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Der Japanischer Beerentang (Sargassum muticum) - Eine Alge mit Migrationshintergrund

Abb. 1: Unterwasser-Aufnahme mehrerer auf der Wasseroberfläche schwimmender Thalli des Japanischen Beerentangs (Sargassum muticum) in einem geschützten Priel des Helgoländer Felswatts. Foto: Sami Domisch, Alfred-Wegener-Institut

Steckbrief

Diese aus pazifischen Gewässern stammende Makroalge ist seit Mitte der 1980er Jahre Mitglied der Lebensgemeinschaften von wellengeschützten Flachwasserbereichen der Helgoländer Felsküste sowie von Miesmuschel- und Austernbänken im Wattenmeer. Mit Hilfe einer Haftscheibe klebt sich diese schnellwüchsige Alge auf harten Unterlagen am Meeresboden fest. Hier wächst S. muticum innerhalb eines Sommers bis zu einer Länge von vier Metern, während sie in den Tropen bis zwölf Meter lang werden kann. S. muticum hat kleine, beerenähnliche luftgefüllte Kugeln (Pneumatocysten, Abb. 2), um möglichst effektiv Licht für die Energiegewinnung durch Photosynthese aufzunehmen. Sie haben der Alge den Namen gegeben und helfen ihr, sich im Wasser aufzurichten, beziehungsweise Teile der Alge bei Niedrigwasser auf der Wasseroberfläche im lichtdurchfluteten Wasser schwimmen zu lassen (Abb. 1). Mit den ersten Herbststürmen wird S. muticum bis auf die Haftscheibe und einige 20 bis 40 Zentimeter lange Stiele abgerissen, welche im darauf folgenden Frühjahr wieder austreiben (pseudo-perennierender Lebenszyklus). Die abgerissenen Algen-„Äste“ driften mit den Meeresströmungen und dienen der Verbreitung der Alge, was die rasante Ausbreitung der Art maßgeblich fördert. 

 


 

Abb. 2: Wattenmeer-Heringe nutzen den Japanischen Beerentang als Kinderwiege, indem sie ihren weißlichen Laich an den Algen-„Ästen“ festkleben. Die luftgefüllten Pneumatocysten sind als braune Beeren zu erkennen. Foto: Christian Buschbaum, Alfred-Wegener-Institut

Der Einfluss des Neuankömmlings Sargassum muticum auf die heimische Artenvielfalt

Die Ankunft fremder Arten kann dazu führen, dass sich das über viele Jahrhunderte entwickelte Zusammenspiel zwischen Arten in einer Lebensgemeinschaft dramatisch verändert; beispielsweise weil Neuankömmlinge keine natürlichen Feinde besitzen und sich somit ungebremst ausbreiten und die heimischen Arten zurückdrängen können. Als Folge solcher „biologischen Invasionen“ kann u. a. die Artenvielfalt durch die neue Art stark verändert werden.
Für den Japanischen Beerentang wurde dieser Zusammenhang vor der Nordamerikanischen Westküste gezeigt. Mitarbeiter der Wattenmeerstation auf Sylt und der Biologischen Anstalt Helgoland in der Stiftung Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung untersuchten an beiden Inseln, inwieweit sich die Anwesenheit von S. muticum auf die Artenvielfalt der dort ansässigen Lebensgemeinschaften ausgewirkt hat. Die Studien verdeutlichen, dass in den „Ästen“ des Japanischen Beerentangs genauso viele (Helgoländer Felsküste) oder mehr (Sylter Wattenmeer) Tiere und Algen leben wie in einheimischen Algenarten. Insbesondere die mit den Seepferdchen verwandten Schlangen- und Seenadeln profitieren stark von der Existenz des Japanischen Beerentangs, da er zusätzlichen Lebensraum bereitstellt. Auch wird der Beerentang von heimischen Fischarten, wie dem Hering, als Laichsubstrat genutzt, der seine Eier an die Algen klebt (Abb. 2). Darüber hinaus zeigten Freiland-Experimente auf Helgoland, dass die Gemeinschaften unter dem Baldachin von S. muticum sich weder in der Zusammensetzung noch der Vielfalt der Arten von den Gemeinschaften unterschieden, die unter dem Baldachin eines „Cousins“ des Japanischen Beerentangs, dem einheimischen Schotentang (Halidrys siliquosa) leben. Diese Untersuchungen verdeutlichen, dass fremde Arten nicht von vornherein schädlich für den Erhalt der einheimischen Tier- und Algenwelt sein müssen, sondern durchaus positive Wirkung entfalten können.


 
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