AWI Nordseebüro

Das AWI-Nordseebüro vermittelt wissenschaftliche Inhalte an Politik, Umweltverbände und Öffentlichkeit. Die Nordsee ist ein einzigartiger Naturraum und eine bedeutende Wirtschaftsregion. Daraus entstehende Nutzungskonflikte und globaler Klimawandel stellen große Herausforderungen an die Gesellschaft, politische Entscheidungsträger und Behörden.

Das AWI untersucht an den Standorten Bremerhaven, Helgoland und Sylt seit vielen Jahren die Veränderungen der Nordsee. Mit umfangreichem Expertenwissen aus zahlreichen Forschungsprojekten sind die Wissenschaftler des AWI in nationalen und europäischen Fach- und Beratungsgremien vertreten. Gemeinsam mit Politik und Umweltschutzverbänden entwickelt das AWI Strategien für einen nachhaltigen Umgang mit einer sich verändernden Nordsee.

Im Fokus

Themenschwerpunkte

Eingeschleppte Arten an unseren Küsten

Immer mehr nicht-heimische Arten werden durch den transozeanischen Schiffsverkehr und Aquakulturaktivitäten an unsere Küsten verschleppt. Hier bewirken sie nicht vorhersehbare Effekte auf die heimischen Ökosysteme. Das Nordseebüro ist in diesem Zusammenhang enger Kooperationspartner nationaler Umweltbehörden und erarbeitet einen Bewertungsindikator, um die Auswirkungen von neuen Arten auf die Meeresumwelt einschätzen zu können. Dieser stellt ein elementares Werkzeug bei der Umsetzung der EU- Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie dar.

Müll und Mikroplastik im Meer

Die weltweite Verschmutzung der Ozeane durch Plastikabfälle stellt eine der größten Belastungen für die Meeresumwelt dar. Große Plastikobjekte wie auch winzige Mikroplastikpartikel sind in allen Meeren zu finden. Wir untersuchen die Mengen von Plastikabfällen in verschiedenen marinen Habitaten, Eintragswege sowie die Interaktionen mit den Meeresorganismen und deren Folgen.

Vorkommen mariner Krankheitserreger

Infektionen, ausgelöst durch Kontakt mit Wasser oder durch den Konsum von Meeresfrüchten, stellen weltweit ein Problem für das Gesundheitswesen dar. Neben verschiedenen Serotypen von Vibrio cholerae (Cholera-Erkrankungen), können vor allem Vibrio vulnificus sowie Vibrio parahaemolyticus durch Kontakt mit Seewasser bzw. den Verzehr von Meeresfrüchten auf den Menschen übertragen werden und führen häufig zu schweren Erkrankungen. Erhöhte Wachstumsraten, induziert durch steigende Temperaturen, führten bereits in der Vergangenheit weltweit zu einer Zunahme von Vibriosen beim Menschen. Es ist zu erwarten, dass sich die Erwärmung der Nordsee im Zuge der Klimaveränderung auf die Populationsdynamik von Vibrio spp. auswirkt.

Forschungsprojekte

Schnellerfassungsprogramm Neobiota

In deutschen Küstenökosystem etablieren sich jährlich im Mittel 1-2 durch den Menschen eingeschleppte Arten, die aus weit entfernten Ökosystemen stammen. Ein im Jahr 2009 durch unsere Arbeitsgruppe etabliertes und seitdem jährlich durchgeführtes Erfassungsprogramm gibt erstmals einen Überblick darüber, welche Arten bereits etabliert sind, welche Arten dazukommen und wie diese sich im Lebensraum ausbreiten. Die langfristig angelegten Untersuchungen sind die Grundlage für jegliche Gefahren- und Bewertungsabschätzungen bezüglich invasiver Organismen in unserer Meeresumwelt.

Verbreitung benthischer Gemeinschaften der Nordsee

Die europäische Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, den Zustand und die Entwicklung der Artengemeinschaften des Meeresbodens zu überwachen. In einem vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Forschungsprojekt entwickeln und betreiben wir ein Monitoringprogamm, mit dessen Hilfe die Bodengemeinschaften verschiedener Biotoptypen in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone der Nordsee kontinuierlich erfasst werden.

Langzeitaufnahme von Makroalgen und Seegras im Wattenmeer

Seegraswiesen sind hochproduktive Lebensräume an der Küste und von großer ökologischer Bedeutung, da sie eine Vielzahl wichtiger ökologischer Funktionen erfüllen. Sie reagieren auch sehr empfindlich auf eine Reihe schädlicher Umwelteinflüsse, besonders auf Eutrophierung. Deswegen werden Seegraswiesen als Indikator für den ökologischen Zustand gesehen und als solcher für die EU-Wasserrahmenrichtlinie verwand.

Die Überwachung ihres Zustandes erfolgt im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer durch eine Kombination verschiedener Methoden. Eine flächendeckende und großräumige Kartierung der Seegrasbestände auf den Wattflächen erfolgt aus der Luft vom Flugzeug aus. Am Boden werden in ausgesuchten Teilgebieten präzise, detaillierte und hochaufgelöste Daten erhoben, um die Ergebnisse der Flugzeugkartierung wertvoll zu ergänzen und zu verifizieren. Darüber hinaus werden historische Luftbilder ausgewertet, was eine Rekonstruktion der langfristigen Entwicklung der Seegrasbestände erlaubt.

Während die Seegraswiesen im Norden des Schleswig-Holsteinischen Wattenmeeres seit 1994 deutlich an Fläche zugenommen haben, ist eine Erholung der Bestände im Süden leider nicht zu beobachten. Wir vermuten, dass die Seegraswiesen im Norden in den vergangenen Jahren von einer Reduzierung der Nährstoffeinträge durch Flüsse in letzter Zeit profitieren, während die Bestände im Süden zu nah an den großen Flussmündungen Elbe, Weser und Ems gelegen sind.