anderem in der Naturkosmetik verwendet. Foto: Bela Buck

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Miesmuscheln

Kollektoren bieten den jungen Miesmuscheln den festen Untergrund zum Anwachsen. Foto: Bela Buck

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Miesmuscheln

Später kommen sie als Meeresfrüchte auf den Tisch: junge Miesmuscheln. Foto: Bela Buck

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21. Oktober 2005: Tod im ewigen Eis

Alfred-Wegener-Institut ehrt seinen Namensgeber

Zum 125. Geburtstag und 75. Todestag erinnert das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung an den deutschen Polarforscher und Geowissenschaftler Alfred Wegener. Anlässlich dieses Jubiläums veranstaltet das Alfred-Wegener-Institut ein wissenschaftliches Symposium vom 30. Oktober bis 2. November. Mit der Filmreihe „Forschung und Abenteuer im Eis - Alfred Wegener im Film“ werden Originalauf-nahmen der Expeditionen von 1929 und 1930 am 30. Oktober im Kino Atlantis in Bremerhaven und am 1. November im Kino 46 in Bremen gezeigt.

 

Wegeners Werk
Alfred Wegener verfasste rund 70 Schriften zur Astronomie, Meteorologie, Klimatologie und Geologie. Er gilt als Begründer der Theorie der Kontinentalverschiebung und veröffentlichte 1915 die „Die Entstehung der Kontinente und Ozeane“. Erst die in mehreren Sprachen übersetzte 3. Auflage von 1922 wurde international zur Kenntnis genommen, stieß aber überwiegend auf Ablehnung. Mitte der sechziger Jahre, rund 30 Jahre nach Wegeners Tod, fanden seine Ideen im erweiterten Modell der Plattentektonik uneingeschränkte Anerkennung in der Wissenschaft. Die vielseitigen Interessen und der interdisziplinäre Ansatz Wegeners sind bis heute Vorbild in der Wissenschaft. Im Vorwort zur 4. Auflage seiner „Entstehung der Kontinente und Ozeane“ schreibt er: „Nur durch Zusammenfassung aller Geo-Wissenschaften dürfen wir hoffen, die Wahrheit zu ermitteln, d. h. dasjenige Bild zu finden, das die Gesamtheit der bekannten Tatsachen in der besten Ordnung darstellt und deshalb den Anspruch auf größte Wahrscheinlichkeit hat“. Eine vom Alfred-Wegener-Institut initiierte und mit zusätzlichen Registern versehene Neuauflage der ersten und vierten Auflage des Buches „Die Entstehung der Kontinente und Ozeane“ erscheint demnächst im Buchhandel.

Drama im Eis
Wegeners Hauptinteresse galt der Meteorologie. Mittels Drachen- und Ballonaufstiegen leistete er Pionierarbeit auf dem Gebiet der meteorologischen Forschung, insbesondere auf seinen Expeditionen ins grönländische Eis. Unter seiner Leitung sollte 1930 auf der vierten Expedition mit Hilfe von drei Stationen eine ganzjährige Aufzeichnung von Wetter und Eisverhältnissen quer über das grönländische Inlandeis erfolgen. Doch die Expedition stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Zuerst verzögerte Eisgang die Entladung der 98 Tonnen Ausrüstung bis zum 17. Juni 1930. Auch die erstmals eingesetzten Motorpropellerschlitten erfüllten nicht die Erwartungen, die im Inlandeis gelegene Station „Eismitte“ konnte nicht ausreichend versorgt werden.

 

Am 21. September 1930 führt Alfred Wegener selbst eine Rettungsaktion mit 15 Hundeschlitten an, die aufgrund der schlechten Wetterbedingungen bei Kilometer 151 auf drei Schlitten reduziert wird. Er schreibt in einem Brief, „daß es nun ums Leben geht“ für seine Freunde in „Eismitte“. Mit nur zwei Begleitern setzt er seinen Weg fort und erreicht die Station „Eismitte“ am 30. Oktober 1930. Am 1. November feiert die Gruppe in „Eismitte“ noch den 50. Geburtstag von Alfred Wegener, dann machen sich Wegener und sein Begleiter Rasmus Villumsen auf den Rückweg zur Weststation. Keiner der beiden erreicht lebend das Ziel. „Er war ein Charakter von makelloser Reinheit, schlichter Einfachheit und seltener Bescheidenheit. Dabei war er ein Mann der Tat, der mit eisernem Willen und zäher Energie unter Einsatz seines Lebens in Verfolgung eines idealen Zieles Ungewöhnliches geleistet hat“, schreibt Hans Benndorf in einem Nachruf über Alfred Wegener.

 

Wegeners Erbe
Nach Alfred Wegener sind die 1980 ins Leben gerufene Alfred-Wegener-Stiftung zur Förderung der Geowissenschaften (heute GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung) sowie das im gleichen Jahr in Bremerhaven gegründete Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Mee-resforschung benannt. Dort erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Polargebiete und die Meere unserer Erde. Dabei sind Wegeners Erkenntnisse und sein interdisziplinäres Denken noch heute wegweisend. Auf den Spuren Wegeners treffen sich vom 30. Oktober bis 2. November 140 Wissenschaftler zum zweiten Internationalen Alfred Wegener Symposium.

Die Bibliothek des Alfred-Wegener-Institutes betreut das „Alfred Wegener Archiv“ der gleichnamigen Stiftung. Es enthält seine Werke und Wegener-Biografien. Die Familie Wegener überließ dem Alfred-Wegener-Institut außerdem Urkunden und Dokumente zur Lebensgeschichte Alfred Wegeners. Den Hauptteil des Archivs machen die Nachlässe zweier Teilnehmer der Grönlandexpedition aus: Johannes Georgi, Leiter der Station „Eismitte“ und Fritz Loewe, der Wegener auf dem Hinweg nach „Eismitte“ begleitete. Das Archiv wird durch Ankäufe und Schenkungen ständig erweitert.

 

Alfred-Wegener-Filmfestival
In Kooperation mit dem Kommunalen Kino Bremerhaven e.V., Stadtkultur im DLZ Grünhöfe und Kino 46 in Bremen zeigt das Alfred-Wegener-Institut eine Filmreihe mit Produktionen über Alfred Wegener und seine Expeditionen in die bis dahin wenig bekannten Polargebiete. Die Vorstellung findet am 30. Oktober im Kino Atlantis, Hafenstr. 144 in Bremerhaven statt, sowie am 1. November im Kino 46, Waller Heerstr. 46 in Bremen. Das Alfred-Wegener-Filmfestival ist eine Veranstaltung im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums des Alfred-Wegener-Institutes und Stadt der Wissenschaft 2005.

Programm am 30.10. 05 im Kino Atlantis
11:00-12:20 Das große Eis (78 min.)
13:00-13:35 Deutsche Grönlandexpedition Alfred Wegener Teil I-III (35 min. Stummfilm mit Guido Solarek live am Klavier)
14:00-14:25 Die Deutsche Grönlandexpedition Alfred Wegener (22 min. FWU)
15:00-16:30 SOS Eisberg (90 min.)

Programm am 01.11.05 im Kino 46 Bremen:
18:00-18:35 Deutsche Grönlandexpedition Alfred Wegener Teil I-III (35 min. Stummfilm mit Guido Solarek live am Klavier)
19:00-20:20 Das große Eis (78 min.)
20:30-20:50 Die Deutsche Grönlandexpedition Alfred Wegener (22 min. FWU)
21:00-22:30 SOS Eisberg (90 min.)

Bremerhaven, den 21. Oktober 2005

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Alfred Wegener

Wladimir Köppen im Nachruf auf Alfred Wegener 1931: „Seine große Ruhe, opferwillige Hingabe und freundliche Gerechtigkeit machten ihn zum Expeditionsleiter sehr geeignet. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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Alfred Wegener

Alfred Wegener 1930. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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Ballonaufstieg

Ballonaufstieg. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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Wegeners Grab

Wegeners Bruder Kurt führt die Expedition zu Ende. Im Mai 1931 findet man Wegener und baut ein Mausoleum aus Schnee. Aus Bohrgestänge wird ein Kreuz montiert. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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Propellerschlitten

Propellerschlitten. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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21. Oktober 2005: Grönland bald ohne Eis?

Modellrechnungen zeigen die weltweiten Eisvorkommen sensibler für globale Klimaerwärmung als bisher angenommen.

Ein Anstieg des Meeresspiegels ist eine der wichtigsten Konsequenzen aus einer erhöhten Konzentration an Treibhausgasen in unserer Atmosphäre und der daraus resultierenden globalen Klimaerwärmung. Ein völliges Abschmelzen des grönländischen Inlandeises und der Eiskappe der Antarktis würde den Meeresspiegel um etwa 70 Meter ansteigen lassen. Bereits heute ist aufgrund der globalen Erwärmung ein zunehmendes Abschmelzen der Gletscher auf Grönland zu erkennen. Dank eines erhöhten Schneefalls in der Antarktis ist ein bedrohlicher Anstieg des Meeresspiegels bisher ausgeblieben.

 

In einem jetzt im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichten Beitrag zeigen Wissenschaftler anhand von Modellrechnungen, dass ein theoretischer Anstieg der globalen Temperatur von nur 3 °C ausreichen würde, das Grönlandeis rapide abschmelzen zu lassen. „Bleibt es bei dem derzeitigen Ausstoß von Treibhausgasen in unsere Atmosphäre, könnte bereits im Jahre 2050 dieser Prozess unwiderruflich in Gang gesetzt werden“, so Dr. Philippe Huybrechts, einer der Autoren des Artikels und Glaziologe am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Der Schneefall in der Antarktis würde nach dem 21. Jahrhundert demnach dann nicht mehr ausreichen, den Beitrag Grönlands zum Anstieg des Meeresspiegels zu kompensieren.

 

Diese theoretische Möglichkeit, wie es in Zukunft um das Klima, die Eisverteilung und die Höhe des Meeresspiegels auf der Erde bestellt ist, macht deutlich, wie wichtig zuverlässige Daten über das gesamte Eisvorkommen auf unserem Planeten sind. Der Anfang Oktober beim Start verloren gegangene Satellit CryoSat sollte der Wissenschaft ebensolche Daten liefern, um genauere Aussagen über die klimatische Zukunft unseres Planeten treffen zu können. Die Prognosen der Glaziologen um Dr. Huybrechts machen eines besonders klar: Ein Neustart von CryoSat ist für alle Menschen wichtiger denn je.

Bremerhaven, den 21. Oktober 2005

Quelle: Science 310, 456-460 (21. Oktober 2005)

Ihr Ansprechpartner ist Dr. Philippe Huybrechts, E-Mail: phuybrechts@awi-bremerhaven.de

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Eislandschaft

Imposante Eislandschaft vor Grönland. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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Eisformation

Noch gibt es die bizarren Eisformationen im Nordpolarmeer. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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14. Oktober 2005: Wissenschaft auf Wegeners Spuren

Vom 30. Oktober bis 2. November treffen sich Wissenschaftler zum zweiten Internationalen Alfred Wegener Symposium in Bremerhaven. Während der dreitägigen Veranstaltung berichten rund 140 Wissenschaftler aus elf Ländern über aktuelle Themen aus den Forschungsgebieten Plattentektonik, Geowissenschaften, Meteorologie, Paläoklimatologie, Glaziologie, Wissenschaftsgeschichte und über Geothemen der Zukunft.

AWI/Presse/PM/pm05-2.hj/Pics/Symposium-w.jpgDie Tagung aus Anlass des 125sten Geburtstages und 75sten Todestages von Alfred Wegener, dem deutschen Polarforscher und Begründer der Kontinentaldrifttheorie, findet am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und im Deutschen Schiffahrtsmuseum statt. Alfred Lothar Wegener wurde am 01.11.1880 in Berlin geboren. Seine Ideen und Forschungsergebnisse verbesserten unser Wissen zu Wetter- (Meteorologie), Eis- (Glaziologie) und Sternenkunde (Astronomie), ebenso wie zu Geologie und Geophysik. Bis heute gilt er als einer der bedeutendsten deutschen Polarforscher, seine Theorie zur Kontinentalverschiebung war visionär. Wegener starb gerade fünfzigjährig Anfang November 1930 im grönländischen Eis.

Von der Geburt des Mondes bis zu Tsunamis
Den Eröffnungsvortrag des Symposiums hält ein Enkel Alfred Wegeners: Dr. Günther Schönharting referiert über Geschichte und Perspektiven der Forschung zur kontinentalen Drift. Insgesamt bieten rund 50 Vorträge und 70 Poster Anreiz zu Meinungsaustausch und Diskussion. Auf der nach 1980 zweiten Veranstaltung dieser Art sind neben einem historischen Rückblick der heutige Wissensstand und die Zukunftsperspektiven von Wegeners Forschungsgebieten die inhaltlichen Schwerpunkte. Unter anderem wird über Tsunamis, die Karte tektonisch aktiver Erdregionen (World stress map), die Ursachen des Abschmelzens des grönländischen Eisschildes, das Mikroklima von Gletschern und eine neue Theorie zur Entstehung des Mondes berichtet.

Die Erben Wegeners
Die wissenschaftlichen Ansätze Wegeners und vor allem sein interdisziplinäres Denken sind noch heute Weg weisend. Am Alfred-Wegener-Institut werden besonders die Forschungen zur Atmosphärenphysik, Glaziologie und Plattentektonik weiter verfolgt. Neben einem besseren Verständnis der wissenschaftlichen Grundlagen erhoffen sich die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen davon Erkenntnisse und bessere Vorhersagen zu den aktuell stattfindenden globalen Klimaveränderungen.

Begleitend zum Symposium findet am 1. November für Kongressteilnehmer und geladene Gäste im Stadttheater Bremerhaven eine Festveranstaltung zu Ehren des großen Polarforschers mit Musik, Theater und Präsentation historischer Filmaufnahmen statt. Vertreter der Medien können nach Anmeldung an der Tagung und der Festveranstaltung teilnehmen.

Weitere Informationen zum zweiten Internationalen Alfred Wegener Symposium:
http://www.alfred-wegener-symposium.de/

Bremerhaven, den 14. Oktober 2005

Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartnerin ist Dr. Martina Kunz-Pirrung (Tel. 0471 / 4831-1236; E-Mail: mpirrung@awi-bremerhaven.de).

Für Ihre Berichterstattung über die aktuelle Forschung der Erben Wegeners finden Sie unter http://www.awi-bremerhaven.de/AWI/25JahreAWI/index-d.html Themen und Ansprechpartner.


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10. Oktober 2005: Polarstern für 19 Monate ins antarktische Eis

Der Forschungseisbrecher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung läuft am 13. Oktober 2005 zu seiner 23. Expedition in die Antarktis aus und wird erst 19 Monate später, im Mai 2007, nach Bremerhaven zurückkehren. Aus diesem Grund wird am 13. Oktober von 10.30 bis 11.00 Uhr eine Verabschiedung an der Nordschleuse in Bremerhaven stattfinden, zu der all diejenigen herzlich eingeladen sind, die Polarstern noch einmal sehen und ihrer Besatzung eine gute Reise wünschen möchten!

 

Direkt nach Verlassen der Wesermündung beginnen im ersten von zehn Fahrtabschnitten kontinuierliche Messungen zur Chemie der Atmosphäre, zur Spurenstoffverteilung im Oberflächenwasser, sowie zur Leistung von akustischen Messsystemen. Letztere dienen dem Ziel, mögliche negative Folgen von Echoloten auf das Orientierungsverhalten von Walen zu minimieren.

Am 23. Oktober wird Polarstern dann in den Hafen von Vigo, Spanien, einlaufen um ehemalige Crewmitglieder und deren Familien zu begrüßen und die deutsch-spanische Zusammenarbeit in der Polarforschung hervorzuheben.

Ein Jahreszyklus in der Antarktis

Das Besondere an dieser 23. Expedition ist, dass Polarstern für einen kompletten Jahreszyklus in der Antarktis bleiben wird und die Wissenschaftler somit direkte Vergleiche zwischen dem antarktischen Sommer (unserem Winter) und dem antarktischen Winter ziehen können. Damit, so die Hoffnung der Forscher, werden gravierende Datenlücken, die insbesondere hinsichtlich der Winterzeit auf verschiedenen Wissensgebieten bestehen, verringert werden können.

 

Ein Forschungsschwerpunkt der Meeresbiologen wird die Entwicklung und geographische Verteilung des antarktischen Krills sein. Diese Krebstierart ist nicht nur die wichtigste Nahrungsgrundlage vieler Meeressäuger, sondern ist auch von großem kommerziellen Interesse. Während es im antarktischen Sommer vor allem darum gehen wird, inwieweit Krill den Zirkumpolarstrom um die Antarktis zur räumlichen Verbreitung nutzen kann, werden im antarktischen Winter die Jugendstadien des Krills im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen. Die Jugendzeit ist eine sehr sensible Phase im Lebenszyklus dieser Krebstiere, da die Krill-Larven nahezu ununterbrochen fressen müssen, um nicht zu verhungern. Wie diese Tiere es schaffen im Winter ihren ungeheueren Energiebedarf zu decken, wird eine der vielen offenen Fragen sein, die mittels Netzfängen von Bord des Schiffes, aber auch durch Taucher, die Krill-Larven unter dem Eis abkratzen, beantwortet werden. Um die Biologie des Krills und seine Rolle im Ökosystem zu verstehen, sind jedoch auch Langzeitdaten zu nicht-biologischen Parametern wie Eisdicke, Strömung und Wassertemperatur wichtig, die von fest verankerten Messgeräten aufgenommen werden und die bei dieser Polarstern-Fahrt ausgetauscht werden müssen.

Neben weiteren biologischen Forschungsarbeiten werden meteorologische, ozeanographische, physikalische, chemische und geowissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt werden. Außerdem wird Polarstern die deutsche Antarktis-Überwinterungsstation Neumayer versorgen und dafür die Station zum Anfang und Ende der Reise anlaufen.

Die Verabschiedung

Zum Auslaufen von Polarstern an der Nordschleuse werden Mitarbeiter und Direktorium des Alfred-Wegener-Instituts, interessierte Bürger, und der Shanty Chor Bremerhaven erwartet, um Polarstern und ihrer Besatzung hinterher zu winken – bitte Taschentücher nicht vergessen! Schlepper werden Polarstern dann aus der Schleuse geleiten und mit Wasserfontänen verabschieden.

Bremerhaven, den 10. Oktober 2005

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Polarstern

Polarstern in der Antarktis. Foto: Simon/Simon

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Krill

Der Antarktische Krill (Euphausia superba) nimmt die zentrale Stelle im Nahrungsnetz der südpolaren Gewässer ein. Foto: Uwe Kils

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Krill

Krill unter dem Eis. Foto: H.-P. Marschall

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6. Oktober 2005: Schmilzt das Eis an den Polen der Erde?

Satelliten-Mission soll klären, ob die Eismassen an den Polen zu- oder abnehmen

Am 8. Oktober 2005 startet um 17:02 Uhr eine Rockot Trägerrakete am russischen Raumbahnhof Plesetsk mit dem europäischen CryoSat Satelliten an Bord. Mit Hilfe des Satelliten sollen verlässliche Daten zu Veränderungen der polaren Eismassen als Folge der globalen Klimaveränderungen gewonnen werden. Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven überträgt den Start live im Rahmen einer Informationsveranstaltung.

Erstmalig Eisdickenmessungen mit Radaraltimeter in Arktis und Antarktis

 

Der von der EADS-Astrium GmbH in Friedrichshafen am Bodensee gebaute Satellit wird nach Erreichen der Umlaufbahn mit der Vermessung von Eisdicken und Eisverteilung in den Polarregionen beginnen. Dies ist die erste Mission im „Earth Opportunity Missions“-Programm der Europäischen Weltraumbehörde (ESA), welches die Lösung wissenschaftlicher Probleme mit Hilfe relativ kleiner und kostengünstiger Satelliten zum Ziel hat. Der Satellit CryoSat verfügt über ein neuartiges Radaraltimeter, das mit sehr hoher räumlicher Auflösung sogar einzelne Eisschollen unterscheiden und deren Dicken messen kann. CryoSat wird der erste Satellit mit diesem Messinstrument sein und wird erstmalig in Breiten bis 88 Grad Nord und Süd vorstoßen. Prof. Heinz Miller, Prof. Peter Lemke und Dr. Christian Haas vom Alfred-Wegener-Institut waren maßgeblich an Planung und Konzeption der Mission beteiligt. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts werden auch wichtige Funktionen bei der Kontrolle und Kalibrierung der CryoSat-Daten übernehmen. Dazu werden regelmäßige Expeditionen in die Polargebiete durchgeführt.

 

Veränderung der Mächtigkeit der Eispanzer bisher unbekannt

In der Antarktis hat die Meereis-Bedeckung in den letzen dreißig Jahren leicht zugenommen. Über die Dicke und damit das Gesamtvolumen gibt es bis heute keine ausreichenden Informationen. Im Gegensatz zum Meereis besteht das Landeis Grönlands und des antarktischen Kontinents aus Gletschereis, das sich über Jahrtausende aus gefallenem Schnee gebildet hat. Dieses Eis ist bis zu vier Kilometer dick und teilweise mehrere hunderttausend Jahre alt. Während die Fläche dieser Eismassen weitgehend konstant bleibt, sind Veränderungen der Eisdicke auch hier unbekannt. Die Ausdehnung des arktischen Meereises hat dagegen in den letzen dreißig Jahren an den Rändern um etwa neun Prozent abgenommen, wie die Daten von Wettersatelliten zeigen. Beobachtungen der Flächenausdehnung des Meereises ermöglichen noch keine Aussagen über das gesamte Volumen, dazu ist zusätzlich die Bestimmung der Dicke nötig. Die bisher nur sporadisch und räumlich begrenzt durchgeführten Messungen deuten auf eine Abnahme der Eisdicke seit den fünfziger Jahren. Es lassen sich allerdings keine Aussagen über die gesamten Eismassen machen. Zudem ist unklar, ob die Beobachtungen wirklich durch ein Schmelzen oder nur durch eine Umverteilung des dicken Eises in andere Gebiete verursacht wurde.

Live-Übertragung am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven

CryoSat soll diese Wissenslücke schließen. Der fast fünf Meter lange und jeweils zwei Meter hohe wie breite Satellit wird drei bis sechs Jahre lang die Eisdicken an Nord- und Südpol vermessen. Der 690 Kilogramm schwere CryoSat verfügt kaum über bewegliche Teile, die Solarzellen zur Energieerzeugung sind nicht wie sonst üblich auf Sonnensegeln platziert sondern direkt auf dem Rumpf angebracht. Die tägliche Datenmenge von 320 Gigabit wird über X-Band mit 100 Megabit pro Sekunde zur Bodenstation in Kiruna, Schweden, übertragen und steht nach Aufbereitung den wissenschaftlichen Instituten zur Verfügung. Mit CryoSat sind erstmals genauere Abschätzungen über den gesamten Eisvorrat der Erde und dessen Veränderung als Folge globalen Klimawechsels möglich. Der von Eurockot durchgeführte Start wird im Beisein von Wissenschaftlern, Technikern, Politikern und Medienvertretern live am Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut übertragen und gefeiert. Neben der Übertragung geben Vorträge Aufschluss über den Satelliten, seine Technik, seinen Zweck und den aktuellen Stand der Klimaforschung an den Polen.

Weitere Informationen finden sich unter: http://www.awi-bremerhaven.de/CryoSat/


Bremerhaven, den 6. Oktober 2005


Ihr Ansprechpartner ist Dr. Christian Haas (Tel. 0471 4831-1128; E-Mail: chaas@awi-bremerhaven.de).

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CryoSat

Mit einem neu entwickelten Radaraltimeter soll CryoSat Eisdicken in den Polarregionen vermessen. Foto: Astrium (EADS Astrium GmbH)

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Heli

Zur Kontrolle werden Eisdicken an bestimmten Punkten mit dem HEM-Bird vom Hubschrauber bestimmt und mit den CryoSat Daten verglichen. Foto: Jan Lieser

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Gletscher

Auch das mögliche Abschmelzen der Gletscher auf Grönland wird mit CryoSat untersucht. Foto: Hans Oerter

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12. Januar 2007: Neue Algengruppe entdeckt: Picobiliphyta

Einer internationalen Forschergruppe ist es gelungen, eine bisher unbekannte Gruppe von Algen zu identifizieren. Wie jetzt im Wissenschaftsmagazin Science berichtet, handelt es sich bei den Algen um Vertreter des kleinsten pflanzlichen Planktons, dem Picoplankton („Picobiliphytes: A marine picoplanktonic algal group with unknown affinities to other Eukaroytes” Science, Vol. 316). Aufgrund ihrer Größe von nur wenigen tausendstel Millimetern und dem Vorkommen einer Pigmentgruppe, den so genannten Phycobiliproteinen, gaben die Forscher ihnen den Namen Picobiliphyta.

Die Photosynthese in den Meeren macht etwa 50 Prozent der weltweiten Photosynthese aus. Dominiert wird sie von mikroskopisch kleinen Algen, dem so genannten Phytoplankton. Wissenschaftler gehen davon aus, dass bis zu 90 Prozent der Arten des Phytoplanktons noch unbekannt sind. In der vorliegenden Arbeit untersuchten die Wissenschaftler mit Hilfe molekularer Techniken die kleinsten Mitglieder des Planktons, das Picoplankton. Durch die geringe Größe des Picoplanktons von nur wenigen tausendstel Millimetern lassen sich die Organismen nur schlecht mit einem Mikroskop untersuchen oder identifizieren.

 

Die Forscher nutzen bei ihrer Arbeit Gensequenzen des in allen Zellen vorkommenden 18S Genes. Durch den Vergleich von unbekannten mit schon bekannten Gensequenzen lässt sich die Identität neuer Organismen ableiten. „Die in den Algen gefundenen Gensequenzen ließen sich keiner der bisher bekannten Organismengruppen zuordnen“, erläutern Dr. Klaus Valentin und Dr. Linda Medlin, Mitautoren der Studie und Molekularbiologen am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Die untersuchten Algen stammen von Planktonproben aus verschiedenen Bereichen des Nordatlantiks sowie aus dem Mittelmeer. Die Wissenschaftler entdeckten eine also völlig neue Organismengruppe, die weit verbreitet ist. „Ein deutlicher Hinweis darauf, dass es in den Meeren noch viel zu entdecken gibt, vor allem mit Hilfe molekularer Methoden“, so Valentin.

Neben den unbekannten Gensequenzen identifizierten die Forscher in den Algen einen gefärbten Plastiden, der so genannte Phycobiliproteine enthält, die zum Beispiel auch in Rotalgen als Photosynthesepigmente vorkommen. Auf Grund dieser Tatsache gehen die Forscher davon aus, daß es sich bei der neuen Organismengruppe tatsächlich um Algen handelt. In Anspielung auf ihre geringe Größe und das Vorhandensein von Phycobiliproteinen gaben die Forscher der Algengruppe den Namen Picobiliphyta.

Die Veröffentlichung “Picobiliphytes: A marine picoplanktonic algal group with unknown affinities to other Eukaroytes” erscheint am
12. Januar 2007 im Wissenschaftsmagazin Science.

Bremerhaven, den 12. Januar 2007
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Hinweise für Redaktionen:
Ihr Ansprechpartner am Alfred-Wegener-Institut ist Dr. Klaus Valentin (Tel. 0471/4831-1452; E-Mail: Klaus-Ulrich.Valentin@awi.de). Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Ude Cieluch (Tel. 0471/4831-2008; E-Mail: medien@awi.de).

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

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Picobili Science w

Fluoreszenz-mikroskopische Aufnahme einer Picobiliphyta-Zelle. Der Zellkern wurde blau angefärbt, das Cytoplasma grün. Die Rote Fluoreszenz stammt von einem Plastiden mit Phycobiliproteinen. Die Zelle ist etwa 2x5 µm groß (1 µm = 1/1000 Millimeter). Foto: Fabrice Not/Station Biologique de Roscoff

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5. Januar 2007: Weniger Nordseefische durch wärmeres Wasser

Derzeitige Verschiebungen des Weltklimas führen vor allem in den flachen Randmeeren der Ozeane zu einer Veränderung der Artenzusammensetzung. Betroffen sind auch die Fischbestände. Bisherige Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen der globalen Erwärmung und der Abnahme von Fischbeständen zeigen, beruhten jedoch lediglich auf statistischen Daten. Für die Abschätzung zukünftiger Veränderungen ist ein tieferes Verständnis der Bedeutung der Wassertemperatur für die Biologie der betroffenen Organismen von fundamentaler Bedeutung. Eine jetzt im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichte Studie zeigt, dass eine wärmebedingte Sauerstoffunterversorgung bei Fischen der entscheidende Faktor ist, der die Bestandsdichte beeinflusst.

 

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven untersuchten an der Aalmutter Zoarces viviparus aus der Nordsee die Beziehung zwischen der saisonalen Entwicklung der Wassertemperatur und der Bestandsdichte der Tiere. Ziel war es, die physiologischen Prozesse der Fische zu ermitteln, die als erstes auf Temperaturveränderungen reagieren. Durch den Vergleich der ökologischen Felddaten mit den Untersuchungen im Labor konnten die Autoren des Artikels nun zum ersten Mal nachweisen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der wärmebedingten Sauerstofflimitierung der Aalmutter und den Veränderungen in ihrer Bestandsdichte gibt.

 

Meerestiere haben sich im Laufe der Evolution auf die Bedingungen in ihrem Lebensraum spezialisiert und tolerieren oft nur sehr bedingt Veränderungen. Dabei zeigen Fische aus der Nordsee, die jahreszeitlich größeren Temperaturschwankungen ausgesetzt sind, eine höhere Wärmetoleranz und breitere Toleranzfenster als beispielsweise Fische aus den Polarregionen, die bei konstant tiefen Temperaturen leben. Nur innerhalb ihres begrenzten Toleranzfensters zeigen die Tiere ein Maximum an Wachstum und Fruchtbarkeit.
Die Untersuchungen am Alfred-Wegener-Institut zeigen, dass die Aufnahme und Verteilung von Sauerstoff über Atmung und Blutkreislauf die Toleranz der Tiere ganz wesentlich bestimmen und nur in einem begrenzten Temperaturfenster optimal funktionieren. Bei steigender Temperatur verschlechtert sich zunächst die Sauerstoffversorgung des Organismus, bevor andere biochemische Stressmechanismen reagieren. Schließlich bricht die Sauerstoffversorgung zusammen, der Organismus ist dann nur noch befristet lebensfähig. Diese Erkenntnisse sind ein wichtiger Schritt in der Erklärung klimatisch bedingter Veränderungen in den Ökosystemen der Meere.

Die Veröffentlichung “Climate change affects marine fishes through the oxygen limitation of thermal tolerance” erscheint am 5. Januar 2007 im Wissenschaftsmagazin Science.

Bremerhaven, den 05. Januar 2007
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Hinweise für Redaktionen:
Ihre Ansprechpartner am Alfred-Wegener-Institut sind Prof. Dr. Hans-Otto Pörtner (Tel. 0471/4831-1307; E-Mail: Hans-Otto.Poertner@awi.de) und Dr. Rainer Knust (Tel.: 0471/4831-1709; E-Mail: Rainer.Knust@awi.de). Ihr Ansprechpartner in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Ude Cieluch (Tel. 0471/4831-2008; E-Mail: medien@awi.de).

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

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Das Verbreitungsgebiet der Aalmuuter und weitere Fischarten. Grafik: Pörtner/Schadwinkel

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Die Aalmutter Zoarces viviparus. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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27. Dezember 2006: Polarstern fängt fünf Tonnen Marmorbarsch

Polarstern machte einen der größten Fischfänge in ihrer 24 jährigen Geschichte in antarktischen Gewässern. Hoffnung für kommerzielle Fangflotten? Wohl nicht – ein guter Fang lässt noch lange nicht auf die Gesundung dieses Bestandes schließen, der durch die kommerzielle Fischerei stark dezimiert worden ist.

Fünf Tonnen Marmorbarsch – da staunten Wissenschaft und Crew beim Anblick der vielen silbrig-blauschwarz glänzenden, bis zu 70 cm langen Leiber nicht schlecht. Zuletzt wurde solch ein großer Fang im November 1983 rund um Elefant Island gemacht. Die vorherigen und die nachfolgenden Fänge erbrachten nämlich nur eine viel geringe Ausbeute. In Verbindung mit den Ergebnissen vorangegangener Fischbestandsaufnahmen interpretierten die Fischereibiologen an Bord diese Beobachtung so: Marmorbarsche häufen sich in bestimmten kleinräumigen Gebieten.

Bei der Suche nach Gründen dafür, ist die Wissenschaft bisher auf Vermutungen angewiesen. Krill, die Hauptnahrungsquelle der Marmorbarsche, verdichten sich zu großen Schwärmen in einem engen Band nicht weit von den Arealen, die diese Fische bevorzugen. Ein anderer Grund, warum sich Marmorbarsche in dichten Haufen versammeln, mag im Relief des Meeresbodens, wie z.B. Canyons und Hängen, zu suchen sein. Dieser Hang, sich dort zusammenzurotten, wurde ihnen früher zum Verhängnis. Es war ein Leichtes für die kommerzielle Fischerei, diese dichten Ansammlungen auszufischen. So wurde nach ihrer starken Dezimierung die Befischung dieser Art 1985 vom "Übereinkommen zum Schutz der lebenden Meeresschätze der Antarktis" (CCAMLR) verboten. Wenn sie wieder einsetzen würde, könnten die Bestände erneut sehr leicht überfischt werden. Deutschland, vertreten durch die Bundesforschungsanstalt für Fischerei, speist seine Ergebnisse regelmäßig in die entsprechenden Arbeitsgruppen von CCAMLR ein, um gerade das zu verhindern.

Bremerhaven, 27. Dezember 2006

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Hinweise für Redaktionen: Ihre Ansprechpartnerin am Alfred-Wegener-Institut (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) ist Dr. Angelika Dummermuth (Tel. 0471/4831-1376; E-Mail: medien(at)awi-bremerhaven.de).

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

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Marmorbarsch (Notothenia rossii) Foto: Gauthier Chapelle (IPF)/Alfred-Wegener-Institut

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Hol mit Marmorbarsch an Deck des Forschungsschiffes Polarstern Foto: Jan Seiler/ Alfred-Wegener-Institut

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20. Dezember 2006: Antarktisforschung im Zeichen des Internationalen Polarjahres IPY 2007/2008

Die diesjährige Forschungssaison in der Antarktis beginnt mit der 27. Sommerkampagne des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft in Bremerhaven. Das Institut kooperiert mit 20 Forschungsinstituten und zehn logistischen Einrichtungen aus 14 Ländern. Die Neumayer-Station dient als logistische Basis für umfassende Flugzeugmessungen. Als Teil des globalen „Census of marine life“ ist der Forschungseisbrecher Polarstern an der Antarktischen Halbinsel auf Expedition und am Dallmann-Labor steht der Lebensraum Antarktis im Klimawandel im Mittelpunkt. Der antarktische Sommer dauert von November bis April. Viele Projekte bilden den Auftakt zum Internationalen Polarjahr 2007/2008.

Wissenschaft und Logistik: die Neumayer-Station
Die ganzjährig besetzte Forschungsstation Neumayer (70°39´S, 08°15´W) des Alfred-Wegener-Instituts dient als Zentrum deutscher Antarktisforschung. 42 Wissenschaftler und Techniker werden in dieser Saison an der Station arbeiten. Personal und Fracht werden per Flugzeug transportiert und in einem internationalen Netzwerk von elf Forschungsinstituten (DROMLAN: Dronning Maud Land Air Network) gemeinsam organisiert. Mitte Dezember ist die neue Überwinterungsgruppe des Alfred-Wegener-Instituts an der Neumayer-Station eingetroffen. Die Gruppe besteht diesem Jahr aus vier Frauen und fünf Männern, die für den Stationsbetrieb sowie die für Fortführung der meteorologischen, geophysikalischen und luftchemischen Langzeitmessungen verantwortlich sind.

Census of Antarctic marine life (CAML)

 

Als Teil des weltweiten Forschungsprojektes „Census of Marine Life“ (CoML) ist der Forschungseisbrecher Polarstern derzeit an der Antarktische Halbinsel auf Expedition. Ein Seegebiet, das erstmals durch das Abbrechen eines großen Teiles des Larsen-B-Schelfeises für die Wissenschaft zugänglich geworden ist. 47 Wissenschaftler aus zwölf Ländern sind bei diesem Projekt der biologischen Vielfalt auf der Spur. Als eines der Hauptprojekte des Internationalen Polarjahres ist „Census of Antarctic Marine Life“ das größte meereswissenschaftliche Programm im Bereich der Antarktis.

Aerosole und Spurengase

 

Am 15. Dezember ist das Forschungsflugzeug Polar 2 an der Neumayer-Station gelandet. Damit beginnt das deutsch-japanischen Projekt ANTSYO II (Antarctic trace gas and aerosol airborne measurement campaign). Bis Ende Januar 2007 werden Flugzeugmessungen durchgeführt, die zur Bestimmung von feinsten Luftpartikeln, so genannten Aerosolen, und verschiedener Spurengase dienen. Dabei sind die physikalischen, optischen und chemischen Eigenschaften von Aerosolen im antarktischen Sommerhalbjahr im Fokus der Messkampagne. Darüber hinaus sollen die wichtigsten Transportwege der Aerosolteilchen in die Antarktis identifiziert werden

Antarktische Unterwasserklänge
Seit einem Jahr unterhält die Arbeitsgruppe Ozeanische Akustik des Alfred-Wegener-Instituts nahe der Neumayer-Station die Messstation PALAOA (PerenniAL Acoustic Observatory in the Antarctic Ocean). PALAOA (70°31´S, 8°13´W) besteht aus vier Unterwassermikrofonen, sogenannten Hydrophonen, die für 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche die Geräuschkulisse des Antarktischen Ozeans aufzeichnen. Anhand der Daten erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Kommunikation mariner Säugetiere wie Robben und Wale. Auch über den Einfluss vom Menschen erzeugter Geräusche auf das Verhalten der Tiere sollen die Daten Auskunft geben.
Einen Livestream von PALAOA finden Sie im Internet unter: www.awi.de/acoustics

Vielfältiges Leben in der Kälte

 

Am Dallmann-Labor (62°14´S, 58°40´W), das nur im antarktischen Sommer betriebenen wird, steht biologische Forschung im Vordergrund. Im besonderen Fokus der Forscher: Die Artenvielfalt verschiedener Organismen und deren Anpassung an Klimawandel und extreme Lebensbedingungen. So untersuchen zum Beispiel Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts und des Instituts für Polarökologie in Kiel das Wachstum von Algen in hohen Lichtintensitäten bei gleichzeitig sehr niedrigen Temperaturen. Welchen Einfluss Eisbewegungen auf die Lebensgemeinschaften am Meeresboden haben, ist ein weiterer Schwerpunkt am Dallmann-Labor. Im IPY-Projekt ClicOpen (Impact of CLImate induced glacial melting on marine and terrestric COastal communities on a gradient along the Western Antarctic PENinsula) untersuchen Wissenschaftler den Einfluss von klimatisch bedingtem Gletscherschmelzen auf Küstenlebensgemeinschaften der Westantarktischen Halbinsel.

Detaillierte Informationen zu allen deutschen Forschungsprojekten im Rahmen des Internationalen Polarjahr 2007/2008 finden Sie im Internet unter: www.polarjahr.de

Bremerhaven, den 20. Dezember 2006
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Polarstern

Polarstern in der Antarktis, ANT XXI/2

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Polar 2

Polar2 mit Meteopod vor Summit Station, Zentral Grönland.

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Dallmann-Labor

Dallmann-Labor an der Jubany-Station, Antarktische Halbinsel.

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31. Januar 2007: Alfred-Wegener-Institut begrüßt neue Verwaltungsdirektorin

Am 1. Februar wird Dr. Heike Wolke ihre Tätigkeit als Verwaltungsdirektorin des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven aufnehmen. Heike Wolke war zuletzt am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ in Leipzig tätig. Sie tritt damit die Nachfolge von Dr. Rainer Paulenz an, der im Oktober vergangenen Jahres als Kulturdezernent in die Stadtpolitik Bremerhavens gewechselt hat.

Frau Wolke hat Verfahrenstechnik und Betriebswirtschaftslehre studiert und war von 1975 bis 1979 an der Technischen Hochschule in Leipzig als wissenschaftliche Assistentin angestellt. Nach ihrer Promotion 1984 auf dem Gebiet Prozessanalyse wechselte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an das Institut für Biotechnologie in Leipzig in die Abteilung Bioverfahrenstechnik.

Ab 1992 war Frau Wolke in verschiedenen Führungspositionen der Verwaltung am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ tätig, zuerst als Leiterin des Einkaufs, später als Verwaltungsleiterin und ab 2002 als Leiterin der wissenschaftlichen und betrieblichen Infrastruktur.

„Neben den Herausforderungen, die  die Tätigkeit der Verwaltungsdirektorin bietet, begeistert mich besonders  das Forschungsfeld des Alfred-Wegener-Instituts. Insbesondere die Möglichkeit, mich hier einzubringen, das Forschungsumfeld und die Forschungsbedingungen zu gestalten, sind reizvoll“, sagt Dr. Wolke.

Frau Wolke wurde 1952 in Leipzig geboren, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Bremerhaven, den 31. Januar 2007
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Dr. Heike Wolke

Die neue Verwaltungsdirektorin des Alfred-Wegener-Instituts. Foto: André Künzelmann, UFZ

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29. September 2005: Das Meer wird sauer

Treibhausgase gefährden Ökosysteme in den Ozeanen

Durch Verbrauch fossiler Brennstoffe produziert jede Person auf unserem Planeten täglich im Durchschnitt elf Kilogramm Kohlendioxid, die in die Atmosphäre gelangen. Vier Kilogramm davon werden von den Weltmeeren aufgenommen, was den Treibhauseffekt mildert. Unglücklicherweise reagiert das Kohlendioxid mit dem Meerwasser zu Säure, welche die Kalkschalen vieler Meeresbewohner auflösen kann.

 

Die jetzt im Wissenschaftsmagazin Nature unter Mitwirkung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung veröffentlichte Studie einer Gruppe von 27 Meeresforschern aus Europa, Japan, Australien und den USA zeigt, dass die Versauerung der Meere in den Polargebieten bereits in fünfzig bis hundert Jahren zu einem Verschwinden wichtiger Meeresorganismen führen könnte, viel früher als bisher angenommen. Bedroht sind vor allem Seegurken, Kaltwasserkorallen und im Wasser schwebende Flügelschnecken. Da diese Tiere eine wichtige Nahrungsquelle für andere Tiere von Krebsen über Lachse bis zu Walen darstellen, sind schwerwiegende Auswirkungen auf das gesamte polare Ökosystem zu befürchten. Ursachen der Versauerung der Meere sind eindeutig menschliche Einflüsse, die Forderung der Forscher ist eine drastische Einschränkung der Treibgasemissionen.

Die Studie beruht auf weltweiten Messungen des Kohlenstoffgehalts der Meere. „Um die Vorhersagen abzusichern, haben wir 13 alternative Berechnungsmodelle mit den Daten gefüttert“, erklärt Reiner Schlitzer vom Alfred-Wegener-Institut. „Beim Vergleich der Ergebnisse gab es kleine Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Modellen, aber die grundsätzliche Aussage war immer die gleiche: Die Meere versauern viel schneller als bisher angenommen.“ Nach Ansicht der Wissenschaftler ist die Vorhersage deutlich sicherer als derzeitige Klimaprognosen, da die Aufnahme von Kohlendioxid durch die Meere einfachen Gesetzmäßigkeiten folgt und vergleichsweise wenig Störfaktoren berücksichtigt werden müssen.

 

Die Computerberechnungen zeigen, dass bei dem derzeitigen Anstieg der Kohlendioxid - Konzentration in der Atmosphäre bereits in fünfzig Jahren in den Polarmeeren die Schalen der dort massenhaft vorkommenden Flügelschnecken (Pteropoda) einfach aufgelöst werden würden. Die wärmeren Meere folgen mit Zeitverzögerung. Der Leiter der Studie, James Orr vom Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement in Frankreich, meint: „Viele der jetzt lebenden Menschen werden erleben, wie die polaren Meere für einige der heutigen Schlüsselorganismen unbewohnbar werden.“

Die Schale der Flügelschnecken besteht aus Aragonit, einer verbreiteten Form des Kalziumkarbonats. Nur wenn das Meerwasser ausreichend mit Aragonit gesättigt ist, können die Schalen der Flügelschnecken wachsen. In den Berechnungen der Forscher und Forscherinnen werden bereits im 21. Jahrhundert die Aragonit - Konzentrationen in allen Weltmeeren stark absinken. Betroffen sind nicht nur die Flügelschnecken, sondern auch Seegurken und die besonders im Nordatlantik verbreiteten Kaltwasserkorallen. Anders als ihre bekannteren tropischen Verwandten wachsen Kaltwasserkorallen sehr langsam und sind schon heute durch die Bodenschleppnetze der Fischerei stark bedroht. Ein Verschwinden der Korallen würde auch zum Verschwinden der gesamten Riffgemeinschaft aus Tiefseefischen, Aalen, Krabben und anderen Organismen führen. Andere schalentragende Meeresbewohner, wie die ökologisch wichtigen Kalkalgen, die für ihre Schutzgehäuse Kalzit anstatt Aragonit nutzen, wären zu diesem Zeitpunkt nicht betroffen. Sie hätten noch weitere fünfzig bis hundert Jahre Zeit, bis sie bei weiter steigenden Kohlendioxidemissionen das gleiche Schicksal ereilen würde.


Bremerhaven, den 29. September 2005

Quelle: Nature 437 (29.September 2005): 681-686

Ansprechpartner: Prof. Reiner Schlitzer
Tel. 0471/4831-1559
E-Mail: rschlitzer@awi-bremerhaven.de

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Limacina

Das Gehäuse der Flügelschnecke Limacina würde sich bei Versauerung der Meere auflösen. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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In den polaren Meeren wird die durch Kohlendioxid verursachte Versauerung der Meere zuerst Folgen zeigen.

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Nicht nur Flügelschnecken, sondern auch andere Tiere wie die Kaltwasserkorallen, sind als erste von sinkenden pH Werten betroffen.

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15. September 2005: Polarstern-Expedition dokumentiert Veränderungen in der Arktis

Am 18. September wird der Forschungseisbrecher Polarstern von einer achtwöchigen Arktisexpedition nach Bremerhaven zurückkehren. Insgesamt 78 Teilnehmer aus elf Nationen waren an der vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven koordinierten Expedition beteiligt.

 

Im Mittelpunkt der einundzwanzigsten Arktisexpedition von Polarstern stand die Fortsetzung mehrerer Langzeitstudien mit fest am Meeresboden installierten Messstationen, so genannten Verankerungen. Bestückt mit verschiedenen Messgeräten für Strömung, Temperatur und Salzgehalt tragen die Daten dieser Verankerungen dazu bei, den Wärme- und Süßwasserhaushalt der Grönlandsee zu bestimmen und seinen Einfluss auf die globalen Meeresströmungen abzuschätzen. Verankerungen spielen somit eine ähnliche Rolle wie die Wetterstationen auf den Kontinenten, mit dem Unterschied, dass die Daten der Verankerungen erst nach einem Jahr bei ihrem Austausch abgelesen werden können.

Auf zwei in Ost/West-Richtung verlaufenden hydrographischen Schnitten zwischen Grönland und der Bäreninsel (75°Nord) und zwischen Grönland und Spitzbergen (79°Nord) machten die Ozeanografen eine interessante Entdeckung: ein vollständiges Fehlen von Wasser, das aus dem Pazifik durch die Beringstraße in die Arktis strömt und in den 90er Jahren im Ostgrönlandstrom zu finden war. Dieser Umstand weist darauf hin, dass sich die Strömungsverhältnisse im Arktischen Ozean geändert haben und dieses Wasser nun durch den Kanadischen Archipel westlich von Grönland in den Nordatlantik fließt.

Im weiteren Verlauf wurden in der Grönlandsee an fünf Stationen autonom arbeitende Messgeräte aufgenommen und nach Auslesen der Daten direkt an Bord wieder mit neuer Energieversorgung ausgebracht. Eine bereits seit 1994 in Zusammenarbeit mit den Universitäten Cambridge und Bergen laufende Langzeitstudie kann somit weiter fortgesetzt werden. Weiter im Norden in der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen wurden zwölf Verankerungen aufgenommen und wieder neu ausgelegt, um eine seit 1997 laufende Beobachtung des Wassermassenaustausches zwischen dem Arktischen Ozean und der Grönlandsee fortzusetzen.

 

Parallel dazu haben die Wissenschaftler Temperatur und Salzgehalt in der Framstraße in dichten Abständen in allen Meerestiefen mit Hilfe einer CTD-Sonde (Conductivity = Leitfähigkeit, Temperature = Temperatur, Depth = Tiefe) gemessen. Ein vorläufiger Vergleich der Meeresoberflächentemperaturen mit denen des letzten Jahres ergab eine Erwärmung im Osten und eine Abkühlung im mittleren und im westlichen Bereich der Framstraße. Daher wurde im Ostgrönlandstrom auch mehr Meereis angetroffen als im vergangenen Jahr. In Tiefen unter 50 Meter setzt sich die deutliche Erwärmung der Vorjahre in der gesamten Framstraße fort. Im mittleren Bereich reicht die Erwärmung bis in Tiefen unter 2000 Meter. Diese hydrographischen Beobachtungen wurden durch die Daten der Verankerungen bestätigt.

Meereschemiker untersuchten das im Meerwasser gelöste Treibhausgas Methan, das entweder aus dem Meeresboden austritt oder in der Wassersäule durch Bakterien erzeugt wird. Die Auswertung der zahlreichen Proben, die während der Reise genommen wurden, zeigt, dass mehr Methan in der Wassersäule entsteht als ursprünglich angenommen wurde und dass die Produktion in der Eisrandzone bei starker biologischer Aktivität besonders hoch ist.

Tiefseebiologen entdeckten in der Framstraße in 2000 Meter Tiefe eine große Anzahl unterschiedlichster Bodenorganismen. Nach Auswertung ihrer Proben wollen die Forscher genauere Aussagen über die Nahrungsnetze in der noch weitgehend unerforschten Tiefsee treffen.

Mit der Artenzusammensetzung vergangener Epochen beschäftigen sich die Geologen an Bord von Polarstern. Sedimente am Meeresboden bestehen zu einem wesentlichen Teil aus abgestorbenen Meeresorganismen, die sich im Laufe der Jahrtausende am Meeresboden schichtweise ablagern. Da unterschiedliche Organismen durchaus unterschiedliche Temperaturen bevorzugen, lassen sich aus der Zusammensetzung der Fossilien Rückschlüsse auf Wassertemperatur und andere Klimaparameter vergangener Zeiten ziehen. Bei geologischen Arbeiten am Yermak-Plateau nordwestlich von Spitzbergen wurden trotz schwerer Eisbedingungen zahlreiche Sedimentkerne gewonnen, die den Wissenschaftlern vermutlich Einblick in 100.000 Jahre Klimageschichte geben können. Wie weit sie tatsächlich in die Erdgeschichte zurückreichen, werden erst die abschließenden Untersuchungen der Proben im Labor ergeben.

Polarstern wird am 18. September gegen 2 Uhr morgens in Bremerhaven einlaufen und in einer vier Wochen andauernden Werftzeit auf die nächste Expedition in die Antarktis vorbereitet.

Bremerhaven, den 15. September 2005

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Polarstern

Polarstern vor eindrucksvoller Kulisse im Isfjorden/Spitzbergen.

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CTD-Rosette

Eine CTD-Rosette wird von Polarstern abgelassen.

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Polarstern

Polarstern verlässt Isfjorden mit Fahrtziel Framstraße.

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15. September 2005: Der Rest vom Paradies

Wie wichtig sind Wale und Robben für die polaren Ökosysteme?

Die Polargebiete gehören zu den unwirtlichsten Gegenden der Erde, und doch leben hier die größten Tiere – im Meer. Der Grund für die Vielzahl von Walen und Robben in Arktis und Antarktis schien bisher in dem scheinbar unerschöpflichen Nahrungsreichtum zu liegen. Nun mehren sich Hinweise, dass die Großsäuger ihr Überleben vor allem der Menschenfeindlichkeit dieser Gebiete verdanken und einstmals viel weiter verbreitet waren. Und es erscheint nicht unwahrscheinlich, dass in den gemäßigten Meeren ihr Verschwinden tief greifende Veränderungen des gesamten Ökosystems nach sich zog.

 

Ein besseres Verständnis der ökologischen Bedeutung von Walen und Robben ist nach Ansicht von Prof. Dr. Victor Smetacek vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und Dr. Stephen Nicol von der tasmanischen Universität in Hobart, Australien, eine wichtige Voraussetzung für Prognosen zum Wandel der polaren Ökosysteme im Rahmen eines globalen Klimawandels. In einem jetzt im Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlichten Beitrag stellen die Forscher die These auf, dass die großen Meeressäuger einen formenden und stabilisierenden Einfluss auf marine Ökosysteme haben und einst in allen Meeren weit verbreitet waren.

 

Ähnlich wie der Fischreichtum afrikanischer Binnengewässern entscheidend von den Flusspferden abhängt, prägen Großsäuger vielleicht auch in den kältesten Meeren der Erde ihren Lebensraum. Schon jetzt ist klar, dass das Bild von kurzen Nahrungsketten mit wenigen beteiligten Organismen eine zu stark vereinfachte Sicht polarer Ökosysteme ist. Die Artenvielfalt in Arktis und Antarktis ist vergleichbar hoch wie in den Meeren der gemäßigten Breiten. Große Unterschiede finden sich allerdings beim Vergleich zwischen Arktis und Antarktis mit Blick auf die Verfügbarkeit von Nährstoffen und auf die Schlüsselorganismen der Nahrungskette. In der Antarktis begrenzt vor allem die Verfügbarkeit von Eisen das Wachstum im System. Der in ungeheuren Mengen auftretende Krill, eine Krebsart, bildet eine wesentliche Nahrungsgrundlage der größeren Tiere. In der Arktis nehmen Fische die ökologische Bedeutung des Krills ein, die Produktivität der arktischen Meere wird häufiger durch die Verfügbarkeit von Nährstoffen begrenzt. Weitgehend ungeklärt ist in jedem Fall die Bedeutung der großen Säugetiere in den kältesten Meeren der Erde, welchen Einfluss ihre Fraßtätigkeit und ihre Ausscheidungsprodukte auf die Stabilität der Ökosysteme haben.

Besser verstanden ist die Rolle der großen Säugetiere an Land. Nicht nur in Ostafrika prägten große Pflanzenfresser entscheidend ihren Lebensraum. Vor dem Erscheinen des modernen Menschen waren sie weltweit verbreitet. Mit der Ausrottung der Mammute und fast aller Landgroßtiere in Europa, Asien, Amerika veränderten sich auch die Landschaften. Heute soll in Sibirien durch Wiederansiedlung großer Pflanzenfresser die alte Mammutsteppe renaturiert werden, ähnliches schlagen US-Forscher für Nordamerika vor.

 

Mit der Erfindung der Schifffahrt brachte das Landtier Mensch den Exodus auch in die Meere. Die Ausrottung des europäischen Grauwals und der Steller’schen Seekuh im Nordpazifik sind ebenso Beispiele hierfür wie der drastische Rückgang fast aller anderen Großtiere in den Meeren der gemäßigten Breiten. Am längsten überlebten die Riesen der Tierwelt in den für Menschen unzugänglichen Regionen der Erde. Ein weitgehend intaktes Ökosystem und Restbestände früherer Vielfalt erhielten sich vor allem in Arktis und Antarktis, den polaren „Serengtis“, und vor allem hier ist eine Erforschung der Wechselwirkungen zwischen marinen Großsäugern und ihrer Umwelt heute noch möglich – und nötig.

Denn mit dem weltweiten Anstieg der Temperaturen verändern sich auch die polaren Gebiete, wobei die Veränderung aufgrund der Unterschiede in Geographie und Funktion des Ökosystems in Arktis und Antarktis vermutlich nicht gleichartig verlaufen wird. Ein besseres Verständnis der ökologischen Bedeutung der Großtiere in den Meeren ist eine Voraussetzung, um sinnvolle Maßnahmen zu Schutz und Erhalt dieser Gebiete durchführen zu können.

Bremerhaven, den 15. September 2005

Quelle: Nature 437, 362-368 (15 September 2005)

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Buckelwale

Nutznießer oder auch Bewahrer: Buckelwale im Polarmeer.

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Krill

Der in riesigen Mengen auftretende Krill ist in der Antarktis eine wesentliche Nahrungsgrundlage der großen Säuger.

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Eislandschaft

Die polaren Meere sind die Serengetis der Meere; hier finden sich noch weitgehend intakte Ökosysteme.

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Junger Seeelefant

Auch er wird einmal zu den Großen gehören: junger Seeelefant.

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7. September 2005: Mit High-Tech in die Tiefsee

Am 13. September 2005 brechen Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung zu einer dreiwöchigen Forschungsreise in den Nordatlantik an Bord des französischen Forschungsschiffes „L'Atalante“ auf. Während der Expedition werden ein untermeerischer Schlammvulkan vor der Norwegischen Küste untersucht sowie die Langzeitbeobachtung an einer Tiefseestation vor Spitzbergen fortgesetzt.

 

Auf der Forschungsreise kommt modernste Tiefsee-Technologie zum Einsatz. Das unbemannte Tauchfahrzeug „Victor 6000“ ist rund viereinhalb Tonnen schwer, kann bis zu 6000 Meter tief tauchen und bleibt während der Tauchfahrt über ein Steuerungskabel mit dem Mutterschiff verbunden (ROV = Remotely Operated Vehicle). Der mit Kameras und Greifarmen ausgerüstete Tauchroboter wurde bereits mehrfach erfolgreich auf dem deutschen Forschungseisbrecher „Polarstern“ und der französischen „L'Atalante“ eingesetzt. Zusätzlich ist bei der jetzigen Expedition ein autonomes Tiefseefahrzeug (AUV = Autonomous Underwater Vehicle) des Alfred-Wegener-Instituts mit an Bord. Im Unterschied zu „Victor 6000“ hängt das AUV an keinem Kabel, sondern fährt selbstständig vorprogrammierte Kurse bis in Tiefen von 3000 Meter. „Diese Kombination von ROV und AUV hat vor uns noch kein anderes deutsches Team realisiert,“ erläutert Dr. Michael Klages, Fahrtleiter und Leiter der Sektion „Unterwasserfahrzeuge und Tiefsee-Technologie“ am Alfred-Wegener-Institut. „Die enge Kooperation mit unseren französischen Kollegen und Kolleginnen hat uns dazu verholfen, eine der Arbeitsgruppen in Deutschland zu sein, die nicht nur auf die meisten Taucheinsätze mit einem Tiefsee - ROV zurückblicken kann, sondern mit einer erreichten Tiefe von 5550 Metern hier gewissermaßen auch einen Tiefenrekord hält.“

Als ersten Untersuchungsstandort läuft die „L'Atalante“ den in 1250 Metern Tiefe aktiven Håkon Mosby Schlammvulkan vor der Küste Norwegens an. Aus dem 500 Meter großen Zentralkrater des Schlammvulkans entweicht das Treibhausgas Methan. Das wissenschaftliche Interesse gilt den an der Austrittsstelle angesiedelten Mikroorganismen, die das Methan abbauen indem sie es als Energiequelle nutzen. Mit „Victor 6000“ sollen Bodenproben genommen, die darin lebenden Bakterien im Labor kultiviert und weiter untersucht werden.

 

Der zweite Anlaufpunkt der „L'Atalante“ ist die 1999 in Betrieb genommene Tiefseestation „Hausgarten“ an der Schnittstelle zwischen dem nördlichen Atlantik und dem arktischen Ozean in den Gewässern vor Spitzbergen. Über Experimente am Meeresboden und Langzeituntersuchungen wollen die Forscher den Gründen für die unerwartet hohe Artenvielfalt am Boden der Tiefsee auf die Spur kommen. Erste Anzeichen einer Erwärmung in 2500 Metern Tiefe deuten bereits darauf hin, dass sich der globale Klimawandel auch in der Tiefsee bemerkbar macht. Wie Tiefseeökosysteme hoher geographischer Breite auf die Erwärmung reagieren und wann ihre Belastungsgrenzen erreicht werden, sind offene Fragen, die es durch diese Langzeituntersuchungen ebenfalls zu klären gilt.

Die vom Alfred-Wegener-Institut und dem französischen Institut für Meeresforschung Ifremer organisierte Expedition setzt die erfolgreiche deutsch - französische Kooperation zwischen den beiden Forschungsinstituten fort und ist ein wichtiger Beitrag zu dem von der Europäischen Union geförderten Projekt HERMES (Hotspot Ecosystem Research at the Margins of European Seas). 45 Projektpartner aus 15 europäischen Ländern untersuchen die Artenvielfalt in verschiedenen Tiefseeregionen des europäischen Kontinentalrandes. Auf der „L’Atalante“ sind neben dem Alfred-Wegener-Institut und dem Ifremer das Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie in Bremen und die Universität Gent vertreten.

Informationen im Internet finden sich unter:
Tiefsee: www.awi-bremerhaven.de/Research/ProjectGroups/DeepSea/index-d.html
Victor & Polarstern: www.polarstern-victor.de
HERMES : www.eu-hermes.net
MUMM: www.mumm-research.de
Ifremer: www.ifremer.fr
MPI: www.mpi-bremen.de
Gent: www.marinebiology.ugent.be
AWI: www.awi-bremerhaven.de


Bremerhaven, den 7. September 2005

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Victor 6000

Der vier Tonnen schwere "Victor 6000“ ist mit modernsten Kameras und Probennahmegeräten ausgerüstet; zwei Greifarme ermöglichen das gezielte Absetzen von Messgeräten und die Entnahme von Proben am Meeresboden.

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Bakterien-Matten

Matten von Bakterien am Meeresboden zeigen die Austrittstellen des Methans an.

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L'Atalante

Mit der rund 85 m langen französischen "L'Atalante" waren Mitarbeiter des AWI bereits 2001 in der Arktis.

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AUV

Das AUV fährt vorprogrammierte Kurse bis in Tiefen von 3000 m selbständig ab.

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2. September 2005: Arktische Oszillation beeinflusst das europäische Klima

Vom 5. bis 7. September 2005 findet in der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung der „Arctic Climate Workshop“ mit Klimaexperten aus Europa, USA, Kanada und Russland statt. Die Forscher diskutieren den Einfluss der Arktis auf die globale Klimaentwicklung und wollen die Klimavorhersage verbessern. Das von Potsdamer Atmosphärenforschern koordinierte europäische Forschungsprojekt GLIMPSE (Global implications of Arctic climate processes and feedbacks) bildet den Rahmen für das Treffen.

 

Mit steigenden Temperaturen, schwindendem Meereis und schmelzenden Gletschern zeigen sich die Auswirkungen der weltweiten Klimaveränderung in der Arktis besonders deutlich. Die nur wenige Meter dicke Meereiskappe am Nordpol ist wesentlich anfälliger für geringfügige Veränderungen der Wasser- oder Lufttemperatur als der kilometerdicke Eisschild der Antarktis. Schmilzt das arktische Eis, das bis zu 90 Prozent des einfallenden Sonnenlichtes wie ein Spiegel in die Atmosphäre zurückstrahlt, wird mehr Sonnenenergie absorbiert. Die Folge wäre eine zusätzliche Verstärkung der globalen Klimaerwärmung. Computermodellierungen sollen das Ausmaß der Veränderungen vorhersagen. Die hohe Komplexität des arktischen Klimasystems erschwert allerdings verlässliche Prognosen. Vor allem ist zu berücksichtigen, dass in den arktischen Gebieten natürliche Schwankungen eine große Rolle bei den Temperaturveränderungen der letzten Jahrzehnte gespielt haben.

Die „Arktische Oszillation” beeinflusst das Auf und Ab der Temperaturen in der Arktis. Dabei handelt es sich um eine großräumige Schwingung der Atmosphäre, die durch entgegengesetzte Luftdruckanomalien in der zentralen Arktis und Teilen der mittleren Breiten gekennzeichnet ist. Die Jahrzehnte dauernden Schwingungen sind unterschiedlich stark ausgeprägt. In der positiven Phase, die seit etwa 1970 vorherrscht, treiben starke Westwinde im Winter warme Atlantikluft nach Nordeuropa und Sibirien. In der negativen Phase der Arktischen Oszillation kann die kalte Polarluft weiter nach Süden vordringen und beschert den Europäern strenge Winter, wie zuletzt von 1940 bis 1970. Durch Einbeziehung dieser Schwingungen in Computermodellierungen soll die Vorhersage der künftigen Klimaentwicklung deutlich verbessert werden.

Die bisherigen Auswertungen von Eiskernen zeigen, dass in der Vergangenheit klimatische Veränderungen in der Arktis schneller verliefen als in der Antarktis. Dies und die Nähe zu Nord- und Mitteleuropa erfordern ein tieferes Verständnis der Mechanismen im arktischen System Atmosphäre - Ozean – Meereis - Land, um die Auswirkungen zunehmender Treibhausgase auf unser Klima besser einschätzen zu können.


Bremerhaven, den 2. September 2005

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Sonnenreflektion

Die Sonnenreflektion (Albedo) ist über dem arktischen Eis viel höher als über dem Meer.

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LIDAR

Atmosphärenanalyse mit Laser in Koldewey auf Spitzbergen.

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Messballon

Mit Ballons werden Messsonden in den arktischen Himmel gesandt.

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10. August 2005: Meteoriteneinschlag erweist sich als Glücksfall für die Polarforschung

Forscher erwarten drei Millionen Jahre lückenloser Klimageschichte in den Ablagerungen eines sibirischen Kratersees

Mit 1,5 Millionen US Dollar fördert das Internationale Kontinentale Tiefbohrprogramm (ICDP) Forschungsbohrungen zur Rekonstruktion der Klimageschichte im Sibirischen Elgygytgyn-Krater. Voruntersuchungen durch das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung lieferten einen wesentlichen Beitrag für den jetzt erfolgreichen Antrag zur Finanzierung von Teilen der Bohrkosten. Eingereicht wurde der Antrag von den Projektleitern aus Deutschland, Russland, Amerika und Österreich bei der internationalen Förderkommission des ICDP. „Ohne die Daten des Alfred-Wegener-Instituts zur Mächtigkeit der Ablagerungen im Elgygytgyn-Krater wäre dieser Antrag sicher nicht bewilligt worden“ erklärt Prof. Martin Melles, der deutsche Projektleiter von der Universität Leipzig. Das ICDP wird durch Beiträge aus derzeit 13 Mitgliedsländern finanziert, um globale geowissenschaftliche Fragestellungen an den dafür am besten geeigneten Orten zu untersuchen (http://icdp.gfz-potsdam.de).

 

Tiefbohrungen im Klima-Archiv
Vor 3,6 Millionen Jahren schlug in Nordost-Sibirien ein großer Meteorit auf die Erdoberfläche. Der dadurch entstandener Krater von 18 Kilometern Durchmesser beherbergt heute einen 180 Meter tiefen See, den Elgygytgyn. „Vermutlich ist im Elgygytgyn die arktische Klimageschichte der letzten 3,6 Millionen Jahre lückenlos gespeichert, da die Ablagerungen des Sees während keiner der vergangenen Eiszeiten durch Gletscher abgeschürft wurden", erläutert Dr. Frank Niessen, Geologe am Alfred-Wegener-Institut. „Das wäre ein unglaublicher Glücksfall für die Polarforschung". Seit dem Beginn der Vereisung der Nordhemisphäre vor ungefähr 2,5 Millionen Jahren ist die Region des Elgygytgyn-Sees sozusagen tiefgefroren, der Permafrostboden um den See reicht bis zu 600 Meter tief. Insgesamt sind drei bis zu 800 Meter tiefe Bohrungen geplant, von denen zwei im See durchgeführt werden. Die dritte Bohrung erfolgt im dauerhaft gefrorenen Boden in der Umgebung des Sees. „Unsere Permafrost-Untersuchungen im Umfeld des Sees waren Grundlage für diese weitere Bohrung im Rahmen des ICDP-Projekts“, meint Dr. Georg Schwamborn von der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts.

Aller Anfang ist schwer
Zwei Mal besuchte Frank Niessen zusammen mit Conrad Kopsch, Ingenieur an der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts, bisher den Elgygytgyn-See, um mit seismischen Methoden die Dicke und die Strukturen der Seesedimente zu untersuchen. „Auf den Ozeanen führt das Alfred-Wegener-Institut seismische Untersuchungen des Meeresbodens mit dem Forschungseisbrecher Polarstern durch und setzt dabei hochseetüchtige hydrologische Geräte ein", erklärt Niessen. „Aber auf einem See in der sibirischen Tundra fernab jeglicher Zivilisation gibt es kein Schiff, und schwere Geräte können nicht genutzt werden. Wissenschaftlich betreten wir völliges Neuland. Das war eine besondere Herausforderung für uns".

 

Die Vorarbeiten gestalteten sich alles andere als einfach. „Alles musste klein und tragbar sein. Als Forschungsboot haben wir eine Aluminiumplattform mit aufblasbaren Schwimmkörpern mitgenommen und die kleinsten seismischen Geräte zum Einsatz gebracht, die es weltweit gab", berichtet Kopsch. Trotz viel versprechender Messergebnisse reichten die Daten nicht als Entscheidungsgrundlage für eine Tiefbohrung, da Ablagerungen ‚nur’ bis in 200 Meter Tiefe unter dem Seeboden identifiziert werden konnten. „Die Energie und Aufnahmequalität der benutzten Geräte waren für diese unerwarteten Tiefen nicht ausreichend", so Niessen.

Mit Mitteln des Alfred-Wegener-Instituts und finanzieller Beteiligung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung entwickelten die Polarforscher aus Bremerhaven und Potsdam eigene Geräte. Eine zweite Expedition zum Elgygytgyn im Rahmen der wissenschaftlichen Kooperation zwischen Russland und Deutschland brachte im Sommer 2003 dann den gewünschten Erfolg. Die neuen Daten lassen sogar eine von Ablagerungen überdeckte Aufwölbung im Felsuntergrund in einer Tiefe von 600 Metern erkennen, wie sie nur durch den Einschlag eines gewaltigen Projektils entstehen kann. „Jetzt waren wir sicher, dass der See durch einen Meteoriten entstanden ist und tatsächlich 3,6 Millionen Jahre Klimageschichte in den Ablagerungen gespeichert sein können", beschreibt Dr. Catalina Gebhardt vom Alfred-Wegener-Institut die Freude bei der Auswertung der Ergebnisse.

Die Ergebnisse der jetzt genehmigten Bohrungen sollen eine bessere Einschätzung der heutigen Klimaveränderungen ermöglichen und tragen zur Verfeinerung computergestützter Klimamodellierungen bei.


Bremerhaven, den 10. August 2005

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Elgygytgyn-See

Der jedes Jahr von November bis Juni zugefrorene See mit einem Durchmesser von 12 km und einer Tiefe von 180 Meter ist nur im Hochsommer für einige Wochen völlig eisfrei und wird oft von starken Winden aufgewühlt.

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Helga

Plattform "Helga", das kleinste Forschungsschiff des AWI, wurde auf dem Elgygytgyn-See in den Jahren 2000 und 2003 für seismische Untersuchungen eingesetzt.

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Elgygytgyn-See

Der Elgygytgyn-See liegt in der russischen Provinz Chukotka im äußersten Nordosten Sibiriens in einem unbewohnten Kraterbecken fernab jeglicher Zivilisation und war bis vor wenigen Jahren noch unerforscht.

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Elgygytgyn-See

Der See liegt einige 100 Kilometer südlich des Arktischen Ozeans in der Tundra und ist von Permafrostböden umgeben. Da es weder Strassen noch Wege dorthin gibt, wurde der See für die Expeditionen 2000 und 2003 von Hubschraubern angeflogen.

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29. Juni 2005: 40 Jahre Kieselalgen

Jubiläum der Diatomeen-Sammlung am Alfred-Wegener-Institut, dem Helmholtz-Zentrum für Polar und Meeresforschung

Am 1. Juli besteht der Friedrich-Hustedt-Arbeitsplatz am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven seit 40 Jahren. Mit rund 80.000 mikroskopischen Präparaten gehört die ständig erweiterte Kieselalgen-Sammlung des 1886 in Bremen geborenen Friedrich Hustedt zu den größten ihrer Art.

 

Weltweit stellen die auch als Diatomeen bezeichneten Kieselalgen rund ein Viertel der pflanzlichen Biomasse. Die im Süßwasser und im Meer vorkommenden, mikroskopisch kleinen Einzeller sind die bedeutendsten Biomasse- und Sauerstoffproduzenten. Durch Photosynthese wandeln sie das Treibhausgas Kohlendioxid in organische Substanz um und spielen damit eine entscheidende Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf. Die filigranen, von Spezies zu Spezies unterschiedlichen Schalenstrukturen sind komplex und von ästhetischer Schönheit. Einige Arten wurden Ende des 18. Jahrhunderts genutzt, um die Auflösungsfähigkeit von Mikroskopen zu testen. Wenn die Einzeller sterben, bleiben die aus Kieselerde (Siliciumdioxid) bestehenden Zellwände erhalten und sinken auf den Meeresboden oder Seeboden. Der Wissenschaft liefern die Schalen fossiler Kieselalgen wertvolle Informationen über vergangene Umwelt- und Klimabedingungen und dienen als Leitfossilien zur erdgeschichtlichen Datierung von Bodenschichten.

 

Friedrich Hustedt (1886-1968), Schulleiter aus Bremen, forschte ein Leben lang an den Kieselalgen und beschrieb allein rund 2.000 neue Arten. Auf Antrag des damaligen Amtes für Bodenforschung, wo man die Bedeutung seiner Arbeiten für die geologische Grundlagenforschung erkannt hatte, wurde Hustedt 1939 vom Schuldienst freigestellt und konnte sich ganz der Forschung widmen. Viele von Hustedts frühen Arbeiten beschäftigen sich mit Kieselalgen der Weser von Bremen bis Bremerhaven. 1955 publizierte er eine Arbeit über die Vielfalt der Kieselalgen anhand von Strandproben aus Beaufort, North Carolina, USA. Die weltweite Bedeutung der Diatomeen wird aus der Vielzahl der Arten ersichtlich, die sowohl hier als auch in den USA gefunden wurden. Mit der Zeit wurde die Sammlung immer umfangreicher; keine andere Person auf der Welt hat so viele Kieselalgen archiviert wie Hustedt.

 

„Dr. Reimer Simonsen war der erste Kurator der 1965 eingerichteten Kollektion. Diese haben wir mit dem Material von den zahlreichen Forschungsexpeditionen und dank Zusendungen von Kollegen aus aller Welt in den letzten 40 Jahren kontinuierlich ausbauen können. Heute besitzen wir eine der weltweit bedeutendsten Diatomeen Sammlungen“, erklärt Dr. Richard Crawford, derzeitiger Kurator der Sammlung. Neben den Präparaten umfasst der von Wissenschaftlern aus aller Welt genutzte Arbeitsplatz weiteres Probenmaterial und eine umfangreiche Spezialbibliothek. Seit drei Jahren werden Angaben zu Arten und Fundorten in eine elektronische Datenbank eingegeben, mit deren Hilfe Spezialisten aus aller Welt diese Informationen über das Internet schnell abrufen können (www.awi-bremerhaven.de/Research/hustedt1.html).

Die Industrie nutzt die als Kieselgur bezeichneten Schalen als feine Schleifmittel, sowie als Filtriermittel für Wein oder Bier. In den Diatomeen steckt aber noch mehr: Die Nanotechnologie interessiert sich für den Bewegungsmechanismus der winzigen Schale. Das Schalendesign ist Vorbild für Autofelgen. Und da die Omega-3-Fettsäuren der Diatomeen das Nervensystem des Menschen stärken, forscht auch die Lebensmittelindustrie an Kieselalgen. Forscher des Alfred-Wegener-Instituts untersuchen, welche Gene in den Diatomeen die wertvollen Fettsäuren produzieren.

Bremerhaven, den 29. Juni 2005

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Friedrich Hustedt

Dr. h.c. Friedrich Hustedt am Mikroskop.

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Geeste Watt

Das Ufer der Geeste in Bremerhaven bei Ebbe. Stoffwechselprodukte der Kieselalgen erzeugen die bräunliche, feste Oberfläche des Watts.

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Gyrosigma

Bewegliche Diatomeen der Gattungen Gyrosigma (0,1 mm lang) und Navicula sind häufig im Watt der Geeste.

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Diatomeen

Erst unter dem Rasterlelektronenmikroskop zeigen die Diatomeen alle Details ihrer komplex gebauten Schalen.

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Diatomeen

Auf tausenden von Objektträgern wie diesem sind Kieselalgen aus aller Welt in der Sammlung verfügbar.

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27. Juni 2005: Deutsch-russische Expedition in die Eiswüsten Nordsibiriens

Treibhausgase aus der Tundra?

Vom 3. Juli bis 3. September 2005 erforscht die deutsch-russische Expedition LENA 2005 unter Leitung von Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung die Permafrostböden am Unterlauf des sibirischen Stroms Lena. Im Zentrum der Forschung stehen Messungen von Treibhausgasen (wie z.B. Methan) sowie die Entstehungsgeschichte des Flussdeltas und die Umweltentwicklung dieser arktischen Region. Bereits zum achten Mal forschen insgesamt 20 Wissenschaftler aus Potsdam, Hamburg, Moskau, Tiksi, Jakutsk und St. Petersburg im Sommer im größten arktischen Flussdelta, das mit ungefähr 32.000 Quadratkilometern Fläche in etwa die Größe der Niederlande hat.

 

Das Lenadelta umfasst viele für das arktische Sibirien typische Landschaftsformen und Ökosysteme, und bietet damit hervorragende Voraussetzungen für die Wissenschaftler. Die wasser-, boden- und pflanzenkundliche Charakterisierung des Deltas ist ebenso ein Expeditionsschwerpunkt wie die Erfassung der spektralen Eigenschaften der Oberflächen mit einem neuen Geländespektrometer. Diese bisher unbekannten Daten sind Grundlage für die Interpretation von Satelliten-Fernerkundungsdaten aus arktischen Periglazialgebieten.

 

Die Fortführung langfristiger Messreihen zur Energie- und Wasserbilanz sowie zur Treibhausgasemission aus Permafrostlandschaften und die Analyse der am Kohlenstoffumsatz beteiligten mikrobiellen Lebensgemeinschaften in den Permafrostböden sind weitere Schwerpunkte der Expedition. Langzeitreihen liefern entscheidende Grundlagen für die Abschätzung des Potentials der Treibhausgase in arktischen Böden und ihrer Rolle im globalen Kohlenstoffhaushalt. „Rund ein Viertel der Festlandsoberfläche unserer Erde sind Permafrostgebiete“, sagt Professor Hans-Wolfgang Hubberten, Leiter der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts. „Ein Rückgang des Permafrostes als Folge der globalen Klimaveränderungen könnte katastrophale Folgen für die Ökologie und Ökonomie der betroffenen Regionen haben.“

 

Proben aus Eiskeilen und Gletschern ermöglichen die Rekonstruktion des Klimas der letzten 10.000 Jahre. Besonders die Eiskeile gewinnen als Klimaindikatoren immer mehr an Bedeutung. Dieses Eis entsteht aus Winterniederschlägen und bietet über die Verhältnisse von stabilen Sauerstoff- und Wasserstoffisotopen die Möglichkeit, Wintertemperaturen, Verdunstung und Niederschlagsquellen zu rekonstruieren. Mit Hilfe prähistorischer Daten können Klimaprognosen verbessert und die Auswirkungen aktueller Klimaveränderungen besser abgeschätzt werden. „Im frühen Holozän, vor 10.000 Jahren, war der sibirische Permafrost schon einmal weiträumig getaut und dieses führte zur Bildung zahlreicher Seen. Diese Thermokarstseen im küstennahen Hinterland spielten und spielen eine wichtige Rolle für die Küstendynamik Sibiriens“, meint Dr. Lutz Schirrmeister, Geologe an der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts.

Die diesjährige Lena-Expedition wird auf Basis der russisch-deutschen Kooperationsverträge zum Wissenschaftsaustausch und den Vereinbarungen über die Zusammenarbeit mit russischen Forschungsinstituten durchgeführt.

Bremerhaven, den 27. Juni 2005

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Satellitenaufnahme

Satellitenaufnahme des Lenadeltas.

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Seenlandschaft

Mikrometeorologische EDDY-Messstation zur Messung von Treibhausgasemissionen aus Tundraböden auf der Insel Samoylov im Zentralen Lenadelta.

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Lenadelta

Arbeiten an Permafrostprofilen im Lenadelta.

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Lenadelta

Arbeiten an Permafrostprofilen im Lenadelta.

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"Neptun"

Expeditionschiff "Neptun" im westlichen Delta

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Seenlandschaft

Seenlandschaft (Thermokarst) der Arga-Insel.

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Samoylov

Messfeld in der polygonalen Tundra auf der Insel Samoylov.

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31. Mai 2005: Nördlichstes Meeresforschungslabor der Welt fertig gestellt

In Ny-Ålesund auf Spitzbergen wird der norwegische Ministerpräsident Kjell Magne Bondevik am 1. Juni in Anwesenheit zahlreicher nationaler und internationaler Gäste das nördlichste Meeresforschungslabor der Welt einweihen. Das neue Labor wird von Kings Bay AS betrieben, einem norwegischen Staatsunternehmen, das die Infrastruktur im Forschungsstandort Ny-Ålesund zur Verfügung stellt. Die Baukosten von umgerechnet etwa 4 Mio. Euro wurden zum Großteil vom norwegischen Staat aufgebracht.

 

Spitzbergen gehört zu einer der nördlichsten Inselgruppen der Arktis. Der frühere Bergbauort Ny-Ålesund an der Westküste ist heute ein internationales Zentrum der modernen Arktisforschung und Umweltüberwachung. Insgesamt acht Nationen, die mit ihren Forschungsstationen dauerhaft in Ny-Ålesund vertreten sind, waren an der Planung des Meereslabors beteiligt. Nach der Grundsteinlegung im Juni 2004 entstand in nur einjähriger Bauzeit ein speziell auf die biologische Forschung ausgerichtetes Labor, das als neustes Gebäude den arktischen Forschungsstandort Ny-Ålesund komplettiert. „ Das ist ein großer Tag für Kings Bay AS und die Arktisforschung, da wir nun so weit sind, dass auch das letzte und wichtige naturwissenschaftliche Fachgebiet seine Einrichtung hat“, so Knut M. Ore, Aufsichtsratsvorsitzender der Kings Bay AS.

Jedes Jahr nutzen Forscher aus rund 20 Nationen die idealen Bedingungen in Ny-Ålesund, um biologische Forschung mit Untersuchungen der Atmosphäre und der Geologie der Arktis zu verknüpfen. Damit ist der Standort bestens geeignet, um globale Umweltveränderungen und deren Auswirkungen zu verfolgen. Seit 1988 arbeiten Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Ny-Ålesund. Im August 1991 wurde die deutsche Forschungsstation „Koldewey“ eingeweiht. Das Alfred-Wegener-Institut betreibt seit 2003 mit dem französischen Polarforschungsinstitut Paul Emile Victor (IPEV) in Ny-Ålesund eine kooperative Forschungsbasis. Mit über zehn Jahren Forschungserfahrung in Ny-Ålesund standen die Meeresbiologen des Alfred-Wegener-Instituts bei Planung und Bau des neuen Labors als wissenschaftliche Partner zur Seite.

 

Das Meeresforschungslabor stellt den Wissenschaftlern mehrere Laborräume mit speziell auf die Meeresforschung ausgerichteter Ausstattung zur Verfügung. Dazu gehören Hälterungsbecken mit direkter Frischwasserversorgung aus dem Fjord, mehrere Wärme- und Kälteräume sowie eine mit eigener Druckkammer ausgestattete wissenschaftliche Tauchbasis. Das Labor stand lange auf der Wunschliste der Arktisforscher und wartet mit seinem hohen technischen Standard jetzt auf die Nutzung von Meeresforschern aus aller Welt.


Bremerhaven, den 31. Mai 2005

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Mar Lab1 w

Eines der deutsch-französischen Taucheinsatzboote vor dem neuen Meeresforschungslabor

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Mar Lab3 w

Modernste Laborräume: Dr. Ulrike Lüder vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven nutzt die neue Infrastruktur.

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Mar Lab2 w

Forschung mit eisigem Charme: Blick vom neuen Meeresforschungslabor auf den Hafen und den zugefrorenen Kongsfjord.

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6. Mai 2005: Polarflugzeug aus der Arktis zurück

Das Forschungsflugzeug Polar 2 des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven ist Ende April von einer knapp dreiwöchigen Kampagne aus der Arktis nach Deutschland zurückgekehrt. Ein Ziel der Unternehmung war die Vermessung der Oberflächenstruktur des Meereises in der Region um Spitzbergen.

 

Das Eis der Meere ist durch die Bewegung des Ozeans an seiner Oberfläche mehr oder weniger uneben, es zeigt eine für Meereis charakteristische Rauigkeit. Die raue Eisoberfläche bietet eine große Angriffsfläche für den Wind und spielt neben den Meeresströmungen eine entscheidende Rolle bei der Drift größerer Eismassen. Die Rauigkeit von Meereis ist daher eine wichtige Größe in globalen Klima- und Wettermodellen.
Eine präzise Fernerkundung der Eisrauigkeit mit Hilfe von Satelliten oder hochfliegenden Flugzeugen ist derzeit in der Entwicklung. Einen wichtigen Beitrag dazu liefern Feldstudien, in denen vergleichbare Messungen aus unterschiedlichen Höhen vom Flugzeug aus gemacht werden.

 

Vom Forschungsflugzeug Polar 2 wurde aus geringer Höhe die Turbulenzintensität nahe der Eisoberfläche gemessen. Ergänzend dazu wurde die Struktur des Eises mit einem Laser abgetastet. Gleichzeitig flog in drei Kilometer Höhe ein Forschungsflugzeug des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) auf der gleichen Messstrecke, um mit einem der modernsten Radarsysteme die Struktur des Eises abzubilden. Aus den gewonnenen Daten wollen die Forscher vom Alfred-Wegener-Institut in Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern vom DLR ein Verfahren entwickeln, um die atmosphärische Rauigkeit von Meereis aus den Daten abbildender Radarsysteme zu ermitteln.

 

Einen genaueren Einblick in die fluggestützte Forschung am Alfred-Wegener-Institut erhalten Interessierte am 22. Mai 2005 in Bremerhaven. Die zurückgekehrte Polar 2 wird dann zusammen mit anderen Fluggeräten auf dem Regionalflughafen Bremerhaven-Luneort im Rahmen der Veranstaltung „Open Aircraft“ von 11-17 Uhr zu sehen sein. Die Polar 4, das zweite Polarflugzeug des Instituts, steht im Rahmen dieser Veranstaltung leider nicht zur Verfügung. Das Flugzeug wurde bei dem Überführungsflug aus der Antarktis durch eine harte Landung an der britischen Station Rothera beschädigt. Es ist zurzeit nicht einsatzbereit und befindet sich per Schiff auf dem Rücktransport nach Bremerhaven.

Bremerhaven, den 6. Mai 2005

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Arktisches Meereis

Arktisches Meereis mit unterschiedlicher Rauigkeit.

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Polar 2

Prüfung der Sensorik der Polar 2 vor dem Flug.

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Polar 2 beim Start

Die zweimotorige Maschine ist eine speziell für den Betrieb in den Polarregionen umgerüstete Sonderversion der Dornier 228/101.

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21. April 2005: Hightech aus dem Mikrokosmos

Bionikforscher des Alfred-Wegener-Instituts zu Gast auf der Bundesgartenschau
Aus der Natur lernen: Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung nehmen die Schalenstrukturen von Algen zum Vorbild für Autofelgen, Computergehäuse und Lampenschirme. Modelle und Computeranimationen dieser Produktideen sowie ein Prototyp sind vom 28. April bis 9. Oktober auf der Bundesgartenschau (BUGA) in München zu sehen.

 

Eine verbesserte Straßenlage durch erhöhte Stabilität bei gleichzeitiger Gewichtsverminderung macht die von Dr. Christian Hamm und Ulf Lüdemann entwickelte Autofelge zu einer innovativen Konkurrenz für traditionelle Reifenträger. Die beiden Forscher des Alfred-Wegener-Instituts haben sich den Panzer der gerade ein zwanzigstel Millimeter großen Kieselalge Arachnoidiscus japonicus genauer angeschaut und auf Basis von elektronenmikroskopischen Aufnahmen ein digitales Modell entwickelt. „Die ineinander greifenden Schalen der in Küstennähe lebenden marinen Kieselalgen besitzen Rippen, Waben und Poren. Sie sind extrem leicht und stabil“, erklärt Hamm. „Seit Millionen von Jahren schweben Kieselalgen im Meer und haben ihre Silikatschalen im Laufe der Evolution angepasst. Von dem Kompromiss zwischen schwebender Leichtbauweise und Festigkeit gegenüber den Kiefern ihrer Fressfeinde können wir heute viel lernen.“ Bei mikromechanischen Crashtests, die in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München und dem Forschungszentrum Jülich durchgeführt wurden, hielten die Schalen Belastungen von 700 Tonnen pro Quadratmeter stand. Die nach dem Vorbild der Kieselalgen entwickelten Felgen haben in computergestützten Berechnungen bereits ihre Eignung für die Straße bewiesen. In der von dem Architekten Jan Geisen konzipierten Ausstellung auf der Bundesgartenschau ist ein Prototyp der Felge zu sehen, der mit Unterstützung des Unternehmens Alphaform produziert wurde. Renommierte Autohersteller haben bereits ihr Interesse bekundet.

 

Bionik, ein Schwerpunkt der diesjährigen BUGA und Forschungszweig mit Zukunft am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, wendet biologische Konstruktions- und Funktionsprinzipien auf aktuelle technische Probleme an. Die Natur bietet einen schier unerschöpflichen Reichtum an Lösungsvorschlägen. Neben der neuen Autofelge arbeitet Hamm bereits an Computergehäusen, die Strukturen der Kieselalgenschale zum Vorbild haben. Eine Vielzahl von Poren soll für eine bessere Belüftung sorgen, und das bei hoher Stabilität und geringem Gewicht des Gehäuses. Institutskollege Dr. Markus Geisen haben es die Kalkalgen angetan. „Neben der Stabilität ermöglichen die Kalkplatten der Schale auch eine Bündelung des Lichts. Dies erlaubt den von der Sonnenenergie lebenden Algen eine bessere Energieausnutzung“, erklärt Geisen. Auf der BUGA wird der Prototyp eines Beleuchtungskörpers gezeigt, der auf diesen Prinzipien beruht. In Zusammenarbeit mit dem international bekannten Designer und Ingenieur Alberto Meda sowie dem Design Labor Bremerhaven soll die ästhetische Lampe zur Serienreife gebracht werden.

 

Nicht nur in der Bionik, auch in der Natur spielen einzellige Algen eine bedeutende Rolle für das Weltklima und das Nahrungsnetz im Meer. Kieselalgen sind für etwa ein Viertel der weltweit über Photosynthese produzierten pflanzlichen Biomasse verantwortlich. Kalkalgen sind die mit Abstand produktivsten Kalkbildner im Meer. Sie beeinflussen die Chemie des Meerwassers und damit auch dessen Aufnahmekapazität für das Treibhausgas Kohlendioxid. Die Forschung an Mikroalgen ist daher nicht nur für Industrieanwendungen interessant, sondern auch wichtig für unser Verständnis des globalen Klimasystems.

Bremerhaven, den 21. April 2005

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Rekonstruktion von Arachnoidiscus

Die anhand rasterleketronischer Aufnahmen rekonstruierte Schale von Arachnoidiscus japonicus ist Basis für das Felgenmodell.

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Autofelge auf Achse

In der Ausstellung ist der Prototyp der Felge im transparenten Radkasten drehbar montiert

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Dreidimensionales Computermodell einer Kalkalge

Die aus Platten bestehende Schale der Kalkalge ist lichtdurchlässig und liefert das Vorbild für das Lampendesign

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Antarktische Diatomeen

Kieselalgen kommen in verschiedenen Formen und Größen vor

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Modell der Autofelge

Die nach dem Vorbild von Arachnoidiscus konstruierte Felge zeichnet sich trotz Leichtbauweise durch hohe Festigkeit aus

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Lampe mit ästethischem Design

Der Forscher im diffusen Licht seiner Konstruktion.

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24. März 2005: 75-jähriges Jubiläum „Deutsche Grönland-Expedition Alfred Wegener“

Vor genau 75 Jahren am 1. April 1930 startete die „Deutsche Grönland-Expedition Alfred Wegener“ mit vierzehn Teilnehmern in Kopenhagen. Die Ermittlung der Dicke des 2700 Meter mächtigen grönländischen Eisschildes war ein sensationeller wissenschaftlicher Erfolg des ein Jahr dauernden Unternehmens. Die extremen Bedingungen der Arktis machten das Unternehmen allerdings zu einer Strapaze. Ihr fiel auch der Leiter der Expedition zum Opfer, der Begründer der Kontinentaldrifttheorie, Polarforscher und Meteorologe Alfred Wegener. Heute werden Wegeners Forschungsinteressen an dem nach ihm benannten Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung weiterverfolgt.

 

Die „Deutsche Grönland-Expedition Alfred Wegener“ hat von Beginn an mit den harten arktischen Umweltbedingungen zu kämpfen. Vor Westgrönland vergehen sechs Wochen, bevor 100 Tonnen Expeditionsmaterial und 25 Islandponys von der eisgängigen ‚Gustav Holm’ auf das 1000 Meter hohe Inlandeis gebracht werden können. Unter Zeitdruck werden die drei Landstationen entlang des 72sten Breitengrades errichtet, in denen ein Jahr lang geophysikalische und meteorologische Messungen durchgeführt werden. Besonders Aufbau und Versorgung der zentral gelegenen Station „Eismitte“ erweisen sich als schwierig, da die modernen Propellerschlitten bei den herrschenden Schneebedingungen kaum einsetzbar sind. Bei tiefem Neuschnee und Temperaturen bis minus 54 Grad Celsius werden Ausrüstung und Material über 400 Kilometer mit Hundeschlitten transportiert. Bei der Rückkehr von einer solchen Fahrt nach „Eismitte“ sterben Alfred Wegener und sein grönländischer Begleiter Rasmus Villumsen im Eis. Wegeners Bruder Kurt übernimmt die Leitung der Expedition, deren umfangreiche meteorologische, geodätische und glaziologische Daten Bände füllen. Während der Überwinterung stellen die Forscher auch fest, dass ein damals über dem Inlandeis vermutetes stationäres Hochdruckgebiet nicht existiert. Dieses Ergebnis ist für die Meteorologie des Nordatlantiks und damit für die Schiff- und Luftfahrt von besonderer Bedeutung.

 

Im Jahr 2005 führen die wissenschaftlichen Erben Wegeners dessen Ideen am Alfred-Wegener-Institut weiter. In den Gewässern um Grönland nimmt der Forschungseisbrecher Polarstern regelmäßig physikalische, chemische, geologische und biologische Messungen vor. Eisbohrungen finden in der Arktis wie auch in der Antarktis statt, die dabei gewonnenen Eiskerne ermöglichen die Rekonstruktion historischer Klimaveränderungen. Auch wenn die Technik seit Alfred Wegeners Expeditionen deutliche Fortschritte gemacht hat, erschweren die extremen Umweltbedingungen auch heute noch die Erforschung der Polargebiete und stellen eine Herausforderung an Menschen und Geräte dar.

Bremerhaven, den 24. März 2005

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Entladung der „Gustav Holm“

Der Aufstieg auf das am Rande 1000 Meter hohe Inlandeis erwies sich als schwierig.

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Dog sledges in Greenland

Der 400 Kilometer lange Transport von Ausrüstung und Material nach „Eismitte“ erfolgte mit Hilfe von Hundeschlitten.

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Propellerschlitten „Eisbär“ mit laufendem Motor

Die extra aus Deutschland mitgebrachten Propellerschlitten konnten unter den extremen Witterungsbedingungen die Erwartung nicht erfüllen.

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Die Station „Eismitte“

An der zentral gelegenen Station „Eismitte“ wurde die Dicke des grönländischen Eisschildes mit 2700 Meter gemessen

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Alfred Wegener

Der Polarforscher, Meteorologe und Begründer der Theorie der Kontinentaldrift ist Namensgeber des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung.

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Alfred Wegener und sein grönländischer Begleiter Rasmus Villumsen

Die Rückfahrt von „Eismitte“ im November 1930 endete tragisch. Erst im Mai 1931 fand eine Suchexpedition den Leichnam von Alfred Wegener im Eis, Rasmus Villumsen blieb verschollen.

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31. Januar 2005: Ökologische Veränderungen in der Nordsee durch biologische Globalisierung und Klimawandel

Langzeituntersuchungen an der Biologischen Anstalt Helgoland des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung dokumentieren einen raschen ökologischen Wandel in der Nordsee. Die Wissenschaftler führen diese Änderungen vor allem auf die Einschleppung gebietsfremder Arten und den globalen Klimawandel zurück. Das haben die seit 1962 kontinuierlich fortgeführten Untersuchungen ergeben. Mit fast lückenlosen werktäglichen Messungen physikalisch-chemischer und biologischer Parameter verfügt die Biologische Anstalt Helgoland über einen der weltweit wertvollsten marinen Langzeit-Datensätze. Mit modernen Methoden der Langzeit-Datenerhebung und in enger Kooperation mit anderen Institutionen leisten die Wissenschaftler auf Helgoland einen wesentlichen Beitrag dazu, ökologische Veränderungen zu analysieren und damit Entscheidungshilfen für das Management mariner Ressourcen und die Umweltpolitik bereitzustellen. Die aktuelle Ausgabe (Band 58, Heft 4) der Zeitschrift „Helgoland Marine Research“ (Springer-Verlag) ist der ökologischen Langzeitforschung auf Helgoland gewidmet.

Mehr als 150 Jahre Forschung auf der Nordsee-Insel Helgoland haben einen Datensatz von unschätzbarem Wert hervorgebracht, dessen Auswertung die Wissenschaft noch lange beschäftigen wird. „Regelmäßige Messungen und Beobachtungen, die Jahrzehnte überspannen, sind das wichtigste Instrument, mit dem historische Veränderungen der ökologischen Bedingungen erfasst werden können. Nur so können wir den heutigen Zustand unserer Ökosysteme bewerten und Modelle entwickeln, die begründete Aussagen über deren künftige Entwicklung erlauben“, erläutert Dr. Karen Wiltshire von der Biologischen Anstalt Helgoland.

 

Die Daten belegen einen Anstieg der Wassertemperatur von 1,1 ºC über die letzten 40 Jahre, bei gleichzeitigem leichten Anstieg des Salzgehalts. Meereisbildung bei Helgoland, ein Phänomen das bis in die 1940er Jahre im Mittel etwa alle zehn Jahre auftrat, wurde in den letzten 60 Jahren nur ein einziges Mal beobachtet (1963). Die Nordsee weist deutliche Veränderungen in der Häufigkeit von Arten, im jahreszeitlichen Muster ihres Auftretens und im Artenspektrum auf. Weil die eng miteinander verbundenen Glieder von Lebensgemeinschaften nicht gleichlaufend reagieren, verändert sich das Ökosystem. Erstmalig konnte für die Nordsee eine mit dem Temperaturtrend gekoppelte Veränderung von Zeitpunkt und Stärke der Kieselalgenblüte nachgewiesen werden. Kieselalgen stellen die Basis des Nahrungsnetzes im Meer dar. Weil ihr Wachstum weitgehend die Saisonalität der Lebensgemeinschaften in der Wassersäule und am Meeresboden bestimmt, erwarten die Forscher für die Zukunft eine tiefgreifende Änderung des gesamten Ökosystems.

 

Die Helgoländer Wissenschaftler stellten fest, dass einige heimische Arten wie Hummer und Kabeljau seltener geworden sind. Manche Organismen, wie verschiedene Algen und die europäische Auster, verschwanden ganz aus dem Gebiet. Andere Arten, wie der Taschenkrebs, nahmen in ihren Beständen zu oder traten neu auf. Die große Mehrzahl der seit etwa 15 Jahren neu aufgetretenen Arten sind „südliche“ Arten aus der atlantischen Region, die durch den Temperaturanstieg jetzt auch weiter nördlich leben können. Damit sind sie gleichsam Indikatoren dieses Trends. Andere neue Arten wurden vom Menschen eingeschleppt und haben einige lokale Lebensräume und Lebensgemeinschaften bereits deutlich verändert.

Schon 1873 wurde auf der Nordsee-Insel Helgoland mit den ersten regelmäßigen Messungen begonnen. Mit der Gründung der Biologischen Anstalt Helgoland 1892 wurde eine permanente Institution etabliert, die sich von Beginn an einer „Forschung mit langem Atem“ verpflichtet sah. Seit 1998 ist die Biologische Anstalt Helgoland Teil des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung.

Bremerhaven, den 31 Januar 2005

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BAH

Das Motorboot Aade der BAH ist seit mehr als 30 Jahren im Einsatz für werktägliche Messungen und Probennahmen

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Coscinodiscus wailesii

Coscinodiscus wailesii; diese Kieselalge pazifischer Herkunft tritt seit etwa 20 Jahren in der Nordsee auf, wo sie seitdem eine wichtige Rolle in der Primärproduktion spielt;

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Idotea metallica

Die Meeresassel Idotea metallica, eine von mindestens 30 südlichen, atlantischen Arten, die in den letzten 15 Jahren neu in der Deutschen Bucht aufgetreten sind

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28. Januar 2005: Rekordkälte in der arktischen Stratosphäre – Erste Hinweise auf beginnende Ozonzerstörung

Wissenschaftler aus ganz Europa weisen heute in einer gemeinsamen Erklärung auf außerordentlich tiefe Temperaturen in der Stratosphäre in etwa zwanzig Kilometern Höhe über der Arktis hin. Die ungewöhnlichen Bedingungen dieses Winters könnten den Abbau der arktischen Ozonschicht verstärken. Erste Anzeichen für eine beginnende Ozonzerstörung haben die Wissenschaftler bereits nachgewiesen. Wenn es nicht in den nächsten Wochen zu einer kräftigen Erwärmung der Stratosphäre kommt, wären außergewöhnlich schwere Ozonverluste möglich. Ozonabbau führt zu einer Zunahme schädlicher UV-B Strahlung am Erdboden. Von einem Ozonabbau in der Arktis wäre auch Mitteleuropa betroffen, da in der Stratosphäre arktische Luftmassen regelmäßig auch über südlichere Breiten driften.

In diesem Winter hat in der Arktis die Bildung so genannter Polarer Stratosphärischer Wolken (polar stratospheric clouds – PSCs) eine Ausdehnung erreicht, wie sie zuvor noch nie beobachtet worden ist. Diese Wolken aus Salpetersäure und Wasser können sich in etwa zwanzig Kilometern Höhe in der Ozonschicht bilden, wenn die Temperaturen dort unter –78 Grad Celsius fallen. Bei unter –85 Grad Celsius ist in der extrem trockenen Stratosphäre sogar die Existenz reiner Wassereiswolken möglich. Unter Einwirkung dieser Wolken werden die normalerweise harmlosen Abbauprodukte der vom Menschen freigesetzten Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) und Halone in ein gefährliches Gemisch aus Radikalen verwandelt, welches Ozon zerstört, sobald nach der Polarnacht die Sonne wieder in die Arktis zurückkehrt.

 

Außerdem verstärken Wassereiswolken den Ozonabbau nach derzeitigem Verständnis, da diese Wolken die Gegenspieler der ozonabbauenden Radikale aus der Stratosphäre effektiv entfernen können. Gemessen an vertikaler und horizontaler Ausdehnung sowie zeitlicher Dauer der ungewöhnlichen Kälte sind in diesem Winter bereits jetzt mehr PSCs aufgetreten als jemals zuvor in der Arktis. „Insbesondere die ungewöhnliche Größe der Gebiete, in denen sich Eiswolken bilden können, ist besorgniserregend. Vergleichbare Größen gab es seit Beginn der Messungen vor vierzig Jahren nur im Winter 1983/1984, aber damals gab es diese Bedingungen nur für wenige Tage. In diesem Winter messen wir nun schon seit mehreren Wochen immer wieder Temperaturen unter -85 Grad Celsius“, sagt Dr. Markus Rex von der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung, der die Arbeiten zum arktischen Ozonverlust im Europäischen Projekt SCOUT-O3 koordiniert. „Erste Auswertungen der Messungen unseres internationalen Netzwerks zeigen bereits Hinweise auf Ozonverlust. Das war gegen Ende eines so kalten Januars auch zu erwarten. Ob es durch die ungewöhnlichen Bedingungen dieses Winters zu einem extremen Ozonverlust in der Arktis kommt, wird sich durch die Entwicklung der nächsten Wochen entscheiden“, erklärt Rex. Im bisherigen arktischen Rekordwinter 1999/2000 sind lokal bis zu siebzig Prozent Ozon zerstört worden, was die Dicke der Ozonschicht insgesamt um bis zu dreißig Prozent reduziert hatte. In warmen arktischen Wintern gab es keinen nachweisbaren Ozonverlust. Bleibt es dieses Jahr im Februar und März kalt, könnte der Abbau aus 1999/2000 noch deutlich übertroffen werden. In der Antarktis wird aufgrund der dort erheblich tieferen Temperaturen in jedem Winter in einem breiten Höhenbereich das gesamte Ozon zerstört und es bildet sich dort regelmäßig das bekannte Ozonloch.

Heute ist die Produktion der wichtigsten ozonzerstörenden Gase weltweit verboten. Es wird jedoch noch etwa ein halbes Jahrhundert dauern, bis die bereits von der Menschheit freigesetzten Substanzen wieder so weit aus der Atmosphäre verschwunden sind, dass keine Gefahr mehr von ihnen ausgeht. Während dieser Zeit wird das Schicksal der arktischen Ozonschicht im wesentlichen durch die Entwicklung der Temperatur in der Stratosphäre bestimmt.

Bremerhaven, den 28. Januar 2005

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Wolken

Polare Stratosphären Wolken

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Wolken

Polare Stratosphären Wolken

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13. Januar 2005: Der älteste antarktische Eiskern

Am 21. Dezember 2004 haben Wissenschaftler des europäischen Eisbohrprojektes Epica (European Project for Ice Coring in Antarctica) an der Station Dome C auf dem Inlandeisplateau der Ostantarktis eine Bohrtiefe von 3270,2 Metern erreicht, fünf Meter oberhalb des Felsuntergrunds. Weil das Eis am Felsuntergrund schmilzt, entschieden die Wissenschaftler die Bohrung bei dieser Tiefe zu beenden.

Der 70 Meter lange Eiskern, der jetzt gebohrt wurde, ist der letzte dieses Projektes, das 1996 angefangen hat. Die Klimaaufzeichnungen des Eiskerns, der Schneefälle aus mindestens 740.000 Jahren enthält, wurde im Juni 2004 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht. Das neue Stück Eiskern erweitert die Klimaaufzeichnungen auf mehr als 900.000 Jahren. Das ist das älteste Eis, das von tiefen Eisbohrungen gewonnen wurde. Der unterste Teil des Eiskerns enthält Kristalle bis zu 40 Zentimeter Größe. Zwischen diesen Kristallen gibt es mehrere Stellen mit eingeschlossenem braun-rötlichen Material. Die Informationen, die sich aus Studien dieses Eiskerns ergeben werden, könnten großen Einfluss auf unser Verständnis des Erdklimas haben.

Diese Pressemitteilung wird herausgegeben im Namen der Steuerungsgruppe des Projektes Epica, der Europäischen Union, und der European Science Foundation. In Deutschland erhalten Sie weitere Informationen bei Prof. Dr. Heinz Miller (hmiller@awi-bremerhaven.de, Tel: 0471 4831 1210).

Weitere Hintergrundinformationen:

 

Das Projekt Epica wird von einem Konsortium aus zehn europäischen Ländern (Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz) durchgeführt. Es wird unter dem Dach der European Science Foundation koordiniert und durch die beteiligten Länder und die Europäische Union finanziert.

Die Wissenschaftler benutzen die einzigartige Klimaaufzeichnung in Eiskernen, um aus der Analyse der chemischen Zusammensetzung und der physikalischen Eigenschaften des Eises und der darin eingeschlossenen Luft die Prozesse in der Atmosphäre und Klimaänderungen in der Vergangenheit zu untersuchen. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Effekten von Kohlendioxid, Methan und anderer Komponenten der Atmosphäre. Die Ergebnisse werden bei der Überprüfung und Weiterentwicklung von Rechenmodellen zur Vorhersage künftiger Klimaentwicklungen eingesetzt.

Ziel von Epica ist es, im Inlandeis der Antarktis zwei Eiskerne zu erbohren. Neben der Bohrung an Dome C (75° 06’S, 123° 21’E), wird auch an der Kohnen-Station in Dronning Maud Land (75°00'S, 00°04'O) gebohrt. Diese Bohrung hat eine Tiefe von 2565 Metern erreicht und soll in zwei Jahren abgeschlossen sein.

Deutscher Partner des Projektes Epica ist das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Es trägt die Verantwortung für die Bohrung in Dronning Maud Land. Darüber hinaus obliegt Prof. Heinz Miller, stellvertretender Direktor am Alfred-Wegener-Institut, die Gesamtkoordination von Epica. Epica ist eines der Kernprojekte im Rahmen des Forschungskonzeptes Meeres-, Küsten- und Polarsysteme (Marcopoli) des Alfred-Wegener-Instituts, das im Forschungsbereich „Erde und Umwelt“ der Helmholtz-Gemeinschaft angesiedelt ist.

 

Eiskerne sind Eis-Zylinder mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern, die im Bohrvorgang stückweise in Längen von bis zu drei Metern gefördert werden. Dieses Eis geht letztlich zurück auf Schneeflocken, die in den letzten hunderttausenden von Jahren gefallen sind. Aus den Schneeflocken entwickelten sich im Laufe der Zeit Eiskristalle, die die zwischen ihnen gelegene Luft mitsamt kleinsten Schwebteilchen in Bläschen einschließen.

Feldforschung in der Antarktis stellt große wissenschaftliche und logistische Anforderungen an Wissenschaftler und Techniker. Die Orte, an denen im Rahmen von Epica Eiskernbohrungen durchgeführt werden, gehören zu den abgelegensten und unwirtlichsten der Welt, mit Jahresdurchschnittstemperaturen unter –54 Grad Celsius.

Bremerhaven, den 13. Januar 2005

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Dome C

Dome C Bohrcamp

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Eiskern

Eiskern wird aus dem Bohrer geschoben

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Bohrloch

Das obere Ende des Bohrlochs

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Eiskernlager

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Eiskern

Kernrohr wird aus dem Hüllrohr geschoben

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9. Dezember 2004: Forschungseisbrecher Polarstern driftet im antarktischen Eis

Seit dem 27. November ist eine Eisscholle in der Antarktis für 55 Wissenschaftler aus elf Nationen Arbeitsplatz und Heimat zugleich. Der Forschungseisbrecher Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven ist fest mit einer driftenden Scholle im westlichen Weddelmeer verankert. Im Rahmen der vom Alfred-Wegener-Institut organisierten Expedition Ispol (Ice Station POLarstern), ist die Scholle Gegenstand einer mehrwöchigen Untersuchung durch Glaziologen, Biologen, Ozeanografen und Meteorologen. Das Untersuchungsgebiet ist ein einzigartiges Meeresgebiet, da es den größten Anteil an mehrjährigem Meereis im südlichen Ozean besitzt. Die dortigen ozeanografischen, meteorologischen und biologischen Prozesse sind von globaler Bedeutung.

 


Die Scholle
Die Scholle misst etwa vier mal vier Kilometer und besteht aus zahlreichen imposanten Packeisrücken sowie aus ebenen Flächen mit einer Schneeauflage von etwa einem halben Meter. Darunter befindet sich eine Eisschicht von einem bis zu über zwei Meter Dicke. Auf der Eisscholle sind "Straßen" ausgeflaggt, auf denen mit Motorschlitten im Pendelverkehr die verschiedenen Arbeitsfelder mit Geräten und Personen versorgt werden. Die Scholle befand sich zu Beginn der Untersuchungen auf 68°S/55°W, in einem Gebiet, das bisher alle Schiffe gemieden haben, weil hier das dickste Meereis der Antarktis anzutreffen ist. Dr. Gerhard Dieckmann vom Alfred-Wegener-Institut, einer der Ispol-Initiatoren, äußert erleichtert: "Endlich angekommen, nach vier Jahren Vorbereitung".

Die Forschung auf der Scholle

 

Unter der Führung des Fahrtleiters Prof. Dr. Michael Spindler vom Institut für Polarökologie der Kieler Universität werden auf der Eisscholle derzeit vielfältige Arbeiten durchgeführt. Meteorologen registrieren den Einfluss der Witterung auf die Eiseigenschaften. Glaziologen und Biologen studieren die Strukturveränderungen des Eises und den Einfluss des kommenden Südsommers auf die im Eis lebenden hochproduktiven Kleinstorganismen, wie einzellige Algen und Planktontiere. Eine Gruppe von Biogeochemikern untersucht die klimarelevanten Gase, die teilweise von den Eisalgen produziert werden oder aber durch das Eis hindurch im Austausch mit der Atmosphäre stehen. Die wissenschaftliche Tauchgruppe des Alfred-Wegener-Instituts leistet wertvolle Zuarbeit bei der Untersuchung der Unterseite des Eises, indem sie Netze installiert, um die dort lebenden Planktontiere zu fangen. Von Polarstern aus entnehmen die Forscher Proben in größeren Wassertiefen, die neben Organismen auch Informationen über Spurengase, Temperatur und Salzgehalt mit an die Oberfläche bringen. Die an Bord befindlichen Hubschrauber dienen den Wissenschaftlern zum Ausbringen von Bojen, die die Drift der Schollenfelder um die Eisdriftstation herum dokumentieren und zu Eisdickenmessungen mit dem Bird, einer Spezialsonde. Die Wissenschaftler werden die Eisscholle voraussichtlich bis zum 5. Januar 2005 kontinuierlich beproben.

Auf der Ispol-Webseite www.ispol.de können Sie die Ispol-Expedition anhand eines ausführlichen Logbuches verfolgen und sich über Bilder einen Eindruck über die Arbeiten auf dem Eis verschaffen.

Polarstern wird am 17. Juni in Bremerhaven zurückerwartet.

Bremerhaven, den 9. Dezember 2004

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Arbeiten auf Eis

Arbeiten auf dem Eis

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Working on ice

Arbeiten auf dem Eis. Fot: Ingo Arndt

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Working on Ice Floe

Arbeiten unter Pinguin-Beobachtung. Foto: Andreas Krell

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Arbeiten auf Eis

Arbeiten auf dem Eis. Foto: Ingo Arndt

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Arbeiten auf Eis

Arbeiten auf dem Eis. Foto: Ingo Arndt

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Arbeiten auf Eis

Arbeiten auf dem Eis. Foto: Ingo Arndt

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10. November 2004: Klimaerwärmung trifft besonders die Arktis

Klimaerwärmung trifft besonders die Arktis

„Der Nordpol schmilzt“, „Unsere Erde ertrinkt“, so lauten derzeit die Schlagzeilen der Medien
Am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) rekonstruieren Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen das Klima der Vergangenheit, beobachten das derzeitige Geschehen und leiten Trends für die Zukunft ab. Prof. Dr. Peter Lemke ist Leiter der Sektion Regionale Zirkulation am AWI, Vorsitzender des „World Climate Research Program“ und koordinierender Autor des 2007 erscheinenden vierten Sachstandsberichtes des IPCC . Nachfolgend fasst Peter Lemke wichtige Fakten der Klimadiskussion um die Arktis für Sie zusammen:

Erwärmung der Arktis deutlich
Der Trend ist unübersehbar und ungebrochen: die Arktis erwärmt sich mit einer Rate, die mehr als doppelt so groß ist wie die der anderen Bereiche unseres Planeten. Daten der Wetterdienste zeigen, dass der Anstieg der Oberflächentemperatur in der Arktis in den vergangenen 56 Jahren 1,6°C beträgt. Für die globale Temperatur ist dagegen für den gleichen Zeitraum ein Anstieg von nur 0,4°C zu verzeichnen. Allerdings wird aus Beobachtungen deutlich, dass die Lufttemperatur nicht nur einem Trend folgt, sondern durch ausgeprägte Schwankungen gekennzeichnet ist. Dies unterstreicht die komplexe Natur der Klimaänderungen, die durch Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Eis, Ozean und Landoberflächen zustande kommen, wobei auch Pflanzen und Tiere auf den Kontinenten und in den Meeren eine wesentliche Rolle spielen. Die komplexen Wechselwirkungen im Klimasystem sind auch der Grund dafür, dass die Bestimmung des menschlichen Einflusses auf das Klima vor dem Hintergrund der natürlichen Klimaschwankungen so schwierig ist. Neueste Klimarekonstruktionen der vergangenen 100 Jahre zeigen, dass die Erwärmung der vergangenen 30 Jahre zum überwiegenden Teil auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist (IPCC).

 


Abb1: Jährlich gemittelte Lufttemperaturen nördlich von 70°N für den Zeitraum 1948 bis 2003 (Quelle: NCAR/NCEP, AWI: C. Köberle)

Höhere Wassertemperatur im Nordpolarmeer
Wissenschaftler an Bord des Forschungsschiffes „Polarstern“ haben unter der Leitung des AWI im Sommer 2004 in der Fram Straße zwischen Spitzbergen und Grönland und nördlich davon Veränderungen im Ozean und im Treibeis untersucht. In diesem Bereich findet der wesentliche Austausch von Wassermassen zwischen dem Nordpolarmeer und der Grönlandsee bzw. dem Nordatlantik statt. Mit der globalen Erwärmung der vergangenen Jahre haben sich auch die dortigen Verhältnisse verändert. Temperaturmessungen in verschiedenen Meerestiefen in der Framstraße bei 79°N zeigen seit 1990 eine Erhöhung der Temperatur im Kern des Westspitzbergenstroms, der warmes Atlantikwasser in das Nordpolarmeer führt. Aktuelle Messungen deuten auf einen weiteren Erwärmungstrend hin. Im Vergleich zum Vorjahr sind die oberen 500 Meter um bis zu 0,6°C wärmer. Die Erwärmung setzt sich bis in Tiefen von 2000 Meter fort (Abb. 2). Für ozeanische Verhältnisse ist dies ein ausgesprochen deutliches Signal.

 


Abb. 2: Differenz der Wassertemperaturen (2004 minus 2003) in der Framstraße entlang 79°Nord zwischen Spitzbergen (Längengrad (longitude) 9 Ost) und Grönland (Längengrad 5 West). Die Tiefe ist in Druckkoordinaten (pressure) angegeben und die Werte können als Meterangabe interpretiert werden. Rot und gelb bezeichnen wärmere und grün und blau kältere Temperaturen (AWI: A. Beszczynska, A. Wisotzki).


Arktisches Meereis wandert nach Norden
Mit dem Einstrom wärmeren Wassers in das Nordpolarmeer und der Erhöhung der Lufttemperaturen ändert sich auch die Meereisdecke. Satellitenaufnahmen zeigen in diesem Jahr einen deutlichen Rückgang der Meereisgrenzen im Bereich der Framstraße und der Barentssee im Vergleich zu den beiden Vorjahren (Abb. 3). Aus der Untersuchung der Satellitendaten seit 1978 wird deutlich, dass sich die arktische Meereisfläche im Mittel um etwa 8% verringert hat, wobei der Rückgang im Frühjahr und Sommer mit 15-20% besonders deutlich ist. Interessanterweise hat sich das antarktische Meereis im selben Zeitraum nicht verringert, sondern hat sogar leicht zugenommen. Eine detaillierte Zusammenfassung der neuesten Forschungsergebnisse über die Arktis wurde kürzlich durch das Arctic Climate Impact Assessment (ACIA) veröffentlicht.


 


Abb. 3: Meereiskonzentration am 15. August 2004 und Meereiskanten am selben Tag 1998 (weiße Linie), 2002 (grün) und 2003 (rot)(AWI: G. Spreen).


Arktisches Meereis wird dünner
Im Klimageschehen ist aber nicht nur die Meereisausdehnung wichtig, sondern auch die Dicke des Meereises. Diese kann allerdings noch nicht von Satelliten aus gemessen werden. Bisher musste man sich darauf beschränken, in die Meereisgebiete zu fahren und Löcher in Eisschollen zu bohren oder die spärlich freigegebenen U-Boot-Sonardaten zu analysieren, um die Dicke zu bestimmen. In den vergangenen Jahren hat die Meereisgruppe des AWI einen Flugkörper mit einem Eisdickensensor entwickelt, der von einem Hubschrauber innerhalb einer Stunde über Strecken von bis zu hundert Kilometer geschleppt wird. Nur damit lässt sich ein repräsentatives Bild der Meereisdicke auf größerer Skala gewinnen. Vor allem lässt sich diese Sonde für die Kalibrierung des ersten Satelliten (CryoSat) benutzen, der die Meereisdicke ab dem Frühjahr 2005 kontinuierlich aus 700 Kilometern Höhe in beiden Polargebieten bestimmen soll. Bisherige Messungen in der zentralen Arktis deuten auf eine Reduktion der Meereisdicke in den vergangenen Jahren um etwa 15% und in einigen Bereichen sogar auf bis zu 40% hin. Ob diese regionalen Veränderungen als Folge der globalen Erwärmung in allen Bereichen der Polargebiete gleichermaßen auftreten, soll mit CryoSat untersucht werden.

Die globale Bestimmung der Meereisdicke und ihre Veränderung haben in der internationalen Klimaforschung eine große Bedeutung, da das Meereis im Klimasystem eine wichtige Rolle spielt und als sensibler Indikator für Klimaschwankungen gilt. Eine Abschätzung der Variabilität des gesamten Treibeisvolumens lässt sich zurzeit nur mit einem optimierten Meereismodell bewerkstelligen. Integriert man das Meereismodell mit den atmosphärischen Beobachtungen (Lufttemperatur, Wind) der Wetterdienste aus den letzten 50 Jahren, dann zeichnet sich in der Meereisentwicklung eine ausgeprägte Variabilität ab. Das gesamte Eisvolumen der Arktis ist dabei hauptsächlich durch dekadische Schwankungen gekennzeichnet (Abb. 4). Es zeigt sich, dass der Trend über die fünfzig simulierten Jahre verschwindend gering ist. Betrachtet man aber nur die letzten vierzig und insbesondere die letzten zehn Jahre, dann ist der Rückgang des Meereises sehr markant. Der Trend ist also sehr abhängig von den betrachteten Zeitskalen. Daher sind alle bisherigen Eisdickenmessungen mit Vorsicht zu interpretieren. Das Interessante ist demnach nicht nur die langfristige Entwicklung des Meereises, sondern es sind die beträchtlichen Schwankung im zehnjährigen Rhythmus, deren Ursachen noch nicht im Detail verstanden sind.

 


Abb. 4: Änderungen des Eisvolumens in den vergangenen 50 Jahren, rekonstruiert mit Beobachtungen von Lufttemperatur und Wind und einem optimierten Meereismodell (AWI: P. Lemke).

 

Schmelzendes Meereis erhöht nicht den Meeresspiegel
Zum Schluss soll noch ein Missverständnis ausgeräumt werden. Klimaszenarien, die auch im ACIA-Report veröffentlicht wurden, deuten auf ein fast völliges Verschwinden des arktischen Meereises im Sommer bis zum Ende dieses Jahrhunderts hin. Diese Schmelze wird den Meeresspiegel allerdings nicht erhöhen, denn Eis, das schwimmt, erhöht beim Schmelzen nicht den Wasserspiegel. Dies kann jeder beobachten, der einen Eiswürfel in einem Glas Sprudel schmelzen lässt. Eine Meeresspiegelerhöhung tritt im Wesentlichen aus zwei Gründen auf: durch Erwärmung des Meerwassers (genauer gesagt durch die Verringerung seiner Dichte, durch die sich das Volumen vergrößert) und durch Zufuhr von Schmelzwasser von den Eismassen auf den Kontinenten (Gletscher und Eisschilde). Würden alle Gletscher auf den Kontinenten schmelzen (ein durchaus mögliches Szenario für die nächsten 100 Jahre), so wäre eine Meeresspiegelerhöhung um einen halben Meter die Folge. Würde das ganze grönländische Eisschild schmelzen, so wäre ein Meeresspiegelanstieg von sieben Metern zu erwarten. Dies geht allerdings nicht so schnell vonstatten. Dafür sind viele Jahrhunderte nötig. Über dem antarktischen Eisschild wäre es auch nach einer deutlichen Temperaturerhöhung um einige Grad immer noch kalt genug, so dass keine Schmelze eintritt. Die Erwärmung der Luft würde allerdings den Niederschlag erhöhen, der aber immer noch als Schnee fallen würde. Das heißt, dass das antarktische Eisschild zunächst noch wachsen und damit der allgemeinen Meeresspiegelerhöhung leicht entgegenarbeiten wird. Insgesamt sagen die Klimaprojektionen einen Meeresspiegelanstieg – je nach Energieverbrauch der Menschheit – von zehn bis neunzig Zentimeter für die kommenden hundert Jahre voraus.

In der gegenwärtigen Diskussion sind zwei Ergebnisse der Forschung wichtig. Das Klimasystem ist sehr komplex, und eine notwendige bessere Vorhersage von Klimaänderungen erfordert verstärkten Forschungseinsatz. Maßnahmen zur Verringerung des Energieverbrauchs sind unbedingt nötig und auch bezahlbar, wenn wir es nur wollen.

Bremerhaven, den 10. November 2004

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3. November 2004: Bessere Vorhersagen für katastrophale Auswirkungen von Klimaschwankungen vor Südamerika

Deutsche Meeresbiologen leiten internationales Projekt
Unter Federführung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven haben Wissenschaftler von 14 Instituten aus sechs Nationen in Paracas, Peru, auf einer Tagung vom 18. bis zum 24. Oktober das EU-Projekt Censor implementiert. Ziel des Projekts ist es die Auswirkungen von Klimaschwankungen auf das küstennahe Ökosystem und die Fischerei im Humboldtstrom vor Südamerika zu analysieren. In dem interdisziplinären Projekt sind Institute aus Deutschland (neben dem Alfred-Wegener-Institut das Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen und das GeoForschungszentrum in Potsdam), Frankreich und Spanien sowie Partner aus Chile, Peru und Argentinien beteiligt.

Censor steht für „Klimavariabilität und El Niño-Luftdruckoszillation der Südhalbkugel: Auswirkungen auf natürliche Küstenresourcen und Management“ (Climate variability and El Niño Southern Oscillation: Implications for natural coastal Resources and management). Das Phänomen der El Niño Luftdruckoszillation ist die stärkste, immer wiederkehrende natürliche Klimaschwankungen innerhalb einer Periode von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren. Über Nah- und Fernwirkungen hat es einen großen Effekt auf das tropische und globale Wettergeschehen, auf marine und terrestrische Ökosysteme und auf ganze Volkswirtschaften.

Eine Kombination von Daten aus der Geschichte und aktuellen Ergebnissen soll als biologisches Vorhersageinstrument für El Niño genutzt werden, um die lokalen Fischer vor Südamerika frühzeitig vor den katastrophalen Auswirkungen zu warnen und den negativen Effekt zu mildern. Zudem sollen positive Auswirkungen auf marine Ressourcn in Zukunft besser genutzt und Alternativen zur herkömmlichen Fischerei entwickelt werden. Im Rahmen des Censor Projekts soll die vorhandene Information über das küstennahe Ökosystem vor Südamerika zusammengetragen, in Datenbanken erfasst und der Wissenschaft, dem Fischereimanagement, politischen Entscheidungsträgern sowie der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Gleichzeitig sollen Arbeiten auf See und im Labor an verschiedenen Orten entlang der Pazifikküste durchgeführt werden.

 

Letztendlich zielt das Projekt auf die Entwicklung neuer Managementstrukturen für die marinen Ressourcen eines Küstenökosystems unter dem Einfluss häufiger und starker Klimaschwankung ab. In die zu entwickelnden Modelle gehen neben der Ökologie von Organismen und Umweltfaktoren auch sozioökonomische Parameter ein. Das Projekt Censor hat am 1. Oktober begonnen und wird eine Laufzeit von vier Jahren haben.

Bremerhaven, den 3. November 2004

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Fischer

Fischer in Südamerika. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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Gruppenbild

Gruppenfoto der Projektteilnehmer. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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21. Oktober 2004: Die Antarktis und der Klimawandel

Vertreter von 32 Nationen beschließen Schwerpunktprogramme für die Erforschung der Antarktis
Die Erforschung der Antarktis ist vor dem Hintergrund der Diskussion um den globalen Klimawandel von großer Bedeutung. Die internationale antarktische Forschergemeinde hat daher jüngst im Rahmen des für die Koordination zuständigen internationalen Gremiums SCAR (- Scientific Committee on Antarctic Research) ihre wissenschaftlichen Programme neu definiert und aufeinander abgestimmt. Die Projekte werden zukünftig in fünf Schwerpunkten gebündelt, die sich alle mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Antarktis und mit der Untersuchung der Rolle der Antarktis im globalen Klimasystem beschäftigen.

Die Schwerpunktprogramme wurden am 6. Oktober von den Delegierten der 32 SCAR-Mitgliedsstaaten endgültig bestätigt. Die Delegierten hatten sich auf Einladung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) Anfang Oktober zu Konsultationen in Bremerhaven getroffen. Die Arbeit in den Schwerpunktprogrammen wird mit Beginn des Jahres 2005 starten. Die Bündelung der Aktivitäten trägt maßgeblich zur Umsetzung des Internationalen Polarjahres (IPY) 2007/2008 bei.

Die Schwerpunktprogramme im Einzelnen:
1. Die Antarktis und das globale Klimasystem (AGCS – Antarctica and the global Climate System)

Die Antarktis ist nicht streng isoliert, sondern eng mit dem globalen Klimasystem verbunden. Innerhalb des Programms AGCS soll untersucht werden, welche Rolle Atmosphäre und Polarmeer dabei spielen. Basis für dieses Schwerpunktprogramm bilden atmosphärenphysikalische, -chemische und ozeanografische Daten, glaziologische Befunde aus Eiskernen, Satellitendaten und die Ergebnisse aus globalen und regionalen Modellierungen, in denen Ozean und Atmosphäre als gekoppeltes System betrachtet werden. Mit ihrer Hilfe soll ergründet werden, wie Klimaschwankungen in den Tropen und den gemäßigten Breiten die Antarktis erreichen und umgekehrt. Ziel ist es, zu verstehen, wie das derzeitige Klimasystem funktioniert und wie es durch menschliche Aktivitäten beeinflusst wird. Auch eine Klimavorhersage für die nächsten hundert Jahre soll entwickelt werden.

2. Klimaentwicklung in der Antarktis (ACE – Antarctic Climate Evolution)
Dieses Schwerpunktprogramm widmet sich der interdisziplinären Untersuchung des Klimas der Vergangenheit, seiner Schwankungen und der Geschichte der Vereisung der Antarktis. Basis von ACE bilden geophysikalische Untersuchungen auf und um den antarktischen Kontinent herum sowie Untersuchungen zur Eisbedeckung und Klimamodellierungen. Ziel ist es, diejenigen Prozesse zu identifizieren, die den antarktischen Klimawandel regulieren und diesen mit dem globalen Klimawandel verbinden. ACE wird detaillierte Fallstudien zum Klimawandel in der Vergangenheit liefern, die die Basis bilden, um Modellierungen des zukünftigen Wandels in der Antarktis zu testen.

3. Evolution und Biodiversität in der Antarktis (EBA - Evolution and Biodiversity in the Antarctic)

Die geografische Isolation der Antarktis macht diese zu einem wichtigen Freilandlabor der Evolution. Änderungen von Umweltbedingungen beeinflussen Eigenschaften und Dynamik der antarktischen Lebensräume. Ziel von EBA ist es, die dabei ablaufenden Prozesse besser zu verstehen und abzuschätzen, wie Organismen und Organismengemeinschaften auf gegenwärtige oder zukünftige Umweltänderungen reagieren. EBA integriert Untersuchungen in Meeres-, Land- und Süßwasser-Ökosystemen. Durch den Vergleich paralleler evolutionärer Prozesse auf verschiedenen Ebenen – von den Molekülen über die Organismen bis hin zu Lebensgemeinschaften - sowie über die gesamte Breite antarktischer Lebensräume erhoffen sich die Wissenschaftler fundamentale Einsichten in die Art und Weise, wie Lebewesen auf Wandel reagieren.

4. Einfluss des Sonnenwindes in polaren Regionen
(ICESTAR – Interhemispheric Conjugacy Effects in Solar-terrestrial and Aeronomy Research)
ICESTAR beschäftigt sich mit dem Außenraum der Erde (Geospace) in dem der Sonnenwind auf die äußere Erdatmosphäre (Atmosphäre, Ionosphäre, Magnetosphäre) trifft und mit ihr interagiert. Diese Interaktionen – z.B. Polarlichter – sind in den Polargebieten besonders gut zu beobachten. Dennoch gibt es bezüglich der Interaktionen noch große Wissenslücken. Ziel von ICESTAR ist es, den globalen Status der Geosphäre und das „Weltraumwetter“ zu untersuchen und vorherzusagen. Letzteres ist ein nicht unerhebliches Gefährdungspotential für elektronische Geräte und die Kommunikationstechnik im Weltraum und auf der Erde, auf deren Funktionieren die Gesellschaft angewiesen ist.

5. Antarktische Seen unter dem Eis (SALE – Subglacial Antarctic lake Environments)
Unter dem Eis der Antarktis gibt es eine große Anzahl von isolierten Seen, deren Bedingungen denen der frühen Erde oder anderer Planeten vergleichbar sind. SALE verschafft den Wissenschaftlern die Möglichkeit, diese Lebensräume, ihre Entstehung und ihre Biodiversität zu untersuchen. Die Untersuchung der in diesen Seen abgelagerten Sedimente wird weitere Informationen zur Klimageschichte der Antarktis liefern, die auch Inhalt der anderen Schwerpunktprogramme ist. Diese liefern ihrerseits Informationen über die Vereisung der Antarktis und damit auch über die Bildung und Entwicklung der Seen unter dem Eis.

Bremerhaven, den 21. Oktober 2004


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1. Oktober 2004: Zwanzigste Polarstern-Expedition in die Arktis geht zu Ende

Am 3. Oktober wird das deutsche Forschungsschiff „Polarstern“ des

 

Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung von seiner 20. Arktisexpedition nach Bremerhaven zurückkehren. Während des letzten Fahrtabschnittes haben 44 Wissenschaftler aus Deutschland, Russland und Südkorea, unterstützt von Besatzungsmitgliedern, Hubschrauberpiloten und Technikern, das Gebiet nördlich und westlich von Spitzbergen erforscht. Schwerpunkte waren geophysikalische und geologische Untersuchungen der Framstraße und des Yermak-Plateaus. Dabei standen seismische Vermessungen des Aufbaus der oberen Kilometer des Untergrunds und Beprobungen der Sedimente mittels verschiedener Lote im Vordergrund.

Im Rahmen des Geologie-Programms wurden unter anderem die großen Rutschmassen am nördlichen Kontinentalrand von Spitzbergen untersucht. Rutschmassen sind Zeugen großer Sedimentumlagerungen, die auf plötzliche Ereignisse wie zum Beispiel Erdbeben oder Instabilitäten am oberen Kontinentalhang als Folge einer enorm erhöhten Sedimentzufuhr zurückzuführen sind. Die Untersuchungen sind Teil des internationalen Forschungsprojekts „Euromargins“. Von besonderem Interesse sind in diesem Zusammenhang die Alterseinstufung dieser Ereignisse, die mengenmäßige Abschätzung der umgelagerten Sedimente und die Interpretation der Datensätze in Bezug auf Klimaänderungen während der letzten 150.000 Jahre.
Die Framstraße ist die einzige Tiefenwasserverbindung der Arktis mit den Weltmeeren. Im Zentrum der Framstraße befindet sich ein aktiver, langsam spreizender mittelozeanischer Rücken, der auch heute noch dafür verantwortlich ist, dass sich Spitzbergen von Grönland entfernt. Nach heutigem Kenntnisstand war der Zufluss von kaltem arktischem Wasser durch die Framstraße für die häufigen Zyklen der Warm- und Eiszeiten in den letzten Millionen Jahren von entscheidender Bedeutung. Details über den zeitlichen Ablauf dieser plattentektonischen Bewegungen, die für genaue Klimarekonstruktionen wichtig sind, sind aber sehr spekulativ.

 

„Insbesondere die neuen seismischen Datensätze werden die Wissenschaftler in die Lage versetzen, wissenschaftliche Tiefbohrungen in das Gebiet der Framstraße, des Yermak-Plateaus und vor Ostgrönland im Rahmen des internationalen Bohrprogramms IODP (Integrated Ocean Drilling Program) konkreter zu planen und in die Realität umzusetzen“, erläutert der Fahrtleiter Prof. Dr. Rüdiger Stein vom Alfred-Wegener-Institut. „Derartige Bohrungen in der Arktis sind eine große Herausforderung für die marinen Geowissenschaften. Diese Bohrungen werden dazu beitragen, das große Geheimnis über die plattentektonische und paläoklimatische Entwicklung der Arktis im Verlauf der letzten 120 Millionen Jahre zu lüften“, erklärt Stein.

Eine Vorerkundung, die der verschollenen Deutschen Arktischen Expedition 1912 gewidmet ist, ist in das Expeditionsprogramm mit aufgenommen worden. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts in Seewiesen haben den Landeplatz dieser Expedition im Duvefjord (Nordostland Spitzbergens bei 80.17 N, 24.10 E) und den Landeplatz der Hilfsexpedition 1913 am Beverlysund nahe Nordkap, wo das Expeditionsschiff „Loevens-Kioeld“ 1912 im Packeis einfror und sank, identifiziert und dokumentiert. Der Untergangsort ist mit Hilfe historischer Stereobilder und Feldvermessungen eingegrenzt worden. Das Schiff ist das nördlichst gelegene Wrack der Welt und soll 2006 mit dem deutschen Tauchboot „Jago“ eingehend untersucht werden.

„Polarstern“ wird während einer Werftzeit in Bremerhaven für ihre 22. Expedition in die Antarktis vorbereitet, die am 12. Oktober beginnt.

Bremerhaven, den 1. Oktober 2004

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Kastenlot

Einsatz Kastenlot. Foto: Rüdiger Stein

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Multicorer

Einsatz Multicorer. Foto: Rüdiger Stein

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Beprobung Kastenlotkern

Beprobung Kastenlotkern. Foto: Rüdiger Stein

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29. September 2004: Gensequenz der Kieselalge Thalassiosira pseudonana entziffert

Zum ersten Mal ist es gelungen, das Erbgut einer Planktonalge der Meere zu sequenzieren. Dabei ist ein Team internationaler Wissenschaftler auf unerwartete Stoffwechselwege in der Kieselalge Thalassiosira pseudonana gestoßen. Die Ergebnisse werden diese Woche in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht.

 

Eine besondere Entdeckung ist das Vorhandensein des Harnstoffzyklus in Thalassiosira pseudonana. Bisher war dieser Stoffwechselweg zur Ammoniakentgiftung nur aus den Leberzellen von Tieren und Menschen bekannt. Noch ist unklar, wie der Zyklus in der Alge abläuft. Ebenfalls ungewöhnlich ist, dass die Kieselalge über zwei Möglichkeiten verfügt, Fett abzubauen. In den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle, findet sich der Abbauweg, wie er auch bei Tieren abläuft. In den der Entgiftung dienenden Peroxysomen hingegen werden Fettsäuren auf die in Pflanzen übliche Weise zerlegt. Die Grenzen zwischen Tieren und Pflanzen scheinen sich bei Kieselalgen also zu verwischen.

Die Sequenzierung des Genoms von Thalassiosira pseudonana ist auch für die Evolutionsbiologie von großem Interesse. Die Wissenschaftler sind auf Gene gestoßen, die aus dem Zellkern einer Rotalge stammen. Dieser Gentransfer stützt die Theorie der sekundären Endosymbiose. Eukaryoten wie Kieselalgen sind komplex aufgebaute Zellen mit abgegrenztem Zellkern und Zellorganellen. Jedes Lebewesen außer dem Bakterium besteht aus eukaryotischen Zellen. Fast alle eukaryotischen Zellen, so auch die des Menschen, besitzen Mitochondrien. Bei Pflanzen und Algen kommen noch die Plastiden hinzu, die die Photosynthese bewerkstelligen. Beide Organellen-Typen waren ursprünglich einmal frei lebende Bakterien die von eukaryotischen Zellen einverleibt wurden. Sie werden deshalb auch als primäre Endosymbionten bezeichnet. In einigen Fällen kam es zu einer sekundären Endosymbiose, bei der eine eukaryotische Zelle von einer weiteren aufgenommen wurde und zu einem – nun sekundären – Organell reduziert wurde. Kieselalgen haben nun offensichtlich eine einzellige Rotalge aufgenommen und zu einem sekundären Plastiden umgewandelt. „Die Kieselalge ist also eine Art Chimäre aus mehreren Organismen“, sagt Dr. Klaus Valentin vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Damit erkläre sich das Vorhandensein von Rotalgen-Genen in T. pseudonana, so Klaus Valentin, der in diesem Projekt unter anderem an der Identifizierung von Genen mitgewirkt hat.

Kieselalgen wie Thalassiosira sind von besonderer ökologischer Bedeutung, da sie mit geschätzten 20 Prozent zur globalen Primärproduktion beitragen. Ihre Rolle im Kohlenstoffkreislauf ist somit derjenigen der Regenwälder vergleichbar. Die einzelligen Algen sind überall auf der Erde in den Meeren oder im Süßwasser zu Hause und sie kommen sogar in Flüssigkeitsfilmen auf Böden, Steinen oder Bäumen vor. Sie bilden die Basis eines äußerst effizienten Nahrungsnetzes und sind deshalb auch maßgeblich für den kommerziellen Fischfang. So sind beispielsweise die roten Farbstoffe aus Kieselalgen letztlich für die rote Farbe des Lachses verantwortlich. Ihren Namen haben Kieselalgen von der Schicht aus Kieselsäure (Siliziumdioxid), die die Zelle umgibt und die wunderschön ornamentiert sein kann.

 

Das Projekt zur Sequenzierung des Erbguts von Thalassiosira pseudonana wurde von den U.S.A. koordiniert und vom U.S. Energieministerium finanziert. Aus Deutschland ist neben Dr. Klaus Valentin vom Alfred-Wegener-Institut Dr. Nils Kröger vom Lehrstuhl Biochemie I der Universität Regensburg an dem Projekt beteiligt.

Der Artikel „The Genome of the Diatom Thalassiosira pseudonana: Ecology, Evolution and Metabolism“ wird am 1. Oktober in “Science” veröffentlicht.

Bremerhaven, den 29. September 2004

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Thalassiosira pseudonana

Mikroskopische Aufnahme von Thalassiosira pseudonana. Foto: G. Hasle

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Thalassiosira pseudonana

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von Thalassiosira pseudonana. Foto: N. Kröger

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14. September 2004: Dunstschicht über der Arktis kann das globale Klima beeinflussen

Wie oft guckt wohl jeder von uns täglich in den Himmel? Immer wieder wandert der Blick nach oben, um das Spiel der vorbeiziehenden Wolken zu beobachten. Wolken, auch für die Arktis-Forscher bislang eine große Unbekannte in ihren Berechnungen, wenn sie das Phänomen des Arktischen Dunstes erklären wollen. Doch Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) der Forschungsstelle in Potsdam konnten mit neuem Datenmaterial den Schleier ein gutes Stück lupfen. Die Ergebnisse wurden nun in „Geophysical Research Letters“ veröffentlicht.

Die vermeintlich „saubere“ Arktis wird verstärkt im Winter und Frühjahr mit einem Dunstschleier überzogen. Der Schleier entsteht aus einer Vielzahl von feinen Staub- und Flüssigkeitspartikeln, so genannten Aerosolen. Diese wandern aus den Industriegebieten Europas, Russlands, Kanadas und Amerikas in die Arktis. Aerosole ziehen Wassertropfen an, verdichten sich zu Wolken und nehmen Einfluss auf das Klima. Die Schwebeteilchen besitzen je nach Beschaffenheit die Eigenschaft, Sonnenstrahlen zu verschlucken oder aber zu reflektieren. So verändern sie die Menge der Strahlung, die an der Erdoberfläche ankommt. Das hat Auswirkungen auf die Temperatur: Sie kann um bis zu drei Grad fallen oder steigen. Unter der Leitung von Wissenschaftlern des AWI und des japanischen Polarforschungsinstituts wurden kontinuierlich im Frühjahr internationale Expeditionen in die Arktis durchgeführt, um mit Flugzeugen und am Boden präzise Punktmessungen vorzunehmen.

Die Wissenschaftler in Potsdam fütterten nun ihre Computer mit den gewonnenen Daten aus der Messkampagne ASTAR (Arctic Study of Tropospheric Aerosol, Clouds and Radiation) sowie mit den Daten aus den langzeitlichen Beobachtungen an der AWI-Station in Ny Alesund auf Spitzbergen. Für ihre Berechnungen setzten sie ein hochaufgelöstes Arktismodell ein. Anders als globale Klimamodelle, bildet dieses spezielle Modell die Verhältnisse in den Nordpol-Regionen kleinstufiger und somit realistischer ab.

Sie berechneten mit ihrem Klimamodell, dass das Ausmaß der Temperaturänderung im sehr komplexen und empfindlichen Arktis-Raum sehr stark regional und jahreszeitlich schwankt. Sie entdeckten auch, dass Aerosole nicht nur die Temperatur beeinflussen, sondern auch die atmosphärische Zirkulation verändern. Im Normalfall gibt es einen Kreislauf aus Wolkenbildung, Regen und erneuter Wolkenbildung. Kommen die Aerosole ins Spiel, dann können sie diesen Zusammenhang verändern, indem sie zum Beispiel die Lebensdauer und die Eigenschaften der Wolken (z.B. die Tröpfchengröße und den Wassergehalt) verändern können. Bei feuchter Luft quellen die Aerosole auf und können verstärkt Sonnenstrahlung verschlucken oder reflektieren. Dadurch erhöht oder verringert sich die Temperatur in der Aerosolschicht. Das führt dazu, dass sich die gesamte vertikale Verteilung der Temperatur und damit beispielsweise auch die Wolkenbedeckung ändert, die ihrerseits die ankommende Strahlung und damit die Zirkulation verändert.

Die Simulationen ergaben zudem, dass durch die Aerosole der Bodendruck in der östlichen Arktis abnimmt, da sich das Tiefdruckgebiet mit Zentrum über Island weiter nach Norden ausweitet. Dadurch verändert sich der Nord-Süd-Austausch von Wärme und Feuchte. Dies wirkt sich auf das globale Klima aus. Außerdem hat sich herausgestellt, dass die Aerosole das Potenzial haben, natürliche großräumige Schwingungsmuster, wie die Barentssee Oszillation oder die Nordatlantische Oszillation (Oszillation = Schwingung), zu ändern. Die Nordatlantische Oszillation ist ein Klimaphänomen und bezeichnet die Schwankung des Druckverhältnisses zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch. Bei einem hohen Druckunterschied werden die Winter in Nordeuropa nass und mild, ein niedriger Unterschied führt zu kalten und trockenen Wintern. Aerosole können diese Effekte verstärken. Somit kann die Dunstschicht über der Arktis Auswirkungen auch auf das Klima in unseren Breiten haben.

Bremerhaven, den 14. September 2004


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8. September 2004: Eisbohrkern aus Nordgrönland enthüllt detaillierte Geschichte des Klimas

Zum ersten Mal wurde bei einer Bohrung in Nordgrönland ein Eiskern gewonnen, der die Klimageschichte der Nordhemisphäre über die letzte Eiszeit hinaus lückenlos erschließt. Die ersten Ergebnisse des internationalen Eiskern-Projekts NGRIP (North Greenland Ice Core Project) werden diese Woche in „Nature“ veröffentlicht. Vergleichbar den Jahresringen eines Baumes enthält der 3085 Meter lange Eiskern Schichten von Schneefällen der letzten 123.000 Jahre.

Vor der letzten Eiszeit, die vor 115.000 Jahren begann, gab es eine warme Klimaperiode, das Eem, in der es einige Grade wärmer war als heute. Die Klimainformation aus dieser Periode ist in dem Eiskern in Schichten von einem Zentimeter Eis pro Jahr erhalten. Der Eiskern bietet damit einen bisher unerreicht genauen Einblick in einen Abschnitt der Klimageschichte, der unserer jetzigen Warmzeit ähnelt. Der Rückgang der Temperatur am Ende der Eem-Periode war langsam. Die schrittweise Abkühlung bis zu eiszeitlichen Bedingungen zog sich über einige tausend Jahre hin. Aus dem Vergleich des Eem mit den heutigen globalen Umweltbedingungen schließen die Wissenschaftler, dass sogar eine etwas wärmere Klimaperiode als die gegenwärtige langsam über mehrere tausend Jahre in eine neue Eiszeit übergehen würde.

Die Bohrstelle befindet sich bei 75 Grad Nord, 42 Grad West auf dem Inlandeis Grönlands. An der Basis der 3085 Meter dicken Eisdecke schmilzt das Eis. Als letztes Jahr bei der Bohrung das Grundgestein erreicht wurde, flutete deshalb Wasser die unteren 45 Meter des Bohrlochs. Das rötliche Grundwasser des subglazialen Wassersystems war sicher sehr lange Zeit von der Oberfläche isoliert. Es enthält möglicherweise organisches Material exotischer Lebensformen oder Überreste frühen Lebens aus einer Zeit, bevor das Eis Grönland bedeckte. In diesem Sommer haben die Forscher das wieder gefrorene Grundwasser erfolgreich durchbohrt. Mit der Untersuchung haben sie gerade begonnen.

Die Eisbohrung in Grönland dauerte acht Jahre. An dem Projekt waren Wissenschaftler aus Dänemark, Deutschland, Japan, den USA, der Schweiz, Frankreich, Schweden, Belgien und Island beteiligt. Die Analyse des Eises zeigt nicht nur, wie sich die Temperatur in der Vergangenheit verändert hat. Im Eis sind außerdem Proben der vergangenen Atmosphäre in Form von Luftblasen gefangen. Des Weiteren sind partikuläre Spurenstoffe wie Seesalz, Mineralstaub oder Aerosole vulkanischen Ursprungs archiviert. Sie bringen unter anderem Erkenntnisse darüber, wie die Treibhausgase und Aerosole das Klima beeinflussten, bevor der Mensch ins Spiel kam. Wenn die Wissenschaftler verstehen, was das Klima in der Vergangenheit bestimmte, haben sie den Schlüssel zur Vorhersage des zukünftigen Klimas.

Das Eiskern-Projekt in Nordgrönland (North Greenland Ice Core Project, NGRIP) ist ein internationales Programm, dessen Logistik vom Niels Bohr Institut der Universität von Kopenhagen organisiert wird. Das NGRIP-Leitungskomitee mit Mitgliedern der teilnehmenden Staaten koordiniert das Projekt.

Weitere Erläuterungen:
Der Artikel „High-resolution record of Northern Hemisphere climate extending into the last interglacial period“ (North Greenland Ice Core Project members) wird am 9. September in “Nature” veröffentlicht.

Die gebohrten Eiskerne sind Zylinder mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern, die in Stücken von dreieinhalb Metern Länge an die Oberfläche gebracht werden. Die spezialisierte Technik der NGRIP-Tiefeisbohrung wurde von den Wissenschaftlern selbst entwickelt und bereits mehrfach eingesetzt, um tiefe Eiskerne zu bohren.

Jedes Jahr fällt Schnee auf die Oberfläche der Eisdecke und bildet Schichten, die nach und nach vom Schnee der folgenden Jahre überdeckt werden. Mit zunehmender Tiefe werden die Schichten zu Eis gepresst. Luftblasen und Aerosole aus der Atmosphäre werden dabei im Eis eingeschlossen. Bei dem nun gewonnenen Bohrkern reicht die jährliche Schichtung 123.000 Jahre zurück. Die Analyse der chemischen und physikalischen Eigenschaften des Eises und der eingeschlossenen Luft zeigt, wie sich das Klima über die Zeit verändert hat.

Ein Team internationaler Wissenschaftler verbringt jeden Sommer einige Monate in einem Camp auf dem Inlandeis Grönlands. Das Camp ist 1000 Kilometer vom nächsten Flughafen entfernt und wird durch Flugzeuge mit Skifahrwerken versorgt. Das Team bohrt und analysiert die Eiskerne in Schächten unter der Schneeoberfläche bei -30°C und schneidet aus den Eiskernen kleine Proben, die in Laboratorien weltweit untersucht werden.

Aus Deutschland ist das Alfred-Wegener-Institut für Polar und Meeresforschung, Bremerhaven, maßgeblich an der Bohrung und den Untersuchungen beteiligt. Außerdem ist das Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg beteiligt. Das Sieben-Millionen-Euro-Projekt wird von den teilnehmenden Nationen finanziert. Deutschland trägt nach Dänemark den zweitgrößten Anteil dieser Summe und war mit eigenen glaziologischen Voruntersuchungen maßgeblich an der Festlegung der Bohrlokalität beteiligt.

Bremerhaven, den 8. September 2004


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27. August 2004: Höhere Wassertemperaturen und geringere Eisbedeckung im Nordpolarmeer

An Bord des Forschungsschiffes „Polarstern“ vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung haben Wissenschaftler in den vergangenen sechs Wochen in der Framstraße zwischen Spitzbergen und Grönland sowie nördlich davon Veränderungen in der Temperatur des Ozeans und in der Eisbedeckung untersucht. In diesem Bereich findet der wesentliche Austausch von Wassermassen zwischen dem Nordpolarmeer und dem Nordatlantik statt. Mit der globalen Erwärmung der vergangenen Jahre haben sich auch die Verhältnisse in der Fram Straße und im Nordpolarmeer geändert.

Temperaturmessungen in verschiedenen Meerestiefen in der Fram Straße zeigen seit 1990 eine Erhöhung der Temperatur im Westspitzbergen-Strom, der warmes Atlantikwasser in das Nordpolarmeer führt. Die aktuellen Messungen der Ozeanografen auf„Polarstern“ deuten auf einen weiteren Erwärmungstrend hin. Im Vergleich zum Vorjahr sind die oberen 500 Meter zu 0,6°C wärmer, und die Erwärmung zeigt sich bis in Tiefen von 2000 Metern. Für ozeanische Verhältnisse ist dies ein ausgesprochen deutliches Signal. Mit dem Einstrom wärmeren Wassers in das Nordpolarmeer ändert sich auch die Meereisdecke. Satellitenaufnahmen zeigen in diesem Jahr einen deutlichen Rückgang der Meereisausdehnung im Bereich der Fram Straße und der Barentssee im Vergleich zu den beiden Vorjahren.

Im Klimageschehen ist aber nicht nur die Ausdehnung des Meereises wichtig, sondern auch die Dicke. Um die Dicke des Eises zu bestimmen, hat die Meereisgruppe des Alfred-Wegener-Instituts in den vergangenen Jahren einen Flugkörper mit einem Eisdickensensor entwickelt. Dieser wird von einem Hubschrauber in etwa dreißig Metern Höhe innerhalb einer Stunde über Strecken von bis zu hundert Kilometern geschleppt. Nur damit lässt sich ein repräsentatives Bild der Meereisdicke ermitteln. Für die Validierung des Eisdickensensors wurden an verschiedenen Orten viele Löcher auf einer längeren Strecke durch eine Eisscholle gebohrt und mit der Hubschraubersonde überflogen. Die mit der Sonde gemessenen Werte werden mit denen aus den Bohrungen verglichen. So kann die Genauigkeit des Sensors bestätigt werden.

Eine besondere Art der Vergleichsmessung fand am Mittwoch vor der grönländischen Ostküste statt, wo „Polarstern“ mit dem britischen Forschungseisbrecher „James Clark Ross“ zusammen traf, um zum ersten Mal in der Geschichte der Meereisforschung die Topographie des Meereises von oben und unten zu messen. Dazu hat das britische autonome Unterwasservehikel AUV ( Autonomous Underwater Vehicle) mit einem Sonar die Unterseite des Meereises abgetastet, während die Meereisphysiker des Alfred-Wegener-Instituts mit dem vom Hubschrauber getragenen Eisdickensensor die Oberseite und die Eisdicke vermessen haben.

Diese Arbeiten galten der Vorbereitung für die Validierung des Satelliten „CryoSat“. „CryoSat“ soll die Meereisdicke in beiden Polargebieten ab März 2005 kontinuierlich aus 700 Kilometern Höhe bestimmen. Die Bestimmung der Meereisdicke und ihre Veränderung sind in der internationalen Klimaforschung von großer Bedeutung. Das Meereis spielt im Klimasystem eine wichtige Rolle und gilt als sensibler Indikator für Klimaschwankungen. Ob diese regional beobachteten Veränderungen als Folge der globalen Erwärmung in allen Bereichen der Polargebiete auftreten, soll mit „CryoSat“ untersucht werden.

 

„Polarstern“ befindet sich zurzeit auf ihrer zwanzigsten Arktisexpedition. Seit dem 16. Juli führen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung innerhalb eines internationalen Teams an Bord Luftmessungen durch, erheben Daten im Ozean und vom Meereis und sammeln Gesteinsproben vom Meeresboden. Am Sonntag läuft „Polarstern“ in Tromsø ein.

Bremerhaven, den 27. August 2004

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Rosette

Wasserschöpfer (CTD Rosette). Foto: Peter Lemke

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Eisbohrung

Foto: Alfred-Wegener-Institut

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Eisbohrung

Foto: Alfred-Wegener-Institut

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20. August 2004: Deutsches Forschungsschiff Polarstern hat verlassene russische Station vom Eis geborgen

Das deutsche Forschungsschiff Polarstern entdeckte am frühen Morgen des 16. August 2004 bei 82 Grad Nord auf einer Eisscholle die Überreste der russischen Arktisstation Nordpol-32. Der Forschungseisbrecher befindet sich derzeit auf seiner zwanzigsten Arktisexpedition. Seit dem 16. Juli führt ein internationales Team von Wissenschaftlern im Rahmen internationaler Forschungsprogramme an Bord Luftmessungen durch, erhebt Daten im Meer und vom Meereis und sammelt Gesteinsproben vom Meeresboden.

Die Reste der driftenden Eisstation bestanden aus drei mehr oder weniger intakte Baracken (eine mit Antenne), zwei beschädigten Baracken, einem Zelt , zwei Traktoren, drei größeren Treibstoffdepots mit 304 Fässern, Schlafsäcken, Netzen und anderem Material. In einer der Baracken wurde ein Kalender mit dem 6. März als letztem Eintragsdatum gefunden. Zwei Drittel der Fässer in den Depots waren leer. 90 Prozent der noch gefüllten Fässer enthielten Diesel, der Rest Rückstände von Benzin, Öl und Kerosin.

Fahrtleiter Prof. Dr. Peter Lemke und Kapitän Udo Domke hielten eine Bergung für möglich. Nach Berücksichtigung aller Umstände und angesichts drohender Umweltschädigungen entschied das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven das Forschungsprogramm zu unterbrechen und die Reste der Station zu bergen. Das russische Institut für Antarktis- und Arktisforschung (AARI) in St. Petersburg wurde umgehend informiert. Ebenso die zuständige grönländische Behörde, da sich die Station zurzeit in oder nahe grönländischem Gewässer befindet. Beide Einrichtungen stimmten der Bergung zu.
Die Bergung startete am 18. August um 6:12 Uhr Mittlere Greenwich Zeit (MGZ). Dichter Nebel behinderte die Navigation zur Eisscholle. Als sich der Nebel mittags lichtete, ging Polarstern längsseits und setzte Crewmitglieder und Wissenschftler auf der Eisscholle ab. Mithilfe eines Helikopters sammelten sie das Material ein und luden es an Bord. Vorrangig wurden die Treibstofffässer und der Abfall geborgen. Schließlich wurden die beiden Traktoren mit dem Kran an Bord gehoben.

Die Operation war am 19. August um 1:00 Uhr MGZ abgeschlossen. Alles umweltschädliche Material konnte entfernt werden. Lediglich Überreste der Baracken, die im Eis eingefroren waren, blieben auf der Scholle. Diese Aktion des Forschungsschiffs Polarstern war das letzte Kapitel in der Geschichte der treibenden Arktisstation Nordpol-32. Nach 24 Stunden nahmen die Wissenschaftler zwanzig Seemeilen westlich ihre Forschungsarbeiten wieder auf.

Nordpol-32
Nordpol-32 war in den letzten Jahren die einzige Arktisstation, die auf einer Eisscholle im arktischen Ozean driftete. Sie wurde Ende April 2003 vom Expedition Center for Arctic and Antarctica in Moskau aufgebaut. Das AARI in St. Petersburg zeichnete sich für das Forschungsprogramm verantwortlich. Am 4. März 2004 geriet die Station auf der Eisscholle in Seenot, gut 150 Kilometer vom Nordpol entfernt. Eis begann abzubrechen, Packeis schob sich über die Scholle und drückte sie unter Wasser. 16 Baracken und Container versanken in der See, während zwölf Männer und zwei Hunde auf Hilfe warteten. Gerettet wurden sie am 6. März 2004 von einem Mi-8 Helikopter, doch den größten Teil ihrer Ausrüstung mussten sie auf der Eisscholle zurücklassen. Zehn Monate lang war die Arbeit erfolgreich verlaufen. Zwei Monate vor dem geplanten Abbau der Arktisstation musste das Forschungsprogramm aufgegeben werden.

Logistik in Polarregionen

 

„Die Bergung der russischen Arktisstation zeigt deutlich, wie wichtig Forschungseisbrecher als logistische Ressourcen sind, insbesondere, wenn es um die schnelle Reaktion auf ungewöhnliche Ereignisse und Notfälle geht“, sagte Dr. Hartwig Gernandt, der Leiter der Logistikabteilung der Alfred-Wegener-Instituts. „Die Polarstern ist ein leistungsfähiger Forschungs- und Versorgungseisbrecher. Ihr hoher technischer Standard und die Bereitstellung von Helikoptern an Bord haben sich nun erneut als äußerst wertvoll erwiesen.“

Seit vielen Jahren kooperieren das AARI und das Alfred-Wegener-Institut erfolgreich auf dem Gebiet der Forschung und Logistik in der Arktis und Antarktis. Diese Zusammenarbeit beinhaltet auch die Organisation gemeinsamer Forschungsexpeditionen im arktischen Ozean, in der sibirischen Arktis und die Kooperation in dem internationalen Projekt „Dronning Maud Land Air Network“ (DROMLAN) in der Antarktis. Die erfolgreiche Bergung der verlassenen Arktisstation Nordpol-32 ist ein weiterer Meilenstein in dieser Zusammenarbeit.

Bremerhaven, den 20. August 2004

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Polarstern

Polarstern mit Helikopter. Foto: Peter Lemke

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Helikopter

Foto: Peter Lemke

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NP-32 Station

Foto: Peter Lemke

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Helikopter

Foto: Peter Lemke

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Helikopter

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NP-32 Station

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NP-32 Station

Foto: Peter Lemke

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NP-32

Kapitän U. Domke und Fahrtleiter Prof. P. Lemke. Foto: Alfred-Wegener-Institut

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14. Juni 2004: Mit dem Forschungseisbrecher in den „Hausgarten“

Der deutsche Forschungseisbrecher „Polarstern“ startet am 16. Juni 2004 von Bremerhaven aus zu seiner 20. Arktisexpedition. Im Mittelpunkt des ersten Fahrtabschnittes stehen Messungen ausgewählter Schadstoffe in Luft, Wasser und Schnee sowie die hydrografischen Verhältnisse der Grönlandsee. Von großem Interesse sind auch die Entwicklungen im AWI-Hausgarten, einer Langzeit-Forschungsstation in der arktischen Tiefsee. Die Tiefsee ist der größte, gleichzeitig aber am wenigsten bekannte Lebensraum der Erde. Bis heute sind viele Prozesse in der Tiefsee und deren Auswirkungen auf das globale Klima- und Ökosystem nicht ausreichend geklärt. Dies ist durch Momentaufnahmen, wie sie bis vor wenigen Jahren Standard waren, auch nicht zu leisten. Einmalige Probennahmen oder Messungen lassen eine Einschätzung zeitlicher Variabilitäten nicht zu. Erst Langzeituntersuchungen an ausgewählten Standorten eröffnen die Möglichkeit aufzuklären, welche Umweltbedingungen die Lebensgemeinschaften der Tiefsee in ihrer Entwicklung, Struktur und Komplexität beeinflussen. Es besteht dringender Bedarf an solchen Basisdaten, um die Auswirkungen menschlicher Eingriffe auf das Ökosystem der Tiefsee abschätzen zu können. Erst die Möglichkeit, zeitliche Variabilitäten über ausreichend lange Zeiträume erfassen zu können, erlaubt es, unterschiedliche Werte zwischen den Jahren bzw. Jahreszeiten von (natürlichen) Langzeittrends zu trennen. Forschen im „Hausgarten“ Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung haben im Sommer 1999 in der Framstraße westlich von Spitzbergen (79°N, 4°E) die erste Langzeitstation in einer polaren Tiefseeregion eingerichtet. Neben einem zentralen Experimentierfeld in 2500 Metern Wassertiefe (dem AWI-Hausgarten) wurden insgesamt neun Stationen in 1000 - 5500 Metern Tiefe bestimmt, an denen in den nächsten Jahren wiederholt biologische, geochemische und sedimentologische Untersuchungen durchgeführt werden sollen. Forschungsschwerpunkte während der aktuellen Expedition sind die Erfassung des Bestandes an Bodenlebewesen und des Sauerstoffverbrauches am Meeresboden, die Untersuchung des Partikelflusses in die Tiefsee und die Sedimentation am Kontinentalrand westlich von Spitzbergen. Hinzu kommen Untersuchungen zu bakteriellen Tiefseegemeinschaften, zu kleineren das Sediment bewohnenden Organismen sowie zu Tiefseefischen. Komplettiert wird das Forschungsprogramm durch Studien zum Einfluss von Methan auf benthische Foraminiferen, die als sehr sensible Anzeiger für Umweltbedingungen gelten. Forschungsplattform auf gutem Wege Bereits auf dem Weg zum AWI-Hausgarten nutzen Wissenschaftler des GKSS-Forschungszentrums – wie das AWI ein Institut der Helmholtz-Gemeinschaft - die Forschungsplattform „Polarstern“ für eine Vielzahl luftchemischer Untersuchungen. Die Wissenschaftler wollen dabei vor allem die Verbreitung von Quecksilber und langlebigen (persistenten) organischen Schadstoffen analysieren. Die Fahrtroute der „Polarstern“ von Bremerhaven aus in die arktischen Gewässer bietet ihnen dabei eine seltene Gelegenheit Messreihen zu erheben, die räumlich sowohl die Quellengebiete als auch industrieferne arktische Regionen umfassen. Eine spezifisch polare Erscheinung ist der 'Atmosphärische Quecksilberrückgang', während dessen die Konzentrationen in der Atmosphäre sehr kurzfristig deutlich unter die Hintergrundswerte sinken. Hier wollen die Wissenschaftler ermitteln, inwieweit die Polarregionen der Erde als endgültige Ablagerungsgebiete angesehen werden müssen. Zwischen Grönland und Spitzbergen wird „Polarstern“ anschließend entlang des 75. nördlichen Breitengrades hydrografische Daten erheben. Dieses Messprogramm wird seit einigen Jahren regelmäßig wiederholt, denn „erst lange Zeitreihen mit qualitativ guten Messwerten ermöglichen es, die komplexen Veränderungen in den arktischen Gewässern richtig zu erkennen und zu erklären“ so Fahrtleiter Dr. Gereon Budeus. Eine große Rolle spielt dabei vor allem die Tiefenkonvektion. In jüngster Zeit wurden kleinskalige Wirbel entdeckt, in denen die Konvektion etwa 1000 Meter tiefer als in der Umgebung reicht. Um die Bedeutung solcher Wirbel abschätzen zu können, werden die Wissenschaftler versuchen, über mehrere Jahre die Entwicklung eines relativ stationären Wirbels zu verfolgen. Nach dem Ende der Arbeiten im „Hausgarten“ ist das Einlaufen von „Polarstern“ für den 16. Juli in Longyearbyen, Spitzbergen vorgesehen. Von dort aus führen weitere Fahrtabschnitte „Polarstern“ unter anderem in die Framstraße und zum Yermak Plateau. Dann stehen umfangreiche Forschungsarbeiten zu geologischen, ozeanographischen, biologischen und luftchemischen Fragestellungen auf dem Programm. Mit reicher wissenschaftlicher Ausbeute wird „Polarstern“ von ihrer 20. Expedition am 3. Oktober in Bremerhaven zurück erwartet.

Bremerhaven, den 14. Juni 2004


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7. Juni 2004: Neue Klimadaten aus altem Antarktis-Eis

In dieser Woche werden in der Zeitschrift Nature Geheimnisse der Klimageschichte gelüftet, die bisher in antarktischem Eis eingeschlossen waren. Wissenschaftler und Techniker aus zehn europäischen Ländern haben im Rahmen eines seit acht Jahren laufenden Projektes an Dome C auf dem Inlandeisplateau der Ostantarktis einen drei Kilometer langen Eiskern erbohrt. Laboranalysen dieses Eiskerns zeigen, wie sich in der Vergangenheit die Temperaturen geändert haben und die Zusammensetzung der Atmosphäre gewandelt hat. Der Eiskern enthält - soweit bisher analysiert - Schneefälle aus mindestens 740.000 Jahren. Damit stellt er zugleich die längste kontinuierliche Klimaaufzeichnung dar, die je aus Eiskernen gewonnen wurde.
Erste Ergebnisse bestätigen, dass die Erde während der letzten 740.000 Jahre acht Eiszeiten (Glaziale) erlebt hat, in denen das Klima erheblich kälter war als heute, und acht wärmere Perioden (Interglaziale). In den letzten 400.000 Jahren waren diese Perioden durch Temperaturen gekennzeichnet, die den heutigen Werten ähneln. Vor dieser Zeit war es in den warmen Perioden kälter als heute. Zugleich dauerten die Warmzeiten länger.

Aus dem Vergleich dieser charakteristischen Klimaänderungen in der Vergangenheit mit Daten zu den derzeitigen globalen Umweltbedingungen schließen die Wissenschaftler, dass die gegenwärtige Warmzeit ohne menschlichen Einfluss noch mindestens 15.000 Jahre andauern wird.

In einem nächsten Schritt werden die Wissenschaftler die Luft der Vergangenheit, die in winzigen Bläschen im Eis eingeschlossen ist, analysieren um herauszufinden, wie sich die Zusammensetzung der Atmosphäre verändert hat. Vorläufige Analysen zeigen, dass die gegenwärtige Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre den höchsten Wert der letzten 500.000 Jahre erreicht hat. Das Verständnis der Prozesse, die in der Vergangenheit zu Klimaänderungen geführt haben, hilft den Wissenschaftlern Vorhersagen für künftige Klimaänderungen zu verbessern.

Die Bohrung an Dome C ist ein Teil des European Project for Ice Coring in Antarctica (EPICA). Das Bohrteam arbeitete an Dome C bei Temperaturen bis unter –40 °C, in einer abgelegenen Region, die von der nächsten Forschungsstation über 1000 Kilometer entfernt liegt. Das EPICA-Konsortium wird die Bohrung Anfang Dezember 2004 fortsetzen und hofft, in der nächsten Bohrkampagne den Felsuntergrund zu erreichen. Lediglich 100 Meter sind noch zu bohren. – 100 Meter, die die Klimaaufzeichnungen noch weiter in die Vergangenheit verlängern werden: Wenn alles klappt, steht den Glaziologen für ihre Untersuchungen bald über 900.000 Jahre alte antarktisches Eis zur Verfügung.

Weitere Hintergrundinformationen:
Das Projekt EPICA (European Project for Ice Coring in Antarctica) wird von einem Konsortium aus zehn europäischen Ländern (Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz) durchgeführt. EPICA wird unter dem Dach der European Science Foundation (ESF) koordiniert und durch die beteiligten Länder und die Europäische Union finanziert. Ziel von EPICA ist es, im Inlandeis der Antarktis zwei Eiskerne zu erbohren, die bis zum Felsuntergrund. Neben der Bohrung an Dome C (75° 06’S, 123° 21’E), wird auch an der Kohnen-Station in Dronning Maud Land (75°00'S, 00°04'O) eine Bohrung niedergebracht, die mittlerweile eine Tiefe von 2565 Metern erreicht hat.

Deutscher Partner des Projektes EPICA ist das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft (AWI) in Bremerhaven. Es trägt die Verantwortung für die Bohrung in Dronning Maud Land. Darüber hinaus obliegt Prof. Heinz Miller, stellvertretender Direktor am AWI, die Gesamtkoordination des Projektes EPICA. Das Projekt EPICA ist eines der Kernprojekte im Rahmen des AWI-Forschungskonzeptes Meeres-, Küsten und Polarsysteme (MARCOPOLI), das im Forschungsbereich „Erde und Umwelt“ der Helmholtz-Gemeinschaft angesiedelt ist.

Eiskerne sind Eis-Zylinder mit einem Durchmesser von 10 Zentimetern, die im Bohrvorgang stückweise in Längen von bis zu 3 Metern gefördert werden. Dieses Eis geht letztlich zurück auf Schneeflocken, die in den letzten hunderttausenden von Jahren gefallen sind und dabei im Fallen Aerosolpartikel aus der Luft gesammelt haben. Aus den Schneeflocken entwickelten sich im Laufe der zeit Eiskristalle, die die zwischen ihnen gelegene Luft mitsamt kleinsten Schwebteilchen in Bläschen einschließen. Aus der Analyse der chemischen Zusammensetzung und der physikalischen Eigenschaften des Eises und der darin eingeschlossenen Luft können die Wissenschaftler die Zusammenhänge zwischen Prozessen in der Atmosphäre und Klimaänderungen in der Vergangenheit studieren - Im Falle von Dome C reicht das eisige Klimaarchiv bisher über 740.000 Jahre in die Vergangenheit. Besonderes Augenmerk gilt dabei insbesondere den Effekten von Kohlendioxid, Methan und anderer Komponenten.

Die Ergebnisse werden eingesetzt für bei der Überprüfung und Weiterentwicklung von Rechenmodellen, die zur Vorhersage künftiger Klimaentwicklungen verwendet werden. Feldforschung in der Antarktis stellt große wissenschaftliche und logistische Anforderungen an Wissenschaftler und Techniker. Die Orte an denen im Rahmen von EPICA Eiskernbohrungen niedergebracht werden, gehören zu den abgelegensten und unwirtlichsten der Welt.


Bremerhaven, den 7. Juni 2004


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19. Mai 2004: Klimaforscher untersuchen Dunstschicht über der Arktis

Ein internationales Team von Wissenschaftlern untersucht zurzeit eine Dunstschicht, die sich jedes Frühjahr über der Arktis ausbreitet. Diese Luftschicht enthält Aerosole, deren Ausbreitung in der abgasfreien Arktis zu einer Belastung führt, wie sie sonst nur über Industriegebieten auftritt. Eine der wichtigsten Fragen ist die nach einer möglichen direkten und indirekten Wirkung auf das Klima.

 

Aerosole sind Schwebstoffe in der Luft, die durch Aufnahme oder Reflektion der Sonneneinstrahlung das Klima direkt beeinflussen. Als Kristallisationskeime können sie außerdem die Entstehung von Wolken auslösen und so indirekt auf das Klima einwirken. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung fanden schon im Frühjahr 2000 heraus, dass die Konzentration der Schwermetalle Blei und Cadmium in dem arktischen Dunst im Vergleich zur klaren Polarluft im Sommer um das Drei- bis Fünffache erhöht ist. Die Konzentration im Frühjahr ist vergleichbar mit der in Mitteleuropa, obwohl es in der Arktis kaum vom Menschen verursachte Aerosolquellen gibt. Die Verschmutzung der arktischen Atmosphäre hat offensichtlich ihren Ursprung in den weit entfernten Industrieregionen.

Flugzeugmessungen
Unter Führung des Alfred-Wegener-Instituts und des japanischen Polarforschungsinstituts (National Institute for Polar Research, NIPR) erforscht ein internationales Konsortium von verschiedenen Stationen aus das Phänomen des arktischen Dunstes. Das Ziel des aktuellen Projektes ASTAR 2004 (Arctic Study of Tropospheric Aerosol, Clouds and Radiation) ist die genaue Erfassung dieser Luftschicht im Übergang vom arktischen Frühling zum arktischen Sommer. Die Messungen sind nur möglich mit Hilfe der beiden Polarflugzeuge „Polar 2“ und „Polar 4“ des Alfred-Wegener-Instituts, die von Longyearbyen auf Spitzbergen aus eingesetzt werden. Der Flugbetrieb wird durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) durchgeführt. Die Betreuung der wissenschaftlichen Systeme erfolgt durch Optimare Sensorsysteme AG Bremerhaven. Die Flugzeuge sind mit einer Vielzahl von Geräten bestückt, mit denen die Eigenschaften der Aerosole, sowie deren Wechselwirkung mit Wolkenteilchen erfasst werden. In „Polar 4“ sind Messsysteme zur optischen, mikrophysikalischen und chemischen Bestimmung der Aerosolkonzentrationen installiert. In „Polar 2“ sind Systeme zur Bestimmung der mikrophysikalischen Eigenschaften von Wolkenteilchen eingebaut, sowie das neue Licht-Radar (AMALI) System zur Fernerkundung der Aerosolverteilung in der unteren Troposphäre. Die weiteren Untersuchungen werden später am Alfred-Wegener-Institut mit Modellrechnungen durchgeführt.

Netzwerk aus Bodenmessungen und Satellitenbeobachtungen
Um die Komplexität des arktischen Dunstes erfassen zu können, finden parallel zu den Flugzeugmessungen in Ny-Ålesund auf Spitzbergen, dem Standort der deutsch-französischen Arktis-Station, der japanischen Station und norwegisch-schwedischen Bergstation gleichartige Messungen am Boden statt. Weitere Messungen werden an der polnischen Polarstation im Hornsund auf Spitzbergen, an der finnischen Station in Pallas Sodankylae (Finnland) sowie in Point Barrow, Alaska (USA) durchgeführt. Außerdem werden die Daten zur Ergänzung der NASA- und ENVISAT- Satellitenprojekte herangezogen. Diese unterstützen die ASTAR-Wissenschaftler wiederum durch aktuelle regionale Satellitendaten.

Die diesjährige, sechswöchige Messkampagne steht in einer Reihe von Kampagnen, die seit dem Jahr 2000 stattfinden. Im nächsten Jahr ist eine weitere Flugzeugkampagne im März/April in der Arktis geplant.
Das ASTAR-Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem japanischen Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Sport und Kultur, dem schwedischen Polar-Sekretariat und dem französischen Polarforschungsinstitut (IPEV) im Rahmen der gemeinsamen deutsch-französischen Arktisstation unterstützt. Die Messkampagne wird am 15. Juni zu Ende gehen.

Am 17. Juni kehren die AWI-Flugzeuge „Polar 2“ und „Polar 4“ nach Bremerhaven zurück.

Bremerhaven, den 19. Mai 2004

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Polarflugzeuge

Polar 2 und Polar 4. Foto: Jürgen Graeser

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Polarflugzeuge

Polar 2 und Polar 4. Foto: T. Garbrecht

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Polarflugzeuge

Polar 2 und Polar 4. Foto: E. Halbroth

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29. September 2005: Grönländer erinnern an deutschen Polarforscher

Direktor des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung zu Gast in Uummannaq

Mit den Alfred-Wegener-Tagen vom 4. bis 6. Oktober 2005 erinnert Grönland an den deutschen Meteorologen, Polarforscher und Begründer der Theorie der Kontinentalverschiebung sowie an seinen grönländischen Begleiter Rassmus Villumsen. Professor Jörn Thiede, Direktor des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung, stellt aus diesem Anlass in Uummannaq historische Filmdokumente der letzten Grönlandexpedition Wegeners vor und gibt einen Einblick in dessen Leben und wissenschaftliches Werk.

 

Zu der Gedenkveranstaltung hat Kunnunnguat Fleischer, Schulleiter in der grönländischen Stadt Uummannaq, eingeladen. Neben der historischen Würdigung soll auch die heutige Forschung auf Grönland dargestellt werden. Weitere Vorträge halten Dr. Reinhard Krause, Physiker und Historiker am Alfred-Wegener Institut, Professor Jan Harff, Leiter der marinen Geologie am Institut für Ostseeforschung in Warnemünde, und Dr. Naja Mikkelsen von der geologischen Landesanstalt für Dänemark und Grönland (GEUS). Unter den grönländischen Zuhörern werden auch Verwandte von Rassmus Villumsen sein, dem Begleiter Wegeners auf dessen letzter Fahrt.

Alfred Wegener hatte bereits an drei Grönlandexpeditionen teilgenommen und galt als einer der erfahrensten Polarforscher seiner Zeit, als 1930 die große Grönlandexpedition unter seiner Leitung startete. Mit drei Stationen von der West- bis an die Ostküste Grönlands sollten erstmals fortlaufend geophysikalische und meteorologische Messungen durchführt werden. Doch die selbst für grönländische Verhältnisse extremen Wetterbedingungen erschwerten den Fortgang der Arbeiten und gefährdeten die Versorgung der inmitten Grönlands liegenden Station'Eismitte’. Eine von Wegener selbst geleitete Rettungsexpedition erreichte zwar noch die Station, auf dem Rückweg zur Küste Anfang November 1930 aber starben der gerade fünfzigjährige Polarforscher und sein grönländischer Begleiter Villumsen. Am 1. November 2005 wäre Alfred Wegener 125 Jahre alt geworden.

 

Auch heute wird in Grönland intensiv geforscht. Die Insel liegt unter einem bis zu vier Kilometer mächtigen Eisschild, in dem Klimadaten von Jahrtausenden archiviert sind. Mit Eiskernbohrungen erschließen Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts diese Daten und verbessern damit die Grundlage für Klimaprognosen. Parallel werden auch die heutigen Veränderungen der Eisbedeckung als Folge des weltweiten Klimawandels untersucht; in Kürze nach dem Start des europäischen Satelliten CryoSat auch vom All aus.

Bremerhaven, den 29. September 2005

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Alfred Wegener und sein grönländischer Begleiter Rassmus Villumsen

Die Rückfahrt von 'Eismitte' im November 1930 endete tragisch. Erst im Mai 1931 fand eine Suchexpedition den Leichnam von Alfred Wegener im Eis, Rassmus Villumsen blieb verschollen.

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Die Station 'Eismitte'

An der zentral gelegenen Station 'Eismitte' wurde die Dicke des grönländischen Eisschildes mit 2700 Meter gemessen

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Am Eisrand des Kronprinz-Christian-Landes in Nordostgrönland

Veränderungen des grönländischen Eisschildes interessieren auch heute die Wissenschaft.

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19. August 2005: Telemedizin für deutsche Forschungsstation in der Antarktis

Virtuelle OP-Teams verbessern Notfallversorgung auf Neumayer-Station

Während der Chirurg in der Antarktis operiert, überwacht der Anästhesist den Zustand des Patienten vom Klinikum Bremerhaven aus. Mit 128 Kilobit pro Sekunde überträgt eine Satellitenstandleitung zwischen dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und der deutschen Forschungsstation Neumayer in der Antarktis medizinische Daten. Obwohl die beteiligten Ärzte tausende von Kilometern getrennt sind, tauschen die virtuellen OP-Teams mit nur zwei bis drei Sekunden Verzögerung Bilder, Messwerte und Ratschläge aus.

 

Die bereits in der Raumfahrt eingesetzte Telemedizin ergänzt und verbessert die Notfallversorgung in der Neumayer-Station. Bis zu zehn Monate sind die neun Überwinterer im antarktischen Winter nur über Satellit mit der Außenwelt verbunden. Ein Chirurg ist zwar stets Mitglied der Überwinterungsmannschaft, allerdings konnten ihm bisher nur „Laienhelfer“ aus dem Überwinterungsteam bei Operationen assistieren. Das neue System wird seit 2004 getestet. „Die Erprobung in der Sommersaison verlief für alle Beteiligten erfolgreich“, berichtet Eberhard Kohlberg, Arzt und ehemaliger Überwinterer auf der Neumayer-Station. „Wir haben stundenlang übertragen, ohne dass Aussetzer auftraten. Die Qualität der empfangenen Bilder wäre innerhalb des Krankenhauses nicht besser.“

Für die Telemedizin wurde die schon seit 2001 bestehende Zusammenarbeit zwischen dem Alfred-Wegener-Institut und dem Klinikum Bremerhaven vertieft. Privatdozent Dr. Mario Kasper, Chefarzt der Anästhesieabteilung im Klinikum, erklärt: „Mit dem Corlink-System werden Daten wie Sauerstoffsättigung des Blutes und Kohlendioxidgehalt bei der Ausatmung, Temperatur, Pulsfrequenz, EKG und Blutdruck in Echtzeit übertragen. Anhand dieser Daten kann ich von Bremerhaven aus die Narkose überwachen. Sollten die Messwerte Veränderungen der Atmung oder des Kreislaufs anzeigen, kann ich den Kollegen in der Neumayer-Station per Telefon darauf aufmerksam machen oder ihm eine Nachricht direkt auf den Bildschirm senden.“

Ab kommendem Jahr soll das System fest installiert werden.


Bremerhaven, den 19. August 2005

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Ein komplettes OP-Team in der Antarktis

Durch das orange Corlink-System können Ärzte trotz großer räumlicher Distanz gemeinsame Operationen durchführen.

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Als Arzt in der Antarktis

Eberhard Kohlberg ist Chirurg und hat 1999 für 15 Monate in der antarktischen Neumayer-Station überwintert.

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Die Neumayer-Station des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung

Nur im antarktischen Sommer ist die Station erreichbar.

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Satellitenstandleitung in die Antarktis

Über Satellit werden die medizinischen Daten in der Telemedizin zwischen Antarktis und Bremerhaven übertragen.

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17. August 2005: Eisbrecher Polarstern als erstes deutsches Forschungsschiff virtuell im Internet zu besichtige

Der Forschungseisbrecher Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung kann ab sofort als erstes deutsches Forschungsschiff virtuell im Internet besichtigt werden. Das Projekt entstand in Kooperation mit der Hochschule Bremerhaven und ist einzigartig in Deutschland.

Jedes Jahr nutzen zahlreiche nationale und internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das schwimmende Großlabor Polarstern für ihre Forschungsvorhaben. Durch das Projekt „Virtuelle Polarstern“ ist es nun möglich, den Forschern einen ersten Eindruck über ihren zukünftigen Arbeitsplatz zu geben. Darüber hinaus ist vor allem die interessierte Öffentlichkeit angesprochen, sich unter der Internetadresse www.awi-bremerhaven.de/Polar/polarstern-d.html auf dem leistungsstärksten Forschungseisbrecher der Welt in Ruhe umzusehen.

 

Auf dem virtuellen Rundgang bietet sich auf insgesamt sechs Decks ein umfangreicher Einblick in die Räumlichkeiten des Schiffes. So können neben dem Arbeitsplatz des Kapitäns auch die Bibliothek, verschiedene Forschungslabore, das Helikopterdeck und die zahlreichen Arbeits- und Lagerräume per Mausklick erkundet werden. Auch die Außendecks des Forschungseisbrechers laden bei Sonnenschein und ohne Gefahr von Seekrankheit zu einem virtuellen Spaziergang ein. Am Ende des Rundganges erwartet den Besucher ein eindrucksvoller Panoramablick vom Peildeck der Polarstern.

„Virtuelle Polarstern“ wird im Rahmen der Stadt der Wissenschaft 2005 am Freitag, den 19. August von 12:00 bis 13:00 Uhr bei der Ausstellung „ContainerTerminal – Meerwissen aus Bremerhaven“ auf dem Hans-Sharoun-Platz in Bremerhaven vorgestellt. Auf der noch bis 30. September laufenden Veranstaltung stehen dann die Entwickler des digitalen Forschungsschiffes für einen virtuellen Rundgang bereit.

Bremerhaven, den 17. August 2005

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Die „Virtuelle Polarstern“ im Internet

Räumlichkeiten auf insgesamt sechs Decks und ein ausgedehnter Rundgang über die Außendecks des Forschungseisbrechers können per Mausklick erkundet werden.

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10. August 2005: Bremerhavener Schüler fahren in die Barentssee

HIGHSEA–Projekt erkundet Meeresströmungen

Vom 14.-28. August 2005 fahren 15 Bremerhavener Schülerinnen und Schüler des Schulprojektes HIGHSEA (HIGHschool of Science & Education @ the AWI) zusammen mit einer Lehrerin und zwei Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung auf eine Forschungsreise in die arktische Barentssee. Während der Reise von Longyearbyen/ Spitzbergen bis ins Norwegische Tromsø werden sie anhand der Frage nach der Tiefenwasserbildung in der Barentssee naturwissenschaftliches Grundlagenwissen erarbeiten.

 

Die Anreise nach Longyearbyen erfolgt von Hamburg aus mit dem Flugzeug. In Longyearbyen besteigen die Schüler den speziell für Gruppen- und Seminarreisen ausgebauten Traditionssegler „Lovis“. Sowohl vor Spitzbergen als auch während der Überfahrt nach Nordnorwegen bietet sich für die Gruppe die einmalige Gelegenheit, in der Arktis an einem eigenen Projekt forschend zu lernen. Im Mittelpunkt der Reise wird das eigenständige und selbstverantwortliche Arbeiten der Schüler stehen. Dabei eignen sie sich zum einen das zur Beantwortung ihrer Fragestellung nötige Fachwissen an und stellen weiterhin ihre Kommunikations- und Organisationsfähigkeit innerhalb des Projektes unter Beweis.

Unterstützt werden die Schülerinnen und Schüler von der Mathematiklehrerin Nicole Kindler und den am Alfred-Wegener-Institut tätigen Wissenschaftlern Dr. Michael Schodlok (Ozeanograph) und Dr. Susanne Gatti (Meeresbiologin). Die Gruppe wird mit Hilfe einer vom Alfred-Wegener-Institut entwickelten mobilen Winde mit Wasserschöpfern Proben in einem dichten Stationsnetz im Storefjord bei Spitzbergen nehmen. Über eine CTD (Conductivity = Leitfähigkeit, Temperature = Temperatur, Depth = Tiefe) Sonde werden parallel Temperatur, Salzgehalt und Wassertiefe gemessen. Aus diesen Daten wird dann die Stärke der Tiefenwasserbildung ermittelt.

Für die Meeresströmungen auf unserer Erde ist das Absinken von kaltem Wasser der entscheidende Antriebsmechanismus. In regional begrenzten Gebieten der Arktis geschieht dies aufgrund der Abkühlung warmen Wassers aus dem Süden und der Bildung von Meereis im Winter. Durch die Eisbildung erhöht sich der Salzgehalt des Wassers, welches dann aufgrund seines höheren spezifischen Gewichts in die Tiefe absinkt. Der hohe Sauerstoffgehalt in dem so entstandenen polaren Tiefenwasser ist wiederum lebenswichtig für alle Tiefseeorganismen. Mit ihren Forschungsarbeiten wollen die Schüler vor allem die starken Schwankungen in der Tiefenwasserbildung im Untersuchungsgebiet besser verstehen. Dass die jungen Forscher und Forscherinnen dabei auch ihr physikalisches, chemisches und mathematisches Basiswissen erweitern, ist ein wesentlicher Aspekt des Projekts.

 

Diese Lernmethode ist den Schülerinnen und Schülern schon aus dem Bremerhavener Schulalltag des Projektes HIGHSEA vertraut; alle sind Teilnehmer des zweiten Jahrgangs dieses Programms. HIGHSEA wurde vom Alfred-Wegener-Institut in Kooperation mit den Bremerhavener Schulbehörden entwickelt und richtet sich an naturwissenschaftlich besonders interessierte Schülerinnen und Schüler der Bremerhavener Oberstufen. Während der letzten drei Schuljahre erhielten sie an zwei Tagen in der Woche fächerübergreifenden Unterricht am Alfred-Wegener-Institut, der in Form von „Teamteaching“ sowohl von Lehrkräften als auch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts gestaltet wird.

Die Gesamtkosten der zweiwöchigen Forschungsfahrt belaufen sich auf etwa 35.000 Euro, von denen die Eltern der Schüler und das Alfred-Wegener-Institut jeweils etwa ein Fünftel tragen. Die verbleibende Summe wird von einer Reihe lokaler und überregionaler Sponsoren aufgebracht.

Weitere Informationen zur Reise und den einzelnen Sponsoren sind unter nachfolgendem Link zu finden.
www.awi-bremerhaven.de/ClickLearn/SchoolProject/Lovis.html

Bremerhaven, den 10. August 2005

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Bildungslogger Lovis

Der Bildungslogger „Lovis“ wurde 1897 in Göteborg als Dampfschiff mit zwei Stützmasten gebaut. Seit Mai 2000 ist die in Greifswald beheimatete „Lovis“ als speziell für Gruppen- und Seminarreisen ausgerüsteter Traditionssegler auf der Ostsee unterwegs.

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Alltag bei HIGHSEA

Alltag bei HIGHSEA: Wissenschaftliche Experimente machen Schule spannend.

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19. Juli 2005: Forschungseisbrecher Polarstern läuft in die Arktis aus

Nach vierwöchiger Werftzeit in Bremerhaven läuft der Forschungseisbrecher Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung am 21. Juli in die Arktis aus. Die zehnwöchige Expedition führt über die Grönlandsee nach Spitzbergen bis in die Framstraße im nördlichen Teil des europäischen Nordmeers.

Auf der Fahrt von Bremerhaven nach Longyearbyen auf Spitzbergen stehen ozeanografische Messungen im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Programms. Bei der Fortsetzung einer seit 1994 durchgeführten Langzeitstudie werden in Zusammenarbeit mit Forschern der Universitäten Cambridge und Bergen die gegenwärtig ablaufenden Veränderungen der Eigenschaften der Wassermassen in der Grönlandsee untersucht. Dazu werden Verteilungen der Temperatur und des Salzgehalts gemessen und Wasserproben zur Bestimmung des Gehalts an Nährstoffen, Sauerstoff und gelöstem organischem Material genommen.

Im weiteren Verlauf der Expedition wird im August südlich von Spitzbergen die Verteilung des Treibhausgases Methan im Meerwasser untersucht. Das am arktischen Meeresboden freigesetzte Methan wird, bevor es in die Atmosphäre abgegeben werden kann, im Wasser chemisch umgewandelt und über Meeresströmungen in angrenzende Ozeane verfrachtet.

Mit Hilfe von 12 fest verankerten Ketten mit autonomen Messgeräten untersucht das Alfred-Wegener-Institut seit 1997 in internationaler Zusammenarbeit im Rahmen von der EU finanzierter Forschungsprogramme in der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen den Einstrom warmen, salzreichen Wassers aus dem Atlantik in die Arktis. Bei dieser Expedition werden die Geräte ein weiteres Mal ausgetauscht. Mit den gewonnenen Daten wird eine Langzeitreihe fortgesetzt, um zu erkennen, ob die Veränderungen der arktischen Meereisbedeckung durch den Zustrom von warmem, atlantischem Wasser verursacht werden. Mit biologischen Untersuchungen in der polaren Tiefsee im Norden der Framstraße versuchen die Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit Forschern der Universität Genf herauszufinden, ob auch in der Tiefsee langfristige Veränderungen stattfinden. Im Interesse der Forscher steht dabei auch der genetische Vergleich von Bodenorganismen der Arktis und der Antarktis. Ein geologisches Programm findet nördlich der Framstraße statt.

Polarstern wird am 19. September von ihrer 21. Arktisexpedition in Bremerhaven zurück erwartet.

Bremerhaven, den 19. Juli 2005

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Polarstern

Bald ist Polarstern wieder am Arbeitsplatz im Polarmeer.

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7. Juli 2005: 25 Jahre Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

Am 15. Juli 2005 feiert das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung an seinem Hauptsitz in Bremerhaven sein 25-jähriges Bestehen. Das Institut forscht seit 1980 in der Antarktis, der Arktis, der Nordsee und anderen Meeren der gemäßigten Breiten und knüpft an die erfolgreiche deutsche Polarforschung des frühen 20. Jahrhunderts an, die untrennbar mit den Namen von Alfred Wegener und Georg von Neumayer verbunden ist. Das Spektrum der Forschungsaktivitäten des Instituts reicht heute von der Plattentektonik über Nahrungsnetze bis hin zu den Ursachen und Folgen klimatischer Veränderungen.

 

In den Anfangsjahren sorgte Professor Gotthilf Hempel, erster Direktor des Alfred-Wegener-Instituts, für die Grundlagen einer zeitgemäßen und effizienten Forschung in Antarktis und Arktis. 1992 wurde mit der Außenstelle in Potsdam die Polarforschung der ehemaligen DDR integriert. Professor Max Tilzer, zweiter Direktor des Alfred-Wegener-Instituts, bereitete den 1998 vollzogenen Anschluss der Biologischen Anstalt Helgoland mit ihrer Außenstelle in List auf Sylt vor. Heute gehen rund 800 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an vier Standorten in Deutschland, auf sechs Forschungsschiffen und fünf Polarstationen in der Antarktis und Arktis ihren Forschungsaufgaben nach. Das wichtigste Instrument der Polarforschung ist der weltweit immer noch leistungsfähigste Forschungseisbrecher Polarstern. Er hat inzwischen über eine Million Seemeilen zurückgelegt und wurde dabei von rund 7000 Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus dem In- und Ausland genutzt.

 

Bei Gründung des Instituts konzentrierte sich die Forschung besonders auf einen Schlüsselorganismus des antarktischen Ökosystems: Der in scheinbar unendlichen Mengen vorkommende Krill ist Nahrungsgrundlage vieler anderer Antarktisbewohner von den Fischen bis zu den Walen. Die Entdeckung, dass der im antarktischen Sommer im freien Wasser lebende Krill im Winter die Algen unter dem Eis abweidet, war eine entscheidende Verbesserung unseres Verständnisses der Funktion polarer Nahrungsnetze. In der Folgezeit rückte die Bedeutung der Polargebiete für das weltweite Klima immer mehr in den Mittelpunkt der Forschung.

„Die Dynamik und Geschwindigkeit von Klimaveränderungen lässt sich an den Polen besonders deutlich erkennen. Unser Ziel ist es zu verstehen, wie das System Erde funktioniert, wie Atmosphäre, Biosphäre, das Meer und die polaren Regionen zusammenwirken“, begründet Professor Jörn Thiede, seit 1997 Direktor des Alfred-Wegener-Instituts und seit 2002 amtierender Präsident der internationalen Wissenschaftsorganisation SCAR (Scientific Committee on Antarctic Research), Sinn und Ziel polarer Klimaforschung. Ganz nach dem Vorbild des Namensgebers des Instituts, dem Meteorologen, Polarforscher und Begründer der Theorie der Kontinentalverschiebung Alfred Wegener, arbeiten alle naturwissenschaftlichen Fachdisziplinen gemeinsam an der umfangreichen Aufgabe.

 

Mit Erfolg: Unter Führung des Alfred-Wegener-Instituts wurde im Rahmen des EPICA Projekts aus über 3200 Metern Tiefe ein Eiskern erbohrt, der unsere Kenntnis der Geschichte der antarktischen Klimaentwicklung auf fast 800.000 Jahre verdoppelt. Die Analyse der in winzigen Bläschen im Eis eingeschlossenen Atmosphäre zeigt, dass die heutige Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre den höchsten Wert der letzten 500.000 Jahre erreicht hat. Vergleichbare Analysen führt das Alfred-Wegener-Institut in internationaler Zusammenarbeit im grönländischen Eisschild oder in den Permafrostböden der sibirischen Tundra durch und weist damit auch global eine ähnliche Entwicklung nach. Neben den historischen Daten sammeln die Wissenschaftler aktuelle Klimadaten und nutzen dabei neben der Polarstern auch die institutseigenen Polarflugzeuge und modernste Technik. Diese Messungen und die historischen Daten sind Grundlage für Computermodellierungen, mit deren Hilfe komplexe Zusammenhänge besser verstanden und Klimaprognosen optimiert werden.

 

Die Biologen des Instituts interessieren die Auswirkungen veränderter Temperatur und erhöhter UV-Einstrahlung auf marine Lebensgemeinschaften. An dem vom Alfred-Wegener-Institut gemeinsam mit Argentiniern und Niederländern betriebenen Dallmann-Labor in der Antarktis werden Algen und Tiere des Meeresbodens untersucht. In der offenen See schauen die Forscher erneut auf den Krill: Dessen abnehmende Dichte im antarktischen Südatlantik könnte weiterreichende Folgen auf das antarktische Ökosystem haben. Veränderungen zeigen sich aber auch in der Nordsee durch die Einwanderung Wärme liebender Arten, wie sie jüngst von der Biologischen Anstalt Helgoland und der Wattenmeerstation Sylt dokumentiert wurden.

 

Auf viele Fragen fehlen allerdings noch die Antworten. Ein weiterer Ausbau der Forschungskapazität ist notwendig, um hier die Wissenslücken zu schließen. Mit dem für September 2005 vorgesehenen Start des europäischen Forschungssatelliten „CryoSat“ soll eine kontinuierliche Überwachung der polaren Eisschilde ermöglicht werden. In der Antarktis werden die Arbeiten ab 2008 in der neuen Forschungsstation „Neumayer III“ fortgeführt, die anders als ihre Vorgängerinnen durch ein System hydraulischer Stelzen dauerhaft auf der Schneeoberfläche gehalten wird. Ein Teil dieser Vorhaben gehört zu den Vorbereitungen für das Internationale Polarjahr 2007/2008. Durch Bündelung der Forschungskapazitäten vieler Länder und Institute sollen Großprojekte in den Polargebieten möglich werden, zu deren Gelingen das Alfred-Wegener-Institut mit seinen logistischen Ressourcen und seiner wissenschaftlichen Erfahrung einen wichtigen Beitrag liefern wird.

Bremerhaven, den 7. Juli 2005.

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AWI Bremerhaven

Das alte Hauptgebäude in Bremerhaven.

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Krill

Im Winter weidet der Krill Algen unter dem Eis.

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Eislabor

Im Eis der Polargebiete ist das Klima vergangener Jahrhunderte konserviert.

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Forscher

Neugierige Forscher unter sich.

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Neumayer III

Mit Stelzen soll die neue Antarktis- Station über dem Schnee bleiben.

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Polarstern

Der Forschungseisbrecher Polarstern ist an rund 320 Tagen im Jahr im Einsatz.

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Neumayer-Station

Die bisherigen Neumayer Stationen lagen überwiegend unter der Schneeoberfläche.

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30. Juni 2005: Abi am AWI

Erfolgreicher Verlauf des Aufsehen erregenden HIGHSEA Schulprojekts von Alfred-Wegener-Institut und Bremerhavener Schulbehörden

Am 4. Juli überreicht Willi Lemke, Senator für Bildung und Wissenschaft der Freien Hansestadt Bremen, den ersten HIGHSEA-Abiturienten ihre Teilnahme-Urkunden. Das vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und den Bremerhavener Schulbehörden gemeinsam entwickelte Schulprojekt soll das Interesse am naturwissenschaftlichen Unterricht fördern und zum selbstständigen Lernen anregen. Seit seinem Beginn beteiligen sich knapp siebzig Schüler und Schülerinnen an dem innovativen Projekt.

 

Im August 2002 startete HIGHSEA (HIGHschool of Science & Education @ the AWI) unter der gemeinsamen Leitung der Meeresbiologin Dr. Susanne Gatti (Alfred-Wegener-Institut) und der Lehrerin Kerstin von Engeln mit 22 naturwissenschaftlich besonders interessierten Schülerinnen und Schülern aus den elften Klassen der Bremerhavener Oberstufenzentren. Das fächerübergreifende Projekt beschreitet neue Wege der Unterrichtsgestaltung und Schwerpunktsetzung in der Gymnasialen Oberstufe. Durch gezielte und nachhaltige Förderung des naturwissenschaftlichen Unterrichts soll selbst organisiertes Lernen geübt und damit der Einstieg in ein naturwissenschaftliches Studium erleichtert werden. Mit der Förderung der Lernmotivation und der Steigerung des Selbstvertrauens beim Wissenserwerb werden gleich zwei der in der ersten PISA Studie aus dem Jahr 2000 genannten Kritikpunkte am deutschen Bildungssystem angegangen.

 

„Teamteaching“ heißt die neue Form des Unterrichts. Vom Schulamt freigestellte Lehrkräfte der Fächer Biologie, Chemie, Physik, Mathematik und Englisch gestalten den Unterricht gemeinsam mit wissenschaftlichem Personal des Alfred-Wegener-Instituts. An zwei Tagen pro Woche findet der Unterricht im Alfred-Wegener-Institut statt. Ohne festen Stundenplan: Nicht der Pausengong, sondern der Fortschritt im Thema setzt die zeitlichen Grenzen einzelner Unterrichtseinheiten. Eine enge Anknüpfung an laufende Forschungsprojekte des Instituts schafft Praxisbezug und zusätzliche Motivation. Im Rahmen aktueller Fragestellungen wie „Ist das Ökosystem Wattenmeer gefährdet?“ oder „Kann der Energiebedarf der Region Bremerhaven durch erneuerbare Energiequellen sichergestellt werden?“ werden Grundlagen in den naturwissenschaftlichen Fächern erarbeitet.

 

Den Schülern und Schülerinnen macht diese Unterrichtsform offensichtlich Spaß; Abiturientin Jana Schnieders lobt das Konzept: „Wir haben mehr Experimente gemacht und viel mehr Projektarbeit gehabt als normalerweise in der Schule.“ Die Abbrecherquote ist dementsprechend gering und die Nachfrage übersteigt jedes Mal das Angebot von jährlich 22 Plätzen. Mit dem Lernerfolg ist Kerstin von Engeln sehr zufrieden: „Die Ergebnisse der HIGHSEA-Absolventen sind überdurchschnittlich und brauchen keinen Vergleich zu scheuen.“ Ein Eindruck, dem auch Oberschulrat Jörg Tönißen zustimmt. Eine unabhängige Expertenkommission der Universität Duisburg unter Leitung von Professorin Elke Sumfleth begutachtet die derzeit laufenden zweiten und dritten HIGHSEA-Jahrgänge. Mit ersten Berichten dieser externen Evaluation ist in rund 18 Monaten zu rechnen.

Die feierliche Übergabe der Urkunden findet am 4. Juli um 11 Uhr im Foyer des Hauptgebäudes des Alfred-Wegener-Instituts, Am Handelshafen 12 statt. Neben dem Bremer Senator nehmen Vertreter der Seestadt Bremerhaven, des Schulamtes und des Alfred-Wegener-Instituts teil. Vertreter der Presse sind herzlich eingeladen.

Bremerhaven, den 30. Juni 2005

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HIGHSEA

Lebensraum Watt und seine Gefährdung ist eine der Fragestellungen im HIGHSEA Projekt.

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HIGHSEA

Langzeitversuch in Regentonnen: Das Algenwachstum in unterschiedlich salzigem Wasser wird gemessen und anschließend statistisch ausgewertet.

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HIGHSEA

HIGHSEA Schüler und Schülerinnen bei der Probennahme auf dem Forschungsschiff Heincke.

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27. Juni 2005: Technologietransfer für maritime Software

Alfred-Wegener-Institut und Werum Software & Systems vereinbaren Technologietransfer für Software zur Planung wissenschaftlicher Schiffsexpeditionen.

Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und Werum Software & Systems unterzeichnen am 27. Juni die Vereinbarung zum Technologietransfer für ein Softwareprogramm zur Planung von maritimen Forschungsreisen. Die Unterzeichnung findet an Bord des Forschungseisbrechers Polarstern in Bremerhaven statt.

 

Mit dem Lizenzabkommen überträgt das Alfred-Wegener-Institut die exklusiven Vermarktungsrechte für das am Institut entwickelte rechnergestützte Reiseplanungsverfahren auf das Lüneburger Softwarehaus Werum. Die technische Pflege und Weiterentwicklung des Programms liegt künftig in der Hand von Werum. Die Nutzergemeinschaft erhält auf diese Weise ein professionell betreutes Software-Produkt. „Schon jetzt hilft die erste, von unserem Ozeanographen Gerd Rohardt entwickelte Version des Programms etlichen Fahrtleitern und Wissenschaftlern, viel Zeit bei der Fahrtplanung einzusparen“, sagt Dr. Eberhard Sauter, Technologietransferbeauftragter des Alfred-Wegener-Instituts. „Auch externe Kollegen sind bereits von der Demo-Version begeistert und freuen sich darauf, dass die Software bald als abgerundetes Produkt inklusive Handbuch und Support allen zugänglich sein wird.“

 

Die Software PERPLEX® richtet sich sowohl an Reedereien, Logistiker, Fahrtleiter und Wissenschaftler in der Forschungs-Seefahrt, als auch an Anwender in der Offshore-Industrie und Fischerei, die sich mit der Planung und Durchführung von Reisen beschäftigen. PERPLEX® ermöglicht eine umfassende und flexible Planung von Reiserouten, Terminen, Ressourcen, logistischen Bedingungen, Aufgaben und Aktivitäten. In das System sind die langjährigen praktischen Erfahrungen des Alfred-Wegener-Instituts bei der Planung und Durchführung von Forschungsreisen eingeflossen.

„Das heute geschlossene Abkommen über den Technologietransfer gibt uns weitere Impulse für unsere Aktivitäten in der Forschungsschifffahrt“, begründet Dr. Hans Windauer, Mitglied des Vorstands bei Werum, das Engagement des Softwarehauses. „Die Software fügt sich nahtlos in unser Portfolio an Produkten und Lösungen für maritime Anwendungen ein.“

Mit der Vermarktung der Software beabsichtigt Werum, seine geschäftlichen Aktivitäten in der internationalen Forschungsschifffahrt auszuweiten. Das Kerngeschäft im Bereich der maritimen Anwendungen bilden Onboard-Datenmanagementsysteme. Hier hat sich Werum als führender Lieferant für die deutsche Forschungsschifffahrt etabliert. Darüber hinaus realisiert Werum marine Messnetze wie das Umweltmessnetz in Nord- und Ostsee MARNET sowie satellitengestützte Mailsysteme.

Bremerhaven, den 27. Juni 2005

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Vertragsunterzeichung

Jörn Thiede, Direktor des Alfred Wegener-Instituts für Polar und Meeresforschung, und Dr. Hans Windauer (im Bild rechts), Vorstandsmitglied bei Werum Software & Systems, nach der Vertragsunterzeichnung.

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Screenshot

Screenshot aus der Software PERPLEX®

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Transfertag

Vor dem heutigen Vertragsabschluß wurde das Gemeinschaftsprojekt schon auf dem "Transfertag" am 9. Juni 05 in Bremen im Rahmen der "Stadt der Wissenschaft 2005" der Öffentlichkeit vorgestellt. Links: Carsten Stein (Werum), rechts: Gerd Rohardt (Alfred-Wegener-Institut).

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17. Juni 2005: Zweiundzwanzigste Antarktisexpedition der Polarstern endet in Bremerhaven

Am 21. Juni, voraussichtlich gegen 13 Uhr, wird der Forschungseisbrecher Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung von der 22. Antarktisexpedition in Bremerhaven zurück erwartet. Auf der achtmonatigen Expedition waren über 200 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland an Bord. Mehr als 30 Institute waren an dem in fünf Abschnitte unterteilten Forschungsprogramm im Südatlantik, Weddellmeer und der Scotiasee beteiligt.

 

Während der Fahrt von Bremerhaven in die Antarktis im Oktober 2004 wurden die Echolot- und Sonarsysteme der Polarstern optimiert. Mit Hilfe des Sedimentecholotes entdeckten die Wissenschaftler südlich von Afrika im Agulhas-Becken eine etwa tausend Meter hohe Erhebung, die einen unterseeischen Vulkan vermuten lässt. Die gewonnenen Daten wurden an die Internationale Hydrographische Organisation übermittelt, um internationale Seekarten zu verbessern.

 

Ein Höhepunkt der Expedition war die Verankerung der Polarstern an einer sechzehn Quadratkilometer großen Eisscholle im Weddellmeer. Im Rahmen des vom Alfred-Wegener-Institut organisierten Forschungsvorhabens ISPOL (Ice Station POLarstern), war die driftende Eisscholle von Dezember 2004 bis Januar 2005 Arbeitsplatz für 55 Wissenschaftler aus unterschiedlichsten Bereichen. Sie untersuchten die Veränderung des Meereises und der Lebewesen während des Frühjahrs auf der Südhemisphäre, wenn die Eisdecke auf ihrer Drift nach Norden langsam aufbricht und zerfällt. Die Forscher entdeckten einen überraschend hohen Austausch zwischen Scholle und Atmosphäre, der auch auf die unerwartet hohe biologische Aktivität unter und im Eis zurückzuführen sein dürfte. Der Einsatz der wissenschaftlichen Tauchgruppe des Alfred-Wegener-Instituts und eines kleinen Unterwasser Roboters ergab einen faszinierenden Blick unter das Eis. Die Forscher entdeckten, dass die Unterseite der Eisscholle von großen Krillschwärmen abgeweidet wird.

 

Ende Januar führte die Reise von Kapstadt ins Weddellmeer, wo ozeanographische Untersuchungen zur Erforschung der Rolle des antarktischen Ozeans im globalen Klimageschehen stattfanden. Im Weddellmeer erfolgt die Bildung von Tiefenwasser, das sich in die Becken des Weltmeeres ausbreitet und das tiefste Stockwerk der globalen Meereszirkulation darstellt. Das auf Polarstern durchgeführte Projekt ANDEEP-III (ANtarctic benthic DEEP-sea biodiversity) diente der Charakterisierung des Ökosystems Tiefsee im südlichen Ozean. Die Wissenschaftler untersuchten die biologische Vielfalt am Meeresbodens und ob das Weddellmeer ein Ursprungsgebiet für die Tierwelt angrenzender Tiefseegebiete darstellt.

Auf der Rückreise der Polarstern aus der Antarktis wurde vom Kieler Institut IFM-GEOMAR bei etwa 30°S ein Forschungsprogramm durchgeführt und längerfristige Veränderungen der Wassermasseneigenschaften gemessen. Die Verfügbarkeit langfristiger Messreihen ist eine wesentliche Grundlage für Modelle, die Prognosen zu den Auswirkungen von Klimaänderungen erlauben.

Polarstern wird am 21.Juni in Bremerhaven einlaufen und in einer vier Wochen andauernden Werftzeit auf die nächste Expedition in die Arktis vorbereitet. Bereits am Sonntag, den 26. Juni, ist Polarstern von 11 bis 17 Uhr im Rahmen der Veranstaltung „Open Ship“ auf der Lloydwerft in der Bückingstraße zu besichtigen. Näheres dazu erfahren sie auf den Internetseiten des Alfred-Wegener-Instituts.

Bremerhaven, den 17. Juni 2005

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Polarstern

Neue Haltestelle der Polarstern: Eisschollen.

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Forscher

Mit der Zeit adaptieren sich die Forscher auch farblich an ihre Umgebung: Probennahme auf der Scholle.

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Forschungstaucher

Forschungstaucher erkunden die Schollenunterseite.

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Tomate

Farbe und Form verhalfen den „Tomate“ genannten Behelfsunterkünften zu ihrem Namen.

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