Druckversion dieser Seite
PDF-Version dieser Seite

 

Molgula pedunculata, eine Pionierin im Klimawandel

Die Seescheide Molgula pendunculata zeichnet sich durch explosives Populationswachstum aus
Foto: Julian Gutt

Steckbrief

Bei dieser halb-transparenten Art handelt es sich um ein Tier, das zur Gruppe der Seescheiden gehört. Es lebt verankert am antarktischen Meeresboden in Wassertiefen zwischen 30 und 300 Metern. Molgula pedunculata ernährt sich von Algen, die in den lichtdurchfluteten oberen Wasserschichten heranwachsen und später auch in größere Tiefen herabsinken. Sie ist bereits nach drei bis fünf Jahren ausgewachsen und hat dann eine Größe von etwa 25 Zentimetern erreicht. Damit ist sie viel schnellwüchsiger als die meisten antarktischen Meeresbodenbewohner. Dieses Foto wurde mit einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug (ROV) an der Ostküste der Antarktischen Halbinsel aufgenommen.


 

Tiefseetiere, wie dieser Seestern, kennzeichnen das Leben unter dem Schelfeis
Foto: Julian Gutt

Die Bedeutung von Molgua pedunculata für das Antarktische Ökosystem

Der Klimawandel hat in den vergangenen Jahrzehnten an der Antarktischen Halbinsel dazu geführt, dass mächtige schwimmende Eistafeln von der Küste abgebrochen sind. Das größte derartige Gebiet, Larsen A/B, ist etwa 40 mal so groß wie das Bundesland Bremen und befinden sich an der Ostküste der Halbinsel. Die Ökologen am Alfred-Wegener-Institut interessieren sich nun dafür, wie das Leben in einem solchen mit einem „Eisdeckel“ nach oben abgeschirmten Ökosystem ausgesehen hat. Nahrung für die dortige Tierwelt konnte nur seitlich über große Entfernungen und nur in geringer Menge mit der Strömung herandriften. Eine Überraschung war die Entdeckung einiger Tiefseetiere, die hier in nur 200 Meter flachem Wasser gefunden wurden (siehe Foto rechts). Noch spannender ist die Frage, wie sich das Ökosystem verändert, nachdem der „Eisdeckel“ verschwunden ist. Molgula pendunculata gehört zu den Pionierarten des Meeresbodens, die besonders schnell und massenhaft nach dem Wegbrechen des Schelfeises gewachsen sind. Andere, viel langsamer wachsenden Arten haben innerhalb weniger Jahre noch gar nicht reagiert. Die Tierwelt im offenen Wasser, wie zum Beispiel der Krill, Fische, Robben und Wale hingegen, hat diesen neuen Lebensraum bereits für sich erschlossen. Spannend wird es sein, in den nächsten Jahren zu beobachten, ob weitere Meeresbodenbesiedler in diesem Gebiet Fuß fassen und damit die Lebensvielfalt regional bereichern. Das Überleben der seltenen Tiefseetiere, die an die ehemals eisbedeckten Verhältnisse angepasst waren, sind jedoch hochgradig gefährdet.


 
Druckversion dieser Seite
PDF-Version dieser Seite