Ultralangsame Mittelozeanische Rücken

An mittelozeanischen Rücken bewegen sich die Lithosphärenplatten mit Geschwindigkeiten von ca. 5-150 mm/Jahr auseinander und es wird laufend neue Ozeanlithosphäre gebildet. Bei niedrigen Spreizungsraten von weniger als 20 mm/Jahr stottert dieser Motor. Es wird nur sehr wenig Schmelze gebildet und die hat Schwierigkeiten, sich durch eine kalte, mächtige Lithosphäre den Weg an den Meeresboden zu bahnen. Die Bildung von neuer Ozeanlithosphäre an ultralangsamen Rücken unterscheidet sich daher von allen anderen Ozeanbecken. Ultralangsame Rücken stellen deswegen eine eigene Kategorie mittelozeanischer Rücken dar, die ungefähr 15% der gesamten Spreizungsachsen ausmacht. Weil die ultralangsamen Rücken im arktischen Ozean und im stürmischen Südwestindischen Ozean gelegen sind, sind die Spreizungsprozesse dieser eigenen Rückenklasse im Detail noch kaum verstanden.

 

In der DFG finanzierten Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe MOVE "Mid-Ocean Volcanoes and Earthquakes" untersuchen wir die aktiven Spreizungsprozesse anhand der Erdbebentätigkeit des Arktischen Rücken Systems und des Südwestindischen Rückens. In mehreren Expeditionen (AMORE • SWEAP • RHUM • AURORA) haben wir einen umfangreichen Datensatz an lokalen Erdbebenaufzeichnungen zusammengetragen, den ersten an ultralangsamen Rücken überhaupt. Aus den Erdbeben erhalten wir Informationen über ungewöhnliche vulkanische Aktivität, wie sie sich 1999-2001 am Gakkel Rücken abspielte, den thermischen und mechanischen Zustand der Lithosphäre und über Wege, die sich das Magma zu den weit voneinander entfernten Vulkanen, eine Besonderheit ultralangsamer Rücken, sucht.

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Ausbringen eines OBS am stürmischen Südwestindischen Rücken (Foto: Folke Mehrtens)
OBS Montage
OBS Montage

Erdbeben deuten eine starke Topographie der Lithosphären-Asthenosphären-Grenze an, entlang der Schmelzen zu Vulkanen fließen können (Schlindwein et al., 2013)

Erdbebenstudien am Arktischen Rückensystem (Schlindwein et al., 2014)

Erdbebenstudien am Südwestindischen Rücken