AWI-Direktorin: Freiheit der Forschung in der Arktis gewährleisten
Bremerhaven, 16. März 2011 (dpa/lni) – Angesichts der rasanten Veränderungen in der Arktis fordern Polarforscher völkerrechtliche Sicherheit für ihre Arbeit am Nordpol. „Wir appellieren an die Anrainer, dort möglichst viel Forschungsarbeit zu erlauben“, sagte die Direktorin des Bremerhavener Alfred-Wegener-Institutes (AWI), Prof. Dr. Karin Lochte, am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Hintergrund sind die wachsenden Gebietsansprüche der Anrainer wie USA, Russland, Kanada Norwegen und Dänemark. Der Rechtsrahmen für die Polarforschung steht ab Donnerstag im Mittelpunkt einer internationalen Arktiskonferenz im Auswärtigen Amt.
An kaum einer anderen Stelle auf der Erde ist der Klimawandel so deutlich zu spüren wie rund um den Nordpol. „Die Veränderungen in den Ozeanen und in der Atmosphäre vollziehen sich doppelt so schnell wie in den anderen Regionen der Erde“, erläutert Lochte.
Nachdem sich die Polarforschung in der Vergangenheit vor allem auf die Antarktis konzentrierte, rückt nun die Arktis zunehmend ins Blickfeld der Wissenschaft. „Wir betrachten sie als Frühwarnsystem für die Veränderungen, die auf uns zukommen“, betont Lochte die Bedeutung der Arktis-Forschung.
Während der Forschung in der Antarktis durch internationale Verträge Vorrang eingeräumt und eine wirtschaftliche Nutzung von Bodenschätzen ausgeschlossen wurde, sind den Wissenschaftlern in der Arktis völkerrechtliche Grenzen gezogen. „Ein großer Teil der Arktis ist in nationale Wirtschaftszonen aufgeteilt, in dem wir nur mit Genehmigung des jeweiligen Landes arbeiten dürfen“, erklärt Lochte.
Bislang funktioniert das Goodwill der Anrainer weitgehend, bestätigt Karin Lochte: „Aber wir wissen nicht was passiert, wenn sich das politische Klima einmal ändert. Deswegen brauchen wir klare und länderübergreifende Richtlinien, wie die Forschung in der Arktis gehandhabt werden kann“, fordert sie.
Ausdrücklich begrüßt die AWI-Direktorin die Initiative des Auswärtigen Amtes, das völkerrechtliche Regelungen bereits zum zweiten Mal zum Thema einer internationalen Arktis-Konferenz gemacht hat. „Die Anrainerstaaten sind der Auffassung, die bestehenden internationalen Regelungen seien ausreichend“, erläutert Lochte. Daher sei es jetzt notwendig, diese Regelungen auf ihre Wirksamkeit zu prüfen und ihre Anwendung auf diplomatischem Wege durchzusetzen.
Einen Konflikt zwischen wissenschaftlichen Arbeiten und wirtschaftlichen Interessen fürchtet sie nicht: „Wir haben ganz andere Interessen.“ Vor einer Nutzung der Ressourcen in der Arktis müssten allerdings noch wesentliche Frage geklärt werden: „Wir wissen überhaupt nicht, wie hoch das Gefährdungspotenzial einer Ressourcennutzung sein kann und welche Sicherungssysteme es geben muss.“
Eine Chance, die Ausbeutung der vermuteten Rohstoff-Vorkommen aufzuhalten, sieht Lochte allerdings kaum: „Angesichts des Rohstoff-Hungers auf der Welt ist dies nur eine Frage der Zeit und der Kosten.“
dpa-Gespräch anlässlich der Zweiten Internationalen Konferenz "Klimawandel, Völkerrecht und Arktisforschung - Rechtliche Aspekte der Meeresforschung im Arktischen Ozean" im Auswärtigen Amt, Berlin am 17. und 18. März




