Welche Quallen leben heute im Arktischen Ozean – und welche morgen?

AWI-Biologin Charlotte Havermans betritt mit neuer Helmholtz-Nachwuchsgruppe für arktische Quallen wissenschaftliches Neuland
[21. November 2018] 

Ab dem kommenden Jahr wird Charlotte Havermans eine vier- bis fünfköpfige Forschungsgruppe aufbauen. Diese wird mithilfe modernster Technik eine Quallen-Inventur des Arktischen Ozeans vornehmen. Finanziell unterstützt wird sie durch die Helmholtz-Gemeinschaft und das Alfred-Wegener-Institut.

Egal ob Ostsee, Nordsee, Atlantik oder Pazifik: Quallen sieht man inzwischen bei fast jedem Strandspaziergang. Die Zahl der auffälligen Nesseltiere hat in den zurückliegenden Jahrzehnten so stark zugenommen, dass infolge dessen sogar die Fischbestände in einigen Meeresgebieten eingebrochen sind. Mancherorts wird schon von einem Siegeszug der gallertartigen Räuber gesprochen. Dabei weiß der Mensch noch gar nicht genug über das Leben, die Verbreitung und Artenvielfalt der Quallen (Nesseltiere) und ähnlich aussehender Meeresbewohner wie Rippenquallen und Manteltiere. Nahezu unbekannt ist zum Beispiel, welche Arten dieser zum Teil nur entfernt miteinander verwandten Tiergruppen auch im Arktischen Ozean vorkommen, wie häufig sie sind und welche Funktionen sie im polaren Nahrungsnetz einnehmen.

„Wir wissen so wenig, weil sich Quallen nicht einfach mit einem Netz fangen lassen. Ihr weicher, fragiler Körper geht beim Fischzug oft kaputt oder wird im Magen von Fressfeinden so schnell verdaut, sodass man neue, aufwendige Methoden anwenden muss, um ihre Existenz nachzuweisen und ihre Rolle im Ökosystem zu verstehen“, sagt Dr. Charlotte Havermans, Biologin an der Universität Bremen und dem Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI).

Welche Methoden dies sind, hat die junge Wissenschaftlerin in einem Antrag für eine neue Helmholtz-Nachwuchsgruppe zusammengetragen, für die sie den Zuschlag erhielt. Finanziell unterstützt durch die Helmholtz-Gemeinschaft und das AWI wird Charlotte Havermans ab dem kommenden Jahr eine vier- bis fünfköpfige Forschungsgruppe aufbauen, die dann mithilfe modernster Technik eine Quallen-Inventur des Arktischen Ozeans vornehmen wird. „Wir werden auf mehreren Schiffsexpeditionen verschiedene Kamerasysteme in der Wassersäule und unter dem Meereis einsetzen, den Mageninhalt unterschiedlicher Meeresorganismen analysieren, im Wasser nach den genetischen Fingerabdrücken von Quallen und Co. suchen sowie Sonardaten auswerten, die uns hoffentlich etwas über die Häufigkeit und Verteilung der Nesseltiere und Rippenquallen verraten werden“, sagt Charlotte Havermans.    

Aus diesen und vielen anderen Daten möchte die neue Gruppenleiterin im Anschluss ableiten, wie viele verschiedene Arten gallertartiger Tiere es im Nordpolarmeer gibt, woher die Tiere stammen, wovon sie sich ernähren und ob sie zu einem bestimmten Zeitpunkt ihres Lebens vom Meereis abhängen. Weitere Forschungsfragen sind, ob die Zahl der Quallen insgesamt zunimmt, sich das Verbreitungsgebiet bestimmter Arten im Zuge des Klimawandels verschiebt, ob sie von arktischen oder aus dem Nordatlantik einwandernden Fischen gefressen werden oder selbst deren Nachwuchs dezimieren und ob arktische Quallenarten in der Lage wären, sich an den Klimawandel anzupassen. „Als ich diese vielen Fragen für den Antrag zusammengetragen habe, hat mich das Thema so begeistert, dass ich mir gar nicht mehr vorstellen konnte, etwas anderes zu machen“, sagt die in Belgien aufgewachsene Wissenschaftlerin.

Mit der Förderzusage durch die Helmholtz-Gemeinschaft ging ihr Traum nun in Erfüllung. Charlotte Havermans: „Ich habe die E-Mail wieder und wieder gelesen, um auch ganz sicher zu sein, dass ich nicht träume. Die Helmholtz-Gemeinschaft und das AWI geben mir die Chance, auch in den kommenden Jahren in Bremerhaven zu arbeiten und mich einzig und allein diesem spannenden Thema zu widmen. Ich freue mich wirklich sehr!“

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