Offshore-Aquakultur

Deutschland hat im Bereich der Offshore-Aquakultur 15 Jahre lang Vorarbeiten geleistet, die im Rahmen biologischer, technischer, ozeanographischer, sozio-ökonomischer und sozialer Testreihen untersucht wurden. Die räumliche Verlagerung in den Offshore-Bereich verhindert größtenteils Interessenskonflikte mit anderen Nutzern des Küstenraumes und erfährt gleichzeitig eine verbesserte Wasserqualität. Durch die Verlegung können jedoch auch Probleme, die sich sowohl in der Bereitstellung geeigneter Kulturorganismen, die harte Stürme und starke Strömungen aushalten, und stabilen, sicheren Techniken in einem moderneren und angepassten Design darstellen, als auch in der Erreichbarkeit solch ferner Areale und einem ausgeklügelten Management liegen, entstehen. Offshore-Kulturen sind in den USA, Kanada und einigen europäischen Ländern zu einer neuen Richtung der Marikultur geworden. Die Schlagwörter, die diese neue Art der Kultivierung von Organismen umschreiben, sind: Offshore, Open Ocean, Far out und Farming the Deep Blue. Bislang haben sich mit diesem Open Ocean Bereich weltweit unterschiedlichste Fachrichtungen beschäftigt, die aus der Biologie, der Geologie, der Aquaristik, der Aquakultur, dem Ingenieurwesen, dem Management, der Logistik und der Sozio-Ökonomie stammen. Vorreiter dieser Technologie sind Projekte aus den USA, wie das so genannte „New Hampshire Open Ocean Aquaculture Demonstration Project“.

Das Ziel

Ziel dieser Technologieentwicklung ist es, in einem Gebiet, welches aufgrund der vorherrschenden Wetter- und Seebedingungen als ungeeignet schien, ein System-Design zu schaffen, welches unter nachhaltigen und umweltschonenden Bedingungen die Produktion von Meeresfrüchten zur Erhöhung des deutschen Selbstversorgungsgrad führt. Die bisherigen innovativen technischen Entwicklungen aus deutschen Forschungsprojekten müssen weitergeführt werden, um die Führungsrolle zu erhalten und auszubauen.

Die fortschreitende Entwicklung in der konventionellen Energieversorgung hat dazu geführt, dass die Belastungsgrenze der Umwelt überschritten ist und wir uns der fossilen Ressourcengrenze nähern. Mit der Windenergie, insbesondere im Offshore-Bereich, soll durch die Nutzung dieser regenerativen Energie die Umwelt und natürliche Ressourcen geschont werden. Eine parallele Entwicklung ist schon seit Jahrzehnten bei der konventionellen Erwirtschaftung mariner Nähr- und Rohstoffe gegeben. Die internationale Lebensmittel- und Rohstoffwirtschaft für marine Produkte ist dieser Überwirtschaftung, insbesondere durch die Überfischung, mit der Entwicklung und dem Betrieb von marinen Aquakulturanlagen begegnet. Diese Entwicklung muss für deutsche Gewässer angepasst werden, um die Produktion von marinem Fisch und anderen Meeresfrüchten zu ermöglichen.

Sonderfall und Lösungsansatz: Multi-Use

In Deutschland ist diese Art der Kultivierung noch neu und wird kommerziell nicht betrieben, sondern eher als „Offshore Vision“ angesehen. Der Begriff „Offshore“ wird hierzulande vorrangig mit den geplanten Offshore-Windparks im Nord- und Ostseeraum in Verbindung gebracht. In der Realität wird der Offshore-Bereich durch verschiedene Interessensgruppen schon jetzt vermehrt beansprucht. Durch die rasche Entwicklung der geplanten Windparks entstehen auch in diesem Bereich Probleme in der Nutzung der Nordsee. Aus Sicht der Fischerei werden die befischbaren Gebiete verkleinert, da die Windparkareale, je nach Anzahl und Größe, als Sperrgebiete ausgewiesen werden sollen. Gleichzeitig bringt dieser Flächenkonflikt auch eine mögliche Lösung, die der traditionellen Fischerei Vorteile verschaffen kann, nämlich die multifunktionale Nutzung solcher Flächen mit geeigneten Aquakulturtechniken, die die Bewirtschaftung fern der Küste auch für letzteren Wirtschaftszweig rentabel machen und Fischern ein alternatives Einkommen sichern können. Durch die Verankerung von Aquakulturanlagen an Offshore-WEA soll eine wirtschaftliche Erschließung eines bisher unbenutzten Meeresgebietes für Aquakulturen ermöglicht werden, insbesondere in der Nordsee. Die positiven, synergetischen Effekte einer multifunktionalen Nutzung von Offshore-Windparks durch Aquakulturen müssen in einem Co-Management gebündelt werden, um eine effektive und wirtschaftliche Nutzung zu gewährleisten. Die Integration dieser beiden Parteien in der Deutschen Bucht wird seit vielen Jahren von ca. 60 Partnern aus Universitäten, Forschung, Industrie, Verbänden und Behörden erforscht.